Diabetes
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Diabetes: Definition und Einteilung
Diabetes mellitus (honigsüsser Durchfluss) bezeichnet eine Gruppe heterogener metabolischer Erkrankungen mit dem gemeinsamen Merkmal einer chronischen Hyperglykämie.
Wichtigste Vertreter sind Typ1 und Typ2.
Typ1: absoluter Insulinmangel (autoimmunvermittelt), häufigkeit 10-20%, Krankheitsbeginn ist eine akute Dekompensation meistens zwischen 15.-24. Lebensjahr, typischer Patient ist normalgewichtig, labile Stoffwechsellage, HLA-Assoziation
Typ2: periphere Insulinresistenz, Insulinsekretion zu Beginn kompensatorisch aber später abnehmend, häufigkeit 80-90%, Krankheitsbeginn schleichend meistens über 40j., typischer Patient ist übergewichtig, stabile Stoffwechsellage, keine HLA-Assoziation (aber starke genetische Disposition!)
Typ3: spezifische Diabetestypen, Bsp. genetische Defekte, Pankreaserkrankungen, Medikamenteninduziert (Steroiddiabetes -> Glukoneogenese wird gefördert)
Typ4: Schwangerschaftsdiabetes (Hormonveränderung in der SS ändert den ganzen Metabolismus, Insulinresistenz kann passieren, körper muss Insulinsekretion erhöhen um dies auszugleichen)
Symptome der Diabetes
- Müdigkeit, Leistungsminderung
- Gewichtsverlust (bei absolutem Insulinmangel), v.a. bei Typ1
- Glukosurie -> Polyurie (Harnausscheidung î)
- Polydipsie (Durst î)
- Störungen im Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt -> Wadenkrämpfe: Kalium- und Magnesiummangel; Sehstörungen: osmotisch bedingtes Aufquellen der Linse
- Pruritus
=> DM2 manifestiert sich meistens schleichend und unbemerkt! Oft führen erst erhöhte Blutzuckerwerte bei einer Routineuntersuchung oder die Manifestation einer Folgeerkrankung zur Diagnose.
Hyperglykämisches Koma (Coma diabeticum) [Diabetische Komplikationen]
Auslöser
Symptome
Therapie
= akute Überzuckerung
Auslöser: ungenügende Insulinzufuhr; erhöhter Insulinbedarf (akute Erkrankungen, schwere körperliche Anstrengung, Glukokortikoidtherapie)
Insulinmangel
- Hyperglykämie -> Polyurie -> Hypovolämie
- Lipolyse î -> Ketonkörperbildung -> Ketoazidose (v.a. DM1)
Symptome:
- Polyurie, Polydipsie*, Dehydratation
- Übelkeit, Erbrechen
- Bewusstseinstrübung
- Bei Ketoazidose zusätzlich Bauchschmerzen, nach Aceton riechender Atem, Kussmaulatmung
*Polydipsie = athologisch gesteigertes Durstgefühl, das mit übermäßiger Flüssigkeitsaufnahme durch Trinken einhergeht
Therapie (intensivmedizinisch): Flüssigkeitssubstitution (NaCl 0.9%), Insulin, evtl. Bicarbonat (Ausgleich der Azidose)
Mikroangiopathie [Diabetische Komplikationen]
Was?
Folgen, Fazit
= Schädigung der kleinen Gefässe (Arteriolen, Kapillaren)
Folgen: (Diabetische...)
- Nephropathie (Nierenschaden) -> bei der Therapie beachten!
- (Mikro-)Albuminurie, später progrediente Niereninsuffizienz
- Retinopathie (Sehverschlechterung bis Verblindung)
- Neuropathie
- Periphere sensomotorische Polyneuropathie (v.a. Füsse und Unterschenkel): Parästhesien, brennende Schmerzen, weniger Sensibilität, Gangunsicherheit
- Autonome diabetische Neuropathie (betrifft vegetatives Nervensystem): Orthostatische Hypotonie, Herzrhythmusstörungen, weniger Schmerz bei Koronarischämie*, Gastroparese, Blasenentleerungsstörungen, erektyle Dysfunktion etc.
*fast schmerzlose Herzinfarkte
=> Entscheidend zur Vorbeugung ist eine gute Blutzuckereinstellung!
