Motivation und Emotion
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
-
- 1 / 227
-
Cartes-fiches
Erläutern Sie die Annahmen von Erwartungs-mal-Wert Theorien. Was ist Erwartung? Was ist Wert?
(65)
Erwartung-mal-Wert Theorien:
• Verhalten als Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen Erwartung und Wert (zwei intervenierende Variablen).
Erwartung: Wissen über kausale Beziehungen zwischen Handlungen & ihren Folgen -> Handlungs-Folge-Kontingenz.
Wert: motivational-affektive Bewertung dieser Folgen -> Anreiz.
• M = W x E (Handlungsmotivation = Wert * Erwartung)
• keine Handlungsmotivation ohne Erwartung von Folgen oder ohne erwünschte Folgen (Anreize).
Welche Arten von Erwartungen werden im erweiterten kognitiven Motivationsmodell von Heckhausen und Rheinberg unterschieden? Welche Erwartungstypen stärken die Motivation, welche untergraben sie? Nennen Sie jeweils Beispiele.
(66.1)
Situations-Ergebnis-Erwartung S→E:
• Vorstellungen davon, was in best. Situation unabhängig vom Handeln passieren wird.
-> starke S->E-Erwartung -> Ergebnis scheint handlungsunabhängig bereits festzustehen.
• Bsp.: Einer Person erscheint durch die Prüfungssituation der Misserfolg bereits vorprogrammiert -> Prüfungsangst.
• wichtige Rolle bei Erklärung von Motivationsdefiziten (durch fatalistische Gedanken)
Handlungs-Ergebnis-Erwartung H→E:
-> Karte 66.2
Ergebnis-Folge-Erwartung E→F:
-> Karte 66.3
Welche Arten von Erwartungen werden im erweiterten kognitiven Motivationsmodell von Heckhausen und Rheinberg unterschieden? Welche Erwartungstypen stärken die Motivation, welche untergraben sie? Nennen Sie jeweils Beispiele.
(66.2)
Situations-Ergebnis-Erwartung S→E:
(Karte 66.1)
Handlungs-Ergebnis-Erwartung H→E:
• Verknüpfung bestimmter Handlungsstrategien & Verhaltensweisen mit spezifischen Konsequenzen.
• v.a. bei Verhaltensweisen, die Anstrengung verlangen / Entschlossenheit bedürfen (nicht selbstverständlich ausgeführt werden)
• Bsp.:„Um diese Prüfung zu bestehen, muss man sich intensiv vorbereiten.“
-> starke H->E-Erwartungen -> zentrale Motivationsquelle (für anspruchsvolle Verhaltensweisen).
• auch für Inhibition von Verhalten unerlässlich.
• Fehlende H->E-Erwartung -> evtl. Antriebslosigkeit / Depression.
Ergebnis-Folge-Erwartung E→F:
(Karte 66.3)
Welche Arten von Erwartungen werden im erweiterten kognitiven Motivationsmodell von Heckhausen und Rheinberg unterschieden? Welche Erwartungstypen stärken die Motivation, welche untergraben sie? Nennen Sie jeweils Beispiele.
(66.3)
Situations-Ergebnis-Erwartung S→E:
(Karte 66.1)
Handlungs-Ergebnis-Erwartung H→E:
(Karte 66.2)
Ergebnis-Folge-Erwartung E→F:
• Verbinden des unmittelbaren Ergebnisses mit persönlichen Zielen, Werten, Selbst- und Fremdbewertungen. -> („Instrumentalitäten“)
-> Handlungsergebnis als Mittel auf dem Weg zur Erreichung übergeordneter normativer Vorstellungen.
• Bsp.: Gute Prüfungsnoten instrumentell für späteren Bewerbungserfolg. <-> Überzeugung, dass wegen der Arbeitsmarktsituation auch miesen Noten ausreichen -> Infragestellen der Instrumentalität guter Noten.
• E->F-Erwartungen -> symbolischer Wert eines Ergebnisses.
-> Weist ein gutes Prüfungsergebnis darauf hin, dass ich das Zeug zu einem guten Psychologen habe, oder – ganz im Gegenteil – dass ich nur gut auswendig lernen kann?
• dauerhafte Verhaltensmotivation nur durch starke Ergebnis-Folge-Erwartungen gesichert.
Was versteht man unter einer „Selbstwirksamkeitserwartung“?
Erläutern Sie dazu auch das Experiment zur erlernten Hilflosigkeit von Seligman & Maier (1967).
(67)
Selbstwirksamkeitserwartung: Überzeugung, Anforderungssituationen durch eigene Kompetenz bewältigen zu können.
4 Quellen:
1) Kompetenzerlebnisse (Erfolge, Fehler, Hartnäckigkeit, etc.)
2) Modelllernen (Vorbilder, Nachahmung,
3) Soziale Persuasion (Überzeugung, Überredung, etc.)
4) Introspektive Wahrnehmungen (Anspannung, Erschöpfung, etc.)
• Spezifische (= situationsgebunden) & generalisierte (=situationsübergreifende) Erwartungen
Erlernte Hilflosigkeit (Seligmann & Maier):
• Lernphase: Yoked-Gruppe (Hunde können Schock nicht entkommen) vs. Fluchtgruppe (Flucht möglich) vs. Kontrollgruppe.
