Motivation und Emotion
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21
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Flashcards
Welchen Vorteile hat eine multidimensionale Sichtweise von emotionalen Reaktionen?
(3)
Fünf Komponenten von Emotion:
• subjektive, kognitive, physiologische, expressive und motivationale Komponente.
• Vorteil: unterschiedliche Facetten von Emotionen können untersucht werden (kein Zurückgreifen auf subjektive
Erlebensberichte notwendig).
• Abläufe & Sequenzen der Aktivierungen einzelner Komponenten können studiert werden.
Was ist der Unterschied zwischen emotional motivierten Verhaltensstrategien und Verhaltenstaktiken? Erläutern Sie den Unterschied anhand von konkreten Beispielen.
(E4)
• Emotionen als motivationalen Verhaltensstrategien: abstrakte Mittel-Zweck-Relationen (z.B. Vermeidung, Attacke / Vergeltung), NICHT konkrete Verhaltensweisen.
• Verhaltenstaktik: spezifisch angepasste Umsetzung dieser Verhaltensstrategien in konkreter Situation.
-> Es hängt von der Situation ab, ob wütende Person mit der Faust auf den Tisch haut, einem defekten Automaten einen Tritt verpasst oder an einer Protestkundgebung teilnimmt.
-> Trotz Verschiedenheit diese Verhaltenstaktiken Annahme ähnlicher Funktion (erlebtes Unrecht vergelten / rückgängig machen).
Welche Muskelpartien des Gesichts sind für einen mimischen Ausdruck von Freude, Ärger, und Ekel besonders wichtig?
(E5)
Für mimischen Ausdruck besonders wichtige Muskelpartien:
Augenbrauenrunzler (Musculus corrugator supercilii) -> Ärger
Augenringmuskel (Musculus orbicularis oculi) -> Freude
Oberlippenheber (Musculus levator labii) -> Ekel
Großer Jochbeinmuskel (Musculus zygomaticus major) -> Freude
Was ist das EmFACS?
(E6)
EmFACS (Emotional Facial Action Coding System):
• Codiersystems der Gesichtsmimik (Ekman) -> Einordnung von Emotionen anhand prototypischer Ausdrucksmuster.
• 44 verschiedene Bewegungseinheiten (je einzelne / mehrere Muskelbewegungen).
• "Lexikon": Zuordnung spezieller Kombinationen von Bewegungseinheiten zu Emotionskategorien -> Emotional Facial Action Coding System (EmFACS).
Diskutieren Sie die Aussage, dass das emotionale Empfinden ein Epiphänomen von Aktivitäten auf anderen Verhaltensebenen ist.
(E7)
• Emotionale Empfindung = Veränderung des momentanen subjektiven Erlebens.
Einflüsse auf das Empfinden:
• aktuellen Kognitionen / Bewertungen
• Motivationen
• körperlichen Expressionen
=> emotionales Empfinden als eigenständige Komponente oder integrative Wahrnehmung (ein Epiphänomen) von Aktivitäten auf anderen Verhaltensebenen?
Was sind Mischtheorien und Prototypen-Theorien von emotionalen Empfindungen?
(E8)
Mischtheorien:
• primäre „Basisemotionen“ als Grundlage für alle emotionalen Empfindungen.
• Vielfalt emotionaler Empfindungen ensteht aus Vermischungen von primären Emotionen -> sekundäre Emotionen (z.B. Liebe, Neugierde, Bescheidenheit).
Prototypen-Theorien:
• emotionale Zustände lassen sich anhand ihrer Ähnlichkeit zu prototypischen Zuständen gruppieren.
• "Verwandte" einer Basisemotion unterscheiden weniger in ihrer subjektiven Empfindung -> selbe Basisemotion wird situationsabhängig unterschiedlich benannt.
Was ist der Unterschied zwischen einer bivariaten und einer bipolaren Repräsentation von Valenz? Warum könnte diese Unterscheidung wichtig sein?
(E9)
Bipolare Dimonesionen von Valenz (z.B. Circumplex-Modell):
• Kreisförmige Anordnung emotionaler Zustände um zwei orthogonale Dimensionen – Valenz und Erregung.
• Valenz & Erregung können nicht gleichzeitig maximal werden. (!)
Bivariate Dimensionen:
• Verorten von Emotionen vorwiegend in den Sektoren mit hohen Aktivierungen.
• Zweidimensionaler Raum zur Einordnung anhand der Valenz -> positive und negative Affekte bzw. Aktivierungen.
• voneinander unabhängige Dimensionen -> können gleichzeitig auftreten. (!)
=> unterschiedliche Repräsentation von Valenz -> drastische Änderung der modelltheoretischen Grundlage.
