Sportpädagogik

HS12 - Vorlesung 1-8

HS12 - Vorlesung 1-8


M. VA.
Diese Lernkarten bieten eine umfassende Übersicht über die sportpädagogische Theorie und Praxis auf universitärem Niveau. Sie behandeln zentrale Themen wie Selbstkonzept, Wagniserziehung, Spielpädagogik und Leistungserziehung, wobei der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Karteikarten eignen sich besonders für Studierende und Lehrende, die sich mit der Bedeutung von Bewegung, Spiel und Erziehung im sportlichen Kontext auseinandersetzen möchten.
Flashcards
102
Students
6
Language
German
Category
Sports
Level
University
Created / Updated
02.01.2013 / 08.01.2017

Flashcards

Was bedeutet Bezugsnormorientierung, was beeinflusst sie?

  • BnO = Tendenz bestimmte Bezugsnorm zu bevorzugen
  • beeinflussen Denken + Handeln der Lehrperson + deren Unterrichtsstil
  • Schüler übernehmen BnO der Lehrperson

Motivationspsychologische Perspektive von Bezugsnormen

Individuelle Bezugsnorm

  • Lernfortschritte gut sichtbar/klare Einschätzung
  • Kausalattribution, Attributionsstil, Selbstwirksamkeit, ...
  • Kontrollüberzeugung, Anstrengungsbereitschaft

Auswirkungen der individuellen Bezugsnorm auf Schüler (Stand der Forschung)

  • steigert Motivation
  • führt zu Dominanz internal variabler Attributionsmuster
  • Abnahme Furch vor Misserfolg
  • individuell abgestimmte Lernziele
  • Anstieg Selbsteinschätzung
  • positiver Effekt auf Selbstkonzept

Welche Funktionen haben Noten?

  1. Informations-, Orientierungs-, Berichtsfunktion
  2. Anreiz-, Disziplinierungsfunktion
  3. Selektions-, Sozialisationsfunktion

Welche Aspekte sollten zur Beurteilung im Sportunterricht beitragen?

  1. sportlich-motorische Leistung
  2. individueller Leistungszuwachs
  3. soziales + sportliches Verhalten
  4. Weitere fachliche Leistungen (Wissen, Unterrichtsbeiträge, ...)

Erkenntnisse zur Notengebung aus psychologischer + pädagogischer Sicht

  • Anforderungen + Masstäbe festlegen
  • Messung Kompetenzverbesserung
  • Transparenz gegenüber Schülern
  • Selbstbeurteilung fördern und einbeziehen
  • Mischung

Hinweise zu pädagogischem Umgang mit sportlichen Leistungssituationen

  • Leistungsanforderungen anspruchsvoll aber erreichbar
  • Leistungsfortschritte durch individuellen Vergleich ermöglichen
  • Zwischenziele setzen
  • Wettkämpfe spannend halten
  • Leistungsergebnisse realitätsangemessen verarbeiten
  • Einzelleistungen durch Gruppenleistungen ergänzen

Was sind Wesensmerkmale des Spiels?

  • zwecklos
  • nicht-ernst
  • existentiell nicht notwendig
  • frei gewählt
  • besonderer Daseinszustand (Flow)
  • lustvoll
  • spannend
  • zeitlos
  • abgeschlossen und begrenzt
  • Fiktion (Scheinwelt)
  • regelhaft

Welche verschiedenen Sichtweisen/Erklärungsansätze zum Spiel gibt es?