• Testphase: zweiteilige Box mit Hindernis; jeweils eine Hälfte unter Strom → AV: Zeit bis zum Überwinden des Hindernisses
-> Fluchtgruppe: ALLE Hunde entkommen dem Schock; Kontrollgruppe: 87,5%; Yoked-Gruppe nur 25%.
-> Yokedgruppe: erlernte Hilflosigkeit; Generalisierung auf neue (aber veränderbare!) Situation.
Was ist eine Nutzenfunktion? Was ist mit Nutzenmaximierung gemeint?
(69)
moderne Nutzentheorie (Neumann & Morgenstern): Nutzen -> subjektive Bewertung (Situation / Ergebnis) -> Vektor aus verschiedenen Aspekten einer Situation.
Nutzenfunktion: (u=utility); entsteht durch Zuordnung von Nutzenwerten zu Ergebnissen: x pref y ≡ u(x) > u(y)
-> [wenn x gegenüber y präferiert wird, schreibe u(x) > u(y)].
• Präferenzen auf numerischer Dimension & als gegeben vorausgesetzt.
Nutzenmaximierung: rein rationale Entscheidung für die Handlungsalternative mit höchstem subjektivem Nutzen.
• Rationalitätsaxiome / Konsistenzpostulat: alle Folgeentscheidungen einer ersten Entscheidung müssen auch deren Ziel entsprechend gefällt werden.
Wie lässt sich nach von Neumann & Morgenstern der erwartete Nutzen einer Handlung ermitteln, wenn das Ergebnis dieser Handlung unsicher ist?
(70)
• i.d.R. nur individueller Einfluss auf Auftretenswahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse.
Moderne Nutzentheorie: EU (H)= Σ p(Fi│H) x u(Fi)
• subjektiv erwarteter Nutzen (EU) einer Handlung unter Unsicherheiten (prospects) als gewichtete Summe des Nutzens der möglichen Ergebnisse (Nutzen jedes Ergebnisses multipliziert mit seiner Wkt. → Erwartungswert). Die Summe der Auftretensw’keiten ist dabei 1.
• H: Zufallsvariable, die i unterschiedliche Zustände mit unterschiedlicher Wkt. p beinhaltet
• Fi: verschiede mögliche Folgen einer Handlung
• pi: Wahrscheinlichkeiten dieser Folgen
-> normatives Modell von Entscheidungsverhalten, wie man sich also optimal entscheiden sollte. (<-> Realität)
Was wurde am Entscheidungsmodell der ökonomischen Nutzentheorie kritisiert?
(71)
• Subjektivität von Einschätzungen: Subjektiv wahrgenommener Wert / Erwartung nicht mit objektivem Wert / Erwartung gleichzusetzen. Fehlende Erklärung von subjektivem Wert und subjektiven Erwartungen. Beschränkt auf Begriffe der Rationalität auf die Wahl geeigneter Mittel zur Erreichung beliebiger Ziele /Präferenzen
→ konzeptuelle Schwäche durch Beschränken auf Rationalität bei der Wahl geeigneter Mittel zur Zielerreichung
• Einschätzungen von Wert und Erwartung voneinander nicht unabhängig: z.B. Überschätzung der Häufigkeit von positiven Folgen / Tatsache, dass die Seltenheit einen Wert extremisiert. Außerdem: Unvollständigkeit der Einflussfaktoren - nicht beachtet bleiben Motive, Normen, Selbstregulation oder Vorbilder.
• „irrationales“ Verhalten: Gewohnheiten, Aberglaube u.ä. kann mit dem Modell nur schwer erklärt werden.
• Empirisch geringe Gültigkeit: Menschen handeln meist nicht im Sinne des Modells
Bei welchen Entscheidungssituationen beobachtet man typischerweise Risikoaversion, und bei welchen Situationen findet man Risikosuche?
Schildern Sie hierzu jeweils ein Entscheidungsszenario. Wie erklärt man dieses Ergebnis?
(72)
Prospect Theory (Kahneman & Tversky)
-> Analyse der Zusammenhänge zw. objektiven Gewinnen & Verlusten und subjektiven Nutzeneinschätzungen / zw. objektiven Wkt. & subjektiven Entscheidungsgewichten.
Risikoaversion: zwei mögliche Gewinne unterschiedlicher Höhe; höherer tritt mit geringeren Wkt. als niedriger ein -> "lieber den Spatz in der Hand"
• a) sicherer Gewinn von 80€ oder b) Gewinn von 100€, der aber nur in 85% der Fälle eintritt → Präferenz von a) vor b)
Risikosuche: potenzielle Verluste; größerer Verlust mit geringerer Wkt. wird kleinerem, sichererem Verlust vorgezogen.
• a) Sicherer Verlust von 80€ oder b) unsicherer aber sehr wahrscheinlicher Verlust von 100€ → Präferenz von b) vor a)
Erklärung:
• in den Extrembereichen asymptotisch verlaufende Nutzenfunktions-Kurve (abnehmender Grenznutzen).
• Verluste als „bedeutungsvoller“ als Gewinne (unsymmetrisch verlaufenden Wertefunktion des wahrgenommenen Nutzens) -> weiterer Verlust tut weniger weh.
• Bsp.: 100€ verlieren tut zu 75% so weh wie 200€ verlieren. Dabei tuen die 100€ Verlust jedoch mehr weh, als 100€ Gewinn Freude bereiten würden. Der wahrgenommene 100€-Verlust ist höher, als der wahrgenommene 100€ Gewinn.
