SCM VL8 (Brenner)

SCM 11.03.15: Grundlagen der industriellen Beschaffung

SCM 11.03.15: Grundlagen der industriellen Beschaffung


N. I.
Diese Lernkarten behandeln das strategische Beschaffungsmanagement auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Bewertung von Beschaffungsgütern nach Wertigkeit und Versorgungsrisiko, verschiedene Sourcing-Strategien wie In- und Outsourcing, sowie die Anwendung von Matrizen und Handlungsempfehlungen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende der BWL, die sich mit der Optimierung von Beschaffungsprozessen und der Sicherstellung der Verfügbarkeit von Gütern auseinandersetzen möchten.
Flashcards
21
Students
2
Language
German
Category
Micro-Economics
Level
University
Created / Updated
14.05.2015 / 24.03.2023

Flashcards

Definition Beschaffung (nach Arnold & Warzog, 2000)

Beschaffung umfasst sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogene Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen. 

Ziele und Aufgaben der Beschaffung

1 Hauptziel, sowie 2 Überkategorien mit je 4 Punkten zu dessen Erreichung.

Hauptziel: Wettbewerbssituation sichern und ausbauen (durch Kosten, Zeit, Differenzierung)

Strategische Ziele:

  • Vertikale Verbundeffekte
  • Horizontale Verbundeffekte
  • Innovationsfähigkeit
  • Integrationsfähigkeit

Operative Ziele und Aufgaben:

  • Richtige Menge
  • Richtige Zeit
  • Richtige Qualität
  • Richtiger Ort

Einordnung der Beschaffung ins Gesamunternehmensfeld (Grafik)

Siehe Grafik. Beachte die Unterschiede ob direkt mit Lieferanten und Kunden agiert wird oder ob jeweils ein Logistikbetrieb eingebunden wird.

Integration wird die grösste Herausforderung sein.

 

Vgl. Grafik

6 Arten von Beschaffungsobjekten

  1. Sachgüter (z.B. PC)
  2. Rechte (z.B. Lizenzen)
  3. Dienstleistungen (z.B. Beratungsdienstleistung)
  4. Arbeitskräfte (z.B. Voll- oder Teilzeitarbeitskräfte)
  5. Informationen (z.B. über mögliche Partner)
  6. Kapital (z.B. in Form von Anleihen)

Einteilung der beschafften Güter aus Sicht der Materialwirschaft. (5 Kategorien)

  • Rohstoffe
    gehen direkt in die Produktion ein, bspw. Mehl für die Brotherstellung, Gold und Edelsteine für Schmuck

  • Hilfsstoffe
    gehen ebenfalls in die Produktion ein, haben aber nur ergänzenden Charakter (z.B. Lacke und Schrauben bei der Möbelfertigung)

  • Betriebsstoffe
    werden nicht Bestandteil des Fertigproduktes, werden im Produktionsprozess verbraucht (z. B. Energie, Kühl- und Schmiermittel)

  • Halbfabrikate
    gehen als Teile oder Baugruppen in das Fertigprodukt ein, unterscheiden sich von Hilfsstoffen durch einen höheren Reifegrad (Bsp. Armaturenbretter im Automobilbereich)

  • Handelswaren
    die als Ergänzung des Produktionsprogramms nicht in den Produktionsprozess eingehen, sondern unverändert weiterverkauft werden 

Kategorisierung der Güter durch ABC-Analysen 

(Beschreibung von A-, B-, bzw. C-Gütern und je ein konkretes Beispiel)

A-Güter:

  • machen etwa 70-80% des Gesamtverbrauchswertes, aber nur etwa 10- 20% der gesamten Verbrauchsmenge aller Materialarten aus

  • Bsp.: Generatoren in einem EVU

B-Güter:

  • 10-20% des Gesamtverbrauchswertes, etwa 20-30% der Verbrauchsmenge

  • Bsp.: Druckerpapier und –farbe in einer Druckerei

C-Güter:

  • nur 5-10% des Gesamtverbrauchswertes, aber 60-70% der Verbrauchsmenge

  • Bsp.: Reagenzgläser in der pharmazeutischen Industrie

Abgrenzung von Beschaffungsmethoden.

(Matrix mit 4 Methoden sowie 5 Bewertungskriterien)

Methoden:

  1. Ausschreibung
  2. Auktion
  3. Katalog
  4. Collective Buying

Bewertungskriterien:

  1. Darstellung
  2. Beziehung
  3. Beschreibung
  4. Primär-Ziel
  5. Charakterisierung

Abgrenzung strategischer Handlungsfelder (Einkaufsportfolio nach Kraljic), Schritt 1

(Bewertung aller Beschaffungsgüter nach 2 Kriterien (mit Unterpunkten) und die 4 daraus resultierenden Produktarten)

Bewertung aller Beschaffungsgüter nach Gewinneinfluss und Beschaffungsrisiko 

Gewinneinfluss

  • ABC-Analyse

  • Qualitative und imagebildende Faktoren 

Beschaffungsrisiko

  • Verfügbarkeit

  • Anzahl der Lieferanten

  • Nachfragewettbewerb

  • Möglichkeiten der Eigenfertigung

  • Lagerrisiken

  • Substitutionsmöglichkeiten 

Diese zweidimensionale Bewertung führt zu folgender Gliederung: 

