PeTeOh One
Psypath Thouon One
Psypath Thouon One
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Lernkarten
Beschreibe das Allgemeine Störungsbild der Andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
- Überlebenden aus den Vernichtungslagern des Dritten Reiches
- extreme Belastungen in lebensbedrohlichen Situationen
- Folter, Terror, Geiselnahme, Gefangenschaft mit dauernder Todesgefahr und Katastrophen
- Häufig geht einer solchen Persönlichkeitsänderung eine posttraumatische Belastungsstörung voraus (Keine Bedingung)
Unterschied Persönlichkeitsänderung vs. posttraumatische Belastungsstörung
(2)
- Betroffene mit einer Persönlichkeitsänderung zeigen eher eine Unfähigkeit, negative oder aggressive Gefühle zu äussern
Patienten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu Wutausbrüchen neigen - Erinnerungslücken bei PTBS
Bei Persönlichkeitsänderungen nicht erwähnt
ICD-10 Kriterien für Persönlichkeitsänderungen nach Extrembelastung
(6)
A. Nachweis einer eindeutigen und anhaltenden Änderung,
- der Wahrnehmung der...
- der Beziehung zur...
- des Denken über die...
... Umgebung und sich selbst, nach einer Extrembelastung
B. Die Persönlichkeitsänderung sollte ausgeprägt sein, und es sollte sich ein unflexibles und unangepasstes Verhalten zeigen, das durch das Vorliegen von mindestens zwei der folgenden Symptome belegt wird:
- Eine (vor der Extrembelastung nicht vorhandene) andauernde feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt.
- Sozialer Rückzug (außer gegenüber wenigen Verwandten, mit denen die Betroffenen zusammenleben).
- Vorher nicht vorhandenes, andauerndes Gefühl von Leere und/oder Hoffnungs-losigkeit, evtl. verbunden mit: gesteigerter Abhängigkeit von anderen, Unfähigkeit, negative oder aggressive Gefühle zu äußern und anhaltender depressiver Stimmung ohne einen Hinweis auf eine depressive Störung vor der Extrembelastung.
- Andauerndes Gefühl von Nervosität oder von Bedrohtsein ohne äußere Ursache, (zeigt sich in einer vorher nicht vorhandenen gesteigerten Wachsamkeit und Reizbarkeit). Die chronische innere Anspannung und das Gefühl von Bedrohtsein können mit der Neigung zu exzessivem Trinken oder einem Gebrauch psychotroper Substanzen verbunden sein.
- Andauerndes Gefühl, verändert oder anders als die anderen zu sein (Entfremdung). Dieses Gefühl kann mit dem Eindruck einer emotionalen Betäubung verbunden sein.
C. Die Veränderung hat entweder eine deutliche Störung der alltäglichen Funktionsfähigkeit zur Folge oder subjektives Leiden für die Betroffenen und negative Auswirkungen auf ihre soziale Umgebung.
D. Die Persönlichkeitsänderung sollte nach der Extrembelastung aufgetreten sein.
E. Die Persönlichkeitsänderung muss seit mindestens zwei Jahren bestehen.
F. Posttraumatische Belastungsstörung muss ausgeschlossen werden
Welche Symptome sind spezifisch für eine Persönlichkeitsveränderung nach Extremsituationen?
- Eine (vor der Extrembelastung nicht vorhandene) andauernde feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt.
- Sozialer Rückzug (außer gegenüber wenigen Verwandten, mit denen die Betroffenen zusammenleben).
- Vorher nicht vorhandenes, andauerndes Gefühl von Leere und/oder Hoffnungs-losigkeit, evtl. verbunden mit: gesteigerter Abhängigkeit von anderen, Unfähigkeit, negative oder aggressive Gefühle zu äußern und anhaltender depressiver Stimmung ohne einen Hinweis auf eine depressive Störung vor der Extrembelastung.
- Andauerndes Gefühl von Nervosität oder von Bedrohtsein ohne äußere Ursache, (zeigt sich in einer vorher nicht vorhandenen gesteigerten Wachsamkeit und Reizbarkeit). Die chronische innere Anspannung und das Gefühl von Bedrohtsein können mit der Neigung zu exzessivem Trinken oder einem Gebrauch psychotroper Substanzen verbunden sein.