Was ist mit der Aussage “losses loom larger than gains” in der Prospect-Theorie von Kahneman & Tversky gemeint? Nennen Sie einen Beleg für diese These.
(73)
„Losses loom larger than gains“: selbe quantitative Ergebnisveränderung bewirkt im Bereich von Verlusten eine stärkere subjektive Nutzenveränderung als bei Gewinnen. -> Verlustaversion; eher Vermeidung von Verlusten als Gewinnmaximierung.
-> Negativitätsbias
Wertefunktion (Kahneman und Tversky): Steigungsunterschied bei Gewinn und Verlust -> Verluste sinken schneller im subjektiv erlebten Wert als Gewinne steigen.
Bsp.: fairer Münzwurf mit 10 Euro Gewinn vs. 10 Euro Verlust würde (fast) immer abgelehnt werden (→Verlustaversion).
Welche Anomalien postulieren Kahneman & Tversky bei der Übersetzung objektiver Wahrscheinlichkeiten in subjektive Entscheidungsgewichte?
Nennen Sie ein Beispiel, das die Auswirkungen von qualitativen Sprüngen in subjektiven Entscheidungsgewichten auf das Entscheidungsverhalten belegt.
(74)
Prospect Theory (Kahnemann & Tversky):
• nicht-linearen Einfluss von Wahrscheinlichkeiten auf Entscheidungen.
• qualitative Sprünge zwischen Unmöglichkeit vs. geringer Wahrscheinlichkeit / hoher Wahrscheinlichkeit vs. Gewissheit.
<-> nach Rationalitätsaxiomen keine Sprünge; rein rational betrachtet lineares Verhältnis zwischen Wkt. & Gewichtung.
• drastische Erhöhung des subjektiven Gewichts zw. Unmöglichkeit (p = 0) & marginal über Null liegender Wkt.
-> starke Überschätzung einer minimalen Wkt.
• drastischer Abfall der Gewichtungfunktion bei Wahrscheinlichkeiten nahe 1 im Vergleich zum sicheren Ereignis (p = 1)
-> Unterschätzung von Wkten nahe 1.
Was versteht man unter Framing-Effekten? Nennen Sie ein Beispiel für einen Framing-Effekt.
Inwieweit widersprechen Framing-Effekte klassischen Axiomen einer rationalen Nutzentheorie?
(75)
Framing-Effekt: unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft selben Inhalts beeinflussen Verhalten unterschiedlich.
-> bei Gewinndarstellung: eher zu risikoscheuem Handeln / bei Verlustdarstellung: jedoch risikobereit.
Bsp. Disease Problem (Tversky & Kahneman): Krankheit, bei der 600 Personen sterben könnten
• A) Sicher 200 Personen gerettet und mit Wkt. von 1/3 werden alle gerettet. -> sicherer Ausgang bevorzugt
• B) 400 werden sicher sterben und 1/3 Chance darauf, dass niemand sterben muss. -> Risiko wird eingegangen
-> Widerspruch zu Konsistenzpostulaten der rationalen Nutzentheorie, die hier gleichen Nutzen postulieren (da selber Erwartungswert)
Was versteht man unter „Nudging“?
(76)
"Nudging" (Thaler und Sunstein): Methode der systematischen Verhaltensbeeinflussung ohne Verbote, Gebote & ökonomische Anreize.
-> „Anstupsen" einer Person in die gewünschte Richtung, (Vgl. Kampagnen der Politik / Wirtschaft).
• Verhaltens-verändernder Faktor = Nudge. -> Mensch ist kein Homo oeconomicus der rein rational entscheidet.
• Bsp.: Fliege in Urinalen, -> 85% weniger Streuung des Urinstrahls.
• Bsp.: Obst und Gemüse in Cafeteria auf Augenhöhe -> vermehrter Konsum gesunden Essens.
• (Framing als weiteres Nudging Beispiel)
Als Lobbyist einer Tierschutz- Organisation drängen Sie darauf, dass ein beantragtes Verfahren zur genetischen Veränderung von Legehühnern nicht genehmigt wird. Welches „Framing“ (Gewinne, Verluste) würden Sie für ihre Forderung wählen, um eine Entscheidung in Ihrem Sinne herbeizuführen? Formulieren Sie ein entsprechendes Antragsschreiben (in wenigen Sätzen).
(77)
Prospekt Theory: Gewinnframing -> Risikoscheu.
• Genetische Veränderung als Risiko.
• deshalb hier sinnvoll: Gewinnframing, damit beantragtes Verfahren nicht genehmigt wird.
-> Darlegen der Vorteile der herkömmlichen Legehennen.
mögliches Antragsschreiben:
„Der momentane Stand, bei dem Legehühner genetisch unverändert sind, bietet einige Vorteile:
Genetisch unveränderte Hühner leben in einem ökologischen Gleichgewicht. Sie haben sich in ihrer bisheriger Evolution an die aktuellen Umstände angepasst, z.B. an die klimatischen Verhältnisse und das Futter. Zudem sind sie resistent gegen Krankheitserreger, da sich ihr Immunsystem in der Phylogenese an die Umwelt adaptiert hat.