Makroangiopathie [Diabetische Komplikationen]
Definition, Folgen
= Schädigung der mittleren und grossen Arterien (Form der Arteriosklerose)
Folgen:
- koronare Herzkrankheit (KHK), Myokardinfarkt (MI)
- Transiente ischämische Attacke (TIA), cerebrovaskulärer Insult (CVI)
- periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
=> 75% der Diabetiker versterben an kardiovaskulären Komplikationen!
Diabetischer Fuss [Diabetes Komplikationen]
Auslöser, Pathogenese, Prävention
Verletzungen am Fuss, die zu Ulcera und Nekrosen führen, welche Ausgangspunkt lebensgefährlicher Infektionen sein können und möglicherweise eine Amputation erfordern.
Auslöser: oftmals Bagatellverletzungen
Pathogenese: multifaktoriell (Diabetische Neuropathie [Verletzungen weniger spüren, verlangsamte Wundheilung], PAVK, Reduzierte Immunabwehr)
Prävention: Tägliche Fusspflege, Verletzungen vermeiden, regelmässige Fussinspektion und ggf. fachgerechte Wundbehandlung
Diagnostische Kriterien des Diabetes
- Nüchternglukose
- 2h-Wert des oGTT
- Gelegenheitsglukose
- HbA1c
Bei Patienten ohne Diabetessymptome sind zur Diagnosesicherung zwei abnorme Testresultate notwendig (gleiche Blutprobe oder zwei verschiedene Blutproben).
Diabetes: Nüchternglukose >7.0mmol/L ; 2h-Wert oGTT >11.1mmol/L ; Gelegenheitsglukose >11.1mmol/L + Diabetessymptome ; HbA1c >6.5%
Gesund: Nüchternglukose <5.6mmol/L ; 2h Wert des oGTT <7.8mmol/L ; HBA1c <5.7%
-> alles dazwischen ist Prädiabetes
Therapieziel Diabetes
Zielwert? Von was hängt dieser ab?
Höchstes Ziel ist die Blutzuckerkontrolle! Dies geschieht aber individuell.
Für die meisten Patienten gilt ein HbA1c-Zielwert von <7.0%. Abhängig von verschiedenen Faktoren kann ein höherer oder tieferer Zielwert angestrebt werden.
=> Tiefere HbA1c-Zielwerte gehen mit einem erhöhten Hypoglykämie-Risiko einher! Tiefer ist nicht immer besser!!!
Der Zielwert ist abhängig von:
- Dauer der Krankheit
- Risiko einer Hypoglykämie und anderer Nebeneffekte
- Lebenserwartung
- Vaskuläre Probleme?
- Einstellung des Patienten
- Ressourcen
Andere Zielwerte: Blutglukose präprandal 4.4-7.2mmol/L, postprandial <10mmol/L.
Hypoglykämie
Definition und Einteilung
Bei Diabetikern ist die Hypoglykämie eine Blutglukose =< 3.9mmol/L.
Der Blutglukosewert, ab dem Symptome aufteretn, kann abhängig von der Blutzuckereinstellung variieren (geringer bei gut eingestellten).
Entscheidend für die Einteilung des Schweregrades und die entsprechende Therapie ist die Symptomatik (immer Blutzucker <3.9mmol/L):*
- Leicht: Adrenerge Symptome, Patient kann Blutzucker selbst korrigieren.
- Mittelgradig: BAdrenerge und neuroglykopenische Symptome. Der Patient kann selber korrigieren.
- Schwer: Blutzucker oft <2.8mmol/L. Schwere neuroglykopenische Störungen (Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen). Der Patient braucht fremde Hilfe um den Blutzucker zu korrigieren.
- Unbemerkt (asymptomatisch): Keine typischen Symptome.
*diese Werte gelten für Patienten unter blutzuckersenkender Therapie
Hypoglykämie: körpereigene Gegenregulationsmechanismen
Bauchspeicheldrüse: Insulin runter, Glukagon rauf
Gehirn: Wachstumshormon rauf, Kortisol rauf, Sympathikus und Adrenalin rauf
==> Glykogenolyse in der Leber, Glukoneogenese in Leber und Nieren, weniger Glukoseverbrauch in der Peripherie, Magenentleerung schneller, zerebrale Durchblutung erhöht
Symptome einer Hypoglykämie
zwei Hauptgruppen und Details
-> Massnahmen
Die Symptome sind Folge der Gegenregulationsmechanismen:
- adrenerg*: zittern, palpitationen, schwitzen, angst, heisshunger, übelkeit, parästhesien
- neuroglykopenisch**: Konzentrationsschwäche, Verringerung der intellektuellen Fähigkeiten, Reizbarkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Verwirrtheit, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, Koma, Tod
*Problem bei b-Blocker, diese können die adrenergen Hypoglykämiesymptome maskieren!
