Motivation und Emotion

Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21

Uni Würzburg Psychologie // Kontrollfragen zur VL SS 2020 & WS20/21


F. P.
Diese Lernkarten behandeln die psychologischen Grundlagen von Motivation und Emotion auf universitärem Niveau. Im Fokus stehen Modelle, Theorien und Studien zu Emotionsregulation, hedonischer Tretmühle sowie der Rolle von Anreizen, Zielen und Situationen für menschliches Verhalten. Psychologiestudierende profitieren davon, um emotionale Prozesse und deren Steuerung in Theorie und Praxis zu verstehen.
Karten
227
Lernende
31
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
26.10.2020 / 11.10.2026

Lernkarten

Schildern Sie die Untersuchung und die zentralen Ergebnisse der Studie von Trope (1975) zur Dissoziation der Effekte von Aufgabenschwierigkeit und Diagnostizität auf die Aufgabenwahl.

Welche theoretische Schlussfolgerung wird durch dieses Ergebnis nahegelegt?

Was wurde an der Studie kritisiert?

(102)

Studie: Orthogonale Manipulation v. Aufgabenschwierigkeit & Diagnostizität

• Erfolgsmotivierte vs. Misserfolgsängstliche (TAT).

• Mitteilen (angeblicher) Aufgabenschwierigkeit.  -> leicht / mittel / schwer

• Mitteilen (angeblicher) Aufgabendiagnositizität. -> niedrig / hoch (Herausstellen eigener Fähigkeiten)

• keine Korrelation zwischen Schwierigkeit &  Diagnostizität!

• AV: Aufgabenpräferenz 

Ergebnisse:

• Generell Präferenz hoch diagnostischer & leichter Aufgaben. (bei selber Diagnostizität eher leichte Aufgaben)

• Misserfolgsängstliche wählen öfter niedrig diagnostische Aufgaben als die Erfolgsmotivierten (-> geringere Steigung im Diagnostic value).

• Präferenz für hochdiagnostische Aufgaben bei Erfolgsmotivierten deutlich ausgeprägter

Implikationen:

• Widerspricht Annahmen des RWM und bestätigt die Hypothese der kognitiven Theorie:

-> Streben nach Informationen über die eigenen Fähigkeiten entscheidend bei der Aufgabenauswahl.

Kritik:

• nicht tatsächliches Handeln untersucht, sondern lediglich Aufgabenpräferenz.

Beschreiben Sie die beiden zentralen Dimensionen der Ursachenerklärung von Leistungsergebnissen und erläutern Sie, was mit den beiden gegensätzlichen Ausprägungen dieser Dimensionen jeweils gemeint ist.

Was sind günstige und ungünstige Attributionsasymmetrien von Leistungsergebnissen und wie hängen sie mit Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg zusammen?

(103)

• „Kausalattribution“: wie sich eine Person das eigene oder fremde Verhalten erklärt.

Heider (1958) - naive Ursachenklärung:

• interne (Person) vs. externe (Situation) Attribution

Weiner (1985) - Erweiterung des Modells:

• Stabilität (zeitlich stabil vs. variabel) 

(• Kontrollierbarkeit (un- vs. kontrollierbar))

Attribution & Motivation

• Stabilitätsdimension: wird ursächlicher Faktor von Erfolg / Misserfolg als zeitlich stabil oder situativ variabel angesehen?

• ist Erfolg / Misserfolg mit leicht / schwer veränderlichen Faktoren assoziiert? -> Motivation

-> Attributionen auf stabile Faktoren (wie Fähigkeit) haben generell einen demotivierenden Effekt

-> Attribution internal-variabel i.d.R. am günstigsten für Motivation (externale Faktoren entziehen sich meist dem eigenen Einfluss)

Attribution & Selbstwert

• externe Ursachenzuschreibung verhindert affektive Folgen. 

• günstig bei Erfolg: stabil-internale Attribution. (eigene Fähigkeiten)

•  bei Misserfolg: variabel-externale Attribution. (zufällige externe Faktoren)

 

Beschreiben und erläutern Sie die Selbststabilisierungszyklen in der Leistungsmotivation für misserfolgs- & erfolgsmotivierte Personen nach dem Selbstbewertungsmodell von Heckhausen.

(104.1)

104.2: Misserfolgsmotivierte

• Leistungsmotiv als sich selbst stabilisierendes System aus 3 Teilprozessen der Selbstbewertung.

1. Motive, Hoffnung auf Erfolg (HE) / Furcht vor Misserfolg (FM) -> Anspruchsniveausetzung & Aufgabenwahl.

• Erfolgsaffekte maximal bei mittlerer Schwierigkeit.

• Misserfolgsaffekte (FM) minimal bei extremer Aufgabenschwierigkeit.

2. Aufgabenschwierigkeit hat Einfluss auf

-> a) Erfahrung, durch Einblick in Anstrengungs- & Fähigkeitsabhängigkeit von Miss- / Erfolg

-> b) Attribution: Asymmetrien entstehen bei Erklärung von Miss- / Erfolg

3. Attributionsasymmetrien -> unterschiedliche Selbstbewertungen selbst bei identischer Leistung.

Beschreiben und erläutern Sie die Selbststabilisierungszyklen in der Leistungsmotivation für erfolgs- und misserfolgsmotivierte Personen nach dem Selbstbewertungsmodell von Heckhausen.

(104.2)

104.1: Erfolgsmotivierte

• Leistungsmotiv als sich selbst stabilisierendes System aus 3 Teilprozessen der Selbstbewertung.

1. Motive, Hoffnung auf Erfolg (HE) / Furcht vor Misserfolg (FM) -> Anspruchsniveausetzung & Aufgabenwahl.

• Erfolgsaffekte maximal bei mittlerer Schwierigkeit.

• Misserfolgsaffekte (FM) minimal bei extremer Aufgabenschwierigkeit.

