Wichtigste Punkte


Oli Nussbaum
Diese Lernkarten bieten eine umfassende Übersicht über neurologische Läsionen bei Kleintieren, insbesondere im Bereich der Leistungsschwäche und Anfallsleiden. Sie konzentrieren sich auf die Diagnose und Lokalisation von Läsionen im zentralen und peripheren Nervensystem, einschließlich der Untersuchung von Reflexen, Muskeltonus und neurologischen Ausfällen. Besonders nützlich für Studierende der Veterinärmedizin, die sich auf neurologische Erkrankungen spezialisieren, liefert das Set detaillierte Informationen zur Differenzierung zwischen oberen und unteren motorischen Neuronen sowie zur Identifikation von Läsionen im Hirnstamm, Kleinhirn und Rückenmark.
Karten
86
Lernende
3
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
16.06.2013 / 11.06.2020

Lernkarten

Was versteht man unter einem Krampfanfall?

Auftreten und Ausbreiten von abnormaler elektrischer Aktivität im Grosshirn, welche durch plötzlichen Anfang und Ende charakterisiert ist

Epilepsie

mindestens 2 spontan auftretende Krampfanfälle ohne erkennbare Ursache

Was versteht man unter einem Status epilepticus

Krampfanfall von mehr als 5 min Dauer mit permanentem Bewusstseinsverlust --> lebensbedrohlich --> sofortige antikonvulsive Therapie

Was ist eine Synkope?

--> Unterschied zu Schwäche?

plötzlicher, kurzfristiger Verlust des Bewusstseins, bedingt durch  mangelhafte Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff oder Glucose --> meist bedingt durch kardiale Arrhythmien

--> Schwäche: Verminderter Muskeltonus, Bewusstsein jedoch erhalten

Erregende Transmitter

  • Glutamat
  • Aspartat

Hemmende Transmitter

  • Gammaaminobuttersäure (GABA)
  • Glycin

Mögliche Krampfursachen

  • Infarkt
  • Arrhythmie
  • Hämorrhagie
  • Hypoxie
  • entzündlich wie FIP oder Staupe
  • Kopftrauma
  • Intoxikationen (z.B. Organophosphate)
  • Hydrozephalus
  • Hypoglykämie
  • Elektrolytimbalance
  • Hepatopathie
  • Tumore

Was ist mit dem Drohreflex nach Anfällen?

12-48h nach Anfall reduziert oder nicht vorhanden

Was diagnostisch unternehmen bei Tier das nur einen Krampfanfall hatte?

--> wie weiter wenn das alles ok?

--> wie weiter wenn nicht ok?

  • Hämatologie
  • Chemie
  • Harnanalyse
  • Leberfunktionstest
  • Neurologischer Untersuch

--> wenn das alles ok: Im Moment keine weiteren Abklärungen nötig

--> wenn nicht ok: Liquor-Untersuchung, CT, MRT

Wie kann man einen aktiven Krampfanfall stoppen?

--> weitere Möglichkeiten?

Diazepam rektal (2mg/kg)

--> Phenobarbital oder Propofol (ebenfalls antikonvulsiv)

Wie wirkt der Sympathikus auf das kardiovaskuläre System?

  • Herzfrequenzsteigernd
  • Blutdrucksteigernd

Lebensbedrohliche, kritische Grenze der Herzfrequenz bei Hund und Katze

  • Hd 40
  • Katze 100

Mögliche Ursachen bradykarde Rhythmusstörung

Ausfall/Blockierung Sinus-Knoten oder Unterbruch der elektrischen Überleitung vom Vorhof auf den Ventrikel (AV-Block 2. und 3. Grades) --> Aktivierung tiefer gelegener Zentren des Erregungsbildungs- und Reizleitungssystems (AV-Knoten, His-Bündel, Tawara-Schenkel, Purkinje-Fasern) = Ersatzrhythmus zur Lebenserhaltung

