Differenzielle Psychologie
Theoretische Ansätze
Theoretische Ansätze
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Flashcards
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Projektion und geben sie ein Beispiel.
Projektion: Verleugnung eines Triebimpulses, der das ICH bedroht und an der eigenen Person nicht wahrgenommen wird und auf eine andere Person übertragen wird.
Beispiel:
Eine Person mit strakem unbewussten aggressiven Triebimpuls ist überzeugt, dass ihr Nachbar ihr Schaden zufügen möchte.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Reaktionsbildung und geben sie ein Beispiel.
Reaktionsbildung: Das Individuum handelt genau entgegengesetzt zu seinen unbewussten Impulsen.
Beispiel: Ein Kind mit einem starken unbewussten aggressiven Triebimpuls gegenüber der kleinen Schwester zeigt ihr gegenüber ein übermäßig beschützenden Verhalten.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Verschiebung und geben sie ein Beispiel.
Verschiebung: Entladung von aufgestauten Triebimpulsen an Perosnen und Objekten, die weniger gefährlich sind als diejenigen, die diese Impulse ursprünglich ausgelöst haben.
Beispiel: Eine Angestellte, die von ihrem Chef gerügt wurde, beschimpft zu Hause wütend ihre Kinder.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Verleugnung und geben sie ein Beispiel.
Verleugnung: Unangenehme Tatsachen werden nicht wahrgenommen und durch wunscherfüllende Fantasien ersetzt.
Ein kleiner Junge, der Angst vor seinem großen Bruder hat, erklärt er, er sei der stärkste Mann der Welt, der sich nicht fürchten müsse.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Fixierung und geben sie ein Beispiel.
Fixierung: Das Individuum bleibt auf einer frühen Stufe der psychosexuellen Entwicklung stehen.
Beispiel: Ein Jugendlicher ist immer noch Bettnässer, weil er unbewusst fürchtet, imLaufe des Alterwerdens die Liebe seiner Mutter zu verlieren.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Regression und geben sie ein Beispiel.
Regression: Um traumatische Erfahrungen zu entgehen, zieht sich das Individuum auf eine frühere Stufe psychosexuellen Entwicklung zurück.
Beispiel:
Nach der Geburt des Geschwisterchens wird das ältere Kind wieder zum Bettnässer aus Angst, die Zuwendung seiner Mutter zu verlieren.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Identifizierung und geben sie ein Beispiel.
Identifizierung: Es findet eine Identifikation mit einer anderen Person statt, um auf diese Weise die Bedrohung, die von dieser Person ausgeht zu reduzieren (vgl. Identifikation mit dem Aggressor im Rahmen des Ödipuskomplexes).
Beispiel:
Eine entführte Geisel sympathisiert mit ihrem Entführer, um ihre unbewusste Todesangst zu beherrschen.
Erläutern Sie den Abwehrmechnaismus Rationalisierung und geben sie ein Beispiel.
Rationalisierung: Um ein bestimmtes Verhalten zu rechtfertigen, redet das Individuum sich ein, dass sein Verhalten rational begründet sei.
Beispiel:
Eine Mutter mit einem starken unbewussten aggressiven Triebimpuls gegenüber ihren Kindern bestraft diese sehr oft und streng mit der Begründung, dass sie aus ihnen rechtsschaffende Menschen machen möchte.
Was versteht man unter Sublimierung und wie unterscheidet sie sich von den Abwehrmechanismen?
Sublimierung ermöglicht, dass primitive, sozial nicht akzeptierte Arten der Befriedigung von Bedürfnissen in sozial akzeptable umgewandelt und somit neutralisiert werden. Es-Impulse werden von einem – vom Über-Ich nicht akzeptierten – Ziel auf ein sozial akzeptiertes Ziel umgelenkt.
Beispiel: Der infantile Wunsch mit Kot zu spielen, der offentsichtlich ein Triebabkömmling ist, wird in unserer Gesellschaft als nicht sittlich empfunden sodass das Kind das Spielen mit Kot durch das Spielen im Matsch ersetzt. Jede dieser Ersatzhandlungen verschafft dem infantilen Impuls eine gewisse Befriedigung.
