Glukokortikoide
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Addison-Krise
Schwestes klin. Krankheitsbild einer Nebenniereninsuffizienz. Selten aber unbehandelt IMMER letal!
Chemische Struktur synthetischer Glukokortikoide: SAR
Antiinflammatorische Wirkung steigt mit zunehmender Lipophilie. Zunehmende Lipophilie durch:
- 2. DB am A-Ring (C4-C5)
- Halogenierung des B-Rings
- Ester- oder Acetylbildung am C17 oder Hydroxylierung am C-16
- Esterbildung oder Halogenierung am C-21
Nachteil: Lipophilie î Depot im Fettgewebe î Gefahr syst. UAW î
Chronische NNRI: Substitutionstherapie
Gestörte Stressreaktion unter Glukokortikoid-Langzeittherapie erfordert eine Anpassung der Kortikoiddosis an Stressbedingungen, z.B. Operationen, Infekte
Substitution in der Regel mit 15-30mg Hydrocortison
Zusätzliche Cortison-dosis bei:
- erhöhter Körpertemperatur: >37°C Dosis verdoppeln, >38° Dosis verdreifachen, >39° Dosis vervierfachen
- anstrengende Abendveranstaltungen: zusätzlich 5-10mg Hydrocortison
- zu erwartende Anstrengungen (Bergwanderung, Skitour etc.): morgendliche und evtl. nachmittägliche Dosis verdoppeln
Entzündungsreaktion: 5 Stimuli
Dolor: Schmerz
Rubor: Röte
Calor: Wärme
Tumor: Schwellung
Functio Laesa: eingeschränkte Funktion
GIT UAW Glukokortikoide
Kombinieren mit welchen NSAR? Beeinflussbar?
Gastrotoxizität:
• Glukokortikoide erhöhen das Risiko für diverse gastrointestinale Ereignisse. Z.B. Gastritis, gastrointestinale Blutungen, peptische Ulzera
• Aber: das geschätztes relative Risiko einer Glukokortikoid-Mono-therapie für peptische Ulzera variiert von 1,1 (nicht signifikant) bis 1,5 (marginal signifikant)
• Das Risiko steigt bei einer Kombination von Glukokortikoiden + NSAR!!!
=> beeinflussbar durch NSAR-Wahl, Dosierung und Ulkusanamnese (Alter, Aspirin, Komorbiditäten):
Geringstes Risiko: Ibuprofen
Mittleres Risiko: Diclofenac, Indometacin, Ketoprofen, Naproxen, Prioxicam
GIT-UAW: Massnahmen
Glukokortikoid-Monotherapie -> keine Ulcusprävention
Glukokortikoid + NSAR/Aspirin -> Ulcusprävention mit PPI oder Ersatz des NSAR durch COX-Hemmer
Dosierung des PPI ca. 20mg/d; Rabeprazol ist für diese Indikation nicht zugelassen
Glukokortikoide UAW Infektionen
Systemische Glukokortikoide wirken immunsuppressiv und erhöhen so das Infektionsrisiko.
Meist handelt es sich dabei um gewöhnliche virale (v.a. Herpesviren), bakterielle (z.B. Staphylococcus aureus), sowie mykotische (v.a. CandidaSpezies) Infektionen.
Opportunistische Infektionen treten in der Regel nur auf, wenn noch weitere Faktoren das Immunsystem supprimieren (andere Medikamente oder Erkrankungen)
Infektionsanzeichen können unter einer Glukokortikoid-Therapie vermindert sein -> verhindert das frühzeitige Erkennen einer Infektion (Hemmung der Cytokinausschüttung -> Abnahme der entzündlichen und febrilen Reaktion ).
Glukokortikoide und Knochenstoffwechsel
Osteoporose (Frauen > Männer)
-> Berechnung des Frakturrisikos mit FRAX möglich
- Abnahme der Knochenmineraldichte
- Reversibilität, jedoch langsam
- Frakturrisiko steigt dosisabhängig an
- 5-fach erhöhtes Risiko für vertebrale Frakturen auch bei gleicher Knochenmineraldichte an der Hüfte
Glukokortikoide: Physiologie
Körpereigenes Glukokortikoid wird in der NNR gebildet (Cortisol: 10-15 mg/d)
Der normale Cortisonspiegel im Körper hat einen zirkadianen Verlauf: maximal morgens zw 6:00-8:00; minimal abends zwischen 18:00 und 24:00, unabhängig vom Schlaf.
