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Sprache Deutsch
Stufe Universität
Erstellt / Aktualisiert 28.12.2019 / 28.12.2019
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Begriff Deontologisch

Terminologie: „deon“ griechisch: Pflicht, das Gesollte. Eine ethische Theorie, die grundlegend von Pflichten/Verpflichtungen ausgeht, heisst „deontologisch“. Wir sprechen statt einer deontologischen ethischen Theorien auch einfach von einer deontologischen Ethik.

Genaue Definition: Eine ethische Theorie heisst deontologisch, wenn die Richtigkeit einer Handlung nach ihr nicht bloss vom Wert der Konsequenzen abhängt (dann Gegenteil von Konsequentialismus)

 

Deontologische Ethik:
bezeichnet eine Klasse von ethischen Theorien, die den moralischen Status einer Handlung nicht nur anhand ihrer Konsequenzen bestimmt. Bestimmte Handlungen können daher als intrinsisch gut oder schlecht bezeichnet werden 

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  • Begriff des kategorischen Imperativs
  • "Imperativ" nach Kant
  • "kategorisch/hypothetisch" nach Kant
  • Beispiele

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Das oberste Prinzip wird von Kant „kategorischer Imperativ“ genannt. (Damit ist ein Prinzip gemeint, mit dem man in jeder Situation entscheiden kann, welche Handlungsoption richtig ist)

Kants Thesen:

  • aus einem kategorischen Imperativ folgt moralische Norm. Diese Normen gelten kategorisch, d.h. unabhängig von dem, was der Akteur will.
  • es gibt letztlich nur einen einzigen kategorischen Imperativ.
  • lässt isch in unterschiedlichen Formulierungen ausdrücken, die aber letztlich gleichbedeutend sind: Universalisierungsformel und Zweck-Mittel-Formel.

 

Imperativ: Für Kant ist ein Imperativ ein Satz, der ausdrückt, dass etwas praktisch notwendig ist. (Imperativ ist ein Befehl, etwas, dass notwendig ist, also ist mit praktisch notwendig eine notwendige Handlung gemeint?)

Hypothetischer Imperativ: Steht unter der Bedingung eines gegebenen Ziels. (notwendig um ein Ziel zu erfüllen.)
Bsp.: Wenn du heute noch nach Genf willst, musst du jetzt zum Zug gehen.
 

Kategorischer Imperativ: Steht nicht unter der Bedingung eines gegebenen Ziels. (geht nicht darum ein Ziel zu erfüllen, allgemein notwendig.)
Bsp.: Du musst Menschen in Not helfen.

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Universalisierungsformel

Verletzung vollkommener und unvollkommener Pflichten nach der Universalisierungsformel

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Die Universalisierungsformel

“handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.”

  • “Maxime”: Vorsatz einer Person, der eine gewisse Allgemeinheit hat und daher öfter angewandt werden kann (z.B. Müll aus dem Fenster werfen.).
  • “daß sie ein allgemeines Gesetz werde”: Universalisierung: Man stellt sich vor, dass jeder nach dieser Maxime handelt.

Bsp. Verletzung vollkommener Pflicht: Maxime: "Verprechen nicht halten."

Bsp. Verletzung unvollkommener Pflicht: Maxime: "Ich helfe anderen Menschen in Not nicht."

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Zweck-Mittel-Formel

Verletzung vollkommener und unvollkommener Pflichten

Die Zweck-Mittel-Formel

“Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest"

Kant: Jeder Mensch ist ein Selbstzweck. Daher muss er und daher müssen die Zwecke, die er sich setzt, angemessen berücksichtigt werden.

  • Bsp. 1: Wenn ich einen anderen Menschen z.B. bestehle, dann gebrauche ich ihn bloss als Mittel zur Befriedigung meiner Wünsche. Ich nutze ihn aus. Der bestohlene Mensch wird nicht als solcher respektiert, sondern instrumentalisiert.
  • Bsp. 2:  Ein schwer verletzter Motorradfahrer wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Seine Organe sind aber gesund, und er kann wieder vollständig geheilt werden. Im Krankenhaus befinden sich auch fünf Patienten, die alle unbedingt auf unterschiedliche Spendenorgane angewiesen sind.
    • H1: Die diensthabende Ärztin „opfert“ den Motorradfahrer; die Organe werden an die fünf Patienten weitergegeben.
    • H2: Die Ärztin operiert den Motorradfahrer, die anderen Patienten bekommen keine Spenderorgane von ihm.
    • Kant: Mit H1 wird der Motorradfahrer instrumentalisiert und seines Selbstzweckcharakters beraubt. Daher darf die Ärztin den Motorradfahrer nicht „opfern“. Sonst verletzt sie eine vollkommene Pflicht.
    • Die Ärztin hat zwar auch Hilfspflichten, aber diese sind unvollkommen und daher weniger wichtig.
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Rechte: Struktur

Grundlegende Struktur:  S hat ein Recht auf R. (S: Rechtssubjekt, R: Inhalt des Rechtes)

Beispiele:

  • Rechtssubjekte sind meist einzelne Menschen, teilweise aber auch Vereine, Unternehmen etc., eventuell auch Tiere (s. unten)
  • Rechte: Recht auf Leben, Recht auf Arbeit (umstritten)
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Rechte: Zusammenhang zu Pflichten

Idee: Entwickle eine Auffassung der allgemeinen Ethik, die von Rechten ausgeht.

=> Rechten korrespondieren Pflichten. (Meine Rechte sind deine Pflichte, deine Rechte sind meine Pflichten.)

