Neurophysiologie
N. Dr. Disko
N. Dr. Disko
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Lernkarten
Prognostische Aussagen zum SHT
- Die Lokalisation der Schädigung im Hirnstamm & Mittelhirn entscheidet über Koma und Überleben.
- Der Bewusstseinsgrad ist auch nach einmonatigem Koma noch in einem hohen Masse besserungsfähig.
- Die Langzeitprognose ergibt sich aus multiplen Faktoren und kann nur aus einem 3-6 monatigen Verlauf abgeschätzt werden.
- Neuropsychologische Defizite, die nach 3-6 Monaten noch bestehen, zeigen in der Folgezeit (zu Hause) nur eine geringe Verbesserung.
- Valide Kriterien zur Vorhersage der Prognose existieren nicht, am ehesten noch bei schwerstem SHT mit Hirnstammbeteiligung.
Sie können verschiedene Formen der Bewusstseinsstörung (Koma, apallisches Syndrom) erklären.
Quantitative Bewusstseinsstörung
Einschätzung anhand der Beobachtung des Spontanverhaltens, der Reaktion (gerichtet/ungerichtet; prompt/verzögert/fehlend) auf verbale Aufforderungen & Schmerzreize sowie anhand der Pupillenreaktionen auf Licht & des vestibulookulären Reflexes (VOR)
- Benommenheit: wach; verlangsamte Reaktionen
- Somnolenz: schläfrig; leicht erweckbar; verzögerte Reaktion auf verbale Reize; prompte & gezielte Reaktion auf Schmerzreize
- Sopor: erschwert erweckbar; deutlich verzögerte oder fehlende Reaktion auf verbale Reize; verzögerte, noch gerichtete Abwehr von Schmerzreizen
Koma: nicht erweckbar; Augen bleiben geschlossen
Apallisches Syndrom („Wachkoma“)
- Isolierte Schädigung des cerebralen Kortex oder diffuse Marklagerschädigung mit Unterbrechung der thalamokorikalen Verbindungen oder ausgedehnte bilaterale Thalamusläsionen
- Ursächlich kortikale Anoxie, z.B. nach Herzstillstand, SHT, Hirninfarkt, Encephalitis, etc.
- Offene Augen und starrer Blick ohne Zuwendung auf äussere Reize wechseln mit schlafähnlichen Zuständen
- Maximal vegetative Reaktionen wie Schwitzen, beschleunigter Herzschlag oder vermehrte Spastik auf Schmerzreize
- Motorische Automatismen wie Kaubewegungen und vertieftes Gähnen, Schnauz-/Saugreaktionen auf periorale Reize.
- Grimassieren und Massenbewegungen auf Schmerzreize
Sie können verschiedene Formen der Bewusstseinsstörung (minimally concious state) und Hirntod erklären.
Hirntod
- Definition: Zustand des irreversiblen Erloschenseins aller Funktionen des Gross- & Kleinhirns sowie des Hirnstamms (Ausfall der gesamten Hirnfunktionen) bei einer durch kontrollierte Beatmung noch aufrechterhaltenen Herz- & Kreislauffunktion
- Voraussetzungen: Nachweis einer akuten schweren Hirnschädigung
- Ausschluss von: Intoxikation, Sedierung, neuromuskulärer Blockade, Hypothermie, Kreislaufversagen (systolischer Blutdruck < 80mmHg), metabolischer, endokriner oder entzündlicher Erkrankung als mögliche Ursache oder Mitursache.
Sie kennen die Primären und Sekundären Hirntumore
- Primär: Gewebe wie Hirnhaut, Nervenscheiden, ektopes intrakranielles Gewebe
- Sekundär: Hirnmetastasen
Sie kennen die klinik des Hirntumors
Klinik
- Kopfschmerzen (ca. 50%)
- Epileptische Anfälle
- Wichtigstes Frühsymptom
- Ca. 30% der Pat. bekommen epileptische Anfälle
- Tumore sind häufigste Ursache von epileptischen Anfällen bei 25- bis 60-jährigen Pat.
- Wesensänderungen
- Fokale Symptome (z.B. Hemiparese)
Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es bei Hirntumoren allgemein?