Erläutern Sie eine modale Strukturbeschreibung von Emotionen. Worin grenzt sich dieser Ansatz von diskreten und dimensionalen Ansätzen ab?
(E10)
Modale Modelle der Emotionsbeschreibung:
• Zwischenposition: Integration verschiedener Aspekte von diskreten & dimensionalen Modellen.
• kognitives Prozessmodell der Emotion: fortlaufende kognitive Situationseinschätzungen -> ständige Veränderungen in emotionalen Reaktionssystemen.
• komplex ausdifferenzierte Bewertungsdimensionen -> Zahl möglicher emotionaler Zustände quasi unlimitiert (<-> diskreter Ansatz).
• häufig wiederkehrende Situationsbwewertungen (alltägliche Herausforderungen) -> charakteristisches Erleben -> sprachlich zu diskreten Emotionen zusammengefasst.
-> Erklärung der begrenzen Anzahl von der Emotionen durch sprachliche Kategorisierung statt biologischer Anlage.
• 4 Dimensionen emotionaler Zustände (Valenz, Kontrolle, Aktivierung, Neuigkeit) (<-> dimensionale Modelle: maximal 2 Dimensionen).
Welche Funktionen werden Emotionen allgemein zugeschrieben?
(E11)
Funktionen von Emotion:
• Emotionen als adaptive Reaktionen auf subjektiv bedeutsame Umweltreize.
-> informative Funktion: Relevanzdetektion / Orientierung, Überwachung & Feedback.
-> motivationale Funktion: unmittelbar (z.B. Furcht) / durch antizipierte emotionale Konsequenz (-> Annäherung / Vermeidung).
-> sozial-kommunikative Funktion: Herstellen & Vertiefen von Beziehungen; Einnehmen & Sichern eozialer Positionen gegenüber anderen.
Welche informativen Funktionen haben Emotionen? Ordnen Sie diese Funktionen unterschiedlichen Stufen der Informationsverarbeitung zu.
(E12)
Informative Funktion von Emotionen:
• Relevanzdetektion: Aufmerksamkeitslenkung auf subjektiv bedeutsame Stimuli (Chancen & Risiken -> aufsuchende / vermeidende Orientierung).
• Überwachungsfunktion: Reaktion auf Fortschritte / Rückschläge in der Zielverfolgung (während des Handelns).
• Feedbackfunktion: Informieren über Folgen von Entscheidungen & Handlungen.
-> Je nach Beschaffenheit einer Situation und den eigenen Zielen & Bedürfnissen können so unterschiedliche Ereignisse emotional hervortreten -> Berücksichtigung in der Verhaltenssteuerung.
Was ist eine visuelle Suchaufgabe und welche emotionalen Prozesse können mit dieser Aufgabe untersucht werden?
(E13)
Visuelle Suchaufgaben:
• Zielreize müssen entdeckt & Distraktoren ignoriert werden -> Entscheiden, ob Target vorhanden ist.
• Untersuchung automatischer Aufmerksamkeitsausrichtung (auf emotionale Reize).
-> emotionale Reize i.d.R. stärker beachtet -> erschwerte Ablösung der Aufmerksamkeit.
-> Effekte bei erregenden / biologisch relevanten (bedrohlichen) UND positiven Reizen (kein exklusiver Negativitätsbias).
Was ist eine sog. „Blitzlichterinnerung“? Wie lassen sich Blitzlichterinnerungen mit Beobachtungen eines
„Tunnelgedächtnisses“ für emotionale Inhalte in Einklang bringen?
(E14)
"Blitzlichterinnerung" & "Tunnelgedächtnis":
• Einfluss von Emotionen auf Erinnerungsleistung (negative & positive Effekte möglich):
• Blitzlicherinnerung (flashbulb memories): lebhafte & detailgetreue Erinnerung an Umstände traumatischer Erlebnisse.
• Tunnelgedächtnis (z.B. Augenzeugen): wenige zentrale Inhalte auf Kosten peripherer Details erinnert.
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-> Zentrale Inhalte emotionaler Ereignisse generell besser erinnert als periphere Details.
-> Details können ins „emotionale Scheinwerferlicht“ rücken, wenn sie mit zentralen Inhalten in inhaltlichem Zusammenhang stehen / für Ziele & Bedürfnisse relevant sind.
Welche Entscheidungs-/ Verarbeitungsstrategien werden von positiven Affekten und welche Strategien von negativen Affekten begünstigt?
(E15)
• Positive Emotionen -> (+) flexible, heuristische & weite Informationsverarbeitung.
• Negative emotionale Zustände -> (+) systematische, detaillierte & fokussierte Verarbeitung.
