Bau- und Planungsrecht: Vorlesungsunterlage IV
TU Wien, Architektur: Bau- und Planungsrecht (VO 280.140) Vorlesungsunterlage IV
TU Wien, Architektur: Bau- und Planungsrecht (VO 280.140) Vorlesungsunterlage IV
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Lernkarten
Die Gemeinden sind in Österreich Träger welcher Staatsfunktion?
Vervollständige den Satz: Die Gemeinden haben die örtliche Raumplanung gemäß Art 118 Abs. 3 Z 9 B-VG ... im Rahmen der Bundes- und Landesgesetze zu vollziehen.
Wann sind Angelegenheiten im eigenen Wirkungsbrereich einer Gemeinde?
wenn die Angelegenheit im ausschließlichen oder überwiegenden Interesse der Gemeinde liegt (Beispiele für überörtliche Interessen: Einkaufszentren, regionale Grünzonen)
wenn die Angelegenheit sich für die Vollziehung durch die Gemeindeorgane eignet (wenn sie die Kompetenzen dazu haben)
Was bedeutet abstrakte Einheitsgemeinde?
Alle Gemeinden haben, unabhängig von ihrer Größe, Bevölkerungszahl, Finanzkraft usw., die gleiche rechtliche Stellung, das heißt insbesondere die gleichen Aufgaben zu erfüllen (Prinzip der sog. "abstrakten Einheitsgemeinde"). Es darf keine Unterscheidungen nach kleinen und großen Gemeinden geben.
Was sind die rechtlichen Konsequenzen des eigenen Wirkungsbereichs der Gemeinden?
sie liegen in der Verantwortung der Gemeinde
sie ist frei von Weisungen durch (Landes-)Behörden
es gibt keinen Instanzenzug an Behörden außerhalb der Gemeinde
Die Gemeinden sind dazu befugt, ihre Aufgaben im eigenen Wirkungsbereich selbst zu besorgen. Können Sie dabei machen was sie wollen?
Nein, es gibt eine Kontrollfunktion und Staatsaufsicht (Rechtmäßigkeitsprüfung) durch die Gemeindeaufsichtsbehörde. Die Gemeinde müssen sich an die Gesetze halten.
Wozu sind die Gemeinden im Rahmen der örtlichen Raumplanung verpflichtet?
Örtliche Raumpläne zu erstellen
Grundlagenforschung zu betreiben
Was sind die drei Instrumente der Gemeindeplanung?
Raumordnungsgesetze
Örtliches Entwicklungskonzept
Flächenwidmungs- und Bebauungsplan
Heißt das örtliche Entwicklungskonzept immer gleich?
Nein.
Für das örtliche Entwicklungskonzept sind vier verschiedene Bezeichnungen vorgesehen: „Örtliches Entwicklungskonzept“ (Bgld, Ktn, Oö, Stmk) „Räumliches Entwicklungskonzept“ (Slbg, Vlbg), „Örtliches Raumordnungsprogramm“ (NÖ) und „Örtliches Raumordnungskonzept“ (Tirol). Wien verwendet mit dem Stadtentwicklungsplan oder den „Strategieplänen“ Instrumente, die keine rechtliche Verankerung in der WBO haben.
Was ist die Aufgabe des örtlichen Entwicklungskonzepts?
Dem örtlichen Entwicklungskonzept kommt die Aufgabe zu, ein Orientierungs- und Handlungsrahmen mit einem längerfristigen Zeithorizont für die Gemeindeplanung zu sein, wobei die angestrebten Ziele der Gemeindeplanung und die erforderlichen Maßnahmen zu bezeichnen sind
Was muss ein örtliches Entwicklungskonzept bezeichnen?
Ziele und Maßnahmen der Gemeindeplanung
Was kann ein örtlicher Entwicklungsplan beinhalten?
die räumlich-funktionelle Gliederung
die Entwicklungsrichtungen und -grenzen von Baugebieten
eine Prioritätensetzung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung
besondere Standorte für Wohnen, Handel, Gewerbe und Industrie
Bereiche mit Nutzungseinschränkungen und besonders schützenswerte Bereiche (z.B. Ruhe-, Freihalte- und Eignungszonen)
Wer erstellt örtliche Entwicklungspläne?
der Gemeinderat
Wie wird das örtliche Entwicklungskonzept erlassen?
- als Verordnung
- als Gemeinderatsbeschluss
Hat das örtliche Entwicklungskonzept direkte Wirkung auf die Grundeigentümer?
Nein.
Nur indirekt.
Was muss geschehen, damit ein örtlicher Entwicklungsplan eine Wirkung entfaltet?
- die Gemeinde muss davon überzeugt sein
- ohne Akzeptanz ist es nur ein Stück Papier ohne Wirkung
Was sind die rechtlichen Grundlagen der Flächenwidmungspläne?
die Raumordnungsgesetze der Länder
Was ist die Planungsgrundlage des Flächenwidmungsplans?
die Katastermappe
Welche Form hat der Flächenwidmungsplan?
- digital
Maßstab 1:5.000
festgelegte Formerfordernisse und Darstellungsvorschriften sind einzuhalten, die in den Planzeichenverordnungen der Länder geregelt sind
Welche Rolle hat der Gemeinderat Flächenwidmungsplan?