2. Aufgabenschwierigkeit hat Einfluss auf

-> a) Erfahrung, durch Einblick in Anstrengungs- & Fähigkeitsabhängigkeit von Miss- / Erfolg

-> b) Attribution: Asymmetrien entstehen bei Erklärung von Miss- / Erfolg

3. Attributionsasymmetrien -> unterschiedliche Selbstbewertungen selbst bei identischer Leistung.

Definieren Sie den Begriff “Ziel”. Auf welche Weise regulieren Ziele menschliches Handeln?

Worin unterscheiden sich Ziele von Motiven?

(105)

Ziele

• proximale Determinanten menschlichen Handelns. ( „nahe“ / „in der Person liegend“).

• bestimmen erwünschte Handlungsergebnisse als deren Basis in Form von Handlungsplänen und Bewertungsgrundlagen.

-> (vgl. „Handeln“: zielgerichtetes, absichtsvollen Verhalten). 

-> Notwendig für Handlungen, aber nicht hinreichend (-> Volition).

-> Bestimmen menschliches Handeln.

Ziele vs. Motive:

• Ziel = spezifisch, kognitiv repräsentiert, handlungsleitend.

• Motiv = abstrakt, häufig unbewusst, nicht handlungsleitend.

• Einfluss von Zielen auch auf affektiv-motivationale Reaktionen.

------------------------

• Ziele bilden den Sollwert im kybernetischen Modell (vgl. Regelung).

Skizzieren Sie ein einfaches kybernetisches Regelkreismodell der Handlungssteuerung durch Ziele.

Erläutern Sie die verschiedenen Komponenten dieses Modells.

(106)

kybernetisches Regelkreismodell der Handlungsregulation:

• (Kybernetik: Verhalten dynamischer Systeme)

• zielgerichtetes Verhalten als Regelkreis -> ständiger Soll-Ist-Abgleich (Closed Loop).

• Ziele als Sollwert.

• Vergleich mit Ist-Wert (tatsächliche Situation) -> Regulierung bei Abweichung.

• Ziel: Differenz von 0. Handlung wird initiiert, solange dies nicht erreicht ist.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer positiven und einer negativen Feedbackschleife?

(107)

• Negative Feedbackschleife: Reduktion der Diskrepanz zu einem angestrebten Sollwert (Annäherung)

• Positiven Feedbackschleife: Erhöhung der Diskrepanz zu einem abgelehnten Sollwert (Vermeidung)

 

 

Erläutern Sie die Begriffe “Selbstaufmerksamkeit” und “Optimismus”.

An welchen Stellen beeinflussen diese Variablen Prozesse der Handlungsregulation im Modell von Carver und Scheier?

(108.1)

Studie: 108.2

„Selbstaufmerksamkeit“:

• Man selbst als Beobachtungsgegenstand.

• Wahrnehmung / Aufmerksamkeit auf dem Selbst, Salienz persönlicher Ziele & des eigenen Handelns.

• Nötig zur Erkennung von Diskrepanzen zwischen angestrebtem und tatsächlichem Zustand.

„Optimismus“ (hier): 

• Grad der persönlichen Kontrollüberzeugung.

-> "wie überzeugt ist man von der eigenen Zielerreichungsmöglichkeit / wie lange hält man auch bei Rückschlägen an einem Ziel fest?"

moderierender Einfluss auf die Handlungsregulation (Modell von C. & S.):

• Salienz persönlicher Ziele hoch ->  akkuraterer Ist-Soll-Vergleich.

-> bessere Erkennung & Beseitigung von Diskrepanzen.

• Einfluss von Optimismus bei Rückschlägen in der Diskrepanzreduktion.

-> bei Optimismus höhere Wkt. weiterer Deskrepanzreduktionsversuche anstatt Disengagement

-> bei größerer Kontrollüberzeugung wird der Ausgang einer Situation länger/ bevorzugt als positiv beeinflussbar wahrgenommen.

-> hoher Grad an Optimismus -> Persistenz & Perseveration.

Schildern Sie die Ergebnisse der Untersuchung von Carver, Blaney & Scheier (1979), mit denen der Einfluss von Selbstaufmerksamkeit und Optimismus auf die Hartnäckigkeit der Zielverfolgung untersucht wurde.

(108.2)

Studie (Carver, Blaney & Scheier; 1979):

• Manipulation der VPn bzgl. Erfolgs- bzw. Kontrollerwartung  (un- vs. favorable expectancies; „wenn du bei dieser Aufgabe schlecht warst, dann wirst du bei der nächsten Aufgabe gut/schlecht sein“)

• unmögliche Aufgabe in Phase 2 (Nachzeichnen ohne Absetzen) mit hoher vs. niedriger Selbstaufmerksamkeit (Spiegel vs. nicht).

-> Low SAM: keine Unterschiede der Persistenz.

-> High SAM: deutlich höhere Persistenz bei favorable expectancies (als Low-SAM); weniger Persistenz bei unfavorable expectancies (als Low-SAM).

Interpretation:

-> Diskrepanzdetektion ist bei high SAM erhöht; Kontrollprozesse sind verstärkt aktiv.

-> Optimismus (Kontrollerwartung) entscheidet nun, ob Schleife wiederholt durchlaufen / früher abgebrochen wird.

Erläutern Sie den Begriff des “disengagement”.

Welche beiden Formen des “disengagement” werden im Modell von Carver & Scheier unterschieden?

Unter welchen Umständen ist ein “disengagement” wahrscheinlich?

(109)

• Disengagement = Zielablösung (Beendigung der aktiven Zielverfolgung).

1) Zielablösung nach Zielerreichung handeln (beseitigte Ist-Soll-Diskrepanz).

2) Ablösung bei negativer Einschätzung der Zielerreichungsmöglichkeiten

-> z.B. geringe Kontrollüberzeugung / Selbstwirksamkeit / Optimismus / wdh. Misserfolge.

Behaviorales Disengagement:

• Wenn ein offener Rückzug möglich ist.

Mentales Disengagement:

• Kein offener Rückzug möglich.

