VÜ Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, Kapitel 4

Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 4: Bevölkerungsstruktur

Universität Wien, SPL Geographie, LV-Nr: 290018, LV-Titel: VO+UE Grundzüge der Bevölkerungsgeographie, LV-Leiterin: Karl Husa , Alexander Wisbauer, WS 13/14 Kapitel 4: Bevölkerungsstruktur

Florian Kaltseis
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Florian Kaltseis
Diese Lernkarten bieten einen Überblick über die Grundzüge der Bevölkerungsgeographie auf Universitätsniveau. Sie behandeln zentrale Begriffe wie Bevölkerung, Alter, Erwerbstätige und soziale Schichten, wobei Definitionen, Formeln und Merkmale im Mittelpunkt stehen. Die Karteikarten eignen sich für Studierende der Geographie, die sich mit Bevölkerungsstrukturen, Migration und sozialen Schichtungen auseinandersetzen.
Flashcards
79
Students
4
Language
German
Category
Geography
Level
University
Created / Updated
13.03.2014 / 26.06.2017

Flashcards

Möglichkeiten demographische Merkmale zu gliedern

Variante 1

  • natürliche demographische
    • angeboren, verändern sich ein Leben lang nicht
    • zB Geschlecht, Geburtsdatum,...
  • sozio-demographische Merkmale
    • Werden im Laufe des Lebens erworben
    • zB Familienstand, Haushaltsstruktur, Erwerbsstruktur, Religion, Sprache,..

Variante 2

  • natürliche demographische Merkmale (=sozio-demographische Merkmale)
    • zB Alter, Geschlecht, Familien- u. Haushaltsstruktur
  • wirtschaftliche und soziale demographische Merkmale (=sozioökonomische Merkmale)
    • Erwerbs-, Sozial-, Bildungsstruktur
  • kulturelle, ethnische, herkunftsbasierte demographische Merkmale

Warum Bevölkerungsstruktur?

  • Basis für Bevölkerungsprognosen
    • Altersstruktur => Pensionen, Pflegeheime, Schulen,...
    • Familien-/ Sozialstruktur => Wohnbauförderung
    • Bildungs-/ Erwerbsstruktur: Veränderungen am Arbeitsmarkt
    • Schichtzugehörigkeit
  • Basis für Planung und politische Maßnahmen
  • Basis für demographische Marktforschung

Definition:

  • Altersjahrgang
  • Geburtskohorten
  • Altersklassen

  • Altersjahrgang := Alle Personen im selben Lebensjahr (zB alle 21-jährigen)
  • Geburtskohorte (=Geburtsjahrgang) := Alle im selben Kalenderjahr geborenen
    • Bem: Eine Geburtskohorte fällt immer auf 2 Altersjahrgänge
  • Altersklassen
    • 1 jährige Intervallbreite
    • gleiche Intervallbreite
    • verschiedene Gruppenbreiten

Definition: Alter

  • Alter := Zeit von der Geburt bis zum Erfassungszeitpunkt.
  • Alter ist das wichtigste demographische Merkmal und sehr prognoserelevant.
  • Alter ist nicht nur quantitatives sondern auch qualitatives Merkmal, Zusammenhang mit
    • Mortalität/ Fertilität
    • Bevölkerungswachstum
    • wirtsch. Leistungsfähigkeit
    • Konsumkraft

 

Alterspyramide

  • Bevölkerungsanteil auf der x-Achse (links Männer, rechts Frauen)
  • Altersklassen auf der y-Achse (unten jung, oben alt)
  • teilweise wird Männer-/ Frauenüberschuss eingezeichnet
  • Lange einer Alterskohorte hängt von folgenden Faktoren ab:
    • Stärke der Geburtjahrganges
    • altersspezifische Mortalität
    • Wanderungsbewegung (besonders 18-35Jahre)

Aus welchen beiden Ländern könnten folgende Bev. Pyramiden stammen?

links: Jemen

rechts: Vereinigte Arabische Emirate

junge Männer migrieren vom Jemen in die Vereinigte Arabische Emirate zum Arbeiten.

Aus welchem Land könnte folgende Bev Pyramide stammen?