Welche Funktionen schreibt die broaden-and-built theory von Frederickson (2001) positiven Emotionen zu?
(E16)
Laut der broaden-and-built theory (Frederickson):
• mögl. Funktion positiver Emotionen: Aufbau & Erweiterung von Fertigkeiten & (soz. / phys. / intellektuellen) Ressourcen.
• mögl. Funktion negativer Emotionen: Bündeln kognitiver Ressourcen zur Bewältigung spezifischer Herausforderungen.
Beschreiben Sie den „feelings-as-information“ Ansatz und eine passende Studie. Wann vertrauen Menschen besonders auf ihr „Bauchgefühl“?
(E17)
"Feelings-as-information" Ansatz ("affect heuristic"):
• Nutzen momentaner Gefühle als Entscheidungshilfen für Werturteile unter Unsicherheit.
• "Bauchgefühl" als Entscheidungshilfe v.a. bei geringfügigen Konsequenzen, knappen kogn. Ressourcen & Abwesenheit verlässlicher Informationsquellen.
Studie:
• Befragung von VPn nach ihrer Lebenszufriedenheit an sonnigen vs. regnerischen Tagen
• Sonnige Tage (gute Stimmung) -> höhere Lebenszufriedenheit an als an regnerischeren Tagen (schlechte Stimmung).
-> Offenbar Nutzen momentaner Gefühlslage als Hinweis auf allgemeines Wohlbefinden (Entscheidungsheuristik).
-> Bsp. Werbung: spontaner Kauf eher, wenn Kunden in guter Stimmung sind. (schwindender Einfluss bei systematischer Verarbeitung).
Welche Schlüsselstellen in der Zielverfolgung lösen nach Oatley und Johnston-Laird (1987) Emotionen aus? Welche Funktion haben diese Emotionen für die Zielverfolgung?
(E18)
• Wichtige Funktion von Emotionen in der Überwachung Umweltgeschehnissen & Fortschritten in der Zielerreichung.
Emotionsauslösung nach Oatley und Johnson-Laird (1987):
• Emotionale Unterbrechung: Unterbrechung serieller Informationsverarbeitung von unspezifischer emotionaler Erregung unterbrochen, sobald drängendes Problem / günstige Gelegenheit auftritt (-> emotionsspezifische Signale).
• 5 Basisemotionen, ausgelöst von bestimmten Schlüsselstellen in der Zielverfolgung (-> Meldung an kogn. System)
• emotionales Signal -> Überführung (Transition) des aktuellen Zustands in neuen, angepassten Zustand durch kognitives System.
Spezifische Schlüsselstellen:
• Freude: Erreichung eines Etappenzieles -> Fortsetzen des Planes / Modifizierung.
• Traurigkeit: Scheitern eines wichtigen Planes / Unerreichbarkeit eines aktiven Ziels -> Suchen nach neuem Plan.
• Angst: Bedrohtes Selbsterhaltungsziel -> Überwachen der Umwelt / Flucht.
• Ärger: Frustration eines aktiven Zieles -> mehr Anstrengung / Attacke.
• Ekel: Verletzung eines Geschmackszieles -> Abweisen einer Substanz / genereller Rückzug.
Was ist die Lamarck’sche Hypothese von emotionalen Verhaltensweisen? Wie lassen sich emotionale Verhaltensneigungen evolutionstheoretisch erklären?
(E19)
Lamarckismus:
• Theorie, dass im Laufe des Lebens erworbene Eigenschaften vererbt werden können. (falsch!)
Evolutionstheorie (Darwin etc.):
• Annahme dass Verhaltensweisen automatisch mit best. Gefühlszuständen gekoppelt werden, wenn diese wiederholt gemeinsam auftreten (principle of serviceable associated habits).
-> Assoziierte Verhaltensreaktion dann automatisch von emotionaler Situationsbewertung ausgelöst.
• genetisch bedingte Verhaltensdispositionen (motivationale Zustände) werden im Laufe der Evolution anhand wiederkehrender Herausforderungen selektiert.
Was verstand McDougall unter „emotionalen Instinkten“?
(E20)
• moderne Forschung: genetisch veranlagte & im Laufe der Evolution selektierte Verhaltensdispositionen.
"Emotionale Instinkte (McDougall):
• umfassen bestimmte Motivationen, Kognitionen & Gefühle.
-> z.B. „Fluchtinstinkt“ -> Furcht & Fluchttendenz.
• Genetische (& deshalb unveränderliche) Basis von motivationalem Antrieb & begleitendem Gefühl.
<-> "Offenes Verhalten": hängt von Lernerfarung ab.
• 7 angeborene Instinkte bzw. Emotionen.
