Motivation und Emotion

Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21

Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21


F. P.
Diese Lernkarten behandeln die psychologischen Grundlagen von Motivation und Emotion auf universitärem Niveau. Im Fokus stehen Modelle, Theorien und Studien zu Emotionsregulation, hedonischer Tretmühle sowie der Rolle von Anreizen, Zielen und Situationen für menschliches Verhalten. Psychologiestudierende profitieren davon, um emotionale Prozesse und deren Steuerung in Theorie und Praxis zu verstehen.
Karten
227
Lernende
31
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
26.10.2020 / 11.10.2026

Lernkarten

Skizzieren Sie das 2-Faktoren-Modell der Emotion von Watson & Tellegen (1985).

Worin liegen die zentralen Unterschiede zum Circumplex-Modell von Russell?

Wie hängen die beiden Modelle zusammen?

(139)

2-Faktoren-Modell der Emotion (Watson & Tellegen, 1985):

• „positiver Affekt“ & „negativer Affekt“ -> können jeweils niedrig / hoch sein.

• (Später anstelle von „Affekt“→ „Aktivierung“).

• Dimensionen orthogonal zueinander -> gleichzeitig positiver & negativer Affekt möglich. 

-> Die  Faktoren sind bivariate und voneinander unabhängige Konstituenten.

Circumplex-Modell (Russel):

• Valenz & Arousal als bipolare, voneinander unabhängige Konstituenten emotionalen Erlebens.

Zentrale Unterschiede:

a) unterschiedliche verwendeten Dimensionen.

b) positive und negative Zustände schließen sich bei Russel gegenseitig aus <-> bei Watson & Tellegen als unabhängig voneinander.

c) De- / Aktivierung bei Russel zentral <-> taucht bei Watson & Tellegen nicht auf.

Gemeinsamkeit:

• 2-Faktoren Kreisstruktur stimmt überein.

-> sehr ähnliche Konzepte mit Valenz und Aktivierung.

Was ist die Kernannahme von Appraisal-Theorien der Emotionsentstehung? Welche Einschätzungen sind zentral für eine Emotionsentstehung? Erläutern Sie diese an einem Beispiel.

(140)

Appraisal-Theorien ("appraisal" = Einschätzung):

• subjektive Einschätzung einer Situation (Blick auf Werte, Ziele & Wünsche) als Voraussetzung für Emotionsentstehung.

• Situation an sich NICHT emotionsinduzierend.

-> kognitive Prozesse entscheidend.

• Emotionen als Ergebnis einer Sequenz von kognitiven Einschätzungen, z.B. von:

1) Zielrelevanz

2) Zielkongruenz

(kongruent -> erleichtert Zielerreichung)

3) Kontrollierbarkeit

• Verschiedene Objekte können bei verschiedenen Menschen verschiedene Emotionen auslösen (valenzabhängig).

-> Einstellungen, Ansprüche & Normen als gute Indikatoren für die emotionale Reaktion einer Person auf eine Situation.

Erläutern Sie die Studie von Medvec, Madey & Gilovich (1995) zum Ausdruck von Freude von Olympia-Medaillengewinnern.

Welche kognitiven Vorgänge könnten das Ergebnis dieser Studie erklären?

(141)

Studie zu kontrafaktischem Denken (Medvec, Madey & Gilovich):

• Messung der Freude über Bronze- / Silbermedaille bei olympischen Spielen (unmittelbar nach Sieg)

-> Quasiexperiment.

Ergebnis:

• Freude über eine Bronzemedaille kurz nach dem Sieg größer.

mögliche Erklärung:

• Silbermedaillengewinner denken v.a. an verpasstes Gold (Upwards-Vergleich).

• Bronzemedaillengewinner denken v.a. an erreichtes Podest (Downwards-Vergleich).

• Moderator: Knappheit des Ergebnisses.

-> Kontrafaktisches Denken: Je nach kognitiver Bewertung können sogar konträre Emotionen zuden rational erwarteten auftreten.

Nennen Sie drei Beispiele für mögliche Funktionen von emotionalen Verhaltensweisen.

(142)

Funktion emotionaler Verhaltensweisen:

• motivationale Komponente. (Lat.: „emovere“ ->  „in Bewegung“ ).          

Drei basale motivationale Funktionen von Emotionen:

1) Auslösen spezifischer Verhaltensimpulse.

-> z.B. Furcht → Flucht o. Kampf; Ekel → Abstoßung.

2) Zuweisung von evolutionsgeschichtlich bewährten Funktionen.

-> z.B. Furcht → Schutz; Ärger → Schutz vor Ausbeutung; Ekel → Ablehnung giftiger Substanzen.

3) Verhaltenshemmung (-unterbrechung):

-> Neuorientierung („Interrupt-Effekt“)

-> auch: Verhaltensblockade (z.B. "freezing" als Furchtreaktion)

Besteht ein Zusammenhang zwischen emotionalen Einschätzungen und emotionalen Handlungsbereitschaften? Erläutern Sie dazu die Studie von Frijda, Kuipers & ter Schure (1989)

(143)

Studie zu Action Readiness (Studie von Frijda, Kuipers & ter Schure, 1989):

• Situationseinschätzungen (UV1).

• Verhaltenstendenzen (UV2).

• Versuch der Emotionsvorhersage durch Verhaltenstendenzen / Situationseinschätzungen.

• Selbstbericht von erlebten Emotionen (AV).

Ergebnisse:

• Sowohl UV1 wie auch UV2 sagen (teilweise) Emotionen vorher.

• Kombination UV1 & UV2: deutlich verbesserte Vorhersagequalität. 

-> Verhaltenstendenzen gehen NICHT vollständig aus Situationseinschätzungen hervor.

