Neurophysiologie
N. Dr. Disko
N. Dr. Disko
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Lernkarten
Operative bzw. apparative Therapie des M. Parkinsons
Einsetzung einer tiefen Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“)
Wird angewendet, wenn die Patienten medikamentös schwer einstellbar sind (oben genannte Symptome wie Fluktuationen etc.). Es wirkt in erster Linie auf L-Dopa-responsive Symptome. Sehr gutes Endergebnis (motorisch und Einnahme von weniger Medikamenten), jedoch sehr teuer und aufwendig. Patient ist wach während der Operation – man muss kontinuierlich testen, wie die Motorik sich verändert.
1) Apomorphin oder 2) Duodopa-Pumpe
1) Subcutane Infusion des Dopaminagonisten
2) Kontinuierliche Dopamin-Zufuhr in Gelform via PEG
Was ist eine Chorea Huntington
Autosomal dominante Erkrankung mit psychischen/kognitiven Veränderungen und (meist hyperkinetischen) Bewegungsstörungen aufgrund eines progressiven, selektiven Neuronenverlusts mit Akzentuierung im Striatum
Wie ist der Verlauf einer Chorea Huntington?
Erkrankungsbeginn i.d.R. zwischen 30-40 Jahren. Es gibt keine kausale Therapie. Symptomatische Behandlung der psychiatrischen Symptome und der Hyperkinesien sowie Hyperkalorische Kost (evt. über PEG).
Überlebenszeit nach Diagnosestellung durchschnittlich 15-20 Jahre, Tod durch sekundäre Komplikationen. Eine genetische Beratung der Familie anbieten.
Symptome der Chorea Huntington
- Psychische Auffälligkeiten (können den motorischen Störungen Jahre vorausgehen): zunehmende Irritierbarkeit, sozial unangemessenes Verhaltens, Angststörungen, Depressivität, evtl. schizophreniforme Psychosen
- Neuropsychologische Störungen: von anfänglicher frontaler Dysfunktion bis im Verlauf zunehmender Demenz
- Hyperkinesen (Chorea): oft in Verlegenheitsbewegungen eingebaut, im Verlauf vermehrt nach proximal und auf Rumpf und Gesicht (Grimassieren) übergreifend, choreatische Bewegungen nehmen unter Stress zu, sistieren im Schlaf
- Zunehmende Hypo- und Bradykinese, Rigidität, Dysphagie, Dysarthrie
- Gangstörungen, Haltungsinstabilität
- Augenbewegungsstörungen
- Gewichtsabnahme bei Hypermetabolismus
Was ist eine Dystonie?
Unwillkürliche, repetitive Muskelkontraktionen, länger anhaltend oder kürzer dauernd, die Glieder und/oder Rumpfin abnorme Haltungen zwingen (tonische Dystonie) oder zu dystonen Bewegungen (phasische Dystonie) führen.
Dystonie: Eintielung nach topischer Verteilung
- Fokal: auf eine Körperregion begrenzt
- Blepharospasmus: unwillkürlicher Kontraktion der Mm. orbiculares oculi
- oromandibuläre Dystonie, spasmodische Dysphonie, Torticollis spasmodicus, Schribkrampf, Fussdystonie)
- Segmental: auf zwei benachbarte Körperregionen begrenzt
- Multifokal: auf zwei nicht benachbarte Körperregionen begrenzt
- Halbseitig
- Generalisiert
Beispiele einer Dystonie
- Meige-Syndrom: Blepharospasmus + oromandibuläre Dystonie
- Torticollis spasmodiculs: „Schiefhals“, geste antagoniste (Anlegen der Hand an der nicht abgewandten Gesicht-/Kopfseite) führt zur Verminderung des Tortikollis
- Aufgabenspezifische Dystonie: z.B. Schreibkrampf, Musikerkrampf
Ursachen peripheren Nervenverletzungen
- Traumen (primär oder sekundär)
- Drucklähmungen
- Engpass-Syndrome
- Kompartment-Syndrome
- Tumore (anderer Gewebe in der Nachbarschaft, des peripheren Nerven selbst)
- Iatrogene Läsionen
- Entzündungen (durch Bakterien, Viren, Parasiten, durch Toxine, para-oder postinfektiös immunologisch vermittelte Schäden
