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Mehrachstechnologie

Mehrachstechnologie


X. X.
Diese Lernkarten behandeln die Grundlagen der CNC-Bearbeitung auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Achsen, Werkzeuge und Werkstücke. Sie decken Themen wie Interpolation, Approximation, Fräszyklen und die Bedeutung von Stützpunkten ab. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende und Ingenieure, die sich mit der Bearbeitung von Freiformflächen und komplexen Geometrien befassen, um ein tieferes Verständnis der Steuerung und Programmierung von CNC-Maschinen zu erlangen.
Flashcards
20
Students
1
Language
German
Category
Technology
Level
University
Created / Updated
01.07.2018 / 04.07.2018

Flashcards

1. Erläutern Sie Zweck und Bedeutung von Freifomflächen (FFF)!

Zweck und Bedeutung von Freiformflächen
• innerhalb des Entwicklungsprozesses sind Freiformflächen, welche die äußere Gestalt festlegen, bedeutungsvoll
• Anspruch an das Design in sämtlichen Anwendungsbereichen steigt ständig: Ergonomie, cw-Wert, ... oder einfach nur Optik, Haptik, ...
• Ästhetik ist oftmals das Hauptargument für den Kauf bei hochwertigen Industriegütern
• Designer, Konstrukteure, Fertigungsplaner müssen auch frei geformte Oberflächen zur Funktionserfüllung gestalten; Gewährleistung der Funktion des Bauteiles ist an funktionstaugliche Flächen und Formelemente gebunden
• Anspruch muss in einer wirtschaftlichen Fertigung umgesetzt werden

 

 1.Nennen Sie mindestens vier Beispiele für typische Bauteile zur 5-Achs-Bearbeitung!

Formenvielfalt, die mit 5-Achsen erreicht wird
• Freiformflächen, z.B. Karosserieflächen wie Kotflügel
• Regelflächen, z.B. Propeller, Impeller, Turbinenschaufeln
• Formkanäle, tiefe Taschen. Kollisionsvermeidung zwischen Werkzeug und Werkstück durch ein dynamisch angestelltes Werkzeug
• Nuten auf rotationssymmetrischen Körpern, die nicht durch Drehen hergestellt werden können
• Formelemente, die senkrecht in eine freigeformte Oberfläche eingebracht werden

2. Charakterisieren Sie Beschreibungsmöglichkeiten für Freiformlächen!

•vom Designer oder Flächenmodellierer frei entworfene Oberflächen
•nach Ästhetik, z.B. formschön (d.h. freier Entwurf) oder nach Funktion z.B. strömungsgünstig (d.h. nach Berechnungsvorschriften) ausgelegt
•mathematischer Beschreibung: analytisch nicht einfach beschreibbar, d.h. in Parameterdarstellung
•auch als skulpturartigeoder doppelt gekrümmte Flächen bezeichnet
•praktisch häufig in Kombination mit einfach beschreibbaren Flächen
•zur Flächenbeschreibung werden spezielle Polynome genutzt
•Gesamtfläche nicht in einer Darstellung beschreibbar muss deshalb in Flächensegmente (engl.: patches) zerlegt werden
•Flächensegmente haben ihr eigenes lokales Koordinatensystem