• nur der Impuls, nicht die tatsächliche Handlungsausführung wird als kennzeichnend für jeweilige Emotion gesehen, da emotionale Handlungsimpulse auch unterdrückt und kontrolliert werden können.

Erklären Sie verhaltenshemmende Auswirkungen von Emotionen.

Warum ist eine Verhaltenshemmung durch Emotionen möglicherweise dennoch funktional für die Handlungsregulation?

(144)

1) Verhaltensunterbrechung -> Neuorientierung: 

-> z.B. Interrupt-Effekt (Emotionen interferieren mit laufenden Tätigkeiten & unterbrechen diese).

-> Anpassung an neue Begebenheiten (funktional).

2) Verhaltensblockade durch intensive Emotionen:

-> z.B. Furchtstarre (bei unmöglicher Flucht / aussichtslosem Kampf).

-> evolutionär sinnvoll.

3) Antriebslosigkeit bei Depressivität / Trauer:

-> Vorbereitung der Zielablösung bei Handeln, das ins Leere läuft & effizient ist. 

-> Schonen von Ressourcen.

-> z.B. wenn ein Partner verstorben ist und bestimmte Tätigkeiten ohne ihn nicht mehr vorteilhaft sind.

Welche Argumente gibt es, dass der Emotionsausdruck im Gesicht eine angeborene Basis hat?

Ist der Emotionsausdruck im Gesicht ausschließlich biologisch festgelegt?

(145)

Ekman: angeborener Emotionsausdruck:

• Gesichtsausdruck der Basisemotionen biologisch determiniert & universell.

• Evidenz: auch Angehörige ferner Kulturen erkennen charakteristische Mimik der Basisemotionen. ("Five-Culture Study" & weitere)

• „emotionale“ Gesichtsausdrücke auch bei Primaten & blind / taub geborenen Kindern -> Reifung der Gesichtsmotorik.

Gegenevidenz:

• kulturelle Unterschiede beim Erkennen der Basisemotionen -> Eigengruppen-Vorteil: Erkennungsrate höher bei Angehörigen eigener Kultur.

• interkulturelle Unterschiede beim Zeigen von Emotionen (z.B. Beerdigungen: Hierzulande -> Trauer, Anderswo -> Freude).

 => kulturelle Variabilität des Emotionsausdrucks

-> (z.B. durch sozio-kulturelle Display-Rules)

Fazit:

• basale Fähigkeit der Interpretation von Gesichtsausdrücke als biologisch festgelegt angesehen.

• Fähigkeit wird jedoch stark von der Umwelt mitgeprägt und verändert.

Warum werden Emotionsausdrücke von Angehörigen der eigenen Kultur besser erkannt als die von Personen eines fremden Kulturkreises? Beschreiben Sie dazu die Studie mit chinesischen Athleten von van Osch und Kollegen (2015).

(146)

Five-Culture Study (Ekman):

• Mimische Darstellung verschiedener Basisemotionen durch amerikanische Schauspieler.

• Benennung gezeigter Emotionen durch Personen verschiedener Kulturkreise.

Ergebnis:

• universelles Erkennen von Emotionsausdrücken im Gesicht.

• allerdings Eigengruppen-Vorteil erkennbar.

-> erklärbar durch sozio-kulturell geprägte Darstellungs- und Dekodierregeln (Display-Rules).

 

-> z.B. chinesische Athleten in nationalen Wettbewerben weniger stolz als in internationalen. (ingroup-audience legt Display-Rules für Emotionen fest -> in China: "keinen Stolz zeigen").

Welche Methodenkritik wurde an kulturübergreifenden Studien von emotionalen Gesichtsausdrücken geübt?

(147)

Methodenkritik der Five-Culture Studies:

• VPn v.a. Studenten -> interkultureller Austausch anzunehmen (Einfluss auf Display-Rules).

• gestellt / künstliche Gesichtsausdrücke.

-> andere Studien: niedrigere Erkennungsrate für spontanen Gesichts-Ausdrücken.

• Verzerrungen durch erzwungene Wahl zwischen verschiedenen Emotionen.

 

Was behauptet die starke und die schwache Version der “Facial-Feedback”-Hypothese?

Schildern Sie als Beleg für diese Hypothesen Ergebnisse von sog. “Botox-Studies”.

Welche Version wird von den Ergebnissen dieser Studien mehr gestützt?

(148)

Facial-Feedback-Hypothese:

• Mimik nimmt Einfluss auf  emotionales Erleben (nicht nur emotionales Erleben -> Mimik).

starke Version: 

• Mimik induziert Emotionen.

schwache Version:

• Emotionen werden über propriozeptives Feedback der Gesichtsmuskulatur moduliert.

-> Empirische Evidenz stützt generell die schwache Version.

Erklärungsansätze:

a) Aktivierung von „Emotionsprogrammen“.

b) Veränderungen im zerebralen Blutfluss.

c) kognitive Inferenzen vom Ausdruck auf das Erleben.

d) Erwartungseffekte bzw. Methodenartefakt (Pen Studies widersprechen dieser Erklärung).

Botox-Studies (Quasiexperiment, Davies et al., 2010):

• Messung von Emotionalem Erleben (AV) nach Botox-Injektion (vs. Restylane - Kontrollgruppe) im Gesicht.

-> Lähmung der Gesichtsmuskulatur.

Ergebnis:

• Dämpfender Effekt von Botox auf emotionales Erleben bei mild positiven emotionalen Erlebnissen.

• Keine Modulation bei stärker negativen / positiven Erlebnissen.

-> Ergebnisse sprechen für schwache Version.

 

• "B.-Studies" (Hennenlotter et al.): reduzierte linke Amygdala-Aktivität & Konnektivität zum Hirnstamm nach Botox-Injektion (im Gesicht).