Spiel aus

  • verhaltensbiologischer Sicht
  • entwicklungspsychologischer Sicht
  • kultureller und gesellschaftlicher Sicht
  • handlungstheoretischer Sicht

Erklärungsansätze zum Spiel aus kultureller und gesellschaftlicher Sicht

  • historische Ereignisse nachstellen
  • Rechtsbräuche
  • kultisch-religiöses Geschehen
  • Schutzräume

Gegenüberstellung Sportspiel früher - heute

früher: 

  • Spielsachen rar > Natur
  • Strassen und Umgebung
  • Erfahrungen aus erster Hand

Heute: 

  • Viele Spielsachen, Mediatisierung
  • Verinselung der Spielorte
  • Erfahrungen aus zweiter Hand
  • Verlust von Eigentätigkeit

Modell komplexe Sportspielleistung

Modell

Modell individuelle Spielfähigkeit

  • Mitspielfähigkeit: Regelkenntnisse, mot. Kompetenzen, Erfahrungen
  • Sportspielfähigkeit: Einfache Situationen lesen + verstehen können, Antworten auf Situationen finden

Wie läuft Spiellernen ab?

  • keine Superkompensation
  • informationelles Lernen
    • Verstärkungs- und Differenzierungsprozesse
    • Antizipative Verhaltenskontrolle (Strassenspielhypothese)
    • Anpassung nicht durch Ermüdung, sondern durch prospektive Erwartungen
  • Leist.entwicklung nicht linear > chaotisch
  • synergetische Betrachtungsweise
  • verz. sprunghafte Leistungssteigerungen nach Training

Schema antizipative Verhaltenskontrolle

Strassenspielhypothese

Was sind Besonderheiten beim Spieltraining?

  • Mehrdimensionalität
  • variable Situationen
  • Formsteuerung Team (über Saison)
  • unterschiedliche Rollen
  • Umgang mit Unterschieden

Was sind Beeinflussungsfaktoren von sozialem Faulenzen?

  • Gruppenmerkmale
    • Gruppengrösse
  • Aufgabenmerkmale
    • Attraktivität der Aufgabe
    • Signifikanz der Aufgabe
    • Standards für Leistungsbeurteilung
  • Deindividualisierung
    • keine Unterschiede einzelner Leistungsanteile

Soziales Lernen im Sportspiel - was sind soziale Lernfelder?

  • Regeln verstehen und handhaben
  • mit Unterschieden umgehen
  • Rollen übernehmen und gestalten
  • Gefühle ausleben und meistern
  • Kooperieren, gemeinsam Probleme lösen
  • Konkurrieren, Konflikte bewältigen

Was ist die Grundphilosophie des MSIL Modells?

Ablauf in drei nicht umkehrbaren Ausbildungsstufen

  1. sportspielübergreifendes Lernen
  2. sportspielgerichtetes Lernen
  3. sportspielspezifisches Lernen

Orientierung an 3 Ausbildungsebenen

  1. spielerisch-situationsorientiert
  2. fertigkeitsorientiert
  3. fähigkeitsorientiert

Beschreibung Allgemeine Vermittlungsgrundsätze "Sportspielvermittlung für Beginner"

  1. Zuerst übergreifend-integrativ, dann spezifisch-exemplarisch
  2. Spielen und Üben, aber Spielen vor Üben > Game - practice - game
  3. vom impliziten zum expliziten Lernen

Definition Risiko

Minimierung der äusseren Gefahrenfaktoren durch Sicherungsmassnahmen

Definition Abenteuer

länger andauernde, aufwendige Unternehmung mit ungewissem Verlauf

Definition Wagnis

individuell bestimmte und kompetenzabhängige Selbsterprobung

Charakterisierung Risikosport

  • Intensität, eher kurzzeitig
  • Eigen- und z.T Fremgefährdung hoch
  • Objektive Gefahren

Charakterisierung Extremsport

  • Ausdauer betonend: lange andauernde Aktivitäten
  • objektive Gefahren eher gering
  • oft Abenteuersport

Erläuterung Concept of Flow

(Motivationspsychologie)

  • Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein
  • Aufmerksamkeit ist zentriert
  • Selbstvergessenheit
  • Kontrolle von Umwelt und Handlung
  • eindeutige Handlungsanforderungen und Rückmeldungen
  • autotelisch - Handlung hat Wert in sich selber

