SCM VL8 (Brenner)
SCM 11.03.15: Grundlagen der industriellen Beschaffung
SCM 11.03.15: Grundlagen der industriellen Beschaffung
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Cartes-fiches
Definition Beschaffung (nach Arnold & Warzog, 2000)
Beschaffung umfasst sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogene Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.
Ziele und Aufgaben der Beschaffung
1 Hauptziel, sowie 2 Überkategorien mit je 4 Punkten zu dessen Erreichung.
6 Arten von Beschaffungsobjekten
- Sachgüter (z.B. PC)
- Rechte (z.B. Lizenzen)
- Dienstleistungen (z.B. Beratungsdienstleistung)
- Arbeitskräfte (z.B. Voll- oder Teilzeitarbeitskräfte)
- Informationen (z.B. über mögliche Partner)
- Kapital (z.B. in Form von Anleihen)
Einteilung der beschafften Güter aus Sicht der Materialwirschaft. (5 Kategorien)
Rohstoffe
gehen direkt in die Produktion ein, bspw. Mehl für die Brotherstellung, Gold und Edelsteine für SchmuckHilfsstoffe
gehen ebenfalls in die Produktion ein, haben aber nur ergänzenden Charakter (z.B. Lacke und Schrauben bei der Möbelfertigung)Betriebsstoffe
werden nicht Bestandteil des Fertigproduktes, werden im Produktionsprozess verbraucht (z. B. Energie, Kühl- und Schmiermittel)Halbfabrikate
gehen als Teile oder Baugruppen in das Fertigprodukt ein, unterscheiden sich von Hilfsstoffen durch einen höheren Reifegrad (Bsp. Armaturenbretter im Automobilbereich)Handelswaren
die als Ergänzung des Produktionsprogramms nicht in den Produktionsprozess eingehen, sondern unverändert weiterverkauft werden
Kategorisierung der Güter durch ABC-Analysen
(Beschreibung von A-, B-, bzw. C-Gütern und je ein konkretes Beispiel)
A-Güter:
machen etwa 70-80% des Gesamtverbrauchswertes, aber nur etwa 10- 20% der gesamten Verbrauchsmenge aller Materialarten aus
Bsp.: Generatoren in einem EVU
B-Güter:
10-20% des Gesamtverbrauchswertes, etwa 20-30% der Verbrauchsmenge
Bsp.: Druckerpapier und –farbe in einer Druckerei
C-Güter:
nur 5-10% des Gesamtverbrauchswertes, aber 60-70% der Verbrauchsmenge
Bsp.: Reagenzgläser in der pharmazeutischen Industrie
Abgrenzung strategischer Handlungsfelder (Einkaufsportfolio nach Kraljic), Schritt 1
(Bewertung aller Beschaffungsgüter nach 2 Kriterien (mit Unterpunkten) und die 4 daraus resultierenden Produktarten)
Bewertung aller Beschaffungsgüter nach Gewinneinfluss und Beschaffungsrisiko
Gewinneinfluss
ABC-Analyse
Qualitative und imagebildende Faktoren
Beschaffungsrisiko
Verfügbarkeit
Anzahl der Lieferanten
Nachfragewettbewerb
Möglichkeiten der Eigenfertigung
Lagerrisiken
Substitutionsmöglichkeiten
Diese zweidimensionale Bewertung führt zu folgender Gliederung:
- Strategische Produkte
- Engpassprodukte
- Schlüsselprodukte
- Normalprodukte
Bewertungen (Schritt 2)
Bewertung der Marktgegebenheiten für die strategisch wichtigen Beschaffungsobjekte
Lieferantenmacht:
Kapazitätsauslastung
Engpassrisiken
Marktgrösse / Lieferkapazität
Marktwachstum zu Kapazitätserweiterung
Gewinnschwelle
Markteintrittsbarrieren
Nachfragemacht:
- Einkaufsmenge zu Produktionskapazität
- Nachfragewachstum
- Marktanteil
- Kosten bei Lieferausfall
- Möglichkeiten zur Eigenfertigung
- Ergebnisbeitrag der Fertigprodukte
1. Quadrant (Wertigkeit und Versorgungsrisiko niedrig): Effizient Abwickeln
(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)
Geringes Versorgungsrisiko und niedriges Beschaffungsvolumen
Betrifft bspw. technisch ausgereifte und standardisierte Normteile (Schrauben etc.)
Einsatz eigener Ressourcen vermeiden
Anwendung neuer Logistik-Konzepte (z.B. ship-to- stock)
Evtl. Auslagerung auf geeignete Servicefirmen
2. Quadrant (Wertigkeit hoch, Versorgungsrisiko niedrig): Marktpotenziale ausschöpfen
(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)
Wenig komplexe Beschaffungsgüter mit hoher Wertigkeit für das eigene Unternehmen
Genügend Anbieter im Markt, geringe Umstellungskosten
Tendenziell aggressives Verhalten auf dem Beschaffungsmarkt
Stimulierung des Wettbewerbs durch gelegentlichen Anbieterwechsel
Aufbau und Ausnutzung von Nachfragemacht
3. Quadrant (Niedrige Wertigkeit, hohes Versorgungsrisiko): Versorgung gewährleisten
(4 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)
Hohes Versorgungsrisiko bei geringer Wertigkeit
Lagerhaltung kann stetige Versorgung sichern
Aufgrund der geringen Wertigkeit niedrige Kapitalkosten
Lagertechnische Restriktionen zu beachten:
- Gefahrenklasse
- Verderblichkeit
4. Quadrant (Wertigkeit und Versorgungsrisiko hoch): Vertikale Zusammenarbeit
(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)
Hohe Wertigkeit und hohes Versorgungsrisiko
Erfordert vertikale Abstimmung und Kooperation
Wenige, ausgewählte Lieferanten
Einbindung in den eigenen FuE-Prozess
Längerfristige Verträge, partnerschaftliche Zusammenarbeit
Typologie von Sourcing-Konzepten
(8 Kriterien)
Träger der Wertschöpfung (Eigenfertigung oder Fremdbezug; In-Sourcing vs. Outsourcing)
Anzahl der Bezugsquellen (Lieferantenkonzepte)
Komplexität des Inputfaktors (Objektkonzepte)
Art der Bereitstellung (Zeitkonzepte)
Grösse des Marktraumes (Arealkonzepte)
Struktur der beschaffenden Organisation (Subjektkonzepte)
Ort der Wertschöpfung (Wertschöpfungsortkonzepte)
In-Sourcing vs. Outsourcing
(Grundentscheidung, sowie 1 Vor- und 3 Nachteile von Outsourcing)
Frage der angestrebten Leistungstiefe und eigenen Kernkompetenzen
Grundentscheidung: make or buy
Outsourcing: Strategisch fundierte Entscheidung zum Fremdbezug von Gütern oder Dienstleistungen
Vorteile von Outsourcing
– Konzentration auf Kernkompetenzen
- Risiken von Outsourcing
– Verringerte Diversifikation
– Höheres Beschaffungsrisiko und Abhängigkeit
– Verlust von eigenem Know-How
3 Schlüsselerkenntnisse dieser Vorlesung
Beschaffung sichert die Verfügbarkeit nicht selbst hergestellter Objekte
Beschaffungsmanagement beinhaltet Lieferantenbeziehungsmanagement
In Abhängigkeit von den Charakteristika dieser Objekte und den Marktgegebenheiten sind verschiedene Strategien sinnvoll