ZNS
ZNS
ZNS
-
- 1 / 44
-
Lernkarten
Welche Mediatoren vermitteln welche Hirnfunktion?
Glutamat - Epilepsie, Narkose, Degeneration
GABA - Epilepsie, Narkose/Schlaf, Angst
ACh - Parkinson, Alzheimer
Dopamin - Parkinson, Schizophrenie, Hormonsekretion, Belohnung
Serotonin - Stimmung
Noradrenalin - Antrieb / Vigilanz
Histamin - Wachheit
Glutamaterge Synapse
Präsynapse
- Glutaminasen/Transaminasen
- EAAT (excitatory amino acid transporter) - Wiederaufnahme von Glu aus synaptischen Spalt
- VGLUT (vesicular glutamate transporter) - Transport von Glu in Vesikel
- Glutamin-Transporter - Aufnahme von Gln aus Astrozyten
Postsynapse
- Kainat-Rezeptor (Na+/K+)
- AMPA-Rezeptor (Na+/K+)
- NMDA-Rezeptor (Gq, mGluR)
Substanzen, die an Glutamatrezeptoren angreifen
AMPA-Rezeptor-Antagonisten
- hemmen zahlreiche ZNS-Funktionen -> Beeinträchtigung von Vitalfunktionen
--> kein klinischer Gebrauch
NMDA-Rezeptor-Antagonisten und Kanalblocker
- Ketamin - Anästhesie und Analgesie
- Memantin - bei Alzheimer und Parkinson
- Phencyclidin (PCP, angeldust) - schwere halluzinogene Effekte
GABAerge Synapse
Präsynapse
- Glutaminase/Transaminase
- Glutamintransporter
- GAD (Glutamatdecarboxylase) - Herstellung von GABA aus Glu
- VIAAT (vesikulärer Transporter inhibitorischer Aminosäuren)
- GABA-Transporter (Wiederaufnahme aus synaptischem Spalt)
Postsynapse
- GABAA-Rezeptor (Cl-)
- GABAB-Rezeptor (Gi)
GABAA-Rezeptor
- 5 UE (2alpha, 2beta, 1gamma)
- eine UE durchzieht Plasmamembran 4x (TM1-4)
- alpha-UE zeigen im Gehirn regional-spezifisches Expressionsmuster
Substanzen, die am GABAA-Rezeptor angreifen
Barbiturate
- öffnen GABA-Rezeptoren direkt
- zur Narkoseeinleitung und als Reservemittel bei Epilepsie
- früher Schlafmittel
Benzodiazepine
- erhöhen Affinität für GABA (selbstlimitierende Aktion, kein toxischer Effekt)
- Anxiolytika, Antiepileptika, zentrale Muskelrelaxantien, Schlafmittel (Hypnotika)
Z-Substanzen
- in der Wirkung ähnlich wie Barbiturate
Etomidat
- verlängert GABA-Wirkung
- Narkoseeinleitung bei kardiovaskulären Risikopatienten
- hemmt vorübergehend Steroidsynthese
Propofol
- vergrößert den GABA-induzierten Chloridstrom
- zur Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung
Benzodiazepine
Benzodiazepin - Agonist - intrinsische Aktivität - verstärkt Effekt von GABA - Anxiolyse
Flumazenil - Antagonist - keine intr. Aktivität - kompetitiert mit Benzodiazepin um Bindungsstelle - blockiert Effekte der Benzodiazepine
Beta-Carbolin - inverser Agonist - keine intr. Aktivität - reduziert Effekt von GABA - anxiogen
Dosisabhängige Wirkung
Anxiolyse - Muskelrelaxation - antiepileptisch - Sedierung - Schlaf - anterograde Amnesie
Pharmakokinetik
- lipophile Substanzen mit hoher Bioverfügbarkeit (>80%)
- hohe Plasmaproteinbindung (>80%)
Metabolismus
4 Subgruppen
- Diazepam-Typ - sehr langsam mit aktiven Metaboliten (bis zu 5d)
- Oxazepam-Typ - schnell
- Nitrazepam-Typ - langsam (t1/2 - 20-48h)
