Osteopathie HES-SO


M. D.
Diese Lernkarten vermitteln die embryonale Entwicklung des Genitalsystems mit Fokus auf die Entstehung von Hoden, Eierstöcken, inneren und äußeren Geschlechtsorganen sowie die Rolle der Müller- und Wolff-Gänge. Besonders werden die zeitlichen Abläufe in Wochen und Monaten, hormonelle Einflüsse wie AMH und Testosteron sowie die Differenzierung der Genitalleiste behandelt. Ideal für Medizinstudierende, um komplexe Prozesse der Sexualdifferenzierung zu verstehen und prüfungsrelevant zu verinnerlichen.
Karten
23
Lernende
1
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
30.04.2020 / 18.09.2026

Lernkarten

Wann entsteht das genetische Geschlecht? Wann geschieht die Differenzierung der Genitalien?

Das genetische Geschlecht wird bereits bei der Befruchtung festgelegt (XX für Frau, XY für Mann). Undifferenzierte Genitalien, die sich noch nicht unterscheiden, entstehen in der 6. Woche. Ab der 7. Woche sind die männlichen und weiblichen Entwicklungen unterschiedlich.

Woher entstammen die Zellen des Genitalsystems?

Aus dem intermediären Mesoderm.

Wo befindet sich die Genitalleiste? Wann wird sie gebildet?

Ursprung der Genitalleiste ist der intermediäre Mesoblast. Die Urogenitalleiste (Crista urogenitalis) befindet sich zwischen dem Seitenplattenmesoderm und neben der Wurzel des dorsalen Mesenteriums des  Embryos. 

Die Entwicklung des Genitalsystems wird auf welchen drei Ebenen reguliert? Wodurch wird die Entwicklung ausgelöst?

Die Entwicklung des Genitalsystems wird auf der Ebene der Gonade, der Genitalgäng und der äusseren Geschlechtsorgane reguliert.

Nach der indifferenten Genitalentwicklung indzuiert das SRY-Gen auf dem Y-Chromosom die männliche Entwicklung. Die Differenzierung der Sertoli- und Leydig-Zellen wird stimuliert, welche das Hormon Testosteron und Anti-Müller-Hormon (AMH) sezernieren. Zusammen führen sie zu einer Rückbildung des ductus paramesonephreticus.

Der weibliche Geschlechtsapparat entwickelt sich ohne den hormonellen Einfluss spontan zu einem weiblichen Phänotyp.

Wanderung der Urkeimzellen: Wo sind sie das erste Mal nachweisbar, wo gehen sie hin, wann erreichen sie die Genitalleiste?

Schon in der 3. Woche befinden sich die Urkeimzellen an der Wand des Dottersack im Bereich des Allantoisabgangs. Von dort aus wandern sie in der 5. Woche in das dorsale Mesenterium des Enddarms ein, um die Genitalleisten in der 6. Woche zu erreichen.

Wie heissen die zwei Gänge, die während der sechsten Woche im intermediärn Mesoderm enstehen? Zu was entwickeln sie sich später?

Ductus paramesonephricus (Müller Gang): ergibt im Rahmen der normalen weiblichen Sexualdifferenzierung die Eileiter, die Gebärmutter und der obere Teil der Vagina. 

Ductus mesonephricus (Wolff Gang): daraus entwickelt sich der primäre Harnleiter sowie der Hauptausführungsgang des Hodens, der Samenleiter (Ductus deferens), das Samenbläschen sowie der durch die Prostata ziehende Ductus ejaculatorius als Ende des Ductus deferens.

Welche Hormone werden aus den Leydig Zellen gebildet, welche aus den Seroli-Zellen?

Leydig Zellen: Synthese von Testosteron

Sertoli-Zellen: Synthese von AMH (Anti-Müller-Hormon) 

Was sind die Rete Testis?

Die Rete Testis ist ein Netzwerk von verbindenden Kanälchen im Hoden, welches die Samenkanälchen (Tubuli semminiferi mit den Urnierenkanälchen (Durctus efferentes) verbinden. Letzterer mündet in den Wolff Gang ein (Ductus mesonephreticus).

Was ist die Tunica Albuginea und was ist ihre eine Aufgabe?

Die Tunica Albuginea ist eine Bindegewebsschicht, die die Hodenstränge vom Oberflächenepithel trennt. Sie ist charakteristisch für die Hoden.

Was bewirkt das AMH und wofür steht die Abkürzung?

AMH = Anti-Müller-Hormon

Es wird aus den Sertoli Zellen sezerniert und bilden den Müller Gang (Ductus paramesonephreticus) zurück. 

Überbleibsel bilden Hodenanhangsgebilde und Utriculus prostaticus (kleine Vertiefung an der Spitze des Samenhügels).