Was ist der Unterschied zwischen einem „Fluchtinstinkt“ und einer emotionalen Handlungsbereitschaft zur Flucht? Warum hat sich letztere Vorstellung gegen die Idee einer instinktgetriebenen Reaktion in der Wissenschaft durchgesetzt?
(E21)
„Fluchtinstinkt“ (nach McDougall):
• Einer von sieben angeborene Instinkten.
• Löst automatisch Furchtempfinden und Tendenz zu Fliehen aus.
Emotionale Handlungsbereitschaft (zur Flucht):
• Erklärung der Heterogenität emotionalen Verhaltens in Bedrohungssituationen (Flucht / Attacke / Starre).
• Abstraktere Mittel-Zweck-Relationen (-> spez. Handlungsimpulse, generelle Annäherung / Vermeidung, unspez. Erregung).
-> Differenziertere Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen.
Was sind appetitive und aversive Motivationssysteme? Mit welchem Untersuchungsaufbau können diese Systeme untersucht werden?
(E22)
Appetitive & Aversive Motivationssysteme:
• Emotionale Verhaltenstendenzen der Annäherung / Vermeidung.
• Menschen suchen Situationen auf, die positive Emotionen auslösen & vermeiden Situationen, die negative Emotionen auslösen.
Studie:
• Messung der Stärke eines protektiv-defensiven Lidschlusses (ausgelöst durch Schreckreiz).
• UV: währenddessen Betrachtung von positiven vs. negativen vs. neutralen Bildern.
Ergebnis:
• Verstärkter Lidschlag bei Betrachtung (erregender) negativer Bilder. -> Stärkere Vermeidung.
• Abgeschwächter Lidschlag bei Betrachtung (erregender) positiver Bilder. -> Schwächere Vermeidung.
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<-> Ergebnis weiterer Studien: best. negative Emotionen lösen Annäherung statt Vermeidung aus.
-> emotionsspezifische Regelung von Tendenzen der Annäherung und Vermeidung?
Erläutern Sie die Bedeutung des sozialen Kontexts für den Ausdruck von Emotionen am Bsp. der Studie von Kraut & Johnston (1979). Warum sprechen die Ergebnisse dieser Studie gegen die Annahme, dass Lächeln eine Emotion „ausdrückt“?
(E23)
Emotionsausdruck in soziale Situationen:
• Kommunizieren emotionaler Befindlichkeiten, Verhaltensabsicht & Hervorrufen selektive Reaktionen anderer Personen.
-> Besonders häufiges Zeigen von Emotionen in sozialen Situationen.
Feldstudie zu soziale Umständen von Lächeln (Kraut und Johnston, 1979):
• Beobachteter Ausdruck von Bowlern nach geglücktem vs. missglückten Bowling-Wurf.
• Zuschauerreaktionen bei Hockey-Match.
• Gesichtsausdruck von Spaziergängern an regnerischen & sonnigen Tagen.
Ergebnis:
• Menschen lächeln haupsächlich währen der Interaktion mit anderen - unabhängig von pos. / neg. Umständen / Ergebnissen.
=> Lächeln nicht zwangsläufig Ausdruck innerer Befindlichkeit.
-> "Soziales Lächeln": Zweck der Begrüßung, Beschwichtigung, Auflockerung von Beziehungen.
-> Generell: Prägung des Ausdrucks / der Decodierung von Emotionen von Umfeld (display rules).
Welche Hauptfunktionen haben Emotionen in sozialen Beziehungen? Beschreiben Sie jede Funktion mit einem Bsp.
(E24)
Zwei Hauptfunktionen von Emotionen in soz. Beziehungen (nach Fischer & Manstead):
• Hilfreich bei der Kontaktaufnahme mit anderen & dem Vertiefen bestehender Beziehungen.
-> Bsp.1: Anlächeln attraktiver Dame, um Interesse zu bekunden.
-> Bsp.2: In einer Beziehung: Zeigen positiver & vertrauensstiftender Emotionen (z.B. Freude über ein Weihnachtsgeschenk) zum Bestätigen / Vertiefen der Beziehung.
• Ausdruck / Mittel zum Einnehmen & Absichern einer sozialen Position relativ zu anderen (Machtausübung).
-> Bsp.: Sich ärgern über das Verhalten anderer; Person mit Verachtung strafen. -> Audruck von Überlegenheit.
Welche (neuronalen) Schaltwege sind nach Papez (1937) grundlegend für die Emotionsentstehung?
(E25)
Schaltkreismodell der Emotion (Papez, 1937):
• Aufteilung sensorische Information im Thalamus -> zwei neuronale Bahnen:
1. „Gedankenpfad“ -> zum sensorischen Cortex (Wahrnehmung, Kognition & Gedächtnisprozesse)
2. „Gefühlspfad“ -> direkt zum Hypothalamus.