- Typ der tetracyclischen Benzodiazepine - sehr schnell
wichtige Substanzen
- Diazepam - 20-40h - ANX, ZMR, AEP
- Clobazepam - 10-30h - ANX, AEP
- Oxazepam - 6-12h - ANX, SCH
- Midazolam - 1,5-2,5h - AAN, SCH
- Lorazepam - 11-18h - ANX, SCH
- Flumazenil - 1h - BZV (Benzodiazepin-Vergiftung)
UAW
- reduzierte Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen
- Muskelrelaxation - führt zu Stürzen
- anterograde Amnesie
- paradoxe Wirkungen (Schlaflosigkeit, Erregung)
- Verflachung geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit
- Toleranz
- Abhängigkeit (psych. und physisch nach 4-6monatigem Gebrauch, bei hohen Dosen früher)
- reduzierte Libido, gestörter Zyklus
- erhöhter Appetit - Gewichtszunahme
- bei abruptem Absetzen: Angst, Zittern, Krampfanfälle, Psychosen
- schwer abzusetzen, auch schon nach mehrwöchiger Einnahme
- in Kombination mit anderen ZNS-dämpfenden Stoffen oder Alkohol können die Benzodiazepine eine lebensbedrohliche respiratorische Depression asulösen
Schlafmittel
wirken über GABAA-Rezeptoren
Z-Substanzen
- Zopiclon - 3-6h
- Zolpidem - 2h - günstiges Profil (gut schlafanstoßend, wenig anxiolytisch, geringe Toleranz, geringer Rebound)
- Zaleplon - 1-2h - bei Durchschlafstörungen (danach Ruhephase von 4h!)
Benzodiazepine
- Temazepam
- Brotizolam
- höheres Sucht- und Missbrauchspotential, hohes Rebound-Potential (Angst und Schlaflosigkeit bei Absetzen)
Antihistaminika
- wirken leicht sedierend
- anticholinerge Nebenwirkungen
- zugelassen bei Kindern ab 6kg KG
- Diphenhydramin
- Doxylamin
sedierende Antidepressiva
- Trimipramin
- Amitryptilin
- Langzeitbehandlung, geringes Suchtpotential, mehr UAWs
sedierende Neuroleptika
- Melperon
- bei psychiatrischen Grunderkrankungen
Sonstige
- Baldrian, L-Tryptophan, Melatonin (gering hypnotisch)
5-K-Regel
Einsatz nur bei klarer Indikationsstellung
Benutzen der kleinstmöglichen Dosis
Kürzest mögliche Behandlungszeit
Kein abruptes Absetzen
Beachtung aller Kontraindikationen
Anästhetika
Inhalative Wirkstoffe
- Lachgas/Stickoxydul (70% N2O,30% O2 )
- Isofluran (Flurane sind Flüssigkeiten mit niedrigem Verdampfungspunkt, Anteil ca. 0,75%)
- Desfluran
- Sevofluran
- Xenon
Intravenöse Wirkstoffe
- Thiopental
- Etomidat
- Propofol
- Ketamin
- Midazolam
Lachgas (Distickstoffmonoxid)
- schnelles Einsetzen/Abklingen der Wirkung (gute Steuerbarkeit)
- effektive Analgesie, schwache Narkose
- Kombination mit zweitem Anästhetikum
- am Ende der Narkose erhält Patient reinen Sauerstoff
- wird zunehmend durch Opioide ersetzt (Remifentanil)
UAW
- B12-Schädigung -> kann zu Knochenmarksdepression führen
Flurane
Isofluran
Desfluran
Sevofluran
Isofluran
- nicht gut im Blut löslich - kann schnell wieder abgeatmet werden
- schnelle Anflutung im Gehirn
- kein Exzitationsstadium
Sevofluran
- Einleitung mit Maske
UAW
- muskelrelaxierender Effekt - atemdepressiv
- Blutdruckabfall (senken peripheren Widerstand - Erweiterung der Gefäße -> nicht bei Raumforderung im Gehirn!)