Was sind Leitgedanken des Behavorismus?
Der Leitgedanke des Behaviorismus besteht darin, die Psychologie auf die Untersuchung beobachtbaren Verhaltens (d.h. Hebel drücken, Körperreaktionen etc.) zu beschränken. Die inneren Prozesse des Menschen (Emotion, Motivation, Absicht etc.) werden zwar nicht geleugnet, bleiben aber bewusst unberücksichtigt, da sie weder beobachtbar noch präzise messbar sind. Das Innere des Menschen wird in behavioristischen Theorien demzufolge als „Black Box“ angesehen.
Das grundlegende Paradigma des Behaviorismus ist das Reiz-Reaktions-Schema: auf bestimmte Reize (sog. Stimuli, z.B. Hunger, Licht) folgen bestimmte Reaktionen (sog. Responses, z.B. Speichelfluss, Hinwenden zur Lichtquelle).
Was ist mit Persönlichkeit aus behavoritischer Sicht gemeint?
Die Lerntheoretiker (Behavioristen) gehen davon aus, dass das Verhalten eines Menschen das Ergebnis von Lernprozessen ist und dass das grundlegende Verhalten bzw. überdauernde Verhaltenstendenzen verantwortlich für die Persönlichkeit eines Menschen sind.
Die Summe der Gewohnheiten, die ein Mensch, insbesondere in seiner frühen Kindheit, aber auch im späteren Leben, ausbildet.
Beschreiben Sie die Temperamentslehre von Hippokrates
Hippokrates ging davon aus, dass die vier Körpersäfte gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut körperliche Manifestationen der Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft sind. Den vier Körpersäften ordnete er jeweils ein bestimmtes Temperament zu. Gelbe Galle:Choleriker, Schwarze Galle: Melancholiker, Schleim: Phlegmatiker, Blut: Sanguiniker.
In seiner Humoralpathologie bzw. Viersäftenlehre ging Hippokrates davon aus, dass ein Mangel oder ein Überfluss bei den vier Säften an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Des Weiteren ging er davon aus , dass die vier Körpersäfte und deren Kombination Einfluss auf die Lebensgeschichte, Verhalten und die Persönlichkeit eines Menschen haben.
Beschreiben Sie genauer welche Krankheiten Hippokrates den einzelnen Körpersäften zuschrieb.
Gelbe Galle wurde anhand des Auftretens von gelb gefärbten Ausscheidungen (z.B. Kot und Erbrochenes) diagnostiziert. (Ein Übermaß an gelber Galle: Gelbsucht, gelblich erscheinde Entzündungen der Haut.)
Schwarze Galle wurde anhand von Ablagerungen im Blut oder entsprechenden Farbveränderungen der Haut diagnostiziert. (Cholera, Ruhr, Darmerkranungen)
Schleim: ausgehusteter Schleim wurde als Ursache für Atemwegserkranungen, Lungenentzündungen.
Blut: Blutarmut: Anämie, Übermaß an Blut= Sanguiniker
Beschreiben Sie die Temperamentslehre von Wilhelm Wundt
Wundt war der Begründer der Psychologie als eigenständige Wissenschaft.
Wundt führte ein zweidimensonales Beschreibungssystem des Temperaments ein. Wundt ging hierbei von Dimensionen Stärke des Affekts und Schnelligkeit des Wechsel des Affekts aus. Choleriker und Melancholiker neigen zu starken Affekten, wobei der Choleriker einen schnellen Wechsel der Affekte vollziehen kann und der Melancholiker länger in seinem Affekt hängen bleibt. Der Phlegmatiker und Sanguiniker neigen zu schwachen Affekten, der Phlegmatiker ist zu langsam wechselnden Affekten prädisponiert und der Sanguiniker kann einen schnellen der Affekte zeigen. .