Demzufolge ist ihre Haltung ökonomisch und ökologisch effizient.
Ferner legen genetisch unveränderte Hühner gesunde Eier, die laut neuesten Studien positive Effekte auf den menschlichen Organismus haben.
Bisherige Untersuchungen legen also gute Verhältnisse in Bezug auf die Gesundheit, Krankheits-Resistenz und den Haltungsaufwand von genetisch unveränderten Hühnern nahe.
Welche Motive werden in der modernen Motivationspsychologie vorwiegend untersucht?
Geben Sie zu jedem Motiv eine kurze inhaltliche Beschreibung und grenzen Sie die verschiedenen Motive voneinander ab.
Geben Sie Beispiele für situative Anregungen der Motive.
(78.1)
78.1 -> Allgemeines zu Motiven.
"Motive sind zeitlich stabile und bereichsübergreifende Wahrnehmungs- und Bewertungsdispositionen."
• dispositionale Variable -> erst bei passendem situativem Anreiz entsteht Motivation -> erst dann Beeinflussung von Verhalten.
• zur Vorhersage der situativen Aufmerksamkeit, Salienz & Interpretation einer Person nutzbar.
• thematische Zusammenfassungen von Motiven nach grundlegenden Bedürfnissen und Zielen; z.B. „needs“-Konzept (Murray) & Bedürfnishierarchie (Maslow).
• Aktuell: wenige höhere Motive -> Leistung, Macht und Anschluss/Bindung/Intimität.
Unterscheidung von drei Motiven:
• Erfolgs- / Misserfolgsrückmeldung für gehaltenes Referat → Leistungsmotiv
• Einsamkeit / neu in einer Gruppe sein → Anschlussmotiv
• Einnehmen einer Führungsposition in einer Arbeits-Gruppe → Machtmotiv
-> Motivation als „angeregtes Motiv“ -> Entstehung von Motivation aus Stimulation eines needs durch thematisch passende situative Hinweise (press)
Welche Motive werden in der modernen Motivationspsychologie vorwiegend untersucht?
Geben Sie zu jedem Motiv eine kurze inhaltliche Beschreibung und grenzen Sie die verschiedenen Motive voneinander ab.
Geben Sie Beispiele für situative Anregungen der Motive.
(78.2)
1. Leistungsmotiv: Bestreben, eigene Tüchtigkeit in allen Tätigkeiten zu steigern oder hoch zu halten, wenn Gütemaßstab für verbindlich gehalten wird (ge- / misslingen).
• Tüchtigkeit selbst (Resultat eigener Fähigkeit und Anstrengung), nicht Belohnung ausschlaggebend.
• Bestreben, Rückmeldung über eigenes Handeln zu erhalten, dieses zu optimieren & hochzuhalten.
• Wurzeln in der Neugiermotivation: Gewöhnung an eine Umgebung -> Drang, neue Umgebungen zu erkunden.
-> Tendenz, den bisherigen Erfahrungshorizont zu überschreiten als Kerncharakteristikum des Strebens nach Verbesserung.
2. Machtmotiv: Bestreben, innerhalb einer sozialen Beziehung den eignen Willen durchzusetzen.
• Aufrechterhaltung von Prestige & Reputation -> Status & Ressourcen ->Selbsterhaltung & Fortpflanzungserfolg.
• Aktivierung durch dynamische Hierarchien in sozialen Gefügen / bei Positionskämpfen.
3. Bindungsmotiv: Bestreben, neue Kontakte zu knüpfen & bestehende Beziehungen aufrecht zu erhalten / zu vertiefen.
• Vermeidung von Meinungsverschiedenheiten, Streit und Konflikten.
• Aktivierung durch Trennung von wichtigen Bezugspersonen / Wahrnehmung von Bedürftigkeit anderer Menschen.
• Aktivierung in neuen sozialen Umgebungen -> Kontaktaufnahme zu fremden Personen.
Unterscheiden Sie zwischen ultimaten und proximalen Zielen von Motiven. (79)
• ultimates Ziel: „evolutionäre Fitness“ Weitergabe von Erbgut).
-> evolutionär entwickelte Motive (effiziente Reaktionsmechanismen für die entsprechenden Umwelten)
Genetische Variation (kann nicht das Verhalten direkt beeinflussen) -> Gehirn -> Kontinuum in einer Motivdimension -> Verhalten -> Umwelt
• proximales Ziel: Affektveränderung als Anreiz motivierten Verhaltens.
-> Leistungsmotiv: Stolz & Hoffnung (Erfolg) / Scham & Angst (Misserfolg).
-> Anschlussmotiv: Geborgenheit & Vertrauen bzw. Unsicherheit & Einsamkeit.
-> Machtmotiv: Überlegenheit / Demütigung.
Motive werden dabei als kognitiv-affektive Module mit physiologischer Basis betrachtet.
Welche Rolle spielen Emotionen/ Affekte für das Motivationsgeschehen?
(80)
Affektveränderung als Anreiz motivierten Verhaltens (proximales Ziel), also eine erlebte Emotion in Antizipation oder als Folge von Handeln.
Proximale Ziele dienen als Mittel zur Erreichung des Ultimaten Ziels (evolutionäre Fitness).
