VÜ Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, Kapitel 4
Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 4: Bevölkerungsstruktur
Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 4: Bevölkerungsstruktur
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Flashcards
Familienformen
- Kernfamilie (Eltern-Kind-Gemeinschaft): verheiratete Partner + leibliche Kinde
- Stieffamilie: durch Scheidung, Trennung, Tod geht Elternteil verloren, Ersatz durch „Stiefelternteil“ (vgl. Patchwork-Familie)
- Adoptivelternschaft und Elternschaft durch künstliche Reproduktionstechnologien: „erweiterte Kette“ von Eltern
- Einelternfamilie (unvollständige Familienform): Mutter-Kind-, Vater-Kind-Familie früher durch Verwitwung heute durch Scheidung
- Nichteheliche Lebensgemeinschaft: unverheiratetes Zusammenleben (meist auf begrenzte Dauer)
- Familiale Wohngemeinschaft: nicht verwandte Erwachsene + Kinder, Erfüllung familiärer Funktionen
- erweiterte familiale Netzwerke = Großfamilie (mehrere Generationen)
- Patchwork Familien: Paar + Kinder (wobei mindestens eines nicht von beiden abstammt)
Definitionen: Haushalt
Jede Personen lebt in einer der beiden Formen:
- Privathaushalt
gmeinesam wohnen UND gemeinsame Hauswirtschaft - Anstaltshaushalt
Altersheim, Pflegeanstalt, Kloster, Internat,... außerhalb der Anstalt kein Wohnsitz.
Normalbiographie
50er - 60er Normalbiographie: Ehe + Kinder fix (90% verheiratet, 90% der Frauen min. 1 Kind)
Heute Wahlbiographie: Personen können schnell zwischen Familienstrukturen wechseln
Phasen:
- Gründungsphase
- junge Ein- und Zweipersonenhaushalte
- Mobilität nimmt stark zu
- Expansionsfphase
- Kinder kommen dazu
- Konsolidierungsphase
- Kinder in Schule bzw. Berufsausbildung
- Mobilität nimmt stark ab
- Schrumpfungsphase
- Kinder ziehen aus
- Stagnationsphase
- Zweipersonenhaushalt mittleren Alters (<60)
- Mobilität bleibt konstant niedrig
- Altersphase
- älterer Zweipersonenhaushalt
- Pension
- Mobilität nimmt leicht zu
- Irgendwann stirbt einer
Lebensunterhaltskonzept (LUK)
- Erwerbspersonen
- erwerbstätig:
wöchtliche Normalarbeitszeit von min. 12h, selbstständige, unselbstständig beschäftigt, mithelfende Angehörige- Personen mit <12h Normalarbeitszeit:
- arbeitslos:
Personen, die sich als vorgemerkt arbeitslos gemeldet haben (Selbsteinschätzung)
- erwerbstätig:
- Nicht-Erwerbspersonen
- berufslose Einkommensempfänger: Pensionisten, Sozialhilfeempfänger, Lebensunterhalt durch eigenes Vermögen
- erhaltene Personen: Unterhalt durch Eltern oder Ehepartner
Bem: Mütter und Väter in Karenz zählen zu den Erwerbspersonen (arbeitslos oder erwerbstätig)
Bem: Nach dem LUK gibts immer mehr Arbeitslose als nach dem LFK
Labour-Force-Konzept (LFK) - Erwerbstätigkeit
- erwerbstätige:
Alle die zumin. in den letzten 7 Tagen- 1h gearbeitet haben,
- einen Arbeitsplatz hatten
- gegen Bezahlung, selbstständig, mithelfender Angehöriger
- arbeitslos:
- in den letzten 7 Tagen nicht erwerbstätig
- in den letzten 28 Tagen aktive Maßnahmen zur Arbeitssuche gesetzt
- innerhalb der nächsten 14 Tage für Arbeitsaufnahme bereit.
