Kaufmann EFZ Bank - schriftliche LAP 2015

Kaufmännische Lehrabschlussprüfung 2015 / schriftlich Branche Bank Berufspraktische Situationen und Fälle

Kaufmännische Lehrabschlussprüfung 2015 / schriftlich Branche Bank Berufspraktische Situationen und Fälle


R. M.
Diese Karteikarten richten sich an Lernende in der Berufslehre im Finanzbereich und behandeln Themen wie Bankgeschäfte, Wertschriften, Kreditvergabe und Kundenberatung. Sie konzentrieren sich auf praktische Anwendungen, etwa die Analyse von Depotstrukturen, die Berechnung von Bezugsrechten und die Bewertung von Aktien. Ideal für angehende Bankkaufleute, die sich auf die schriftliche LAP vorbereiten und ihr Wissen in der Kundenberatung vertiefen möchten.
Karten
55
Lernende
5
Sprache
Deutsch
Kategorie
Finanzen
Stufe
Berufslehre
Erstellt / Aktualisiert
07.03.2017 / 30.07.2025

Lernkarten

Herr Ravioli, ein Konservenfabrikant und Kunde Ihrer Bank, will eine Gewerbeliegenschaft
bauen. Die Anlagekosten werden auf CHF 900'000.-- geschätzt und sind plausibel.


a) Wie viel Eigenmittel muss Herr Ravioli einbringen?


1 Punkt

In der Regel 25 - 50% (CHF 225‘000.-- bis CHF 450‘000.--)

Erklären Sie in Stichworten zwei mögliche Gründe für die unterschiedlichen
Belehnungssätze.


2 x 1 Punkt

Schwierigkeit, Gewerbeliegenschaft umzunutzen
Schwierig, Gewerbeliegenschaft im aktuellen Zustand zu verkaufen
weniger Nachfrage im Gewerbebereich
höhere Risiken für die kreditgebende Bank

Auf Ihrem Tisch liegt ein Kreditgesuch der Mix-It-AG. Bei Ihren Recherchen im Internet
sehen Sie, dass sich die Firma als Marktführerin in der Schweiz für Küchenmaschinen
darstellt. Das Management ist gut ausgebildet, und eine Expansion in den europäischen
Markt ist geplant.


a) Warum benötigen Sie mehr als die auf der Homepage vorhandenen Angaben,
um die Kreditwürdigkeit der Firma zu beurteilen? Formulieren Sie Ihr
Argument in einem ganzen Satz.


1 Punkt

die Firma stellt sich auf ihrer Homepage evtl. zu positiv dar
die Aussagen sind nicht umfassend und abschliessend
die Zahlen sind selektiv

Welche weiteren Unterlagen fordern Sie ein, um die Kreditwürdigkeit der
Firma zu prüfen? Nennen Sie vier Unterlagen / Dokumente.


4 x ½ Punkt

Auszug Handelsregister
Betreibungsauskunft
Zahlungsmoral
Referenzen
Marktvergleiche

Die HighTech AG tauscht eine alte Maschine gegen eine neue ein. Da sie die neue Maschine
nicht vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren kann, schliesst sie mit dem Verkäufer
einen Vertrag mit Eigentumsvorbehalt ab. Es resultiert eine Restschuld von CHF
80'000.00. Über diesen Betrag wird mit Ihrer Bank ein Kreditvertrag abgeschlossen.


a) Wo wird der Eigentumsvorbehalt eingetragen?


1 Punkt

Beim Betreibungsamt am Wohnsitz des Schuldners.

Die HighTech AG tauscht eine alte Maschine gegen eine neue ein. Da sie die neue Maschine
nicht vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren kann, schliesst sie mit dem Verkäufer
einen Vertrag mit Eigentumsvorbehalt ab. Es resultiert eine Restschuld von CHF
80'000.00. Über diesen Betrag wird mit Ihrer Bank ein Kreditvertrag abgeschlossen.