- Interdisziplinäre Entscheidung (Tumorkonferenz): Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie? (+ symptomatische Therapie)
- Operation
- Ziel: radikale Resektion (wenn nicht möglich: Reduktion der Tumormasse)
- Problem: Tumor häufig in eloquenten Hirnarealen à funktionelles Defizit (z.B. Aphasie, Parese) ist nicht vertretbar („safe resection“)
- Bei malignen Tumoren diffuses Wachstum à keine Resektionsgrenzen
- Bestrahlung
- Strahlensensibilität hängt vom biologischen Verhalten des Tumors ab (bes. sensibel sind maligne Tumore)
- Am gebräuchlichsten ist die konventionelle fraktionierte Bestrahlung (z.B. Tumorregion, Ganzhirn)
- Akute Nebenwirkungen (während): Alopezie (Haarausfall), leichtes Hauterythem; seltener: Kopfschmerz, Müdigkeit, Übelkeit, Otitis externa/media (Gehörgangentzündung)
- Chemotherapie:
- Maligne Gliome sprechen nur unbefriedigend auf Chemotherapie an à erwarteter Nutzen muss die Risiken übersteigen
- Symptomatische Therapie:
- Steroide zur Reduktion des Gehirnödems
- Antikonvulsive Therapie (gegen Epileptische Anfälle à keine prophylaktische Gabe
- Psychologische Betreuung
- Sterbebegleitung
- Patientenverfügung
Meningeome – Entstehung, Symptomatik, Behandelbarkeit?
- Entstehen aus den Deckzellen der Arachnoidea
- Wachstum meist verdrängend gegen das Gehirn und infiltrierend in Knochen & Hirnhäute
- Üblicherweise gutartig (WHO Grad I, jedoch auch Entartung bis WHO Grad III möglich)
- Sehr langsames Wachstum à können unbemerkt sehr gross werden à meist Zufallsbefund
- Häufig keine Therapie nötig à Verlaufskontrolle
- Resektion und/oder Embolisation und/oder Bestrahlung (3/4 können radikal reseziert werden)
Prognose des Glioblastoms
- Häufigster primärer Tumor bei Erwachsenen (meist zw. 55-65 Jahren)
- Prognose mit heutiger Standardtherapie (Resektion + kombinierte Radiochemotherapie) à mittlere Überlebenszeit ca. 15 Monate à fast 10% überleben 5 Jahre
Hirnmetastasen – Was sind deren häufige Primärtumoren und wie ist die Prognose allgemein?
- Ca. 20% aller Hirntumore
- Prognose: mediane Überlebenszeit 3-6 Monate à 1-Jahres-Überlebenszeit = 10%
- Prädiktoren für längeres Überleben
- Fehlen extrakranieller Tumormanifestationen oder Beherrschbarkeit der Grunderkrankung
- Langes Intervall zwischen Diagnose des Primärtumors & der Hirnmetastasen
- Singuläre Hirnmetastase
- Hoher Karnofsky-Index
- Niedriges Alter
- Spezielle Histologien des Primärtumors à z.B. Keimzelltumor, Mamma-Ca
Definition psychogener Störung
- Körperliche Symptome, für die keine organische Ursache feststellbar ist
- Ausdruck einer zumeist unbewussten psychischen Problematik
- Präsentation des körperlich-neurologischen Symptoms erleichtert den zugrundeliegenden psychischen Konflikt, ohne dass dies dem Betroffenen bewusst ist.
- Häufige Symptome: (à keine Simulation oder Aggravation!)
- Gang- & Standstörungen (Abasie, Astasie)
- Paresen
- Anfälle
- Aphonie
- Sensible Störungen
- Blindheit
- Schwindel
- Hyperkinesen
Dissoziative Störung
- Synonym: Konversionsstörung
- Teilweise oder völliger Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen
Epidemiologie
- Vermeintlich gehäuft vor Beginn bzw. am Anfang des 3. Lebensjahrzehnts
- Im Alter als Erstmanifestation selten
- Männer : Frauen – Studien belegen 1 : 2 – 15-fach mehr Frauen betroffen
- Ungünstig sind elterliche Zurückweisung und fehlende emotionale Unterstützung durch die Eltern in der Vorgeschichte (broken home)
- Komorbidität mit traumatisierenden Erlebnissen
- Hohe Komorbidität zu Persönlichkeitsstörungen, Depression & Angsterkrankungen
Prinzipien der Behandlung der dissoziativen Störung
- Klarheit über die somatische Ausschlussdiagnostik
- Vorsichtige Aufklärung des Patienten über die psychischen Aspekte seiner Störung – Angst, Stress, Vulnerabilität
- Einleitung einer symptomorientierten Behandlung, die die Symptomrepräsentation und den somatischen Beschwerdedruck der Patienten respektiert (z.B. Physio)
- Positive Verstärkung bei Verbesserung der Symptome, damit der Pat. keinen weiteren „Gesichtsverlust“ erleidet, wenn die Symptomatik weniger wird.
