Zoophysiologie
Osmo- und Wasserregulation, Niere; Ernährung
Osmo- und Wasserregulation, Niere; Ernährung
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Osmose
- Konzentration aller in Lösung vorhandener, osmotisch aktiven Teilchen (Ionen, Proteine) bezogen auf das Volumen
- Wasserverschiebung durch ungleiche Verteilung der gelösten Teilchen in zwei Kompartimenten, die durch eine semipermeable Membran voneinander getrennt sind
- z.B. Rückresorption von Wasser im distalen Tubulus der Niere
Epithelien
- Protozoa (Einzeller): Durchlässigkeit und Transporteigenschaften der Zellemembran bestimmen Anpassungs- und Überlebensfähigkeit
- Metazoa (Mehrzeller): Körperzellen sind von Flüssigkeitsraum umgeben --> durch äussere Barriere von Umgebung abgetrennt -->Epithelzellen
- Epithelzellen: polarisierte Zellen mit unterschiedlichen Transportsystemen (apikal und basolateral)
- Regulation des Wasser- und Salzhaushalts
Zellhomöostase
- Aufrechterhaltung eines konstanten inneren Milieus
- in jeder Zelle herrscht hohe Konzentration an inpermeablen, geladenen Proteinmolekülen
- in Ruhe müssen ständig Ionen über Transportsysteme (aktiver und passiver Transport) rezirkuliert werden
präzise Regulierung verschiedener biochemischer Prozesse
- Osmotische Regulation: Kontrolle des osmotischen Drucks, der Triebkraft von Wasserbewegungen durch biologische Membranen --> Transport von Ionen durch Membranen --> Wasser folgt
- Ionale Regulation: Kontrolle der ionalen Zusammensetzung von Körperflüssigkeiten
- Stickstoffausscheidung: eng mit osmotischer/ionaler Regulation verknüpft
Osmolarität in Wasser
Osmolarität in verschiedenen Gewässern sehr unterschiedlich
- Süsswasser: wenige mOsmol/kg
- Meerwasser: bis zu 1000 mOsmol/kg
- Flussmündungen: wechselnde Osmolaritäten
Bei Fischen: Kiemenepithel ermöglicht die Osmoregulation durch verschiedene Transportsysteme; Meerwasserfisch gibt Ionen und Wasser über die Kiemen ab, Süsswasserfisch nimmt Ionen gegen steilen Gradienten über die Kiemen auf.
Salzdrüsen
Reptilien und Meeresvögel besitzen diese, um zur Kontrolle des Ionen- und Wasserhaushalts beizutragen --> Ausscheidung von hyperosmotischer NaCl-Lösung.
Z.B. Rektaldrüse bei Haien
Flusskrebsniere
--> Antennendrüsen im Kopfbereich --> Ultrafiltration der Hämolymphe
Besteht aus Succulus (Endsack), Labyrinth, Nephridkanal und Blase
Aufgaben der Niere
- bei Wirbeltieren
- Ionen- und pH-Regulation
- Kontrolle des Blutvolumens (Blutdruck)
- Ausscheidung von wasserlöslichen Substanzen mit kleinem Molekulargewicht wir organische Säuren, Salze und stickstoffhaltige Stoffwechselendprodukte (z.B. Ammoniak)
- Inaktivierung von Hormonen
- Pendant bei Insekten: Malpighi-Gefässe
- stets stark duchblutet, um Zusammensetzung und Menge des Urins an physiologische Bedingungen des Tiers anpassen zu können
Malpighi-Gefässe
- blind geschlossene Ausstülpungen des Darms, die sich in den Darm entleeren
- dadurch wird Kot bestmöglich eingedickt
Aufbau Niere
- paarig angelegt, bohnenförmig mit Rinde und Mark
- Nephron: einzelnes Funktionsmodul, Zahl variiert stark abhängig von der Stoffwechselaktivität des Tiers (400 Molch, 8 Mio Rind, 2 Mio Mensch)
- Glomeruli: Filtration --> Primärharn
- Tubuli: Rückresorption von wichtigen Substanzen
- Sammelrohr
- Blase
Primärharn wandert durch den proximalen Tubulus, die Henlesche Schleife, den distalen Tubulus (Rückresorption, Sekretion meist abgeschlossen) in das Sammelrohr.
