Motivation und Emotion
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
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Cartes-fiches
Was behauptet die Challenge-Hypothese? Welcher Zusammenhang besteht zw. Testosteron & Aggression? Erläutern Sie dazu die Studie von Eisenegger & Kollegen (2010).
(25)
Challenge-Hypothese (Archer):
- Anstieg von Testosteron (Sexualhormon, +Aggression & Dominanzstreben) in soz. Wettbewerbssituationen (Hierarchie / Partnersuche)
- bei Ratten: v.a. physische Aggression, beim Mensch auch heroischer Altruismus, pro- / antisoziales Verhalten, verbaler / nonverbaler Ausdruck als Zeichen eines hohen Status
Ultimatum Game Studie: zweiter VP wird ein Angebot gemacht; Annahme -> beide profitieren / Ablehnung -> keiner profitiert
Testosteron -> fairere Angebote (abgelehntes Angebot gefährdet eigenen Status)
Was ist eine Instinkthandlung und wodurch wird sie ausgelöst?
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Instinkthandlung = angeborene Bewegungsformel
(biol. gereift, lernunabhängig, perzeptuell autonome, regulative & stereotype Bewegungskette)
Schlüsselreiz -> angeborener Auslösemechanismus -> Instinkthandlung
Was ist "Humanethologie" und welchen Ansatz verfolgt dieser Wissenschaftszweig?
(27)
Gegenstand der Humanethologie ist primär Instinktverhalten (Bsp.: Balzverhalten des Stichlings)
-> Erforschung von angeborenen und deshalb universell auftretenden Verhaltensweisen
-> evolutionsbiologisches Konzept als Grundlage
(Vertreter: Eibel-Eibelsfeldt, Tinbergen, Frisch, Lorenz)
Welche Einwände gibt es gegen Instinkttheorien?
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1. Terminologische Verwirrung (Instinkt, Gewohnheit, Reflex)
2. Nahezu jedes menschl. Verhalten ist modifizierbar (Hungerstreik, Zölibat, Pazifismus)
3. Selbst einfachste Verhaltensweisen (Aufsuchen v. Essen / Trinken) sind erfahrungs- & lernabhängig. (Lernen auch bereits vor der Geburt!)
4. "Reflexlisten" sind nie erschöpfend - müssten theoretisch unendlich lang sein um sämtliches Verhalten zu erklären
5. Falsifikation von Lernen (eh fragwürdig) =! Verifikation von Instinkt
6. Weder Gene noch Erfahrung allein erzeugen Verhalten
Was ist ein "Trieb" und was behauptet die "Triebreduktionshypothese"?
(29)
Trieb = allgemeine, unspezifische Quelle der Verhaltensenergetisierung (Trieb als Energie; ohne Aktivierung kein Verhalten)
Triebreduktionshypothese: Trieb als Zustand der Anspannung, deren Reduktion als befriedigend und lustvoll erlebt wird
Was ist der Unterschied zwischen "Trieb" und "Instinkt"?
(30)
Beide: rudimentäre Motivationen / animalische Antriebe (Sexualität, Hunger, Durst, Aggression)
Instinkt: spezifische angeborene Bewegungsformel (angeboren & autonom, ausgelöst durch Schlüsselreiz)
Trieb: Antrieb vielfältiger, unspezifischer Verhaltensweisen (Ziel: Abbau des inneren Drucks)
Warum ist der Mensch laut Triebtheorien Triebeinflüssen auf das Verhalten in stärkerem Maße "ausgeliefert" als Einflüssen, die von Anreizen ausgehen?
(31)
Unspezifische "Triebenergie" als innere Druckvariable baut sich bei mangelnder Reduktionun durch entsprechendes Verhalten ausweichlich auf, nicht notwendig für das Entstehen sind die gegenwärtige Situation und deren Reize.
Anreize wiederum resultieren situationsspezifisch aus gegenwärtigen Bedürfnissen oder Motivationen; enstehen also nicht von sich aus, wie die der innere Druck der Triebenergie.
Erläutern Sie die Auswirkungen von Triebzuständen auf das Denken und Handeln mithilfe der Begriffe Primär- und Sekundärprozess. Welcher Prozess folgt dem Lustprinzip und welcher dem Realitätsprinzip?