2. Welche mathematischen Verfahren kommen zum Einsatz?

•  Generelle Polynome

•  Spezielle Polynome

3. Erläutern Sie beispielhaft die Besonderheiten der Entwicklung von Bauteilen mit Freiformflächen!

Design-Prozess –moderne Vorgehensweisen: Konzept, erste Skizzen -3D-Visualisierungen -erstes Modell zum Anfassen -Test
– Gestaltung: Oberflächenmodellierung (CAS, CAD) mit Methoden wie Freiformflächenmodellierung
– technische Berechnungen: Engineering (CAE) mit Methoden wie Finite Elemente Methode (FEM), Mehrkörpersimulation (MKS), …
      •verfahrens-, beanspruchungsgemäße Berechnungen (Festigkeit, Strömung, Kinematik, Temperatur, ...)
      •Nachrechnung, Auslegungs-, Optimierungs-, Simulationsberechnungen
– Funktions-und Montageüberprüfung: mit Methoden wie Packaging/ Digital Mock-up(DMU), Virtual Reality, ...
– Modellbau mit Fertigungsverfahren wie Rapid Prototyping, Fräsen, …
Beispiel:Einsatz von Fertigungstechnik im Entwurfsprozess von Objekten mit Freiformflächen (II)
– Problem:Aus Freiformflächen lassen sich nicht trivial Fräsbahnen generieren
– Kenntnisse zur NC-Planung/-Programmierung sind beim Designer nicht vorhanden
– Ziel: Fräsen eines physischen Modells so leicht wie Drucken (‚Printerfeeling‘)
– einfaches Vorgehen
    •kein zusätzlicher Arbeitsplaner
    •kein Abstimmungsaufwand, kein Infoverlust, Zeitgewinn,
    •keine Spezialkenntnisse notwendig
    •einfache Auswahl vorkonfigurierter Fräsarbeitsgänge durch Designer

4. Beschreiben Sie typische Anforderungen aus der Werkstückgeometrie für die mehrachsige Bearbeitung!

Anforderungen an die mehrachsige Bearbeitung
• Wechsel zwischen konvexen und konkaven Flächen
• Hinterschnitte, Hohlräume wie tiefe Kavitäten
• dünne, teilweise hohen Wände, kleinen Radien in Ecken
• lange und stark verwundenen Blätter

5. Skizzieren Sie drei übliche Varianten zur Achsverteilung bei einer 5-Achs-Maschine!

-  Achsverteilung bei 5-Achs-Maschinen, in der Regel
• drei Achsen translatorisch mit rechtsdrehendem Koordinatensystem XYZ
• zwei Achsen rotatorisch, Rotation um die translatorischen Achsen
• rotatorische Achsen drehen / kippen entweder das Werkzeug oder das Werkstück
             • Grenzfälle der Verteilung der 5 Achsen:
                 • Werkstück steht still, alle Achsen bewegen das Werkzeug
                 • alle Achsen bewegen das Werkstück, das Werkzeug führt nur die Schnittbewegung aus
                 • ansonsten gemischte Verteilung der Achsen
- weitere Spezialformen
• Rotationsachsen liegen schräg

6. Welche Bedeutung hat die Veränderbarkeit der Richtung der Fräserache?

• Werkzeugachse relativ zum Werkstück in eine bestimmte Lage bringen z.B. normal zur Fläche
• Werkzeugachse wird gegen das Werkstück angekippt
-Formelemente zu erzeugen, deren Achse eine beliebige Lage im Raum hat
-Nachschneiden der Werkzeugrückseite im Werkstück vermeiden
-Hinterschneidungen an Werkstücken fertigen
-bessere Schnittbedingungen erreichen
-effektiv wirkende Werkzeuge einsetzen

7. Wodurch wird die Fräserachsrichtung bestimmt?

• Fräserrichtung wird dynamisch an die Richtung der Flächennormale angepasst
• Fräserachse verändert sich entsprechend Bearbeitungsaufgabe
- Neigung der Werkzeugachse
a) um Voreilwinkel (Sturz) in Ebene, aufgespannt durch Flächennormale und Vorschubrichtung; Kollisionsgefahr beachten
b) um Kippwinkel in Ebene, senkrecht stehend auf Ebene nach a)
- Fräserachsrichtung = Flächennormale + Voreilwinkel + Kippwinkel

8. Nennen Sie Unterschiede zwischen 3-Achs- und 5-Achs-Steuerung sowie der entsprechenden Bearbeitung!

- Mehrachsteuerung
• einkanalig (alle Achsen mit einer Gruppe von Adressen
bezeichnet)
 -- Unterscheidung z.B. in 3-Achs- und 5-Achsteuerungen
• mehrkanalig (mehrere Gruppen von Achsen an einem Vorgang beteiligt, eine Gruppe je ein Kanal)
 -- Unterscheidung durch Achsindizierung (z.B. X1, Y1, Z1, X2
usw.)
 -- parallel (simultan) oder seriell arbeitende Kanäle

