Päda

Pädagogische Psychologie 2018

Pädagogische Psychologie 2018


N. T.
Diese Lernkarten vermitteln psychologische Grundlagen des Lernens auf universitärem Niveau, insbesondere Modelle und Strategien der Selbstregulation. Im Fokus stehen kognitive und metakognitive Ansätze, Lernstrategien sowie motivationale Faktoren wie Vorwissen, Kapazität und Zeitmanagement, die den Lernerfolg beeinflussen. Studierende profitieren davon, um effektive Lernmethoden zu verstehen und anzuwenden.
Karten
110
Lernende
50
Sprache
Deutsch
Kategorie
Psychologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
07.07.2018 / 06.07.2026

Lernkarten

Die Art und Weise, wie Lernmaterial verarbeitet wid, ist entscheidend für die effiziente Nutzung kognitiver Ressourcen und dauerhaftes Behalten. Welche Strategie eignet sich bei sinnhaftem, welche bei sinnlosem Lernmaterial?

Bei sinnhaftem Lernmaterial: Steigerung des Lernerfolgs durch vorwissensgestützte Gruppierung von Informationen --> strukturierende Lernstrategie (Organisationsstrategie) = spontane und ressourcenschonende Anwendung

Bei sinnlosem Lernmaterial (z.B. Auswendiglernen): Steigerung des Lernerfolgs durch mnemotechnische Strategien (=einfache Merkstrategien)

  • Prinzip Mnemotechnik: Herstellen einer künstlichen Brücke zum Vorwissen

Es gibt eine starke Beanspruchung der kognitiven Ressourcen, solange die Strategien noch nicht routinisiert sind

Wie ist das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley aufgebaut? Welche Subsysteme gibt es?

Nenne auch die jeweiligen Subsysteme der Subsysteme

Über allem steht Zentrale Exekutive

  • Aufmerksamkeits- und Prozesssteuerung
  • modalitätsübergreifend
  • kapazitätsbeschränkt
  • keine Speicherfunktion 
  • aktiver, dynamischer Part

Prinzip des "Zentralen Flaschenhals" --> Selektion

Phonologische Schleife

  • "innere Sprache"
  • hält Informationen in verbaler Form (verbale Informationen werden temporär verfügbar gehalten, auch wenn sie visuell aufgenommen werden)
  • 2 Subsysteme
    • Phonologischer Kurzzeit-Speicher: kapazitätsbeschränkt, Inhalte zerfallen nach kurzer Zeit (wenn sie nicht verwendet werden)
    • Artikulatorischer Kontrollprozess: (inneres) Vorsprechen frischt die Gedächtnisspur im Kurzzeitspeicher auf 

Episodischer Puffer

  • integriert Informationen aus Subsystemen und dem LZG

Visuell-räumlicher Skizzenblock

  • "inneres Auge"
  • hält Inforationen in visuell-räumlicher Form
  • 2 Komponenten:
    • Visueller Kurzzeit-Speicher: Zwischenspeicher für Informationen über Form und Farbe
    • Innerer Schreiber/Zeichner: Hält räumliche Informationen und Bewegungsinformationen verfügbar + Rehearsal-Prozess

Die drei untergeordneten Systeme sind Hilfssysteme mit begrenzter Speicherkapazität

Welche Belege gibt es für die Unterscheidbarkeit von Subsystemen des Arbeitsgedächtnisses (wie in Baddeleys Modell)? Beschreibe das Experiment zu Robbins et al. an geübten und weniger geübten Schachspielern

Zweitaufgaben-Paradigma (dual-task paradigm)

Annahmen:

  • Wenn zwei Aufgaben auf dieselbe Komponente de AGs zurückgreifen, kommt es bei gleichzeitiger Ausführung zu Interferenzen (wechselseitige Störungen)
  • Wenn zwei Aufgaben auf unterschiedliche Komponenten des AGs zurückgreifen, können beide gleichzeitig ohne Leistungseinbußen ausgeführt werden 

