Bon
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Lernkarten
Welche 3 Arten schamanischer Owoos gibt es?
1. "himmlische Owoo"
2. "Erd-Owoo"
3. "Menschen-Owoo"
Wo sind Owoos meisstens zu finden?
auf Bergen, Pässen, an Quellen, Flussufern, Felsen, in der Steppe
Welche Funktionen haben Owoos?
- Wohnorte der Territorialgottheiten des nutag
- In der Westmongolei oft dem "Alten Weissen" zugeordnet (Anführer aller Lokalgottheiten)
- "Erinnerungs-Owoo"
- Grenzmarkierungen der Banner
Was ist an den Owoos auf den Bergpässen besonders?
- keine permanenten Aufenthaltsorte
- Versammlungsort der Gottheiten der Umgebung
- Grenzmarkierung zwischen den einzelnen Territorialgottheiten
Was ist Nutag?
Nutag = "Heimat"
- Die Berggottheiten und andere Lokalgottheiten sind Teil der Gemeinschaft und bilden zusammen den nutag
- Als Ahnengeister, Schutzgottheiten oder Begleiter
- Enge Verbindung zum Nutag durch die Nabelschnur
Welches sind wichtige Rituale in Verbindung mit dem Nutag?
- "Opfer der Placenta" am Geburtsort
- Reisende opfern dem Owoo min. 3 Steine und umrunden ihn 3 Mal
Welche Verbindung besteht zwischen dem Bergkult, dem Nutag und dem Owoo?
- Nutag findet seinen Ausdruck in den lokalen heiligen Bergen und Lokalgottheiten
- Nutag wird im Banner repräsentiert, in dem der Einzelne wohnt
- Haupt-Owoo des Banners: "Lebenskraft-Owoo des Banners"
- Banner-Owoo wird von der Fürstenfamilie des Banners finanziert und organisiert
- Heute: Distrikt-Owoos
- Verbot der Teilnahme von Fremden am lokalen Owoo-Kult
Was ist ein patrilinearer Owoo?
- Kultteilnahme nur für Mitglieder der patrilinearen erweiterten Familie
- Befinden sich gewöhnlich auf Hügeln oder Bergen, die nahe an den Winter- und Sommerweiden liegen
Was kann man zur Lokalität des Owoo-Kults und der Migration in die Stadt sagen?
Menschen, die vom Land in die Stadt (Ulaanbaatar) gezogen sind und unter gesundheitlichen und beruflichen Problemen leiden, schliessen dies auf die Abgeschnittenheit von ihrem nutag
- Die Gottheiten erwahrten weiterhin verehrung
So ist es für sie die einzige Lösung zurückzukehren und im nutag die Berge zu verehren.
Was machen Mongolen mit der Bergverehrung, wenn sie im Ausland leben?
- Verehrung der lokalen Berge an neuem Wohnort
- Mitnehmen von Steinen und Photos der heiligen Berge des nutag an den neuen Ort
- Bsp. San Francisco
Was gibt es für Gender-Spezifizierungen in der lokalen Owoo-Verehrung?
- Sainshad / Gobi: Verehrung zweier Owoo in Form von weiblichen Brüsten speziell durch Frauen
- Bei Sonnenaufgang Milchlibationsopfer zum Beispiel bei unerfülltem Kinderwunsch
- Männer sollten auf die rituelle Umwandlung verzichten
- In ca. 3 km Entfernung: Owoo auf einem nur Männern zugänglichem Hügel
- Frauen dürfen nur bis in die Mitte des Hügels gehen
Weshalb sind Gender-Apekte wichtig im Owoo-Kult?
- Owoo: männliche Führerschaft
- Der Owoo-Kult wird vom Klanältesten, Lama, Mönchen und früher vor allem von Schamanen (bis zum 7. Jh.) durchgeführt
Was hat ein Owoo mit dem sozialen Status zu tun und unter welchen Owoos wird unterschieden?
- Lage und Aussehen eines Owoos gab früher Auskunft über den sozialen Status der Teilnehmenden des Owoo-Kults
1. "Owoo der Edlen": Owoo die von den Herrschenden verehrt wurden (z.B. Banner-Owoo)
2. "Owoo der gewöhnlichen Leute": Owoo die von der Bevölkerung verehrt wurden
3. Owoo die von Angehörigen des Borjigin-Obog verehrt wurden (Familie des Chinggis Khan)
Wie wird der Owoo im Alltag verehrt?