(32)
Freuds Dampfkesselmodell: Aufbau innerorganismischer Energie
- Primärprozess: direkte (unbewusste), befriedigungsorientierte Steuerung von Verhalten / Denken (Lustprinzip, ES!)
- Sekundärprozess: Bewusstes Aufschieben, Planen, Ersatzhandlungen -> gesellschaftlich akzeptierteTriebreduktion (Realitätsprinzip, ICH!)
Erläutern Sie die Katharsis-Hypothese und ihre Überprüfung in der Studie von Geen, Stonner & Shope (1975). Warum führt aggressives Verhalten häufig zu noch mehr Aggression?
(33)
Katharsis-Hypothese: Ausleben von Triebimpulsen reduziert Triebdruck
Studie:
UV1: VP (Schüler) erhält Schocks (Attack) vs. Nicht (No-Attack) -> Aufbau von Triebenergie
UV2: VP verteilt selbst als Lehrer Schocks (Katharsis) vs. Beobachtung des VL, der Schocks verteilt / nicht verteilt (nur Signal)
AV: Intensität der gegebenen Schocks in weiterer Phase als Lehrer mit Blutdruckmessung
Ergebnis: Attack-VPn vergeben immer stärkere Schocks, bei vorangehender Möglichkeit zu Katharsis allerdings die stärksten (!) - Gegenteil der Katharsis-Hypothese, Brutdruckreduktion findet aber statt!
Erklärungen:
1. physiologisch entspannende Gewaltausübung als entspannend
2. Dissonanztheorie: Konsistenz wahren -> mehr Aggression
Was versteht Hull unter "Triebe" und wie werden sie operationalisiert?
(34)
Welche Implikationen ergeben sich aus der multiplikativen Verknüpfung von Trieb & Habit in der Theorie von Hull?
(35)
Durch welche experimentelle Evidenz konnte das Postulat der multiplikativen Verknüpfung von Trieb und Habit belegt werden? Schildern Sie Aufbau und Ergebnisse der Studie.
(36)
Studie zu Trieb- & Habit-Stärke (Williams / Perin)
- UV1: Anzahl vorheriger Verstärkungen
- UV2: 3h vs. 22h Hunger
- AV: Löschungsresistenz
Beobachtung:
- beide Kurven (3h & 22h) klaffen mit steigender UV1 immer weiter auseinander
- Anstieg nichtlinear -> Abflachen mit steigender Anzahl an Verstärkungen
-> keine additive, sondern multiplikative Beziehung von Habit & Drive
Schildern Sie die Untersuchung von Meryman (1952) zum Nachweis, dass Triebe unspezifisch Verhalten energetisieren. Welcher Ergebnisaspekt passt nicht so gut zu den Annahmen?
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Studie zu Auswirkungen von Angstkonditionierung und Futterdeprivation auf das Schreckverhalten von Ratten.
UV1: Ratte wurde Furcht-Konditioniert vs. nicht
UV2: Futterdeprivation 1 Stunde vs. 46 Stunden kein Futter
AV: Stärke eines Schreck- bzw. Startle-Reflexes auf Stimulus
-> Rkt. in Bedingung Angstkonditionierung und Hunger > Rkt. bei nur angstkonditionierten oder nur hungrigen Ratten.
-> mögl. Deutung: Quellen der Triebenergie ersetzbar und damit unspezifisch
ABER: Rkt bei „nur Angst“ > Rkt. bei „nur Hunger“.
-> deutet auf stärkere Verhaltensaktivierung bei einer “passenden” Triebquelle als auf beliebige Substituierbarkeit hin!
Schildern Sie Aufbau und Ergebnisse der Untersuchung von Crespi (1942) zum Nachweis von Anreizeffekten.
Warum können diese Anreizeffekte mit der ursprünglichen Theorie von Hull nicht erklärt werden?
(38)
Untersuchung von 3 Gruppen gleich nahrungs-deprivierter Ratten, die in 20 Durchgängen durch ein Labyrinth laufen und mit entweder 1, 16 oder 256 Futterpellets verstärkt werden (UV).
Nach dem 20. Durchgang: Futtermenge bei allen 3 Gruppen auf 16 Pellets gesetzt (gleiche Verstärkung).