- maligne Hyperthermie (selten)
- Desfluran hat stechenden Geruch - nicht zur Einleitung verwendbar
Intravenöse Anästhetika
- ideal zur Induktion, da schneller Wirkungseintritt (20s)
- schlechte Steuerbarkeit (außer Propofol)
Barbiturate
- Thiopental
- aktive Metabolite -> lange Nachwirkzeit, keine wiederholten Applikationen
- Methohexital
- Effekt einer Dosis ca. 5-10min - Umverteilung: zuerst stark durchblutete Organe, dann Fettgewebe
UAW
- Atemdepression, Blutdruckabfall, negative Inotropie, Senkung intrakraniellen Drucks, Induktion von Leberenzymen
Etomidat
- Effekt einer einzelnen Dosis: 3-5min
- kaum Herz-Kreislaufwirkungen
- unfreiwillige Bewegungen, postoperative Übelkeit
- hemmt Funktion der Nebennierenrinde (Kortisol)
Propofol
- sehr schnelle Metabolisierung
- totale intravenöse Anästhesie
- Langzeitsedierung auf ITS
- Sedierung bei interventionellen Eingriffen (Endoskopie)
Midazolam (Benzodiazepin)
- Effekt Einmaldosis: 15-80min
- Anxiolyse, Sedierung vor Eingriff
- Langzeitsedierung auf ITS
- Analgosedierung mit oder ohne Lokalanästhesie
- Herz-Kreislaufsystem erst bei hohen Dosen gehemmt
- bei Älteren paradoxe Erregungszustände
- Antagonist: Flumazenil
Ketamin
- Wirkung: 10-15min
- gute Analgesie (als einziges Injektionsnarkotikum)
- dissoziative Anästhesie (Alpträume - durch gleichzeitige Gabe von Benzodiazepin besser)
- Narkoseeinleitung und Analgesie (Notfallmedizin)
- kreislaufstabilisierend
- Atemdepression bis hin zm Atemstillstand
Allgemein
- Barbiturate, Etomidat, Propofol und Midazolam aktivieren GABAA-Rezeptoren
- Ketamin inhibiert NMDA-Rezeptoren
Antiepileptika
akute Therapie
- Benzodiazepine
- Diazepam, Clonazepam (1. Wahl)
- Phenoarbital (2. Wahl)
chronische Therapie der generalisierten Epilepsie
- Valproat (1. Wahl)
- Lamotrigin
- Ethosuximid
- Phenobarbital
chronische Therapie der fokalen Epilepsie
- Carbamazepin (1. Wahl)
- Lamotrigin
- Oxcarbazepin
- Valproat
- Phenytoin
Angriffspunkte der Antiepileptika
1. spannungsabhängige Na-Kanäle
- Carbamazepin
- Oxcarbazepin
- Lamotrigin
- Zonisamid
2. Ca-Kanäle
- Ethosuximid (T-Typ)
- Lamotrigin (High-Voltage-Activated-Channels)
3. Glutamatrezeptoren
- /
4. GABAA-Rezeptoren
- Benzodiazepin
- Barbiturate
5. Glutamat- und GABA-Stoffwechsel
- Vigabatrin
- Tiagabin
6. Synaptische Vesikel
- Levetiracetam (Protein SV2A)
7. Multiple Angriffsorte
- Valproat (1, 2, 5)
- Topiramat (1,3,5)
- Felbamat (1, 2, 3, 4)
- Gabapentin(2, 5)
- Pregabalin (2, 5)
Kanalblockierende Substanzen wirken in depolarisierten Neuronen
- Wirkung ist "use-dependent", d.h. der Kanalblock baut sich bei wiederholter und verlängerter Aktivität der Kanäle auf
Valproat
Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von primär generalisierten Anfällen und von unklassifizierten Anfällen
UAW
- insgesamt gute Verträglichkeit, schwere Nebenwirkungen sind sehr selten aber möglich
--> Lebertoxizität, Pankreas- und Gerinnungsstörungen, Enzephalopathie
- Tremor
- reversibler Haarausfall
- polyzystisches Ovarialsyndrom
- Gewichtszunahme
- Teratogenität
Wechselwirkungen