Tachykardie

  • supraventrikulär
  • ventrikulär

--> Diastole und Systole zu kurz = unzureichende Füllung und unzureichende Auswurfleistung --> Puls hochfrequent bei verminderter Qualität

Kardiale Ursachen für Schwäche/Synkope

  • Herzrhythmusstörungen
  • Reduzierte Herzauswurfleistung: z.B. wegen verminderter Muskelleistung bei dilatativer Kardiomyopathie, Aortenstenose aber auch Dirofilariose oder Tumore
  • Gestörte Füllung: Volumenmangel (Vasodilatatoren, Diurese, Blutverluste) oder Unvermögen, Blut aufzunehmen (z.B. wegen Tumor)
  • Zyanotische Herzerkrankungen: Shunts = Blut geht an Lunge vorbei --> mangelnde Oxygenierung --> Zyanose
  • Kardiale Medis: z.B. ACE-Hemmer (Blutdrucksenker)

Metabolische Ursachen für Schwäche/Synkope

  • Glukosestoffwechselstörung: z.B. bei Insulinom, Lebererkrankung, Welpe...
  • Kaliumstoffwechselstörung: --> Hypokaliämie: Bei DF, EB, Niereninsuffizienz, Diuretika --> Hyperkaliämie: Harnwegsobstruktion, Hypoadrenokortizismus, Anurie/Oligurie
  • Elektrolytstörungen: --> Hypokalzämie: Niereninsuffizienz, Ethylenglykolvergiftung
  • neural vermittelt: Stress, Schmerz
  • Anämie
  • Polyzythämie: Zu viele Erythrozyten = gestörte Körperdurchblutung

Problem Hypokalzämie

Problem Hyponatriämie

Problem Hyperkaliämie

Essentiell für Muskelkontraktion

Aufrechterhaltung Membranpotential, Aufrechterhaltung Blutosmolarität

Störung Membranpotential, Herzrhythmusstörungen (Sinusknotenstillstand bis Kammerflimmern)

Was ist Acetylcholin?

Wichtigster Neurotransmitter des peripheren Nervensystems. Vermittelt die Erregungsübertragung von den Nerven zur Muskulatur (neuromuskulären Endplatte)

Was ist Myasthenia gravis?

--> Symptome

--> Komplikationen?

--> Diagnose?

--> Therapie?

Autoimmunkrankheit mit Störung der neuromuskulären Signalvermittlung inf. (reversibler) Blockade von Acetylcholin-Rezeptoren der motor. Endplatte durch (im Serum zirkulierende) Autoantikörper gegen den Acetylcholin-Rezeptor

--> belastungsabhängige Ermüdung der quergestreiften Muskulatur

--> Schluck- u. Atemlähmung

--> Nachw. von Acetylcholin-Rezeptor-Antikörpern im Serum, Aufhebung der Muskelschwäche durch i. v. Injektion von Cholinesterase-Hemmern

--> Cholinesterase-Hemmer, Immunsuppressiva (Glukokortikoide, Azathioprin)

Was versteht man unter SAM?

Systolic Anterior Motion = verlagertes Mitralklappensegel verengt in Systole durch seine Bewegung den Ausflusstrakt in die Aorta zusätzlich

Therapie bei beginnender HCM mit SAM

Betablocker (Blutdruck senken)

Neurologischer Untersuch

  • Bewusstsein, Haltung, Verhalten
  • Palpation der Muskulatur, Testen der Beweglichkeit
  • Gangbeurteilung (breitbeinig, plantigrad)
  • Haltungs- und Stellreaktionen
  • Kopfnerven
  • Spinalreflexe

Welche Bewusstseinszustände gibt es?

  • normal: munter, Interesse an Umgebung
  • apathisch: wach aber teilnahmslos
  • stuporös: nicht ansprechbar in Seitenlage, lässt sich aber durch einen schmerzhaften Stimulus wecken
  • komatös: das Tier ist nicht ansprechbar in Seitenlage und lässt sich auch durch einen schmerzhaften Stimulus nicht wecken

Wie kann das Verhalten gestört sein?

