NTB MAB-2 Werkstofftechnik

Werkstofftechnik Maschinenbau 2 MAB 2 NTB Kunststoffe Poly-1 und Poly-2 und Metalle Met-3, Met-4 sämtliche relevanten Fragen aus Werkstoff-Praktikas Als Vorbereitung für mündliche Modulprüfung

Werkstofftechnik Maschinenbau 2 MAB 2 NTB Kunststoffe Poly-1 und Poly-2 und Metalle Met-3, Met-4 sämtliche relevanten Fragen aus Werkstoff-Praktikas Als Vorbereitung für mündliche Modulprüfung


A. H.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die Werkstofftechnik, insbesondere die Eigenschaften und Umwandlungen von Metallen und Kunststoffen. Sie decken Themen wie Gefüge, Phasen, Festigkeit, Mikroskopie und Spritzguss ab, wobei die Abkühlgeschwindigkeit und Temperatur eine zentrale Rolle spielen. Die Karteikarten richten sich an Studierende und Ingenieure, die sich mit der Materialwissenschaft befassen und vertiefte Kenntnisse über die Struktur und Verarbeitung von Werkstoffen erlangen möchten.
Flashcards
81
Students
2
Language
German
Category
Chemistry
Level
University
Created / Updated
22.08.2017 / 10.09.2017

Flashcards

Welchen Einfluss hat die Werkzeugtemperatur beim Spritzgiessen? 

Die Temperatur im Werkzeug muss ebenfalls eingestellt werden können. Sie beeinflusst massgebend den Abkühlvorgang und somit das Gefüge des Bauteils. Höhere Werkzeug-temperaturen führen zu bedeutend homogeneren Gefügen (weniger innere Spannungen, weniger Schwindung), bedeuten allerding meist längere Zykluszeiten.

Wodurch werden Orientierungen von Makromolekühlen beim Spritzgiessen verursacht? 

Orientierungen von Makromolekülen werden durch Fliessprozesse in der Schmelze verur-sacht. Diese werden z.B. beim Spritzgiessen während der Abkühlung der Schmelze in einem “kalten“ Werkzeug eingefroren.

Wodurch werden Orientierungs-Spannungen beim Spritzgiessen verusacht? Welche unverwünschte Nebeneffekte werden verursacht? 

Orientierungen von Makromolekülen werden durch Fliessprozesse in der Schmelze verur-sacht.

Unerwünschte Effekte: 

lokal anisotrope (richtungsabhängige) und damit inhomogene Eigenschaftspofile, z.B.
- Mechanik: erhöhte (bzw. erniedrigte) Zugfestigkeit in der (bzw. senkrecht zur) Orientierungsrichtung, gleiches gilt für E-Modul Schlagzähigkeit
- Optik: u.a. Doppelbrechung (siehe unten), u.a. unerwünscht beim optischen Auslesen von Informationen von CD’s und DVD’s mit einem Laser

starker Schwund in der Orientierungsrichtung bei einer Warmlagerung des Formteils insb. über der Erweichungstemperatur (meist Tg) durch “Rückknäuelung“ der Makro-moleküle

erniedrigte Spannungsrissbeständigkeit gegenüber Chemikalien

Zähle 5 relevante Spritzgussfehler auf

Feuchtes Granulat führt zu hydrolytischem Molekulargewichts-Abbau von wasser-empfindlichen Polymeren (v.a. Kondensationspolymere wie Polyamid, Polyester, POM)
Effekte: Blasenbildung, Schlieren (v.a. bei PA), reduzierte Zähigkeit und Festigkeit
Abhilfe: Vortrocknen

Falsche Anschnittlage (Abb. T-10) kann z.B. zu Lunkern (Gaseinschlüsse) und Einfall-erscheinungen führen. Es ist daher darauf zu achten, dass immer im Bereich der grössten Wanddicke angespritzt wird.
Abb. T-10: Querschnitt durch Werkzeug, Formteil und Anguss kurz vor Ende der Nachdruckphase