- verdrängt andere Antiepileptika uas Plasmaeiweißbindung (Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital)
- enzyminduzierende Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate) reduzieren t1/2 von Valproat
Carbamazepin
Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von fokalen Anfällen und von sekundär generalisierten Anfällen
nicht bei Absencen und primär generalisierten Anfällen
UAW
- Müdigkeit
- Leukopenie
- Hauträtungen
- periphere Neuropathie
- kontraindiziert bei Arrythmie
Wechselwirkungen
- enzyminduzierend
- Erythromycin erhöht Carbamazepinspiegel
Oxcarbazepin
in Struktur und Wirkung ähnlich dem Carbamazepin
unterscheidet sich aber in Wirkung und Nebenwirkungen
- kein einfacher Ersatz von Carbamazepin durch Oxcarbazepin
Lamotrigin
bei fokalen Anfällen und sekundär generalisierten Anfällen
- positive Wirkung auf Stimmung und Ausgeglichenheit
UAW
- Schwächegefühl
- Kopfweh
- Hautreaktionen
Wechselwirkungen
- deutliche Wechselwirkung mit lebermetabolisierten Substanzen
- Halbwertszeit bei gleichzeitiger Gabe induzierender Substanzen (Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate) verkürzt
- Valproat verlängert t1/2
Phenytoin
bei fokalen Epilepsien
wegen zahlreicher unerwünschter Wirkungen Substanz zweiter Wahl
UAW
- Schwindel
- Ataxie
- Nystagmus
- Kleinhirnatrophie
- Hirsutismus
- Gingivahyperplasie
Wechselwirkungen
- deutliche Wechselwirkung mit anderen Antiepileptika
- nichtlineare Dosis-Wirkungsbeziehung
Ethosuximid
bei generalisierten Anfällen vom Absence Typ
(nicht bei generalisierten tonisch-klonischen Krämpfen)
UAW
- Schlafstörungen
- psychische Symptome
- Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsabnahme
- Provokation tonisch-klonischer Krämpfe
Wechselwirkungen
- wenig Wechselwirkungen mit anderen Antiepileptika
Reserve-Antiepileptika
Gabapentin
- induziert Umwandlung von Glutamat in GABA in der Präsynapse
Tiagabin
- hemmt die GABA-Wiederaufnahme aus synaptischen Spalt (in Präsynapse und Astrozyten)
Vigabatrin
- hemmt die Umwandlung von GABA in Glutamat in Astrozyten
dopaminerge Synapse
- Synthese von Domapin aus Tyrosin in der Präsynapse (Tyrosinhydroxylase, Dopa-Decarboxylase)
- Transport in Vesikel über vesikulären Monoamintransporter
- Verschmelzung der Vesikel mit Plasmamembran - Ausschüttung von Dopamin
- Wiederaufnahme von Dopamin über Plasmamembrantransporter
Rezeptoren
- D1/D5 - an stimulatorisches G-Protein gekoppelt
- D2/D3/D4 - an inhibitorisches G-Protein gekoppelt
Parkinson
Leitsymptome
- Akinese
- Tremor (4-5/s)
- Rigor
Neurotransmitter
- Dopaminmangel
- führt zum Überangebot cholinerger Neurone
- führt zu Überangebot von GABA im Thalamus
Parkinson Therapie
L-DOPA
- wird über Aminosäretransporter über die Blut-Hirn-Schranke transportiert
- zusammen mit peripher wirkenden DOPA-Decarboxylasehemmern (Benserazid, Carbidopa) geben
- mehr L-DOPA gelangt ins Gehirn
- Reduktion peripherer Nebenwirkungen
- wirkt gegen Rigidität und Hypokinesie
- Effektivität nimmt nach 3-5 Jahren ab!
- Wearing off / End of Dose Akinese
- anfallsartige on/off-Phänomene
- Freezing
- Hyperkinesien / Dyskinesien
--> L-DOPA-Monotherapie nur bei Patienten >70 Jahre!