- Andauerndes Gefühl, verändert oder anders als die anderen zu sein (Entfremdung). Dieses Gefühl kann mit dem Eindruck einer emotionalen Betäubung verbunden sein.
Hauptmerkmale der Hyperkinetischen Störung
- Unaufmerksamkeit
- Überaktivität
- Impulsivität
- Mangelnde Ausdauer bei Aufgabenstellungen
- Wenig moduliertes Verhalten
►Hyperkinetische Störungen sind charakterisiert durch den frühen Beginn (gewöhnlich in den ersten fünf Lebensjahren)
Zusätzliche mögliche Merkmale der Hyperkinetischen Störung (neben den 5 Hauptmerkmalen)
- Achtlosigkeit
- Un bekümmertheit in gefährlichen Situationen, Neigung zu Unfällen (eher aus Unachtsamkeit, nicht aufgrund vorsätzlicher Regelverletzungen)
Bez iehung zu Erwachsenen:
- Distanzlosigkeit
- Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung
Beziehung zu anderen Kindern
- Betroffene sind oft unbeliebt (wenig oder keine Freunde)
zu den sekundären Komplikationen gehören
- dissoziales Verhalten
- niedriges Selbstwertgefühl
Kognition ist meist beeinträchtigt → oft spezifische Verzögerungen in der motorischen und sprachlichen Entwicklung
Was versteht man unter Unaufmerksamkeit?
Unaufmerksamkeit zeigt sich im vorzeitigen Abbrechen resp. Nichtbeenden von Tätigkeiten. Es kommt zu häufigem Aktivitätswechsel, scheinbar aus Interesseverlust, eher jedoch, weil sie von anderen Reizen oder Aufgaben abgelenkt werden.
Was versteht man unter Überaktivität?
Überaktivität bedeutet hier "exzessive Ruhelosigkeit, besonders in Situationen, die relative Ruhe verlangen", prototypisch im Klassenzimmer. Beispiele sind Herumlaufen und Herumspringen, Aufstehen, wenn Sitzen gefordert ist, Lärmen, Wackeln und Zappeln.
Was versteht man unter Impulsivität?
Impulsivität meint hier Probleme mit der Selbstkontrolle, z.B. unüberlegtes Handeln, mangelnder Belohnungsaufschub, mangelnde Fähigkeit, zu warten oder genau zuzuhören
Allgemeine ICD-10 Kriterien für Hyperkinetische Störungen
(7)
G1. Mindestens sechs Monate lang bestanden mindestens 6 der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass
G2. Mindestens sechs Monate lang bestanden mindestens 3 Symptome von Überaktivität in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass
G3. Mindestens sechs Monate lang bestand mindestens 1 Symptom von Impulsivität in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmass
G4. Beginn der Störung vor dem siebten Lebensjahr.
G5. Symptomausprägung: Die Kriterien sollten in mehr als einer Situation erfüllt sein
G6. Die Symptome von G1. - G3. verursachen deutliches Leiden oder Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit.
Ausserdem beachtet / ausgeschlossen werden muss eine tiefgreifende Entwicklungsstörung eine manische Episode eine depressive Episode oder eine Angststörung.
Welches sind Symptome der Unaufmerksamkeit?
(9)
- Unaufmerksam gegenüber Details oder machen Flüchtigkeitsfehler
- Nicht in der Lage, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben und beim Spielen aufrechtzuerhalten
- Hören häufig scheinbar nicht, was ihnen gesagt wird
- Erklärungen nicht folgen oder ihre Schularbeiten, Aufgaben oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht erfüllen
- Beeinträchtigt in der Organisation von Aufgaben und Aktivitäten
- vermeiden ungeliebte Arbeiten, wie Hausaufgaben, die geistiges Durchhalte-vermögen erfordern
- Verlieren häufig Gegenstände, die für bestimmte Aufgaben oder Tätigkeiten wichtig sind
- Von externen Stimuli abgelenkt
- Im Verlauf der alltäglichen Aktivitäten oft vergesslich
Was sind Symptome der Überaktivität?
(5)
- Zappeln häufig mit Händen und Füßen oder winden sich auf den Sitzen
- Verlassen ihren Platz wenn Sitzenbleiben erwartet wird
- Herumlaufen oder klettern exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist
- Unnötig laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten, sich ruhig mit Freizeitbeschäftigungen zu befassen
- Unhaltendes Muster exzessiver motorischer Aktivitäten → durch soziale Umgebung oder Vorschriften nicht durchgreifend beeinflussbar
Was sind Symptome der Impulsivität?