Wundt vertrat die Annahme dass die wahre Kunst im Leben darin bestand alle Temperament in sich zu vereinigen und je nach Situation dem jeweiligen Temperament Raum zu geben und somit seine Affekte und Triebe zu beherrschen.
Vergleichen Sie die Temperamentslehre von Hippokrates und Wilhelm Wundt.
Hippokrates (um 494-434 v. Chr.) Temperamentslehre stellt einen kausal-erklärenden Ansatz dar. In der von ihm begründeten Humoralpathologie (Viersäftelehre) war man der Annahme, dass die vier Körpersäfte gelbe Galle (Choleriker), schwarze Galle (Melancholiker), Schleim (Phlegmatiker) und Blut (Sanguiniker), Manifestationen der Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft sind. Den vier Körpersäften ordnete er jeweils ein bestimmtes Temperament zu. Ein Mangel oder Überfluss eines dieser Säfte sei nach Hippokrates an der Entstehung von Krankheiten beteiligt. Des Weiteren sollten waren sie nicht nur für den Gesundhietszustand eines Menschen entscheidenen sondern nahmen auch Einfluss auf die Lebensgeschichte, das Verhalten und die Persönlichkeit. Diese wurde vom griechischen Arzt Galen (um 129-216 n.Chr.) weiterentwickelt.
Wundts (1832-1920) Temperamentslehre basiert so wie auch Kans Temperamentslehre auf einem deskreptiv-beschreibenden Ansatz indem die biologischen Entstehungsfaktoren der Persönlichkeit keinen Schwerpunkt mehr einnehmen. Er ging einen Schritt weg von den vier unabhängigen Temperamentstypen hin zu einem zweidimensonalen Beschreibungssystem- der Stärke des Affekts und der Schnelligkeit des Wechsel der Affekte. Er ging hierbei davon aus, dass der Choleriker und der Melancholiker zu starken Affekten neigen wobei der Choleriker einen schenllen Wechsel der Affekte vollziehen kann, der Melancholiker wiedrum längere Zeit braucht einen Wechsel im Affekt zu vollführen. Der Sanguiniker und Phlegmatiker wiederum neigen zu schwachen Affekten, der Sanguiniker kann einen schnellen Wechsel der Affekte einleiten der Phlegmatiker bleibt länger in den Affekten haften.
Nennen sie psychgnostische Ansätze und beschreiben Sie diese kurz.
Wie bewerten sie diese.
Physiognomik- Ziel ist es Aussagen über die Persönlichkeit eines Menschen aus seinem Gesichtsschnitt herzuleiten.
Physiognomika: Aristoteles (384-322 v.Chr.), Schweizer Pastor Jihann Caspar Lavater (1741-1801)- Mitwirkung Goethe: Vierbändige Anleitung zur physiognomischen Charakterdeutung (1775-1778) veröffentlicht. ->1778 öffentliche Kritik von Georg Christoph Lichtenberg, Experimentalphysiker-> starke Subjektivität und Vorurteile der physignomischen Methode.
Phrenologie: leitet Aussagen über die Persönlichkeit aus der Form der Schädeldecke ab.
deutscher Arzt Franz Joseph Gall (1758-1828)
Grafologie: leitet Aussagen über die Persönlichkeit aus dem Schriftbild ab.
französischer Priester, Gelehrter und Schriftsteller Jean Hippolyte Michon (1806-1881).
Die psychognostischen Verfahren können als vorwissenschaftliche Methoden der Persönlichkeitsentwicklung angesehen werden. Sie weisen methodische Mängel auf (Mangel an Elaboration, Standardisierung und Überprüfbarkeit), Mangel an theoretischer Fundierung und finden daher in der moderen Persönlichekeitsforschung keine Anwendung mehr.
Beschreiben Sie den Aufbau und Struktur der Persönlichkeit nach Freud.