Welche Sicherheit hat die Bank bei diesem Kredit?


1 Punkt

Den Eigentumsvorbehalt; dieser wird an die Bank abgetreten.

Ihre Kundin, Frau Waldmeier interessiert sich für die Zurich und Nestlé Aktien. Aus einem Research-Bericht hat sie Ihnen die wichtigsten Kennzahlen mitgebracht und stellt nunmehr einige Fragen dazu. 

Zuerst möchte Frau Waldmeier wissen, was die Buchstaben P/E heissen und
wie das P/E berechnet wird.
2 x ½ Punkt

P/E heisst Price/Earning-Ratio oder auf Deutsch Kurs-Gewinn-Verhältnis/KGV
(½ Punkt)


Aktueller Kurs der Aktie durch geschätzten oder erwarteten Gewinn pro Aktie (½ Pt)


Korrekturhinweise: - beide Varianten (deutsch und englisch) gelten als richtig
- wenn der Kandidat die Berechnung mittels (fiktivem)
Zahlenbeispiel aufzeigt, gilt dies auch als richtig
(Aktienkurs ist in der Tabelle nicht vorgegeben)

Frau Waldmeier vergleicht nun zusammen mit Ihnen die P/E-Kennzahlen von Zurich und
Nestlé.


b) Warum können die P/E’s dieser beiden Unternehmen nicht miteinander
verglichen werden?


1 Punkt

 

Beachtet werden muss, dass Aktien-P/E’s nur innerhalb der gleichen Branche
verglichen werden dürfen, da unterschiedliche Branchen auch unterschiedliche
P/E’s aufweisen.

Nach Ihren Erklärungen zum P/E möchte Frau Waldmeier nun auch wissen,
wie die Dividendenrendite berechnet wird.


1 Punkt

Die ausgeschüttete Dividende wird ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs
gesetzt.
Oder:
Dividende oder Dividendenbetrag / Aktienkurs x 100 = Dividendenrendite.


Korrekturhinweis: wenn der Kandidat die Berechnung mittels (fiktivem) Zahlenbeispiel
aufzeigt, gilt dies auch als richtig (Aktienkurs ist in der Tabelle nicht
vorgegeben)

Warum soll Frau Waldmeier Aktien der Zurich kaufen? Begründen Sie den
Entscheid in einem ganzen Satz.


1 Punkt

Aufgrund der aktuellen und auch in Zukunft höheren Dividendenrendite von 5.3 %,
ist die Aktie der ZFS attraktiver als die Nestlé-Aktie (auch im Vergleich zu einer
CHF-Obligation mit einer mittelfristigen Laufzeit).


Korrekturhinweis: falsch wäre eine Begründung anhand des P/E, da dieses nur
innerhalb der gleichen Branche gilt

Anlagefonds lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen.
Ordnen Sie die folgenden Anlageformen den entsprechenden Anlagefonds zu.


4 x ½ Punkt

 

1) Equity Fund Switzerland

2) Money Market Fund USD

3) Swiss Real Estate Fund

4) Commodity Selection Fund

 

a) Wohnbauten

b) Crude Oil Futures

c) Treasury Bill

d) Roche GS

 

1 = d

2 = c

3 = a

4 = b

Im Rahmen einer Eigenkapitalerhöhung haben die bisherigen Aktionäre das Recht auf
den Bezug neuer Aktien. Dank Bezugsrechten können sich die Altaktionäre an der Kapitalerhöhung
beteiligen und ihre prozentuale Beteiligung halten.


Die Generalversammlung der Huber AG entscheidet, das Aktienkapital zu erhöhen.

 

Aktienkapital, bisher             CHF 1‘000‘000.-- (1‘000 Aktien zu CHF 1‘000.-- nominal)
Erhöhung, neu                       um 50 %
Aktienkurs vor Erhöhung      CHF 3‘800.--
Emissionspreis                        CHF 2‘900.--

 

Bestimmen Sie das Bezugsverhältnis.