Wann verbinden sich die Hodenstränge mit dem Ductus deferens (Wolff Gang) und wie?

Erst im dritten Monat besteht der Kontakt über die Rete Testis (?)

Wie verläuft die Entwicklung des Ovars und wie ist der zeitliche Ablauf?

In der 7. Entwicklungswoche zerfallen die primären Keimzellen (Markstränge) und neu entstehen Rindenstränge aus proliferierendem Oberflächenepithel. Im 4. Monat zerfallen die Rindenstränge in isolierte Zellhaufen. Die Keimzellen entwickeln sich zu Oogonien, während die umhüllenden, vom Oberflächenepithel abstammenden Epithelzellen der Rindenstränge zu Follikelzellen werden.

Was entsteht dort, wo sich der Ductus paramesonephreticus trifft? Was entsteht darunter?

Wo führt der kraniale Teil des Müller-Gangs hin?

Die Gebärmutter entsteht dort, wo der Ductus paramesonephreticus zusammenkommt. Unterhalb entsteht die Vagina. 

Die Vereinigung der paramesonephretischen Gängen passiert an der Harnröhre des Beckens. Der kraniale Teil des Müller-Kanals öffnet sich zur Zölomhöhle.

Was nimmt die Genitalleiste und damit auch die Müller-Gänge in einem zweiten Schritt für einen Verlauf?

Die Genitalleiste nimmt mit den Müller-Gängen einen mediokaudalen Verlauf und verlagern sich so in eine Transversalebene. Wo die Müller-Gänge sich in der Mitte treffen, entsteht eine breite, transversal verlaufende Falte (Lig. latum uteri).

Wohin münden die beiden Spitzen der Müller-Gänge? Was passiert danach?

Die Spitzen der Müller-Gänge treffen am Ende des 3. Monats auf den Sinus urogenitalis. Das Material der Vaginalplatte (Übergang der beiden Gänge) schaltet sich zwischen Uterus und Sinus urogenitalis ein. Die Vagina und die Scheidengewölbe sind durch Aushöhlung der Vaginalplatte entstanden. Das einzige Überbleibsel ist das Hymen (Jungfernhäutchen).

Aus welchen zwei embryonalen Strukturen leitet sich die Vagina ab?

Der obere Abschnitt entsteht aus den Müller-Gängen, der untere aus dem Sinus urogenitalis.

Woraus entsteht das Hymen (Jungfernhäutchen)?

Das Lumen der Vagina wird gegenüber dem sinus urogenitalis durch eine dünne Gewebeplatte, das Hymen, abgetrennt. Es ist sehr fein und reisst schnell.

Woraus entwickeln sich die äusseren Genitalien (indifferentes Stadium)?

Die Entwicklung der äusseren Genitalien geht von den Kloakenfalten aus. Diese entstehen in der 3. Woche durch eine Verdichtung des Mesenchyms unter dem Oberflächenepithel, das aus dem Primitivstreifen stammt und beiderseits von der Kloakenmembran in die Region einwandert.

Was entsteht aus den Genitalwülsten ausserhalb der Urethralfalten?

Frau: Labia majora

Mann: Skrotalwülste

Wie und woraus entwickelt sich der Penis beim Mann? Wie ist der zeitliche Ablauf?

Es kommt zu einer Verlängerung des Genitalhöckers. Die Urogenitalmembran schliesst sich dann auf der unteren Seite des Penis. Die Urethra des Penis entsteht (im 3. Monat), welche jedoch nicht bis zur Spitze des Phallus reicht. Im 4. Monat wird der distale Teil der Urethra dadurch gebildet, dass Ektodermzellen von der Spitze des Penis nach innen wandern und einen kurzen Epithelstrang bilden, der auf das Urethrallumen zuwächst. 

Wie entstehen die Hoden?

Die beiden Skrotalwülste verlagern sich nach kaudal und sind durch das Skrotalseptum abgetrennt.

Woraus entsteht die Klitoris? Wie und woraus entstehen die Labia minora und majora?

Der Genitalhöcker verlängert sich bei der Frau nur wenig und wird zur Klitoris.

Die Urethralfalten verschmelzen nicht wie beim männlichen Geschlecht, sondern entwickeln sich zu den Labia minora. Die Genitalwülste vergrössern sich erheblich und bilden die Labia majora.

Was ist das Gubernaculum Testis und wofür ist es verantwortlich?

Es handelt sich um einen Bindegewebsstrang, der vom kaudalen Keimdrüsenpol bis in den Skrotalwulst hineinreicht. 

Über dieses Gubernaculum geschieht der Descensus testis, der genaue Mechanismus ist noch nicht geklärt. Es kommt zu einem Durchtritt durch den Leistenkanal und anschliessend eine Verlagerung des Hodens in das Scrotum (etwa in der 33. Woche).

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