Freud betrachtet den Menschen als ein energetisches System, das aus dem Sexualtrieb und dem Aggressionstrieb gespeist wird. Er schrieb den Trieben die Fähigkeit zu, das Individuum zum aktiven Verhalten und Handeln zu veranlassen. Freud nahm an dass aus den Trieben physikalische Energien freigesetzt werden. Die Triebenergie des Sexualtriebs bezeichnete er als Libido, die des Aggressionstriebs als Destrudo. Diese beiden Triebe stellen nach Freud die einzige Energiequelle des menschen Verhaltens dar.
Der psychische Apparat, der nach Freud die Struktur der Persönlichkeit bildet, besteht aus drei Instanzen:
dem ES, dem Ich und dem Über-Ich.
Beschreiben sie kurz die Phasnelehre nach Freud.
Freud ging davon aus, dass der Mensch auf seinem Weg zu seiner späteren Persönlichkeit als Erwachsener verschiedene psychosexuelle Entwicklungsphasen durchläuft. Diese Phasen sind gekennzeichnet durch erogene Zonen, die während einer bestimmten Phase als maßgebliche Quelle der sexuellen Lust erlebt werden.
Dementsprechend unterteil Freud die psychosexuelle Entwicklung in eine orale, anale, phallische und genitale Phase.
Beschreiben sie psychosexuelle Entwicklungsphase- die orale Phase nach Freud
Orale Phase: Geburt bis 1,5 Jahren kann unterteilt werden in eine
- frühe oral-einnhemende Phase (bis ca. 8 Monate), während das Saugen und Schlucken als lustvoll erlebt wird.
- oral-aggressive Phase, bei der Beißen und Kauen im Vordergrund stehen.
Beschreiben sie die psychosexuelle Phase - die anale Phase nach Freud
Anale Phase: 1,5-3 Jahre
das Kind lernt die Asuscheidung von Kit zu kontrollieren.
- anal-expulsive Phase: Lustgewinn durch das Ausscheiden von Kot
- anal-retentive Phase: Lustgewinn durch das Zurückhalten von Kot
Beschreiben sie die psychosexuelle Phase- die phallische Phase nach Freud
3. bis zum 5. Lebensjahr
Freud betrachtet diese Phase als die wichtigste in der Persönlichkeitsentwicklung. Hier gewinnen die Genitalien als primäre erogene Zone eine ganz zentrale Bedeutung und das Kind ist in dieser Phase mit dem Ödipuskomplex konfrontiert.
Freud geht davon aus das die Mutter zunächst als ursprüngliches Liebensobjekt betrachtet wird weil sie die Bedürfnisbefriedigung des Kindes sicherstellt. Gleichzeitig wird der Vater als Rivale um die Mutter erlebt und deshalb abgelehnt. Diese Gefühle bleiben bei Jungen bestehen, bei Mädchen ändern sie sich.
Beschreiben sie die psychosexuelle Phase- die Latenzphase nach Freud.
vom 6. Lebensjahr bis zur Pubertät
Diese Phase ist durch das Fehlen sexueller Triebimpulse gekennzeichnet. Nach Freud findet in dieser Phase keine nennenswerte psychosexuelle Entwicklung statt.
Beschreiben sie die psychosexuelle Entwicklungsphase- die genitale Phase nach Freud.
Nach der Latenzphase beginnt die genitale Phase und das Stadium des Erwachsenseins.
In dieser Phase kommt es nach den vorangegangenen Phasen, in denen die Stimualtion und Befriedung des eigenen Körpers stattfand, zur Objektwahl aus der heraus sich heterosexuelle Beziehungen, Heirat udn Gründung einer Familie ergaben.
Was versteht man unter Individualpsychologie (Alfred Adler)?
Im Mittelpunkt der Individualpsychologie steht die Annahme, dass das Kind, bedingt durch seine völlige Abhängigkeit von anderen und seine Unfähigkeit, alleine zu überleben, ein Gefühl von Minderwertigkeit und Schwäche erlebt. Dieses Gefühl kann durch körperliche Erkrankungen oder psychische Störungen verstärkt werden.
Aus dem Gefühl der Minderwertigkeit heraus entwickelt das Kind das Bedürfnis nach Sicherheit, die es durch bestimmte Strategien zu erreichen sucht, die sich zu einem für einen Menschen "Charakteristischen" Lebensstil" festigen und seinen Charakter prägen.