UAW
- Übelkeit (D2-Rezeptoren in chemoreceptor trigger zone, Behandlung mit peripher wirkendem D2-Antagonisten: Doperidon))
- Hypotonie - Behandlung mit salzreicher Diät und Stützstrümpfen
- Schizophrenie ähnliche Symptome -> Dosisreduktion, atypische Neuroleptika
- Verwirrtheit, Insomnie, Alpträume
- Hypersexualität
Dopamin Agonisten
Ergoline Dopaminagonisten (abgeleitet von Mutterkornalkaloiden)
- Lisurid
- Bromocriptin
- Cabergolin
- Dihydroergocriptin
- Pergolid
Nonergoline Dopaminagonisten
- Pramipexol
- Ropinirol
- Apomorphin
UAW:
- Übelkeit
- Hypotonie
- Verwirrtheit
- vermehrte Tagesmüdigkeit
- Fibrosen (bei Langzeittherapie)
Kontraindikationen
- Niereninsuffizienz
- Schwangerschaft
- Durchblutungsstörungen/Herzkrankheit
Monoaminooxidasehemmer
- Selegilin
- Rasagilin
Wirkung: irreversible Hemmung der Monoaminooxdiasen (MAO-B in Gliazellen), möglicherweise neuroprotektiv (beim Abbau von Dopamin entstehen freie Radikale -> oxidativer Stress)
Kontraindikationen
- Demenz, Psychosen, Antidepressiva-Therapie
- Ulzera
- Nieren-, Herz-, Leberinsuffizienz
UAW
- Hypotone orthostatische Dysregulation
- Dyskinesien
- Psychosen
- Angst, Erregbarkeit, Schlaflosigkeit
Muskarinrezeptor Antagonisten (Anticholinergika)
- Biperiden
- Bornaprin
- Metixen
- Pridinol
- Procyclidin
- Trihexyphenidyl
Wirkung
- wirken dem Ungleichgewicht aus zu viel ACh und zu wenig Dopamin im Striatum entgegen
- effektiv gegen Tremor
- mindern Hypersalivation
UAW
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Mundtrockenheit und andere anticholinerge Effekte
- psychotische Zustände
Kontraindikationen
- kognitive Störungen (ACh wichtig für kognitive Funktionen)
- Glaukom
- Prostatahypertrophie
- Magen-Darm-Stenosen
- Tachykardie
NMDA-Antagonisten
- Amantadin
- Memantin
Wirkung
- wirken möglicherweise glutamaterger Überaktivität in den Basalganglien (N. subthalamicus) entgegen
- Einsatz zur Monotherapie in der Frühphase
- Linderung L-DOPA-induzierter Dyskinesie- und Akinesie-Krisen
UAW
- Schlafstörung, Unruhe bis hin zur Psychose
- Hypotonie
- Leukopenie
Wechselwirkungen
- Wirkungsverstärkung bei gleichzeitiger Gabe von Anticholinergika
COMT-Hemmer
- Entacapon
- Tolcapon
Wirkung
- Einsatz in der Spätphase
- bei Wirkungsfluktuationen
- Einsparen von L-DOPA und Verzögerung von Langzeitnebenwirkungen
UAW
- kann Dyskinesien, Halluzinationen, orthostatischer Hyoptonie und Durchfall auslösen
Schizophrenie
Positiv-Symptome
- akustische Halluzinationen
- Paranoia
- Wahnvorstellungen
Negativ-Symptome
- Verlust von sozialen Interessen und Interaktionen
- verflachte emotionale Antworten
Allgemein
- Prävalenz 1%
- starke genetische Komponente, aber Auslöser (Stressor) benötigt
- Schizophrene können externe und interne Stimuli nicht filtern
- Überaktivität im dopaminergen Belohnungszentrum (mesolimbisches Dopaminsystem)
konventionelle Neuroleptika
Phenothiazine
Promethazin
- Antihistamin H1-Rezeptor Antagonist
- schwache neuroleptische Wirkung
- Einsatz als Antihistaminikum und als Beruhigungsmittel
Chlorpromazin
- erstes Neuroleptikum
- gute Effekte auf Positivsymptomatik