Nennen Sie einen Befund, der gegen die starke Version der Facial-Feedback-Hypothese spricht.

(149)

 

Gegenevidenz zu starkeFacial-Feedback-Hypothese: Möbius-Syndrom:

• angeborene Lähmung der mimischen Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese).

• intakter Humor & normales Gefühlserleben Betroffener.

<-> starken Version: ohne Mimik dürften gar keine Emotionen erleben werden.

-> zwar eine Einschränkung der sozialen Interaktion; Feedback der Gesichtsmuskulatur aber nicht Voraussetzung für emotionale Empfindungen.

Was ist die Kernaussage der James-Lange-Theorie der Emotion?

Welche kritischen Einwände hat Walter Cannon gegen sie vorgebracht und wie sind diese Einwände aus heutiger Sicht einzuordnen?

(150 / 152)

Annahmen der James-Lange-Theorie:

(1) Emotionale Ereignisse -> spezifische Reaktionen im Körper.

(2) Körperlichen Veränderungen -> empfunden als Emotionen.

------------------------

• Emotionen = Empfindungen spezifischer körperlicher Reaktionen (peripher- physiologisch).

• Kausalkette: Auslöser -> Körperliche Veränderung -> Emotion („Traurigkeit, weil man weint“).

• Emotionsentstehung in zweiter Instanz durch spontane Reaktionen mit vorprogrammierten Verhaltensweisen.

Einwände / Gegenevidenz (Cannon): vgl. Grafik

Zu 1: X, da nicht alle Nerven durchtrennt -> noch (Re-) Afferenzen mögl.

Zu 2: Es gibt eigenes enterisches Nervensystem mit ca. 100 Mio. Nervenzellen

Zu 3: Auch Emotionen brauchen gewisse Zeit, bis sie wirksam werden (jemandem „kommen die Tränen“). Bspw. sehr schnelles Attraktivitätsurteil ist keine vollständige Emotion (eher Valenz).

Zu 5: Erhöhter Herzschlag -> Herzensdame/bube oder Sport, oder Wut, Angst, Traurigkeit?

 

=> Kognition als wichtige Komponente von Emotionen. Rein mit körperlichen Veränderungen lassen sich Emotionen nur unzureichend erklären

Erläutern Sie die Behauptung, dass ein physiologischer Erregungszustand notwendig für das emotionale Erleben ist.

Welche empirischen Befunde sprechen dagegen?

(151 / 153)

• Emotionen häufig einhergehend mit spezifischen vegetativen Reaktionsmustern (z.B. erhöhter Herzschlag bei Wut, Angst, Traurigkeit).  

• Theorie: physiologischer Erregungszustand nicht nur Folge, sondern notwendige Ursache von Emotionen.

-> demnach ohne Erregungszustand keine Emotion (vgl. Starke Version der Facial-Feedback-Hypothese).

Gegenevidenz:

• gleiche physiologische Reaktion bei verschiedenen Emotionen (vgl. erhöhter Puls -> nicht emotionsspezifisch).

-> besseres Ableiten von Emotion aus Arousal bei bekannter Situation.

• Querschnittsgelähmte: ebenfalls Wahrnehmung (sehr ähnlicher) Emotionen. (zwar Verschiebungen, jedoch v.a. aufgrund der Behinderung - Moderator ist „Coping“).

• Beta-Blocker verringern physiologische Reaktion, nicht aber das emotionale Erleben.

Populärwissenschaftliche Medien beschreiben das limbische System als „ein Gehirnareal, das der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient“.

Diskutieren Sie diese Aussage kritisch.

(154)

Das limbische System:

• Netzwerk subkortikaler Hirnstrukturen mit intensive Verbindungen untereinander.

• Bedeutend für komplexe, assoziative Funktionen wie emotionales Erleben & Verhalten.

• Papez-Kreis (1937) wurde lange zentrale Rolle bei Emotionsentstehung zugesprochen)

• Klüver-Bucy-Syndrom (übersteigerter Sexualtrieb nach beidseitiger Temporallappenläsion)

Aber:

• Trugschluss, Emotionen allein dem limbischen System zuzuschreiben.

• Uneinheitlichkeit der limbischen Zellgruppen histologischem Aufbau & Funktionen (keine klare Abgrenzung möglich).

=> Sicht auf das limbische System als einheitliches „emotionales Gehirn“ fragwürdig.

Stattdessen:

• weitere Funktionen des Limbischen Systems (z.B. Lernen & Gedächtnis).

• Emotionsspezifische Netzwerke, die weite Teile des Gehirns umspannen.

• Metanalyse (55 PET/ fMRI Studien): breite Verteilung der verschiedenen Emotionen über alle Teile des

 

-> z.B. gemessene Furchtfunktion des Hirns in spezifischen Regionen (innerhalb & außerhalb des LS).

-> breitere Verteilung der emotionalen Funktionen macht auch Sinn (kognitive / affektive / behaviorale Komponente).

-> Läsionen (LS/Amygdala) zeigen lediglich wichtige Beteiligung an emotionalen Prozessen, nicht alleinige „Verantwortlichkeit“.

 

 

Was ist mit Reaktionskohärenz gemeint und wie wurde diese überprüft?

Wie ist der aktuelle Forschungsstand bezüglich einer emotionalen Reaktionskohärenz einzuschätzen?

Nehmen Sie hierfür Bezug auf die Metaanalyse von Lensch et al. (2011).

(155)

Komponentenmodell der Emotion:

• Annahme spezifischer Reaktionsprofile von Emotionen.

• Emotion als Reaktionssyndrom -> orchestrierte Veränderungen auf unterschiedlichen Reaktionsebenen.