Affekte als Anreize für Verhalten:
-> positiv (aufsuchende Motivation)
-> negativ (Vermeidungs-Motivation)
Welche motivationalen Orientierungen können aus einem angeregten Leistungs-, Macht- und Anschlussmotiv hervorgehen? Warum ist diese Unterscheidung wichtig?
(81)
• Verhalten entsteht aus Kombination von personalem Motiv(modul) passender situativen Anreizkomponente.
-> Je nach Motiv und Anreiz können Leistungs-, Dominanz- oder Affiliationsverhalten die Folge sein.
-> aufsuchende vs. meidende Komponenten
• Diese Unterscheidung erklärt, wie verschiedene Emotionen entstehen und wieso in einer Situation bei verschiedenen Individuen unterschiedliches Motivationsstreben resultiert.
• individuelle Unterschiede in den Tendenzen, ob Chancen realisiert oder Fehler vermieden werden sollen
-> letztlich kann sowohl durch aufsuchende wie auch meidende Orientierung das Motiv erfüllt werden.
-> Menschen mit gleichem Hauptmotiv handeln in selber Situation möglicherweise unterschiedlich, da sie unterschiedliche Emotionen antizipieren.
spezifische Veranschaulichung: siehe Grafik
Was versteht Murray unter “need” und “press”? Wie viele „needs“ gibt es nach Murray? Wieso hat sich der Bedürfniskatalog von Murray in der Wissenschaft nicht durchgesetzt?
(82)
Murrays Bedürfniskatalog: 27 universellen Person-Umwelt-Bezüge bzw. Motive (needs).
•„needs“: Motive bzw. psychogenen Bedürfnisse (primäre Needs wie Sex / Schutz; sekundäre Needs wie LAM)
• „press“: thematisch passende situative Anreize (Chancen & Gelegenheiten / Gefahren & Risiken).
• Motivationsentstehung: wenn „press“ einen „need“ triggert -> Anreiz aktiviert Motiv -> Verhalten zur Bedürfnisbefriedigung / Zielerreichung
Probleme des Bedürfniskatalogs:
• ähnlich wie bei Instinktkatalogen: immer unvollständige und beliebige Auswahl.
• Needs lassen sich auf elementarere Motivklassen zusammenfassen (LAM)
Wie ist die Bedürfnispyramide nach Maslow (1943) aufgebaut?
Unterscheiden Sie auf der Basis dieses Modells zwischen Defizitmotiven und unstillbaren Bedürfnissen.
Welche Kritik gibt es am Pyramidenmodell von Maslow?
(83)
fünfstufige Bedürfnishierarchie:
• Je basaler ein Bedürfnis, desto einflussreicher & desto früher auftretend (Ontogenese).
• sequentielle Bedürfnisbefriedigung von unten nach oben.
• basalere Bedürfnisse müssen befriedigt sein, bevor die oberen „angegangen“ werden können.
stillbare Defizit- & unstillbare Wachstumsbedürfnisse:
• Defizitbedürfnisse: können befriedigt werden -> erzeugen dann keine Verhaltensmotivation mehr.
• Wachstumsbedürfnisse: nie völlig befriedigt -> streben immer nach Maximierung.
Kritikpunkte:
1) Situation bzw. der Anreiz spielt keine Rolle
2) Bedürfnisumschreibungen sind vage und kulturabhängig.
3) Geringe empirische Gültigkeit
Erläutern Sie die Bedürfnishierarchie von Kenrick und Kollegen (2010). In welchen Punkten weicht dieses Modell von dem klassischen Modell von Maslow ab?
(84)
moderne Bedürfnishierarchie
• Auswahl & Anordnung menschlicher Bedürfnisse auf evolutionsbiologischer Grundlage.
• Hierarchie ausschließlich auf Ontogenese bezogen, nicht mehr auf die Reihenfolge der Bedürfniserfüllung im Erwachsenenalter.
• Dort sind dann alle Bedürfnisse vorhanden, werden aber nicht sequenziell erfüllt, sondern durch passende Cues aktiviert
Welche intrinsischen Bedürfnisse gibt es laut der Selbstbestimmungstheorie? Erläutern Sie jedes einzelne Motiv.
(85)
Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan):
• 3 angeborene (intrinsische) und gleichzeitig unstillbare, universelle psychologischen Grundbedürfnissen aus.
• Motivation aus Möglichkeit der Befriedigung von Grundbedürfnissen.
empirisch abgesichert:
• drei universelle Grundbedürfnisse, deren Befriedigung für Verhalten & psych. Gesundheit bedeutsam ist
1) Kompetenz: Gefühl, effektiv auf als wichtig erachtete Dinge einwirken zu können -> gewünschte Resultate. (z.B.. Mastery -> Verständnis & Leistungssteigerung)
2) Autonomie: Gefühl der Unabhängigkeit des eigenen Verhaltens (vgl. Machtmotiv)
3) Soziale Eingebundenheit: Bedeutung, die Andere für Einen haben & Bedeutung, die man selbst für Andere besitzt (Anschluss)
Was sind die wesentlichen Erkenntnisse der Affen-Experimente von Harry Harlow?
Ordnen Sie die Ergebnisse dieser Forschung in einen wissenschaftshistorischen Kontext ein (Stichwort: Behaviorismus).