- schlechte Effekte auf Negativsymptomatik
- in Dtl. nicht mehr im Handel
- hemmt folgende Rezeptoren:
- D2 - akut - +++ - anti-emetisch, revversible parkinso-ähnliche Symptome, Prolaktininkretion
- alpha1 - akut - +++ - Blutdruckabfall (peripher)
- H1 - akut - ++ - sedierend, anti-emetische Effekte
- M - akut - ++ - parasympatholytische Effekte (peripher)
- 5-HT - ++ - Gewichtszunahme
Thioridazin
- antidepressive Effekte
Perazin
- stärker als Chlorpromazin
- stark anti -emetisch
- starke extrapyramidale NW
- wenig sedierend
konventionelle Neuroleptika
Butyrophenone
Haloperidol
- gute Effekte auf Positit-Symptome
- schlechte Effekte auf Negativ-Symptome
inhibiert folgende Rezeptoren:
- D1 +
- D2 +++
- alpha1 ++
- H1 /
- M +/-
- 5-HT +
- stärkere Selektivität für D2-Rezeptoren als Chlorpromazin
- geringere unerwünschte Effekte am vegetativen Nervensystem
- weniger sedierend
- stärkere motorische Störungen (starke Blockade von D2)
Fluspirilen, Pimozid
- modifizierte Butyrophenone mit starker und langdauernder Wirkung --> ambulante Dauerbehandlung
- 1x wöchentlich intramuskulär injiziert
- häufig extrapyramidalmotorische Störungen
UAW konventioneller Neuroleptika
- Früh-Dyskinesie
- funktioneller Morbus Parkinson
- Akathisie
- persistente Spät-Dyskinesie (choreatisches Bild)
- malignes neuroleptisches Syndrom (sehr selten)
- vegetative Störungen
- Leberfunktionsstörungen
- Blutbildveränderungen
- zerebrale Krampfanfälle
- akute Vergiftung
- Prolaktininkretion
Atypische Neuroleptika
- heterogene Substanzgruppe
- Hauptwirkungsmechanismus nicht über D2-Rezeptoren vermittelt
- weniger extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen
- Wirksamkeit gegen Negativsymptomatik
Clozapin (Dibenzodiazepin)
- Sedierung +++
- EPM-NW 0
- Antagonist am D4-Rezeptor
- effektiv gegen positiv und negativ-Symptomatik (5-HT2A)
- oftmals effektiv bei Patienten, die nicht auf konventionelle Neuroleptika reagieren
UAW
- anticholinerge Effekte (M)
- sedierend (H1)
- Agranulozytose bei 1% der Patienten
- kann zerebrale Krämpfe auslösen
- weitere z.T. schwere NW (Herzmuskelschäden)
Olanzapin
- Sedierung ++
- EPM-NW 0
Depression
Formen
unipolar
- reaktiv
- 75%, mit stresshaften Ereignissen assoziiert, kein familiäres Muster
- endogen
- 25%, keine äußere Ursache, familiäres Muster, oft schwer und lebensbedrohlich
bipolar
- Stimmung schwankt zwischen Depression und Manie
Hypothese zur Ursache
- Depression ist das Resultat eines Defekts und Manie das Resultat eines Überangebots der serotoninergen (5-HT) und noradrenergen Transmission
- dauerhaft reduzierte monoaminerge Transmission führt zu plastischen Veränderungen in Hirnregionen, die affektives Verhalten steuern
- plastische Veränderungen umfassen erhöhte Empfindlichkeit von prä- und postsynaptischen Monoaminrezeptoren
- Antidepressiva normalisieren die monoaminerge Neurotransmission und kehren die plastischen Veränderungen um
5-HT moduliert:
- Schlaf
- Essverhalten
- Sexualverhalten
- Körpertemperatur
- Erbrechen
- Nozizeption
Noradrenalin moduliert:
- kardiovaskuäre Funktionen
