Bau- und Planungsrecht: Vorlesungsunterlage IV

TU Wien, Architektur: Bau- und Planungsrecht (VO 280.140) Vorlesungsunterlage IV

TU Wien, Architektur: Bau- und Planungsrecht (VO 280.140) Vorlesungsunterlage IV


A. A.
Diese Lernkarten decken das Bau- und Planungsrecht auf Universitätsniveau ab. Sie konzentrieren sich auf den Flächenwidmungsplan, seine Aufgaben und Auswirkungen auf die Gemeindeplanung, sowie die Rolle von Bund und Land. Besonders behandelt werden die Nutzung von Grünland, Bauland und Verkehrsflächen, sowie die Rechte und Pflichten von Grundeigentümern. Ideal für Studierende und Fachleute, die sich mit der rechtlichen und planerischen Gestaltung von Flächen auseinandersetzen.
Karten
57
Lernende
2
Sprache
Deutsch
Kategorie
Technik
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
17.11.2019 / 18.05.2020

Lernkarten

Die Gemeinden sind in Österreich Träger welcher Staatsfunktion?

Vervollständige den Satz: Die Gemeinden haben die örtliche Raumplanung gemäß Art 118 Abs. 3 Z 9 B-VG ... im Rahmen der Bundes- und Landesgesetze zu vollziehen.

Wann  sind Angelegenheiten im eigenen Wirkungsbrereich einer Gemeinde?

  1. wenn die Angelegenheit im ausschließlichen oder überwiegenden Interesse der Gemeinde liegt (Beispiele für überörtliche Interessen: Einkaufszentren, regionale Grünzonen)

  2. wenn die Angelegenheit sich für die Vollziehung durch die Gemeindeorgane eignet (wenn sie die Kompetenzen dazu haben)

Was bedeutet abstrakte Einheitsgemeinde?

Alle Gemeinden haben, unabhängig von ihrer Größe, Bevölkerungszahl, Finanzkraft usw., die gleiche rechtliche Stellung, das heißt insbesondere die gleichen Aufgaben zu erfüllen (Prinzip der sog. "abstrakten Einheitsgemeinde"). Es darf keine Unterscheidungen nach kleinen und großen Gemeinden geben.

Was sind die rechtlichen Konsequenzen des eigenen Wirkungsbereichs der Gemeinden?

  1. sie liegen in der Verantwortung der Gemeinde

  2. sie ist frei von Weisungen durch (Landes-)Behörden

  3. es gibt keinen Instanzenzug an Behörden außerhalb der Gemeinde

Die Gemeinden sind dazu befugt, ihre Aufgaben im eigenen Wirkungsbereich selbst zu besorgen. Können Sie dabei machen was sie wollen?

Nein, es gibt eine Kontrollfunktion und Staatsaufsicht (Rechtmäßigkeitsprüfung) durch die Gemeindeaufsichtsbehörde. Die Gemeinde müssen sich an die Gesetze halten.

Wozu sind die Gemeinden im Rahmen der örtlichen Raumplanung verpflichtet?

  1. Örtliche Raumpläne zu erstellen

  2. Grundlagenforschung zu betreiben

Was sind die drei Instrumente der Gemeindeplanung?

  1. Raumordnungsgesetze

  2. Örtliches Entwicklungskonzept

  3. Flächenwidmungs- und Bebauungsplan

Heißt das örtliche Entwicklungskonzept immer gleich?

Nein.

Für das örtliche Entwicklungskonzept sind vier verschiedene Bezeichnungen vorgesehen: „Örtliches Entwicklungskonzept“ (Bgld, Ktn, Oö, Stmk) „Räumliches Entwicklungskonzept“ (Slbg, Vlbg), „Örtliches Raumordnungsprogramm“ (NÖ) und „Örtliches Raumordnungskonzept“ (Tirol). Wien verwendet mit dem Stadtentwicklungsplan oder den „Strategieplänen“ Instrumente, die keine rechtliche Verankerung in der WBO haben.

Was ist die Aufgabe des örtlichen Entwicklungskonzepts?

Dem örtlichen Entwicklungskonzept kommt die Aufgabe zu, ein Orientierungs- und Handlungsrahmen mit einem längerfristigen Zeithorizont für die Gemeindeplanung zu sein, wobei die angestrebten Ziele der Gemeindeplanung und die erforderlichen Maßnahmen zu bezeichnen sind

Was muss ein örtliches Entwicklungskonzept bezeichnen?

Ziele und Maßnahmen der Gemeindeplanung

Was kann ein örtlicher Entwicklungsplan beinhalten?

  • die räumlich-funktionelle Gliederung

  • die Entwicklungsrichtungen und -grenzen von Baugebieten

  • eine Prioritätensetzung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung

  • besondere Standorte für Wohnen, Handel, Gewerbe und Industrie

  • Bereiche mit Nutzungseinschränkungen und besonders schützenswerte Bereiche (z.B. Ruhe-, Freihalte- und Eignungszonen)

Wer erstellt örtliche Entwicklungspläne?

der Gemeinderat

Wie wird das örtliche Entwicklungskonzept erlassen?

  • als Verordnung
  • als Gemeinderatsbeschluss

Hat das örtliche Entwicklungskonzept direkte Wirkung auf die Grundeigentümer?

Nein.

Nur indirekt.

Was muss geschehen, damit ein örtlicher Entwicklungsplan eine Wirkung entfaltet?

  • die Gemeinde muss davon überzeugt sein
  • ohne Akzeptanz ist es nur ein Stück Papier ohne Wirkung

Was sind die rechtlichen Grundlagen der Flächenwidmungspläne?

die Raumordnungsgesetze der Länder

Was ist die Planungsgrundlage des Flächenwidmungsplans?

die Katastermappe

Welche Form hat der Flächenwidmungsplan?