Beziehung zwischen der Dicke des Nierenmarks und dem Endharn-Konzentrierungsvermögen
Funktion Glomerulus
- Filtration von niedermolekularen Substanzen anhand von Ladung und Grösse
- Filtrationsdruck 10 mmHg
- Filtration durch die glomeruläre Basalmembran --> Filtration von meist kationischen Molekülen <40.000 und Zurückhalten von anionischen Molekülen (Basalmembran ist negativ geladen)
- Primärharn ca. 180 l/Tag (Mensch), Endharn ca. 1.5 l/Tag --> enthält niedernolekulare Stoffe wie Glucose und Aminosäuren, kleine Proteine
- pro Stunde 7.5 l Primärharn, aber nur 75 ml Endharn --> Ultrafiltration über Basalmembran und Schlitzmembran
proximaler und distaler Tubulus
- Steuerung des Ionenhaushalts (Na, K, Ca, Mg, HCO3)
- Säure-Basen-Regulation
- Reabsorption des Wassers
- Wandeln den Primärharn in den Sekundärharn (Endharn) um
Morphologische Tubulusabschnitte
- proximaler Tubulus -- stark gewunden, mit Mikrovilli-Bürstensaum zur Oberflächenvergrösserung, reich an Mitochondrien --> Resorption von lebensnotwendigen Ionen und Molekülen
- Henlesche Schleife, absteigender Schenkel
- Henlesche Schleife, aufsteigender Schenkel
- distaler Tubulus, nur wenige Mikrovilli
- Sammelrohr, endet im Nierenbecken
- Nierenmark: Tubuli von 1.2 Mio Nephronen (pro Niere) bilden zusammen mit den begleitenden Blutkapillaren die Hauptmasse des Nierenmarks
Säure-Basen-Regulation
- proximale Bicarbonat-Reabsorption
- Na+/ H+-Antiporter
- Carboanhydratase (reguliert den Zerfall der Kohlensäure)
- distale Protonen-Sekretion
- H+-ATPase
- Carboanhydratase
NH3 wird aus Glutamin gebildet und über das Anhängen von H+ entsteht NH4+, das ausgeschieden wird.
Säure-Basen-Regulation geschieht über die Lunge (CO2) und über die Niere (Bicarbonat, H+)
Gegenstromsystem der Wasserresorption
- Prinzip: in zwei parallelen Röhren strömt die Flüssigkeit in entgegengesetzter Richtung
- Unterschiede in den osmotischen Werten der Flüssigkeiten = treibende Kraft für Wasserübertragung
- semipermeable Wände nur im absteigenden Teil
- osmotischer Gradient entsteht dadurch, dass Pumpen die gelösten Teilchen über die Wand transportieren
- entgegengesetzte Strömungsrichtung bewirkt, dass Wasser von einem Rohr ins andere übertreten kann, ohne dass es zum Ausgleich der osmotischen Werte kommt
Konzentrierung des Harns
- im absteigenden Schenkel der Henleschen Schleife wird dem Harn laufend Wasser entzogen
- im aufsteigenden Ast werden dem Harn durch Pumpen laufend osmotisch aktive Substanzen entnommen
- endgültige Konzentrierung erfolgt im Sammelrohr --> Durchlässigkeit der Wand ist variabel, sowohl für Wasser wie auch für gelöste Teilchen und kann den Bedarf angepasst werden
Regelung der Nierenfunktion
- automatische Anpassung an den wechelnden Blutdruck, um konstante Filtrationsrate aufrecht zu erhalten
- Autoregulatorisches Ventil: kontraktile Mesangialzellen
- steigt der Blutdruck, werden die Blutgefässe und mit ihnen die Mesangialzellen gedehnt
- die Dehnung bewirkt eine Kontraktion der glatten Muskulatur, diese verengen den Kapillarendurchmesser und halten so den Filtrationsdruck im Glomerulus konstant
- wird der Fluss durch den Glomerulus erhöht, bewirkt dies ein Signal an die afferente Arteriole und daraus resultiert eine Vasokonstriktion, welche den Blutfluss verringert
Hormonelle Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts
- Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
- Na-Rückresorption verstärkt, als Folge verstärkteWasserresorption
- Kontrolle des Blutdruckes
- Gegenspieler: atrial natriuretic peptide (ANP)
Antidiuretisches Hormon oder Vasopressin
Regelt die Wasserdurchlässigkeit der Sammelkanäle. Bewirkt, dass vermehrt Vesikel mit Aquaporinen zur apikalen Seite der Sammelrohre transportiert werden. Je nach Hydratationszustand des Tieres kann das Endvolumen des Harns durch ADH vermindert oder vergrössert werden.
Aldosteron
Transkription von Genen zur Expression von Ionentransportern: Na/K-ATPase, Na/H-Antiporter. Wenn die Osmolarität im Plasma steigt, wird dies von Osmorezeptoren im Hypothalamus registriert, regt die Neurohypophyse zur Sekretion von ADH (= Vasopressin=Antidiuretisches Hormon) an.