Idee: Entwickle eine Auffassung der allgemeinen Ethik, die von Pflichten ausgeht: deontologische Ethik

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  • Naturrechte
  • Vertragstheorie der Moral (Rechte als Teile eines Vertrags bzw. Kontraktualismus)

Naturrechte:

  • Vertreter: John Locke (1632-1704)
  • Idee: Der Mensch hat von Natur aus Grundrechte. Diese ergeben sich aus dem Wesen des Menschen, insbesondere seiner Vernunftnatur (der Mensch als das „animal rationale“, das vernünftige Lebewesen).
  • Welche Rechte der Mensch hat, kann durch Vernunft eingesehen werden.

Kontraktualismus:

  • Vertreter: T.M. Scanlon (geb. 1940)
  • Grobe Idee: Die Moral ist eine Art Vertrag, den wir implizit geschlossen haben oder implizit schliessen sollten, weil er jedem Menschen nützen würde.
  • Gegenbild: «Naturzustand»: keine Geltung der Moral.
  • Rechte: Der Vertrag gibt den Menschen Rechte wie das Lebensrecht. Begründung: Ein System von Grundrechten hilft jedem Menschen.
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Anwendung auf Tiere:

  • Anthropozentrismus

Frage: Dürfen wir Tierversuche durchführen, z.B. um das menschliche Gehirn besser zu verstehen?Erste Antwort der deontologischen Ethiken: Ja.
Beispiel: Zweck-Mittel-Formel von Kant: Durch Tierversuche werden keine Menschen instrumentalisiert.
 

Antrhopozentrismus:

  • Hintergrund: Die deontologische Ethik ist in der Regel klar auf den Menschen zentriert (anthropozentrisch).
  • Definition: Eine ethische Theorie ist anthropozentrisch, wenn sie nur Menschen intrinsischen Wert bzw. Rechte zugesteht.
  • Die Zweck-Mittel-Formel des kategorischen Imperativs bezeichnet zum Beispiel nur den Menschen als Selbstzweck.
  • Trotzdem kann sich eine anthropozentrische Ethik gegen Tierquälerei aussprechen. Die Begründung ist dann indirekt: Es werden z.B. Menschenrechte verletzt, wenn Tiere gequält werden.
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Anwendung auf Tiere:

  • Tierrechte
    • 1 Argument pro Tierrechte

Argument pro Tierrechte:

  • P1: Menschen haben Rechte auf x, y, z.
  • P2: Bestimmte Tiere (T) unterscheiden sich nicht in relevanter Hinsicht von Menschen.
  • K: Auch die Tiere T haben Rechte auf x, y, z.

Variante des Arguments:

  • P1: Menschen haben Rechte auf x, y, z nur, weil sie über das Kennzeichen K verfügen (Vernunft besitzen …). Das heisst, Kennzeichen K ist hinreichend für das Haben von Rechten.
  • P2: Bestimmte Tiere (T) verfügen über das Kennzeichen K.
  • K: Auch die Tiere T haben Rechte auf x, y, z.
    (Regan: Das Kennzeichen ist, «empfindende Subjekt eines Lebens» zu sein.)

 

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Anwendung auf Tiere:

  • Tierrechte
    • 1 Argument gegen Tierrechte
  • Reziprozität

Argument gegen Tierrechte:

  • P1: Ein Wesen kann nur dann Rechte haben, wenn es über Kennzeichen K verfügt (d.h. K ist notwendig für das Haben von Rechten).
  • P2: Tiere verfügen nicht über das Kennzeichen K.
  • K: Tiere haben keine Rechte.

Idee: Reziprozität: Ein Wesen hat nur dann Rechte, wenn es auch Pflichten gegen andere hat.

  • Begründung: Wenn die anderen Rechte haben, dann habe ich Pflichten, die Rechte nicht zu verletzen. Nun wäre es aber unfair, wenn ich nur Plichten, aber keine Rechte hätte. Also habe ich Rechte. Dann haben aber die anderen Pflichten, diese Rechte nicht zu verletzen. Es folgt: Wen die anderen Rechte haben, haben sie Pflichten.
  • Bedingungen für Plichten: Ein Wesen hat nur Pflichten, wenn es diese Pflichten erkennen kann; wenn es nach diesen Pflichten handeln kann; => Zusammenfassung: Moralfähig sein.
    • Tiere sind nicht moralfähig.
    • Wenn K Moralfähigkeit ist, dann kann man gegen die Rechte von Tieren argumentieren.

Argument gegen Tierrechte: Kontraktualismus

  • P1: Rechte ergeben sich nur aus einem Vertrag, der den Vertragspartnern gleiche Rechte und Pflichten zuspricht.
  • P2: Tiere können keine Vertragspartner werden (weil ihnen dazu die kognitiven Fähigkeiten fehlen).
  • K: Tiere haben keine Rechte.
  • Problem: Menschen, die nicht über die Fähigkeiten zu Moral und Verträgen verfügen: Komatöse Menschen, Säuglinge, Menschen mit schweren geistigen Behinderungen. Die Argumente gegen Tierrechte lassen sich auch auf diese Menschen übertragen. Dann haben sie aber keine Rechte mehr.
  • Mögliche Lösung: Man begründet die Menschenrechte für diese Personen unter Rekurs auf die Spezies Mensch. Dann aber Vorwurf: Speziesimus (Bevorzugung der eigenen Spezies). Wenn dieser Vorwurf akzeptiert wird, funktionieren die oben genannten Argumente gegen Tierrechte nicht mehr.

Status von Tieren ist weiter Gegenstand von philosophischer Diskussion.