- Atmung
- Stressantworten
- Neuro-endokrine Funktionen der Hypothalamus/Hypophysen-Achse
- erhöht Wachheit und Aufmerksamkeit durch Stimulation des zerbralen Kortex
Serotoninerge Synapse
Präsynapse
- Aufnahme von Tryptophan über Plasmamembrantransporter
- Umwandlung von Trp in 5-HTP (Hydroxytryptophan) durch Tryptophanhydroxylase
- Umwandlung von 5-HTP in 5-HT durch DOPA-Decarboxylase
- Transport von 5-HT (Hydroxytryptamin) in Vesikel über VMAT (vesikulärer Monoamin-Transporter)
- Wiederaufnahme aus synaptischen Spalt über SERT (Serotonin-Transporter)
- Abbau in Präsynapse und Astrozyten über MAO
Postsynapse
Rezeptoren
- 5-HT3 - Na-Kanal
- 5-HT1 - Gi-gekoppelt
- 5-HT2 - Gq - gekoppelt
- 5-HT4 - Gs - gekoppelt
Tricyclische Antidepressiva (TCA)
- nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (NSMRI)
Dibenzazepine
Dibenzcycloheptene
Wirkung
- antidepressive Aktivität: NA- 5-HT, 5-HT2A-Rezeptoren
- psychomotorische Stimulation: NA-Transporter
- Sedierung: H1-Rezeptoren
- Atropin-ähnliche Effekte: M-Rezeptoren
- orthostatische Störungen: alpha1
Nicht bzw. wenig sedierend (Indikation bei gehemmt/apathischem Syndrom)
- Clomipramin
- Desipramin
- Nortriptylin
- (Imipramin)
UAW
- erhöhen Suizidgefahr - insbesondere bei Therapiebeginn (Antriebssteigerung setzt vor Besserung der Depression ein) - nicht bei ängstlich agitierten Melancholikern einsetzen!
Sedierend (Indikation bei manischen Patienten / Schlafstörungen)
- Amitriptylin
- Doxepin
- Maprotilin
- Trimipramin
Pharmakokinetik
- stark lipophil
- gute Resorption und Bioverfügbarkeit
- großes Verteilungsvolumen
UAWs und Wechselwirkungen der TCAs
UAW der TCA
- akut: Interferenz mit vegetativem Nervensystem (lassen mit der Zeit nach)
- orthostatische Dysregulation
- Tachykardie
- trockener Mund und Nase, unscharfes Sehen, Verstopfung, Harnverhalt (Amitriptylintypi)
- Beruhigung
- gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme
- sexuelle Dysfunktion
- Herzrhythmusstörungen
- TCAs sind bei Überdosierung giftig (Suizid)!!!
- Atropin-ähnliche Symptome
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
- AV-Block
Wechselwirkungen
- sehr zahlreich, insbesondere mit zentral dämpfenden Mitteln (Alkohol)
- Antiarrythmika, die QT-Zeit verlängern
- anti-cholinerg wirkende Mittel (Anti-Histaminika, Neuroleptika, M-Antagonisten, Antiemetika, Mittel gegen Reisekrankheit)
- Antikoagulantien (Serotonin fördert die Plättchenaggregation, Reduktion des Serotoningehalts in Plättchen unter TCA)
- SSRI und andere Mittel, die über CYP abgebaut werden
- MAO-Hemmer und SSRI (Serotonin-Syndrom)
- Sympathomimetika (Lokalanästhetika)
Selektive Serotonin-Rückaufnahme Inhibitoren (SSRI)
- am häufigsten verschriebene Antidepressiva
- effektiv insebesondere bei milder und moderater Depression, Zwangsstörungen, Essstörungen, Störungen der Impulskontrolle
Substanzen
- Citalopram
- t1/2 33h, schwach aktive Metabolite
- Paroxetin
- t1/2 = 8-30h, Abbau zu nicht-wirksamen Metaboliten (pharmakokinetisch günstig)
- Escitalopram
- Fluoxetin (Prozac)
- t1/2 = 2-4d, wirksamer Metabolit mit t1/2 von 7d!