• Emotionsspezifisches Profil sollte auf allen 5 Dimensionen (Physiologie, Ausdruck, Kognition, Motivation & Erleben) zum Vorschein kommen.

-> "Reaktionskohärenz".

-> Annahme einer Korrelation der Größen der emotionalen Reaktion auf verschiedenen Ebenen.

Metaanalyse:

• Befunde sprechen eher für losen Zusammenhang zwischen einzelnen Reaktionssystemen.

Grenzen Sie die drei wichtigsten theoretischen Ansätze in der Emotionspsychologie voneinander ab. In welchen Grundannahmen unterscheiden sie sich?

Welche Stärken und Schwächen haben die einzelnen Ansätze?

(156)

1. Biologische Ansätze:

• Angeborene, funktional spezialisierten Emotionsmodule.

• Evolutionär entstanden (dienen Überleben / Reproduktion).

• Diskrete Reaktionsmuster (Emotionsanzahl begrenzt).

2. Kognitive Ansätze:

• Kognitive Einschätzungen in Bezug auf eigenes Wohlergehen entscheidend.

• Emotionen als ergebnis persönlicher Situationseinschätzungen (Appraisal).

3. Konstruktivistische Ansätze:

• Sozio-kulturell geprägte Kategorisierungen von unspezifischen affektiven Zuständen entscheidend.

• Emotionen als emotional kategorisierte Ausprägung von Basisaffekten.

• Ablehnung diskreter Reaktionsmuster.

• Alle Modelle gehen vom Komponentenmodell aus, betonen aber jeweils einen Aspekt besonders stark.

 

*Pro / Contra: Vgl. Grafik.

 

Beantworten Sie aus der Sicht von biologischen Emotionstheorien folgende Fragen:

Was ist eine Emotion?

Was verursacht eine Emotion?

Wie entstehen unterschiedliche Emotionen?

(157)

vgl. 162 / 171

Biologische Ansätze:

• Annahme des biologischen Ursprungs von Emotionen in funktional spezialisierten Emotionsmodulen

• Jedes dieser Module verarbeitet eine Basisemotion.

• Eine Emotion als Output eines solchen automatisierten Moduls (verschiedene Module -> versch. Emotionen).

• Emotionsentstehung, wenn Modul durch Situationsmerkmale aktiviert wird.

• Auslösereize: angeboren / emotional erlernt.

• Module: separate, informationsverarbeitende Systeme (genetisch festgelegte Schaltkreise).

• Mischtheorien: Erklärung der Vielfalt emotionaler Zustände mit Vermischungen (primärer) Basis-emotionen, aus denen sich neue (sekundäre) Emotionen ergeben.

Was sind Emotionsmodule?

(158)

Emotionsmodule (Biologische Emotionstheorie):

• separate informationsverarbeitende Systeme.

• genetisch angelegte Schaltkreise („affect circuits“).

• dissoziierteNetzwerke für (Basis-) Emotionen.

• domänenspezifische Aktivierung einzelner Module ->  funktionelle Spezialisierung.

• hoch automatisiert (kaum Ressourcenverbrauch).

• direkte Emotionsauslösung durch Situationsmerkmale (angeborene / erlernte perzeptuelle Schemata - vgl. Furchtkonditionierung / Preparedness).

• unklar, ob Module unabhängig von weiteren Systemen sind (Enkapsulation).

Beschreiben Sie Aufbau und Ergebnisse der Untersuchung des kleinen Albert (Watson & Rayner, 1920).

Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse für biologische Emotionstheorien?

(159)

Studie zu Furchtkonditionierung - "der kleine Albert" (Watson & Rayner, 1920):

• Pretest: Untersuchung Alberts auf Angst bzgl. verschiedener Tiere -> keine Angst vorhanden.

• Klassische Konditionierung: Paarung von CS (Ratte) mit UCS (Lärm) -> UCR: Furcht (Weinen).

Ergebnisse:

• spätere CR auf Ratte: Furcht.

• Furcht-Generalisierung: Übertragung der Furcht auf andere Tiere / Fell.

Fazit:

• Emotionale Reaktionen sind erlernbar & modulierbar.

-> nicht allein genetisch festgelegt.

Beschreiben Sie die Studie von Rakinson & Derringer (2008). Welche Aussage macht diese Studie über die Wahrnehmung von „emotionalen“ Reizen?

(160)

Studie zur Wahrnehmung emotionaler Reize (Rakinson & Derringer, 2008):

• Säuglingen (5 Monate) werden spinnenähnliche Reize präsentiert.

• Variation der Ähnlichkeit mit realer Spinne (UV).

• Messung der visuellen Fixationsdauer (AV). -> Maß für Interesse / emotionale Wichtigkeit .

Annahmen:

• Bei angeborener Angst vor Spinnen sollte Fixationsdauer mit Ähnlichkeit zu realer Spinne zunehmen.

• Auftretende Korrelation wäre als Beleg angeborener Furchtmechanismen mit spezifischen Auslösern zu sheen (bei Säuglingen Lernprozesse auszuschließen).

Ergebnis:

• (Signifikant) längere Fixationsdauer bei maximaler Spinnen-Ähnlichkeit, als bei spinnen-unähnlicheren Reizvorlagen (hier kaum Unterschiede).

Interpretation:

-> Existenz hochautomatisierter, angeborener Wahrnehmungsschemata emotionaler Reize.

Was ist „vorbereitetes Lernen“?

Wie wurde es experimentell nachgewiesen?

(161)

Vorbereitetes Lernen (Preparedness):

•„angeborene Lernbereitschaften, die emotionales Lernen in bestimmten Situationenen begünstigen“.

-> Biologisch relevante Reiz-Reaktionsmuster können leichter erlernt werden.