- Der lokale Owoo wird täglich verehrt, indem die Gottheiten um Alltagsangelegenheiten befragt werdem
Frauen:
- In direktem Kontakt mit den Territorialgottheiten durch tägliche Libationsopfer
- Keine Standartgebete für dieses tägliche Ritual
- Morgends nach dem Aufstehen: Milchopfer an die Herren der Natur und der Erde
- Schutz für die Familie und das Vieh, besonders für die Kinder
- Einbezug des heiligen Berges des nutag in das Opfer
- wird auch in der Stadt vollzogen
Wie wurde der Bergkult zum Staatskult während der Qing-Zeit und der Bogd Khan Regierung?
- 1644-1911: Ehrung der Berge durch die Regierung während der Qing-Zeit
- Zwei Gipfel des Bogd Khan Berges erhielten Ränge und ein Gehalt von der Qing-Regierung
-->Der Berg wird als Person betrachtet
- 1911-1924: Während der Regierung des Bogd Khan wurde das Gesetz der "Zeremonie der Verehrung" verabschiedet
- schrieb die Verehrung der 3 heiligen Berge fest
- Otgontenger Berg erhielt den Rang eines "treuen Unterstützer-Herzogs"
Was geschah bezüglich des Berg- und Staatkults nach 1900?
Seit 1900: Insgesamt 8 Berge als Orte der Staatsverehrung anerkannt
- 1995: Dekret „zur Unterstützung von Initiativen zur Wiederbelebung der Tradition der Verehrung der Berge Bogd Khan Khairkhan, Khan Khentii und Otgontenger“
- Der Bodhisattva Vajrapani wurde von der mongolischen Regierung wieder als Schutzgottheit eingesetzt
- Sein Kult gewährleistet Verdienst und Sicherheit für den mongolischen Staat und Wohlstand für die Nation
- 2004: Gesetz zur Verehrung von 4 Bergen: Burkhan Khaldun, Bogd Khan, Otgontenger und Altan Owoo
- 2005: Gesetz, das die Staatsverehrung des Altan Höhii Berges im Altai (Westmongolei) anerkennt
- 2007: Gesetz zur Staatsverehrung der drei Berge Suvraga Khairkhan (Arkhangai Aimag), Khan Khöhii (Uvs Aimag) und Sutai Khairkhan (Gobi Altai Aimag)
Inwiefern beteiligt sich der Staat am heutigen Staatkult?
- offizielle Teilnahme entweder des Präsidenten oder eines anderen Repräsentaten des Staates bei den Zeremonien
- Organisation und Beratung der religiösen Zeremonien und Praktiken auf den Bergen und Owoos des Staatskults durch die „Vereinigung für die vom Staat verehrten Owoos“ (von buddh. Abt präsidiert)
- Organisation des Staatskults durch Komitee der Aimag-Regierung, in der der heilige Berg liegt
- Die Staatszeremonie dauert gewöhnlich 2 Tage: religiöse Zeremonien am 1. Tag, politische am 2., anschliessend grosses Naadam
- Nadaam = säkular-religöses Fest
Beschreibe den Ablauf einer politischen Zeremonie beim Staatskult der Berge
1. Der Repräsentant des Staates kommt von der Westseite des Owoos, zusammen mit Soldaten der Staats- Ehrengarde mit der Nationalflagge auf 9 Pferden
2. Der Repräsentant des Staates liest dem Berggott das Staatsdekret vor, anschliessend wird es mit Seide und Sang in einem Feuer verbrannt und so dem Gott geschickt
3. Die anwesenden Staatsbeamten opfern Khadag und Butterlampen dem Owoo
4. Ein Krieger in Rüstung schiesst einen Pfeil in den Himmel, symbolisch das präsidiale Dekret in den Himmel sendend
5. Die Anwesenden verneigen sich vor dem Owoo und umrunden ihn
Was gibt es über die Bergkultur und Pilgerreisen in der Mongolei zu sagen?
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Beschreibe den "inneren" Atem
- Unmittelbar nach dem Ende des "äusseren" Atems: Vision des "Klaren Lichtes" = wahre Natur der Wirklichkeit
- Erkennt der Sterbende das "klare Licht", verweilt er eine Zeitlang in einem meditativen Zustand
- kann von spirituell fortgeschrittenen Lamas sehr lange aufrecht erhalten werden
-->Tripa Lobsang Nyima 18 Tage in thugdam
- Während dieser Zeit funktioniert der innere Atem und der Köper der Person zeigt keinerlei Anzeichen von Verwesung
--> die Person lebt
- Nach Abschluss der Erfahrung des klaren Lichts: der innere Atem stoppt, die Lebenskraft verschwindet, das Bewusstsein verlässt den Körper
--> anschliessend Zwischenzustand (bardo)
Beschreibe den "äusseren" Atem genauer
- "Bewusstseinsübertragung" (tib. phowa): nach dem Ende des äusseren Atems, aber vor dem Ende des inneren Atems ?
