Aufbau und Funktion der Blutgefässe

Aufbau und Funktion der Blutgefässe - Med2 HS18 Unifr

Aufbau und Funktion der Blutgefässe - Med2 HS18 Unifr


M. B.
Diese Lernkarten behandeln den Aufbau und die Funktion von Blutgefäßen auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Struktur und den Verlauf von Arterien, Kapillaren und Venen, sowie auf den Stoffaustausch und die Regulation der Durchblutung. Besonders beleuchtet werden die Funktionen von Kompressionsstrümpfen, die Definition und Ursachen von Ödemen sowie die Rolle der Starling-Formel bei der Bestimmung des Filtrationsvolumens. Diese Karteikarten sind ideal für Medizinstudenten, die ein tiefes Verständnis der Gefäßphysiologie erlangen möchten.
Cartes-fiches
52
Utilisateurs
5
Langue
Allemand
Catégorie
Médecine
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
09.12.2018 / 09.01.2021

Cartes-fiches

Funktion, Verlauf und Besonderheiten der Arterien darlegen

  • Funktion: Transportieren das arterielle (sauerstoffreiche) Blut vom Herzen weg 
  • Verlauf: Werden sukzessive kleiner (Arterien → Arteriolen → Metarteriolen → Kapillaren)
  • Besonderheit: Arteriolen dienen als sog. Widerstandsgefäße 

Funktion, Verlauf und Besonderheiten der Blutkapillaren darlegen: 

  • Funktion: Vermitteln den Gas- und Stoffaustausch
  • Verlauf: Gehen in Venolen über (Kapillare → Venole)
  • Besonderheit: Extrem hohe Querschnittsfläche bei niedriger Fließgeschwindigkeit  und kurzer Diffusionsstrecke

Funktion, Verlauf und Besonderheiten von Venen darlegen: 

  • Funktion: Transportieren das venöse (sauerstoffarme) Blut aus der Peripherie zum Herzen
  • Verlauf: Bilden sich nach dem Kapillarbett → Werden sukzessive größer (→ Kapillare → Venole → Vene → Hohlvene)
  • Besonderheit: Können ein großes Blutvolumen speichern (werden daher als sog. Kapazitätsgefäße bezeichnet)

Funktion und Verlauf der Lymphgefässe darlegen: 

  • Funktion: Dienen unter anderem der Drainage von Flüssigkeit aus dem Gewebe
  • Verlauf: Lymphgefäße werden sukzessive größer und münden letztlich im Venensystem (→ Venenwinkel → obere Hohlvene) → Kein eigenständiger Kreislauf

Definition und Aufbau des Transportsystems: 

Definition: Gefässabschnitt, der v.a. dem Transport, der Speicherung von Blutvolumen und der Regulation des Blutdruckes dient. 

Aufbau: Besteht aus grossen Gefässen (v.a. Arterien und Venen)

Definition und Aufbau des Austauschsystems geben: 

Definition: Kreislaufabschnitt, der für den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe verantwortlich ist

Aufbau: Besteht v.a. aus Kapillaren und postkapillären Venolen

Aus welchen drei Schichten bestehen die grossen Gefässe (meistens)?

Von innen nach aussen: 

  • Tunica intima ("intima")
  • Tunica media ("media") 
  • Tunica adventitia ("Externa"/"Adventitia")

Aus welchen Schichten besteht die "Intima" eines grossen Blutgefässes?

  • Endothel
  • Stratum subendotheliale
  • Membrana elastica interna

Was sind die Bestandteile des Endothels und welche Funktionen hat es? 

Besteht aus einer Reihe platter Endothelzellen auf einer Basallamina. Seine Funktionen sind: 

  • Diffusionsbarriere
  • Regulation von
    • Adhäsion (Leukozytenmigration)
    • Blutgerinnung
    • Gefässweite
    • Angiogenese 
  • Synthese von Extrazellulärmatrix

Was sind die Bestandteile und Funktionen des Stratum subendotheliale?

