Ullrich - Blut und Immunsystem

Immunsystem, Leukozyten, Lymphsystem, Myelopoese etc., Thymus Begriffe, Definitionen, Abläufe

Immunsystem, Leukozyten, Lymphsystem, Myelopoese etc., Thymus Begriffe, Definitionen, Abläufe


A. H.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über das Blut- und Immunsystem auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Aktivierung und Reifung von T-Zellen, die Rolle von Antigen-präsentierenden Zellen (APC) wie dendritischen Zellen (DC) und Makrophagen, sowie die Bedeutung von Zytokinen und Gewebeantigenen. Zudem werden die Prozesse der Immunsuppression, einschließlich der Verwendung von Glukokortikoiden und Calcineurin-Inhibitoren, sowie die Transplantation von Knochenmark und Stammzellen detailliert behandelt. Dieses Lernset ist ideal für Medizinstudenten und Fachkräfte, die ihr Verständnis der komplexen Interaktionen im Immunsystem vertiefen möchten.
Flashcards
73
Students
6
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
08.10.2014 / 15.01.2025

Flashcards

Kompartimentierung Lymphgefässe

1. Oberflächliches (epifasziales) System:
Drainiert Haut und Subcutis
2. Tiefes (subfasziales) System:
Drainiert Muskeln, Gelenke, Sehnenscheiden, Nerven
3. Organspezifisches System:
Drainiert Organe

 

Ein System aus Perforansgefässen verbindet das oberflächliche mit dem tiefen System und leitet Lymphe aus der Tiefe zur Oberfläche

Organisation Lymphknoten

Mark: B- und T-Zellen, Plasmazellen, Randsinus-Makrophagen

Parakortex: T-Zellen, dendritische Zellen

Kortex: B-Zellen, follikuläre Dendritische Zellen, Sekundärfollikel (aktiver Knoten), Primärfollikel (inaktiver Knoten)

Milz - Weisse Pulpa, Rote Pulpa

Weisse Pulpa:

Lymphatisches Gewebe der Milz
- Etwa 10000-20000 Malpighi-Körperchen (Noduli lymphoidei splenici, B-Zellen)

-Lymphatische Scheiden, PALS (Vaginae periarteriales lymphaticae, T-Zellen)

 

Rote Pulpa:

Räume zwischen Trabekeln und Weisser Pulpa

Blut

Milzretikulum:

Retikuläres Bindegewebe

Kolonie-stimulierende Faktoren

G-CSF, GM-CSF, SCF
- Unter physiologischen Bedingungen Freisetzung in Blut bildenden Organen
- Wichtigste Produzenten:
Knochenmarksstromazellen, Makrophagen, Endothelzellen, Lymphozyten, Fibroblasten
- Funktionen:
Reifung und Differenzierung hämatopoietischer Stammzellen
Aktivierung von Monozyten und Granulozyten

Kolonie-stimulierende Faktoren Beispiele

- Multi Lineage Colony Stimulating Factor (Multi-CSF)
- Granulocyte-Macrophage Stimulating Factor (GM-CSF)
- Macrophage Colony Stimulating Factor (M-CSF)
- Granulocyte Colony Stimulating Factor (G-CSF)
- Erythropoietin (EPO)
- Thrombopoietin (TPO)

Erythrozyten-Reifung

CSF: Erythropoietin (EPO)

Ort: Rotes Knochenmark (platte und kurze Knochen)

Ablauf: Stammzelle -> Proerythroblast (Mitose)

Abnahme der Ribosomen, Zunahme des Hb, Verdichtung des Zellkerns ->Erythroblast:

basophiler -> polychromatischer -> orthochromatischer

Ausstossung des Zellkerns -> Retikulozyt

Reifung im Blut zu Erythrozyt

Reifungsdauer pro Schritt 1d, keine Speicherung im Knochenmark

Monozytopoiese

Monoblast -> Promonozyt

Reifungsdauer ca. 2 Tage, Speicherung im Knochenmark 2 Tage

Granulozytopoiese

Differenzierung geschieht gleichzeitig mit Proliferation

Stammzelle -> Myeloblast -> Promyelozyt -> Myelozyt (Mitose)

Verdichtung des Zellkerns, Abgabe ins Blut

Metamyelozyt -> Granulozyt (stabkernig -> segmentkernig)

Reifungszeit ~11 Tage, Speicherung im Knochenmark ~4 Tage

Megakaryopoiese

Stammzelle -> Promegakaryoblast (Mitose)

Megakaryozyt -> Reifung -> zelluläre Abschnürungen

-> Thrombozyten

Mikroskopische Differenzierung
May-Grünwald-Giemsa-Färbung
(Pappenheim-Färbung

Zusammensetzung:
- Methylenblau (Saure Zellbestandteile blau)
- Methyl-Azur (basische Zellbestandteile rot-violett)
- Eosin (basische Zellbestandteile orange-rot)

