Molekulare Zellbiologie II (Zytologie)
Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH
Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH
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Lernkarten
Lernziele "Zellmorphologie"
Auflösung von Auge - LM - EM
· \(^{\space \mathrm{Auge}}_{0.2 \space mm} \space \xrightarrow{\mathrm{x} \space 1000} \space ^{\space \space \space \mathrm{LM}}_{200 \space nm} \space \xrightarrow{\mathrm{x} \space 1000} \space ^{\space \space \space \mathrm{EM}}_{0.2 \space nm} \)
· sichtbar im LM: Pflanzenzelle > Tierzelle > Bakterium
· sichtbar im EM: Virus > Ribosom > globuläres Protein > kleines Molekül (> Atom)
Vergrösserung vs Auflösung
· Vergrösserung: um wieviel ein Bild vergrössert wurde
· Auflösung: Mass, wie gut kleinste Details eines Bildes unterschieden werden können
· Solange die Auflösung eines Bildes begrenzt ist, gibt eine Vergrösserung des Bildes keine neue Information
maximale Auflösung des LM
· Objekte, die kleiner sind als die halbe Wellenlänge des sichtbaren Lichts, sind nicht sichbar im LM
· praktisch ist die Auflösung auch durch die Linsenqualität limitiert
→ mit dem LM sind keine Objekte < 200nm sichtbar
maximale Auflösung des EM
· Objekte, die kleiner sind als die halbe Wellenlänge der Elektronen, sind nicht sichbar im EM
· Elektronen haben eine 1000x kleinere Wellenlänge als sichtbares Licht
→ mit dem EM sind keine Objekte < 0.2 nm sichtbar
Elemente des Lichtmikroskops
· helle Lichtquelle, die mit einer Sammellinse auf die Probe gebündelt wird
· sehr dünne Probe, die lichtdurchlässig ist
· Optik um das Bild auf das Auge zu fokussieren
Herstellung einer Probe
· Gewebe entnehmen → fixieren → dehydrieren → clearing → in Paraffin einschliessen → zerschneiden → einfärben
· Fixation: alle biochemischen Reaktionen stoppen / Probe vor Zerfall schützen / normalerweise mit Aldehyden
· Dehydratation: Alkoholbäder um Wasser zu entziehen
· Clearing: Xylolbad um Alkohol zu entfernen
· Einbettung in Paraffin: Härten des Gewebes / ermöglicht die Probe in dünne Scheibe zu zerschneiden
· Zerschneidung: mittels Microtom / 2 - 10 µm für LM / 40 - 100 nm für EM
· Einfärbung: Rehydratation in verdünnten Alkoholbädern / Zugeben von Färblösungen
Immunfärbung
· erste Antikörper binden an Mikrotubuli
· zweite Antikörper, die mit Fluoreszenzfarbstoff verbunden sind, können an erste Antikörper binden
Definition der Zelle
· Eine Zelle ist die strukturelle, funktionelle und biologische Grundeinheit aller bekannten lebenden Organismen
· automone Grundeinheit mit Selbstreplikationsmöglichkeit / es gibt Einzeller und mehrzellige Organismen
Prokaryoten vs Eukaryoten
· sphärische, stabförmige oder spirale Form / viele verschiedene Formen
· klein (wenige µm lang) / grösser als Prokaryoten
· ein Kompartiment mit Cytoplasma und DNA / Cytoplasma mit Zellkern und Zellorganellen
· Zellwand um die Plasmamembran / weiter entwickelt als Prokaryoten
Grössenvergleich von Zellen / Bakterien / Viren
Zelle ~ Haus
Bakterium ~ Velo
Virus ~ Maus
Zellmembran
· besteht aus einer 5nm (6-10nm) dicken Lipiddoppelschicht (enthält Proteine)