• Emotionen resultieren aus Integration der Information aus beiden Pfaden im cingulären Cortex.
Beschreiben Sie die Theorie eines „dreeinigen Gehirns“ von Paul MacLean (1949). Warum ist diese Dreiteilung in der modernen Emotionspsychologie nur mehr von marginalem Interesse?
(E26)
Theorie des „dreieinigen Gehirns“ (MacLean) - drei interagierende Systeme:
1. Evolutionär altes Reptiliengehirn (Basalganglien): Sitz primitiver Triebe & Emotionen (z.B.Aggression & Furcht).
2. Limbisches System (Amygdala, Präfrontalcortex, Hypothalamus, Thalamus, Hippocampus & cingulärer Cortex): Sitz komplexer Emotionen.
3. Neomammalisches Gehirn (Neocortex): Kontrolle / Einfluss auf emotionale Reaktionen über Kognitionen.
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• Emotionsentstehung aus Integration sensorischer Information (bzgl. Außenwelt) mit Information über das Individuum (limbisches System).
• Eingebundene Hirnstrukturen auch heute noch forschungsrelevant; "Dreiteilung" jedoch überholt:
-> Emotionen sind nicht allein dem limbischen System zuzuordnen ("Netzwerkstruktur").
-> Generell ist Dreiteilung zu absolut / spezifisch, um der Integrität & Vernetzung des Gehirns gerecht zu werden.
Welche Funktion haben die Amygdala bei der Verarbeitung von emotionalen Reizen und beim emotionalen Lernen?
(E27)
Emotionale Funktionen der Amygdala:
• Starke Vernetzung -> Empfangen sensorischer Informationen; Feedback von / an Verarbeitungszentren & Körper.
• Schlüsselrolle bei Decodierung emotional relevanter Information (-> schnelle & autonome Reaktion).
• Assoziative emotionale Lernprozesse & Konsolidierung emotionaler Gedächtnisinhalte (bedrohliche & positive!).
Befunde:
• erhöhte Aktivierung bei der Verarbeitung emotionaler Reize (aller Modalitäten), selbst bei unbewusster Wahrnehmung.
• Amygdalaläsion -> Furchtkonditionierung blockiert.
• starke Vernetzung mit Hippocampus -> Hinweis auf Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung.
Erläutern Sie das Zwei-Wege Modell der Furchtkonditionierung von Joseph LeDoux.
(E28)
Zwei-Wege-Modell der Furchtkonditionierung (LeDoux):
• Synapsen, die eine Furchtkonditionierung repräsentieren, werden über zwei Bahnen durch die Amygdala gebildet (?):
(1) Low Road (direkte Verbindung: Thalamus - Amygdala): grob auflösend -> schnelle Auslösung einer Furchtreaktion.
(2) High road (Thalamus -sens. Cortex - Amygdala): langsamer -> gründlichere Reizverarbeitung.
Welchen Einfluss hat der präfrontale Kortex auf die Entstehung und Regulation von Emotionen?
(E29)
Einfluss des präfrontalen Cortex (PFC) auf Emotionen:
• Bsp.: Phineas Gage (Schädigung des PFC):radikale Veränderung von Charakter & Verhalten (liebenswürdig & effizient -> ungehalten & unzuverlässig) bei intakten intellektuellen Fähigkeiten.
• PFC als oberste Steuerungszentrale; speziell für Sozialverhalten, Werte & höheres Denken, Planen & Entscheiden.
• Orbitofrontaler Cortex (OFC): wichtige Rolle beim Lernen des emotionalen & motivationalen Werts eines Reizes.
-> Repräsentation von Assoziationen zw. primären & sekundären Vertärkern (zusammen mit Amygdala).
-> flexibles Reagieren auf Veränderungen der Belohnungszusammenhänge.
An welchen emotionalen Vorgängen ist der anteriore cinguläre Cortex beteiligt?
(E30)
Emotionale Bedeutung des anterioren cingulären Cortex (ACC):
• Integrationszentrum von viszeralen, emotionalen & kognitiven Informationen.
• wichtige Schaltstelle für Emotionsregulation / Top-Down-Regulation (zusammen mit dorsolateralem PFC).
• Colflict-Control-Loop: Detektion von Konflikten zw. aktuellen & intendierten Zuständen -> Einleiten entsprechender Korrekturen.
• involviert in Schmerzwahrnehmung - einschließlich „sozialer Schmerzen“ (empathisches Mitleiden; Schmerzhaftigkeit sozialer Isolation).
Welche emotionalen Funktionen werden der Insula zugeschrieben?