Anstieg der Cortisolproduktion unter Stress bis auf das 10fache bei Körperlicher Belastung, Infektionen, Operationen.
=> Gabe morgens, um den Rhytmus nicht zu stören!
Glukokortikoide:
Was ist der Vorteil einer Applikation?:
• inhalativ • topisch • Intranasal • intraokulär • rektal • Intraartikulär
nur lokal, keine systemischen Effekte und UAWs (oral / parenteral)
Glukokortikoidtherapie:
- Einnahmeschema
- Wahl Präparat / Dosierung
EINNAHMESCHEMAS
• Zirkadiane Therapie: Einnahme zwischen 6-8h (zur Zeit des höchsten endogenen Glukokortikoidspiegels)
• Alternierende Therapie: jeden 2. Tag die doppelte übliche Dosis
PRÄPARATE / DOSIERUNG
• Topische Therapie anstreben
• Präparate mit kurzer Wirkdauer vorziehen (kurze Suppression des Regelkreises)
• Möglichst kurz und niedrig dosieren
Handlungsbedarf Hyperglykämie izh mit Glukokortikoiden
Ob eine Behandlung indiziert ist, ist abhängig vom Ausmass der Hyperglykämie und der Behandlungsdauer
Massnahmen: keine einheitlichen Empfehlungen
Primär immer Indikation und Dosis der Steroid-Therapie überprüfen
->Dosisreduktion bewirkte eine Verbesserung der Situation
-> Therapiestopp bewirkt i.d.R. eine Reversibilität
• Diätetische Massnahmen und körperliche Aktivität…
• Antidiabetika; OAD/prandiale Insulintherapie
Hypocortisolismus izh mit Glukokortikoiden
• Das klinische Problem: Exogen zugeführte Steroide supprimieren die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse. Absetzen der Steroide kann zu einer akuten Nebennierenrindeninsuffizienz führen
• Bedarf an Cortisol
– Abhängig vom körperlichen Stress
– Basalbedarf Cortisol 5-15 mg (DHEAS 25 mg/d)
– Bedarf bei maximalem Stress um 100 mg/d
• Faustregel: Ca. 50% der Patienten entwickeln eine NNRI
– Relevante Schwelle liegt bei 5-7.5 mg Prednisonäquivalenten pro Tag
– Kurze Therapie = kurze Suppressionszeit; Lange Therapie = Lange Suppressionszeit
Indikationen Glukokortikoide
Einsatzgebiete extrem breit gefächtert, super Wirksamkeit, aber bei unadäquatem Einsatz gibt es enorme UAWs!
• allergische Erkrankungen: Asthma, Urticaria, Anaphylaktische Reaktion, Angioödem
• Gastrointestinale Erkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa • Vaskulitiden: Gefässerkrankungen • Rheumatische Erkrankungen: Rhematisches Fieber, Rheumatische Arthritis, SLE, Gicht
• Neuromuskuläre Erkrankungen: Myasthenia gravis • Dermatologische Erkrankungen: Psoriasis • Blutkrankheiten: bestimmte Leukämien • Akute Abstossungsreaktion nach Organtransplantation • Antiemetisch • Analgetisch: Co-Analgetisch durch antiphlogistische und antiödematöse Effekte
Interaktionen der Glukokortikoide
• Mit CYP3A4-Induktoren/-Hemmer (bsp Azol-Antimykotika, Clarithromycin)
• Verstärkte UAW
- – NSAID (GIT-Beschwerden)
- – Schleifen-, Thiazid-Diuretika, Laxantien (Hypokaliämie)
- – ACE-Hemmer (Blutbildveränderung)
• Wirkreduktion von
- – Antidiabetika
- – Oralen Antikoagulantien
Kardiovaskuläre UAWs izh mit Glukokortikoidtherapie
Hypertonie:
• Cushing's Syndrom (endogen): 80%
• Pharmakologische Anwendung (exogen): 20%
Mechanismus (noch nicht komplett geklärt) -> Wirkung via Mineralokortikoid- und Glukokortikoidrezeptoren.