**Problem beim Autofahren!
-> Massnahmen: Schnell resorbierbare Zucker (Traubenzucker, Riegel, 3 Blevita, Organgensaft, Honig, Sirup, Cola***; KEINE SCHOKOLADE [langsam resorbiert!])
***nicht light!
Diabetes Mellitus Typ 1: Grundsätzliches zur Therapie
=> Alle Typ-1 Diabetiker benötigen Insulin
- Basalinsulin + Bolusinsulin ("Mahlzeiteninsulin") ODER
- kontinuierliche s.c. Insulininfusion (Insulinpumpe)
Ergänzende Therapieoptionen (wenig Evidenz):
- Metformin
- SGLT2-Inhibitoren (off label)
- DPP4-Inhibitoren (off label)
Therapie Diabetes mellitus Typ2: Lebensstilmodifikation
- HbA1c Senkung
- Medikamente?
- HbA1c-Senkung bis zu 2% möglich! (besser als die meisten Medikamente!)
- ev. initialer Versuch während 3 Mt, bevor Medikamente eingesetzt werden (falls Patient motiviert und HbA1c < 8.5%); längerfristig aber nur bei 10-20% aller Patienten möglich
- Zusätzlich zur Pharmakotherapie sollten alle Patienten Lifestylemodifikationen vorsehen
Diabetes Typ2: Wirkstoffgruppen
-> welche und wo wirken sie?
Grundprinzipien der Therapie
- Glinide (Pankreas)
- Insulin (Pankreas)
- Sulfonylharnstoffe (Pankreas)
- GLP1 (Gehirn)
- Glitazone (Muskel)
- SGLT-2 Hemmer (Niere)
- Metformin (Leber)
- a-Glukosidase-Hemmer (Darm)
- DPP4-Hemmer (Darm)
- GLP1 Antagonisten (Darm)
Monotherapie: 1. Wahl bei DM2 ist Metformin [Glucophage], sofern keine Kontraindikation (falls nach 3Mt nicht gut eingestellt->)
Duale Therapie: Zusätzlich 1 weiterer Wirkstoff, abhängig von Komorbiditäten und Patientenpräferenz (falls nach 3 Mt nicht gut eingestellt->)
Dreifache Therapie: Zusätzlich 1 weiterer Wirktoff ''blablabla
Kombinierte Injektionstherapie:
- Basalinsulin + GLP1-Analogon ODER
- Basalinsulin + Bolusinsulin (ODER Mischinsulin)
- Metformin soll beibehalten werden, andere OAD werden meist abgesetzt
Metformin
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Wirkmechanismus: v.a. in der Leber
- Hepatische Glukoseproduktion (Glukoneogenese) ↓
- Zelluläre Glukoseaufnahme î
- Verzögerung der intestinalen Glukoseresorption, postprandiale Glukosebelastung ↓
Wirksamkeit:
- HbA1c ↓ um 1-2%
- Miskrovaskuläre Komplikationen ↓ (Retinopathie, Nephro- und Neuropathie)
- Makrovaskuläre Komplikationen ↓ (langzeit), daher Gesamtmortalität ↓ [grosses Plus für Metformin, daher ist dies 1. Wahl]
Dosierung:
- Normale Nierenfunktion: initial 500-1000mg/d, langsam steigern bis max 3g/d (optimal sind 2g/d)
- Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 30-59 ml/min, <30 ml/min = KI! [Akkumulation], initial 500-850mg/d, langsam steigern bis max. 1g/d
UAW:
- GI-UAW (dosisabhängig): Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Bauchschmerzen (Einschleichen, Einnahme während oder nach dem Essen)
- Metallgeschmack
- Laktatazidose (relativ selten, aber sehr schwer!)
- RF: Nieren- und Leberinsuffizienz, Alkoholabusus, Situationen die mit Hypoxie einhergehen wie Herzinsuffizienz, MI, Sepsis
- Intestinale Vit. B12 Aufnahme ↓, nach Jahren kann sich ein Mangel manifestieren
IA: kein Metabolismus, unveränderte Ausscheidung im Urin (daher keine pharmakokinetischen Interaktionen)
- Blutzuckersenkende Wirkung ↓: Glukokortikoide, b2-Sympathomimetika, Diuretika, Östrogene, Schilddrüsenhormone u.a.