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
- Wirkung von Angiotensin II:
- Kontraktion der Blutgefässe -->Blutdrucksteigerung
- Blutdrucksteigerung
- Nebennierenrinde: Aldosteronbildung und Ausschüttung -->Expressin von aldosteroninduzierten Genen
- vermehrte Natrium-Rückgewinnung
- vermehrte Kalium-Ausscheidung
- Gegenspieler: ANP, BNP --> bewirken den Blutdruckabfall
- fällt der Blutdruck ab (durch Wasser- oder Blutverlust), wird von den Granularzellen Renin (Protease) in die Blutbahn abgegeben --> dadurch wird ein Peptid von Angiotensinogen (zirkuliert in der Blutbahn) abgespalten, so dass Angiotensin I entsteht --> Angiotensin I wird durch ein weiteres proteolytisches Enzam, das Converting enzyme in Angiotensin II umgewandelt
Antidiuretisches Hormon oder Vasopressin
Nimmt die Plasmaosmolarität zu, wird dies von den Osmorezeptoren im Hypothalamus registriert und es erfolgt eine Sekretion von Vasopressin aus der Neurohypophyse
Vasopressin regelt die Wasserdurchlässigkeit der Sammelkanäle und sorgt dafür, dass vermehrt Wasser rückresorbiert wird
ADH-Mangel: Diabetes insipidus
Aquaporine in der Niere
- Wassertransport
- AQP 1, 2, 3 und 4 sind recht gut untersucht
- AQP-1: proximaler Tubulus (apikal, basolateral) --> Mäuse ohne können Urin nicht vollständig aufkonzentrieren
- AQP-2: Sammelrohr (apikal, in Vesikeln) --> Mäuse ohne sind nicht lebensfähig
- AQP-3/AQP-4: Sammelrohr (basolateral) --> Mäuse ohne können nicht soviel Wasser rückresorbieren
verstärkte Urinproduktion
--> verminderte Fähigkeit zur Wasserresorption
- Fehlen oder verminderte Produktion von Vasopressin
- Mutationen im AQP-2 Gen -->vererbte Nierenkrankheit
- erworbener nephrogener Diabetes insipitus kann durch geschädigte Regulation von AQP-2 aufgrund der Gabe von Lithiumsalzen (als Behandlung von bipolaren Störungen ), niedrige Kalium-Konzentrationen im Blut (Hypokalemia), hohe Kalzium-Konzentrationen im Blut (Hypercalcemia) oder durch chronische abnormale Aufnahme von Wasser über den normalen Anforderungen entstehen
Wichtigkeit der exakten Regulation von Wasser- und Elektrolythaushalt
- vor allem wichtig für die Natrium- und Kaliumkonzentrationen
- Na/K-ATPase generiert einen extrazellulären/intrazellulären Konzentrationsunterschied von Kalium (innen) und Natrium (aussen)
- wichtig für das Aktionspotenzial am Herzen und für Natriumabhängige Cotransportsysteme vieler Zellen
- Natrium: wichtigstes Kation des Extrazellulärraums
- Erhöhung der Na-Konzentration kann durch Wasserverlust oder durch Trinken von Meerwasser erfolgen --> Folgen können lebensbedrohlich sein --> Herz-Kreislaufstillstand
- Erniedrigung der Na-Konzentration kann durch Elektrolytverlust (Durchfall, Stoffwechselentgleisungen bei Diabetes mellitus) --> Folge kann Muskelschwäche oder neurologische Ausfallserscheinungen sein
- Kalium: wichtigstes Kation des Intrazellulärraums
- Erniedrigung kann durch Durchfall oder beim Mensch durch Diuretika oder gewissen Abführmitteln ausgelöst werden --> Folge kann Niereninsuffizienz sein
- Erniedrigung oder Erhöhung kann zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislaufproblemen führen
Clearance
- Ausscheideleistung eine bestimmten Organs für eine bestimmte Substanz
- Auskunft über Ausscheidungsleistungsfähigkeit der Niere
- Messung der renalen Clearance gilt als Mass für Nierenfunktion
- renale Clearance ist das Plasmavolumen (ml), das durch Harnbildung pro Minute von einer Substanz (theoretisch) befreit wird
- Berechnung aus Plasmakonzentration einer Substanz, Urinkonzentration dieser Substanz und dem Harnvolumen/Zeit
- Clearance ist also immer unterschiedlich, je nachdem welcher Stoff angeschaut wird: für Glucose bei gesunder Niere Wert=0 ml/min, Inulin bei gesunder Niere >125 ml/min
Creatininclearance
Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate -->macht jedoch keine Aussage über die Qualität der glomerulären Filtration. Diese kann nur indirekt aus dem Auftreten von Blutbestandteilen im Harn geschlossen werden, welche normalerweise von der glomerulären Basalmembran zurückgehalten werden oder im Tubulus rückresorbiert werden.