• Klassischen Konditionierung & Modelllernen: leichtere Assoziation phylogenetisch bedeutsamer Reize (z.B. Schlangen) mit einer Furchtreaktion als evolutionär unbedeutende Reize (z.B. Waffen).

Studie zu Preparedness (Cook und Mineka, 1989):

• Laboraffen sehen Video von Furchtreaktion anderer Affen auf Spielzeugkrokodil vs. Spielzeughasen  (UV).

• AV: Furcht vor präsentiertem Spielzeugkrokodil bzw. -Hasen.

Ergebnis:

• Generell weniger Angst vor Hasen als vor Krokodil.

• „Modell hat Angst vor Krokodil“ -> stark erhöhte Angst vor Krokodil.

• „Angst vor Hase“-Modell -> sogar weniger Angst vor Hase.

• (Aufzucht der Affen in Gefangenschaft; frühere Lernerfahrungen daher ausgeschlossen)

Interpretation:

• Beleg von Preparedness (genetische Disposition zum Erlernen bestimmter Furchtreaktionen).

Beantworten Sie aus der Sicht von kognitiven Emotionstheorien folgende Fragen:

Was ist eine Emotion?

Was verursacht eine Emotion?

Wie entstehen unterschiedliche Emotionen?

(162)

vgl. 157 & 171

Kognitive Emotionstheorien:

• subjektive Einschätzung einer Situation (Werte, Ziele, Normen) -> spezifische Reaktionen in motivationalen Systemen (physiologisch & expressiv).

• Dynamik dieser Veränderungen wird als Emotion erlebt.

• Unterschiedliche Einschätzungs- bzw. Bewertungsmuster lösen unterschiedliche Emotionen aus.

 

(• Variablen: Zielrelevanz, Zielkongruenz, Kontrollierbarkeit &Verantwortlichkeit.

• sozio-kultureller Beeinflussung der Einschätzungen)

Erläutern sie die vier Hauptgruppen von „Stimulus Evaluation Checks“ (SEC) im Komponenten-Prozess-Modell von Klaus Scherer.

In welcher Reihenfolge werden SECs vorgenommen?

(163)

Stimulus Evaluation Checks (SECs) ≙ Haupt-Appraisal-Formen:

-> Immer gleiche (zeitliche) Reihenfolge:

1. Relevanz

2. Implikationen

3. Bewältigungspotenzial

4. Normative Signifikanz

------------------

1. Relevanz:

-> a) Neuigkeitsbewertung (Vertrautheit, Vorhersagbarkeit)

-> b) Intrinsische Angenehmheit

-> c) Relevanz für Ziele und Bedürfnisse

2. Implikationen:

a) Kausalattributionen (Handelnder & Motiv)

b) Ergebniswkt., Diskrepanz zu Erwartungen & Dringlichkeit

c) Zu- / Abträglichkeit zu eigenen Zielen und Bedürfnissen

3. Bewältigungspotenzial:

a) Kontrolle

b) Macht

c) Anpassungspotential (inwieweit kann das Ereignis mit eigenen Ressourcen bewältigt werden)

4. Normativen Signifikanz:

-> Abgleich von Kompatibilität mit internen und externen Standards (Wertvorstellungen, Normen, etc.)

------------------

• Wechselwirkung zwischen Appraisal & anderen Emotionskomponenten (Psysiologie, Motivation, Ausdruck, Erleben).

Erläutern Sie den Einfluss von Attributionsstilen auf die Emotionsentstehung anhand der Studie von Neumann (2000).

(164)

Studie zu Attributionsstilen (Neumann, 2000):

• Prozedurales Priming auf externale vs. interale Attribution (UV).

-> (Bilden von Sätze in dritter vs. erster Person).

• Anweisung, „Nicht Stören-Versucht läuft-Schild“ zu missachten. -> harsche Zurechtweisung.

• AV: Reaktion auf Zurechtweisung.

Ergebnis:

• Interal-Bedingung: verstärkt Schuldempfinden.

• External-Bedingung: verstärkt Ärger auf Andere.

-> (Abgeleitet aus berichteter emotionaler Intensität & verhaltensbezogenen Reaktionen).

=> Attributionsstil hat entscheidende Bedeutung für die Emotionsentstehung.

-> Attributionsstil als Mediator zwischen prozeduralem Priming & Emotion.

Erklären Sie die Grundzüge der klassischen Zwei-Faktoren-Theorie der Emotionsentstehung und ihre experimentelle Überprüfung in der Studie von Schachter & Singer (1962). Welches Ergebnis wurde in dieser Studie festgestellt und wie wurde es interpretiert?

(165)

Zwei-Faktoren-Theorie der Emotionsentstehung:

(1) unspezifischer, physiologischer Erregungszustand.

(2) kognitive Erklärung der Erregung mit emotionaler Ursache.

-> Konstruktivistische Idee - Emotionen als kognitive "Konstruktion".

Studie (Schachter & Singer, 1962):

• drei manipulierte Faktoren (UVs):

1. Physiologische Erregung (Adrenalingabe ja / nein -  für VP als Vitamine ausgegeben).

2. Erklärungsbedürfnis für diesen Zustand (Wirkung korrekt / falsch / nicht beschrieben).

3. Emotionale kognitive Erklärung: Konföderierter (andere VPN) zeigt Freude vs. Ärger.

• AV: Verhalten & Nachbefragung der VPn.

Annahmen:

• Angleichen emotionaler Reaktion der VPn an Konföderierte bei „Falsche Beschreibung“ & „Keine Nebenwirkung“.

• neutrale Emotion bei „korrekte NW“ &Placebogruppe.

Ergebnis:

• Nicht & falsch informierte Gruppe: Unterschied zu informierter Gruppe.