(E31)
Emotionale Funktion der Insula:
• Repräsentation körperlicher Zustände im Gehirn.
-> erhöhte Aktivierung bei Aufgaben zur Körperwahrnehmung (z.B. darauf achten auf eigenen Puls).
• Bedeutung von körperlichen Empfindungen für das Emotionserleben -> Beteiligung an emotionalen Vorgängen:
-> Emotionserkennung.
-> Empathie.
-> Risikoentscheidungen.
-> Furchtkonditionierung etc.
Was behauptet die Theorie der somatischen Marker von Antonio Damasio? Erläutern Sie dazu die Studie von Bechara et al. (1994).
(E32)
Theorie der somatischen Marker (Damasio):
• OFC integriert körperliche Korrelate emotionaler Handlungskonsequenzen & nutzt diese bei der Entscheidungsfindung.
• Assoziationen zw. Verhaltensentscheidungen & emotional-somatischen Folgen werden automatisch gebildet.
• Reaktivierung assoziierter Konsequenz, wenn Verhalten erneut zur Wahl steht -> Verhaltensoption ist "emotional markiert".
Studie (Bechara et al.):
• VPn mit OFC-Läsion vs. gesunde VPn spielen Kartenspiel (Ziel: hohe Gewinne).
• 2 „gute“ Stapel: niedrige Gewinnen & Verlusten; insgesamt Nettogewinn.
• 2 „schlechte“ Stapel: hohe Gewinne & Verluste insgesamt Nettoverlust.
-> zu erlernende Strategie: Verzicht auf schnelle, hohe Gewinne -> Setzen auf längerfristige, kleinere Gewinne.
Ergebnis:
• Gesunde VPn: schnelles Erlernen der optimalen Strategie; erhöhte Hautleitfähigkeit vor dem Ziehen von schlechten Stapeln.
• Patienten mit Läsion: bleiben bei den schlechten Stapeln; keine erhöhten Hautleitreaktionen vor dem Ziehen einer Karte.
Interpretation:
• gesunde VPn nutzen körperlich-emotionale Erregung als Entscheidungshilfe ("Wahl danach, welche Entscheidung sich gut / schlecht anfühlt").
• Fehlen dieses "intuitiven Bauchgefühl“ bei Läsionspatienten -> beeinträchtigtes Entscheidungsverhalten.
Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen einer Reaktionsspezifität im vegetativen Nervensystem und der Idee einer Ressourcenmobilisierung. Wie lässt sich dieser Zusammenhang funktional erklären?
(E33)
Früherer Annahme:
• Distinkte physiologische Profile von Basisemotionen (v.a. im peripheren NS).
Neuere Metaanalysen:
• spezifische Reaktionsprofile NICHT für Basisemotionen, dafür für best. Untertypen emotionaler Zustände.
-> gewisser Grad von Reaktionsspezifizität, v.a. bei Ignorieren der Kategoriegrenzen von Basisemotionen.
-> Spezifität für Vorhersagen des emotionalen Erlebens aus physiologischen Maßen nicht ausreichend.
• Anpassung des Körpermilieus an globale Verhaltensorientierungen (aktiv / passiv, Annäherung / Vermeidung)?
-> Unterschiedlichen Anforderungen emotionaler Kontexte bezüglich einer Ressourcenmobilisierung?
• Physiologische Reaktion hängt also von Beschaffenheit der aktuellem emotionalen Situation ab.
Erläutern Sie die Cannon-Bard Theorie der Emotionsentstehung. Welche Rolle spielen körperliche Erregungszustände für das emotionale Erleben laut dieser Theorie?
(E34)
Cannon-Bard Theorie der Emotionsentstehung:
• Gegenpol zur James-Lange-Theorie.
• sensorische Signale -> Thalamus -> gleichzeitige Weiterleitung an Cortex (emotionale Interpretation) & Hypothalamus (vegetative Reaktion).
-> Simultanes & unabhängiges Auftreten emotionaler Gefühle & körperlicher Veränderungen.
• Körperlichen Reaktionen nur anhand ihrer Intensität (Erregung), NICHT aber ihrer Qualität zu unterscheiden.
Heutige Bewertung:
• Beide Annahmen sind falsch:
-> körperliche Zustände können emotionales Erleben beeinflussen.
-> zumindest manche Emotionen besitzen spezifische vegetative Reaktionsprofile.
Welche Vorgänge lösen eine Kampf-oder-Flucht Reaktion aus? Nennen Sie körperliche Veränderungen, die für eine Kampf- oder-Flucht Reaktion charakteristisch sind.
(E35)
Fight-or-Flight Reaction (z.B. Cannon):
• Auftreten bei akuter Bedrohung (z.B. Attacke); Versetzt Körper in erhöhte Abwehr- & Fluchtbereitschaft.