Untersuchung von Robbins et al.:

  • VP sollen während des Trainings eine von vier Zweitaufgaben ausführen
  1. Repetitives Tapping = Kontrollbedingung
  2. Generieren von Zufallsfahren = Zentrale Exekutive
  3. Folge von Tastendrücken auf einer Tastatur nach einem bestimmten Muster = visuell räumlicher Skizzenblock
  4. Schnelle Wiederholung des Worts "see-saw" = phonologische Schleife (artikulatorische Unterdrückung)

Ergebnisse: 

  • Qualität der Schachzüge generell schlechter bei weniger geübten Schachspielern als bei geübten
  • In Kontrollgruppe und der Gruppe 4 (Wiederholung des Wortes see-saw): keine Qualitätseinbuße
  • Bei Gruppe 2 und 3: signifikante Qualitätseinbuße im Vergleich 
  1.  

Was beschreibt der "Effekt der phonologischen Ähnlichkeit" und welcher Versuch belegt diesen?

Die kurzfristige Erinnerungsleistung wird stark verringert bei ähnlich klingenden Wörtern 

Bei ähnlichen Bedeutungen ebenfalls, aber weniger stark

Versuch: Baddeley, Larsen, Andrade

  • Liste 1: Unähnliche Phonologie und unähnliche Bedeutung - gut zu merken 
    • Pit, Day, Cow, ...
  • Liste 2: Unähnliche Phonologie, aber ähnliche Bedeutung - etwas schlechter zu merken
    • Huge, Wide, Big, Tall, ...
  • Liste 3: Ähnliche Phonologie - schlecht zu merken
    • Cat, Map, Man, Cap, Mad

Phonologisch ähnliche Wörter werden beim Auslesen aus dem phonologischen Kurzzeit-Speicher verwechselt

Was besagt der Wortlängeneffekt? Was hat das mit der Kapazität der phonologischen Schleife zutun?

Die Erinnerungsleistung sinkt mit der Länge der zu merkenden Wörter

DIe Kapazität der phonologischen Schleife umfasst etwa so viele Wörter, wie eine Person in 2 Sekunden aussprechen kann

Inneres Vorsprechen von längeren Wörtern nimmt mehr Zeit in Anspruch und beansprucht die Kapazität des artikulatorischen Kontrollprozesses stark

Der Effekt verschwindet bei visueller Präsentation und bei artikulatorischer Unterdrückung

Beschreibe den Versuch von Klauer und Zhao (2004) zur Trennung vom räumlichen und visuellen Arbeitsgedächtnis

 

Erstaufgabe: Visuelle oder räumliche Merkaufgabe (Wiedererkennung eines chinesischen Schriftzeichens vs. räumlicher Position eines Punkts)

Zweitaufgabe: 

  1. visuell - Farbdiskrimination rot vs. blau
  2. räumlich - stationäre unter mehreren sich bewegenden Sternen identifizieren
  3. keine - Kontrollgruppe

AV: Interferenz - Leistungsdifferenz zur Kontrollgruppe

Ergebnisse

Die räumliche Zweitaufgabe stört die räumliche Erstaufgabe stärker als die visuelle Erstaufgabe 

Die visuelle Zweitaufgabe stört die visuelle Erstaufgabe, aber nicht die räumliche

-> doppelte DIssoziation von räumlichem und visuellem AG

Welche zwei Arten der Aufmerksamkeitskontrolle in der Zentralen Exekutive gibt es?
 

  1. Halbautomatisiertes, routiniertes System: Verteilung der Aufmerksamkeit auf konkurrierende Aufgaben
  2. Überwachendes Aufmerksamkeitssystem (SAS = supervisory attentional system): bei neuartigen Situationen oder wenn Routinen nicht anwendbar sind

Kann man während des Autofahrens gefahrlos telefonieren (auch mit Freisprechanlage/Headset?