Verhalten = komplexe Abläufe, die vom limbischen System und vom Grosshirn kontrolliert werden. Beeinflusst von Reizen, die über die Sinnesorgane aufgenommen werden, die aus dem Körper selber kommen (viszerale Funktionen) und sich auf Erfahrungen, Gedächtnis stützen

Störungen führen zu:

  • Angst
  • Aggressivität
  • Zurückhaltung
  • Desorientierung
  • Vorwärtsdrängen
  • Kopfstemmen

Pathologische Körperhaltung bei Läsionen im Hirn

  • Enthirnungsstarre: Bewusstseinsverlust, spastische Lähmung aller 4 Gliedmaßen (gestreckt)
    → Läsion zwischen rostralem kaudalem Colliculus und Mittelhirn
  • Dezerebelläre Position: Opisthotonus, spastische Lähmung der Vordergliedmaßen (gestreckt), spastische gestreckte Lähmung der Hintergliedmaßen- aber Flexion der Hintergliedmaßen in Hüftgelenken
    → Läsionen im Bereich des rostralen Vermis
  • Kopf-Schiefhaltung → Läsionen im Vestibularsystem (Hirnstamm, Kleinhirn)
  • Pleurothotonus: laterale Flexion der thorakalen und lumbalen Wirbelsäule ("Seitenstarrkrampf")
    → Läsion im Großhirn
  • Torticollis: überaktive Muskeln im Hals- und Nackenbereich, die zu einer Fehlhaltung des Kopfes führen ("Schiefhals")
    → Läsion im Hirnstamm
  • Opisthotonus: Krampf der Streckmuskulatur des Halses und des Rückens führen zu einer Dorsoflexion des Kopfes
    → Läsion im Hirnstamm

Störungen des Gangs

  • Lahmheit
  • Lähmung
  • Ataxie: Koordinationsstörung
  • Hypermetrie (Kleinhirnläsion oder wenn spastisch gestreckte Gliedmasse vorgeführt wird evt. Rückenmark, z.B. zervikal wenn Vgldm betroffen)
  • Tremor ("Zittern")
  • Zehenschleifen
  • Kreislaufen

Was versteht man unter Tremor?

Bewegungsstörung mit unwillkürlichen, streng rhythmischen und sich wiederholenden Kontraktionen antagonistischer Muskelgruppen

Wie kann sich das Kreislaufen äussern und wo sitzt die Läsion?

  • permanent in engen Kreisen: Läsion im Hirnstamm oder Kleinhirn
  • Tendenz zum Laufen in eine bestimmte Richtung: Läsion Grosshirn

Wie äussert sich Ataxie? Wo kann Ataxie ihren Ursprung haben?

Gliedmaßen werden oft überkreuzt oder der Gang ist sehr breitbeinig, Patient stolpert gelegentlich.

  • sensorische Ataxie: peripheren Nerven oder Rückenmark
  • vestibuläre Ataxie: Innenohr, VIII. Gehirnnerven, Hirnstamm
  • zerebelläre Ataxie: Kleinhirn

Wie lässt sich eine Lähmung einteilen?

--> Bennenung je nach Anzahl Gldm?

  • Plegie: vollständiger Verlust der willkürlichen, vom Gehirn gesteuerten Motorik (mit oder ohne Tiefensensibilität)
  • Parese: unvollständiger Verlust der willkürlichen, vom Gehirn gesteuerten Motorik
    (gehfähig oder nicht gehfähige Form)

--> Tetraparese: alle vier Gliedmaßen, bei d

--> Hemiparese: beide Gliedmaßen einer Körperseite

--> Para: Beinpaar

Wie Haltungs- und Stellreaktionen testen?