-> z.B. nach öffentlicher Verpflichtung

Welche Emotionen entstehen nach dem Modell von Carver und Scheier während der Zielverfolgung und wie hängen diese Emotionen mit der Rate der Annäherung an ein Ziel (bzw. Vermeidung eines Anti-Ziels) zusammen?

(110)

Kybernetisches Modell nach C&S:

• Handlungsschleife mit Soll-Ist-Abgleich

• Annäherungsmotivation: Diskrepanz zu Ziel soll verringert werden.

• Vermeidungsmotivation: Diskrepanz zu Anti-Ziel soll erhöht werden.

• Affekt als Resultat der Überwachung ("Metaschleife") einer Soll-Ist Diskrepanz und der Rate der Zielannäherung.

 

Ziele unterscheiden sich in ihrer Schwierigkeit und im Grad ihrer Konkretheit. Was ist damit genau gemeint und wie wirken sich diese Variablen auf die Effizienz der Zielverfolgung aus?

(111)

Kriterien, um Ziele zu unterscheiden & effizient zu verfolgen:

1) Zielschwierigkeit (Anspruchsniveau):

• Anspruchsvolle Ziele -> generell  höhere Leistungen,

• Hohes Ziel -> motivierender & hohe Zieldiskrepanz -> mehr Anstrengung & Engagement.

• Zu hohes Ziel -> frühzeitigen Zielablösung (disengagement)

2) Zielspezifität:

• "wie konkret ist ein Ziel gesetzt?"

• Hohe Spezifität als Voraussetzung für Feedback (Messbarkeit) & akkuraten Ist-Soll-Vergleich

-> essenziell für die Handlungsregulation. 

• Zwischenziele: helfen ggf., Spezifität zu erhöhen & (wahrgenommene) Zielschwierigkeit zu reduzieren

3) Commitment (Zielbindung):

• Grad der Identifikation mit dem Ziel / wahrgenommene Verbindlichkeit.

Was versteht man unter “commitment” bei der Zielverfolgung?

Von welchen Variablen hängt das “commitment” zu einem Ziel ab?

Erläutern Sie die Aussage, dass “commitment” eine Moderatorvariable für Prozesse der Zielverfolgung darstellt.

(112)

Commitment = Zielbindung:

• Grad der Identifikation mit einem Ziel & dessen Ansehen als verbindlich.

• motivationale Verpflichtungen -> verhindern z.B. frühzeitige Zielablösung.

Variablen:

• Führen zu Motivation bei der Zielverfolgung -> Zielbindung. (Moderator des Zusammenhangs Ziel -  tatsächliches Handeln / Leistung).

1) Erwartungen: Erfolgswkt., Instrumentalitäten & Vertrauen in eigene Tüchtigkeit.

2) Attraktivität: z.B. leistungs- und anschlussthematisches Ziel.

3) situative Einflüsse: Arbeits- und Lernumgebung / soziale Einflüsse.

 

Erläutern Sie die Studie mit einer Wirtschaftssimulation von Latham & Seijts (1999). Warum führt das Setzen von Unterzielen zu einer besseren Leistung?

(113)

Studie zu Unterzielen (Latham & Seijts, 1999):

•Aufgabe: in Wirtschaftssimulation Geld verdienen

• UV: Einteilung der VPN in drei Gruppen

-> Gruppe a) Anweisung: "möglichst viel Geld verdienen" / „Gib dein Bestes.“

-> Gruppe b) „Distal Goal“ - Anweisung: mehr als $8.71 verdienen (anspruchsvoll)

-> Gruppe c) „Proximal + Distal Goal“- Unterziele vorgegeben: In Session 1 sollten sie $0.48 verdienen, in Session 2 $0.10 usw.

Ergebnisse:

• Gruppe a): kein konkretes Ziel -> schlechteres Erkennen von Soll-Ist-Diskrepanzen -> schlechtere Anpassung vonTaktiken.

• Distal-Group (b) verdiente am wenigsten Geld (als nicht realistisch wahrgenommenes Ziel -> Disengagament)

• Proximal+Distal-Goal-Group (c) erzielte höchste Gewinne (stärkste Motivation & zeitnahes Leistungsfeedback -> vgl. Kontrollprozesse nach C&S).

-> Info über Selbstwirksamkeit -> Anpassung von Strategien.

-> einzelne Zwischenziele sind realistisch -> kein Disengagement.

-> Anreiz in Form einer zeitnahen Belohnung (vgl. preference reversal).

 

Was versteht man unter “possible selves”? Welche unterschiedlichen Typen von “possible selves” gibt es? Wie wirken sich “possible selves” auf das Handeln einer Person aus?

(114)

Possible Selves:

• konkrete Vorstellungen über Entwicklung des eigenen Lebens & der eigenen Person in absehbarer Zeit.

• Komponenten des Selbst (Identitätsziele und Selbstdefinition)

Desired / Undesired Possible Selves:

• erstrebenswerte vs. bedrohliche Entwicklungsmöglichkeiten. 

• unmittelbare Motivationsquelle (interpretativer Rahmen).

• Erwünschte Possible selves in deutlich näherer Zukunft erreichbar als weit entferntes „Ideal Self“.

• Beide Komponenten für starke & stabile Motivation für aktives Handeln notwendig (aufsuchende & vermeidende Tendenzen) sowie wichtig für Selbstbewertung (Evaluation von Diskrepanzen)

In der Theorie der regulatorischen Foki von Higgins werden zwei unterschiedliche Arten von Selbstdiskrepanzen unterschieden.

Welche Arten der Selbstdiskrepanz sind das? Welche Auswirkungen hat das Erleben solcher unterschiedlichen Diskrepanzen auf die Handlungsregulation und auf das emotionale Erleben?

(115)

Self-Regulatory Theory (Higgins):

• Real-Selbst: Ist-Zustand.

• Ideal-Selbst: Intrinsisch angestrebt.

• Soll-Selbst: Extrinsische Anforderungen an das Selbst.