- Physikalische Einflüsse (Hitze, Kälte, elektr. Strom, Blitzschlag, elektromagnetische Wellen, ionisierende Strahlen)
- Genetisch bedingte Funktionsstörungen
Symptome der peripheren Nervenverletzung
Motorische Ausfälle
• schlaffe Paresen
• herabgesetzter Tonus
• abgeschwächt bzw. nicht auslösbare Eigen- und Fremdreflexe
• keine Pyramidenbahnzeichen
• nur ausnahmsweise Faszikulationen (Muskelzucken)
• Entwicklung von Muskelatrophien (innerhalb von 3-4 Wochen)
Sensible Ausfälle
• alle Qualitäten sind in etwa gleichem Maße betroffen
• exakt auf die jeweilige kutane Innervationszone beschränkt
Schmerzen
• Evtl. spontane Schmerzen an der Läsionsstelle
• Evtl. Druckschmerz an der Läsionsstelle
• Evtl. Dehnungsschmerz
• Evtl. Schmerzausstrahlung über das Versorgungsgebiet des Nerven hinaus (z.B. Schulterarmschmerz bei Carpaltunnel-Syndrom)
Schweißsekretionsstörungen
• Läsion sensibler oder gemischt sensibel-motorischer Nerven:
• Reduktion bzw. Ausfall der Schweißproduktion und der Piloarrektion (Aufrichten der Haare zur Wärmeisolation)
Trophische Störungen (Spätfolge nach Wochen):
• Haut: pergamentartig dünn, glatt, Papillarleisten an Finger- und Zehenkuppen weniger prominent, Hyperkeratosen, Anfälligkeit für Verletzungen, beeinträchtigte Wundheilung
• Nägel: Wachstumsstörungen, erhöhte Brüchigkeit
• Haare: Haarausfall, Hypertrichosen
• Vasomotorik: hyperämische Rötung, später zyanotische Verfärbung
Sie kennen Neurapraxie/Axonotmesis und Neurotmesis
Neurapraxie: Fokale Demyelinisierung (Stadium I)
Axonotmesis: Kontinuitätsunterbrechung von Axonen bei erhaltenen bindegewebigen Hüllen (Stadium II)
Neurotmesis: Kontinuitätsunterbrechung von Axonen und Endoneurium (Stadium III), Kontinuitätsunterbrechung von Axonen und Endo-/Perineurium (Stadium IV), Kontinuitätsunterbrechung von Axonen und Endo-/Peri-/Epineurium
Bei der Neurotmesis ist bei einer kompletten Durchtrennung KEINE REGENERATION möglich. Es entsteht ein Funktionsverlust Parese/Plegie, Muskelatrophie, häufig ein neuropathischer Schmerz und autonome Störungen. Extremfall: CRPS (Morbus Sudeck)
Sie kennen konservative Therapien bei Nervenverletzungen
Hauptziel:
- Sekundärschäden vermeiden (weitere Verletzungen, Überdehnung bzw. Kontraktur der betroffenen Muskeln wie auch der Antagonisten, Versteifung von Gelenken, trophische Störungen)
- Entsprechende Lagerung der Extremität, ggf. Verordnung von Schienen und anderen orthopädischen Hilfsmitteln
- Passive Bewegungsübungen
- Aktive Bewegungsübungen, soweit möglich
- Elektrotherapie, transkutane Nevenstimulation: umstritten
- Gabe von Vitaminen: nur bei Mangelzuständen
Sie kenne operative Therapien bei Nervenverletzungen
- Wiederherstellung der Kontinuität
- Bei Verlust des proximalen Stumpfes End-zu-End oder End-zu-Seit Adaptation
- Bei Verlust des distalen Stumpfes Einpflanzen einer mot. Nervenendigung
- Bei erhaltener Kontinuität Feststellen der Schädigung
- Bei Teilregeneration kann die endgültige Funktion durch Muskelverlagerung verbessert werden
- Besteht keine Aussicht auf Funktionsaufnahme der gelähmten Muskulatur, z.B. nach langer Denervationszeit, könnten verlorengegangene Funktionen durch Muskelverlagerungen ersetzt werden
Vorgehen bei V.a. Nervenverletzung
Klinische Untersuchung des peripheren Nervs
- Wo könnte der Schädigungsort sein? Handelt es sich wirklich um eine periphere Läsion?
- Nervenwurzeln am Rückenmark
- Plexus
- Im distalen Verlauf des peripheren Nervens
- Einer oder mehrere Nerven betroffen?
- Genaue Untersuchung, worin gestehen die Ausfälle?