- Blutzuckersenkende Wirkung î: b-Blocker, Antidiabetika, Alkohol
- Risiko Laktazidose î: Arzneistoffe, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen können (z.B. Diuretika, iodhaltige Kontrastmittel -> Spital)
KI: Situationen, in welchen das Laktazidose-Risiko erhöht ist
- Schwere Niereninsuffizienz (Keratinin-Clearance <30 ml/min) und akute Zustände, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen können
- Leberinsuffizienz, Alkoholismus
- Krankheiten, welche eine Gewebshypoxie verursachen können (Herzinsuffizienz, respiratorische Insuffizienz, kürzlich rückliegender MI, Sepsis, Schock)
Sulfonylharnstoffe: Diabetes 2 Therapie
Präparat der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Gliclazid (DiamicronMR) + Generika
-> nur noch Monopräparate, die Kombipräparate sind ausser Handel!
Wirkmechanismus: Insulinsekretion î aus den b-Zellen des Pankreas (ATP-abhängige Kaliumkanäle der b-Zellmembran werden blockiert)
Wirksamkeit:
- HbA1c ↓ um 1-2%
- Mikrovaskuläre Komplikationen ↓
- Makrovaskuläre Komplikationen -> keine Senkung erreicht
Dosierung: Gliclazid (Diamicron) 1x30-120mg/d zum Frühstück
UAW:
- Hypoglykämien (tiefstes Risiko für Gliclazid): auf regelmässige Mahlzeiten achten!
- Gewichtszunahme
- Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörungen, Hautreaktionen (SHS sind Sulfonamidderivate!)
IA: SHS sind 2C9-Substrate
(pharmakodynamische Interaktionen: gleiche wie Metformin -> blutzuckersenkdende Wirkung ↓, blutzuckersenkende Wirkung î)
KI:
- schwere Niereninsuffizienz
- schwere Leberinsuffizienz
- Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden (Kreuzallergien mit anderen Sulfonamiden (Thaziddiuretika, Cotrimoxazol) möglich)
- Schwangerschaft und Stillzeit
Glinide: Therapie der DM2
Präparate der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Nateglinid (Starlix) -> kaum mehr Stellenwert
Wirkmechanismus: Insulinsekretion î aus b-Zellen im Pankreas (Blockiert ATP-abhängige K-Kanäle)
Wirksamkeit: HbA1c ↓ um 0.5-1.5% (etwas weniger als Metformin und SHS), keine Endpunktstudien
Dosierung: Glinide wirken schneller und kürzer als SHS -> auf Tabletteneinnahme sollte innert 30' eine Hauptmahlzeit erfolgen (ohne Mahlzeit keine Tablette!) Nateglinid (Starlix)=120mg vor jeder Hauptmahlzeit
UAW:
- Hypoglykämien
- Gewichtszunahme
IA: NAteglinid ist ein Subtrat von 2C9, Repaglinid von 3A4 und 2C8
(PD-Wirkung gleich wie SHS und Metformin; Blutzuckersenkende Wirkung ↓ und î)
KI:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Repaglinid:
- Komedikation mit Gemfibrozil (2C8-Inhibitor)
- Schwere Leberfunktionsstörungen
DPP-4-Inhibitoren (Gliptine)
Präparat der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Sitagliptin (Januvia), gibt Kombipräparate mit Metformin (Janumet etc.)
Wirkmechanismus: Hemmung der DPP-4, Inkretine im Darm î [Sättigungsgefühl], glukoseabhängige Insulinsekretion î und Glukagonsekretion ↓ => bei tiefem Blutzucker wird weder die Insulin- noch die Glukagonsekretion beeinflusst!
Wirksamkeit: HbA1c ↓ um 0.5-0.8% etwas geringer als Metformin und SHS, keine Reduktion von mikro- und makrovaskulären Komplikationen gezeigt
Dosierung: Sitagliptin (Januvia) 1x100mg/d mit oder ohne Mahlzeit [Dosisreduktion erforderlich bei NI!]
UAW: insgesamt relativ gute Verträglichkeit!
- keine Hypoglykämien + keine Gewichtszunahmen!