 

siehe Experiment Strayer & Johnson - bei roter Ampel muss Taste gedrückt werden, während parallel per Headset telefoniert wird vs. Radio gehört wird

--> rote Ampel wird beim Telefonieren mehr als doppelt so häufig übersehen

Reaktionszeit um 50ms verlängert

--> deutliche Beanspruchung der Zentralen Exekutiven!

Was ist der Zusammenhang zwischen der zentralen Exekutiven und ADHS?

Impulsivität und Unaufmerksamkeit sind Folgen der Störungen der zentralen Exekutive 

Ursachen für ADHS unklar, multiple Faktoren wahrscheinlich (z.B: Störungen der neuronalen (dopamingesteuerten) Informationsverarbeitung im PFC (exekutive Funktionen!) und in den Basalganglien/Striatum (Bewegungssteuerung)

Wofür sind Teilsysteme des Arbeitsgedächtnisses beim Lernen relevant?

neue Wörter/Begriffe (sprachlich vermittelte Informationen) --> phonologische Schleife

visuell vermittelte Informationen --> visuell-räumlicher Skizzenblock

Lesenlernen, Vokabellernen --> phonologische Schleife 

  • von Lauten zu Wortrepräsentationen: phonologische Rekodierung

Verknüpfen von Wissensformen oder wenn man Infos aus dem Vorwissen braucht --> episodischer Puffer

Zielgerichtete kognitive Aktivitäten beanspruchen die zentrale Exekutive:

  • Kognitive/Metakognitive Lernstrategien

Ressourcenanspruchung vor allem hoch, wenn noch nicht routinisiert

Warum kann es zu Beginn der Strategienutzug zu einem Nutzungsdefizit kommen?

Der Strategieerwerb ist ggf. zu Beginn noch nicht effektiv, da viele Ressourcen benötigt werden kommt es zum Lernabfall

Später tritt allerdings eine Routinisierung ein

Wie kann man interindividuelle Unterschiede in der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses messen?

 

Phonologische Schleife: Einfache Spannenaufgaben (z.B. Reproduktion von Wort- oder Ziffernlisten)

Visuell-räumlicher Skizzenblock: z.B. Muster-Rekonstruktionsaufgaben 

Zentrale Exekutive: Komplexe Spannenaufgaben (Informationen müssen behalten werden, während gleichzeitig neue Informationen aktiv verarbeitet werden - zweite Aufgabe)

  • Lesespanne: Lesen von Sätzen und gleichzeitiges Behalten von Wörtern oder Buchstaben
  • Operation Span: Lösen von Rechenaufgaben und gleichzeitiges Behalten von Buchstaben
  • Wort- und Ziffern-Rückwärtsspanne
  • n-back-Aufgaben

 

Was ist der ELVES-Subtest Satzverifikation? Beschreibe den Versuch von Richter&Naumann, 2009 zu kognitiven Ressourcen und Schulleistung

Der ELVES-Subtest Satzverifikation misst die basalen Lesefähigkeitskomponenten

  • Wortebene: Worterkennung (lexikalischer Zugriff)
  • Satzebene: Semantische Integration der einzelnen Wörter zu einem kohärenten Satzsinn

Es gibt 16 wahre und falsche begriffliche Aussagen, z.B. "Ein Bungalow ist ein Haus mit einem spitzen Giebeldach"; alle Testitems beinhalten bekannte Wörter

Aufgabe der Testperson ist es, möglichst schnell zu entscheiden, ob die Aussage wahr oder falsch ist --> Reaktionszeit ist wesentliche diagnostische Variable (AV)

Richter & Naumann:

  • Hypothese: Die AG-Kapazität und die Effizienz von Lesefähigkeiten sollten deutliche Zusammenhänge mit der Schulleistung im Fach Deutsch haben 
    • Der Zsh sollte umso größer sein, je geringer die AG-Kapazität ist (kompensatorische Beziehung)
  • Überprüfung anhand der Daten von 80 Schüler(innen) aus den neunten Klassen an Gymnasien
  • Messung der basalen Lesefähigkeit mit ELVES
  • Messung der AG-Kapazität mit dem operation span task 
  • Zeugnisnote im Fach Deutsch als Kriterium für Schulleistung