Färbung der Zellbestandteile:
- RNA, Zytoplasma, Nukleolen: BLAU
- DNA, Primärgranula. ROT-VIOLETT
- Hämoglobin und Granula der Eosinophilen: ORANGE-ROT

Molekulare Differenzierung mittels CD-System

Knochenmark, Parenchym + Stroma

Stroma (Stützgewebe)

- Grundgerüst: Fibroblastische Retikulumzellen
- Weitlumige Kapillaren (Sinus) mit Sinusendothelzellen
- Adventitiazellen
- Fettzellen
- Makrophagen (Abbau alternder Zellen, Regulation)
- Stroma-Stammzellen

Parenchym (Funktionsgewebe)
- Hämatopoeitische Zellen

Anteile der Zellenbildung im Knochenmark

20% Erythropoiese

45% Myelopoiese

20% Reife Granulozyten

10% Lymphozyten und Plasmazellen

- Granulozytenreifung nahe der Knochenbälkchen
- Erythrozytenproduktion und - reifung nahe der Sinus
- Megakaryozyten liegen dem Sinus an

Vorgänge Thymische T-Zell-Entwicklung

- Generierung T-Zell-Repertoire

- Bildung von T-Zell-Subpopulationen

- T-Zelle lernt um zwischen "fremd" und "eigen" zu unterscheiden

- Entwicklung der Selbsttoleranz

Thymusarchitektur

Kortex: unreife Thymozyten, Epitheliale Zellen, Makrophagen

Medulla: Reife T-Zellen, DC, Epitheliale Zellen, Makrophagen

Thymusentwicklung

4. Woche: Lymphatische Stammzellen wandern in die
Thymusanlage

12. Woche: Differenzierung in Mark- und Rindenzone
Thymus ist funktionsfähig

Späte Fetalzeit, Postnatal: Besiedlung der T-Zell-abhängigen Regionen

Thymozytenentwicklung

Lymphatische Progenitorzell

-> Doppelt Negative Zelle (weder CD4 noch CD8)

Differenzierung, Expansion

-> Doppelt Positive Zelle (CD4 und CD8)

Differenzierung zu einer von drei Zell-Arten

-> CD4 / CD8 / Treg

Positive Selektion Thymozyten

Durch thymische Epithelzellen im Kortex

-> Ziel: Elimination unbrauchbarer T-Zellen

- Nur Thymozyten mit "funktionierendem" TCR (erkennen mit mittlerer Affinität MHC Komplexe) sollen sich weiterentwickeln

- Thymozyten mit keiner/zu niedriger Affinität werden vernachlässigt -> Tod

-> TCR vermittelt positives Signal für Überleben seiner Zelle

Negative Selektion Thymozyten

Durch DC an der Kortex/Mark-Grenze

-> Ziel: Vermeidung von Autoreaktivität und Erzeugung von zentraler Toleranz gegen eigenes Gewebe

- Alle DP Zellen kontrolliert auf TCR mit zu hoher Affinität für körpereigene Antigene

- potentiell "autoreaktive" T-Zellen werden eliminiert

-> TCR vermittelt negatives Signal, welches zum Tod einer Zelle führt (Apoptose)

CD4/CD8-T-Zell-Linienentscheidung

- erkennt TCR auf DP-Zellen einen MHC2-Komplex bei gleichzeitiger Erkennung von CD4 an MHC2, reifen CD4-T-Zellen

- erkennt TCR auf DP-Zellen einen MHC1-Komplex bei gleichzeitiger Erkennung von CD8 an MHC1, reifen CD8-T-Zellen

-> CD4-Reifung benötigt stärkere Signale, jedoch trotzdem mehr CD4 als CD8-T-Zellen

Toleranz T-Zellen
 

Zentrale Toleranz:

Elimination autoreaktiver T-Zellen während der Entwicklung

Periphere Toleranz:

- T-Zellen werden durch fehlen kostimulatorischer Faktoren (CD28) anergisiert

- T-Zellen werden durch regulatorische Zellen (CD25, CD4 Treg) unterdrückt

Transplantationsformen

autolog, syngen, allogen, xenogen

autolog: vom eigenen Körper

syngen: körper des eineiigen Zwillings

allogen: Körper einer anderen Person

xenogen: Tier zu Mensch

Transplantationsablauf

Prätransplantationsphase:

Spender/Empfängerauswahl (Gewebetypisierung)

Transplantationsphase:

Chirurgie

Posttransplantationsphase:

Transplantatabstossung, Immunsuppression

Knochenmark / Blutstammzelltransplantation (HSCT)

Übertragung gesunder Blutstammzellen zur Erneuerung der Blutbildung und des Immunsystems

Quellen:

Knochenmark: klassische HSCT, <1%

Blut:                    periphere HSCT, <0.1%

Nabelschnurblut

Durchführung Stammzelltransplation

1. - allogen: Spendersuche (HLA-Kompatibilität), Gewinnung der Stammzellen

  - autolog: Stammzell-Mobilisierung (G-CSF, GM-CSF) Gewinnung der Stammzellen (Stammzellreinigung)

2. Myeloablation ("Leerung" des Knochenmarks)

3. Transplantation: venöse Infusion

4. Ansiedelung im Knochenmark

Nach Myeloablation: 10-15 Tage Aplasie (keine Blutzell-Neubildung)

Graft versus Host Disease (GvHD)

- Induktion proinflammatorischer Zytokine durch
myeloablative Therapie (TNFa, IL-1, IL-6)

-> Nekrose durch Chemo aktiviert Abräumfunktionen

- Aktivierung der Empfänger-APC (DC)

- Präsentation von Gewebeantigenen

- APC - Spender-T-Zell Interaktion, Aktivierung der Spender-T-Zellen

- GvHD -> Spender-Zellen attackieren Körpereigene Antigene

-> Gut: Graft versus Leukemia -> Angriff auf übriggebliebene Tumorzellen

Immunsuppressive Therapien

• Nichtsteroidale Antiphlogistika
• Glukokortikoide
• Zytostatika
• Calcineurininhibitoren (z.B. Ciclosporin A)
• Zytokine, Zytokinrezeptoren
• Antikörper gegen Zytokine und Oberflächenstrukturen
• Proliferationshemmer (z.B. Sirolimus)

Immunsuppression: Glukokortikoide

Regulieren mRNA-Trannskription im kern, Runterregulierung NFkB

Wirken an T-Lymphozyten, Granulozyten, Phagozyten, Endothelzellen, Fibroblasten

niedrig dosiert:
- moderate entzündungs-hemmende Wirkung!

hoch dosiert:
- schnell eintretende und stark immunsuppressive Wirkung!

Indikationen:
• Autoimmunerkrankungen
• Allergien
• Transplantation
• Akute Transplantat-abstoßung

Nebenwirkungen:
• Vollmondgesicht (M. Cushing)
• Wachstumsstörungen bei Kindern
• Verzögerte Wundheilung

Calcineurin-Inhibitoren & Proliferationshemmer

Hemmung der T-Zell-Aktivierung

•Blockade der TCR-Signaltransduktion und Blockade der NF-AT abhängigen Zytokin-Synthese (IL-2, CD40L)

- Ciclosporin A

- Tacrolimus, FK 506


•Blockade der IL-2 Wirkung (Lymphozytenproliferation)

- Sirolimus, Rapamycin

- Everolimus

Ciclosporin A (CsA, Sandimun®)

•Zyklisches Polypeptid aus Tolypocladium inflatum (norwegischer Bodenpilz)
•11 AS, neutral, hydrophob
•wichtigstes Immunsuppressivum der letzten Jahrzehnte!

Wirkt auf Cyclophilin -> senkt Calcineurin -> senkt NF-AT (nuclear factor of activated T-cells, Transkriptionsfaktor) -> senkt IL-2, IL-2R

Tacrolimus (FK 506, Prograf®)

•Makrolid-Antibiotikum aus Streptomyces tsukubaensis (entdeckt in Japan)
•50-fach wirksamer als CsA

Tacrolimus wirkt auf FK-bindendes Protein -> senkt Calcineurin -> senkt NF-AT (nuclear factor of activated T-cells, Transkriptionsfaktor) -> senkt IL-2, IL-2R

Sirolimus (Rapamycin, Rapamune®)

• 1977 entdecktes Makrolid-Antibiotikum aus Streptomyces hygroscopius (von der Osterinsel „Rapa ui“)
• deutlich geringere Nephrotoxizität als CsA / Tacrolimus

Struktur ähnlich zu Tacrolimus, unterschiedlicher Mechanismus

- Hemmt Proteinkinase mTOR (mammalian target of rapamycin)

-> Hemmt Proteinsynthese und Zellzyklus (G1-S)

Immunsuppression: Zytokine und Zytokinrezeptoren

Immunsupprimierend:

IFN-ß1a (Avonex), IFN-ß1b (Betaferon): Multiple Sklerose
IL-1ra (Anakinra): Rheumatoide Arthritis
TNF-a-Rezeptor (Enbrel®): Rheumatoide Arthritis

Immunstimulierend:

IL-2 (Proleukin): metastasierendes Nierenzellkarzinom

Unerwünschte Wirkungen von Immunsuppressiva

• Infektionen


– Bakterien (E. coli, Enterobacter, Staph. aureus (MRSA), Listerien, Legionellen)
– Pilze (Candida, Aspergillen)
– Viren (CMV, EBV, Herpes)
– Parasiten (Toxoplasma gondii, Pneumocystis carinii)

• Erhöhtes Tumorrisiko

– Hauttumore
– Lymphome
– Kaposi-Sarkom

Étudier