Glomerulonephritis
Entzündliche Reaktionen in den Glomerula (z.B. durch Immunkomplexablagerung), die zu funktionellen Veränderungen und glomerulären Proteinurie und Hämaturie führt.
Diabetische Nephropathie
Verdickung der Basalmembran, Verlust der Ionenselektivität, Proteinurie
Sammelrohr
- Rückresorption von Wasser
- Ausscheidung von Protonen
- Regulation durch ADH
Nahrungsbestandteile
- Energieträger - Proteine, Kohlenhydrate, Fette
- Baustoffe, z.B. essentielle Aminosäuren oder essentielle ungesättigte Fettsäuren
- Funktionsträger - Vitamine, Elektrolyt-Ionen, Spurenelemente, für normale Entwicklung sind kleine Mengen notwendig
- Wasser
Vitamine
Essentielle Vorläufer von Coenzymen oder Signalstoffen, die bereits in geringer Konzentration wirksam sind aufgrund der katalytischen Funktion.
- Wasserlösliche/Fettlösliche Vitamine
- Hypovitaminose/Hypervitaminose --> beides pathogen
- unterschiedliche Bedarfsmengen zwischen Tieren
- Vit C für Mensch, Affen und Meerscheinchen essentiell, aber nicht für die meisten anderen Wirbeltiere
- Vit A für Katze essentiell, da Enzym für Spaltung von beta-Carotin nicht vorhanden
- symbiotische Bakterien im Darm (--> Coprophagie der Kaninchen -->Zurückgewinnung der Vitamine
Proteine
- Baustoffe der Zellen
- integrale Proteine
- Cytoskelett
- Funktionsstoffe
- Hormone
- Enzyme
- Abwehrstoffe
- Energieträger
- Säugetiere können nur kleine Mengen an Eiweiss speichern
- essentielle AS für Wirbeltiere und Insekten (meist Valin, Leucin, Isoleucin, Methionin, Lysin, Phenylalanin, Tryptophan und Threonin)
Lipide
- Energieträger, -speicher
- oft Triglyceride
- Baustoffe in Membranen
- Signalstoffe, Hormone (Steroidhormone)
- Funktionsstoffe: Gallensäuren
Essentielle Fette
- Linolsäure (eine Omega-6-FS)
- Linolensäure (eine Omega-3-FS)
- Arachidonsäure (Synthese aus Linolsäure oder Aufnahme)
ungesättigte FS, die bei Huhn, Ratte, Hund, Schwein und Mensch essentiell sind.
Wirbeltiere können im Gegensatz zu Insekten Sterine (Cholesterin) selbst herstellen.
Kohlenhydrate
- Mono- und Polysaccharide
- Stärke/Cellulose in Pfanzen
- wichtige Nahrungsquelle für Menschen
- Spaltung mit Enzymen in monomolekulare Form (z.B. Glucose)
- Monosaccharide werden über O-glykosidische Bindungen zu Polysacchariden
- alpha-glykosidische Bindung -->Spaltung mit Amylase
- beta-glykosidische Bindung --> Spaltung über Enzym Cellulase --> nur bei wenigen Tieren (Symbionten im Verdauungstrakt)
- Kohlenhydrate sind bei den meisten Tieren wichtiger Energielieferant aber nicht essentiell
Wasserlösliche Vitamine
- Vitamin C: Ascorbinsäure - Antioxidans, Bindegewebswachstum --> Mangel Scorbut
- Vitamin B12: Cobalamin - Blutbildung, Myelinbildung, Synthese von epithelialen Geweben --> Mangel Anämie
- Vitamin B9: Folsäure - DNA-Replikation --> Mangel Anämie
Fettlösliche Vitamine
- Vitamin A: Retinal - Schleimhautschutz, am Sehvorgang beteiligt --> Hypovitaminose - Nachtblindheit, Erblindung; Hypervitaminose - embryonale Missbildungen
- Vitamin D: Cholecalciferol - Knochenaufbau, Ca2+- und Phosphat-Resorption im Darm --> Mangel Rachitis, Osteoporose; Vergiftung - zu hoher Ca2+ Gehalt im Blut --> Nierenversagen durch Ca2+ Ablagerungen
Sterine
Provitamine
Bsp Vitamin D wird durch UV-Licht aus der Provitamin-Form in die aktive Form umgewandelt