- Unterschiedliche Textazssagen, wenige und wiedersprüchliche antroplogische Berichte
- Ziel: Eingehen in ein Buddhafeld, meist Sukhavati
- Vor dem phowa-Ritual: keine Berührung der Verstorbenen, da das Namshe (=Bewusstseinsprinzip) dort aus dem Körper austritt, wo er berührt wird
- phowa durch den Lama: Zurückholen des Namshe (oder bla) in den Körper; der Lama reisst dem Toten ein Haarbüschel am Scheitel aus, aus der kleinen Öffung verlässt das Namshe den Köper und geht direkt in die Sukhavati ein
--> Wir wissen heute nicht, ob dies eine traditionelle Praktik ist oder ob sie erst durch die Exilsituation entstanden ist
Inwiefern hat in Tibet und in der Mongolei die Astrologie eine Bedeutung für die Bestattung?
- Horoskop zur Bestimmung der Wiedergeburt
- Spezialist: Astrologe oder Ngagpa, oder selten ein Lama
- Unterschiedliche Materialien für das Horoskop
- Astrologische Handbücher waren sehr verbreitet und beliebt
- Bedeutung des Todeszeitpunkts: Tageszeit, Mondphase etc,
- Horoskop soll den letzten Gedanken des Toten herausfinden
- Gegensteuerung negativer Gedanken durch Bittgebete, Opfergaben etc. (Verdienstübertragung)
- Ermittlung von Zeit, Methode und Ort (Mongolei) der Bestattung
Welche weiteren möglichen Rituale in Zusammenhang mit dem Tod gibt es in tibetischen Regionen?
- Lesung eines Textes zur Führung des Verstorbenen, Bittgebete zur Verdienstübertragung
- Dauer solcher Rituale hängt von der finanziellen Situation der Hinterbliebenen ab!
- Totenbuch
- Anweisungen an den Verstorbenen, sich seines Todes bewusst zu sein und die Reise durch den *Bardo anzutreten
Reinigungszeremonien
Führung des Verstorbenen mit Hilfe von bebilderten Karten
Angebot von Speisen und Wasser an den Verstorbenen
- Das Tsha gsur/bsur-Ritual: Langsame Verbrennung von Getreide und Butter in Tonkrug vor Haustür
- zeitgleich Rezitation von Gebeten im Haus: Nährung des im Bardo befindlichen Verstorbenen durch den Geruch der Nahrung
Wie wird der Leichnam in tibetischen Regionen behandelt?
- Waschung des Leichnams
- Blockierung der Sinnesorgane: Mund, Nase, Vagina werden mit Butter verstopft; der Penis an der Spitze mit Wolle oder einem Baumwollfaden gebunden
- Einreibung des Leichnams mit Öl
- Zusammenbindung des Körpers (fötale Position)
- Ein Lama hingegen wird in Meditationshaltung aufgebahrt
- häufigste Aufbahrung: in liegender Position, auf der rechten Seite (die «Löwenposition»), mit der rechten (Männer) bzw. linken (Frauen) Hand unter der Wange
- Aufbahrung: im Sterberaum, oder einem anderen Raum (Schreinraum z.B.)
- Nur geringe Verunreinigung durch den Leichnam
Wie wird ein Verstorbener in Tibet zur letzten Ruhestätte begleitet?
- Transport des Leichnams: in weisses Tuch eingeschlagen, in einer hölzernen Kiste
- Leichenzug: nur Leichenträger, oder begleitung von Verwandten und Freunden, Lamas
- In manchen Regionen begleiten Frauen den Leichenzug, in anderen nicht
- Festbinden eines Khatang am Leichnam oder der Bahre
- Unterwegs dürfen die Leichenträger nicht anhalten und den Leichnam auf dem Boden absetzen
- Bahre wird auf Steinen abgelegt
Was kann man über die Bestattungsarten in Tibet sagen?