• KEINE bedeutsamen Unterschiede zur Placebo-Gruppe.

=> Notwendigkeit von Erregung fragwürdig.

 

Schildern Sie die Studie von Valins mit bogus Feedback (1966). Welche Bedeutung haben die Ergebnisse dieser Studie für die klassische Zwei-Faktoren-Theorie der Emotionsentstehung von Stanley Schachter?

(166)

Studie (Valins, 1966):

• VPn sehen Bilder halbnackter Frauen.

• Variation fiktiver, akustischer Rückmeldung über die eigene Herzratenveränderung (Zunahme vs. Abnahme).

• Kontrollgruppe hört nur akustische Töne / kein Herzschlag.

• AV: Erfassung der eingeschätzten Attraktivität.

Ergebnis:

• Pulssteigerungs-Bedingung: erhöhtes Attraktivitätsurteil (vs. Kontrollgruppe).

Interpretation:

• bloßer Glaube an eigene Erregung reicht zur Emotionsmodulation aus (wird interpretiert).

=> physiologische Erregung zur Emotionsentstehung nicht notwendig.

• NICHT vereinbar mit Zwei-Faktoren Theorie / Konstruktivistischen Ansätzen.

 

Was ist ein Erregungstransfer? Beschreiben Sie dazu das Ergebnis von mindestens einer Studie.

(167)

Erregungstransfer (nach Zillmann):

• Fehlattribution einer Resterregung aus Situation A auf emotionale Erregung in Situation B.

Studie 1 (Cantoner et al.):

• Situation A: Körperliche Ertüchtigung auf einem Laufband.

• Situation B: attraktivere Bewertung von Playboy-Bildern.

-> Erregungstransfer: sportliche Aktivität -> sexuelle Lust.

Studie 2: Quasi-Experiment (Dutton & Aron):

• Männer gehen über  hohe vs. niedrige Hängebrücke.

• andere Seite der Brücke: attraktive VL verteilt ihre Nummer für Rückfragen.

• mehr Anrufe von Männern aus "Hohe-Brücke-Bedingung".

-> Angst durch die große Höhe steigerte Zuneigung.

In welchen Annahmen unterscheiden sich moderne konstruktivistische Emotionstheorien von der klassischen Zwei-Faktoren-Theorie?

Wie werden durch diese Unterschiede Einwände gegen den klassischen Ansatz ausgehebelt?

(168)

Moderne Konstruktivistische Emotionstheorie:

(1) Annahme positiver und negativer Basis-Affekte (statt Erregung):

-> Kognitiv-physiologische Reaktionen auf Ereignisse.

-> Mix aus Valenz & Erregung (erinnert an dimensionale Modelle).

-> Objektungerichtete affektive Signale (diese immer latent vorhanden).

 

(2) Emotionale Kategorisierung (statt Attribution):

-> Affekte werden in Kategorien diskretisiert, sind aber tatsächlich kontinuierlich.

-> Emotionskonzepte (z.B. Angst / Ärger) als interpretative Schemata.

-> Automatische Kategorisierung über Ähnlichkeitsbestimmungen (Abgleich mit bekannten Situationen).

-> Ergebnis: objektgerichteter emotionaler Zustand.

-------------------

• Kategorisierungen sind erfahrungsbedingt.

-> Nicht bestimmte Situation / Situationseinschätzung (allein) entscheidend.

-> Frage, ob Gefühlsreaktion subjektiver Vorstellung einer „typischen“ emotionalen Reaktion entspricht.

• affektive Information (Basisaffekt, bottom-up) + spezifizierte emotionale Kategorie (top-down) = Emotion.

Abweichung von Zwei-Faktoren-Theorie:

• Körperliche Grundlage von Emotionen in Basisaffekten (Erregung & Valenz).

-> Kein reines Arousal mehr als Grundlage von Emotion (im Einklang mit Gegenevidenz des klassichen Modells).

Was sind Basisaffekte?

Wodurch werden sie ausgelöst und wie hängen Sie mit Stimmungslagen einer Person zusammen?

(169)

Basiseffekte (moderne konstruktivistische Ansätze):

• Basisemotionen (core affect): Mix aus Erregung und Valenz/Angenehmheit.

-> Grundlage von Emotion.

• fehlender Objektbezug (Verursachung meist    unbewusst)

• können positiv /oder negativ sein.

• kognitiv-physiologische Reaktionen auf Reize.

Auslösemechanismen:

• von diesen Theorien nicht weiter spezifiziert. (Fangfrage!)

Zusammenhang mit Stimmungslagen:

• Kategorisierung & Interpretation von Basisemotionen (unter Einbezug interpretativer, erfahrungsbasierter Schemata) => Emotionen (objektgerichtet). 

• Milde & lang anhaltende Basisaffekte als „affektives Hintergrundrauschen“ -> aktuelle Stimmungslage.

Welche Bedeutung schreiben konstruktivistische Emotionstheorien emotionalen Kategorisierungsprozessen zu?

Beschreiben Sie dazu die Untersuchung einer Emotionswahrnehmung in Patienten mit einer semantischen Demenz von Lindquist et al.

(170)

Emotionalen Kategorisierungsprozesse (Konstruktivistische Emotionstheorien):

• Kategorisierung von (objektungerichteten) Basisemotionen (unter Einbezug von interpretativen, gelernten Schemata) als „Entstehungsprozess“ von Emotionen.

-> objektgerichtete Emotionen.

Falltudie zu Emotionswahrnehmung bei semantischer Demenz (Lindquis):

• VPn können keine semantische Information (insbesondere Kategorisierungen) mehr memorieren.

• freie Einordung emotionaler Gesichter (3 VPn vs. Kontrollprobanden).