Ergebnisse

  • Substanzielle Zusammenhänge: Bessere Schulleistungen im Fach Deutsch bei Schüler/innen mit stärker routinierten Lesefähigkeiten und größerer AG-Kapazität
  • Arbeitsgedächtniskapazität moderiert den Zusammenhang zwischen der Effizienz der Lesefähigkeiten und der Schulleistung 
  • Effizienz basaler Lesefähigkeiten ist umso wichtiger, je gerniger die individuelle AG-Kapazität ist!

Zusammenhang ist nur korrelativ!

Was sind die wichtigsten Ergebnisse zu "Arbeitsgedächtnis und Lernstörungen"?

Untersuchung: 245 Grundschulkinder, davon 129 mit diagnostiszierter Lernstörung, sollen verschiedene Arbeitsgedächtnisaufgaben bearbeiten 

Ergebnisse: Deutliche Niveauunterschiede in allen Arbeitsgedächtnismaßen (Phonologische Schleife, Visuell-Räumlicher Skizzenblock, Zentrale Exekutive)

In der Korrelationsmatrix: Ähnliche Korrelationsmuster für Kinder mit und ohne Lernstörung --> Struktur der interindividuellen Unterschede bei beiden Gruppen vergleichbar - Niveau unterscheidet sich

Was besagt die Theorie der kognitiven Belastung? Was macht die erweiterte Version der Theorie aus?

= cognitive load theory nach Chandler und Sweller

Unterscheidet 3 Arten der kognitiven Belastung beim Lernen

  1. Intrinsische kognitive Belastung: Inhaltsbedingt, bedingt durch die Lernaufgabe und das Material selbst und die Vorkenntnisse des Lernenden
  2. Extrinsische kognitive Belastung: Sachfremd, bedingt durch Art der Präsentation des Lernmaterials
  3. Lernrelevante kognitive Belastung: lernförderliche kognitive Aktivitäten (--> kognitive/metakognitive Lernstrategien)

Ziel ist es, die extrinsische kognitive Belastung möglich klein zu halten, damit die lernrelevante kognitive Belastung zum Tragen kommen kann. 

Was sind "verführerische Details" (im Bezug auf extrinsische kognitive Belastung) und welche Befunde gibt es dazu?

Informationen, die interesse wecken (sollen), aber für das eigentliche Lernziel irrelevant sind, z.B. dekorative Abbildungen oder unterhaltsame Videos, irrelevante verbale Informationen 

Harp & Maslich: Vorlesungssitzung über die Entstehung von Blitzen mit oder ohne verführerischen Details --> Verständnis der zentralen Inhalte leidet deutlich!

Sanchez & Wiley: Lehrtext über Eiszeiten, ohne Bilder, mit konzeptuell relevanten Bildern oder irrelevanten Bildern --> Bilder behinder das Verständnis von Studierenden mit geringer AG-Kapazität

Was beschreibt die Vergessenskurve nach Ebbinghaus? Was ist die Ersparnis-Methode?

  • Kontinuierliche Abnahme der Erinnerungsleistung
  • Unmittelbar nach dem Lernen starke Abnahme, dann allmähliche Abflachung der Kurve
  • Ebbinghaus' Methode: Auswendiglernen von Listen sinnloser Silben 

Ersparnis-Methode: Wie viel Prozent an Durchgängen werden beim erneuten Lernen weniger benötigt als beim ursprünglichen Lernen? 

Was ist das Potenzgesetz des Vergessens?

Eine negativ beschleunigte Vergessenskurve ist universell beschreibbar durch eine Potenzfunktion bzw. durch eine log-log-lineare Beziehung 

Welche Ergebnisse gibt es zum Behalten und Vergessen über lange Zeiträume?

nach 3 Jahren praktisch keine weitere Abnahme der Erinnerungsleistung - erst wieder im hohen Alter --> "Permaspeicher"

das Niveau der Langzeit-Behaltensleistung hängt vom Umfang des Unterrichts ab (Anzahl der Kurse, Kursniveau)

Was beschreibt das Modell der Verarbeitungsebenen von Craik und Lockhart? Welche Implikationen hat die Verarbeitungstiefe (psychologisch-pädagogisch)?