Bem: Mütter und Väter in Karenz zählen zu den erwerbstätigen
Bem: Nach dem LUK gibts immer mehr Arbeitslose als nach dem LFK
- Rückgang der EQ bis Mitte 70er (hier ist nur die Fortsetzung dieser Trends zu sehen)
- Rückgang der EQ bei den 15-20 jährigen: längere Ausbildung
- Rückgang der EQ bei 55+: Senkung des Pensionsantrittsalters
- Anstieg der EQ ab 70er
- Einsetzen eines kontinuierlicher Anstieg der EQ bei den Frauen
- Die letzten starken Babyboom-Jahrgänge kommen auf den Arbeitsmarkt
Wie hoch ist die PZ in Österreich 2011? Also wieviele % sind tatsächlich erwerbstätig?
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Definition: Jugendarbeitslos
Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen.
Definition: Langzeitarbeitslos
>365d arbeitsos ohne Unterbrechungen von >28d
Pendlerstrukturen der Erwerbstätigen
Erwerbstätige können nach zwei Arten regional gegliedert:
- nach Wohnort (mit Hauptwohnsitz)
- nach Arbeitsort
Dadurch entstehen 3 Pendlertypen
- Nicht-Pendler: Arbeitsort und Wohnort am selben Grundstück
- Gemeindebinnenpendler: Arbeitsort und Wohnort in der selben Gemeinde
- Pendler: Arbeitsort und Wohnort in verschiedenen Gemeinden
- Auspendler aus Perspektive der Wohngemeinde
- Einpendler aus Perspektive der Arbeitsgemeinde
=> Erwerbstätig am Arbeitsort (=Arbeitsbevölkerung) = wohnhafte Erwerbsätige + Einpendler - Auspendler
Formel: Index des Pendlersaldos
Erwerbstätige am Arbeitsort / Erwerbstätige am Wohnort
=> Auspendler- oder Einpendlergemeinde
Formel: Index der Pendlermobilität
(Auspendler+Einpendler) / Erwerbstätige am Wohnort
Durchgangsgemeinde := Hoher Wert bei ausgeglichenem Pendlersaldo. D.h. Eigene Bev arbeitet in der Nahen Stadt, während Nachbargemeinden das Arbeitsangebot in der Gemeinde in in Anspruch nehmen.
Erwerbstätige nach Stellung im Beruf
- Selbstständige
- mithelfende Familienangehörige
- Unselbstständige
- Beamte
- Arbeiter
- Angestellte
- ...
Weitere Untergliederung möglich => immer zu rechtfertigen
Erwerbstätige nach sektoraler Gliederung
- Primärsektor: Land- und Forstwirtschaft
- Sekundärsektor: Industrie, Energiewirtschaft, produzierendes Gewerbe
- Tertiärsektor: Dienstleistungen
- (Quartärsektor: Bildung, Forschung, Entscheidungsträger)
Nach diesen 3 (der 4. ist noch nicht etabliert) Sektoren werden folgende Gruppen unterschieden
- Wohbevölkerung
- wohnhafte Erwerbstätige
- Erwerbstätige am Arbeitsort
Formel:
- Agrarquote
- Agararerwerbsquote
- Industriequote
- Dienstquote
- Agrarquote: wirtsch. zum Primärsektor gehörige Bev / Gesamtbev
- Agrarerwerbsquote: wirtsch. zum Primärsektor gehörige Bev / Erwerbsersonen
- Industriequote: wirtsch. zum Sekundärsektor gehörige Bev / Erwerbsersonen
- analog Industrieerwerbsquote
- Dienstquote: wirtsch. zum Tertiärsektor gehörige Bev / Erwerbsersonen
- analog Diensterwerbsquote
Modell von Fourastie
- präindustrielle Phase:
- Primäsektor hoch, fallend
- Sekundär- u. Tertiärsektor niedrig steigend
- Industrieller
- Sekundärsektor erreicht Maximum und löst Primärsektor ab
- Tertiärsektor steigt weiterhin
- Postindustrieller
- Tertiärsektor löst Sekundärsektor ab
- Primärsektor sehr niedrig
Sozialstruktur und Schichtbildung - Was ist das?
- Ein Kerngebiet der Soziologie
- Bevölkerung wird eingeteilt in Gruppen welche ein hierarchisches Schichtmodell bilden.
- Schichten sollen in sich möglichst homogen sein (minimale Struktur und Verhaltensunterschiede)
- Schichten im Vergleich zueinander sollen möglichst heterogen sein.