(86)
Beleg der angeborenen Bedeutung eines sozialen Bedürfnisses:
Auch wenn ein Affe ausschließlich von einer „Draht-Mutter“ gefüttert wird und zuvor kein Kontakt mit anderen Affen hatte, wird eine „Fell-Mutter“ vor allem bei bedrohlichen oder ungewohnten Situationen bevorzugt (Drohgebärden / Exploration). Das legt ein angeborenes Affiliationsbedürfnis nahe.
• Behaviorismus / lerntheoretische Bindungsforschung: NUR fütternde Drahtmutter wirkt verstärkend; zu Fellmutter sollte keine Bindung aufgebaut werden.
-> auch die Befriedigung eines angeborenen sozialen Bedürfnisses ist für das Wohlergehen der Jungen maßgeblich.
-> Falsifizierung der behavioristischen Auffassung, Erziehung / Bindung bestehe nur aus dem Erfüllen physiologischer Grundbedürfnisse.
Auf welchen Dimensionen können kulturübergreifende Bedürfnisse und Wertvorstellungen verortet werden? Erläutern Sie beide Dimensionen.
(87)
Grouzet et al. (2005) Identifikation v. universellen Zielen in 15 Kulturen
Intrinsisch vs. extrinsisch:
• inwieweit wird ein Motiv durch externe Faktoren (z.B. Anforderungen / Reaktionen der Gesellschaft, Geld) oder durch eigene, innere Faktoren gesteuert?
• Extrinsisch: z.B. Streben nach Konformität / Berühmtheit.
• Intrinsisch: z.B. Altruismus / Selbstakzeptanz
Selbst-bezogen vs. selbst- transzendent:
• Selbstbezogen: bezogen auf das Selbst & dessen direktes Überleben und Erleben.
• Selbsttranszendenz: in einen größeren Kontext des Glaubens, der Gemeinschaft, der Menschheit bezogenes Handeln.
z.B. Spiritualität als stark selbst-transzendent, während Hedonismus, physische Gesundheit oder finanzieller Erfolg selbst-bezogen sind.
Welche Bedürfnisse sind besonders wichtig für die Lebenszufriedenheit und das subjektive Wohlbefinden? Beschreiben Sie dazu die Ergebnisse der internationalen Studie von Tay & Diener (2011).
(88)
Gallup World Poll (160 Staaten):
-> Forschungsfrage: Zusammenhang zwischen der Befriedigung von Bedürfnissen und dem subjektiven Wohlbefinden (SWB)
-> Erfassung der Lebensbewertung und positiven & negativen Emotionen.
-> 6 Bedürfnisse abgefragt: basic needs, safety needs, social n., Respect, Mastery & Autonomy
signifikante Ergebnisse:
• Befriedigung dieser 6 Bedürfnisse steigert generell das Wohlbefinden überall in der Welt.
• Basic needs ↔ Lebenszufriedenheit (r =.63) & negative Emotionen
• Social needs & Respect ↔ positive Emotionen
• Respect & Autonomy ↔ negative Emotionen
----------------
-> Die Befriedigung eines Bedürfnisses hat einen eigenständigen Effekt auf das Wohlbefinden (die Steigerung des Wohlbefindens hängt nicht von anderen Bedürfnissen ab).
Was ist der Unterschied zwischen einer intrinsischen und einer extrinsischen Motivation? Inwieweit unterscheiden sich diese Motivationsarten im Grad der Selbstbestimmung?
(89)
Intrinsisch:
• Anreize, die in der Tätigkeit selbst liegen ("selbstbelohnend")
-> Selbst-determiniert, liegen also innerhalb der eigenen Kontrolle: Niemand zwingt mich zu einem Hobby / belohnt mich dafür, es auszuüben
Extrinsisch:
• Anreize, die der Ausführung einer Tätigkeit folgen (externe Belohnung)
-> Nicht selbst-determiniert, liegen also außerhalb der eigenen Kontrolle: Ich arbeite für Geld / um nicht bestraft zu werden.
Was ist der Korrumpierungseffekt und unter welchen Bedingungen tritt er auf?
Wie wird der Korrumpierungseffekt erklärt?
(90)
Korrumpierungseffekt:
• Effekt der übermäßigen Rechtfertigung: Intrinsische Tätigkeitsanreize verlieren an Wert nach externer Belohnung
Bsp.: Kind erhält Süßigkeiten fürs Malen eines Bildes. Nun hat es das Gefühl, es hätte für die Süßigkeiten gemalt und nicht einfach nur aus Spaß. Folglich wird es weniger malen, wenn die Süßigkeiten ausbleiben, da der interne Anreiz (Spaß) geschwächt wurde und der externe Anreiz (Geld) wegfällt.
Auftreten:
1) Freie Wahl zwischen Tätigkeiten -> Hohes Interesse für Aufgabe
2) konkrete Belohnung (z.B. materiell, nicht Lob) -> erwartete Belohnung (für „gute“ Bearbeitung / für Bearbeiten an sich / „pro gelöster Einheit“ / ...)
• Gist: Effekt tritt nur unter spezifischen Bed. auf, nicht bei jeder Belohnung
Erklärung:
• Substitution intrinsischer Motivation durch extrinsische wegen Erhöhung / Auftreten extrinsischer Anreize
Unter welchen Bedingungen wirkt sich intrinsische Motivation besonders stark auf die Leistung in einer Aufgabe aus?
(91)
Was ist Leistungsmotivation? Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit Leistungsmotivation entsteht?