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- GI-UAW
- Pankreatitis
- Herzinsuffizienz (Saxagliptin, Alogliptin)
IA:
- Sitagliptin, Vildagliptin, Alogliptin: keine klinisch relevanten IA (nicht über CYPs metabolisiert)
- Linagliptin: 3A4 Substrat, nicht mit CYP-Induktoren kombinieren
- Saxagliptin: 3A4 Substrat, aber keine klinisch relevanten IA beschrieben
KI: keine relevanten KI
Thiazolidindione (Glitazone) - DM2 Therapie
Präparat der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Pioglitazon (Actos); fast keinen Stellenwert mehr
Wirkmechanismus: "Insulin-Sensitizer": PPARy-Kernrezeptoren [Transkriptionsfaktoren] werden aktiviert
Wirkamkeit: HbA1c um 0.5%-1.4% (verzögerter Wirkeintritt, max. WIrkung erst nach ca. 8 wochen, Gene müssen zuerst gelesen werden!); Makrovaskuläre Komplikationen ↓?
Dosierung: 1x15-30mg/d (max. 1x/45mg/d) mit oder ohne Mahlzeit
UAW:
- Gewichtszunahme
- Flüssigkeitsretention (Risiko erhöht in Kombi mit Insulin î)
- Ödeme
- Auftreten oder Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
- Frakturen
- Makulaödem
- Leberfunktionsstörungen
- Blasenkrebs (Risiko scheint zu steigen mit kumulativer Dosis)
IA: Substrat von CYP2C8
- Gemfibrozil (Inhibitor): Pioglitazon î
- Rifampicin (Induktor): Pioglitazon ↓
- NSAR: Risiko für Herzinsuffizienz und Ödeme î
KI:
- Herzinsuffizienz NYHA III und IV
- Mittlere bis schwere Leberinsuffizienz
- Blasenkrebs in Anamnese
- Schwangerschaft und Stillzeit
SGLT2-Inhibitoren: Gliflozine
Präparat der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
Empagliflozin (Jardiance) - Teil der Standardtherapie: gut kennen!!! (Mono- und Kombipräparate)
Wirkmechanismus: Renale Rückresorption von Glukose ↓, Glukoseausscheidung î (Hemmung des SGLT-2 Transporters im proximalen Tubulus) [S = sodium = Na]. Wirkung ist abhängig von der Blutzuckerkonzentration und Nierenfunktion! (bei einer Kreatininclearance < 45ml/min gibt es kein klin. relevanter Effekt!)
Wirksamkeit:
- HbA1c ↓ um 0.5-1.0%
- Blutdruck ↓ wegen diuretischem Effekt, Gewicht ↓
- Mikrovaskuläre Komplikationen (Nephropathie) ↓
- Makrovaskuläre Komplikationen ↓ Risikoreduktion ist hier deutlich gezeigt!
- Kombinationsendpunkt "MACE" (major adverse cerdiovascular event), kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher MI oder nicht-tödlicher Schlaganfall ↓
- Kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität ↓
- Hospitalisationen aufgrund von Herzinsuffizienz ↓ (bei Diabetikern eine häufige Komplikation)
Dosierung: Empagliflozin (Jardiance) 1x10-25mg/d mit oder ohne Mahlzeit
Niereninsuffizienz: SGLT2-Inhibitoren sollten nicht eingesetzt werden, falls die Creatinin-Clearance dauerhaft <45ml/min liegt, da sie bei eingeschränkter Nierenfunktion voraussichtlich nicht mehr wirksam sind und das Risiko für UAWs höher ist.