- Fluvoxamin
- Sertralin
- t1/2 = 26h, schwach wirksamer Metabolit
Wirkung
- inhibieren selektiv den 5-HT-Transporter (SERT)
- sehr geringe Affinität für NA-Transporter, M-Rezeptoren, alpha-Adrenozeptoren, H1-Rezeptoren und 5-HT-Rezeptoren
- keine UAW am vegetativen Nervensystem
- nicht sedierend
- bei Überdosierung weniger toxisch
UAW
- gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen)
- psychomotorische Unruhe, Angst, Schlafstörungen
- Störunge der Sexualfunktion bei beiden Geschlechtern
- Kopfschmerzen
- Hautausschläge
- extrapyramidal-motorische
- Sinusbradykardie
- erhöhte Blutungsneigung, wird verstärkt durch Cox-Hemmer und Antikoagulantien
- verstärktes Auftreten von Suiziden bei Jugendlichen, insbesondere nach abruptem Absetzen
Wechselwirkungen
- sehr ausgeprägt mit CYP-450 Enzymsystem (TCAs, Antihistaminikum Terfenadin, Clozapim, Theophyllin)
- serotonerger Effekt bei Kombination von SSRIs und Pharmaka, die ebenfallsl auf das Serotonin-System wirken (Clomipramin, L-Tryptophan, MAO-Hemmer)
weitere Rückaufnahme-Inhibitoren
Selektive Serotonin/NA-Rückaufnahme Inhibitoren (SSNRI)
- Venlafaxin
- auch bei Angststörungen und sozialer Phobie
- Duloxetin
- auch bei neuropathischem Schmerz
Selektive Noradrenalin Rückaufnahme Inhibitoren (SNRI)
- Reboxetin
- Antidepressivum, insbesondere für Aktivierung
- Off-Label Einsatz zur Steigerung der Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit
- UAW: Schlaflosigkeit, Miktionsstörungen
Monoaminoxidasen (MAO)-Hemmer
- Typ A Hemmer (NA, 5-HT, unspezifisch Dopamin, Tyramin)
- Moclobemid (spezfisch, reversibel)
- Tranylcypromin (unspezifisch, irreversibel)
- Typ B Hemmer (Phenylethylamin, unspezfisch Dopamin, Tyramin)
- Selegilin (spezifisch)
- Tranylcypromin (unspezifisch, irreversibel)
Wirkung
- schneller Anstieg des ZNS-Monoamin-Gehalts mit der Reihenfolge: 5-HT>NA > DA
- sofortiger Anstieg der motorischen Aktivität
- nach einigen Tagen Euphorie und Erregung, Stimulation psychomotorischer Aktivität
- Verbesserung der Stimmung kann Tage bis Wochen dauern
- bei apathisch depressivem Syndrom und nicht für ängstlich -agitiertes Syndrom mit Selbstmordgefahr!
UAW
- Benommenheit, Kopfweh, Schlaflosigkeit, Agitation, Tremor, Verwirrtheit, Hypertonie oder Hypotonie
Wechselwirkungen
- Käse-Reaktion
Tyramin in Käse und Rotwein -->Tyramin verdrängt NA aus Vesikeln -> sympathomimetischer Effekt
- TCAs
- SSRIs --> Serotonin-Syndrom (Hyperthermie, Agitation, Krampfanfälle)
Alpha-2-Adrenozeptor-Antagonisten
Mianserin
Mirtazapin
- aktivierende Wirkung
Wirkung
- verstärkte Monoaminfreisetzung
UAW
- Gewichtszunahme
- Mundtrockenheit
- Benommenheit
- Gelenkbeschwerden
Bipolare Störungen
Lithium
- beugt Stimmungsschwankungen und wiederkehrenden unipolaren Depressionen vor
- akut bei manischen Episoden
- gelangt über Na-Kanäle in Neurone und akkumuliert dort
- elektrochemischer Gradient für K wird reduziert (verlässt das Neuron)
- Li interferiert mit Signaltransduktionswegen (IP3, cAMP)
- extrem geringes therapeutisches Fenster: 0,5-1mM (über 1,5 toxisch)!
- besondere Gefahr bei Na- und K-Mangel wegen geringerer renaler Li-Ausscheidung
UAW
- Übelkeit
- Polyurie
- Hemmung der T4-Sekretion
- Gewichtszunahme
- Krampfanfälle, Koma
Carbamazepin, Valproat
- Antiepileptika
- bei akuten manischen Episoden und zur Prophylaxe wenn Lithium nicht effektiv ist
Chlorpromazin, Olanzapin
- Neuroleptika
- bei akuten mansichen Episoden
- Olanzapin auch zur Prophylaxe