(4)
- Herausplatzen mit der Antwort, bevor die Fragen beendet
- Können nicht in einer Reihe warten oder warten, bis sie bei Spielen oder in Gruppensituationen an die Reihe kommen
- Unterbrechen und stören andere häufig
- Exzessives Reden, ohne angemesse Reaktion auf soziale Beschränkungen
Verlauf einer Hyperkinetischen Störung
(2)
- Bei einer bedeutenden Minderheit der Betroffenen hält die Störung bis ins Erwachsenenalter an → rund 1/3
50-75% der Betroffenen weisen auch als Jugendliche noch eine ADHS auf
3-8% noch als Erwachsene → Wahrscheinlich jedoch höhere Prävalenz im Erwachsenenalter - Symptomwandel im Krankheitsverlauf: Die Zeichen der motorischen Überaktivität verschwinden, während die Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit bestand haben
Unterschiede ICD-10 / DSM-IV bezüglich Hyperkinetischer Störung
DSM-IV Subtypen bietet zur Codierung an:
- Mischtypus: einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
- Vorwiegend Unaufmerksame Typus: sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F98.8)
- Vorwiegend Hyperaktiv-Impulsive Typus: hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens (F90.1)
ICD-10 Kriterien für Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
Die allgemeinen Kriterien für eine hyperkinetische Störung (F90) müssen erfüllt sein, aber nicht die für eine Störung des Sozialverhaltens
Störungen des Sozialverhaltens
(2)
Grundrechte anderer oder die wichtigsten dem Alter entsprechenden Normen und Gesetze werden verletzt (mindestens sechs Monaten)
Nichterfüllen der Kriterien für andere Störungen wie dissoziale Persönlichkeit, Schizophrenie, manische oder depressive Störungen
Was versteht man unter Komorbidität?
Komorbidität (engl.: comorbidity, co-occurrence, multiple diagnosis) bedeutet allgemein das gemeinsame Auftreten verschiedener psychischer Störungen bei derselben Person.
- Die Schwere der Erkrankung, der ungünstige Krankheitsverlauf, das Erfordernis besonderer therapeutischer Interventionen, die schlechteren Behandlungsresultate und die ungünstigere Prognose werden klarer deutlich → Vielfalt des klinischen Bildes durch mehrere Diagnosen besser beschreiben
Was versteht man unter der Jasper'sche Schichtenregel?
- Vorgehensweise im diagnostischen Prozess, die noch für die ICD-9 galt
- Regel besagt, dass psychische Erkrankungen in Schichten angeordnet sind → Jede "tieferliegende" Erkrankung kann das Erscheinungsbild der darüber liegenden annehmen
- Die eigentliche Diagnose muss dann anhand der tieferliegenden Erkrankung erfolgen
Wie kam es zur Abkehr von der Schichtenregel?
- Oft keine ausreichende Begründung für die Hierarchisierung
- Studien haben gezeigt, dass bestimmte Störungen überzufällig häufig gemeinsam miteinander auftreten
- Schizophrenie und substanzbedingte Störungen
- Angst- und Persönlichkeitsstörungen
- depressive und Angststörungen
Welche Konsequenz hatte die Abkehr von der Sicherheitsregel bzw. die Einführung von Komorbiditäten?
► Empfehlungen bei mehr als einer Diagnose
(5)
- Es muss zwischen einer Haupt- und Neben- bzw. Zusatzdiagnosen unterschieden werden
- Priorität hat die Diagnose mit der grössten aktuellen Bedeutung
- Unter Berücksichtigung der Vorgeschichte kann jedoch unter anderen Bedingungen die Lebenszeitdiagnose am wichtigsten sein
- Bei Unklarheit bezüglich der Priorität der Störungen sollten diese in der numerischen Reihenfolge des Klassifikationssystems aufgeführt werden
Gilt erst ab ICD-10
Wie kommt es zu Komorbidität?