Erläuterung Sensation Seeking

(Risikoreiche Handlungen als Bedürfnis einzelner Menschen, Persönlichkeitspsychologie)

  • Bedürfnis nach abwechslungsreichen, neuen und komplexen Eindrücken
  • Bereitschaft physische und soziale Risiken in Kauf zu nehmen
  • Biolog. Ursachen, u.a. genetisch bedingt
  • Umwelteinflüsse auf SS-Motiv eher gering

Vier unterschiedliche Subskalen von Sensation Seeking

  • Thrill and aAdventure Seeking > Abenteuerlust (Fallschirm)
  • Experience-Seeking > Suche nach intensiven Erfahrungen
  • Disinhibition > Enthemmung in sozialen Kontexten (Party)
  • Boredom-Susceptibility > Angst vor Langeweile

Welche Aspekte sind bzgl. spopä Inszenierungsformen für Wagnis zu berücksichtigen?

  • Sicherheitsaspekte
  • indiv. BnO
  • Nachhaltige Fähigkeits- und Fertigkeitsvermittlung

Zentrale Punkte für Wagniserziehung

  • Spannungserlebnisse auskosten - zukunftsbezogene Erfahrungsbildungsprozesse anleiten (erleben und reflektieren)
  • Erweiterung eigener Handlungsfähigkeit durch gewissenhafte Auslotung eigener Kompetenzen
  • erfolgreiche Bewältigung > Selbstwert stärkend

Kann FLow-Zustand päd. inszeniert werden? Welche Faktoren sind wichtig?

  • Aktivitäten sind keine Erlebnisgaranten
  • Prinzip der Freiwilligkeit
  • angemessene Aufgabenschwierigkeit
  • Verbalisierung des Erlebten
  • Sport als Mittel zum Zweck
  • Erlebnis-Transfer zentral

Was ist das "Selbstkonzept"?

  • Persönlichkeitskonstrukt mittlerer Stabilität
  • Gesamtheit der auf die eigene Person bezogenen Beurteilungen
  • Selbstkompetenz vs Selbstwahrnehmung
  • Selbsteinschätzungen oft mit Selbstevaluation

Wie kann das Selbstkonzept strukturiert werden?

Hierarchisches Selbstkonzeptmodell nach Shavelson.

akad. SK, soz. SK, emot. SK, phys. SK

Charakterisierung des Hierarchischen Selbstkonzepts

  • strukturiert
  • multidimensional
  • hierarchisch organisiert
  • Stabilität nimmt von unten nach oben zu
  • SK entwickelt sich, zunehmend differenzierter
  • Bewertungskomponente schwingt immer mit
  • Differenzierbarkeit innerhalb Subdimensionen

Was ist die zentrale Grundlage für eine positive Selbstwahrnehmung?

Eigene Kompetenzen erfahren und erweitern

  • erkunden von Grenzen
  • unvertraute Körperlagen erfahren
  • koordinativ anspruchsvolle Aufgaben lösen

Welches sind die drei didaktisch-methodischen Prinzipien für selbstkonzeptfördernden Sport

  • Kompetenzerfahrung + -entwicklung
  • Reflexion (Nachdenken über sportliche Handlungen)
  • Individualisierung (ind. BnO, Attributionstraining)

Welche Prädikatenzuweisungen für das Selbstkonzept gibt es?

  • Reflexive: Beobachtung des eigenen Verhaltens
  • Direkte: Feedback anderer Personen
  • Indirekte: Verhaltensbeobachtung von SuS
  • Komparative: Sozialer Vergleich mit anderen
  • Ideationale: Nachdenken über zukünftiges Handeln

Zentrale Befunde der Wagniserziehungs-Studie

bedeutsame Wirkung bei ängstlichen Kindern:

  • Zunahme sportbezogenen Fähigkeitsselbstkonzepts
  • Erhöhung Vertrauen in eigene Fähigkeiten
  • Reduktion Furcht vor Leistungsversagen

Lernen