Vergleich a) Real ↔ Ideal:

• Promotion Focus: Nutzen von Chancen & Wachstumsbestreben (aufsuchende Tendenzen).

• Freude bei Übereinstimmung (Erfolg) / Traurigkeit bei Diskrepanz (Misserfolg).

Vergleich b) Real ↔ Soll:

• Prevention Focus: Vermeiden von Fehlern (vermeidende Tendenzen).

• Ruhe & Erleichterung bei Kongruenz (Erfolg) / Angst bei Inkongruenz (Misserfolg).

• Extremfall: soziale Ängstlichkeit / Phobie.

-------------------

• Zudem: Passung unterstützt Zielverfolgung - die Aufgabe fühlt sich „richtig“ an („regulatory fit“). -> mehr Commitment & größerer Motivation.

-> Bei vermeidens-motivierter Person also Vergleich Real ↔ Soll wichtiger.

• Nützlichkeit der Form des Fokus ist situationsabhängig.

Erläutern Sie unterschiedliche Arten von Selbstaufwertungsprozessen, mit denen das Selbstkonzept einer Person stabilisiert und gegen selbstwertbedrohliche Information geschützt werden kann.

(116)

Selbstaufwertungsprozesse ("self enhancement"):

• Schutz von Selbstwert / -konzept nach Scheitern der eigenen Zielerreichung / Infragestellen des Selbstkonzepts.

• Allgemein: Bevorzugte Verarbeitung positiver Information (Fokus, Abruf, Prüfung) & Vermeidung  selbstwertbedrohlicher Situationen.

Formen:

• Self-serving bias: Tendenz, Erfolge internal zu attribuieren und Misserfolge external.

• Self-handicapping: Absichtliche Selbstbehinderung vor / bei Aufgabe (behavioral / mental; auch unbewusst). Verschieben der Bewertung anderer auf externale Ursachen.

• Excuse making: Automatisches Generieren von Entschuldigungen für eigene mögliche Misserfolge und Versäumnisse, um diese nicht stabilen Eigenschaften der eigenen Person zuschreiben zu müssen.

• Self-verification: Aktives Aufsuchen von identitätsbestätigenden Umgebungen (bei positivem & negativem Selbstbild).

• Symbolische Selbstergänzung: Zurschaustellen alternativer Symbole.

Schildern Sie die Ergebnisse der Studie von Rosenfield & Stephan (1978) zum selbstwertdienlichen Attributionsbias.

Welcher Aspekt der Ergebnisse belegt, dass es sich bei diesem Bias nicht um einen generellen Mechanismus der Selbstaufwertung, sondern um einen spezifischen Mechanismus der Selbstbildstabilisierung handelt?

(117)

Studie zum selbstwertdienlichen Attributionsbias (Rosenfield & Stephan, 1978):

• Männern vs. Frauen; "typisch maskuline" vs. "typisch feminine" Aufgaben.

• positives / negatives Feedback unabhängig von tatsächlicher Leistung.

• AV: Einschätzung der Gründe für eigene Leistung -> internale Faktoren (hohe Werte) vs. externale Faktoren (niedrige Werte).

Ergebnisse:

• Positives Feedback generell eher internal attribuiert, negatives eher external.

-> Beleg des Self-Verification-Bias.

• Stärkerer Bias bei Passung von Geschlecht & mitgeteilte Geschlechtsspezifität der Aufgabe. (Attribution dann relevanter für Selbstkonzept)

 

Was versteht Swann unter “self-verification”?

In welchen Fällen decken sich die Vorhersagen der Theorie der Selbstverifikation mit der Theorie der Selbstaufwertung, in welchen Fällen macht die Theorie der Selbstaufwertung eine gegensätzliche Vorhersage?

(118.1)

Studie: 118.2

Self-Verification Theory (Swann):

• Streben nach Bestätigung der Überzeugungen des eigenen Selbstbildes (positiver UND negativer).

-> Suche nach bestätigender / Vermeidung inkonsistenter Evidenz.

1) positive Selbstkonzeptelemente:

• selbe Vorhersagen wie Self-Enhancing Bias (SEB).

2) negative Selbstkonzeptelemente: 

• entgegengesetzte Vorhersage zu SEB: Streben auch nach Bestätigung negativer Aspekte des Selbstkonzepts.

• negatives Selbstbild -> Präferenz negativen Feedbacks (pos. Information stellt Selbstbild infrage)

• Bewusstes Zeigen von Verhalten / Aufsuchen von Umfeld, das negative Eigenschaften unter Beweis stellt.

Schildern Sie die Studie und die Ergebnisse von Swann & Pelham (2002), mit deren Untersuchung die Theorie der Selbstverifikation gestützt wurde.

(118.2)

Theorie: 118.1

Studie zur Selbstverifikation (Swann & Pelham, 2002):

• Quasiexperiment: Befragung von Studentinnen in Wohnheim - "Wollen Sie weiterhin mit Ihrer Zimmerpartnerin zusammenwohnen?" (AV).

• Zuvor Erhebung des Selbstbildes (positiv/negativ) - Selbst- & Fremdeinschätzung durch Zimmerpartnerin.

Ergebnisse:

• negatives Selbstbild -> zufrieden mit MB, wenn diese auch negatives Bild der Studentin besaß  Kongruenz von Selbst- & Fremdbild).

• positives Selbstbild -> ebenfalls Streben nach Kongruenz von Selbst- & Fremdbild (also umgekehrte Präferenz).

Interpretation:

• Stützen der Self-Verification Theory.

•  nicht positives, sondern, sondern konsistentes Welt- / Selbstbild wird angestrebt (vgl. Kohärenzstreben).

Erläutern Sie die Begriffe der “incompleteness”-Erfahrung und der Kompensation auf der Grundlage der Theorie der symbolischen Selbstkomplettierung.

In welchem funktionalen Zusammenhang stehen “incompleteness”-Erfahrungen und Prozesse der Kompensation?

(119)

Theorie der symbolischen Selbstkomplettierung:

1) Incompleteness-Erfahrungen:

• subjektives Gefühl von Mangel an selbstdefinitorischen Attributen.