(6)
- Die Assoziation von A und B ist ein Zufallsfaktor
- A und B treten gemeinsam auf, weil sie artifiziell getrennt wurden
- A prädisponiert oder verursacht B
- B prädisponiert oder verursacht A
- A und B werden beide beeinflusst durch einen weiteren, bisher nicht bekannten Faktor
- A und B treten gemeinsam auf aufgrund von gemeinsamen Kriterien, die den Diagnosen zugrunde liegen
Wie kommt es zu Komorbidität?
(6)
- Die Assoziation von A und B ist ein Zufallsfaktor
- A und B treten gemeinsam auf, weil sie artifiziell getrennt wurden
- A prädisponiert oder verursacht B
- B prädisponiert oder verursacht A
- A und B werden beide beeinflusst durch einen weiteren, bisher nicht bekannten Faktor
- A und B treten gemeinsam auf aufgrund von gemeinsamen Kriterien, die den Diagnosen zugrunde liegen
Aspekte des Konzepts Komorbidität
(3)
- Festlegung des Zeitrahmens: aktuellen Querschnitt oder gesamte Lebenszeit (life-time)
- Zielsetzung: rein deskriptiven Zielsetzungen (bisher) oder ätiologischen, pathogenetischen oder klinisch-therapeutischen Implikationen (neu)
- Erfassungsstrategien: Strukturierte oder standardisierte Interviews liefern hier zuverlässigere Daten hinsichtlich komorbider Störungen
Einfluss der Klassifikationssysteme auf Komorbidität
(5)
- Aufsplittung von Störungen erhöht die Komorbiditätsraten
- Differenzierung von Störungen führt zu vielen Patienten mit beiden Störungen (welche vorher zusammengefasst waren)
- Diagnostische Schwelle für Störungen beeinflusst ebenfalls die Prävalenzraten komorbider Diagnosen
- Veränderung bis Aufgabe diagnostischer Hierarchien
- Zunahme diagnostischer Kategorien seit der Einführung des DSM-I im Jahre 1952 bis zur Einführung des DSM-IV im Jahre 1994 → potentiell mehr möglichen Kombinationen
Definition des Begriffs Doppeldiagnose
Was ist wichtig bei der Doppeldiagnose?
Spezialfall von Komorbidität
Der Begriff Doppeldiagnose bezeichnet das gemeinsame Auftreten einer Störung durch psychotrope Substanzen und einer zusätzlichen psychischen Störung bei derselben Person in einem bestimmten Zeitraum
Wichtig für die Anwendung einer Doppeldiagnose ist, dass die zusätzliche Störung unabhängig vom Substanzgebrauch diagnostizierbar ist und höchstens durch diesen reaktiviert oder verschlimmert wird.
Der Begriff macht dabei weder eine Aussage über den Schweregrad noch über die Ätiologie oder die Behandlung der beiden Störungen.
Worauf bezieht sich der Begriff Doppeldiagnose nicht?
Der Begriff bezieht sich nicht auf das Zusammenkommen zweier psychischen Störungen ohne Substanzstörung oder auf das Auftreten einer psychischen Störung oder Substanzstörung mit einer somatischen Erkrankung bzw. einer Intelligenzminderung
Lebenszeitprävalenz von Doppeldiagnosen
Rund ein Drittel der Personen mit einer Störung durch Alkohol und rund die Hälfte der Personen mit einer Störung durch Drogen leiden irgendwann im Leben (also vor, während oder nach einer Substanzstörung) auch unter einer anderen psychischen Störung (= Doppeldiagnose)
Häufigkeit von Doppeldiagnosen bei Patienten mit Substanzstörungen
Das Risiko (Odds Ratio) bei einer Störung durch Alkohol zusätzlich an einer anderen psychischen Störung zu erkranken, ist doppelt so hoch, bei einer Störung durch andere Drogen fünf Mal so hoch.
Zeitlichen Komorbiditätsmuster bei Doppeldiagnosen
Die zeitlichen Komorbiditätsmuster bei Doppeldiagnosen legen nahe, dass Angststörungen in der Regel eher vor den Substanzstörungen auftreten, während für depressive Störungen kein klares zeitliches Muster zu beobachten ist.
Eher wenig gesicherte Befunde zu zeitlichen Mustern liegen zur Komorbidität von Substanzstörungen mit weiteren psychischen Störungen vor
Was ist der Unterschied zwischen Doppeldiagnose und substanzinduzierten Störungen?