Ergebnis:

• Kontrollgruppe: zumeist 6 Kategorien (u.a. Ärger, Furcht, Ekel).

• Patienten: nur 3 Kategorien (positiv, neutral, negativ).

-> Negativkategorie: z.B. Ärger, Furcht & Ekel.

Interpretation:

=> Spricht für „künstliche“ Emotionskategorien.

Beantworten Sie aus der Sicht von modernen konstruktivistischen Emotionstheorien folgenden Fragen:

Was ist eine Emotion?

Was verursacht eine Emotion?

Wie entstehen unterschiedliche Emotionen?

(171)

vgl. 157 / 162

Moderne konstruktivistische Emotionsheorien:

• „Entstehung“ von Emotionen aus Kategorisierungen von Basisemotionen (Einbezug interpretativer, gelernter Schemata).

<-> klassische Ansätze: Kategorisierung unspezifischer physiologischer Erregungszustände.

-> allgemein: Emotionen als Diskretisierung unspezifischer Grundempfindungen.

• Ursache einer Emotion ist also die Basisemotion. Diese ist eine Reaktion auf Situationen / Reize.

• Unterschiedliche Emotionen durch Zuordnung in unterschiedliche Kategorien. Diese Kategorien selbst stellen die Emotion dar.

-> erlernt & gesellschaftlich beeinflusst.

-> angewandtes Schema für Emotionsdiskriminierung entscheidend.

Was ist unter einer Regulation von Emotionen zu verstehen?

(172)

Definition nach (Gross & Thompson, 2007):

„Unter dem Begriff Emotionsregulation versteht man alle Wege und Mittel, über die Personen Einfluss darauf nehmen, welche Emotionen sie haben, wann sie Emotionen haben und wie sie Emotionen erleben und ausdrücken.“

 

Welche Antriebe/Gründe gibt es für eine Emotionsregulation?

(173)

1) Hedonistische Motivation (Maximierung von Lust und Minimierung von Unlust)

-> z.B. Kinobesuch anstreben vs. Lernen vermeiden.

2) Funktionalen Motivation: Anpassung von Emotionen an aufgabenbedingte Anforderungen (-> optimales Niveau).

-> z.B. gute Stimmung wenn man was verkaufen will.

3) Prosozialen Motive: Mitleid, Aggressionskontrolle, verstärktes Mögen.

-> z.B. gute Stimmung auf Geburtstag.

4) Selbstschutz: Psychologische Abwehrmechanismen schützen z.B. den Selbstwert.

-> z.B. Verdrängung / Distanzierung .

5) Selbstdarstellung -> Eindrucksmanagement.

Erklären Sie an einem praktischen Beispiel grundlegende Strategien der Emotionsregulation.

Welche Strategien setzen an den Bedingungen vor der Emotionsentstehung und welche Strategien an den Bedingungen nach der Emotionsentstehung an?

-> Darstellung der Regulationsmechanismen.

(174)

Emotionsregulationsmechanismen:

1) Auswahl von Situationen:

-> Steuerung von Emotionen durch strategisches Aufsuchen / Vermeiden emotionsauslösender Situationen.

2) Situation aktiv modifizieren:

-> zur besseren Passung zu eigenen Wünschen / Bedürfnissen.

-> z.B. in Verhandlung bereits vorher mit 1 Teilnehmer Übereinkunft getroffen.

3) Aufmerksamkeitskontrolle:

-> Verstärkung / Schwächung emotionaler Reaktionen durch Aufmerksamkeitsausrichtung auf emotionalen Aspekte / Ablenkung.

4) Kognitive Änderungen:

-> Neubewertung / Uminterpretation emotionsauslösender Ereignissen (Reappraisal).

-> auch: günstig verzerrte Attributionen / Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Leugnung & Intellektualisierung.

5) Reaktionskontrolle/-modulation:

-> Willentliches Verstärken / Unterdrücken (Suppression) emotionaler Reaktionen.

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1) – 4): antezedensfokussierte Emotionsregulation (vor Auftreten) vs. 5) reaktionsfokussierte Regulation (nach Auftreten)

Grafik: Regulationsmechanismen nach Gross & Thompson 2007

Können Personen negative Empfindungen wie z.B. Schmerz ausblenden/ignorieren? Beschreiben Sie dazu Ablauf und Ergebnisse der Untersuchung von Leventhal et al. (1979).

(175)

• Vollständiges Ausblenden ist unmöglich -> nur Modifizikation kann stattfinden.

• Emotionsregulation durch Aufmerksamkeitskontrolle: Ablenkung durch Beachten nicht-emotionaler Aspekte eines Reizes.

Studie (Leventhal et al., 1979):

• Cold-Pressor Test: VPn legen Hand in eine Eiswanne.

• UV: Anleitung zu best. Aufmerksamkeitsfokus:

a) Aufmerksamkeit auf sensorischer Wahrnehmung (Fokus auf Hand).

b) ganzheitliche Empfindungen (Fokus auf Körpergefühl).

c) Kontrollbedingung: keine Instruktion.

• AV: subjektives Schmerzempfinden.

Ergebnis:

• b) & c): ähnlich hohen Distress.

• a): deutlich niedrigerer Distress.

Interpretation:

• Fokus auf sensorischen Reizeigenschaften verringert das Schmerzempfinden.

-> Selektive Aufmerksamkeit <-> für emotionale Wahrnehmung notwendiges holistisches Körperempfinden.

-> Veränderung von Schmerzwahrnehmung möglich, komplett ignorieren geht nicht.

Beschreiben Sie Ablauf und Ergebnisse der Untersuchung von Lazarus et al. (1965) zur kognitiven Emotionsregulation bei der Betrachtung furchteinflößender Filme.