Regional unterschiedlich, oft wohl vom sozialen Status bestimmt sowie wahrscheinlich in einzelnen Regionen gender-speziefisch
Was ist wichtig hintergründlich zu wissen, wenn man die Bestattungsrituale in der Mongolei und un Tibet betrachtet?
- Ritualpraktiken und ihre Reihenfolge, Umgang mit dem Leichnam und Bestattungsarten: grosse Variationsbreite in den einzelnen Regionen
- zum Teil wird der Tod sehr tabuisiert
- Umgang mit dem Tod in tibetischen und mongolischen Gesellschaften:
- Der Tod als Bestandteil der «drei Wahrheiten» (Geburt, Leben, Tod).
- Die «richtige» Weise zu sterben: in vollem Bewusstsein, zum Todeszeitpunkt karmisch positive Gedanken zu hegen
- Keine Trauerbezeigungen durch Hinterbliebene in den ersten Tagen
Wie verläuft der Sterbeprozess und wann ist ein Mensch wirklich tot? (tibetischer und mongolischer Buddhismus)
- Der Prozess des Sterbens in tibetischen Texten, z.B. Text «Selbstbefreiung durch [das Erkennen] der Omen und Zeichen des Todes»
- Unterscheidung zwischen der Einstellung des «äusseren Atems» und der Einstellung des «inneren Atems»
- «äusserer» Atem: Ein- und Ausatmen
- Wenn der Mensch aufhört zu atmen, verbleibt das Lebensprinzip (srog) im Körper, am Leben gehalten durch den subtilen «inneren» Atem, den «Wind» (rlung, skt. prana)
- Solange der «innere» Atem funktioniert, gilt der Körper als bewusstlos
- Erst wenn der «innere» Atem stoppt, ist der Mensch tot
Wie wird in tibetischen Gesellschaften der Todeszeitpunkt bestimmt?
- keine schriftlichen Quellen zur Bestimmung des Todeszeitpunktes
- unklar, wer einen Menschen für tot erklärt
- Mönche oder Lamas erscheinen oft erst, nachdem der Mensch für tot erklärt worden ist
- Bei den Thakali in Nepal: (vergebliches) Herbeirufen der Seele (bla) durch die Verwandten, um den Tod festzustellen
- Vollzug von Ritualpraktiken nach Ende der «äusseren» Atmung
- Praktische Vorbereitungen für die Bestattung erst nach dem Ende des «inneren» Atems
Welche Vorkehrungen werden in Tibet zum Schutz der Hinterblibenen getroffen?
Zwei Gefahren:
- Versuch der Seele, zurückzukehren
- der Dämon, der den Tod verursacht hat
- der Leichnam darf nicht von Dämonen oder der Seele des Verstorbenen «übernommen» werden (Rolang)
Vorkehrungen gegen Rolang:
- Bittgebete, Opfergaben
- Wache beim Leichnam und Rezitation von Mantras (durch einen Lama)
- Keine Katzen und Hunde im Haus
- Bindung des Leichnams in fötaler Position (Brechen des Rückgrats)
- Talismane auf dem Körper
- Erhöhte Türschwellen, niedrige Türen
- Almosen an Bettler und Tempelbesuche
Beschreibe die Erdbestattung genauer
- wird in manchen Regionen anscheinend positiv bewertet, in den meisten jedoch negativ
- soll zu einer Wiedergeburt in den Höllen führen
- lange Zeit der Verwesung wird negativ gesehen: die Gefahr, ein Rolang zu werden, ist gross
- Diese Bestattungsart scheint bei ansteckenden Krankheiten angewendet worden zu sein
- Der Körper wird oft nur wenig mit Erde bedeckt, das Grab ist flach
Beschreibe die Bestattungsart der Verbrennung genauer
- Bei Mönchen und Lamas
- Entstehen von Ringsel
- In der indischen und nepalesischen Diaspora die bevorzugte Bestattungsmethode
Beschreibe die Mummifizierung genauer
- Präparierung des Leichnams
- oft bevorzugte Bestattungsart bei hohen Lamas (z.B. Dalai Lama)
Beschreibe die Wasserbestattung genauer
- Bestattungsart bei ansteckenden Krankheiten, Unfall- oder Mordopfern, schwangeren/unfruchtbaren Frauen etc. ?