- Motorisch
- Sensibel
- Ggf. autonom (Schwitzen, Durchblutung)
è Anhand der Kombination der Paresen kann man den Läsionsort eingrenzen!
Elektrophysiologische Diagnostik
Elektroneurographie (ENG)
- Untersuchung der Nervenfunktion (Leitung elektrischer Impulse)
- Motorische Nervenleitgeschwindigkeit
- Sensible Nervenleitgeschwindigkeit
- Hinweis für Schädigung z.B. durch Kompression oder Entzündung
Grundprinzip:
- Elektrische Reizung des Nervs, die ausgelöste und weitergeleitete Spannungsänderung kann entlang des Nervs gemessen werden
- Die Nergenleitgeschwindigkeiten lassen sich durch Stimulation des Nervs an zwei verschiedenen Orten und Messen der Reizantworten im Muskel einfach bestimmen
- Die Amplitude der Reizantwort gibt einen groben Anhalt über die Anzahl der weiterlaufenden Nervenfasern
Elektromyographie (EMG)
- Messung der elektrischen Muskelaktivität in Ruhe und bei unterschiedlich stark willkürlich kontrahierten Muskeln
- Mit Nadelelektroden lassen sich die Potentialschwankungen einzelner motorischer Einheiten ableiten
- Unterscheidung neurogener und myogener Schädigung
Frühstens nach 3 Wochen verwendbar „pathologische Spontanakivität“
Beurteilung der sog. Reinnervation durch Aussprossen der Neurone nach Wochen bis Monaten
Bildgebung
- MRI – Einblutung, Tumor in Bezug zum Nerven
- Röntgendiagnostik – Frakturhöhe zum Nervenverlauf
- Ultraschall – bei oberflächlichen Nervenschädigungen
Prognose der Nervenverletzung
- Abhängig von Schädigung
- Einordnung (Axonotmesis etc.) initial oft schwierig, vieles klärt erst der Verlauf
- Initiale Plegie kann, muss aber nicht dauerhaft sein. Es überwiegen die inkompletten, besserungsfähigen Verletzungen
- Residuelle Defizite sind häufig
- Erwartungen des Patienten werden häufig enttäuscht
- Neuropathische Schmerzen
- Begleiterkrankungen wie Diabetes limitieren die Heilung
- OP-Indikation ist kompetent zu klären – früh, d.h. unmittelbar nach Trauma und nahc 3-9 Monaten
- Meistens wird nicht operiert
- Scharfe Nervendurchtrennungen, die leichter zu operieren sind, sind seltener als Quetschungen
- Bei zusätzlicher starker Gewebsverletzung in der Umgebung ist der OP-Erfolg bzw. die Heilung prinzipiell schwieriger
- Plexusverletzungen sind sehr schwer operativ zugänglich und rekonstruierbar
- Wurzelausrisse aus dem Rückenmark können nicht operiert werden und regenerieren auch nicht spontan
Wie verläuft die klassisch symmetrische Polyneuropathie z.B. bei Diabetes und Alkoholkrankheit?
Diabetische Polyneuropathie
- Häufigste Ursache für PNP
- Typischerweise distale symmetrische sensomotorische PNP: oft sensible Symptomatik im Vordergrund, Schmerzen (small fiber PNP), Parästhesien und Ausfall des Achillessehnenreflex
- Aber auch asymmetrische Formen möglich
Pathogenese
- Vermutlich multifaktorielle Genese: vaskuläre, metabolische (Hyperglykämie: direkte Schädigung des Nervs) oder immunologische (Entzündungsreaktion) Hypothese
Zusätzliche Besonderheiten
- Schmerzende Parästhesien
- Autonome Neuropathie kann u.a. zu Herzrhythmusstörungen, stummen Herzinfarkten, Blasenprobleme, Impotenz etc. führen
- Zusätzliche Mononeuropathien: v.a. N. femoralis und Äste des N. ischiadicus können ausfallen
- Wundheilungsstörungen, Ulcera è dies ist schmerzlos!