Annahme, dass Informationen mehrere Verarbeitungsebenen durchlaufen (oberflchliche (sensorische) Verarbeitung --> tiefe, semantische (bedeutungsbezogene) Verarbeitung

Die tiefere Verarbeitung führt zu stärker elaborierten Gedächtnisspuren, die länger andauern 

Zwei Arten der Wiederholung:

  1. reines Wiederholen
  2. elaboratives Wiederholen - semantische und vorwissengestützte Analyse des Lernmaterials --> führt zu einer besseren Gedähtnisleistung als reines Wiederholen!

Implikationen: Verdeutlicht Relevanz der Art der Verarbeitung

  • Elaborative Verarbeitung ermöglicht die Integration von Informationen in das LZG
  • führt in der Regel zu besseren Lernergebnissen als eine nicht-semantische Verarbeitung
  • Also: aktives, sinnvoll eingebettetes Lernen ist effektiver als reines Auswendiglernen! 

Beschreibe das Experiment von Craik und Tulving (1975) zur Verarbeitungstiefe beim Enkodieren

visuelle, akustische oder semantische Verarbeitung von Wörtern

später: unangekündigter Gedächtnistest

--> Erinnerungsleistung höher bei semantsich verarbeiteten Stimuli (auch bei Konstanthaltung der Bearbeitungszeit)

Beschreibe das Experiment von Anderson (1974) zum Thema "Wie werden Informationen dauerhaft gespeichert?"

  • VP hören Geschichte, in die Sätze eingestreut werden wie "Der Missionar erschoss den Maler"
  • Zwei Testaufgaben:
    • Folgt der Satz logisch der Geschichte?
    • War der Satz wörtlich in der Geschichte enthalten?
  • Testätze:
    • Der Missionar erschoss den Maler
    • Der Maler wurde vom Missionar erschossen
    • Der Maler erschoss den Missionar
  • Zwei Testzeitpunkte: 
    • Unmittelbar nach der Geschichte
    • nach zwei Minuten 

Ergebnisse: Logische Urteile sind sowohl unmittelbar als auch zeitverzögert sehr akkurat (98% bzw 96%)

Wörtliche Urteile sind nur unmittelbar nach der Geschichte akkurat (99%), zeitverzögert dagegen wenig akkurat (25%)

 

Implikationen des Experiments: Beim Verstehen sprachlich vermittelter Infos wird keine dauerhafte Repräsentation des Wortlauts gebildet, sondern eine Repräsentation des Inhalts der Botschaft (auf Basis einer semantischen, vorwissengestützten Verarbeitung)

 

Was sind die Ergebnisse zu Experimenten zum konzeptbasierten Behalten?

40% fälschliche Wiedererkennung bei Detailänderung,

aber nur 6% fälschliche Wiedererkennung bei konzeptueller Änderung

Auch visuell dargebotene Informationen werden nach einer gewissen Zeit vergessen, aber ihre Bedeutung ist weiterhin verfügbar, was auf eine konzeptbasierte Repräsentation im LZG hinweist

Was beschreibt die metakognitive Erfahrung der Flüssigkeit (fluency) beim Lernen?

Lernen, das subjektiv leicht fällt, wird als erfolgreiches Lernen wahrgenommen

Was besagt der Ansatz der wünschenswerten Erschwernisse nach Bjork? Was genau sind wünschenswerte Erschwernisse?