USA - Kalifornien: emigrierte Senioren in der Pension

Benenne die Ereignisse a-h.

f) wird auch Pillenknick genannt

Zähle alle Grundformen des Altersaufbau auf. Nenne die typische Abfolge

  • A gleichschenkliges Dreieck (stabil Bevölkerung)
  • B modifiziertes glsch. Dreieck (stabil Bevölkerung)
  • C Bienenkorbform
  • D Glockenform
  • E Urnenform
  • F Sonderform

Typische Abfolge: A -> B -> F -> C -> E

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

Gleichschenkeliges Dreieck

  • typisch bei hohen über längere Zeit konstanten Geburtenraten und Sterberaten.
  • weil abs. Geburten zwar zunehmen, aber im Alter auch die Sterblichkeit (leicht nachhinkend) stark zunimmt
    => stabil wachsende Bev
  • häufig in Entwicklungsländern

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

modifiziertes gleichschenkeliges Dreieck

  • kommt oft vor wenn Geburtenrate hoch ist und weiterhin hoch bleibt, jedoch durch Fortschritt die Säuglingssterblichkeit sinkt
    => stabil wachsende Bev
  • zB in den 50er und 60er in Österreich
  • häufig in Entwicklungsländern

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

Bienenkorb

  • niedrige Geburtenraten
  • abs. Zahl der Geburten konstant.
  • niedrige Sterberaten, Sterberaten erst in hohem Alter steigend

    => stationäre Bevölkerung (abs. Sterbefälle = abs. Geburten)
    Voraussetzung dafür: stabile Bev: Geburten und Sterberate konstant
     
  • klassisch europäisch

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

Glockenform

  • Sonderform
  • längere zeit niedrige Geburten- und Sterberaten
  • dann Geburtenanstieg

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

Urnenform

  • ständig sinkende abs. Geburten
  • => "demographische Alterungsprozess"
  • => rohe Sterberate scheinbar höher (alterspezifische Mortalität bleibt gleich)
  • klassisch europäisch

Welche Grundform des Altersaufbau ist das?

Sonderform

  • sehr rasch und nachhaltig sinkende Geburtenraten
  • oft durch Geburtenkontrolle oder Modernisierung (Bildung, Emantipation,...)
  • zB in vielen asiat. Staaten

Migrationsbaum

rechts der y-Achse: Zuwanderer

links der y-Achse: Abwanderer

Darstellung der Alterstruktur im Dreiecksdiagramm

Unterscheidung der Bevölkerung nach Alter, s.d. sie sich wieder auf 100% ergänzt:

  • Junge
  • Erwerbsfähige oder Reporduktionsfähige
  • Alte

Günstig für

  • Vergleich von verschiedenen Raumeinheiten
  • Vergleich von verschiedenen Bevgruppen in der selben Raumeinheit
  • Veränderung von Alterstruktur innerhalb der selben Raumeinheit

Häufig verwendete Schwellenwerte für Alteraufbau in Dreiecksdiagrammen

Kriterium „Erwerbsfähigkeit“:

  • unter 15/20-Jährige: noch nicht erwerbsfähige Bev.
  • 15/20 bis 59/64: erwerbsfähige Bev.
  • 60/65+: nicht mehr erwerbsfähige Bev.

Kriterium „Reproduktionsfähigkeit“ (nur Frauen):

  • unter 15: noch nicht reproduktionsfähige Bev.
  • 15- bis 45/50: reproduktionsfähige Bev.
  • 45/50+: nicht mehr reproduktionsfähige Bev.

Formel: Abhängigenquote

nicht Erwerbsfähige Bev / Erwerbsfähige Bev

Formel: Kinderabhängigenquote

Kinder / erwerbsfähige Bev

Formel: Altenabhängigkeitsquote

Alte / erwerbsfähige Bev

Formel: Ageing-Index

Alte / Junge * 100

Formel: Altersindex nach VEYRET-VERNER

Alte / Junge

nach diesem Konzept spricht man von Überalterung wenn :=

  • Index > 0,4
  • >15% 60+ in der Bev
  • Durchschnittsalter der Bev > 35

Formel: Potenzielle Unterstützungsrate

erwerbsfähige Bev. / Alte

Formel: Alterstrukturindex nach BILLETER

(Kinder-Alte) / reproduktionsfähige Bev

Interpretation: Desto negativer, desto größerer Überhang in den hohen Altersklassen

Formel: Intergenerationelle Unterstützungsrate (=Parent Support Ratio)

zu pflegende / "Pfleger"

Was ist das Durchschnittsalter in Österreich?

41,3

Wie hoch ist der AI in Österreich?

118

Wie hoch ist die AAQ derzeit in Österreich?