Für die Erlassung und Änderung des Flächenwidmungsplanes ist der Gemeinderat zuständig
Welche Rolle hat der Bürgermeister beim Flächenwidmungsplan?
Der Bürgermeister hat im Rahmen der baubehördlichen Verfahren zu prüfen, ob Bauvorhaben mit den Bestimmungen im Flächenwidmungsplan übereinstimmen und somit den Flächenwidmungsplan anzuwenden.
Wie ist das Gemeindegebiet im Flächenwidmungsplan dargestellt?
es ist räumlich-funktional gegliedert
verbindliche Widmungs- bzw. Nutzungsarten sind festgelegt
Was ist die zentrale Aufgabe des Flächenwidmungsplanes?
die geordnete Siedlungsentwicklung der Gemeinden
Was ist das planungsrechtlich wichtigste Instrument der örtlichen Raumplanung?
der Flächenwidmungsplan
Nenne einige Aufgaben des Flächenwidmungsplanes!
- definiert Widmungs- und Nutzungsverteilungen aller Liegenschaften in Österreich
- gliedert das Gemeindegebiet räumlich
- legt Nutzungsmöglichkeiten bzw. -beschränkungen fest
- bestimmt die Siedlungsentwicklung und Bautätigkeit eines Gemeindegebietes
- bewirkt beachtliche finanzielle Widmungsgewinne bzw. -verluste
Wie wirkt sich der Flächenwidmungsplan auf die Grundeigentümer aus?
- bestimmt die Widmung eines Gebietes
- erlaubt oder verbietet Bautätigkeit auf einem Gebiet
- kann zu Wertsteigerungen oder Wertverlusten einer Liegenschaft führen
Was ist das Prinzip der Totalplanung?
für alle Flächen ist eine Widmungsarte festzulegen und überörtliche Planungsmaßnahmen kenntlich zu machen
Inwiefern haben Bund und Länder Wirkung auf den Flächenwidmungsplan?
Bund und Länder können Bodennutzungen festlegen, die im Flächenwidmungsplan auszuweisen sind
Welche Art von überörtlichen Kenntlichmachungen gibt es im Flächenwidmungsplan?
Flächen, die zur besonderen Nutzung bestimmt sind (Eisenbahnen, Flugplätze, Bundes- und Landesstraßen)
Flächen, für die Nutzungsbeschränkungen bestehen (unter Naturschutz stehende Gebiete, Objekte unter Denkmalschutz, Bann- und Schutzwälder, ...)
Standorte und Gefahrenbereiche von Betrieben mit gefährlichen Stoffen
Gefahrenzonen
Ballungsräume und ruhige Gebiete
Können Gemeinden Planungsentscheidungen überörtlicher Behörden (Bund, Länder) verändern?
Nein. Es gibt eine Anpassungspflicht für die Gemeinden.
Welche Widmungskategorien im Flächenwidmungsplan gibt es?
Bauland
Verkehrsflächen
Grünland
Welchen Zweck hat die Kategorie Bauland im Flwp?
- Baulichkeiten werden räumlich geordnet
- welche Baulichkeit errichtet werden darf
Welche Nutzungsarten im Bauland gibt es?
Wohngebiete (für BW sind Wohndichteklassen festzulegen)
Kerngebiete (spezielle Verwendungen: z.B.: Verwaltungs- oder Schulgebäude)
Betriebsgebiete (spezielle Verwendungen: z.B.: emissionsarme Betriebe)
Industriegebiete (entscheidend ist der Betriebstyp und nicht die einzelne Anlage)
Agrargebiete,
Sondergebiete (Krankenanstalten, Schulen, Kasernen, Sportanlagen, ...)
Gebiete für Handelseinrichtungen
Gebiete für erhaltenswerte Ortsstrukturen
Welche Unterscheidung trifft man mit den unterschiedlichen Widmungsarten des Baulands?
welche Gebiete für Wohnen, Arbeiten, Erholen etc. vorgesehen sind
Was bedeutet Immissionsschutz?
Umweltbeeinträchtigungen werden damit verboten
Was ist eine Aufschließungszone?
sie dienen einer geordneten Siedlungsentwicklung
Aufschließungszonen bewirken, dass Grundstücke vorerst nicht zum Bauplatz erklärt, keine Baubewilligungen erteilt und auch die Grundstücksgrenzen nicht verändert1 werden dürfen
Aufschließungszonen ermöglichen eine zeitliche Reihung der Erschließung und Verbauung, etappenweises Bebauen großflächig ausgewiesenen Baulandes
Was sind Vorbehaltsflächen?
Flächen werden für den Gemeindebedarf (öffentliche Zwecke, Gemeindeeinrichtungen: Schulen, Kindergärten, Verwal- tungsgebäude, ...) reserviert
Wenn eine Fläche einem privaten Grundeigentümer gehört, kann sie dann zur Vorbehaltsfläche umgewidmet werden?
Ja. Zur Umsetzung der Widmung kann ein Antrag auf Enteignung (gegen Entschädigung) gestellt werden
Eine Gemeinde möchte in Zukunft geförderte Wohnungen bauen. Welche Art von Fläche braucht sie dazu?
Vorbehaltsflächen