- Durch diese „Brückenbildung“ kann es ihm möglich werden, das Symptom aufzugeben, ohne dass psychische Abwehrmechanismen in Gang gesetzt werden.
Pathophysiologie des Schwindels
- Stimmen alle zentral zusammenlaufenden Informationen mit früheren Erfahrungen überein, empfinden wir dies als normal und es wird uns als Selbstverständlichkeit nicht bewusst.
- Widersprechen die Informationen früheren Erfahrungen, so kommt es zu Schwindel.
- Man spricht vom sogenannten „Mismatch-Konzept“.
- Hält dies längere Zeit an, so kommt es zu Unwohlsein, evtl. Angst sowie zu vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Schwitzen, Speichelfluss oder Erbrechen.
Was ist der Kopf-Impuls-Test Halmagyi und wofür nutzen Sie ihn?
Testet die vestibuläre Funktion. (Nystagmus bei Passiver Kopfdrehung)
Entstehung, Symptomatik & Therapie der Neuritis vestibularis
Ursache: unklar, vmtl. Viral bedingte Entzündung des 8. Hirnnerven & Labyrinth
Klinik
- Plötzlicher Drehschwindel über Tage (bis Wochen)
- Übelkeit, Erbrechen
- Fallneigung zur betroffenen Seite
- Horizontaler, leicht rotierender Nystagmus zur nicht betroffenen Seite
Therapie
- Zu Beginn bei starker Übelkeit Bettruhe einhalten
- Antivertiginosa für die ersten 2-3 Tage (dann absetzen, um Adaptationsmechanismen nicht zu behindern)
- PT mit Übungsbehandlungen zur Förderung der zentralen Kompensationsmechanismen: Kopf- & Kippbewegungen, Gang- & Standübungen
- Glukokorikoidgabe möglich, jedoch umstritten
Vestibuläre Trainingsprogramme
- Willkürliche Augenbewegungen & Fixationsübungen zur Verbesserung der gestörten Blickstabilisation
- Aktive Kopfbewegungen um unterschiedliche Drehachsen zur Neueichung des vestibulo-okulären Reflexes
- Balance-, Zielbewegungs- & Gehübungen zur Verbesserung der vestibulo-spinalen Haltungsregulation & Zielmotorik
- Diese Übungen beschleunigen nachgewiesen die zentral-vestibuläre Kompensation (Gegenrechnung durch zentrale Funktionseinheiten – Kleinhirn, Basalganglien, etc.)
Symptomatik des M. Menière
Ursache
- Endolymphatische Labyrinthanschwellung mit periodischen Rupturen der Trennmembran zwischen Endo- & Perilymphraum und Schädigung der vestibulären & kochleären Haarzellen
Klinik
- Drehschwindel-Episoden ohne Auslöser (für Minuten bis Stunden)
- Verbunden mit Tinnitus, Druckgefühl im betroffenen Ohr, Hypakusis, Übelkeit & Erbrechen
- Im Anfall heftiger horizontaler/rotierender Nystagmus zur betroffenen Seite
- In der Ausfallphase horizontaler Nystagmus zur nicht betroffenen Seite.
Entstehung & Symptomatik des phobischen Schwankschwindels
- Zweithäufigste Schwindel-Form
- Symptomatik:
- Subjektive Stand- & Gangunsicherheit, zumeist als Attacken, oft ohne Auslöser
- Benommenheit mit attackenartiger Fallangst ohne Stürze
- Auftreten in bestimmten Situationen (im Kaufhaus, auf leeren Plätzen, Brücken, etc.)
- Generalisierungstendenz und Vermeidungsverhalten, Angst
- Meist findet sich ein spezifischer Schwindel (z.B. benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel) in der Vorgeschichte.
- Auch bei einer primär organischen Erkrankung (z.B. Neuritis vestibularis) treten mit der Zeit psychogene Schwindelanteile auf à 30-50% weisen eine psychische Mitbeteiligung auf