Zu kurze Nachdruckzeit:
Formteil wird evt. nicht ganz gefüllt; Einfallstellen und Lunkerbildung

Ungünstige Schmelzetemperatur:
- zu hoch: Polymerketten-Abbau, Vernetzung, Zersetzung
- zu tief: mehr Orientierungsspannungen, Zersetzungserscheinungen durch überhöhte Scherwärme, Einschluss unaufgeschmolzener Partikel

Ungünstige Werkzeugtemperatur
- zu tief: mehr Orientierungsspannungen, nicht auskristallisierte Oberfläche ( amorphe Spritzhaut), stärkerer Schwund
- zu hoch: wenn Temperatur über Glasübergangstemperatur Tg des Materials: Ver-formung des Bauteils durch Ausstösser

Ungünstige Einspritzgeschwindigkeit
- zu tief: mehr Orientierungsspannungen an Oberfläche ( Querrillen)
- zu hoch: Zersetzung des Materials an Oberfläche durch Scherung ( Dieseleffekt)

Wie können Orientierungsspannungen in Spritzgussteilen sichbar gemacht werden?

Platzierung des Bauteils zwischen zwei
gekreuzten Polarisationsfiltern auf einer beleuchteten Oberfläche.

Wie sind 

- Streckspannung

- Bruchspannung

- Zugfestigkeit 

definiert? 

• Streckspannung σY (yield stress): Zugspannung, bei welcher die Steigung der Kurve erstmals den Wert 0 annimmt
• Bruchspannung σB (tensile stress at break): Zugspannung beim Reissen, wenn keine Streckspannung ermittelt werden kann
• Zugfestigkeit σM (tensile strength): Spannung bei Höchstkraft

Welche Eigenschaften eines Materials sind Festigkeitsfördernd? 

- zunehmendes Molekulargewicht

- zunehmende zwischenmolekularen Wechselwirkungen

- zunehmende Kristallinität: es werden zuerst die amorphen Anteile gedehnt!

von welchen physikalischen Grössen oder Prüfparametern wird die Spannungs-Dehnungskurve beinflusst?

Temperaturabhängigkeit: Temperaturen unter dem Tg führen zu spröderem Verhalten (Kurventyp A in Abb. L-1). Standardprüfungen unter Normklima nach ISO 291 (23±2°C, 50±10% rel. Feuchtigkeit) werden üblicherweise in klimatisierten Räume durchgeführt.
• Prüfgeschwindigkeit: Langsamere Prüfgeschwindigkeiten erlauben ein viskoses (plastisches) Fliessen der Polymerketten, was zu stärkerer Ausrichtung der Ketten führt. Dabei nimmt ab der sog. Streckspannung meist die Spannung leicht ab. Sobald alle Ketten ausgerichtet sind, ist eine erneute Zunahme der Spannung zu erkennen (Kurventyp B in Abb. L-1). Prüfgeschwindigkeiten für Standard-Zugversuche liegen um 50 oder 100 mm/min.

Wie verhalten sich teilkristaline Kunstoffe beim Zugversuch? Was kann beobachtet werden. 

 - ab der Streckgrenze Einschnürungen

- meist mit einer Nachkristallisation der bisher amorphen Ketten-segmente verbunden

- führt zu Erwärmung und stärkeren Trübung der Probe

Wie verhalten Sich amorphe Kunstoffe während eines Zugversuches? Was kann beobachtet werden? 