AV: Laufgeschwindigkeit in jedem Durchgang
-> Gruppe 1 (256 Pellets) -> starker Abfall der Performanz
Gruppe 2 (16 Pellets) -> konstante Performanz
Gruppe 3 (1 Pellet) -> starke Steigerung der Performanz
Unterschiede in Trieb- & Habitstärke hier keine Erklärung (da konstant / gleich) -> widerspricht Trieb × Habit Modell.
-> Effekt der Erwartung
Wie lautet die Formel zur Berechnung der Verhaltensstärke im erweiterten Motivationsmodell von Hull? Erläutern Sie jede Komponente der Formel (inklusive Operationalisierung).
(39)
D • H • K = E (Drive • Habit • Anreiz = Reaktionspotenzial = Excitatory potential)
E = Stärke des gezeigten Verhaltens, gemessen via Löschungsresistenz oder Häufigkeit
D = Triebstärke (Drive), energetisiert unspezifisch Verhalten; Operationalisierung durch Deprivation von Bedürfnissen
H = Verhaltensgewohnheit (Habit); stärker bei vielen vorherigen Verstärkungen in best. Situation
K = Konsumation (Stärke der antizipierten Konsummenge); Stärke des Anreizes, bedingt durch antizipiertes Verstärkungslevel
Triebe (D) als Druckkräfte und Anreize (K) als Zugkräfte energetisieren im Verbund gelernte Reaktionen (H). Alle müssen für E vorhanden sein
Erklären Sie den Unterschied zwischen der revidierten Formel zur Berechnung der Motivationsstärke nach Hull und dem Alternativvorschlag von Kenneth Spence.
(40)
Neue Formel: (D + K) • H = E (nun D & K additiv statt multiplikativ verknüpft)
Additives Modell: Anreize aktivieren unabhängig vom aktuellen Niveau der Triebaktivierung -> Vorhandensein von Triebenergie keine notwendige Bedingung mehr für Verhalten (D kann auch 0 sein)
Hulls Modell: Wirkung eines Anreizes von der aktuellen Bedürfnislage abhängig (kein Bedürfnis -> auch starker Anreiz ohne Wirkung)
Additives Modell ist somit Vorläufer von Erwartungs-mal-Wert Modellen.
Nennen Sie kritische Einwände gegen Triebtheorien.
Inwiefern sprechen die Ergebnisse der Coitus Interruptus Studie von Sheffield, Wulff & Baker (1951) gegen die Triebreduktionshypothese?
(41)
Gegenevidenz / Alternativerklärungen:
• Bedürfnisabhängige Anreize hinreichend, Triebenergie nicht mehr benötigt (vgl. additive Formel v. Spence)
• woher wissen die Tiere, wo sich welche Belohnung befindet? Triebtheorie: fragmentarisch antizipatorische Zielreaktionen Kognitive Erklärung: Erwartung
• Einwände gegen belohnenden Triebeabfuhr (vgl. Katharsis-Hypothese).
•Spontanes Explorationsverhalten und Risikosuche mit Triebtheorie nicht erklärbar (da habit = 0).
• Studie von Olds & Milner (1954) zu intrakranielle Selbststimulation -> Vernachlässigung physiol. Bedürfnisse nicht über Triebtheorien erklärbar
• Natürliche Aversion gegen zu geringe Stimulation (Reizentzug)
„Coitus Interruptus Experiment“ (Sheffield, Wulff & Baker)
Männliche Ratten finden in Zielbox Männchen vs. Weibchen vor; Experimentalgruppe wird vor dem Samenerguss unterbrochen.
AV: Wie schnell rannten die Ratten zu der Zielbox (in der sich die Weibchen befanden)
-> Laufgeschwindigkeit steigt im Lauf des Experiments -> Sexuelle Stimulation per se; nicht ihre Reduktion wirkt „belohnend“
Laut Hull: Habit und damit Laufgeschwindigkeit müsste bei unterbrochenen Männchen geringer werden; der Aufbau von Triebenergie müsste aversiv behaftet sein & dürfte nicht als Verstärkung fungieren (nur Triebreduktion befriedigend)
Erläutern Sie das Yerkes-Dodson- Gesetz der Motivation. Inwiefern sind die hier beschriebenen Zusammenhänge wichtig für Verhaltensvorhersagen auf der Basis trieb- oder aktivationstheoretischer Ansätze?