Besteht v.a. aus Extrazellulärmatrix und enthält kaum Zellen. Seine Funktionen sind: 

  • Beteilligung an der Blutgerinnung

Was sind die Bestanteile der Membrana elastica interna und was ist ihre Funktion?

Besteht v.a. aus elastischen Fasern (Flechtwerk) und hat die Funktion, dieses Flechwert zu spalten zur erleichterten Diffusion

Aus welchen Schichten besteht die "Media" eines grossen Blutgefässes?

  • Muskelschicht
  • Membrana elastica externa

Was sind die Bestandteile und die Funktion der Muskelschicht der Media?

Aufgebaut aus glatter Muskulatur und Extrazellulärmatrix. Sie hat folgende Funktionen: 

  • Regulation der Lumenweite und somit des Gefässwiderstandes
  • Produktion von Extrazellulärsubstanz

Was sind die Bestandteile und Funktionen der Membrana elastica externa der "Media"?

Aufgebaut aus vielen elastischen Fasern, sorgt sie für besondere Elastizität

Aus welchen Schichten besteht die "Adventitia"/"Externa" eines grossen Blutgefässes?

Die "Adventitia" hat keine weitere Schichtung. Sie besteht aus Bindegewebe aus elastischen und kollagenen Fasern und hat folgende Funktionen: 

  • Führt Versorgungseinrichtungen der Blutgefässe (Nerven, Lymph- und Blutgefässe (Vasa vasorum))
  • Verankert das Gefäss in seiner Umgebung. 

Welche Arterientypen gibt es?

  • Arterien vom elastischen Typ
  • Arterien vom muskulären Typ

Eigenschaften (Vorkommen, Bestandteile der Media, Funktion und Aufzweigung) der elastischen Arterien beschreiben?

  • Vorkommen: Herznahe Gefässe (Aorta, Truncus pulmonalis und ihre grossen Abgänge)
  • Bestandteile der Media: Insb. elastische Fasern
  • Funktion: Speicherung eines Teils der vom Herzen während der Systole erzeugten Energie ("Windkesselfunktion") -> Nivellierung der Druckunterschiede von Systole und Diastole
  • Aufzweigung: Sukzessiver Übergang zu Arterien vom Muskulären Typ

Eigenschaften (Vorkommen, Bestandteile der Media, Funktion und Aufzweigung) der muskulären Arterien beschreiben?

  • Vorkommen: Herzferne Gefässe (bspw. A. brachialis, A. femoralis)
  • Bestandteile der Media: Insb. glatte Muskulatur
  • Funktion: Möglichkeit der muskulären Lumenregulation (Veränderung des Gefässwiderstandes) -> Widerstandsgrösse
  • Aufzweigung: Arteriolen -> Metarteriolen

Was ist (im Gegensatz zu den Arterien) besonders an den Eigenschaften von Venen?

  • Aufbau der Gefässwand
  • Funktion

Inwiefern unterscheiden sich die Gefässwände von Venen von denen von Arterien?

  • Intima: Membrana elastica interna ist meist dikontinuierlich. Die Intima der Venen enthält Venenklappen
  • Media: Besitzt i.d.R. deutlich weniger glatte Muskelzellen als Arterien. Die Membrana elastica externa fehlt
  • Adventitia: Kann glatte Muskelzellen enthalten und ist bei manchen Venen die dickste Wandschicht

Transmuraler Druck (Definition, Formel)?

Definition: Der transmurale Druck (Ptm) ist die Differenz zwischen dem im Gefäss herrschenden Druck (Pi) und dem von aussen auf das Gefäss wirkenden Druck (Pe)

 

Tangentiale Wandspannung (Definition, Formel)?