 

• Amorphe Kunststoffe zeigen Normalspannungs- bzw. Schubspannungszonen auf, die schliesslich zu sog. Crazes und Mikrorissen führen. Visuell sind neben Mikrorissen auch Trübung bzw. Weissfärbungen zu erkennen.

erkläre die Phasen im Kurvenverlauf 

siehe Bld 

 

Phasen im Kurvenverlauf:
1. spontane elastische Verformung, entspricht σ/E
2. Kriechen, teils viskoelastisch (reversibel), teils viskos (irreversibel)
3. spontane elastische Rückformung
4. reversible viskoelastische Rückformung (Relaxation)
5. irreversible Restverformung εR durch Fliessen

Zähle die wichtigsten Kontrastierungsverfahren für die Meaterialopgrapie auf 

Die Kontrastierungsverfahren der Materialographie dienen vornehmlich der Sichtbarmachung
(„Entwicklung“) des Gefüges.

siehe Bild 

Welche zwei Arten Äetzverfahren für die Lichtmikroskopie unterscheided man? Wie funktionieren Sie? 

Wird die Schliffoberfläche in einen Elektrolyten (Ätzmittel) getaucht, so treten Redoxprozesse auf.
Unedle Gefügebereiche gehen dabei in Lösung. Im Elektrolyten bilden sich kathodische und anodische Lokalelemente. Solche können sein: unterschiedliche Phasen, Bereiche unterschiedlicher Orientierung, Korngrenzen, Verformungsinhomogenitäten etc. Je nach Ätzangriff unterscheidet man zwischen Korngrenzen- (Abb. 6), Kornflächen- (Abb. 7) und Deckschicht- oder Farbätzung.

Wie funktioniert die Hellfeld Beleuchtung beim Lichtmikroskope?

 

Bei der Abbildung wird die Probe über
einen Strahlteiler durch das Objektiv
senkrecht angestrahlt. Das von der Probe
reflektierte Licht wird durch dasselbe
Objektiv aufgenommen und über das
Okular zum Betrachter geführt (Abb. 9).

Wie funktioniert der Dunkelfeld-Kostrast beim Lichtmikroskope?

 

Bei diesem Abbildungsverfahren wird der
Zentralstrahl ausgeblendet und die Probe
schräg angestrahlt (Abb. 10).
Verglichen mit der Hellfeld-Abbildung
erscheinen die Kontraste invertiert

Wie funktioniert die Abbildung im polarisiertem Auflicht beim Lichtmikroskope? 

Metallische und nicht-metallische Phasen, welche nicht im kubischen Kristallsystem kristallisieren sind optisch anisotrop, d.h. sie zeigen Doppelbrechung in Transmission
und eine Richtungsabhängigkeit des Reflexionsvermögens in Rückstrahlrichtung.

Der von der Probe zurückreflektierte Strahl
besitzt je nach Orientierung des Kristallits
ein verändertes Reflexionsvermögen, das
mit Hilfe eines Analysators (ebenfalls ein
Polarisator) zur Kontrastierung benutzt
werden kann.

Wie funktioniert die Abbildung mit Differential-Interenzkonstrast beim Lichtmikroskope?

Polarisierter Strahl wird auf zwei nebeneinander liegenden Stellen auf der Probe gestrahlt.  Ein Höhenunterschied auf Probe ergibt ein Phasenverschiebung. Der Strahl wird danach wieder zusammegeführt. 

Wie lässt sich die Nummerische Apperatur eines Mikroskopes beeinflussen? 

Ändern der Numerischen Apertur durch Abblenden oder durch Verwenden eines anderen
Objektivs und erhöht falls erforderlich die Nachvergrösserung durch das Okular.

Was kann durch "Abblenden" bei einem Forschungsmikroskope erreicht werden? 

Durch Verwendung unterschiedlicher Kombinationen von Objektiv und Okular und geeignete Einstellung der Aperturblende kann bei derselben Gesamtvergrösserung eine unterschiedliche „Empfindlichkeit“ für Unebenheiten in der Objektebene erzielt werden. Bei der Untersuchung einer transparenten Schicht kann je nach Ausdehnung des Schärfetiefenbereichs dafür gesorgt werden, dass Oberflächeneffekte gezielt ins Bild genommen werden, oder unscharf bleiben und das übrigen Bild nicht stören.