-> z.B. bei Unterlegenheit in für Selbstdefinition wichtigen Eigenschaften / Misserfolg / Mangel an relevanten Symbolen.

2) Symbolische Selbstkomplettierung:

• Symbole: Hinweisreize (für andere) zur Herausstellung selbstbildrelevanter Eigenschaften.

-> Sichern & Aufrechterhalten der Selbstdefinition.

• Kompensation wahrgenommener Mängel (auch: Instrumentalisieren anderer Personen).

• tritt bei vorangangener, selbstrelevanter incompleteness-Erfahrung auf.

• Kompensationsbemühungen richten sich nur auf beschädigten Teil der Identität.

-> Stabilisierung genau der Identitätselemente, die aktuell gefährdet sind.

Wie lässt sich aufdringliches und angeberisches Verhalten auf der Grundlage der Theorie der symbolischen Selbstkomplettierung erklären?

Schildern Sie hierzu die Studie und Ergebnisse von Gollwitzer & Wicklund mit männlichen VPN (1985).

(120)

Studie zu symbolischer Selbstkomplettierung (Gollwitzer & Wicklund, 1985):

1) männlichen VPn;  Unvollständigkeitserfahrung (UVE),  operationalisiert durch negative Rückmeldung bzgl. persönlicher Eignung für angestrebten Beruf, (nonideal) vs. keine UVE (ideal)

2) Interview mit attraktiver Frau, die Cue platzierte, ob sie eher bescheidene oder selbstbewusste Männer bevorzuge (modesty vs. self assertiveness)                     

3) Einschätzung der eigenen Kompetenz in Gespräch mit attraktiver VL (AV)

Ergebnisse:

• VPN ohne UVE generell zurückhaltender bei positiver Selbstdarstellung.

• Modesty-Bedingung: Nonideal-Gruppe stellt sich deutlich positiver dar als die Ideal-Gruppe (nur dann, wenn incompleteness-Erfahrung selbstrelevant)

-> Selbstkomplettierung durch Kompensation nach Incompleteness-Erfahrungen macht also unsensibel gegenüber anderen. (Priorität der Sicherung des Selbstkonzepts).

-> Fühlt man sich selbst sicher, ist man flexibler und sensibler im Umgang mit anderen.

 

(Besonders Menschen mit wiederholten selbstdefinitorisch bedeutungsvollen incompleteness- Erfahrungen tendieren zu unangebrachtem, aufdringlichem und angeberischem Verhalten)

Erläutern Sie die Begriffe Volition und Motivation. Worin bestehen die zentralen Unterschiede?

(121)

• Motivation: Prozess der Wahl bestimmter Handlungsziele.

-> Motivationale Prozesse: assoziiert mit der Wahl bestimmter Ziele aufgrund deren persönlicher Dienlichkeit & Realisierbarkeit. -> "Übergang vom Wünschen zum Wählen ".

• Volition: Prozesse ab Festlegung bestimmter Ziele bis hin zu ihrer konkreten Realisierung.

-> z.B. Planen konkreter Handlungsschritte.

-> Übergang vom Wählen zum Wollen.

-------------------

-> Motivation: Wahl von Zielen <-> Volition: konkrete Realisierung

• Trennung von Motivation & Volition in der Forschung, da Verhaltensvorhersage rein über Motive zu viel Varianz unaufgeklärt lässt.

Beschreiben Sie typische Schwierigkeiten in der Zielverfolgung, für deren Bewältigung volitionale Prozesse benötigt werden.

(122)

• „Handlungsloch“ in der klassischen Motivationsforschung: Vorgenommene Ziele werden also nicht zwangsläufig auch umgesetzt.

Gründe dafür:                

• Startschwierigkeiten, die grundsätzlich eine aktive Zielverfolgung verhindern. (gar nicht erst anfangen)

• Verirrungen (Ziel nicht konsequent verfolgt)

• Überbeanspruchung (Ressourcen werden verschwendet)

• Schwierigkeiten in der Zielablösung

---------------------

-> Wichtigkeit volitionaler Prozesse, um die zuvor motivatonal gewählten Ziele auch realisieren zu können.     

-> (Lsg.: Was will ich wann, wie & wo tun?)

Beschreiben Sie die vier Phasen des Rubikonmodells der Handlungsregulation.

Welche Übergänge gibt es zwischen diesen Phasen?

Welche Phasen sind motivational und welche volitional?

(123)

Explizite Unterscheidung und Integration motivationaler und volitionaler Phasen (Heckhausen & Gollwitzer, 1987):

1. Phase: Abwägen Phase (motivational)

• Wahl zwischen potentiellen Zieloptionen („prädezisional“);  

• Beurteilung von Werten & Realisierbarkeit von Wünschen und Zielen.

• „Fazit-Tendenz“ (Ungeduld) bei Entschlussbildung.

• Phase endet in Intentionsbildung, wodurch sog. „Rubikon“ überschritten wird.

2. Phase: präaktionale Phase (volitional)

• Planung konkreter Handlungsschritte; Bilden eines Vorsatzes  & Analyse von Strategien.

• "Fiat-Tendenz": Entstehung der Realisierungsabsicht.

• Phase endet mit der Handlungsinitiierung.

3. Phase: Handeln (volitional, aktional)

• Intentionsrealisierung & Ausführung der Handlungsschritte.

• Phase endet mit der Intentionsdesaktivierung (Abschluss der Handlung)

4. Phase: Bewerten (motivational, postaktional)

• Bewerten des vorangegangenen Handelns (Zielerreichung / Zielmodifizierung)

Beschreiben Sie die Bewusstseinslagen des Abwägens und des Planens auf der Basis des Rubikonmodells.

Schildern Sie Ablauf und Ergebnisse der Untersuchung von Gollwitzer, Heckhausen & Steller (1990), in der ein kognitives Tuning durch Bewusstseinslagen untersucht wurde.