Bearbeitung
• 3-Achsbearbeitung
 -- Bearbeitung regelgeometrischer Flächen, z.B. Ebenen
 -- Bearbeitung von Freiformflächen mit gleichmäßigen, möglichst flachen Krümmungen
• 5-Achsbearbeitung
 -- translatorische und rotatorische Achsen beteiligt
 -- funktional - d.h. alle Achsen funktional bewegt … z.B.
       • funktionale 5-Achsbearbeitung von Freiformflächen
 -- anstellend – einige Achsen werden angestellt, andere arbeiten funktional … z.B.
       • 3 funktional bewegte, 2 angestellte Achsen (3+2) zur Bearbeitung von einfachen Formelementen

9. Skizzieren Sie drei Werkzeugtypen mit charakterischen Merkmalen, die zur FFF-Bearbeitung eingesetzt werden!

10. Welche typischen Bearbeitungsvorgänge treten auf?

• Schruppen    
     - hebt mit großen Spanungsvolumen das Material ab
     - nähert innerhalb möglichst kurzer Bearbeitungszeit das Werkstück der Endkontur so weit wie möglich an
     - durch robuste Werkzeuge und eine große Schnitttiefe, so dass Späne mit einem relativ großen Volumen entstehen
     - hinterlässt meist raue Oberflächen mit geringer Maßgenauigkeit.
• Vorschlichten
     - trägt meist geringe Materialmengen oder Restmaterial zur Feinbearbeitung ab
     - erzeugt eine Offsetfläche, unter der ein konstantes Aufmaß bleibt
• Schlichten
    - dient der End- oder Fertigbearbeitung
    - erzielt die geforderte Oberflächengüte sowie Maß- und Formgenauigkeit
• Fein-, Feinstschlichten
    - im Zusammenhang mit Genauigkeitsanforderungen an das Werkstück
    - erfolgt durch Herabsetzen der Zerspanungskräfte sowie mit Maschinen für hohe Genauigkeiten
    - ersetzt einen drauf folgenden Fertigungsschritt wie z.B. das Polieren

11. Was ist der Unterschied zwischen Fräslinie unf Fräsbahn? Welche Bedeutung haben die Stützpunkte? Nennen Sie prinzipielle Möglichkeiten zur Erzeugung von Fräslinien!

- Fräslinie (Sollkontur) ist
• die mathematisch festgelegte Linie auf der Fläche
- Fräsbahn (Istkontur) ist
• eine durch Interpolationsmethoden angenäherte Form der Fräslinie (in der NC-Technik als Grobinterpolation bezeichnet)
• die Summe aller Fräsbahnstücke und Stützpunkte

• ideal verlaufende Folge von Punkten, Berührpunkte des WZes mit der modellierten Fläche = freigeformte Kurve (FL) innerhalb der Fläche (Flächenkurve)
• Fräser kontaktiert modellierte Fläche nur an einzelnen Punkten, den Stützpunkten (Elemente der FL)

- Erzeugung von Fräslinien (Arten) durch
• Vorgabe einer Fläche, an der entlang das Fräswerkzeug geführt wird („APT-Fräslinie“)
• Angabe einer Parameterlinie (u-Linie, v-Linie = konst.)
• beliebige Kurve im u-v-Koordinatensystem
• Schnitt einer Ebene mit einer Freiformfläche („Höhenlinie“)
• Schnitt eines allgemeinen Zylinders mit einer Freiformfläche
• Spirallinie ... siehe auch Strategien
• usw.