  • Korrekturtest: hinten keine Korrektur, vorne langsam
  • Hüpfen auf einem Bein (vorne): o.b.B.
  • Schubkarrentest mit angehobenem Kopf: o.b.B.
  • Tischkantenprobe mit Sicht: links o.b.B., rechts verzögert (Kopf hängt runter)
  • Tischkantenprobe blind: o.b.B.
  • Aufrichtungsreaktion: o.b.B., ev. vorne rechts verzögert
  • Unterstützungsreaktion: nicht vorhanden

Wo können Ursachen liegen, wenn Haltungs- und Stellreaktionen ausfallen?

  • auf der Seite der neurologischen Ausfälle (ipsilateral) im:
    • Peripheren Rezeptororgan
    • Peripheren Nerv
    • Rückenmark
    • Hirnstamm
  • auf der gegenüberliegenden Seite (kontralateral) der neurologischen Ausfälle (Bahnen kreuzen im rostralen Hirnstamm zur gegenüberliegenden Seite) im:
    • Großhirn

Was versteht man unter Propriozeption?

Tiefensensibilität

Wie funktioniert der Korrekturtest?

Überköten oder Korrekturrektion (bewusste Propriozeption) --> Pfote sollte zurückgezogen werden und in physiologische Position gebracht werden

Wie funktioniert Tischkantenprobe?

Tier hochheben, in Richtung Tisch bewegen (eventuell auch mit verdeckten Augen) --> bei Annäherung an den Tisch Aufsetzen der Vorder- oder Hintergliedmaßen (bei verdeckten Augen Auffußen, sobald Tischkante mit der lateralen Zehe berührt wird

Wie funktioniert die Hüpfreaktion?

--> zusätzlich?

Durch Anheben von drei Gliedmaßen wird der Patient gezwungen das Gewicht auf die eine verbleibende Gliedmaße zu verlagern, nun Tier nach lateral schieben --> normale Reaktion: hüpfende Bewegung, um die Verlagerung des Schwerpunktes auszugleichen

--> In Analogie können die beiden Gliedmaßen einer Seite getestet werden ("hemiwalking").

Wie funktioniert die Unterstützungsreaktion?

Patienten hinter den Schulterblättern greifen und vom Boden anheben, dann wieder absenken, bis Hintergliedmaßen den Boden berühren --> Normal: Patient läuft rückwärts, um seinen Körper wieder in eine horizontale Position zu bringen

Wie funktioniert die Aufrichtungsreaktion?

Tier am Becken hochheben, beim Auffussen der Vordergliedmassen wird das Tier versuchen, zu laufen

Funktionen des limbischen Systems

  • Ausschüttung von Endorphinen (schmerzlindernd, z.B. im Notfall oder bei positiven Erlebnissen)
  • Verarbeitung von Emotionen
  • Triebverhalten
  • intelektuelle Leistungen

Pathologische Körperhaltung bei Läsionen im Rückenmark

  • Schiff-Sherrington-Haltung: Läsionen der grauen Substanz zwischen Th2 und L2. Die Zentren der Lumbalschwellung wirken normalerweise hemmend auf den Extensortonus der Vordergliedmaße. Fällt diese Hemmung läsionsbedingt weg, kommt es zum Extensorspasmus der Vordergliedmaßen. Die Zellen, die für diese hemmende Wirkung verantwortlich sind, befinden sich tief im Inneren des Rückenmarks am Übergang von der weißen zur grauen Substanz ("border cells"). Daher bedarf es einer erheblich Schädigung, um die Funktion dieser Zellen zu beeinträchtigen- mithin haben Patienten mit einer Schiff-Sherrington Haltung eine ungünstige Prognose. 
    → hochgradige Läsion in kaudaler BWS oder kranialer LWS mit ungünstiger Prognose
  • Skoliose → lateralisierte Wirbelsäulenerkrankung (Krümmung des Rückens nach lateral)
  • Lordose → "durchhängender" Rücken (Krümmung des Rückens nach ventral)
  • Kyphose → aufgekrümmter Rücken (Krümmung des Rückens nach dorsal)

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