- Bei Kindern und Säuglingen
Beschreibe die Anfänge der Himmelsbestattung genauer
- bya gtor = "Den Vögeln hinstreuen"
- erste tibetische Erwähnung in einem Text von 1685
- erste europäische Erwähnung 1327/28 in einem Reisebericht
- Himmelsbestattungsplätze: immer ausserhalb der Siedlung, an erhöhten Platz, oft auf grossen Stein/ Felsen
- Aussagen, wer durch bya gtor bestattet wird und wer nicht, widersprechen sich
- Erwachsenen vorbehalten? (hingegen Charles Ramble: normale Bestattungsform für Kinder bis zum 13. Lebensjahr)
- Manche Autoren sagen, bya gtor sei dem buddh. Klerus vorbehalten, andere behaupten das Gegenteil
Was gibt es über die heutige Himmelsbestattung in Tibet zu sagen?
- laut Behördenangaben in der TAR 1075 Bestattungsorte für bya gtor
- Ca. 100 Tobden, Ragyapa, wahrscheinlich auch chinesische «Bestatter»
- Grösster Bestattungsort beim Kloster Drigung: im Durchschnitt 10 Bestattungen pro Tag
- 1985-1990 Gesetzgebung zu Bya gtor
- 1996 neue gesetzliche Regelungen, insbesondere in Bezug auf Zuschauer
- Laut Pasang Wangdu, Direktor des Nationality Research Institute der Tibetischen Akademie der Sozialwissenschaften, wählen 80% der Tibeter bya gtor als Bestattungsart (Aussage von 2005).
- Aber: keine Untersuchungen zur Häufigkeit der verschiedenen tibetischen Bestattungsarten
Wie wird eine Himmelsbestattung durchgeführt?
1. Entkleidung des Körpers, Ausstrecken auf dem Felsen/Stein, Festbinden des Kopfs mit dem Gesicht nach unten in einer Schlinge an einem Holzpfahl (manchmal einem Stein)
2. Aufschneiden oder Zerhacken des Körpers in einer ersten Fütterung für die Geier; oft Herausnahme von Leber, Herz, Nieren, Eingeweide und als zweite Fütterung dargeboten
3. Die Knochen werden entweder zerstreut oder sie werden in einer zweiten Fütterung zerstossen und mit Tsampa vermischt erneut angeboten
4. Zerkleinerung der Innereien des Toten und mit Tsampa, Butter, Früchten vermischt den Vögeln angeboten
--> Unbekannt, ob die Bestattung von besonderen Ritualen (ausser der Rezitation von Mantras etc.) begleitet wird
Wie verhalten sich Pilger an solchen Bestattungsorten?
Veronika Ronge schrieb dazu 1990 in einem Bericht:
«Zum Zeichen der Ehrfurcht hatten die Männer ihre Zöpfe gelöst. Nach der Zirkumambulation – auch der Opferfeuer – betraten sie die Steinplatte, legten sich mit dem Rücken darauf nieder und schoben den Kopf durch eine der drei Seilschlingen, die an einem länglichen Felsbrocken, der auf der höchsten Kante der Steinplatte lag, befestigt waren. Sie verharrten eine Weile so und hatten auf diese Art ihre zukünftige Zerstückelung symbolisch vorweggenommen.»
Weshalb etscheiden sich Tibeter für die Himmelsbestattung?
- Verdiensterwerb
- Möglichst schnelle zerstörung des Körpers und somit Schutz davor, ein Rolang zu werden
- Anscheinend ist es in vielen Gegenden wichtig, dass der Körper ganz verschwindet
- Bleiben Reste, wird dies zu Tatsa verarbeitet
- Weiterverwertung der Knochen zu Ritualzwecken
- Knochentrompeten oder Schädelkalotten
Was kann man zusammenfassend über die Bestattung in tibetischen Regionen sagen?
- Der Mensch ist erst tot, wenn der «innere Atem» versiegt
- Der Bewusstseinszustand (möglichst klar und bewusst, positive Gedanken) zum Zeitpunkt des Todes ist sehr wichtig für das nachtodliche Schicksal und die Wiedergeburt
- Der Tod verunreinigt zwar, der Leichnam wird aber nicht als extrem unrein angesehen, man darf ihn berühren
- Bei der rituellen Behandlung des Leichnams stehen Schutzmassnahmen für die Hinterbliebenen im Mittelpunkt
- Es gibt regional unterschiedliche Bestattungsarten
- Zu den nachtodlichen Ritualen gehört die Führung des im Zwischenzustand verweilenden Bewusstseins bis zur nächsten Wiedergeburt
- Die Wiedergeburt erfolgt in den sechs Existenzbereichen