1 Punkt

Bezugsverhältnis 2:1

Berechnen Sie den theoretischen Wert des Bezugsrechts.


1 Punkt

1‘000 x CHF 3‘800.--            3‘800‘000.--
500 x CHF 2‘900.--               1‘450‘000.--
1‘500 x CHF 3‘500.--            5‘250‘000.--
oder
2 x CHF 3‘800.--                     7‘600.--
1 x CHF 2‘900.--                     2‘900.--
3 Aktien                                    10‘500.--


Aktienpreis vor Kapitalerhöhung: CHF 3‘800.--
Aktienpreis nach Kapitalerhöhung: CHF 3‘500.--
Theoretischer Wert des Bezugsrechts: CHF 300.-- (1 Punkt)


oder Berechnung mittels Formel:


(Kurs alte Aktie – Bezugspreis neue Aktie) / Bezugsverhältnis + 1


Korrekturhinweis: Folgefehler sind zu berücksichtigen

Herr Hofmann, ein Schweizer Neukunde, hat sich für ein Kundengespräch angemeldet
und Ihnen vorgängig ein Depotverzeichnis zugestellt.


CHF 34‘600.--       Kontokorrent                                                      34‘600.--     10.3%
CHF 80‘000.--       4 % Eidg. 11.2.2023                    118.35        94‘680.--      28.3%
CHF 60‘000.--       3.5 % Stadt Zürich 14.8.2024    110.45        66‘270.--      19.8%
CHF 80‘000.--        2 % Migros 3.5.2023                  102.30        81‘840.--      24.4%
CHF 50‘000.--        2.875 % Sika 23.3.2025             104.80       52‘400.--      15.6%
CHF 10                    Villars Holding N                          520.--         5‘200.--         1.6%
                                   Total Portfolio                                                   334‘990.--     100.0%

 

Analysieren Sie das Depot und beschreiben Sie zusätzlich zum hohen
Obligationenanteil zwei weitere Auffälligkeiten.


2 x 1 Punkt

nur Schweizer Schuldner
mangelnde Diversifikation / titelspezifische Risiken
ausschliesslich Anlagen in Schweizer Franken
Position Villars Holding zu klein (evtl. Liebhaber-Aktie)
Obligationen haben eine lange Laufzeit
Staffelung der Fälligkeiten

Infolge der anziehenden Inflation gehen Sie davon aus, dass in naher Zukunft die Zinsen
steigen werden. Dies wird nicht ohne Einfluss auf das oben erwähnte Wertschriftendepot
bleiben. Herr Hofmann ist ziemlich beunruhigt und wünscht fundierte Änderungsvorschläge.


b) Erarbeiten Sie einen konkreten Umschichtungsvorschlag und begründen Sie
Ihre Entscheidung.


1 Punkt


CHF 34‘600.--       Kontokorrent                                                      34‘600.--     10.3%
CHF 80‘000.--       4 % Eidg. 11.2.2023                    118.35        94‘680.--      28.3%
CHF 60‘000.--       3.5 % Stadt Zürich 14.8.2024    110.45        66‘270.--      19.8%
CHF 80‘000.--        2 % Migros 3.5.2023                  102.30        81‘840.--      24.4%
CHF 50‘000.--        2.875 % Sika 23.3.2025             104.80       52‘400.--      15.6%
CHF 10                    Villars Holding N                          520.--         5‘200.--         1.6%
                                   Total Portfolio                                                   334‘990.--     100.0%

Vorschlag: Verkauf Obligationen mit langer Laufzeit,
Wiederanlage in Anlagefonds
oder Liquidität

Begründung: Elimination Zinsänderungsrisiko, Anlagefonds
investieren diversifiziert

 

Korrekturhinweis: pro korrekte Zeile 1 Punkt

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