(124)

Bewusstseinslage „Abwägend“:

• motivational, prädezisionale Phase.

• dient zum Fassen einer Absicht (Zielintention).

Studie (Gollwitzer, Heckhausen & Steller, 1990):

• VPn denken sich Ende eines Märchens aus (Wem vertraut König seine Tochter an?).

• abwägende vs. planende Bewusstseinslage (vs. neutral) -> „wäge mal die Vor- und Nachteile deiner Wünsche ab“ vs. „Wie wirst du Ziel XY umsetzen?“.

• Messung der Häufigkeit deliberativer (abwägender) und implementativer (planender) Elemente in der Fortsetzung der Geschichte (AV).

Ergebnisse:

• generell mehr implementative als deliberative Elemente in den Geschichten.

• implementativer Anteil am geringsten bei VPn in motivationaler Bewusstseinslage / am höchsten bei VPn in volitionaler Bewusstseinslage.

• deliberativer Anteil am geringsten für volitionale Bewusstseinslagen und am höchsten für motivationale.

Beschreiben Sie die Untersuchung von Gollwitzer & Kinney mit einer Lichtblitz Apparatur (1989) zum Einfluss eines deliberativen vs. implementativen Mindsets auf einen „illusionären Optimismus“.

Erklären Sie das Ergebnis mit Hilfe des Rubikonmodells der Handlungsphasen.

(125)

Studie zu Bewusstseinslagen & illusionärem Optimismus (Gollwitzer & Kinney 1989):

• VPn sitzen vor Knopf; unabhängig von Tastendruck erscheinen mit 25 / 75% (fester) Wkt Lichtblitze.

• abwägende (deliberative) vs. planende (implementale)  Bewusstseinslage -> Priming.

• AV: Eingeschätzte Kontrolle über Auftauchen der Lichtblitze.

Ergebnisse:

• Bei 75-75 (Knopf gedrückt – nicht gedrückt -> gleiche AuftretensWkt des Blitzes) Problem -> generell höhere Kontrollillusion

• Implementatives Mindset: bei 25% Wkt. und bei 75% Wkt. höhere Kontrollillusion, besonders deutlich beim 75-75 Problem.

Rubikonmodell:

• motivationale / abwägende Bewusstseinslage (prädezisional) -> unvoreingenommene Informationsverarbeitung.

-> Deliberatives Mindset -> objektiveres Bewerten -> niedrigere Kontrollillusion

• volitionale Bewusstseinslage des Planens (präaktional) -> parteiische & fokussierte Verarbeitung statt. (sobald Rubikon überschritten).

-> Implementatives Mindset -> subjektiver Fokus,  (Vorsatzbildung statt Abwägung) & positiv verzerrte Beurteilung von „Chancen“ -> stärkere Kontrollillusion.

Wie wirken sich prädezisionale und postdezisionale Bewußtseinslagen auf Prozesse der Dissonanzreduktion aus?

Beschreiben Sie dazu die Studie von Harmon-Jones & Harmon-Jones (2002), in denen Versuchspersonen Alternativen vor und nach einer getroffenen Entscheidung bewerten mussten.

(126)

Studie zu Bewusstseinslagen & Dissonanzreduktion (Harmon-Jones & Harmon-Jones, 2002):

• VPn treffen schwierige Entscheidung; dann Induktion verschiedener Mindsets (UV).

• AV: Einstellung gegenüber der Wahlmöglichkeit (hohe Werte = gut).

Ergebnisse:

• motivationale / abwägende Bewusstseinslage (delibrative - mittlere Grafik):

-> Abwägung auch nach Entscheidung - beide Möglichkeiten erscheinen etwa gleichwertig.

-> Auch hier bereits leichte Fazit-Tendenz (positive Verzerrung hin zu eigener Wahl).

• volitionale / planende Bewusstseinlage (action-oriented - linke Grafik):

-> starke Fazit-Tendenz / deutlicher Bias durch Dissonanzreduktion.

 

Was versteht man genau unter “Realisierungsintentionen”?

Worin unterscheiden sie sich von sog. „Zielintentionen“?

(127)

Realisierungsintentionen (RI, Implementation intentions):

• konkrete Handlungsabsichten, die Zeit, Ort und Ausführung eines bestimmten Verhaltens spezifizieren.

-> („Was will ich wann, wie und wo tun?“ vs. „Was will ich tun?“).

• Fassen von Vorsätzen.

Zielintentionen (goal intentions):

• abstrakt, orientieren sich an Wünschbarkeit / Realisierbarkeit.

-> ("Ist das Ziel grundsätzlich erreichbar?") - Anspruchsniveau des Ziels.

-----------------------

• Gollwitzer: Wahrscheinlichere Erreichung schwieriger Ziele durch solche konkrete Handlungsvorsätze.

-> („Strong effects of simple plans“).

 

• In einem Feldexperiment von Gollwitzer und Brandstätter (1997) brauchten Studenten, die eine Realisierungsintention gebildet hatten, weniger Zeit und hielten das Ziel, einen Bericht über die Ferien zu schreiben, häufiger ein als Studenten mit abstrakten Zielintention.

Warum sind Realisierungsintentionen effektiver für die Zielverfolgung als Zielintentionen?

Erläutern Sie vermittelnde Prozesse einer Vorsatzwirkung mit einem Beispiel.

(128)

Realisierungsintentionen:

• auch volitionale Prozesse bestimmen das Verhalten <-> Zielintentionen (rein motivational).

Vermittelnde Prozesse der Vorsatzwirkung:

1. Chronische Aktivierung der im Vorsatz spezifizierten Situation -> erhöhte Aufmerksamkeit & besseres Erinnern.

2. Automatische Initiierung der im Vorsatz vorgenommenen Handlung -> durch Wenn-Dann-Plan wird Dann-Reaktion unverzüglich & unbewusst initiiert, sobald Wenn-Bedingung erfüllt ist. (Gedanke S-R Verknüpfung, vgl. Konditionierung; kritisch von Eder gesehen).

