Hypnotika

(Anästhesie) Propofol, Etomidate, Ketanest S / Ketalar, Dormicum, Pentothal

(Anästhesie) Propofol, Etomidate, Ketanest S / Ketalar, Dormicum, Pentothal


E. M.
Diese Lernkarten behandeln die Wirkungen und Eigenschaften von Hypnotika auf verschiedenen Organsystemen, wobei der Fokus auf Substanzen wie Ketalar, Disoprivan, Ketanest, Pentothal und Propofol liegt. Sie beleuchten Indikationen, Dosierungen und Nebenwirkungen, insbesondere im Zusammenhang mit cerebralen Effekten und Lebermetabolismus. Die Karteikarten richten sich an Medizinstudenten und Fachpersonal, die sich mit der Anwendung und den spezifischen Eigenschaften dieser Hypnotika vertraut machen möchten.
Karten
64
Lernende
6
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Andere
Erstellt / Aktualisiert
08.03.2019 / 06.11.2025

Lernkarten

Propofol (Disoprivan) - chemische Eigenschaften

Disopropylphenol, stark lipophil (=fettliebend), starke Proteinbindung (98%), gute Gewebeverträglichkeit (pH 7.0), ist eine milchige, nicht H2O-lösliche Substanz

Proteinbindung 98%, sprich es wirkt nur zu 2%!! Bei älteren Menschen, die ein Proteinmangel haben, wirkt es also stärker à es braucht eine niedrigere Dosis

Propofol (Disoprivan) - Wirkung

  • Propofol ist ein reines Hypnotikum
  • bewirkt schnelles, angenehmes Einschlafen und rasches, klares Aufwachen
  • wirkt auch gut antiemetisch
  • keine Histaminfreisetzung
  • keine Enzyminduktion

Propofol (Disoprivan) - Wirkungsort

Cortex (=Hirnrinde), funktionelle Hemmung der Formatio reticularis (=weisse und graue Substanz) im Hirnstamm

Propofol (Disoprivan) - Wirkungseintritt

nach ca. 30 – 40 Sek. maximale Wirkung im Cerebrum (=Grosshirn)

Propofol (Disoprivan) - Wirkungsdauer

t- ½ α Umverteilung  → 4 – 6 Minuten, je nach Dosis

t- ½ β Elimination      → ca. 55 Minuten

Die Umverteilung und die schnelle Elimination gelten als wesentliche Faktoren für das schnelle und klare Aufwachen

Propofol (Disoprivan) - Indikationen

  • Narkoseeinleitung, TIVA
  • gut geeignet bei ambulanten & kurzen Eingriffen
  • gut bei Allergiker, da keine Histaminausschüttung

Propofol (Disoprivan) - Kontraindikationen

  • absolut: Allergie auf Soja oder Propofol
  • relativ: Hypovolämie, Herzinsuffizienz, KHK, Schockzustände

Propofol (Disoprivan) - Dosierungen

Induktionsdosis         →        nach Wirkung 1,5 – 3mg/kg KG (-5mg/kg KG bei Kindern)

Dosisreduktion bei älteren Patienten und Risikopatienten!

TIVA       →        Bolus wie Induktionsdosis, dann 10mg/kg/h während 10Min., dann 8mg/kg/h während 10Min., danach 5 – 6mg/kg/h abhängig von der klinischen Antwort

Sedation     →        1 – 3mg/kg/h

Propofol (Disoprivan) - Elimination

Konjugation in der Leber und Ausscheidung der Metaboliten durch die Nieren 

Propofol (Disoprivan) - Wirkungen auf Organsysteme

ZNS

  • CBF▼ (cerebral blood flow), ICP▼ (intracranial pressure), CMRO2▼ (cerebral metabolic rate of oxygen), VO2▼ (Sauerstoffaufnahme), CPP▼ (cerebral perfusion pressure) kann wegen BD-Abfall auf kritische Werte sinken
  • die antikonvulsive (=gegen Krämpfe) Wirkung ist umstritten

 

Respirationstrakt

  • starke Atemdepression = Hypoventilation bis Apnoe
  • CO2-Antwort und Hypoxiestimulus (Hypoxie = Sauerstoffmangel) sind gedämpft
  • Bronchialmuskulaturtonus bleibt erhalten

 

Herz-Kreislauf-System

  • Inotropie ▼ (=Kontraktionskraft des Herzens) à Myokarddepression
  • Preoload ▼ (=Vorlast) à Sympathikusdämpfung = cardiac Output ▼ (=Herzzeitvolumen)
  • Afterload ▼ (=Nachlast) à peripherer Widerstand
  • Baroreflex wird ausgeschaltet = kein Pulsanstieg bei Hypotonie!