37

Ursachen für globale demographische Alterung

  • Geburtenrückgang
  • steigende Lebenserwartung

Bem: Der Umstand der Demographischen Alterung ist beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Er lässt sich als Konsequenz der medizinischer Versorgungssysteme und wirtschaftlichem Wachstum interpretieren.

Konsequenzen der demographischen Alterung

  • Afrika bleibt länger jung, wird aber dann am schnellsten altern (wenig Zeit für Umstellung).
  • Herausforderung Sozial- und Gesundheitssystem aufrechterhalten.
  • Veränderung der Familienstrukturen und des Wohnungswesen.
  • Alterung ist von Dauer (für lange Zeit unumkehrbar).
  • Spanien wird 2050 das höchste Medianalter (55) haben.
  • Auch innerhalb der Älteren werden die Menschen Ältern. => PSR steigt

Formel: Sexualproportion

auch umgekehrt möglich

  • Bei der Jugend Männerüberhang
  • Im Alter Frauenüberhang

Chinas Sexualproportion

starker Frauen Überhang

Gründe dafür

  • Kultur der Han-Chinesen (lange Tradition)
  • niedrige Fertilität - Ein-Kind-Politik
  • Zugang zu Geburtenkontrolle
  • kulturelle Hintergründe:
    • Mitgift
    • Frau und deren Eltern lebt bei Mann, patrilokale Familiensysteme
    • Pflicht der Söhne: Obsorge der (Schwieger)eltern
    • Belohnung der Söhne: Erbschaft

Rückkehr zur normalen Sexualproportion möglich?

  • Empowerment der asiat. Frauen
  • Tradition verliert an Kraft
  • bare Branches = unverheiratete Söhne => Frauen werden wertvoller, weil es weniger gibt

Formel: Alterspezifische Familienstandsquoten

Es gibt viele solche Quoten, die alle nach dem selben Prinzip (siehe Abb) gebildet werden

zB

  • Ledigenquote (Männer < Frauen, weil Frauen früher heiraten)
  • Verheiratetetenquote (komplementär zur Ledigenquote)
  • Verwittwungsquote (in hohem Alter: komplementär zur Verheiratetenquote, steigt bei Frauen früher wegen Lebenserwartung)
  • Scheidungsquote

Neue Kategorien

  • getrennt lebend
  • eingetragene Partnerschaft
  • unverheiratete Paare

Diese Quoten sind wichtig weil sie entscheidend für Fertilitätsstruktur sind.

Heirat

Kennzahlen

  • Mittleres Heiratsalter
  • Erstheiratsalter (wichtig für Fertilität)

Bem.

  • Besonders bei Ausnützung der innerehelichen Fertilität bzw. Sanktionierung außerehelicher Fertilität ist das Erstheiratsalter entscheidend für Fertilität
    => In vielen Entwicklungsländern Anhebung des Erstheiratsalters wichtige Maßnahme
  • In entwickelten Ländern Heiratsalter bevölkerungspolitisch unwichtig

Ungefähres Mittleres Erstheiratsalter in Österreich 2013

30

Scheidungsrisiko aus Kinderperspektive in %?

20

Wieviele Ehen werden wieder geschieden?

Familie

Vielfältiger Begriff => schwierige zu definieren

  • anthopologische Dimension: Fam. als Grundeinheit der Gesellschaft
  • gesellschaftliche Dimension: Betrachtung Familienform und Familientyp
  • individuelle Dimension: persönliche Erfahrungen im Kontext gesellschaftlichen Umfelds und historische Umstände

Weitere Verwendung des Begriffs Familie als

  • Primägruppe, die sich durch ein "Wir-Gefühl", Gefühlsintimität und wesentliche Formung der sozialen Persönlichkeit des Menschen charakterisiert.
  • soziale Institution die durch ein genormtes System von Erwartungshaltungen, das von öffentlichen Institutionen festgelegt wird.

Unterschiedliche Definitionen vom Familienbegriff

  • Alt:
    Die in einem Haushalt zusammenlebende Personengruppe, wobei ein (direktes) Abstammungsverhältnis der zugehörigen Personen gegeben sein muss (oder legale Adoption).
  • Neu:
    Ehepaare oder Lebensgemeinschaften mit oder ohne Kinder bzw. Elternteile mit Kindern (Kinder: leibliche, aber auch Stief- oder Adoptivkinder, wenn sie selbst noch nicht verheiratet sind bzw. selbst noch keine Kinder haben).

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