Durch Abblenden oder ändern der Nummerischen Apperatur kann die Tiefenschärfe und der Abstand der ersten Linse zum Bauteil am Mikroskope beeinflusst werden. 

Wann wird welches Verfahren verwendet?

Der erste Fall, das „Abblenden“, ist der Normalfall bei Forschungsmikroskopen, da man hier praktisch immer bereits einigermassen ebene Probenstellen anschaut.

Der zweite Fall, der Einsatz eines Objektives mit kleiner Numerischer Apertur, ist der Normalfall bei „Makroskopen“ und „Stereomikroskopen“ mit denen auch sehr unebene und zerklüftete Proben angeschaut werden.

Wodurch wird die Erziehlbare Auflösung bei einem Steremikroskope begrenzt? 

Die Numerischen Apertur der Frontlinse auch sehr hochwertiger Stereomikroskope liegt unter 0,2 – dies begrenzt die erzielbare Auflösung und damit auch die „förderliche“ Gesamtvergrößerung auf etwa 200,
(oberhalb der „förderlichen“ Gesamtvergrößerung sagt man, die Vergrösserung sei „leer“ (= zeigt trotz Vergrösserung keine weiteren Details).

Was versteht mann unter einer „Z-Stapel-Aufnahme“?

Erweiterte Tiefenschärfe durch elektronische Bildverarbeitung

Bei diesem Verfahren setzt man ein Bild aus den „scharfen“ Bereichen mehrerer Bilder zusammen. Hierzu schiebt man Probe oder Optik so relativ zueinander, dass die interessierenden Probenstellen durch die Schärfeebene des Objektivs hindurchgeschoben werden. Die Verschiebungsrichtung ist senkrecht zur Schärfeebene und die übereinandergestapelten Bilder enthalten die Kontraste eines in z-Richtung ausgedehnten Objekts, deshalb bezeichnet man die Technik auch als „Z-Stapel- Aufnahme“.

Welche Zusammmensetzung hat ein Korn in einem Mikrogefüge typischerweise?

Dabei ist ein Korn typischerweise von homogener chemischer Zusammensetzung und Struktur und besitzt dementsprechend einheitliche physikalische und chemische Eigenschaften; man sagt dann der betreffende Werkstoffbereich sei einphasig.

Bei der Herstellung eines Werkstoffs können einphasige Gefüge entstehen – alle Körner besitzen dann dieselbe Zusammensetzung und Struktur. Möglich ist aber auch, dass Körner mit unterschiedlichen Zusammensetzungen miteinander verwachsen und ein „heterogenes“ Gefüge aus mehreren Phasen bilden.

Aus welchen Eisenphasen bestehen Eisen Kohlestoffe?

 

Neben den einphasigen Bereichen
Ferrit (-Mischkristall), Austenit (-Mischkristall) ist vor allem die intermetallische Phase Zementit (Fe3C) von Bedeutung. Daneben gibt es: 

- Perlit (schimmert perlenartig, Gefüge aus Ferrit und Zementit)

 

Wie lässt sich die Festigkeit von Eisen-Metallen abschätzen?

Die Festigkeit eines Gefüges, welches aus unterschiedlich festen Gefügebestandteilen besteht lässt sich bei Kenntnis der Menge und der Festigkeit der einzelnen Gefügebestandteile abschätzen

Bsp:

Die Abschätzung der Festigkeit dieses Baustahls:
0,8 x 250 N/mm2 = 200 N/mm2 ( = Festigkeit der Ferrit-Gefügeanteile)
0,2 x 900 N/mm2 = 180 N/mm2 ( = Festigkeit der Perlit-Gefügeanteile)
Total: 380 N/mm2 ( = Festigkeit der Probe gemäss Foto).

Wie lautet die Faustformel  für die Berechnung der "nicht leeren" Gesammtvergrösserung eines Mikroskope?