12. Skizzieren Sie den Zusammenhang von Fräsrillentiefe und Rauheit der Werkstückoberfläche!

V3 F16 17 20

13. Wozu ist die HSC-Bearbeitung vorteilhaft und warum?

Rauheit der Oberfläche - HSC
• Einpass-/Tuschierarbeiten, Verscheifen/Glätten der Fräsrillen > 1/3 der Bearbeitungskosten bei der Formenherstellung (Automobilbau)
• HSC-Bearbeitung geeignet
  - endkonturnahe bzw. Endbearbeitung; Ersatz für zusätzlichen
Arbeitsgang Polieren
   -Vorschlichten, Schlichten bzw. Fein- oder Superschlichten
   - Grund: hohe Schnitt- bzw. Vorschubgeschwindigkeiten
   -zwei Zielrichtungen HSC, d.h. vf  und ...
        • tc konst. -> Anzahl FL   und aFL ↓ -> Rz th ↓ (Erhöhung Qualität)
        oder
        • Anzahl FL und aFL konst. -> tc ↓ -> th ↓ (Erhöhung Produktivität)zwei Zielrichtungen HSC, d.h. vf und ...
        

V3 F19

14. Nennen und skizzieren Sie drei Fräszyklen mit charakterischen Merkmalen, die zur FFF-Bearbeitung eingesetzt werden!

V3 F29

15. Warum braucht die Steuerung Informationen zum operativen Führpunkt?

Steuerung braucht Informationen zum operativen Führpunkt
• WZ-Korrekturwertspeicher-Nummer (aus NC-Programm)
• Länge und Radius des Werkzeuges (im WZ-Korrekturwertspeicher der Steuerung)
• Lage des WZes zur Bahn/Kontur (aus NC-Programm)

16. Welche geometrischen Elemente sind in der VDAFS-Schnittstelle definiert? Was wird in diesem Standard nicht berücksichtigt?

V4 F24
geometrische (9):
Punkt
Punktfolge
Punkt-Vektorfolge
Kreisbogen
Kurven(segment)
Kurve auf Fläche
Flächenstück
begrenzte Fläche
Flächenverband

nicht berücksichtigt: Bemaßung, Texte, Volumenelemente

17. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Interpolation und Approximation!

V5 F5

- Interpolation
• vorgegebene Punkte (Stützpunkte einer Sollkontur)
... geeignet verbinden
- Approximation
• vorgegebene Punkte (Kontrollpunkte einer Sollkontur)
... möglichst gut annähern, wobei diese Punkte nicht genau getroffen werden müssen

18. Welchen Interpolationsmethoden kennen Sie und welchen Zweck erfüllt die Interpolation für die CNC?

Interpolation: i.d.R. 2-stufig
• Grobinterpolation (sichert Konturtreue des Werkzeuges)
    - Angabe der Wegbedingung im NC-Programm durch Interpolationsart
    - Berechnung von Stützpunkten
    - es entstehen Wegstücke bzw. Bahnabschnitte
• Feininterpolation (Führungsgröße für die Lageregelung)
    - grobinterpolierte Wegstücke zu groß für Anforderungen der Antriebsregelung
    - weitere Werte zwischen den Stützpunkten notwendig
    - Algorithmus berechnet Weginkremente bzw. Bahn aus Tastzeit der Steuerung und Vorschubgeschwindigkeit

Zweck der Interpolation
1. Führungsgrößen und Bahn(Kontur)treue
• NC-Satz enthält nur Zielkoordinaten -> CNC benötigt Führungsgrößen zwischen Start- und Zielkoordinate
• Zwischenwerte müssen interpoliert werden -> stufenweise
• Vorgabe aller Zwischenwerte im NC-Programm würde Umfang vervielfachen
     aber: je dichter die Zwischenpunkte liegen ...
     - hohe Bahn(Kontur)treue der Werkzeuge
     - hohe Genauigkeit der Werkstücke
     - viele NC-Sätze mit kurzen Wegen
     - zu verarbeitende Datenmenge pro Zeit hoch (Decodierungsaufwand, Rechengeschwindigkeit)
2. Bahnsteuerungen: Interpolator (Softwareprogramm)
notwendig
• berechnet von Start- und Zielposition Zwischenpunkte, die
     - in einer Ebene oder im Raum (Aspekt 1)
     - auf einer Gerade oder beliebigen Kurve (Aspekt 2)
liegen
• Führung der einzelnen Achsen so, dass das Werkzeug auf dieser Bahnkurve entlang läuft
• außerdem Führung des Werkzeuges im richtigen Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverhältnis
• Führungsgrößen zeitgerecht an Achsen ausgeben

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