SGLT2-Inhibitoren
- UAW
- IA
- KI
Gliflozine -> Empagliflocin (Jardiance)
UAW:
- Harnwegs- und Genitalinfektionen (erhöhte Glukosekonzentration im Harn)
- Vermehrtes Wasserlassen (osmotische Diurese) -> Volumenmangel
- Dehydratation
- Orthostatische Hypotonie -> Schwindel, Synkopen, Stürze
- LDL-Cholesterin î
- Diabetische Ketoazidose (teilweise atypisch mit nur mässig erhöhtem Blutzucker)
- Mechanismus unbekannt
- Risikofaktoren: KHarme Ernährung, Fasten, akute Erkankungen, Dehydratation, DM1, Alkoholmissbrauch, Reduzierung der Insulindosis
- Knochenfrakturen (Canagliflozin)
- Risiko für Amputationen der unteren Gliedmassen î (Canagliflozin)
IA: Metabolismus primär durch Glukuronidierung, daher weniger Interaktionen
- Diurese und Risiko für Dehydratation/Blutdruckabfall î: Diuretika
- Hypoglykämie-Risiko î: Insuline, SHS
KI: keine relevanten KI (Überempfindlichkeit gegenüber Wirk- bzw. Hilfsstoffen)
a-Glukosidase-Inhibitoren (DM2)
Präparat der 300er Liste
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung
- UAW
- IA
- KI
Acarbose (Glucobay)
Wirkmechanismus: Verzögerte Glukoseresorption im Darm -> postprandialer Blutzucker ↓ (Hemmung der intestinalen a-Glukosidasen, Enzyme die Glukose von Mehrfachzuckern abspalten)
CAVE: Bei Hypoglykämie anstelle von Haushaltszucker (Di-) Traubenzucker (Monosaccharid) verwenden!
Wirksamkeit: HbA1c ↓ um ca. 0.5-1%, kaum Daten aus Endpunktstudien
Dosierung: Initial 3x50mg/d, dann steigern auf 3x100 (-200) mg/d zu den Hauptmahlzeiten
UAW:
- GI-UAW (dosisabhängig): Meteorismus*, Bauchschmerzen, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen -> Therapie einschleichen, hohe Dosen vermeiden
- Anstieg der Leberenzyme
*Darmblähungen, Blähbauch
IA: kaum Resorption nach oraler Aufnahme
- Wirkung von Acarbose ↓: Verdauungsenzyme (zb Amylase), Kohlepräparate, Colestyramin
KI:
- schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 25ml/min)
- chronische Darmerkrankungen, die mit deutlichen Verdauungs- und Absorptionsstörungen einhergehen
- Zustände, die sich durch eine vermehrte Gasbildung im Darm verschlechtern können (z.B. Verengungen des Darms)
GLP-1-Analoga: Therapie der DM Typ2
Präparat der 300er Liste
- Limitatio
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung und Lagerung
Liraglutid (Victoza)
Limitatio: Kostenübernahme durch die Krankenversicherung nur für Patienten mit BMI >28 kg/m^2
Wirkmechanismus: Analoga des humanen Glucagon-like peptide 1 (Inkretin), glukoseabhängige Insulinsekretion î und Glukagonsekretion ↓
Wirksamkeit:
- HbA1c ↓ um 0.5-1.5%
- Blutdruck ↓
- Gewicht ↓
- Mikrovaskuläre Komplikationen ↓
- Makrovaskuläre Komplikationen ↓
Dosierung und Lagerung: 1x/d, s.c. unabhängig von den Mahlzeiten, Lagerun im Kühlschrank dann max. 1Mt. bei RT
GLP-1-Analoga
- UAW
IA - KI
Liraglutid (Victoza)
UAW:
- GIT-UAW (dosisabhängig): Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Bauchschmerzen -> Therapie einschleichen
- Herzfrequenz î
- Pankreatitis?
- Schilddrüsenkarzinome?
- Lokale Reaktionen an Injektionsstelle
IA: kein wesentlicher Metabolismus über CYP450 (Resorptionsrate ↓ oral verabreichter Wirkstoffe durch verlangsamte Magenentleerung)
KI: keine relevanten KI (Überempfindlichkeit gegü Wirk- bzw. Hilfsstoffen)
Insulintherapie beim Typ2 Diabetiker: Grundsätzliches
3 Formen
==> Initial reicht i.d.R. die einmal tägliche Verabreichung eines langwirksamen Basalinsulins unabhängig von den Mahlzeiten
Wenn der HbA1c-Zielwert nicht erreicht wird od. sehr hohe Dosen nötig sind, kann eine kombinierte Injektionstherapie erwogen werden:
- Basalinsulin + GLP1-Analogon
- Basalinsulin + Bolusinsulin
- Mischinsulin
Insulin: DM2
- Wirkmechanismus
- Wirksamkeit
- Dosierung Basalinsulin
- UAW
- IA
- KI
Wirkmechanismus: Aufnahme von Glukose ins Muskel- und Fettgewebe î (anaboler Stoffwechsel ist aktiviert, kataboler Stoffwechsel gehemmt!)