Man sagt, dass die sinnvolle „nicht-leere“ Gesamtvergrösserung M etwa das 500 ... 1000 fache des Zahlenwerts der Numerischen Apertur NA beträgt.

Wie kann mit polarisiertem Auflicht festgestellt werden ob es sich um isotropes oder anisotropes Material handelt? 

je nachdem unter welchem Winkel das linear polarisierte Licht auf dieses Material auftrifft, wird es unterschiedliche stark reflektiert. Ändert sich die Helligkeit einer Probenstelle bei Drehung der Probe um die Richtung des einfallenden Lichtstrahls, dann liegt ein optisch anisotropes Material vor. Ursache für dieses Verhalten kann eine von Haus aus niedrige Symmetrie (= nicht kubischer Kristall oder amorphes Material) sein oder eine durch äussere Einflüsse (Druck, Deformation) verursachte richtungsabhängige Änderung des Reflexionsvermögens sein.

Mit welcher lichmikroskopischen Methode lassen sich Kratzer und Höhenunterschiede abbilden? Auf welchem Prinzip beruht die Methode? 

Abbildung mit Differential-Interenzkontrast 

Hat einer der Strahlen einen weiteren Weg zurückgelegt, verursacht dies eine Phasenverschiebung, die nach dem Durchlaufen eines zweiten zirkular-Polarisators in einen Helligkeitsunterschied „umgewandelt“ wird

Mit den unterschiedlichen Farbtönen lässt sich in der Abbildung 5 eine Art „Höhenprofil“ in der Probe erkennen. Kratzer lassen sich im hellen Bildteil gut erkennen. Auch besitzt diese Gefügestruktur gegenüber dem dunkleren Bildteil eine feinere Oberfläche.

Wie kann die Zusammensetzung eines Werkstoffes mit Hilfe des Lichtmikroskope ermittelt werden? 

Mit Hilfe von Bildanalysefunktion kann die Zusammensetzung ermittelt werden. Daraus lassen sich Werkstoffeigenschaften abschätzen. 

in welchen Formen kann sich der Kohlenstoff im Eisengitter befinden?

 

- gelöst im Eisengitter (auf Zwischengitterplätzen des „Austenits“, „Ferrits“ oder „Martensits“)
• ausgeschieden als elementarer Kohlenstoff („Graphit“)
• ausgeschieden als Karbid („Zementit“ Fe3C)

Welche Phasen im Eisen-Kohlenstoff-System auftretten hängt von was ab?

Welche Phasen auftreten, hängt vom Kohlenstoffgehalt und der Abkühlgeschwindigkeit ab.

Welche Bestandteile oder Prozesse führen zur Bildung von Graphit? 

Langsame Abkühlung und die Anwesenheit von „Graphitstabilisierern“ (Si, Al, Ti, Ni) führt zur Bildung von Graphit.

Was versteht man unter Austenitisieren?

Bei Stählen geschieht dies durch ein Glühen im γ - Gebiet, in dem man das bei Raumtemperatur vorliegende (heterogene) Gefüge aus Ferrit und Zementit in den homogenen Zustand des γ -Mischkristalls (Austenit) überführt. Dieser Glühprozess wird als „Austenitisieren“ bezeichnet. Bei der Glühtemperatur löst sich der Zementit Fe3C auf und es geht nach und nach der gesamte in der Probe vorhandene Kohlenstoff „in Lösung“, d.h. die Kohlenstoffatome besetzen einen Teil der Oktaederlücken im kubisch flächenzentrierten Austenit- Gitter.

Was beschreibt ein ZTU Diagramm?

Unterschiedliche Gefügeentwicklungen können im Phasendiagramm nicht dargestellt
werden. Es gibt dafür eine eigene Darstellung in Form der sogenannten Zeit-Temperatur-
Umwandlungs-Schaubilder (= ZTU-Diagramme; engl: TTT diagrams = Time-Temperature-
Transformation diagrams). Man verwendet diese ZTU-Diagramme, um die Umwandlung
austenitisierter Stähle in ihre Zerfallsprodukte zu beschreiben und vorhersagen zu können.