 

Nieren

  • Ausscheidung der Metaboliten über Niere

 

Leber

  • Keine Beeinflussung

 

Wichtiges/Verschiedenes

  • starker Injektionsschmerz à Lidocain 1% 1ml pro 10ml Propofol verhindert/lindert SZ
  • Max. Haltbarkeit der aufgezogenen Ampulle à 8 h (Infektionsgefahr)
  • Kann komische Träume machen, bzw. erotische Träume

 

Exzitatorische Phänomene (erregend, stimulierend)

  • Husten, Niesen, Singultus (Schluckauf) & Erbrechen können selten auftreten

Dormicum - chemische Eigenschaften

Gehört in der Gruppe der Benzodiazepine

Dormicum ist eine 0,1% oder 5% H2O-lösliche Substanz

pH <4, Proteinbindung 94%

Dormicum - Wirkung

  • Dormicum wirkt: anxiolytisch (=angstlösend), sedierend, antikonvulsiv (=krampflösend), macht eine anterograde Amnesie (=Gedächtnisverlust nach Einnahme) und einen Muskeltonus-Verlust (v.a. im Schlund)
  • Suchtgefahr

Dormicum - Wirkungsort

An den Benzodiazepin Rezeptoren an Cortex (=Hirnrinde) und RM (=Rückenmark)

Dormicum - Wirkungseintritt

i.v.       →  3 – 5 Min. 

p.o.        →    30 Min.

Dormicum - Wirkungsdauer

je nach Applikationsart und Dosis ca. 30 – 60 Min.

t- ½ β Elimination      →     2 – 5 h

Dormicum - Indikationen

  • zur Prämedikation
  • Sedation intraoperativ
  • zur Induktion einer Allgemeinanästhesie (meistens in Komb. mit Opiaten und anderen Hypnotika)
  • zur Prophylaxe von epileptischen Krämpfen oder LA-Intoxikation (für eine Therapie nur begrenzt anwendbar, da langsamer Wirkungseintritt)

Dormicum - Kontraindikationen

  • absolut: Myastenia gravis (Dormicum macht ein Muskeltonusverlust, gibt man also nicht bei dieser Erkrankung, da Betroffene sowieso Muskelschwäche haben), Benzodiazepinallergie
  • relativ: Porphyrie

Dormicum - Dosierungen

Prämedikation Erwachsene           →           p.o. 7,5mg – i.m. 0,07 – 0,1 mg/kg KG

Prämedikation Kinder                    →           rectal 0,5 – 0,75 mg/kg KG

                                                                 p.o. 7,5mg < 25kg – 15mg > 25kg

Sedation                                          →           i.v. 1 – 3 mg-weise Eintitrieren bis gewünschte

                                                                          Wirkung

Dormicum - Elimination

Konjugation in der Leber und Ausscheidung der Metaboliten durch die Nieren 

Dormicum - Wirkungen auf Organsysteme

ZNS

  • CBF▼ (cerebral blood flow), CMRO2▼ (cerebral metabolic rate of oxygen), VO2▼ (Sauerstoffaufnahme), ICP nicht gesenkt
  • Sedierung, Schlafinduktion, Amnesie, antikonvulsiv

 

Respirationstrakt

  • Atemdepression (Dosisabhängig)
  • ab 0,15mg/kg CO2-Antwort ▼
  • Obstruktion der oberen Luftwege durch Muskeltonusverlust

 

Herz-Kreislauf-System

  • In sedierenden Dosen selten kardiovaskuläre NW

In höheren Dosen:

  • Inotropie ▼ (=Kontraktionskraft des Herzens, Preoload ▼ (=Vorlast), SVR ▼ (systemic vascular resistance, totaler peripherer Widerstand) = BD ▼
  • Indirekte Reflextachykardie in 18% vorhanden
  • NW können bei Hypovolämie, alten Pat. oder in Komb. mit Opiaten ausgeprägt sein
  • 0,3mg/kg entsprechen 4mg/kg Pentothal