Alkoholismus
- Zweithäufigste Ursache, korreliert mit Menge des Alkoholkonsums
Alkohol-toxisch
- Einsetzen der Symptome über Wochen bis Monate, gelegentlich auch relativ akuter Beginn innerhalb von Tagen
- Symmetrische, distal- und beinbetonte Neuropathie, sensible und motorische Ausfälle, sensible Reizerscheinungen („burning feet“, Druckschmerzhaftigkeit der langen Beinnerven, Muskelkrämpfe, Gangataxie, Mononeuropathien (Druckparesen), Hyperhidrosis
Pathogenese:
- Direkt toxische Wirkung: vorwiegend axonaler Typ
- Malnutrition (häufig mit einem tiefen Vitamin B-Spiegel)
Klinik der Polyneuropathie?
Entsprechend der verschiedenen Funktionen der peripheren Nerven (sensibel, motorische, autonom) sind unterschiedliche Symptome möglich:
- Motorisch: schlaffe, meist atrophische Paresen, Reflexabschwächung/- Verlust
- Sensibel:
• Minussymptome: Hypästhesie, Hypalgesie, Thermhypästhesie, Pallhypästhesie, Störungen des Lageempfindens (= sensible Ataxie -> Video 2)
• Plussymptome: Dysästhesie (unangenehme abnorme Empfindung), Hyperästhesie, Hyperalgesie, Hyperpathie (verstärkte Empfindung eines Reizes, mit Schmerz verbunden)
- Autonom: z.B. Störung von Hauttrophik, Blasen- u. Gastrointestinalfunktion, Störung der kardialen Regulation, erektile Dysfunktion, Schweißsekretionsstörung
Was ist das Guillain Barre Syndrom (GBS)?
Akute oder subakute Polyradikuloneuritis, die innerhalb von Tagen bis 4 Wochen das Krankheitsmaximum erreicht und typischerweise demyelinisierend, motorisch betont und überwiegend symmetrisch ist.
Ursache und Verlauf des GBS?
- Initial sensible Reizerscheinungen mit Parästhesien und/oder Schmerzen (90%)
- Schlaffe, meist symmetrisch aufsteigende Paresen innerhalb von Tagen, seltener innerhalb von Stunden. Beschwerdemaximum normalerweise innerhalb 3-4 Wochen
- Cave: Autonome Störungen (häufigste Todesursache) durch Beteiligung afferenter und efferenter autonomer Fasern (v.a. Herzrhythmusstörungen), Atemstörung durch Zwerchfellbeteiligung
- Rückbildung der Lähmungen in umgekehrter Reihenfolge 2-4 Wochen nach der Plateauphase (Spitze)
Prognose des GBS?
- Langfristige Prognose ist eher günstig und hängt sehr vom Ausmass der axonalen Schädigung ab
- Rezidive der Erkrankung sind noch Monate bis Jahre danach möglich – eher selten
- Kausale Therapie nicht möglich
- Riluzol gibt Verlängerung Lebenszeit von 15 Wochen
Welche anatomischen Strukturen sind bei der Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) betroffen?
Es ist die häufigste motorische Systemerkrankung!
- (zentrales) Motoneuron (Gehirn bis Rückenmark) è kortikospinaler Trakt
- (peripheres) Motoneuron (Rückenmark bis Muskel) è spinale Vorderhörner
Schädigung des
1. Motoneurons (motorischer Cortex, Pyramidenbahn, Tractus corticospinalis)
- Spastische Tonuserhöhung, gesteigerte MER, erhaltene Reflexe bei atrophischen Paresen, Muskelkloni, positives Babinski-Zeichen
2. Mononeurons (Vorderhorn, Alpha-Motoneuron, Hirnnervenkern mit motorischen Fasern
- Schwäche und Atrophie der Muskulatur, Faszikulationen
Welche Symptome sind typisch für ALS?
- Voll ausgebildetes Krankheitsbild: Kombination von atrophischen und spastischen Lähmungen
- Paresen beginnen meist einseitig und distal betont, häufiger an den oberen als an den unteren Extremitäten
- Reflexstatus: eher selten sichere Pyramidenbahnzeichen, meist gesteigerte oder erhaltene Reflexe in Extremitäten mit atrophischen Paresen, Kloni
- Im Verlauf bulbäre Symptome: Funktionsausfall der unteren Hirnnerven mit motorischer Funktion – Atrophie Zunge, Zungenfaszikulation (unwillkürliche lokale Kontraktionen einzelner Fasern), Dysarthrie, Dysphagie, Facialisparese. HINWEIS: Die Okulomotorik ist bis auf Endstadien ausgespart!
- Sensibilität: keine Sensibilitätsstörungen
- Pathologisches Lachen und Weinen: Im Verhältnis zum auslösenden Gefühl inadäquates Lachen oder Weinen, das vom Pat. nicht verhindert werden kann.