Wehalb ist Restaustenit für viele Anwendungen unerwünscht? 

Restaustenit ist für viele Anwendungen unerwünscht, da er „nachträglich“ bei Temperaturänderung oder unter mechanischer Beanspruchung in Martensit umwandeln kann. Findet diese Umwandlung und die daraus folgende Volumenzunahme z.B. infolge Hertz´scher Pressung knapp unterhalb der Werkstück-Oberfläche statt, dann können die oberflächennahen Bereiche unter Zugspannung gesetzt und Mikrorisse bilden.

Was versteht man unter „Restaustenit.-Stähle RA-K“,

Mittlerweile gibt es sogenannte „Restaustenit.-Stähle RA-K“, welche die nachträgliche Umwandlung des Restaustenits ausnutzen. Das Gefüge dieser Stähle besteht aus einer ferritisch/bainitischen Matrix mit eingelagertem Restaustenit. Dieser wandelt sich bei einer Umformung in Martensit um („TRIP-Effekt“), was bei guter Dehnbarkeit zu einer Erhöhung der Festigkeit führt. Anwendung finden diese Stähle z.B. bei Karosserieverstärkungen und Crashboxen, bei denen das erhöhte Energieabsorptionsvermögen ausgenutzt wird.

Die Abkühlungsgeschwindigkeit und der Kohlenstoffgehalt bestimmen, ob eine Martensit-Umwandlung stattfinden kann. Welche konsequenz hat dies für dicke Bauteile?

Dort wo die Abkühlungsgeschwindigkeit klein oder sogar zu klein wird, wird die martensitische Umwandlung nicht mehr vollständig oder überhaupt nicht mehr vollzogen. Eine vollständige Durchhärtung ist nur bei kleinen Probendurchmessern gewährleistet. Hier wird die kritische Abkühlungsgeschwindigkeit zur Martensit-Bildung auch im Innern der Probe erreicht. Die Martensit-Umwandlung findet nur innerhalb eines Fensters der
"kritischen Abkühlgeschwindigkeit"
 

Wie wirk sich die Martensitbildung auf das Volumen aus? 

Mit der Martensitbildung ist eine Volumenänderung der Probe verbunden (ca. 1 %) Gehärtete Stähle besitzen daher neben den thermischen Eigenspannungen auch Mikroeigenspannungen unterschiedlichsten Vorzeichens, da die Umwandlungen in verschiedenen Zeitpunkten durchlaufen
werden. Besonders die nicht durchgehärteten Stahlstücke zeigen an der Randzone starke Zug- und im Kern starke Druckspannungen, welche zu Härterissen führen können.

Wie hängen Abkühlgeschwindigkeit und Härte zusammen? Welche Gefüge entstehen bei welcher Tiefe?

• Bei schneller Abkühlung (Messstellen 1 und 2) geht aller Austenit direkt in Martensit über.
• In etwas grösserem Abstand von der Stirnfläche (Messstellen 3 und 4) ergeben sich
martensitisch / bainitische Gefüge.
• In grösserer Tiefe (Messstelle 5) ist die Abkühlungsgeschwindigkeit derart gering geworden, so
dass sich auch Ferrit und Perlit bilden kann.
• In noch grösserer Tiefe werden nur noch Ferrit und Perlit gebildet werden

Welche Folgen kann Restaustenit bei thermisch Belasteten Bauteilen haben? 

Bei thermischer Belastung kann es im Betriebe des Bauteils zur „Nachumwandlung“ von Austenit zu Martensit kommen. Die damit verbundene Volumenänderung ist bei masskritischen Bauteilen oft nicht akzeptabel. Zudem entstehen hohe Spannungen im Material, wodurch es zu Mikrorissen kommen kann. 

Beispiel: Bremsscheibe

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