- Substanzinduzierten Störungen = psychische Störungen, die direkt durch den Substanzkonsum verursacht werden (z.B. eine Schlafstörung aufgrund von Amphetaminentzug) und die bei Abstinenz wieder verschwinden.
- Substanzkonsum ist klar der verursachende Faktor
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
► Zeitlicher Zusammenhang der Symptomatiken
Der fehlende zeitliche Zusammenhang zwischen Beginn und Ende des Substanzeffekts sowie Beginn und Ende der Symptome der anderen Störung ist das wichtigste Kriterium für eine Doppeldiagnose
→ Wenn die anderen Symptome schon vor dem Beginn des Substanzkonsums vorhanden waren oder wenn sie auch bei längeren Abstinenzphasen andauern, sind sie wahrscheinlich nicht substanzinduziert
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
► Abstinenz
Abstinenz während der Beurteilungszeit der zusätzlichen Symptomatik sollte garantiert werden können. Nur so können Substanzeffekte ausgeschlossen und eine zuverlässige Diagnose einer substanzunabhängigen Zweitstörung gestellt werden.
Ausbleiben der Symptome bei Abstinenz = Substanzinduzierte Störung
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
►Typische vs. atypische Merkmale der zusätzlichen Störung
Ersterkrankungsalter und Verlauf
→ Wenn bspw. eine manische Episode, für die das durchschnittliche Ersterkrankungsalter bei etwa 20 Jahren liegt, erstmals nach dem 45. Lebensjahr auftritt, deutet dies auf eine substanzinduzierte Ätiologie hin.
→ Sind aber aus der Vorgeschichte frühere Episoden dieser Störung bekannt, die während einer längeren Abstinenzphase aufgetreten sind, wird eine unabhängige psychische Störung angenommen und damit zusammen mit der Substanzstörung als Doppeldiagnose bezeichnet.
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
►Substanzspezifische physiologische und verhaltensbezogene Intoxikations- oder Entzugssymptome
Substanzspezifische Symptome sprechen gegen eine Doppeldiagnose.
Passen die Symptome nicht spezifisch zur eingenommenen Substanz, dann spricht es für eine Doppeldiagnose
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
►Substanzdosis und Konsumdauer
Ob ein Symptom eher substanzbedingt ist, hängt auch von den Merkmalen des Konsums ab.
→ Halluzinationen etwa sind nach einem einmaligen Cannabiskonsum unwahrscheinlich, nach höheren Dosen und längerem Konsum jedoch plausibel = Substanzinduziert
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
►Verschlechterung der Symptome einer bereits bestehenden psychischen Störung durch Substanzintoxikation oder –entzug
Wenn die zweite Störung bereits vor den Substanzeffekten bestanden hat, wird bei einer Verschlechterung der zusätzlichen Symptomatik nicht eine substanzinduzierte Störung diagnostiziert, sondern eine Doppeldiagnose gestellt.
Die Intoxikation mit einigen Substanzen kann die Symtomatik von gewissen Krankheiten verschlimmern.
Unterscheidung von Doppeldiagnosen und substanzinduzierte Störungen anhand von Kriterien:
►Langjähriger Substanzkonsum
Langjähriger Konsum kann psychische Störungen direkt fördern oder auslösen → Hier kommt (besonders nach DSM-IV) die Diagnose einer substanzinduzierten Störung in Frage.
Psychische Störungen können jedoch auch indirekte Folge suchtbedingter psychosozialer Veränderungen sein → In diesem Fall kommt es zu einer Doppeldiagnose, weil die zweite Störung nicht eine direkte Wirkung des Substanzkonsums ist, sondern quasi die „Folge der Folgen“.
Wie lautet die Zeitliche Faustregel um Substanzeinwirkung auszuschliessen?
Unterschiede ICD-10 vs. DSM-IV:
► ICD-10
Psychische Störungen können in Erscheinung treten, die ...
- ... während oder unmittelbar nach der Einnahme einer Substanz auftreten
- ... nach der direkten Substanzeinwirkung anhalten
- ... gar verzögert nach mehr als zwei Wochen nach der Einnahme einer Substanz auftreten
Die ICD-10 bezeichnet nur relativ wenige Krankheitsbilder als substanzinduziert. Das hat zur Folge, dass man bei einer Diagnostik auf Basis der ICD-10 eher zu Doppeldiagnosen kommt.