Grundannahmen: 

  • Bedingungen, die das Lernen kurzfristig erleichtern, erschweren oft das längerfristige Behalten
  • Bedingungen, die das Lernen kurzfristig erschweren, können das längerfristige Behalten unterstützen

Wünschenswerte Erschwernisse:

  • fördern (trotz der Erschwernis) zugleich verstehens- und behaltensrelevante kognitive Prozesse
  • positiver Effekt muss Erschwernis aufwiegen
  • lernrelevante (intrinsische) kognitive Belastng wird erhöht, siehe cognitive load theory

Was beschreibt das Prinzip des verteilten Lernens?

& Experiment dazu

Die Lernzeit wird effizienter eingesetzt, wenn sie auf mehrere kürzere Abschnitte verteilt wird, anstatt sie auf einige wenige Lernangelegenheiten zu konzentrieren

-> Effekt vielfalch nachgewiesen für den Erwerb von deklarativen und prozeduralen Wissensinhalten

Experiment Baddeley und Longman: Training im Maschineschreiben ist effektiver, wenn auf eine Stunde am Tag begrenzt vs. 2 oder 4 Stunden

Achtung: Verteiltes Lernen = Verteiltes Wiederholen derselben Inhalte!

Was ist "geschachteltes Üben"? Welches Problem gibt es?

Beschreibe das Experiment von Kornell und Bjork (2008) zum geschachtelten Üben!

 

EIne Variante des verteilten Lernens: Abwechselnde Behandlung von Teilthemen/Problemen innerhalb einer Lerneinheit

Problem: Frage, ob ein häufiger Wechsel von Teilthemen das Erkennen von Gemeinsamkeiten beim Konzepterwerb erschwert

Experiment: Erlernen des künstlerischen Stils von 12 Maler/innen

  • Präsentation der Gemälde mit den Namen der Maler
  • dann: geblockte Präsentation vs. abwechselnde Präsentation, intraindividuell variiert
  • Testphase: Zuordnung von 48 neuen Gemälden zu den 12 Maler/innen

Ergebnisse

  • Verteilte Präsentation führt zu höherem Lernerfolg (akkurate Zuordnung)
  • Angleichung der beiden Gruppen erst im 4ten Testblock

Metakognitive Einschätzungen sind den Ergebnissen zur tatsächlichen Effektivität (weitgehend) entgegengesetzt!

Was ist der Testungseffekt? Was der Generierungseffekt? Wie kann der Testungseffekt erklärt werden?

Testen, das den aktiven Abruf von Informationen aus dem LZG erfordert, fördert das längerfristige Behalten 

Der Testungseffekt ist eine Variante des Generierungseffekts, der besagt, dass eigenständiger Abruf/Generierung von Informationen die Erinnerungsleistung stärker fördert, als die reine Präsentation und passive Verarbeitung 

Erklärungsmodelle: Aktiver Abruf, Feedback, Verbesserung der metakognitiven Einschätzung des Lernfortschritts

Was besagt der umgekehrte Kohärenzeffekt?

Kohärenz: Zusammenhang von Einzelinformationen in einem Text

  • strukturelle Kohärenz: Abfolge semantischer Zusammenhänge
  • explanatorische Kohärenz: Erklärung von Sachverhalten durch andere Sachverhalte

Hypothese des umgekehrten Kohärenzeffekts nach McNamara: Texte mit geringer Kohärenz sind lern- und verstehensförderlich, da sie eine tiefe, vorwissensgestützte Verarbeitung stimulieren, ABER: gilt nur für Lernende, die über ein gutes Vorwissen verfügen, um diese Kohärenzlücken auszufüllen (durch Inferenzen)

Diesen Effekt konnte McNamara in einem Experiment nachweisen, in dem Probanden einen niedrig-kohärenten und einen hoch-kohärenten Text zu Herzkrankheiten lesen sollten

  • AV: Verstehensfragen auf verschiedenen Ebenen
  • Ergebnis: Umgekehrter Kohärenzeffekt bei Lernenden mit hohem Vorwissen 
  • kein Effekt bei textbasierten Fragen, die keine aktiv-vorwissengestützte Verarbeitung erfordern

Was besagt die Theorie des Nicht-Gebrauchs? Was ist Speicher- und was ist Abrufstärke?