(176)

Kognitive Emotionsregulation:

• Regulationsstrategie, bei durch Neubewertungen & Uminterpretationen emotionsauslösender Ereignissen kognitive Änderungen geschehen.

-> Prozesse wie Umdeutung (Reappraisal), Leugnung, Rationalisierung & Verdrängung.

Studie (Lazarus et al., 1965):

• VPn sehen furchtauslösenden Film über Arbeitsunfälle.

• UV: Leugnender, intellektualisierender / neutraler Kommentar vor Sehen des Films.

-> Manipulation der kognitiven Interpretation der VPn.

• AV: Messungen der elektrischen Hautleitfähigkeit (Index emotionaler Erregung).

Ergebnis:

• Leugnende / intellektualisierende Kommentare verringern emotionale Erregung während des Films.

=> Kognitive Umbewertungen können emotionale Relevanz einer Situation wirksam verändern.

Welche Kosten/Nachteile erzeugt eine willentliche Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks?

Beschreiben Sie dazu die Studie von Gross (1998).

(177)

Studie zu Unterdrückung emotionalen Ausdrucks (Gross, 1998):

• VPn sehen ekelerregenden Film (Armamputation).

• UV: Instruktion

1) Suppression, also Unterdrücken bzw. nicht-Zeigen von Emotionen

2) Reappraisal, also kognitive Neubewertung (Film rationalisieren / objektiv betrachten)

3) Keine Instruktion

•AV: Emotionsrating; physiologische Maße.

Ergebnis:

• Ekelerfahrung in Suppressions-Bedingung UND in Reappraisal-Bedingung verringert.

• ABER: Rebound-Effekt von Supression auf physiologischer Ebene (erhöhte kardiovaskuläre Aktivität, unabhängig von Vakenz der unterdrückten Emotion).

-> (erhöhte Anfälligkeit für Asthma- und kardiovaskuläre Erkrankungen bei chronischer Angstunterdrückung (repressors))

• Suppression verbraucht kognitive Ressourcen. -> Qualität von sozialen Interaktionen leidet.

•  Kein Auftreten dieser Effekte bei kognitiver Neubewertung!

Ist geteiltes Leid, halbes Leid? Erläutern Sie dazu Aufbau und Ergebnisse der Studie von Zech & Rimé (2005).

(178)

Studie (Zech & Rimé, 2005):

• Instruktion der VPn, sich an negativstes & noch nachwirkendes Lebensereignis zu erinnern.

• Dann: Gespräch (20 min) mit Fokus auf Emotion vs. alltäglichen Dingen (UV).

• AVs: Subjektiver Nutzen des Gesprächs & eingeschätzte emotionale „Erholung“ (Emotionsrating).

-> Erhebung zu drei Zeitpunkten: Vor dem Gespräch (Baseline), eine Woche & 2 Monate danach.

Ergebnis:

• Starker Glaube an den Nutzen.

• ABER: keine emotionale Erholung durch emotionale Aussprache (emotionale Erholung gleich stark, egal über was geredet wurde).

• Entscheidend für die Wirkung von Gesprächen: Art der Gesprächsführung (Hilfreich ist z.B. therapeutische Gesprächsführung -> tiefere Auseinandersetzung).

-> Unterscheidung zwischen therepeutischer & alltäglicher Gesprächsführung wichtig!

Was ist damit gemeint, wenn die Geschichte der Emotionspsychologie in ein goldenes, dunkles und Renaissance-Zeitalter eingeteilt wird? Welches Verständnis von Emotionen war in der Antike vorherrschend und wie lebt diese Sichtweise auch heute noch fort?

(E1)

„goldene Epoche“ der Emotionspsychologie:

• erstes Institut für experimentelle Psychologie 1879 (Wundt).

• Erscheinen mehrerer Klassiker der Emotionspsychologie (Darwin, James & Wundt) zu dieser Zeit.

"Dunkles Zeitalter":

• Hochzeit des Behaviorismus -> Ignorieren / Abtun subjektiver Erlebniszustände wie Emotionen.

„Renaissance“:

• 1960er Jahre: Werke von Arnold, Tomkins und Schachter & Singer eingeleitet.

• eigentlich goldene Epoche: die letzten 30 Jahre.

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Antikes Emotionsverständnis (in der modernen Psychologie):

• Platon: Dreiteilung der Seele - Vernunft, leidenschaftliche Affekte & begierdehafte Sinnlichkeit.
  (kritisches bis negatives Bild von Affekten als Widerspruch zur Vernunft).

• Heute: Klassische Dreiteilung in Kognition, Emotion und Motivation.

Diskutieren Sie folgende Definition: „Emotion ist eine auf ein bestimmtes Objekt ausgerichtete affektive Reaktion, die mit zeitlich befristeten Veränderungen des Erlebens und Verhaltens einhergeht“ und grenzen Sie Emotion nach dieser Definition von folgenden Konzepten ab: Stimmung, emotionales Temperament, Einstellung.

(E2)

Charakteristische Merkmale von Emotionen:

• Gefühlscharakter: valente Affektivität (bewusst / unbewusst).

• Gerichtetheit von Emotionen (reales / antizipiertes / gedankliches Bezugsobjekt).

• Begrenzte zeitliche Dauer (gekoppelt an Auftreten des Bezugsobjekts).

Abgrenzung von Stimmungen:

• DIFFUSE positive oder negative, lang ANDAUERNDE Gefühlszustände OHNE Bezugsobjekt.

Abgrenzung von Temperament / emotionalen Dispositionen:

• ZEITÜBERDAUERNDE Persönlichkeitseigenschaften; sehr allgemeiner Objektbezug.

Abgrenzung von Einstellungen:

• ZEITSTABILE Beurteilung eines Objekts anstatt episodischer / dynamischer Veränderungen.

 

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