  • Strategische Produkte
  • Engpassprodukte
  • Schlüsselprodukte
  • Normalprodukte

Bewertungen (Schritt 2)

Bewertung der Marktgegebenheiten für die strategisch wichtigen Beschaffungsobjekte

Lieferantenmacht:

  • Kapazitätsauslastung

  • Engpassrisiken

  • Marktgrösse / Lieferkapazität

  • Marktwachstum zu Kapazitätserweiterung

  • Gewinnschwelle

  • Markteintrittsbarrieren

Nachfragemacht:

  • Einkaufsmenge zu Produktionskapazität
  • Nachfragewachstum
  • Marktanteil
  • Kosten bei Lieferausfall
  • Möglichkeiten zur Eigenfertigung
  • Ergebnisbeitrag der Fertigprodukte 

Erstellen der Entscheidungsmatrix (Schritt 3) 

Matrix anhand der Dimensionen Nachfrage- und Lieferantenmacht, sowie Handlungsempfehlungen.

Grafik

Wertigkeits- / Risiko-Matrix nach Müller

-

1. Quadrant (Wertigkeit und Versorgungsrisiko niedrig): Effizient Abwickeln 

(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)

  • Geringes Versorgungsrisiko und niedriges Beschaffungsvolumen

  • Betrifft bspw. technisch ausgereifte und standardisierte Normteile (Schrauben etc.)

  • Einsatz eigener Ressourcen vermeiden

  • Anwendung neuer Logistik-Konzepte (z.B. ship-to- stock)

  • Evtl. Auslagerung auf geeignete Servicefirmen 

2. Quadrant (Wertigkeit hoch, Versorgungsrisiko niedrig): Marktpotenziale ausschöpfen 

(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)

  • Wenig komplexe Beschaffungsgüter mit hoher Wertigkeit für das eigene Unternehmen

  • Genügend Anbieter im Markt, geringe Umstellungskosten

  • Tendenziell aggressives Verhalten auf dem Beschaffungsmarkt

  • Stimulierung des Wettbewerbs durch gelegentlichen Anbieterwechsel

  • Aufbau und Ausnutzung von Nachfragemacht 

3. Quadrant (Niedrige Wertigkeit, hohes Versorgungsrisiko): Versorgung gewährleisten 

(4 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)

  • Hohes Versorgungsrisiko bei geringer Wertigkeit

  • Lagerhaltung kann stetige Versorgung sichern

  • Aufgrund der geringen Wertigkeit niedrige Kapitalkosten

  • Lagertechnische Restriktionen zu beachten:

- Gefahrenklasse
- Verderblichkeit 

4. Quadrant (Wertigkeit und Versorgungsrisiko hoch): Vertikale Zusammenarbeit 

(5 Punkte; Eigenschaften und Handlungsempfehlungen)

  • Hohe Wertigkeit und hohes Versorgungsrisiko

  • Erfordert vertikale Abstimmung und Kooperation

  • Wenige, ausgewählte Lieferanten

  • Einbindung in den eigenen FuE-Prozess

  • Längerfristige Verträge, partnerschaftliche Zusammenarbeit 

Typologie von Sourcing-Konzepten

(8 Kriterien)

  • Träger der Wertschöpfung (Eigenfertigung oder Fremdbezug; In-Sourcing vs. Outsourcing)

  • Anzahl der Bezugsquellen (Lieferantenkonzepte)

  • Komplexität des Inputfaktors (Objektkonzepte)

  • Art der Bereitstellung (Zeitkonzepte)

  • Grösse des Marktraumes (Arealkonzepte)

  • Struktur der beschaffenden Organisation (Subjektkonzepte)

  • Ort der Wertschöpfung (Wertschöpfungsortkonzepte) 

In-Sourcing vs. Outsourcing

(Grundentscheidung, sowie 1 Vor- und 3 Nachteile von Outsourcing)

  • Frage der angestrebten Leistungstiefe und eigenen Kernkompetenzen

  • Grundentscheidung: make or buy

  • Outsourcing: Strategisch fundierte Entscheidung zum Fremdbezug von Gütern oder Dienstleistungen

  • Vorteile von Outsourcing

– Konzentration auf Kernkompetenzen

  • Risiken von Outsourcing

–  Verringerte Diversifikation

–  Höheres Beschaffungsrisiko und Abhängigkeit

–  Verlust von eigenem Know-How 

Lieferantenkonzepte (Teil 1)

(Matrix mit 4 Merkmalen und deren Ausprägung bei Muliple- bzw. Single-Sourcing)

Grafik

Lieferantenkonzepte (Teil 2)

(Matrix mit Merkmalen und deren Ausprägung bei Muliple- bzw. Single-Sourcing)

Grafik

3 Schlüsselerkenntnisse dieser Vorlesung

  • Beschaffung sichert die Verfügbarkeit nicht selbst hergestellter Objekte

  • Beschaffungsmanagement beinhaltet Lieferantenbeziehungsmanagement

  • In Abhängigkeit von den Charakteristika dieser Objekte und den Marktgegebenheiten sind verschiedene Strategien sinnvoll 

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