Die Stärke der Erinnerung im LZG teilt sich auf in Speicherstärke = storage strength und Abrufstärke = retrieval strength

Abrufstärke ist limitiert, zerfällt bei Nichtgebrauch von Informationen mit der Zeit --> Wiederholung und passive Rezeption erhöhen die Abrufstärke

Speicherstärke ist permanent und unbegrenzt --> wünschenswerte Erschwernisse erhöhen die Speicherstärke!

Welche Erklärungsansätze für wünschenswerte Erschwernisse gibt es?

Ansatz der (Dis-)Fluency

Annahme, dass wünschenswerte Erschwernisse zu einer Verringerung der metakognitiven Flüssigkeit führen und damit zur Reduktion der "Verstehensillusion"

Disfluency = Zähflüssigkeit --> Indikator dafür, dass man etwas (noch) nicht gut verstanden hat, was erhöhte kognitive Anstrengung bedeutet

 

Was sind Typen von Lernstrategien nach Weinstein und Mayer (1986)?

Kognitive Lernstrategien

  • MnemoÜnische Strategien
  • Strukturaktivierungsstrategien
  • generative Strategien

Metakognitive Lernstrategien

  • Planen
  • Überwachen und Bewerten
  • Regulieren 

Stützstrategien

  • Ressourenmanagement

Was ist das "Ziegenproblem"`? Wie kann der Effekt erklärt werden?

= Monty Hall problem

  • Frage, ob eine Wahl zwischen drei a priori gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten geändert werden sollte, wenn zusätzliche Informationen verfügbar werden
  • Szenario der Quizshow, bei der 2 der 3 Türen Ziegen beinhalten, während hinter der dritten ein Auto ist-
  • --> VP wählen eine Tür, dann öffnet der Quizmaster eine der anderen beiden Türen, dann wird VP gefragt ob Wahl geändert werden soll
  • Ergebnisse: 85% der Pbn bleiben bei ihrer ursprünglichen Wahl
  • ABER: Ein Wechsel der Tür steigert die Wahrscheinlichkeit, das Auto zu gewinnen, von 1/3 auf 2/3!

Kausale Struktur: Die ursprüngliche Wahl und die Tür, hinter der sich das Auto befindet, sind bedingt abhängig --> Info durch Showmaster verändert ursprüngliche Wahrscheinlichkeiten

Ursachen:

  • Pbn nutzen eine inadäquate Heuristik zur Problemlösung  (WK des Gewinns immer 1/N)
  • Mit einer Zweitaufgabe wird die zentrale Exekutive noch stärker beeinflusst 

Achtung: Eine andere inhaltliche Einbettung (Boxer-Problem) steigert den Anteil der richtigen Lösungen von 15% auf 51%!

Was besagt die gestaltpsychologische Konzeption von Problemlösen?

Problemlösen ist Lernen durch Einsicht (und nicht Lernen durch Trial and Error, wie der Behaviorismus das Ganze erklärt)

Es werden 2 Arten von Denkprozessen unterschieden:

  • Reproduktives Denken (Wiederverwendung früher gemachter Erfahrungen)
  • Produktives Denken (Aktives Umstrukturieren der Problemsituation, Gewinnung neuer Einsichten)

 

Wofür ist Maiers "2-Seile-Problem" ein Beispiel?

2-Seile-Problem: Probanden sehen Bild, auf dem zwei Seilenden in einem gewissen Abstand voneinander hängen & eine Person versucht, diese beiden Seile zu verbinden

  • Beispiel für funktionale Gebundenheit: Vorwissen über die "typischen Funktionen", die Gegenstände haben, behindern die Problemlösung (--> negativer Transfer)
  • Beispiel für Einsichtsproblem: Wenn überhaupt geschieht die Problemlösung plötzlich und unbewusste Hinweisreize, wie der VL, der das eine Seil in Bewegung setzt, erleichtern Einsicht