3. Automatisierung der Realisierung zielfördernden Verhaltens -> verringerter Verbrauch kognitiver Ressourcen (Planung bereits abgeschlossen) -> Ressourcen frei für Erledigen.

Beispiel:

• Vorsatz: „Ich will jeden Morgen nach dem Aufstehen 10 min Morgensport machen.“

• Aufmerksamkeit und Gedächtnis: Yoga Matte fällt morgens ins Auge. Noch im Bett liegend / beim Kaffee Kochen wird Gedanke an Sport salient.

• Automatische Initiierung: Du stehst auf, du ziehst dich schlaftrunken an. Du holst ohne nachzudenken die Yoga-Matte raus und legst einfach los (du hast dich selbst quasi „konditioniert“).

• Automatische Realisierung: Deine Routine beherrscht du im Schlaf. So klar, dass nicht drüber nachgedacht werden muss & mehr Fokus für korrekte Ausführung zur Verfügung steht.

Wirken Realisierungsintentionen immer gleich gut?

Welche Vorsätze sind gut gefasst, welche weniger gut?

(129)

Moderatoren der Wirkung von Realisierungsintentionen:

1. Zielschwierigkeit

2. Zielbindung

3. Aktivierung der Zielintention

[Vorsätze sind Teilaspekte der Realisierungsintention]

Zielschwierigkeit:

• Bedingt Größe der Vorsatzwirkung.

• Je schwieriger die Verhaltensinitiierung, desto größer die Vorsatzwirkung.

Zielbindung (Commitment):

• Hohe Zielbindung als Voraussetzung einer Vorsatzwirkung.

-> Ohne Commitment keine Implementation.

-> Bsp.: Vorsatz zur Brustkrebs-Vorsorge nur dann wirksam, wenn Vorsorge generell als sinnvoll betrachtet wird.

Aktivierung der Zielintention:

• übergeordnetes Ziel muss (zu geplantem) Zeitpunkt aktiviert sein, damit eine RI wirken kann.

• Wenn das übergeordnete Ziel mit einem anderen Ziel interferiert, wird die Effektivität gesenkt. (Evtl. einfach Vergessen des Ziels).

Worauf bezieht sich „Affekt“ in der wissenschaftlichen Emotionspsychologie?

(130)

„Affekt“ (Psychologie <-> Umgangssprache / Recht):

• Oberbegriff für Gefühle, Emotionen, Stimmungen, Vorlieben und Aversionen

• Oft Unterteilung von Gefühlen in affektive Gefühle (Affekte) und nicht affektive Gefühle (z.B. Müdigkeit / Leichtigkeit).

• affektive Gefühle haben Valenz (Anreiz / Wertigkeit).

• Untergliederung je nach Objektbezug & Intensität -> Emotion & Stimmung als Subkategorie von Affekten.

 

Worin unterscheiden sich Emotionen von Stimmungen?

(131)

zentrale Merkmale von Emotionen:

(1) Affektivität (Gefühlscharakter)       

-> auch bei Stimmungen zutreffend

(2) Objektgerichtetheit (Intentionalität)

<-> Stimmungen

(3) Zeitliche Befristung (Episode)  

<-> Stimmungen

Definition (nach Meister Eder):

„Emotionen -> objektgerichtete, unwillkürlich ausgelöste affektive Reaktionen, die mit zeitlich befristeten Veränderungen des Erlebens und Verhaltens einhergehen.“

Abgrenzung zu globalen Stimmungslagen:

• Stimmungslagen: diffuse positive / negative Gefühlszustände ohne Bezugsobjekt und eher länger andauern.

-> keine klarer Beginn & kein klares Ende.

• Intensität: abgeschwächte Formen affektiver Gefühle.

Was ist damit gemeint, dass Emotionen einen Objektbezug haben?

Erläutern Sie diesen Bezug an einem Beispiel.

Aka. Emotionale Objektgerichtetheit bzw. Intentionalität:

(132)

Objektbezug von Emotionen:

• Bestimmter Auslöser (Objekt, Person, Situation), welcher bewusst im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

• "Gerichtetheit": bezogen auf Objekt; Emotion verschwindet bei Verschieben des Aufmerksamkeitsfokus.

• Affektiver, kognitiver Bezug zum auslösenden Objekt ist entscheidend (kann real / vorgestellt / erwartet sein).

Beispiel:

• Spinne wird entdeckt, rückt in Aufmerksamkeitsfokus.

• Ekel / Furcht als emotionale Antwort wird ausgelöst.

• Ekel / Furcht nur solange Aufmerksamkeit auf Spinne ruht -> danach schnelles abflachen.

Was sind zentrale Merkmale bzw. Kennzeichen von Emotionen?

Wie hängen Emotion und Motivation zusammen? Worin unterscheiden sie sich?

(133)

zentrale Merkmale von Emotionen:

(1) Affektivität (Gefühlscharakter)       

-> auch bei Stimmungen zutreffend

(2) Objektgerichtetheit (Intentionalität)

<-> Stimmungen

(3) Zeitliche Befristung (Episode)  

<-> Stimmungen

Definition (nach Meister Eder):

„Emotionen -> objektgerichtete, unwillkürlich ausgelöste affektive Reaktionen, die mit zeitlich befristeten Veränderungen des Erlebens und Verhaltens einhergehen.“

Zusammenhang von Emotion & Motivation:

• Emotionen UND Motivation stoßen Handeln an.

-> Bsp.: Furcht -> Fight or Flight Reaktion / Freude -> annäherndes Verhalten.

• Emotionen UND Motivation hängen zusammen mit Aufmerksamkeitsausrichtung (vgl. Motiv)

=> Emotionen lenken die Aufmerksamkeit einer Person, legen Verhaltensstrategien zur Bewältigung nahe & unterstützen Ausführung auf physiologischer Ebene -> sehr ähnlich wie Motivation

Abgrenzung von Emotion & Motivation:

• Emotionen: Bezugsobjekt kann sowohl in Zukunft, als auch in Vergangenheit liegen.