Wie ist die Mortalität der ALS im Zeitverlauf?
- Mittlere Krankheitsdauer beträgt 25 Monate (6 Monate bis 20 Jahre)
- Tod meist durch Ateminsuffizienz und/oder Pneumonie
- Kausale Therapie ist nicht möglich
- Riluzol: Verlangsamung der Progredienz (Verlängerung der Lebenszeit um 15 Wochen)
- Terminalphase: Aufklärung ist immens wichtig! Weiter sterben die meisten Patienten an Ateminsuffizienzen. Weniger an Herzversagen oder Pneumonie. 91% sterben friedlich, nur ca. 1% qualvoll. Niemand ERSTICKT!
Was ist eine Myasthenie (Myasthenia gravis)?
Erworbene Autoimmunerkrankung mit Zerstörung oder Blockierung postsynaptischer Acetylcholin-Rezeptoren der neuromuskulären Endplatte durch Auto-Antikörper
- Leitsymptom: Unter Belastung zunehmende Schwäche der quergestreiften Muskulatur, die charakteristischerweise nach Ruhepausen bessert oder verschwindet
- Weitere Erstsymptome: Doppelbilder, Ptose, Schwierigkeiten beim Schlucken/Kauen, näselnde Sprache
Was ist die Ursache der Myasthenie (Myasthenia gravis)?
Infekte
psychische Belastung
Medikamente
Narkosen
hormonelle Umstellung
Elektrolytentgleisung
Definition Epileptischer Anfall
- Vorübergehende plötzliche Dysfunktionen des ZNS auf Grund abnormer neuronaler Entladungen der Hirnrinde
Definition Epilepsie
- Epilepsie bezeichnet die andauernde Prädisposition, epileptische Anfälle zu generieren
- Aufgrund genetischer Faktoren
- Aufgrund struktureller Defekte
D.h. für die Diagnose Epilepsie müssen daher
- Wiederholte nicht provozierte epileptische Anfälle (mind. 2) aufgetreten sein
- Oder ein Anfall und zusätzlich ein EEG- oder MRT-Befund, der eine erhöhte Epileptogenität wahrscheinlich werden lässt
Pathophysiologie (Zusatz):
- Synchronisierte Entladungen von Neuronenverbänden (normalerweise keine synchronen Entladungen)
- Versagen von Hemm-Mechanismen, die ein Persistieren und eine Ausbreitung der pathologischen Entladungen ermöglichen
Definition Gelegenheitsanfall
Es ist ein „provozierter Anfall“; jedes gesunde Gehirn kann epileptische Anfälle generieren
Provokationsfaktoren sind: Schlafmangel, Drogenkonsum, Alkoholentzug, manche Medikamente bzw. deren Entzug, Stoffwechselstörungen (z.B. Elektrolyte, Glucose)
Definition Status epilepticus
Dies ist ein Notfall, ein Notarzt muss gerufen werden!! Prolongierter epileptischer Anfall (= erste zwei Phasen)
- Von 30 Minuten
- Länger als 5 Minuten (operationale Definition)
- Rezidivierende, d.h. mindestens zwei epileptische Anfälle ohne zwischenzeitliche Wiedererlangung des vorbestehenden neurologischen Befundes
Unterscheidung generalisierte und fokale und einfach- und komplex-fokale Anfälle
Generalisierter Anfall (mit Bewusstseinsstörung, gesamtes Gehirn ist betroffen)
Tonische Phase (Initialschrei, Zyanose, Inkontinenz), Klonische Phase (Zuckungen, Flattern Augenlieder,..), Postiktale Phase (Fehlende Ansprechbarkeit, Erschlaffung der Extremitäten und des Rumpfes. Dauer: oft mehrere Stunden!!). Erste und zweite Phase meistens nur ca. 30 Sekunden
è „Grand mal“ (z.B. tonisch-klonisch)
è Absence Kinder)
Fokaler Anfall (mit/ohne Bewusstseinsstörung, nur ein Teil des Gehirns ist betroffen)
- Ohne Einschränkung des Bewusstseins oder der Aufmerksamkeit
- Mit beobachtbaren motorischen oder autonomen Komponenten
- Mit nur subjektiven sensiblen/sensorischen oder psychischen Phänomenen (d.h. Aura mit epigastrischen, optischen, akustischen, haptischen Sensationen oder neuropsychologischen Veränderungen)
- Mit Einschränkung des Bewusstseins oder der Aufmerksamkeit (dyskognitiver Anfall)
- Mit Entwicklung zu einem bilateralen, konvulsiven Anfall
Einfach-fokal (ohne Bewusstseinsstörung, z.B. zuckender Arm)
Komplex-fokal (mit Bewusstseinsstörung/Bewusstsein ist in irgendeiner Form eingeschränkt, „Patient war kurz komisch“)
Ursache der Epilepsie
Strukturell:
- Tumore
- Gefässveränderungen (Infarkt oder Hämorrhagie) è 1/3 aller Epilepsien bei Patienten über 60 Jahren sind auf Schlaganfall zurückzuführen
- Arteriovenöse Fehlbildung
- Trauma (Impressionsfraktur, penetrierende Verletzung)
- Infektion (Abszess, Enzepahlitis)
- Kongenitale oder hereditäre Krankheitsbilder
Pathophysiologie Status epilepticus: (wird wahrscheinlich nicht geprüft!)