Beschreibe das Wasserkrug-Problem (Luchins, 1942)

 

- zur Untersuchung von Vorwissenseffekten

  • PB sollen eine bestimmte Menge Wasser innerhalb eines Krugs zusammenschütten, das Wasser kann beliebig oft nachgeholt werden
  • Hilfsmittel sind jeweils 3 Krüge mit unterschiedlichen Fassungsvermögen
  • Insgesamt gibt es 10 Probleme: Problem 1-5 sind mit dem selben Algorithmus am besten zu lösen, danach gibt es je Problem andere, günstigere Algorithmen
    • ca.80% wandten komplexere Lösungen für Problem 5 & 6 an
    • ca 64% konnten Problem 8 gar nicht lösen 
  • Erklärung: Die Lösung der ersten 5 Probleme mit immer demselben Algorithmus (Vorwissen) schafft eine Einstellung = mental set, die die Problemlösefähigkeiten stark beeinflussen

 

Was besagt die Theorie der Repräsentationsänderung?

 

Grundannahmen:

  • Die Repräsentation der Problemsituation dient als Hinweisreiz, damit relevante Operatoren aus dem LZG abgerufen werden
  • Problemlösung wird blockiert, wenn aktuelle Problemrepräsentationen nicht den Abruf von relevanten Operatoren ermöglicht
  • Durch Veränderung der Problemrepräsentation kann die Problemlösung erfolgen -> Abruf relevanter Operatoren (wieder) möglich

Es gibt 3 Wege, die man die Problemrepräsentation verändern kann

  1. Gewinnung neuer Informationen über das Problem 
  2. Lockerung inadäquater Randbedingungen (siehe Versuch von Knoblich zum Lösen von Gleichungen mit Stäbchen)
  3. Re-Enkodierung des Probles durch Neuinterpretation von Teilaspekten (siehe Problem des "verstümmelten Schachbretts")

Was besagt die Annahme der Inkubation? Was sind die Ergebnisse der Metaanalyse von Sio und Ormerod dazu?

Annahme, dass die zeitweise Nicht-Beschäftigung mit einem Problem die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, das Problem zu lösen (indem inadäquate Lösungsstrategien vergessen oder abgeschwächt werden)

Metaanalyse: Insgesamt kleiner, aber reliabler effekt der Inkubation; Effekt größer bei Kreativitätsproblemen die mehrere mögliche Lösungen haben 

Inkubationseffekte sind größer, je länger die vorheriger Beschäftigung mit dem Problem andauerte

 

Fördert es die Problemlösung, eine Nacht "über das Problem" zu schlafen?

Versuch von Wagner et al.

  • Probanden sollen Zahlenreihen anhand bestimmter Regeln vervollständigen 
  • Aufgabe: Jeweils die letzte Zahl der transformierten Reihe ergänzen (FIN)
  • Die Zahlenreihen enthalten eine implizite Regel: FIN entspricht immer der zweiten Zahl der Zahlenreihe (bei Erkenntnis --> Lernen durch Einsicht)

Problem wird wieder aufgenommen nach

  • Nachtschlaf
  • durchwachtem Tag
  • durchwachter Nacht
  • oder zwei Kontrollbedingungen (keine initiale Beschäftigung mit Problem)

Ergebnisse: Die Bedingung "Wiederaufnahme nach dem Schlaf" ermöglicht signifikant mehr Einsicht in das Problem als in allen anderen Bedingungen!

Was ist der "General Problem Solver"?

 

= beschreibt die Computersimulation kognitiver Prozesse beim Problemlösen komplexer, mehrschrittiger Probleme

Grundannahmen

  • Die mentale Repräsentation des Problems ergibt einen "Problemraum", der beinhaltet
    • Zielzustand (Soll) und aktuellen Zustand (Ist)
    • mögliche elementare Lösungsschritte --> Operatoren
  • das Problemlösen geschieht seriell
  • während des Problemlösens können Infos aus dem LZG abgerufen werden 

Lernen