• Motivation: Bezugsobjekt (Ziel) immer in der Zukunft.

-> jede Emotion, deren Bezugsobjekt in der Zukunft liegt, ist auch ein Motivator für Verhalten.

 

Wodurch wird die Aussagekraft von Selbstberichten von emotionalen Gefühlen eingeschränkt?

(134)

• Messmethoden: Selbstberichte, Fragebögen, Ratings mit verbalen Ankern & nonverbalen Symbolen und das semantische Differential.

• Problem: Subjektive Inhalte sollen objektiv, erfasst werden.

-> Versteht jeder unter einem "Mittleren Wut-Rating" die selbe Intensität? (auf Intervallskalenniveau interpretierbar?)

-> Was bedeutet Wut überhaupt für ein Individuum?

=> Problem der Überprüfbarkeit & Vergleichbarkeit

• retrospektiver Selbstbericht: Abfrage verbalisierbarer, bewusster Inhalte -> Beeinflussung durch sprachliche Gepflogenheiten & Verzerrungen der Erinnerung.

• Soziale Erwünschtheit

Worin unterscheiden sich diskrete und dimensionale Klassifikationssysteme von emotionalen Zuständen?

(135)

Diskreter Ansatz:

• Annahme von Basisemotionen wie z.B. Ärger / Freude.

-> Kategorien & Subkategorien (Kategorialer Ansatz).

• Untersuchung von Homologien (ähnliches Erscheinungsbild) und Analogien (ähnliche Ursachen) im emotionalen Verhalten.

Dimensionaler  Ansatz:

• Annahme grundlegender Dimensionen wie z.B. Valenz / Erregung -> orthogonale, grundlegende Einflussfaktoren.

-> kontinuierliches Spektrum einzelner Dimensionen.

• Identifizierung latenter Dimensionen mit datenreduzierenden statistischen Verfahren (Cluster- & Faktoren-analyse).

Unterschiede:

• Vornehmlich biologische vs. statistische Verfahren.

• Reduzierung auf einzelne Emotionen vs. Identifizierung von Dimensionen (Dimensionen selbst noch keine Emotionen).

• "kategorial" vs. "kontinuierliche Skalen"

Was sind Basisemotionen und wie können sie identifiziert werden?

Nennen Sie Basisemotionen, die in verschiedenen Studien konsistent genannt werden.

Was wurde daran kritisiert?

(136)

Basisemotionen (Biologische Emotionstheorien):

• eigenständige informationsverarbeitende Systeme (Module),

• Domänenspezifität: selektives Ansprechen auf  spezifische Klasse von Umweltreizen.

• begrenzter Einfluss von Kognitionen etc. auf die Emotionsverarbeitung.

Definition (nach Ekman):

1) angeboren

2) kulturübergreifend in ähnlichen Situationen

3) unverwechselbarer Ausdruck im Verhalten

4) zeigen distinkte physiologisches Reaktionsmuster

5) werden automatisch ausgelöst

Übereinstimmende Nennungen:

• Angst / Furcht, Ärger, Traurigkeit & Freude.

 

-> uneinheitliche Kriterien & Uneinigkeit über Anzahl

-> keine Falsifikationsmöglichkeit.

-> keine sinnvolle Abgrenzung „primärer“ Emotionen von „sekundären“ Emotionen
 

Wie kann man versuchen, die Vielzahl von Emotionsbegriffen, die in der Sprache vorkommen, auf grundlegende Emotionskategorien bzw. -dimensionen zu reduzieren?

Welche methodischen Probleme treten dabei auf?

(137)

1. Teil: vgl. 135

Diskreter Ansatz:

• Annahme von Basisemotionen wie z.B. Ärger / Freude.

-> Kategorien & Subkategorien (Kategorialer Ansatz).

• Untersuchung von Homologien (ähnliches Erscheinungsbild) und Analogien (ähnliche Ursachen) im emotionalen Verhalten.

Dimensionaler Ansatz:

• Annahme grundlegender Dimensionen wie z.B. Valenz / Erregung -> orthogonale, grundlegende Einflussfaktoren.

-> kontinuierliches Spektrum einzelner Dimensionen.

• Identifizierung latenter Dimensionen mit datenreduzierenden statistischen Verfahren (Cluster- & Faktoren-analyse).

Diskreter Ansatz - Probleme:

a) uneinheitliche Kriterien

b) Uneinigkeit über die Anzahl von Basisemotionen

c) Mangelnde Falsifikations-möglichkeiten

d) Keine sinnvolle Abgrenzung „primärer“ von „sekundären“ Emotionen.

-> Absolutes, einheitliches Ergebnis quasi unmöglich.

Dimensionaler Ansatz - Probleme:

• Ergebnis ist abhängig vom verwendeten Item-Pool & verwendeten statistischen Methoden.

• Zumeist Untersuchung von Wörter-Pools -> zeigen sich tatsächlich reale Zusammenhänge in der Sprache  oder untersucht man v.a. Eigenschaften & Regeln der Sprache an sich?

Erläutern Sie die beiden zentralen Dimensionen im Circumplex-Modell der Emotionen von Russell (1980).

Verorten Sie die folgenden Gefühls- oder Befindlichkeitszustände in diesem Modell: Angst, Freude, Trauer, Ärger, Überraschung, Entspannung, Müdigkeit / Schläfrigkeit.

(138)

Circumplex-Modell der Emotionen (Russell, 1980):

• Dimensionen: Valenz & Erregung / Intensität

• De- & activation als zwei bipolare, orthogonale Konstituenten emotionalen Erlebens.

-> Emotionsbegriffe werden im R2 verortet & können Quadranten zugeordnet werden

Valenz:

• Wertigkeit einer Emotion (un- / angenehm).

• Anreizwert, Bewertung („Aufforderungscharakter").

Erregung (arousal):

• Aktivierung & Deaktivierung (ruhig / erregt), die mit einer Emotion einhergeht.

Lernen