(92)
„Leistungsmotivation (nach Heckhausen):
• Bestreben, die eigene Tüchtigkeit zu steigern / hoch zu halten
• bei Tätigkeiten, für die ein Gütemaßstab für verbindlich gehalten wird -> Erfolg ist messbar & Ergebnis eigener Anstrengung
• weitgehend unabhängig von den mit der Tüchtigkeit verbundenen Folgen (Belohnungen etc.)
-> Tüchtigkeit selbst ist auschlaggebend. („Besser werden“ per se; Spaß)
----------------
• Zentral antizipierte & erlebte Emotionen: Hoffnung auf Erfolg & Stolz / Furcht vor Misserfolg & Scham.
Welche Sozialisations- / Erziehungsfaktoren beeinflussen die Entwicklung eines Leistungsmotivs?
(93)
Erziehungs- und Sozialisationsbedingungen:
• Erziehung zur Selbständigkeit und Tüchtigkeit -> stärkeres LM
Untersuchung von Winterboom (1958):
• hochmotivierte männliche Erwachsene: schon früh zahlreiche Selbständigkeitsanforderungen der Eltern
• Training beeinflusst die Richtung des LM (Furcht vor Misserfolg vs. Hoffnung auf Erfolg) und weniger dessen Ausprägung
(Metaanalyse von Collins, Hage & Locke (2004))
Welche Evidenz gibt es für einen Zusammenhang zwischen Leistungsmotivation und dem ökonomischen Erfolg einer Gesellschaft?
(94)
• Leistungsmotivation als Prädiktor für die Leistung einer Person -> ökonomischer Erfolg eines Landes kann durch die mittlere Ausprägung des LM vorhergesagt werden.
Collins, Hage & Locke (2004):
• Positiver Zusammenhang mit unternehmerischer Leistung (r= .46)
McClelland (1961):
• Verbreitung leistungsthematischer Themen in Medien & Politik sagen nachfolgende (aber nicht die vorangehende) Steigerung der ökonomischen Leistung vorher.
DeCharms und Moeller (1962):
• Häufigkeit von Leistungsthematischen Themen in Kinderbüchern korreliert mit den Patentanmeldungen in den USA und können diese teilweise voraussagen
Kann man Leistungsmotivation trainieren? Welche motivationale Komponente der Leistungsmotivation ist besonders wichtig für einen unternehmerischen Ehrgeiz?
(95)
• Training beeinflusst die Richtung des LM (Furcht vor Misserfolg vs. Hoffnung auf Erfolg); weniger dessen Ausprägung
• Aufsuchende Komponente der LM besonders wichtig; diese erhält auch bei Rückschlägen weiter das LM aufrecht -> Wachstumsfokus
Aronoff & Litwin (1971):
• Training mit 16 Managern: Information, Üben von leistungsorientiertem Denken & Handeln
• Ergebnis: signifikanter Anstieg von Gehalt und Position der Experimentalgruppe 2 Jahre später
Collins, Hage & Locke (2004):
• Positiver Zusammenhang mit Berufswahl (r= .21) & unternehmerischer Leistung (r= .46)
Erläutern Sie die beiden Komponenten, aus denen sich nach dem Risikowahlmodell die resultierende Motivationstendenz in einer Leistungssituation ergibt.
(96)
Atkinson (1957): Risikowahlmodell der Leistungsmotivation
• resultierende Tendenz (RT) als Summe von aufsuchenden Tendenzen (Hoffnung auf Erfolg) und meidenden Tendenzen (Furcht vor Misserfolg)
-> RT = Te -Tm
• Es gilt jeweils (mit Index e / m):
-> T = M * A * W (Am ist negativ!)
• Produkt der Motivstärke (M), Anreizstärke (A) und der Erfolgs- bzw. Misserfolgswahrscheinlichkeit (W)
• Erfolgschance W ist die subjektiv (!) wahrgenommene (Miss-)Erfolgswahrscheinlichkeit [0,1]
• M mal A dagegen gibt Wert wieder
-> Erwartungs-mal-Wert-Ansatz erkennbar
Welche drei Variablenwerte muss man kennen oder messen, um die resultierende Motivationstendenz in einer Leistungssituation nach dem Risikowahlmodell berechnen zu können?
Welche drei anderen Variablen lassen sich aus der Erfolgswahrscheinlichkeit ableiten?
Wie lassen sich nach dem Risikowahlmodell der Erfolgs- und der Misserfolgsanreiz aus der Erfolgswahrscheinlichkeit berechnen?
(97)
• Es müssen Erfolgsmotiv Me, Misserfolgsmotiv Mm und Erfolgswahrscheinlichkeit We bekannt sein.
• Motivmessung über projektive Tests (z.B. TAT).
• Manipulation subjektiver Erfolgswkt. über Aufgabenschwierigkeit.
Ableiten lassen sich:
• Misserfolgswahrscheinlichkeit Wm = 1 – We
• Erfolgsanreiz Ae = 1 – We
• Misserfolgsanreiz Am = – We
-> geringe Erfolgswkt. bietet hohen Anreiz (je seltener, desto wertvoller).
-> Misserfolg bei leichten Aufgabe -> schlecht für Selbstbild und Status.
Eingesetzt in die ursprüngliche Formel des Risikowahl-Modells - resultierende motivationale Tendenz:
\(RT=(M_e-M_m)•(W_m-W_m^2)\)
bzw.