  • digital
  • Maßstab 1:5.000

  • festgelegte Formerfordernisse und Darstellungsvorschriften sind einzuhalten, die in den Planzeichenverordnungen der Länder geregelt sind

Welche Rolle hat der Gemeinderat Flächenwidmungsplan?

  • Für die Erlassung und Änderung des Flächenwidmungsplanes ist der Gemeinderat zuständig

Welche Rolle hat der Bürgermeister beim Flächenwidmungsplan?

Der Bürgermeister hat im Rahmen der baubehördlichen Verfahren zu prüfen, ob Bauvorhaben mit den Bestimmungen im Flächenwidmungsplan übereinstimmen und somit den Flächenwidmungsplan anzuwenden.

Wie ist das Gemeindegebiet im Flächenwidmungsplan dargestellt?

  • es ist räumlich-funktional gegliedert

  • verbindliche Widmungs- bzw. Nutzungsarten sind festgelegt

Was ist die zentrale Aufgabe des Flächenwidmungsplanes?

die geordnete Siedlungsentwicklung der Gemeinden

Was ist das planungsrechtlich wichtigste Instrument der örtlichen Raumplanung?

der Flächenwidmungsplan

Nenne einige Aufgaben des Flächenwidmungsplanes!

  1. definiert Widmungs- und Nutzungsverteilungen aller Liegenschaften in Österreich
  2. gliedert das Gemeindegebiet räumlich
  3. legt Nutzungsmöglichkeiten bzw. -beschränkungen fest
  4. bestimmt die Siedlungsentwicklung und Bautätigkeit eines Gemeindegebietes
  5. bewirkt beachtliche finanzielle Widmungsgewinne bzw. -verluste

Wie wirkt sich der Flächenwidmungsplan auf die Grundeigentümer aus?

  • bestimmt die Widmung eines Gebietes
  • erlaubt oder verbietet Bautätigkeit auf einem Gebiet
  • kann zu Wertsteigerungen oder Wertverlusten einer Liegenschaft führen

Was ist das Prinzip der Totalplanung?

für alle Flächen ist eine Widmungsarte festzulegen und überörtliche Planungsmaßnahmen kenntlich zu machen

Inwiefern haben Bund und Länder Wirkung auf den Flächenwidmungsplan?

Bund und Länder können Bodennutzungen festlegen,  die im Flächenwidmungsplan auszuweisen sind

Welche Art von überörtlichen Kenntlichmachungen gibt es im Flächenwidmungsplan?

  1. Flächen, die zur besonderen Nutzung bestimmt sind (Eisenbahnen, Flugplätze, Bundes- und Landesstraßen)

  2. Flächen, für die Nutzungsbeschränkungen bestehen (unter Naturschutz stehende Gebiete, Objekte unter Denkmalschutz, Bann- und Schutzwälder, ...)

  3. Standorte und Gefahrenbereiche von Betrieben mit gefährlichen Stoffen

  4. Gefahrenzonen

  5. Ballungsräume und ruhige Gebiete

 

Können Gemeinden Planungsentscheidungen überörtlicher Behörden (Bund, Länder) verändern?

Nein. Es gibt eine Anpassungspflicht für die Gemeinden.

Welche Widmungskategorien im Flächenwidmungsplan gibt es?

  1. Bauland

  2. Verkehrsflächen

  3. Grünland

Welchen Zweck hat die Kategorie Bauland im Flwp?

  • Baulichkeiten werden räumlich geordnet
  • welche Baulichkeit errichtet werden darf

Welche Nutzungsarten im Bauland gibt es?

  1. Wohngebiete (für BW sind Wohndichteklassen festzulegen)

  2. Kerngebiete (spezielle Verwendungen: z.B.: Verwaltungs- oder Schulgebäude)

  3. Betriebsgebiete (spezielle Verwendungen: z.B.: emissionsarme Betriebe)

  4. Industriegebiete (entscheidend ist der Betriebstyp und nicht die einzelne Anlage)

  5. Agrargebiete,

  6. Sondergebiete (Krankenanstalten, Schulen, Kasernen, Sportanlagen, ...)

  7. Gebiete für Handelseinrichtungen

  8. Gebiete für erhaltenswerte Ortsstrukturen

Welche Unterscheidung trifft man mit den unterschiedlichen Widmungsarten des Baulands?

welche Gebiete für Wohnen, Arbeiten, Erholen etc. vorgesehen sind

Was bedeutet Immissionsschutz?

Umweltbeeinträchtigungen werden damit verboten

Vervollständige die Grafik!

Was ist eine Aufschließungszone?

  • sie dienen einer geordneten Siedlungsentwicklung

  • Aufschließungszonen bewirken, dass Grundstücke vorerst nicht zum Bauplatz erklärt, keine Baubewilligungen erteilt und auch die Grundstücksgrenzen nicht verändert1 werden dürfen

  • Aufschließungszonen ermöglichen eine zeitliche Reihung der Erschließung und Verbauung, etappenweises Bebauen großflächig ausgewiesenen Baulandes

  •  

Was sind Vorbehaltsflächen?

Flächen werden für den Gemeindebedarf (öffentliche Zwecke, Gemeindeeinrichtungen: Schulen, Kindergärten, Verwal- tungsgebäude, ...) reserviert

Wenn eine Fläche einem privaten Grundeigentümer gehört, kann sie dann zur Vorbehaltsfläche umgewidmet werden?

Ja. Zur Umsetzung der Widmung kann ein Antrag auf Enteignung (gegen Entschädigung) gestellt werden

Eine Gemeinde möchte in Zukunft geförderte Wohnungen bauen. Welche Art von Fläche braucht sie dazu?

Vorbehaltsflächen

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