Was ist nach Adler eine erstrebenswerte Überwindung der Unsicherheit?
Die Überwindung der Unsicherheit durch die Einbindung des Einzelnen in die Gemeinschaft, in der die Schwäche des Einzelen in die Gemeinschaft, in der die Schwächen des Einzelnen aufgefangen werden.Adler ging davon aus das dem Menschen ein Gemeinschaftsgefühl angeboren ist, und die Einbindung in die Gemeinschaft daher die normative Bewältigung von Minderwertigkeit und Schwäche darstellt.
Wie werden Störungen in der Entwicklung nach Adler begünstigt?
Zwei Formen der Erziehung erachtete Adler als besonders fatal. da sie keine Sicherheit vermitteln, sondern im Gegenteil das Gefühl von Schwäche und Unzulänglichkeit verstärken. Beide Erueihungsstile gelten auch aus heutiger Sicht noch als entscheidene Risikofaktoren für eine gestörte Entwicklung. Im Falle einer verwöhnenden Erzeihung lernt das Kind nicht, sich mit Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und auf diese Weise Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die ihm das Gefühl geben, Probleme eigenständig bewälttigen zu können. Im Falle einer allzu strengen, versagenden Erziehung vertsärkt sich das Gefühl der Minderwertigkeit.
Wie unterscheiden sich die Interpretationen psychischer Störungen von Freud und Adler.
Nach den Psychodynamischen Modellen entstehen psychische Störungen durch einen innerpsychischen Konflikt zwischen "Es"- und "Über-Ich". Triebe stehen hier also im Konflikt mit den moralischen Wertvorstellungen. Allerdings kommt es im gesunden Fall zu einer Vermittlung zwischen den beiden Persönlichkeitsinstanzen durch das "Ich" (Realitätsprinzip). Nur bei fehlender Vermittlung kommt es zu einer Verdrängung und Verlagerung des Konflikts ins Unbewusste, so dass der Konflikt klinisch relevant wird. Hier stand die Aufdeckung krankmachender unbewusster Inhalte im Fokus der Therapie.
Adler interpretierte psychische Störungen vor allem in Hinblick auf ihre Funktionalität, d.h. auf den Zweck, den sie als Bestandteil eines neurotischen Lebensstils für eine Person erfüllen. Er war der Auffassung das sich neurotische Personen der Funktionalität ihres Verhaltens bewusst werden können.Daher sah er in direkten, offenen therapeutsichen Gesprächen mit den Patienten die Möglichkeit, eine Änderung ihres neurotischen Lebensstils und damit eine Auflösung der Symptome und eine Einbindung in die Gemeinschaft zu bewirken. Ziel der Therapie war die Einsicht in ein vermeintlich funktionales Verhalten, das letztlich dem Einzelenen als auch der Gemeinschaft schadet.
Wie ergänzte Kohut das drei Instanzenmodell und warum?
Kohut führte zusätzlich zum drei Instanzenmodell das unabhängige Selbst ein, das als innerpsychisches System verstanden wird, das einer Person das Gefühl der Einheit und Kohärenz verleiht.
In seiner praktischen Tätigkeit als Psychoanalytiker sah er sich zunehmend mit Patienten konfrontiert, deren Leiden weniger mit der Freud´schen Triebtheorie zu erklären war, sondern offensichtlich mit einem fehlenden oder gestörten Selbstgefühl.
Kohut gehörte zu jenen Psychoanalytikern, die das Freud´sche Strukturmodell der Persönlichkeit mit den drei Instanzen Ich, Es, Über-Ich durch die Konzeption eines von den Instanzen unabhängigen, eigenständigen Selbst ergänzten. Wofür stand das Selbst?
Das Selbst wurde als ein innerpsychisches System verstanden, das einer Person das Gefühl der Einheit udn Kohärenz verleiht.
Wie unterscheidet sich Kohuts Vorstellung über Narzissmus zu Freuds?