Definition: Kraft innerhalb der Gefässwand, die dem Auseinanderstreben bei Dehnung entgegenwirkt und die Gefässwand "zusammenhält"

Formel: σt = (Ptm × r) / h

Schlussfolgerungen: 

  • Nimmt bei sinkender Gefässwanddicke und steigendem transmuralem Druck und/oder Innendurchmesser zu
  • Je kleiner der Gefässradius und je dicker die Gefässwand ist, desto weniger tangentiale Wandspannung wird bei gleichem transmuralem Druck erzeugt. 

Gefässkompliance definieren (Definition, Formel, Schlussfolgerungen)

Wodurch wird die Gefässkompliance v.a. bestimmt? Was hat das für Auswirkungen?

Die Gefäßcompliance wird vor allem durch die Muskulatur eines Gefäßes bestimmt. Besonders muskelreiche Arteriolen zeigen eine niedrige Compliance und gelten als Widerstandsgefäße. Venen besitzen wenig glatte Muskulatur, weshalb ihre Compliance bis zu 200fach größer ist. Sie gelten daher als Kapazitätsgefäße!

Volumenelastitizitätskoeffizent definieren (Definition, Formel, Schlussfolgerung)

  • Definition: Der Volumenelastizitätskoeffizient eines Gefäßes ist ein Maß für die Blutdruckveränderung, die sich aus der Veränderung des Gefäßvolumens ergibt. Mathematisch handelt es sich hierbei um den Kehrwert der Compliance (Nachgiebigkeit) 
  • Formel
    • E' = 1 / C
    • E' = ΔP / ΔV
  • Schlussfolgerungen
    • Je höher der Volumenelastizitätskoeffizient (E') eines Gefäßes ist, desto stärker ändert sich dessen Blutdruck (ΔP) bei einer (Blut‑)Volumenänderung (ΔV)
    • Je niedriger der Volumenelastizitätskoeffizient (E') eines Gefäßes ist, desto weniger ändert sich dessen Blutdruck (ΔP) bei einer (Blut‑)Volumenvergrößerung (ΔV)

Beschreiben des Verhältnisses Compliance und Volumenelastitzitätskoeffizent?

Die Compliance und der Volumenelastizitätskoeffizient sind zwei verschiedene Arten die Elastizität eines Stoffes bzw. Organs zu beschreiben. Da der Volumenelastizitätskoeffizient der Kehrwert der Compliance ist, verhalten sich ihre Werte gegensätzlich! (bspw. Compliance↑ → Volumenelastizitätskoeffizient↓)

Definition, Aufbau, Verteilungsdichte der Kapillaren und Durchblutung der Endstrombahn beschreiben?

  • Definition: Kreislaufabschnitt, der für den Stoffaustausch verantwortlich ist
  • Aufbau: Besteht v.a. aus präkapillären Arteriolen, Kapillaren und postkapillären Venolen
  • Verteilungsdichte von Kapillaren: Anzahl der Kapillaren pro Fläche variiert je nach Region/Organ 
  • Durchblutung der Endstrombahn: Stark reguliert → Zu jedem Zeitpunkt wird nur ca. ⅓ der Kapillaren und Venolen perfundiert

Welche gemeinsame Wandschichten haben Kapillaren?

Gemeinsame Wandschichten (von innen nach außen)

  1. Endothelzellen (eine Lage) 
  2. Perizyten 
  3. Basalmembran

Welche drei Typen von Kapillaren gibt es?

  • Kontinuierliche Kapillaren
  • Fenestrierte Kapillaren
  • Diskontinuierliche Kapillaren / Sinusoide

Welcher Kapillartyp kommt wo vor?

  • Kontinuierliche Kapillaren: Vorherrschend bei den meisten Organen
  • Fenestrierte Kapillaren: Organe mit grosser Sekretions- bzw. Resorbtionsleistung wie bspw. Dünndarm, Niere und endokrine Drüsen
  • Diskontinuierliche Kapillaren/Sinusoide: Bspw. Leber, Knochenmark, Plazenta und Milz

Was ist das besondere Am Aufbau der kontinuierlichen Kapillaren?