- Ventilationsstörung (respiratorische Azidose, Hypoxie)
- Exzitotoxizität (neuronale Zellschädigung)
- Zerebraler Hypermetabolismus und Hyperperfusion (vasogenes Hirnödem)
- Exzessive Muskelaktivität (metabolische Azidose, Hyperthemie, Hypertonie, ..)
- Weitere mögliche Effekte (Leukozytose, Liqorpleozytose, Lungenödem, Herzinsuffizienz)
Wie unterscheidet man Bandscheibenvorfälle, wo kommen sie am häufigsten vor?
Unterscheidung
- Protrusion (Vorwölbung)
- Mediolateral, lateral oder medial
- Prolaps (Vorfall des Ncl. pulcosus in den Spinalkanal)
- Sequester (Vorfall mit Loslösung eines Teiles des Ncl. pulposus vom Hauptteil)
Am häufigsten sind cervikal und lumbale BSV:
- Cervikal v.a. HWK 5/6 und HWK 6/7
- Lumbal v.a. LWK 4/5 und seltener LWK 5/SWK 1
Welche radikulären Symptome verursachen Bandscheibenvorfälle und wie unterscheidet man sie von peripheren Nervenverletzungen?
Diagnostik
- Akutes Ereignis mit heftigen Schmerzen (Schonhaltung)
- Klinische Untersuchung zeigt radikuläre Zeichen (Lasègue)/Symptomatik (Sensibilitätsstörung, Paresenverteilung)
- Frage nach Blasen- und Mastdarmstörungen
- Bildgebung (MRT sensitiver und schonender als CT), ggf. Myelographie
- Lasègue: Patient ist in RL, das gestreckte Bein wird im HG langsam passiv bis 90° gebeugt è postitiv: Beugung von 70-80° nicht möglich aufgrund von Schmerzen in Bein, Gesäss oder Rücken
Unterscheidung
- Jeder Spinalnerve versorgt sensibel ein segmentales Hautgebiet (Dermatom).
- Bei weiter distal gelegenen Läsionen (Truncus, Fasciculus, peripherer Nerv) ändert sich durch die Durchmischung der einzelnen Nervenfasern das entsprechende Ausfallsbild.
Grober Aufbau des Plexus brachialis und mögliche Ursachen der Schädigung
- Der Plexus brachialis wird den Spinalnerven der letzten vier Hals- und des ersten Brustsegments (C5– Th1) gebildet. Diese vereinigen sich im Verlauf zu drei Primärsträngen (Truncus superior, medius und inferior) und anschließend zu den Sekundärsträngen (Fasciculus lateralis, medialis und posterior)
- Bei einem Abriss des Plexus brachialis kommt es zu einer vollständigen Lähmung der Muskeln des Arms und zu einem Totalausfall der Sensibilität.
- Bei Teilabrissen (oder anderen Schädigungen) einzelner Fasciculi kommt es zu charakteristischen Teilausfällen am Arm.