 

Nieren

  • Ausscheidung der schwach wirksamen Metaboliten (=Zwischenprodukt aus Stoffwechselvorgang)
  • Wirkung kann bei NI (=Niereninsuffizienz) verlängert sein

 

Leber

  • 99% in der Leber zu konjugierten α-Hydroxymidazolam
  • schwach wirksamer Metabolit
  • keine Beeinträchtigung der Leberfunktion

 

Wichtiges/Verschiedenes

  • Dormicum-Versager können durch paradoxe Erregung des ZNS auftreten
  • Agitiertheit, Hyperaktivität, Aggressivität, Verwirrtheit sind einige Zeichen
  • Dormicum antagonisieren mit Anexate möglich

Ketamin (Ketalar) - chemische Eigenschaften

Arylcyclohexylamin, Ketalar ist eine 1% oder 5%, klare, H2O-lösliche Substanz, pH 3,5 – 5,5 , Proteinbindung 12%

Ketamin (Ketalar) - Wirkung

  • Ketalar macht eine «dissoziative Anästhesie» (Trancezustand) mit guter Analgesie, Sedation und Amnesie
  • die Wirkungen sind stark dosisabhängig

Ketamin (Ketalar) - Wirkungsort

Ketalar verursacht eine Hemmung des Cortex (=Hirnrinde) und des Thalamus und eine Stimulation des lymbischen Systems

Ketamin (Ketalar) - Wirkungseintritt

i.v. ca. 30 Sek.             

i.m. ca. 3 – 5 Min.

Ketamin (Ketalar) - Wirkungsdauer

t- ½ α Umverteilung  → i.v. ca. 4 – 10 Min             i.m. ca. 10 – 20 Min.

t- ½ β Elimination      → 2 – 4 h

Ketamin (Ketalar) - Indikationen

  • als Monoanästhetika für kurze Eingriffe
  • für wiederholte Anästhesien bei Verbrennungspatienten
  • in der Notfall- und Katastrophenmedizin als Analgetika oder Anästhetika
  • zur Induktion bei schockierten- und Risikopatienten
  • zur Analgesie bei schmerzhaften OP-Vorbereitungen
  • zur Suplementierung bei Regionalanästhesien
  • zur Therapie bei Status asthmaticus

Ketamin (Ketalar) - Kontraindikationen

  • ausgeprägter Hypertonus, manifeste Koronar- oder Myokardinsuffizienz, Aorta- oder Mitralstenose, WPW-Syndrom
  • zerebrovaskulärer Insult, Schädel-Hirntrauma oder ICP ▲
  • perforierende Augenverletzungen und Glaukom
  • Präklampsie, Eklampsie, Uterusruptur und Nabelschnurvorfall
  • Phächromozytom, Hyperthyreose
  • Vorsicht bei psychischen Erkrankungen und Epilepsie nicht geeignet für ambulante Chirurgie, Eingriffe im Pharynx- & Larynxbereich!

Ketamin (Ketalar) - Interaktionen

bei volatilen Anästhetika verlängern die Wirkung (Verlangsamung der Umverteilung), Ketalar senkt den MAC-Wert der volatilen Anästhetika, Benzodiazepine verlängern die Wirkung (Hemmung des Abbaus)

Ketamin (Ketalar) - Dosierungen

Einleitung

1 – 2 mg/kg i.v. (5 – 12 mg/kg i.m.)

Nachinjektion

½ der Initialdosis

Notfallschmerztherapie

0,2 – 0,5 mg/kg i.v.

Therapie bei Status asthmaticus

  1. Bolus 0,75 mg/kg i.v.
  2. 0,75 mg/kg i.v. die nächsten 10 Min.
  3. Perfusor 0,5 – 2,5 mg/kg/h

Ketamin (Ketalar) - Elimination

zu 95% in der Leber zu Norketamin = ca. 1/3 der Potenz 

Ketamin (Ketalar) - Wirkung auf Organsysteme

ZNS

  • CBF▲ (cerebral blood flow) bis 80%, ICP▲ (intracranial pressure), CMRO2▲ (cerebral metabolic rate of oxygen), VO2▲ (Sauerstoffaufnahme) bis 20%
  • macht Halluzinationen und Dysphorie und Traumepisoden

 