Definition: Schicht
Schicht :=
- Ein bestimmtes Niveau in einer vertikal gegliederten Bevölkerung
- Gruppe, die sich bezüglich der Teilheabe an zentralen sozialen Werten von anderen Gruppen unterscheidet.
- zentrale soziale Werte := materielle und immaterialle Werte, deren Besitz in einer Gesellschaft als erstrebenswert angesehen wird
Definition: Sozialer Status
Sozialprestige := Der Grad an Teilhabe an zentralen sozialen Werten eines Individuums. Er hängt von Einkommen, Bildung, Berufsposition, Einfluss- und Herkunftsdifferenzierung.
Je höher die Sozialprestige umso höhe steht jenes Individuum also in der vetikal gegliederten Gesellschaft => Daraus ergibt sich der Sozialstatus. Man kann so zu Prestige- oder Sozialschichten kommen.
Sozialer Status := ist daher die mit Prestige verbundene Stellung eines Individuums innerhalb der Rangordnungsstruktur eines Sozialsystems.
Probleme und Herausforderungen bei der Erstellung von Sozialschichtungen
Sozialer Status ist
- ein latentes (nur indirekt messbares) Merkmal
- komplex und hat mehrere Dimensionen (die der zentralen sozialen Werte)
Dementsprechend gibt es bei Schichtungsmethoden
- Messung mittels eines Kriteriums (Stellung im Beruf, Berufstätigkeit des Haupternährers, Einkommensgruppen)
- multiple Schichtindizes
Probleme
- Gültigkeit der gewählten Indikatoren
- Gewichtung der Indikatoren
- Messvalidität
- Schwellenwerte für Kategorisierung
Schichtindex nach MAYNTZ
5 Merkmale
- Beruf
- Schulbildung
- Einkommen
- Wohnverhältnisse
- Ausstattung des Haushalts
Es gibt dabei keine Schwellenwerte und es entsteht eine kontinuierliche Schichtung => Schichtzwiebel
Schichtindex nach SCHEUCH
9 Merkmale werden nach mehreren empirischen Anwendungen auf 3 gewichtete Merkmale reduziert:
- Einkommen
- Beruf
- Schulbildung
Welche 2:3:2 gewichtet werden
Prestigeskalen durch Selbsteinschätzung
In Interviews stufen sich Induviduen selbst ein => Berufe können auf Prestigeskala eingeordnet und in Schichten unterteilt werden.
Einfacher ungewichteter Schichtindex nach BIBLE und BROWN
3 Merkmale
- Einkommen
- Stellung im Beruf
- Schulbildung
Jede Variable hat den Wert niedrig (1), mittel (2) oder hoch (3).Durch ungewichtete Addition erhält man einen Wert der die Bevölkerung in folgende 3 Schichten teilt:
- bis 5: Niedrige Sozialschicht
- 6-7: Mittlere Sozialschicht
- 8-9: Höhere Sozialschicht
Definition: Volksgruppen in Österreich
Volksgruppe := die in Teilen des Bundesgebietes wohhaften und beheimateten Gruppen österreichischer Staatsbürger mit nichtdeutscher Muttersprache und eigenem Volkstum.
6 anerkannten Volksgruppen:
- Kroaten im Burgenland
- Roma und Sinti
- Slowaken
- Slowenen
- Tschechen
- Ungarn
Wo diese Volksgruppen in großer Zahl beheimatet sind, dort müssen 2 sprachige Ortsschilder, Möglichkeit zu zweisprachigem Pflichtschulbesuch und Möglichkeit zu zweisprachigem Amtsverkehr vorhanden sein.
Definition: Ausländische Staatsangehörige
Personen ohne österr. Staatsbürgerschaft
Definition: Im Ausland geborene Bev
unveränderliches Merkmal
knapp 40% der im Ausland geborenen Bev Österreichs wurde bereits eingebürgert.
Wie hoch ist der Prozentanteil der im Ausland geborenen Bev Österreichs?
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Definition: Bevölkerung ausländische Herkunft
Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit + Personen die im Ausland geboren sind
Definition: Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Personen deren Eltern BEIDE im Ausland geboren sind.
- Erste Generation: Geburtsort der Eltern und eigener im Ausland
- Zwete Generation: Geburtsort der Eltern im Ausland, Eigener Geburtsort in Österreich