Kontinuierliches Endothel bildet eine vollständige oder annähernd geschlossene „Röhre“ mit unregelmäßigen Lücken

Was ist das besondere Am Aufbau der fenestrierten Kapillaren?

  • Fenestriertes Endothel weist Fenster bzw. Poren auf 
  • Fenster werden von einem Diaphragma mit vielen negativen Ladungen bedeckt 

Was ist das besondere Am Aufbau der diskontinuierlichen Kapillaren/Sinusoiden?

Diskontinuierliches Endothel besitzt Gruppen besonders großer transzellulärer Poren, z.T. sogar ohne Diaphragma und Basalmembran

Was sind die verschiedenen Transporteigenschaften der Kapillarentypen?

Kontinuierliche Kapillaren: Unregelmässige Lücken erlauben nur z.T. parazelullären Transport

Fenestrierte Kapillaren: Durchtritt von Wasser und hydrophilen Molekülen möglich, von Plasmaproteinen jedoch erschwert wegen ihrer negativen Ladung

Diskontiuierliche Kapillaren/Sinusoide: Durchtritt von Makromolekülen möglich

Was ist das Besondere an den kontinuierlichen Kapillaren des Hirns?

Die kontinuierlichen Kapillaren des Gehirns weisen besonders viele und dichte Tight junctions auf, so dass der parazelluläreTransportweg verschlossen ist. Auf diese Weise ist das Endothel maßgeblich an der Blut-Hirn-Schranke beteiligt!

Venolen (Definition, Aufbau und Funktionell besondere Venolen)

Definition: Venöse Gefässe, die sich zwischen Kapillaren und dem Venensystem befinden

Aufbau: Verändert sich kontinuierlich im Verlauf: 

  • Postkapilläre Venolen: Aufbau ähnelt eher Kapillaren (-> Hohe Permeabilität -> Stoffaustausch)
  • Sammelvenolen: Aufbau kann bereits grösseren Blutgefässen ähneln (dreischichtig)

Funktionell besondere Venolen: Hochendotheliale Venolen besitzen spezielle Oberflächenmoleküle zur Erkennung von Leukozyten -> Ort der Leukozytenmigration in bzw. aus lymphatischen Organen

Gefässstrukturen (und Definition dieser) zur Durchblutungsregulation

  • Präkapilläre Spinkter: Vermehrte zirkulär angeordnete Muskelzellen am Übergang der Metarteriole zur Kapillare
  • Arteriovenöse Anastomose: Direkte Verbindung zwischen arteriellem und venösem Schenkel des Kapillarbettes (unter Umgehung des Kapillarbettes)
  • Sperrarterien: Arterien mit subendothelialen (Längs‑)Muskelbündeln vor einem Kapillarbett
  • Drosselvenen: Venen mit (Längs‑)Muskelpolstern unter der Intima

Funktion der präkapillären Sphinkter

Regulation der Durchblutung des nachfolgenden Kapillarbettes mittels Kontraktion bzw. Entspannung des Sphinkters

Funktion und besonderes Vorkommen der arteriovenösen Anastomosen

Mediamuskulatur ist durch Kontraktion bzw. Entspannung in der Lage, die Lumenweite der arteriovenösen Anastomose zu regulieren → Regulierung ihres Strömungswiderstandes → Regulation der Durchblutung der arteriovenösen Anastomose → Umgehung (geöffnete Anastomose) oder Durchblutung (geschlossene Anastomose) des nachgeschalteten Kapillarbettes

Besonderes Vorkommen: Haut (zur Thermoregulation)

Funktion und besonderes Vorkommen der Sperrarterien

Funktion: Kontraktion der glatten Muskelzellen vermindert Gefäßlumen → Erhöhung des Strömungswiderstandes → Drosselung bzw. Sperrung der Durchblutung des nachgeschalteten Kapillargebiets

Besonderes Vorkommen: Endokrine Organe und Genitalien

Étudier