• Physiologische Signalkaskade:
-> Alarmsignal aus dem Gehirn -> Amygdala-Hypothalamus-Hypophyse-Achse: Freisetzung von Stresshormonen.
-> Hormone & sympathisches NS: Bereitstellung von Energie für schnelle Notfallreaktion (Blutstrom etc.).
• Bewirkte physiologische Veränderungen / Symptome:
-> z.B. beschleunigter Puls, erweiterte Pupillen, trockener Mund, gerötete Haut, Tunnelblick, verlangsamte Verdauung, Blasenentleerung, Zittern und Hörbeeinträchtigung.
Erläutern Sie den themenbasierten Appraisal-Ansatz von Richard Lazarus (1991).
(E36)
• allgemein - Kognitive Emotionstheorien: Abhängigkeit der Emotionen von Einschätzungen (Appraisals) einer Situation (Werte, Ziele, Wünsche).
-> Einschätzungen lösen spez. Reaktionen (physiologisch, motivational & expressiv) -> Gesamterleben: spez. Emotion.
Themenbasierte Appraisaltheorie (nach Lazarus, 1991):
• Themenbasierten Ansatz: limitierte Anzahl „relationaler Themen“ im Appraisal-Prozess, die bestimmte Emotionen generieren.
-> ähnelt diskreten Emotionsmodell.
• Beispiele relationaler Themen:
-> Ärger: Beleidung / Angriff gegen eigene Person.
-> Angst: eine unbestimmte existenzielle Bedrohung.
-> Furcht: konkrete & plötzliche körperliche Bedrohung.
-> Ekel: unverdauliches Objekt (oder Idee).
-> Neid: Verlangen nach etwas, was jemand anderes besitzt.
-> Scham: Nicht-Genügen eines Ego-Ideals.
-> Traurigkeit: unwiederbringlicher Verlust.
-> Freude: gutes Vorankommen bei der Realisierung von Zielen.
Wie kann man erklären, dass Personen mit semantischer Demenz keine Emotionen erkennen können? Beschreiben Sie dazu das Experiment von Lindquist et al. (2011).
(E37)
Konstruktivistische Theorien:
• Wahrgenommene Emotionen (bei anderen & selbst) sind abhängig von verfügbaren interpretativen Schemata.
-> Einfluss individuellen Wissens über Emotionen auf Interpretation & Empfinden einer Situation.
Studie zu Emotionserkennung & semantischer Demenz (Lindquist et al.):
• VPn mit neurodegenerativen Erkrankung (semantische Demenz) vs. Kontrollgruppe.
• Subjektiv "sinnvolles" Sortieren von Bildern (6 diskrete emotionale Gesichtsausdrücke).
Ergebnis:
• Gesunde VPn: Bevorzugen bestimmter Emotionsausdrücke als Gruppierungseinheiten.
• Patienten: Mehrheitliches Sortieren zu zwei Stapeln: positive vs. negative Expressionen.
Interpretation:
• Ohne semantisches Wissen zwar Valenz eines Gesichtsausdrucks erkennbar, genauere Interpretationen aber NICHT möglich.
Was ist unter einer Regulation von Emotionen zu verstehen?
(E38)
Emotionsregulation:
• Wege und Mittel der Einflussnahme auf:
-> empfundene Emotionen.
-> Zeitpunkt des Empfindens von Emotionen.
-> Ausdruck & Erleben von Emotionen.
• Vielfältige Gründe & Strategien.
Welche Antriebe/Gründe gibt es für eine Emotionsregulation?
(E39)
Vielfältige Gründe für Emotionsregulation:
• Funktionale Motivation: "sinnvolle" Anpassung der empfundenen Emotion an aktuelle Handlungsanforderungen.
-> z.B. Verstärkung von Wut in Vorbereitung auf Konfrontation.
• Prosoziale Motivation: Selbstregulation aus Rücksicht auf andere.
-> z.B. Ertragen unangenehmen Körpergeruchs, um Gegenüber nicht zu verletzen.
• Selbstschutz: Schutz des Selbswerts / Selbstbildes vor bedrohlichen / scherzhaften Ereignissen.
-> z.B. Psychologische Abwehrmechanismen (Verdrängung, Distanzierung, kogn. Umdeutungen etc.): bringen negative Erlebnisse in Einklang mit dem Selnstnild.
• Eindrucksmanagement (impression management): Transportieren eines positiven Bildes nach außen.
-> z.B. gespielte gute Laune der Gastgeber, damit sich Gäste möglichst wohl fühlen.
• Hedonistische Motivation: Maximierung von Lust (positive Emotionen) & Vermeidung von Unlust (negative Emotionen).