- Ursachen: traumatisch (häufig Traktionsverletzungen z.B. nach Motorradunfall), Druck-/Zugschädigung, Raumforderung bzw. Tumor (z.B. Pancoast-Tumor), Bestrahlung, Entzündung (Plexusneuritis), Geburtskomplikation (wenn Schulter sich verhakt und bei Geburtshilfe vermehrt Zug auf die Halsregion ausgeübt wird), anatomische Varianten (z.B. Skalenuslücke oder Halsrippe)
Plexusparesen
Obere Plexusparese (Typ Erb-Duchenne)
- Ist die häufigste Form
- Betrifft vor allem die Wurzel C5, weniger auch C6
- Parese betrifft Abduktoren und Aussenrotatoren der Schulter, Armbeuger, M. supinator longus und manchmal die Extensoren des Ellenbogens und der Hand.
- Der Arm ist innenrotiert, der Unterarm proniert.
- Die Hand ist nur wenig betroffen, kann aber wg. fehlender Abduktion der Schulter und Ellenbogen-Flexion nur schlecht gebraucht werden.
- Der sensible Ausfall ist inkonstant: Hypästhesie der Schulterwölbung, Oberarm-Aussenseite, radialer Unterarm.
- BSR ist abgeschwächt.
Erweiterte obere Plexusparese:
- Zusätzlicher Befall der C7-Wurzel
- Parese betrifft zusätzlich den M. triceps. Schwäche der Hand- und Fingerstrecker.
- Der sensible Ausfall ist zusätzlich am dorsalen Unterarm und Handrücken.
- TSR ist abgeschwächt.
Untere Plexusparese (Dejérine-Klumpke)
- Seltener als obere Plexusparese
- Betrifft vor allem die Wurzel Th1, weniger auch C8
- Vor allem distale Symptome, Krallenhand mit rasch progredienter Atrophie der kleinen Handmuskeln und manchmal der langen Fingerbeuger.
- Sensibles Defizit am ulnaren Unterarm und am Klein- und Ringfinger.
Kennmuskeln und deren Funktion der im Skript beschriebenen Nerven
Ursache des Karpaltunnel-Syndroms
Kompression des N. medianus im Bereich des Handgelenks (zwischen Retinaculum flexorum und Handgelenksknochen)
Ursachen:
- Konstitutionelle Enge des Carpalkanals: bei Frauen häufiger
- Schwangerschaft: Prognose günstig, i.a. Spontanremission nach dem Ende der Schwangerschaft - Ödeme
- Ungewohnte und/oder intensive manuelle Tätigkeiten
- Traumen, bes. Frakturen oder Distorsionen im Bereich oder in der Umgebung des Handgelenks (Radius, Handwurzelknochen) Lokale Tumoren, Ganglien
• Entzündliche Prozesse (z.B. rheumatoide Arthritis, primär chronische Polyarthritis, usw.)
• Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Gicht, Hypothyreose, Niereninsuffizienz, Urämie)
Klinik des Karpaltunnels
- „Brachialgia paraesthetica nocturna“: nächtlich betonte Schulterarmschmerzen: oft erst später, ev. aber auch als Initialsymptom
- Parästhesien und Gefühlsstörungen im Versorgungsgebiet des N. medianus
- Schwäche in den vom N. medianus versorgten Muskeln, konsekutive Atrophie, v.a. des M. opponens pollicis
evtl. „positives Hoffmann-Tinel- Zeichen“
Therapie des Karpaltunnels
Konservativ: dorsale Unterarmschiene in Mittelstellung oder Handgelenkstütze für die Nacht Cortison oral oder als Injektion
Operativ : Durchtrennung des Retinaculum flexorum bei sehr störenden nächtlichen Schmerzen, andauernden Sensibilitätsstörungen und einer distalen motorischen Latenz von > 6 ms
Therapie Sulcus ulnaris Syndrom
Konservative Behandlung:
Vermeidung von repetitiver
Druckeinwirkung
Polsterung
nächtliche Schienung des Ellenbogens
Dekompression der komprimierenden Strukturen:
verdicktes Lig. epicondylico-olecranicum
Sehnenbogen des M. flexor carpi ulnaris
akzessorischer M. epitrochleo-anconaeus
Submuskuläre Transposition des N. ulnaris
Suprakondyläre Umstellungsosteotomie
des Humerus
Ursache des Sulcus ulnaris Syndrom
Druckläsion (unsachgemäße Lagerung von bettlägrigen Patienten, während einer Narkose, durch langes Aufstützen auf einer harten Unterlage) stumpfe Traumen (ev. „Spätparese“)
degenerative Veränderungen im Bereich des Ellbogengelenks wiederholte Beuge- und Streckbewegungen
habituelle Luxation des Nerven aus dem Sulcus n. ulnaris