(42)
Yerkes und Dodson (1908): Zusammenhang zwischen Aktivationsniveau und Leistung nicht linear -> umgekehrt U-förmig
• Je schwieriger die Aufgabe, desto niedriger das optimale Arousal. -> Aufgabenqualität für Vorhersage relevant!
(neue Unterscheidung zw. Verhaltensstärke & -qualität)
Laut Triebtheorie: je höher das Erregungslevel, desto höher allgemein das Performanzniveau
Warum heißt Lewins Motivationstheorie “Feld”-Theorie?
(43)
• Übertrag des physikalischen Begriffs des Vektorfeldes auf diePsychologie.
• psychologische Kräftefeld als die Gesamtheit aller gerichteten Kräfte (Vektoren), die zu best.Zeitpunkt auf Person wirken.
• dynamische Theorie: Verhalten & Erleben als Resultat verschiedener, wirksamen gerichteter Kräfte.
• Die resultierende Kraft, ihre Richtung und Stärke ergibt sich aus der Summe der unterschiedlich gerichteten Einzelkräfte.
Verhalten als Funktion von Person- und Umwelteinflüssen: V = f(P,U). (interaktionistischer Charakter)
Was versteht Lewin unter dem
„Lebensraum“ einer Person?
(44)
Lebensraum = aktuelle, subjektive Wahrnehmung der inneren und äußeren Situation einer Person.
drei Komponenten:
Das Personenmodell beinhaltet innere Spannungen und Energien und ist in verschiedene Bereiche untergliedert.
Das Umweltmodell beschreibt Kräfte und zielgerichtetes Verhalten (Lokomotion), ist auch untergliedert und stellt die möglichen Wege zu einem Zielobjekt dar. (Kräftefeld = gesamtheit gerichteter Faktoren)
Die Fremde Hülle umfasst objektive Gegebenheiten, die momentan psychisch nicht repräsentiert sind und außerhalb der Wahrnehmung liegen und die deswegen ohne große Bedeutung sind.
Erläutern Sie strukturelle und dynamische Elemente des Personenmodells von Kurt Lewin.
(45)
Person als differenzierte Struktur aus verschiedenen Elementen mit semipermeable Bereichsgrenzen (Basis für Substitutions- und Ersatzhandlungen)
Verschiedene Bereiche repräsentieren unterschiedliche Bedürfnisse, Motive oder Quasibedürfnisse (Ziele & Intentionen); verwandte Bereiche liegen auch nah beieinander. (zentral -> wichtig / peripher / weniger wichtig)
Abgrenzung zur Umwelt durch die sensumotorische Grenzzone.
Dynamik:
Spannungszustände durch unbefriedigte Bedürfnisse und unerledigte Zielvorhaben. -> Drang zu Spannungsausgleich.
(Ersatz-)Befriedigung: durch Handlungen (über sensumotorische Zone); ggf. auch Ersatzhandlungen in Nachbarbereichen.
Unbefriedigte Spannung nimmt Einfluss auf basale kognitive Prozesse (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis)
Beschreiben Sie die Auswirkungen gespannter Bereiche in der Person auf Handeln und Kognition anhand eines Beispiels.
(46)
Inhalte gespannter Bereiche sind in ihrer Zugänglichkeit erhöht, also mit hoher Aufmerksamkeit belegt & können leichter aus dem Gedächtnis abgerufen werden.
• Einfluss auf Wahrnehmung: Aufforderungscharakter von bedürfnisrelevanten Dingen, → erhöhte Aufmerksamkeit
• E. auf das Gedächtnis: erhöhte Zugänglichkeit von relevanten Inhalten (leichterer/ schnellerer Abruf)
• E. auf das Handeln: Aktivierung relevanter Verhaltensweisen im Zusammenspiel mit Umweltmerkmalen
Bsp.: Person hungrig → höhere Aufmerksamkeit für Tiefkühler → besserer Gedächtnisabruf für TK-Pizza → Anschalten des Ofens für baldige Zubereitung
Was ist nach Lewin eine Ersatzhandlung? Geben Sie ein Beispiel. Wie erklärt die Feldtheorie das Auftreten von Ersatzhandlungen? Welche Aktivitäten besitzen einen hohen Substitutswert?