Wirksamkeit:
- HbA1c ↓ um 1.5-3.5%
- Mikrovaskuläre Komplikationen ↓
- keinen Effekt auf die Makrovaskulären Komplikationen gezeigt
Dosierung Basalinsulin:1x täglich 10IE oder 0.1-0.2IE/kg/d
- Dosisanpassung:
- Nüchtern-Blutzucker > 8 mmol/L: Dosiserhöhung um 10-15% od 2-4 IE 1-2x/Woche
- Hypoglykämie: Dosisreduktion um 10-20% od. 4 IE
UAW: Hypoglykämien, Gewichtszunahme, Lipodystrophie des subkutanen Fettgewebes an der Injektionsstelle -> regelmässig Injektionsstelle wechseln!
IA: PD (Blutzuckersenkende Wirkung ↓ und Blutzuckersenkende Wirkung î)
KI: keine relevanten KI (Überempfindlichkeit gegü Hilfs- und Wirkstoffen)
Therapie Diabetes mellitus Typ 2 - Wirkstoffwahl
Liegt keine Komorbidität vor, gibt es gemäss aktueller Datenlage keine Präferenz für den einen oder anderen Wirkstoff, abgesehen von Metformin.
Wirkstoffwahl in Abhängigkeit von Patientenpräferenzen:
- Therapieziel?
- Reduktion von mikro- und makrovesikulärem Risiko (eher bei jüngeren)
- Relative HbA1c-Senkung
- Applikationsweg (p.o. versus s.c.)
- UAW (Hypoglykämien, Körpergewicht, ...)
- Kosten
- Kostenrückerstettung durch die Krankenkassen
- GLP-1-Analoga werden nur bei Patienten mit BMI > 28kg/m^2 bezahlt (Limitatio)
- Nicht alle Kombinationen werden erstattet (Kostengusprache muss erfolgen!)
=> Zu vermeidende Kombinationen: DPP4-Inhibitoren + GLP-1Analoga (kein Nutzen, weil gleiches Wirkprinzip!) ; Insulin + SHS (Hypoglykämie-Risiko ↑)
Gestationsdiabetes
Definition und Risikofaktoren, Prävalenz, Pathophysio
Def: erstmals in der SSW auftretende Hyperglykämie (meist im 2. udn 3. Trimenon, klingt üblicherweise nach der Geburt ab)
- meist asymptomatisch
- Prävalenz in der CH ca. 10%
Pathophysiologie: Physiologische Insulinresistenz in der 2. SSW-Hälfte (Plazentahormone fungieren als Insulinantagonisten) -> Sicherung der Nährstoffversorgung des Fetus ; Gestationsdiabetes tritt auf, wenn die Bauchspieicheldrüse die Insulinresistenz durch eine erhöhte Insulinausschüttung nicht mehr kompensieren kann.
Risikofaktoren:
- Übergewicht
- Körperliche Inaktivität
- Frühere Glukoseintoleranz / früherer Gestationsdiabetes
- DM2 bei einem Verwandten ersten Grades
- Nicht-kaukasische Herkunft
Gestationsdiabetes: Komplikationen
Mögliche Folgen für die Mutter / für das Kind
• Mögliche Folgen für die Mutter: u.a. – Risiko für Harnwegs- und Genitalinfektionen ↑ – Risiko für Präeklampsie/ Eklampsie ↑ – Risiko für Aborte und Frühgeburt ↑ – Makrosomie (Geburtsgewicht > 4 kg) ev. Notwendigkeit eines Kaiserschnitts – Wiederholungsrisiko Gestationsdiabetes in weiteren Schwangerschaften (30- 70 %) – Langfristig erhöhtes Diabetesrisiko (7x häufiger)
• Mögliche Folgen für das Kind: u.a. – Reifungsstörung der Organe – Postnatale Hypoglykämie – Atemdepression – Elektrolytstörungen (v.a. Hypocalcämie) – Langfristig erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes
==> universelles Screening bei allen Schwangeren zwischen der 24. und 28. SSW-Woche empfohlen (OGTT mit 75g Glukose)
Gestationsdiabetes: Therapie
Basistherapie: Lebensstilmodifikation (Kohlenhydratzufuhr einschränken, moderate körperliche AKtivität)
Medikamentöse Behandlung, notwendig bei 20-60% der Patientinnen: Standardtherapie ist Insulin (Basalinsulin + Bolusinsulin)
Normalerweise kann die Therapie postpartal beendet werden.