Freud verstand unter Narzissmus eine Phase in der sexuellen Entwicklung des Kindes, in der nach einer ersten, autoerotischen Phase die eigene Person als Sexualobjekt gewählt wird (bevor die Eltern als ersten externen Sexualobjekte gewählt werden).
Kohut entgegen sah Narzissmus als eine von der Triebentwicklung unabhängige, eigenständige Entwicklung an. Er erachtete Narzissmus zudem nicht als Störung, sondern als einen wichtigen Bestandteil der Entwicklung der Persönlichkeit, der für die Bildung eines gesunden, stabilen Selbst zentral ist.
Was bedeutet Narzissmus in der Persönlichkeitspschologie?
Narzissmus gilt in der Persönlichkeitspsychologie als ein Merkmal, das sich durch ein Bedürfnis nach Ansehen und Status sowie danach, beachtet und bewundert zu werden, auszeichnet. In übersteigerter Form sind diese Merkmale einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Kriterien für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung sind u.a. gesteigertes Gefühl der Wichtigkeit und Überlegenheit, ein exzessives Bemühen um Aufmerksamkeit und Bewunderung sowie ein Mangel an Empathie.
Was versteht man unter primären Narzissmus nach Kohut?
Zu Beginn seines Lebens erlebt der Säugling sich nicht als eigenständige, von der Mutter unabhängiges Wesen. Die Phase ist laut Kohut geprägt durch den primären Narzissmus. Die erlebte Einheit mit der Mutter vermittelt das Gefühl der Allmacht und Größe. Die Bedürfnisse werden sofort gestillt.
Mit der zunehmenden Fähigkeit, die Mutter als getrennte Einheit wahrzunehmen. und der unvermeidbaren Erfahrung, das Zuwendung und Pflege nicht immer vollkommen sind, endet die Phase des primären Narzissmus.
Nach dem Ende des primären Narzissmus (Kohut) bleiben gewisse Konfigurationen bestehen. Nennen Sie diese und geben Sie eine kurze Beschreibung.
- In Form des Größen-Selbst oder des grandiosen Selbst sieht sich das Kind sekbst weiterhin als großartig und mächtig an.
- Ein idealisiertes Bild der Eltern (idelaisiertes Elternimago)
Was ist nach Kohut entscheidend für eine gesunde, stabile Entwicklung des Selbst?
- dass das Kind ein Gefühl von Selbstwert entwickelt, indem die Bezugspersonen insbesondere die Mutter dem Kind vermitteln, dass es großartig ist.
- Spiegelung seiner narzisstischen Größengefühle durch den "Glanz im Auge der Mutter
Im weiteren Verlauf der Entwicklung benötigt das Kind wohldosierte Frustrationen, um sich von seinen Allmachts- und Größengefühlen zu verabschieden und sein stabiles und gesundes selbst zu bewahren.
Wie entstehen nach Kohut Narzisstische Störungen?
Narzisstische Störungen (Störungen im Selbsterleben) entstehen hingegen, wenn die primären Bezugspersonen es an dem "Glanz im Auge" fehlen lassen, das Kind ablehnen oder den narzisstischen Bedürfnissen des Kindes nicht empathisch begegnen zu können.
Die Aufgabe des Therapeuten ist es nach Kohut, die aus der Störung des Größenselbst oder einer Störung der idealisierten Elternimago resultierenden Übertragung des Patienten empathisch zu begegnen, um ein stabies Selbstgefühl zu entwicklen.
Gehen Sie kurz auf die Begriffe Bindungssystem (attachment behavioral system), Bezugspersonen/Bindungspersonen (attachment figures), die aus der Bindungstheorie von John Bowlby enstammen, ein.
Bowlby zufolge ist Menschen ein Bindungssystem (Attachment behavioral system) angeboren, das sie dazu motiviert, in kritischen Situationen die Nähe von für sie signifikanten Bezugspersonen (attachment figures) zu suchen und so Schutz und Sicherheit zu erhalten. Dieses System wird immer dann aktiviert, wenn eine Person ihre Sicherheit bedroht sieht.