Respirationstrakt

  • AF ▲▼, VT▲▼, AMV ▲▼, die Atmung wird unregelmässig
  • Bronchodilatation durch Katecholaminfreisetzung

 

Herz-Kreislauf-System

  • Sympathikusaktivierung mit BD▲ HF▲▲, MVO2▲ (Myocardial Volume Oxygen), Koronardurchblutung ▲

 

Nieren

  • die Metaboliten werden zum Teil über die Nieren ausgeschieden, keine Organbeeinträchtigung

 

Leber

  • Metabolisation zu Norketamin, keine Organtoxizität

 

Andere

  • Augen: Augeninnendruck ▲
  • Drüsen: Hypersalivation der Speicheldrüsen und des tracheobronchial Systems
  • Larynx/Pharynx: Schutzreflexe erhalten bis gesteigert aber nicht koordinate = kein Aspirationsschutz
  • Muskulatur: Skelettmuskulaturtonus ▲ unwillkürliche Bewegungen (durch zentrale Mechanismen)
  • Uterus: Uteruskontraktionen können ausgelöst werden

 

Wichtiges/Verschiedenes

  • Dormicum Vorgabe 1 – 5 mg obligat zur Dämpfung der psychischen NW
  • Atropin Vorgabe nicht mehr obligat, kann aber die Hypersalivation hemmen

Esketamin (Ketanest) - chemische Eigenschaften

Wirksubstanz Esketaminhydrochlorid, Konzentration 0,5% (5mg/ml) und 2,5% (25mg/ml)

Esketamin (Ketanest) - Wirkung

  • Esketamin führt zu einer dissoziativen (Trancezustand) Anästhesie (Hemmung Cortex u. Thalamus, Stimulation lymbisches System)
  • Potente Analgesie (überdauert Wirkung der Anästhesie)
  • Sedation u. Amnesie
  • Die Wirkungen sind dosisabhängig

Esketamin (Ketanest) - Wirkungsort

ZNS (Cortex, Thalamus, lybisches System), Blockade der NMDA Rezeptoren

Esketamin (Ketanest) - Wirkungseintritt

i.v. : 30 – 60 Sek.   

i.m. : 3 – 6 Min.

Esketamin (Ketanest) - Wirkungsdauer

t- ½ α Umverteilung i.V.       : 4 – 10 Min.

t- ½ α Umverteilung i.m.      : 10 – 20 Min.

t- ½ β Elimination                 : 2 – 4 h

Esketamin (Ketanest) - Indikationen

  • Monoanästhetikum für kurze Eingriffe (Reposition, VW …)
  • Wiederholte Debridements bei Verbennungen
  • Anästhesie und Analgesie in der Notfall- und Katastrophenmedizin
  • Anästhesieeinleitung bei schockierten Patienten und Risikopatienten
  • Analgesie bei schmerzhafter OP Vorbereitung (umlagern)
  • Supplementierung bei Regionalanästhesie
  • Therapie Status asthmaticus
  • Notfall Sectio (can not intubate)

Esketamin (Ketanest) - Kontraindikationen

  • Hypertonie, Tachykardie, KHK, Herzinsuffizienz, Aortenstenose, Mitralstenose
  • Prä-Eklampsie, Eklampsie, Uterusruptur, Nabelschnurvorfall, Phächromocytom, Hyperthyreose
  • WPW-Syndrom, CVI, SHT mit ICP ▲, Glaukom, perfordierende Augenverletzung, Epilepsie, Eingriffe am Pharynx/Larynx, ambulante Eingriffe fraglich

Esketamin (Ketanest) - Dosierungen

Einleitung (Initialdosis)

0,5 – 1mg/kg i.v. (2 – 4 mg/kg i.m.)

Nachinjektion

½ der Initialdosis alle 10 – 15 Min.

Dauerinfusion

0,5 – 3mg/kg/h

Analgesie (NF)

0,125 – 0,25 mg/kg i.v. (0,25 – 0,5 mg/kg i.m.)

Suplementation für AA

0,25 mg/kg/KG (Tipp: ¼ vom KG in mg)

Status asthmaticus

0,25 – 0,5 mg/kg i.v.

Esketamin (Ketanest) - Elimination

Hepatischer Abbau (Metabolit Norketamin hat eine Potenz zu Esketamin von 1/3 – 1/10) 

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