\(RT=(M_e-M_m)•W_m (1-W_m)\)
Warum ist die resultierende Motivationstendenz eine parabelförmige Funktion der Erfolgswahrscheinlichkeit? Begründen Sie Ihre Argumentation mit einer graphischen Ableitungsskizze der entsprechenden Formeldarstellung des Risikowahlmodells.
(98)
Formel:
\(RT=T_e-T_m = M_e•A_e•W_e + M_m•A_m•W_m\)
(Am immer negativ)
= … = \((M_e-M_m)•(W_m-W_m^2)\)
-> (Wm - Wm2): neg. quadratische Funktion der Erfolgswkt., -> nach unten offene Parabel mit Maximum y = ¼ bei x =1/2.
-> (Me - Mm) als Konstante - Motivlage einer Person ist mittelfristig stabil -> lediglich Strecken / Stauchen der Parabel in y-Richtung (bestimmt Parabelform)
---------------
-> bei hoher We gibt Erfolg keine Auskunft über die eigenen Leistung (jeder ist bei der Aufgabe erfolgreich).
-> sehr geringe We -> keine Motivation, da Aufgabe unmöglich erscheint.
Welche Vorhersagen ergeben sich für das Verhalten in Leistungssituationen aus der Tatsache, dass nach dem Risikowahlmodell der Zusammenhang von resultierender Motivationstendenz und Erfolgswahrscheinlichkeit für Erfolgsmotivierte umgekehrt u-förmig, für Misserfolgsmotivierte u-förmig verläuft?
(99)
Risikowahlmodell -> Atkinsons Parabel:
• Bei erfolgsmotivierten Personen (Me > Mm) ist die resultierende Tendenz (RT) über den gesamten Bereich der Aufgabenschwierigkeit positiv, während sie bei misserfolgsmotivierten Personen (Mm > Me) durchgängig negative Werte annimmt.
-> Erfolgsmotivierte suchen aktiv Leistungssituationen auf, während misserfolgsmotivierte Personen versuchen, Leistungsanforderungen generell eher aus dem Weg zu gehen.
-> Dominant Erfolgsmotivierte bevorzugen mittel-schwierige Aufgaben, da hier Ae * We maximal wird.
-> Dominant Misserfolgsmotivierte, meiden vor allem mittelschwierigen Aufgaben, da hier Am * We minimal wird (da Am immer neg. ist) -> stärkste Hemmung & geringste Ausdauer.
->Sie bevorzugen (angeblich) sehr leichte oder sehr schwierige Aufgaben, um dem (negativen) Minimum aus dem Weg zu gehen.
Schildern Sie Ablauf und Ergebnisse der klassischen Untersuchung von Atkinson & Litwin (1960) zur Anspruchsniveausetzung in einem Ringwurfspiel.
Welcher Aspekt der Ergebnisse entsprach nicht exakt den Vorhersagen des Risikowahlmodells?
(100)
Atkinson und Litwin (1960): Ringwurfaufgabe (VPN: Kinder)
• Die VPN sollten Ringe mit frei wählbarer Wurfdistanz über einen Stab werfen. (UV: versch. Personen)
• AV: Gewählte Zielentfernung der VPN (soll Aufgabenschwierigkeit abbilden & LM operationalisieren)
-> erfolgsmotivierte Kinder bevorzugten klar mittlere Entfernungen, was im Einklang mit den Vorhersagen des Risikowahlmodells steht.
-> misserfolgs-vermeidungsmotivierte Kinder zeigten deutlich geringere Präferenz für mittlere Entfernungen. Verteilung der gewählten Entfernungen über den gesamten Schwierigkeitsbereich; auch hier erkennbare Häufung im mittleren Schwierigkeitsbereich.
-------------------
•Entgegen der Vorhersage (des RWM) KEINE Umkehrung der Präferenzen bei Misserfolgs-motivierten - vielmehr ähnliche, aber deutlich schwächere Tendenzen wie bei Erfolgsmotivierten
Was versteht man unter der “kognitiven Wende” in der Leistungsmotivationsforschung?
Was sind die zentralen Charakteristika der neuen Forschungsrichtung?
Grenzen Sie die neue Richtung von der bis dahin vorherrschenden Forschungsauffassung ab. Was sind die zentralen Unterschiede zwischen den beiden Auffassungen?
(101)
„kognitive Wende“:
• Anreiz für LM ist Ausmaß an Diagnostizität (Streben nach Information) einer Aufgabe statt einer Affektänderung (nach RWM) (Theorie nach Trope, `75)
Charakteristika & Abgrenzung:
• Information über die eigene Fähigkeit als entscheidendes Kriterium für LM.
• nicht der antizipierte Affekt bei Erfolg / Misserfolg.
• Streben nach Informationsgewinnung ist unabhängig von der Aufgabenschwierigkeit.
• jedoch allgemein Bevorzugung mittelschwerer Aufgaben (größter Informationsgewinn):
-> schwer genug, um auch Misserfolg zuzulassen & leicht genug, um Erfolg zuzulassen.
<-> RWM: Misserfolgsmotivierte meiden mittelschwere Aufgaben.
• Unterschied zwischen Misserfolgs- und Erfolgsorientierten nur in unterschiedlich starker Diagnostizitätsorientierung.