Kontraindikationen Glukokortikoide
Kontraindikationen:
=> Bei vitaler (lebensrettender) Indikation gibts keine absolute KI. Die KI sind v.a. in der Langzeittherapie relevant!
Relative KI:
- – Ulkus ventrikuli/-duodeni
- – Osteoporose
- – Infektionskrankheiten
- – Erhöhte Thromboseneigung
- – Psychische Vorerkrankungen
- – Glukokortikoid-induzierte Myopathie
- – Glaukom
- – Schwangerschaft
Langzeittherapie mit Glukokortikoiden soll beendet werden. Was muss beachtet werden?
AUSSCHLEICHEN, weil 3 klinisch relevante Probleme auftreten können:
1. Wiederaufflammen der zugrundeliegenden Krankheit
2. Steroidentzugssyndrom (Krankheitsgefühl, Myalgie, Arthralgien)
3. Nebennierenrinden-Insuffizienz (siehe UAW)
Risikofaktoren für eine Glukokortikoid-induzierte Hyperglykämie
Risikofaktoren für eine Glukokortikoid-induzierte Hyperglykämie
- Dosis und Therapiedauer
- Alter
- BMI
- Positive Familienanamnese für Diabetes mellitus
- Bereits existierende Hyperglykämie
- Es ist auch möglich, dass gewisse Erkrankungen, für die Glukokortikoide eingesetzt werden, eigenständige Risikofaktoren sind (z.B. Rheumatoide Arthritis)
Stoffwechselstörungen unter Glukokortikoiden
Steigerung der Gluconeogenese und Lipolyse
- Katabol, diabetogen
- Hyperlipidämie
- Fettumverteilung bis zum Cushing-Syndrom (Vollmondgesicht, Stiernacken, Stammfettsucht, Striae)
Gewichtszunahme ca. 4-8% unter einer Therapie mit Prednison 5-10 mg/d für 2 Jahre (reversibel! bereits ab tiefen Dosen!)
Stoffwechselstörungen: Hyperglykämie / Diabetes mellitus unter Glukokortikoiden
Natur + Diagnosekriterien
Glukokortikoid-Therapie führt zum Blutzuckeranstieg, kann Diabetes mellitus verursachen oder verschlimmern.
-> Erhöht sind v.a. postprandiale Blutzuckerwerte, Nüchternblutzuckerwerte sind nicht oder nur leicht erhöht. Der "Ruhezustand" sollte der gleiche sein.
Diagnosekriterien = die selben die beim DM2
Nüchternblutzucker > 7mmol/l
Postprandialer Blutzucker > 11.1 mmol/l
HbA1c < 6.5% (wiederspiegelt die letzten 3 Mt, hier nur bedingt geeignet zur Diagnostik)
Substanzklassen: Kortikosteroide / Glukokortikoide / Mineralkortikoide
Kortikosteroide = Mineralkortikoide + Glukokortikoide
Glukokortikoide Eigenschaften (GR): entzündungshemmend, immunsuppressiv, antiproliferativ, vasokonstriktiv
Mineralkortikoide Eigenschaften (AR): Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushalts durch Na-Retention (Niere)
Substitution von Glukokortikoiden: Was muss beachtet werden?
Was sind Glukokortikoide?
Glukokortikoide = Kortikosteroide mit hoher glukokortikoider Aktivität
Die Äquivalenzdosen und die Cushingschwellendosis müssen beachtet werden. Grosse individuelle Unterschiede!
Symptome Hypocortisolismus
• Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit • Muskelschwäche • Hypotonie, Schwindel • Nausea, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Gewichtsverlust • Zunehmende Hautpigmentierung • Hyponaträmie, Hyperkaliämie, Hyperkalzämie • Blutbildveränderung: u.a. Anämie, Neutropenie, Eosinophilie...
-> zu wenig Cortisol: zu viel K; zu viel Cortisol: zu wenig K
UAW der Glukokortikoide
• UAW unter Glukokortikoid-Einmalgabe: kaum UAW auch unter hohen Dosen!!! (Membranstabilisierung macht fast keine Nebeneffekte, eher die verzögerten genomischen Effekte.)