(47)
Mögl. Übergreifen nicht zu befriedigender Spannungen auf ähnliche Bereiche (stellvertretede Abfuhr)
-> funktionale Äquivalenz als Voraussetzung (selbes zu Grunde liegendes Bedürfnis)
Bsp.: Ziel, einen Baum zu erklettern, und das Ziel, beim Fußball erfolgreich zu sein -> selbes grundlegendes Bedürfnis (körperliche Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen). Misserfolg beim Fußball -> Spannung -> erfolgreiches Besteigen eines Baumes als Substitutionshandlung
Was versteht man unter Wiederaufnahmetendenzen? Schildern Sie hierzu Ablauf und Ergebnis
der Untersuchung von Ovsiankina und erklären Sie das Ergebnis auf der Basis der Feldtheorie.
(48)
Wiederaufnahmetendenz: Tendenz, unterbrochene, nicht vollendete Handlung wiederaufzunehmen.
Lewins Feldtheorie: unterbrochene Handlung -> verbleibende Restspannung -> Ausgleichsstreben (unvollst. Befriedigung)
Studie: VPn werden bei einer Reihe von Aufgaben unterbrochen.
UV: Unterbrechung durch Vorlegen einer neuen Aufgabe (Wiederaufnahme danach: 79%) vs. durch scheinbar zufällige Aktionen des Versuchsleiters (Wiederaufnahme danach: 100%).
-> Wiederaufnahme selbst dann, wenn betont wurde, dass eine Wiederaufnahme unwichtig sei, eine Wiederaufnahme explizit untersagt wurde („diebische“ Wiederaufnahme) oder die Aufgabe außer Sichtweite gerückt wurde.
Beschreiben Sie Ablauf und Ergebnisse der Untersuchungen von Zeigarnik (1927). Wie erklärt man das Ergebnis auf der Basis der Feldtheorie? Was ist der „Zeigarnik- Quotient“?
(49)
Der Zeigarnik-Effekt: Besseres Erinnern unerledigter Aufgaben (entscheidend: subjektiv wahrgenommene Aufgabenerledigung)
Studie: VPn werden bei einer Reihe von Aufgaben unterbrochen vs. nicht. (UV)
AV: spätere Gedächtnisleistung für die Aufgaben
-> unerledigte Aufgaben häufiger erinnert (trotz kürzerer Bearbeitung)
Feldtheorie: subjektiv unerledigte Aufgaben -> verbleibende Spannung -> Aufgaben besser abrufbar, da besser zugänglich.
Zeigarnik-Quotient = 2 : 1 (Verhältnis von erinnerten unerledigten zu erinnerten erledigten Aufgaben)
Wie kann man mit der Feldtheorie erklären, dass in der Untersuchung von Marrow (1938) mehr abgeschlossene als unterbrochene Aufgaben erinnert wurden?
(50)
Studie: Aufgabenbearbeitung unterbrochen vs. nicht (UV); Gedächtnistest - erinnerte Aufgaben (AV)
• Vorab-Information: Unterbrechung, wenn Aufgabe korrekt bearbeitet wurde (-> "erledigt") -> Unterbrechung soll subjektives Erfolgskriterium werden
• objektiv abgeschlossene Aufgaben, die nicht unterbrochen wurden -> subjektiv nicht abgeschlossen
-> Nicht-unterbrochene Aufgaben blieben besser im Gedächtnis.
Marrow: subjektive wahrgenommen Aufgabenerledigung offenbar ausschlaggebend für Gedächtnisleistung
Was ist mit einem Aufforderungscharakter von Umweltobjekten gemeint?
Wie wurde ein Aufforderungscharakter von bedürfnisrelevanten Objekten experimentell nachgewiesen?
Erläutern Sie dazu die Studie von Wispé & Drambarean (1953) mit tachistoskopischen Darbietungen von bedürfnisrelevanten Reizen.
(51)
Aufforderungscharakter (demand characteristics): Eigenschaft einer Situation bzw. Objekts, Handlungen nahezulegen bzw. auszulösen. Ergebnis aus Wechselwirkung von (Feld)-Situation und Bedürfnisspannungen.
Wahrnehmungs- & Aufmerksamkeitseffekte von bedürfnisinduzierten Spannungen -> Aufforderungscharakter v. Umweltobjekten
• Bsp.: Brief versenden → selektive Wahrnehmung gelber, eckiger Objekte
Studie (Wispé & Drambarean, `53): Untersuchung der Identifikation kurz dargebotener Wörter.