Erklären Sie an einem praktischen Bsp. grundlegende Strategien der Emotionsregulation.
Welche Strategien setzen an den Bedingungen vor der Emotionsentstehung und welche Strategien an den Bedingungen nach der Emotionsentstehung an?
(E40)
Strategien der Emotionsregulation - 5 Ansatzpunkte (nach Gross & Thompson):
1. Auswahl einer Situation (antezedensfokussiert):
• strategisches Aufsuchen / Vermeiden emotionsauslösender Situationen.
-> z.B. "Krank machen" um Referat nicht halten zu müssen.
2. Veränderung einer vorgefundenen Situation (antezedensfokussiert):
• Aktive Modifikation zur Anpassung der Situation an eigenen Wünsche und Bedürfnisse.
-> z.B. Auswahl eines Referatsthemas, mit dem man sich identifizieren kann.
3. Aufmerksamkeitskontrolle (antezedensfokussiert):
• Verstärken / Abschwächen bestimmter emotionaler Reaktionen durch Aufmerksamkeitslenkung auf emotionale / nicht-emotionale Aspekte einer Situation (Fokussierung / Ablenkung).
-> z.B. Fokus auf Referatsfolien statt Blickkontakt mit Zuhörern.
4. Interpretation einer Situation (antezedensfokussiert):
• Neubewertungen / Uminterpretation (Reappraisal) der emotionalen Bedeutung von Ereignissen
• Auch: günstigen Attributionen / Abwehrmechanismen (Verdrängung, Leugnung, Intellektualisierung etc.).
-> z.B. vor dem Referat in Erinnerung rufen, dass Referat nur eine von mehreren Teilleistungen darstellt.
5. Reaktionskontrolle bzw. -modulation (reaktionsfokussiert):
• Willentliche Suppression / Verstärkung emotionaler Reaktionen auf versch. Ebenen:
-> physiologisch, Verhalten & Tendenzen.
-> z.B. "Festhalten" an Karteikarten während des Referats, damit Hände weniger zittern.
Beschreiben Sie Ablauf und Ergebnisse der Untersuchung von Lazarus et al. (1965) zur kognitiven Emotionsregulation bei der Betrachtung furchteinflößender Filme.
(E41)
Studie zur Effektivität von Regulationsstrategien (Lazarus et al.):
• Messung der Hautleitfähigkeit von VPn während dem Sehen eines furchtauslösenden Films über Arbeitsunfälle.
• UV: leugnender (falsches Blut, Trickaufnahmen) vs. ein intellektualisierender (sachlicher Bericht über Arbeitsrisiken, objektive Analyse von Risikofaktoren) vs. ein neutraler Kommentar (Kontrollbedingung) vor dem Film.
Ergebnis & Interpretation:
• Hautleitfähigkeit (Index emotionaler Erregung) in leugnender & intellektualisierender Bedinung signifikant gesenkt.
=> Kognitive Umbewertung kann emotionale Relevanz einer Situation wirksam verändern.
Welchen Einfluss hat eine Unterdrückung von emotionalen Reaktionen auf den emotionalen Zustand der Person? Beschreiben Sie Studien, die (unerwünschte) Nebenwirkungen einer Reaktionskontrolle belegen.
(E42)
Emotionale Reaktionsunterdrückung:
Studie 1 (Gross & Levenson):
• Experimentalgruppe soll Emotionen während dem Sehen eines traurigen / fröhlichen / neutralen Films verbergen.
-> Reduktion von Befindlichkeitsausdruck & Intensität der emotionalen Empfindung (passt zu Facial-Feedback Hypothese).
-> ABER: Zunahme kardiovaskulärer Erregung (unabhängig von Valenz unterdrückter Emotion).
=> vermehrt physiologische Erregung trotz kognitiver Effekte der Unterdrückung.
Studie 2:
• je 2 Frauen sehen aufwühlenden Film; nachfolgendes Gespräch.
• Frau 1: Anweisung zur Unterdrückung emotionalen Ausdrucks im Gespräch.
• Beurteilung von Qualität & Art der Interaktion beider Frauen.
-> Frau(en) 1: reduzierte Expressivität & Reaktivität (erhöhte Ablenkung) auf Gesprächsbeiträge der Partnerin(nen).
-> Frau(en) 2: physiologische Stressreaktion auf Maskierungsbemühungen des Gegenübers & geringer eingeschätzte Wärme / Nähe.
=> Interaktionen mit anderen leidet unter dem Verbrauch von kognitiven Ressourcen durch die Unterdrückung.
in beiden Studien:
• (negativer) physiologischer Effekt NUR bei Reaktionsunterdrückung, nicht bei kognitiver Umbewertung.