• UAW unter Glucokortikoid-Langzeittherapie:
- - latrogene Niereninsuffizienz (Hypocortisolismus)
- - Stoffwechselstörungen, Gewichtszunahme
- - Hyperglykämie, Diabetes
- - Osteoporose
- - kardiovaskuläre UAWs
- - GIT: Gastrotoxizität
- - ZNS: Verwirrtheit, Delir usw.
- - Immunsystem geschwächt
- - Muskel-Atrophie
- - Haut-Atrophie (irreversibel, kaum behandelbar!), Infektionen, Kontaktallergien, Dermatosen etc.
- - Intraokulare Hypertonie / Glaukom (höchstes Risiko bei Ophthalmologika)
Unterschied Cortisol / Cortison
Hydrocortison = Cortisol (es gibt keine Cortison-Salbe, sondern Cortisol oder Hydrocortison, das bereits aktiviert ist!)
Cortison: C-11 =O; inaktives Prodrug, hepatische Aktivierung zu Cortisol, topisch unwirksam
Unterschied Prednison / Prednisolon
Prednison: C-11 =O -> inaktives Prodrug, hepatische Aktivierung zu Prednisolon, topisch unwirksam; Prednisolon: Einführung einer 2. DB zw C-1 und C-2 (reduziert mineralkortikoide Wirkung und erhöht Lipophilie)
Wirkmechanismus Glukokortikoide
schnell / langsam / hohe c / tiefe c
Glukokortikoide weisen 2 unterschiedliche Wirkmechanismen auf:
1.Verzögerte genomische Effekte vermittelt über Bindung des Cortisols an zytosolische Glukokortikoidrezeptoren. Der Kortikoid-Rezeptor-Komplex…
a) …transloziert in den Zellkern und verändert der Genexpression proinflammatorischer Proteine
b) …hemmt Transkriptionsfaktoren (z.B. NF-kB) und unterdrückt die Synthese proinflammatorischer bzw. Immunreaktion vermittelnde Proteine
antiinflammatorische und immunsuppresive Wirkung
-> Genomische Effekte laufen bereits bei tiefen Konzentrationen ab
2. «Rasche» nicht genomische Effekte durch Membranstabilisierung; unabhängig vom zytosolischen Glukokortikoidrezeptoren (und damit von Genexpression und Proteinsynthese)
Die raschen nicht genomischen Effekte laufen nur bei hohen Konzentrationen ab.
-> NOTFALL-BEDARF HOHE DOSEN
«Rasch» = Wirkung innert Stunden, im Notfall werden Kortikosteroide deshalb mit schneller wirksamen Substanzen (z.B. Antihistaminika, Adrenalin) kombiniert.
ZNS UAW Glukokortikoide
Eher am Anfang oder Langzeittherapie? Dosisabhängigkeit?
Glukokortikoide erhöhen abhängig von der Therapiedauer und der Dosierung, das Risiko für psychiatrische und kognitive Symptome (meist mild und reversibel):
Emotionale Labilität, Hypomanie, Manie, Depression, Psychose, Delirium, Verwirrung, Desorientierung, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen (v.a. wenn eine die Einnahme aufgeteilt wird: 1-0-1-0), Akathisie (Sitzunruhe)
Stimmungsstörungen: zu Beginn meistens gut, noch bevor sich der Zustand der zugrundeliegenden Erkrankung gebessert hat. Hypomanie häufiger als Depression. Die Prävalenz der Depression steigt bei Langzeittherapie.
Psychose: erst bei höherer Dosierung (>20mg/d) Prednison auf. Bei 10% halten die Symptome trotz Dosisreduktion an. Therapie mit Antipsychotika möglich.
Gedächtnisstörungen: Beschriebene Dosierung: 5-40mg Prednison/d, >1 Jahr; selten: Steroid-Demenz, irreversible kognitive Störung
Suizidalität: 5-7fach erhöhtes Risiko, absolutes Risiko aber tief; RF = junge Patienten
Äquivalenzdosen Glukokortikoide?
Hydrocortison (Hydrocortone)
Prednison (Lodotra, Prednison Streuli, Spirig, Axapharm...)
Betamethason (Betnesol)
Hydrocortison (Hydrocortone) = 30
Prednison (Lodotra, Prednison Streuli, Spirig, Axapharm...) = 7.5
Betamethason (Betnesol) = 1