UVs: Nahrungsdeprivation (0, 10, 24 h) & Bedürfnisrelevanz der Wörter (irrelevant vs. relevant).
-> hungrige VPn erkannten bedürfnisrelevante Inhalte schneller.
Feldtheorie: Spannung bei Hungrigen -> erhöhte Aufmerksamkeit -> niedrigere Erkennungsschwelle (Interaktion zw. Umwelt & Person).
Warum wird die Umwelt in Lewins Modell als “hodologischer” Raum bezeichnet?
(52)
• „hodos“: griechisch für Pfad.
Lewin: Umwelt als Raum, der den Weg vom Ausganspunkt zum Ziel beschreibt.
• „Pfad“ von Ausgangspunkt zum Ziel; verschiedene Handlungsschritte (voneinander getrennte Hindernisse). -> Überwinden von Grenzen, um von Bereich zu Bereich (& damit zum Ziel) zu kommen.
• „Hodologischer“ Raum = Gesamtheit der Umweltbereiche und Grenzen zwischen Ausgangspunkt und Ziel.
• Bewegung durch diesen Raum: Lokomotion (mit unterschiedlichen möglichen Pfaden)
Definieren Sie den Begriff der Valenz in Lewins Feldtheorie.
(53)
Valenz: Äquivalent zum Potential, das von positiven und negativen el. Ladungen ausgeht - allerdings subjektiv durch die Bedürfnisse & Ziele einer Person festgelegt
„Zielbereiche“ von Valenz: Gegenstände, Orte, Personen, etc.
Stärke der Valenz: abhängig von Stärke der aktuellen Bedürfnisspannung (s) & intrinsischen Eigenschaften des Zielobjektes (Z) ab: V = f(s, Z).
• Die Valenz selbst erzeugt keine Kraft - legt lediglich fest, wie stark gewisser Zielbereich wirken könnte.
Entstehung einer Kraft: Spannung zwischen Zielbereich und Person, die von Distanz mitbestimmt wird: K = Va/d = f(s, Z)/d
• Je intensiver das Bedürfnis & je zweckdienlicher die Eigenschaften, desto stärker ist Valenz
Wie lautet Lewins Formel zur Berechnung der Kraft, die von einem Umweltobjekt auf eine Person wirkt?
(54)
K = Va/d = f(s, Z)/d
Kraft: Stärke der anziehenden bzw. abstoßenden Wirkung von positiven bzw. negativen Zielobjekten (Z).
-> Stärke der Kraft (K) = Quotient von Valenz (Va) und Distanz zum Ziel (d). Es entstehen Kraftfelder.
• Stärke der Kraft -> Betrag und Richtung der Lokomotion.
Distanz: als psychologische Größe zu interpretieren -> Erreichbarkeit des Zielobjekts entscheidend. (vgl. Rattenexperiment - Tiere werden immer schneller, je näher sie dem Futter kommen)
• Lineare Abnahme der Kraft mit der Distanz zum Ziel.
Wovon wird das Verhalten einer Person unmittelbar beeinflusst: Von der positiven oder negativen Valenz, die ein Objekt oder eine Situation für eine Person besitzt, oder von der Kraft, die von diesem Objekt bzw. dieser Situation ausgeht? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Valenz und Kraft?
(55)
• Bestimmen des Verhaltens einer Person durch die Kraft, die Richtung und Betrag der Lokomotion festlegt.
• Kraft (ausgehend von Zielobjekt) wiederum durch die Valenz des Zielobjekts bestimmt: K = Va/d = f(s, Z)/d
• Die Kraft wirkt auf die Person und führt sie zum Zielobjekt mit einer gewissen Stärke (Betrag der Kraft) hin oder von diesem weg (positive bzw. neg. Kraft). (Lokomotion)
• Valenz vor allem bei der Richtung eine entscheidend! (Da die Kraft in der Formel direkt proportional von der Valenz abhängt und sich nur durch den Faktor 1/Distanz von ihr unterscheidet).
-> positive Valenz -> Annäherungsverhalten / negative Valenz -> Vermeidungsverhalten.
Was bedeutet Distanz in Lewins Theorie (geben Sie mindestens zwei verschiedene Beispiele) und welche Rolle spielt die psychologische Distanz für das Umweltmodell in Lewins Feldtheorie?