-> Entweder direkte Suche nach Nähe zu den Bindungspersonen
-> Zugriff auf internalisierte Repräsentation der Bindungspersonen (symbolische Nähe zu den Bezugspersonen)
Mit steigendem Lebensalter übernehmen die internalisierten Repräsentationen zunehmend die Schutzfunktion, ohne das die Bedeutung der real vorhandenen Bindungspersonen gänzlich verloren geht.
Was meint Bowlby mit interindividuelle Unterschiede in der Bindungserfahrung? Und wie prägt unsere Bindungserfahrung unsere Interaktion mit der Umwelt?
Interindividuelle Unterschiede in der Funktion des Bindungssystems entwickeln sich in Abhängigkeit davon, wie sich enge Bezugspersonen in kritischen Situationen verhalten.Sind sie präsent und reagieren sensibel auf die Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutz, entsteht ein Gefühl der sicheren Bindung. Dieses beinhaltet die subjektive Erwartung und Gewissheit, dass die Welt ein sicherer Ort ist und Bindungspersonen zuverlässig zur Stelle sind, wenn es kritisch wird. Aus diesem Gefühl heraus, erwächst die Sicherheit:
- neue Umwelten frei explorieren zu können und mit anderen Menschen positiv interagieren zu können
- in die eigenen Bewältigungskompetenz und somit stärkt das Selbstvertrauen
- subjektive Gewissheit, dass andere zu Unterstützung willens und fähig sind.
->
Bowlby beschreibt defensive Reaktionen auf fehlende Bindungssicherheit. Wie entsteht eine fehlende Bindungssicherheit? Nennen und erläutern sie defensive Reaktionen.
Sind enge Bezugspersonen in kritischen Situationen nicht präsent oder gehen nicht sensibel auf die Bedürfnisse des Kindes ein, kann sich kein Gefühl der sicheren Bindung aufbauen. Es entsteht zusätzlich Zweifel an der eigenen Fähigkeit, Probleme bewältigen zu können sowie Zweifel an dem guten Wille der anderen sowie deren Zuverlässigkeit. Da die Suche nach Nähe und Schutz unbefriedigt bleibt, muss die Person zu anderen Strategien der Emotionsregulation greifen- defensive Reaktionen:
- Hyperaktivierung des Bindungssystems: intensive und gesteigerte Bemühungen um Nähe und Aufmerksamkeit der Bindungspersonen. zwanghafte Bemühung um Schutz und Nähe, reagieren übermäßig bei möglicher Zurückweisung und Ablehnung und neigen zu andauerndem Grübeln (Rumination) über eigene Schwächen und eine mögliche Gefährdung ihrer Beziehung.
- Deaktivierung des Bindungssystems: das Bemühen um Nähe und Schutz wird gehemmt, und jegliche Bedrohung, die das Bindungssystem aktivieren könnte, wird unterdrückt oder negiert. distanzierte Beziehungen, Unwohl bei zuviel Nähe. Bemühen sich um persönliche Stärke und Eigenständigkeit, unterdrücken belastende Gedanken und Erinnerungen.
Was meint Bowlby mit attachment working models?
Attachement working models sind kognitive Schemata, die sich aus der Interaktion mit Bindungspersonen in Kindheit und Jugend, bilden. Diese kognitiven Schemata werden zu einem festen Bestandteil der Persönlichkeit. Die attachment workin g models beziehen sich zum einen auf mentale Repräsentationen des Verhaltens der Bindungspersonen (working models of others), zum anderen auf mentale Repräsentation der eigenen Kompetenz (working models of self).
Auf Grundlage dieser mentalen Modelle entstehen Erwartungen an künftige Interaktionen und Beziehungen sowie an die eigene Bewältigungskompetenz.
Was meint Bowlby mit Bindungsstil?
Das Muster an Erwartungen, Emotionen und Verhaltensweisen, das - vermittelt über working models - aus den Bindungserfahrungen einer Person resultiert, wird Bindungsstil genannt.