(56)
Lewin: Distanz als psychologische Distanz zwischen Person und Zielobjekt.
Einflussfaktoren: neben räumlicher Entfernung v.a. zeitliche Entfernung (generell: sämtliche Faktoren, die Einfluss auf subjektive Salienz & Wkt. der Zielerreichung haben).
• Bsp.1: Distanz: Ratten laufen in Futternähe schneller (zum Futter) als bei größerer Entfernung.
• Bsp.2: Kaufplanung: neues Auto kaufen <-> kein Geld -> finanzielle Distanz.
Rolle der Distanz (d): K = Va/d -> zunehmende Distanz -> abnehmende Kraft bei gleichbleibender Valenz
Was ist ein Konflikt und wie zeigt er sich im Verhalten? Wie erklärt man Konflikte in Termini der Feldtheorie Lewins?
(57)
Konflikt nach Lewin: Gleichgewicht anziehender und abstoßender Kräfte, die zeitgleich auf eine Person wirken.
-> im Verhalten: Immobilität / schnell wechselndes, widersprüchliches Verhalten.
• Bsp.: ist die Katze, die um den heißen Brei herumschleicht.
• gleich große, aber entgegengesetzte Kräfte -> instabiles, immer wieder kippendes Gleichgewicht
• nicht abzubauende Spannung - Handlungsmöglichkeiten blockieren sich gegenseitig. (Meidegradient und Aufsuchengradient schneiden sich).
Columbia-Obstruction Box: Konflikt zwischen Belohnung (Futter) & Risiko einens Schocks
Erläutern Sie typische Verhaltenstendenzen in einem Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt (Beispiel) und erklären Sie das beobachtete Verhalten mit Millers Gradientenmodell.
(58)
Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt: ambivalentes Objekt (gleichzeitig anziehende & abstoßende Wirkung)
Bsp.: Gefühle einer schwangeren Frau zur bevorstehenden Geburt
-> schneller Wechsel zwischen Aufsuchen & Meiden (Schwingender Kraftvektor) / Stillstand (Kraftvektor wird = 0)
Der Konflikt(punkt): Schnittpunkt von Meidegradient & Aufsuchengradient.
• Meidengradient dominiert in der Nähe des Ziels (starke neg. Steigung) -> Organismus entfernt sich.
• Aufsuchengradient dominiert in In höherer Entfernung (geringeren neg. Steigung) -> Annäherung des Organismus
-> oszillierendes Verhalten.
Schildern Sie Aufbau und Ergebnisse der Untersuchung von Brown mit angeleinten Ratten (1948) zum Zusammenhang von Zieldistanz und Verhaltensintensität.
(59)
Studie: angeschirrte Ratten (Widerstand bei Fortbewegung) -> Messbarmachung der Stärke des Aufsuchen- und des Meidengradienten.
Meiden-Gradient: aufgebrachten Kraft bei Entfernen von abstoßendem Zielgebiet (Schock).
Aufsuchen-gradient: Kraftanstrengung zu einer Belohnung (Futter) hin.
Zwei Effekte der Zielentfernung:
1) genereller Zuwachs der Zugstärke mit Zielannäherung.
2) Stärkere Meiden-Tendenz bei kurzer Distanz zum Zielgebiet.
-> Furcht motiviert in Zielnähe stärker als die Belohnung; bei größerer Entfernung überwiegende Annäherungstendenz.
(Annährungsgradient fällt weniger steil ab als Meidungsgradient)
Definieren Sie unterschiedliche von Lewin postulierte Konflikttypen. Welche Konflikte lassen sich vergleichsweise leicht auflösen, welche sind dagegen schwieriger aufzulösen (und warum)?
(60)
Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt
Gemisch positiver und negativer Valenzen in einem Objekt. (attraktive, aber strohdumme Verehrerin)
-> Schwierig aufzulösen: das Verhalten verharrt ein einem kritischen Bereich der Entfernung zum Zielobjekt.
Annäherungs-Annäherungs-Konflikt
Zwei attraktive Handlungsoptionen mit Zwang zu Entscheidung. (eine attraktive und eine intelligente Verehrerin)
-> Leicht aufzulösen: Bewegung in eine Richtung verstärkt die Asymmetrie im Kräftefeld zugunsten der näheren Alternative.
Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikt
Zwei aversive Handlungsoptionen mit Zwang zu Entscheidung. (Zwang, hässliche oder dumme Verehrerin zu wählen)
-> Schwierig aufzulösen: Bewegung in eine Richtung erhöht die abstoßenden Kräfte der näheren Alternative. Auflösung erst, wenn eine abstoßende Kraft größer ist als andre.
-> dauerhafte Unentschlossenheit und Lähmung des Verhaltens, oft Depressionen
Doppelter Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt
häufigster Konflikttyp nach Lewin (Mischform):
Zwei Optionen, die jeweils positive UND negative Valenzen haben. (2 Verehrerinnen: Attraktiv + dumm / hässlich + intelligent)
-> Strukturell ähnlich wie Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikt
Worin besteht eine Versuchungssituation? Wie kann man erklären, dass man einer Versuchung nachgibt?
Welcher Zeitraum ist besonders kritisch?
(61)
Struktur von Versuchungssituationen:
-> entspricht Annäherungs-Annäherungs-Konflikt.
-> Konkurrenz zwischen geringerem, aber sofort realisierbaren Anreiz (smaller-sooner, SS) & hohem, aber später realisierbaren Anreiz (larger-later, LL).
Temporal / Time discounting:
-> Stärke eines Anreizes hängt von seiner Wertigkeit UND der Distanz ab.
-> zeitliche Distanz -> Abwertung des Ziels ("Delay of gratification") - vgl. Mischel´sches Marhmallow-Experiment
Einer Versuchung nachgeben (Lewin):
-> wenn psychologische Kraft wegen der größeren Nähe zum Zielobjekt die größere Valenz eines zeitlich weiter entfernten Zielobjekts überwiegt.
kritische Zeitspanne:
-> ab dem Moment, in dem der objektiv schwächere Anreiz, durch seine temporale Nähe in seiner Kraft den starken Anreiz überwiegt.
-> "Preference reversal“; Bevorzugung von SS bei kritischer Nähe. (bei gleicher Enfernung Bevorzugung von LL)
Erklären Sie, was mit preference reversal gemeint ist, und geben Sie ein Alltagsbeispiel.
(62)
Preference Reversal:
• geringerer, aber sofort realisierbarer Anreiz (smaller-sooner, SS) vs. hoher, aber später realisierbarer Anreiz (larger-later, LL).
• große zeitliche Entfernung zu beiden Anreizen -> LL-Reward überwiegt
• Nähe zum SS-Reward -> (kurzfristiges) Bevorzugen des SS-Rewards, auch wenn er der Zielerreichung des LL im Wege steht.
Bsp.: Ganze Tafel Schokolade essen, wenn man eigentlich eine Sommerfigur haben will
Warum kann man das Phänomen des preference reversal nicht mit einem einfachen linearen Diskontierungsmodell erklären? Wie muss der Diskontierungsprozeß gefasst werden, damit man damit auch preference reversals erklären kann?
(63)
Lineares Diskontierungsmodell:
• lineare Steigung der zeitabhängigen Anreizfunktionen
-> stets eine Gerade oberhalb der anderen -> immer Überwiegen eines Anreizes.
-> Präferenzwechsel unmöglich. (keine Dominanz eines SS bei kritischer zeitlicher Nähe).
Anpassung: hyperbolisches Diskontinuierungsmodell:
• lässt für zeitliche Nähe den Wert des SS schnell ansteigen, die zunächst höher gelegene LL-Kurve schneiden & dominieren.
• f(x) = 1/x (zeitl. Distanz im Nenner). -> entscheidend dafür, dass eine Überschneidung entstehen kann.
Wofür stehen die Begriffe SS und LL in Versuchungssituationen? Skizzieren Sie entsprechend dem Modell der hyperbolischen Diskontierung graphisch den Verlauf von Präferenzen in Abhängigkeit von der zeitlichen Entfernung in einer Situation, in der ein SS und ein LL Anreiz miteinander konkurrieren.
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Versuchungssituation: Konkurrenz zwischen geringem, sofort realisierbaren Anreiz & hohem, erst später realisierbaren Anreiz.
-> Vgl. Mischel’sche Marshmallowstudie; Preference Reversal
SS = smaller, sooner; ein geringerer Anreiz, der aber unmittelbar realisierbar ist
LL= larger, later; ein größerer Anreiz, der aber zeitlich noch weiter entfernt ist