· bildet Barriere zwischen Cytoplasma und Extrazellulärraum
· Prokaryoten besitzen im Gegensatz zu den Eukaryoten nur eine Plasmamembran (Zellmembran)
· Lipide werden immer von der Cytosol-Seite in die Membran eingefügt
→ Flippasen transferieren Lipide auf die andere Seite der Lipiddoppelschicht
Arten von Membranproteinen
· Transportproteine (Stofftransport zwischen Cytoplasma und ECR)
· Ankerproteine (mit Zytoskelett verbunden / wichtig für die Zellform)
· Rezeptorproteine (Bindung von extrazellulären Botenstoffen erzeugt intrazelluläres Signal)
· Enzyme (katalysieren Produktion von intrazellulären Molekülen aufgrund von spezifischen Signalen)
Glykokalyx
· fusselige Schicht auf der Aussenseite der Zelle
· besteht aus hydrophilen Polysacchariden, die an Lipide oder Proteine gebunden sind
· beteiligt an der Interzellulären Erkennung / Kommunikation / Zelladhäsion
Einfluss von Alkohol auf die Zellmembran
· die Fluidität der Lipiddoppelschicht wird durch Alkohol erhöht
→ es werden Cholesterin-Moleküle eingebaut, damit die Fluidität konstant bleibt
→ damit die Membran weiterhin funktioniert und nicht steif wird, muss regelmässige Alkohol konsumiert werden
Intermediärfilamente
· Durchmesser: 10nm
· Form: seilartige Fasern / aus Tetrameren aufgebaut
· Lage: durchspannen das Cytoplasma von einer Zell-Verbindung zur anderen
· mechanische Eigenschaften: fibrös / Scherkraft-resistent
· Funktion: machen Zellen resistent gegen mechanische Belastung
· Weiteres: besitzen keine Polarität / binden keine Nukleotide
· Pathologie: Schmetterlingskinder (Epidermolysis bullosa / die Zellen haften nicht mehr aneinander)
Mikrotubuli
· Durchmesser: 25nm
· Form: Hohlzylinder aus 13 Protofilamenten / aus α- und β-tubulin Heterodimeren aufgebaut
· Lage: sind meistens mit dem (-)-Ende am Zentrosom befestigt
· Funktion: ermöglichen die intrazelluläre Organisation
· Weiteres: besitzen Polarität / binden GTP und GDP
· Pathologie: Alzheimer (Bindung von Tau in NeuroFibrillaryTangles destabilisiert Mikrotubuli)
Zellkern
· Form und Grösse variiert je nach Zellart
· Aufbau: Kernhülle (Lipiddoppelschicht) mit Kernporen / Nucleolus / Chromatin
· Kernhülle: äussere Membran geht ins ER über / innere Membran ist mit einer Lamina bedeckt
· Kernporen: Proteinkomplex mit ~100 Proteinen / 3000-4000 Poren pro Kern / aktiver und passiver Transport
· Nucleolus: 1-2 Nucleoli pro Zellkern / Ort der Ribosomsynthese / gut sichtbar in Zellen mit hoher Synth.-aktivität
· Chromatin: DNA + RNA + Proteine (Histone + nicht-Histone)
Membrantransport (Zellkern)
· passiver Transport (für Moleküle < 9nm / 60 kDa)
· aktiver Transport
Chromatin
· DNA + RNA + Proteine (Histone + nicht-Histone)
· Histone: Beinflussen die 3D-Struktur der DNA
· nicht-Histone: Proteine für die Replikation, Reparation und Transkription der DNA
· Euchromatin: aktives Chromatin (im EM hell)
· Heterochromatin: inaktives Chromatin (im EM dunkel)
Ribosom
· Protein-Synthese-Komplex
· Aufbau: besteht aus ~80 Proteinen und 4 rRNAs
· grosse Untereinheit: ~49 Proteine und 3 rRNAs
· kleine Untereinheit: ~33 Proteine und 1 rRNA
· Arten von Ribosomen:
· frei im Zytoplasma (cytosolische Proteinsynthese)
· an die ER-Membran / Zellkern gebunden (Membransynthese / Sekret-Protein-Synthese)
Endoplasmatisches Retikulum
· enthält 50% der gesamten Zellmembranen
· besteht aus zwei separaten Membrannetzwerken:
· plattes rauhes ER (Produktion / Faltung / Qualitätskontrolle von Proteinen) mit Ribosomen
· röhrenartiges glattes ER (Produktion von Lipiden (Fett) und Steroidhormone / Entgiftung) ohne Ribosomen
Golgi-Apparat
· befindet sich in der Nähe des ER
· erhält Proteine und Lipide vom ER und modifiziert / sortiert / konzentriert diese und verpackt sie in Vesikel
· konvexe cis - Seite ist dem rER zugewandt
· trans - Seite ist konkav
· Einfärbung:
· cis - Seite: Osmiumtetroxid
· trans - Seite: Dinucleotide Polyphosphate
· zentrales Netzwerk: saure Phosphatase
Lysosom
· mit hydrolytischen Enzymen* gefüllte Vesikel (ø 0.5µm), die Zellkomponenten und extrazelluläre Materialen abbauen
· Digestion (Verdauung) findet unter sauren Bedingungen (pH ~5) statt
· Enzyme sind stark glykosyliert → Schutz vor Denaturierung
· zwei Arten: konventionelle Lysosomen (ubiquitär) / sekretorische Lysosomen (in T-Lymphozyten)
* Phosphatasen / Nucleasen / Proteasen / Kollagenasen / Esterasen (für Fette) / Glycosidase / ... (~40 Typen)
→ werden im ER produziert und im Golgi-Apparat modifiziert
Mitochondrium
· Energie produzierendes, wurmartiges Zellorganell (0.5 x 1 µm)
· besteht aus 4 Kompartimenten:
· Matrix: enthält Proteine, mitochondriale DNA und Enzyme
· innere Membran: gefaltet (bildet Cristae) / enthält Enzyme für ATP-Synthese
· äussere Membran: die vielen Porine erlauben Permeabilität für Moleküle < 5000 Da
· Intermembranraum: Ort der H+ - Anreicherung für die ATP-Synthese / enthält Cytochrom C + Adenylat-Kinase
· können sich innert 6 Sekunden teilen oder miteinander verschmelzen
· zeigen viele Ähnlichkeiten mit Bakterien
· der Mensch besitzt nur mtDNA der Mutter (wichtig in der forensischen Medizin)
· mtDNA enthält nur 37 Gene (Genom eines Bakteriums enthält ~1000 Gene)
· 13 Gene für Proteine / 22 für tRNA / 2 für rRNA
Peroxisom
· baut mit Hilfe von Enzymen Wasserstoffperoxid zu Wasser ab
Lernziele "Proteinsortierung"
Proteinsortierung
· die Destination von synthetisierten Proteinen hängt von der AS-Sequenz ab
→ Signalsequenzen weisen Proteine dem Nucleus, den Organellen oder dem ER zu
→ Proteine ohne Signalsequenzen bleiben im Zytosol
· Auswahl von Signalsequenzen:
· Blöcke aus neutralen AS (durch saure AS getrennt) am N-Terminus → Mitochondrium-Import
· Block aus hydrophoben AS am N-Terminus → ER-Import
· Block aus sauren AS → Zellkern-Import
· -Ser-Lys-Leu- → Peroxisom-Import
· -Lys-Asp-Glu-Leu-COO- → Retention im ER-Lumen ("KDEL-Sequenz")
Proteinsortierung (zytosolische Proteine)
· ohne Signalsequenz
· Lokalisation im Zytoplasma ist abhängig von Interaktionen / posttranslationalen Modifikationen*
* postranslationale Modifikationen (Beispiele):
· Prenylierung (Addition eines hydrophoben Moleküls / erleichtert Bindung an Zellmembranen)
· Acylierung von Fettsäuren (Addition von Fettsäuren an bestimmte Aminosäuren)
→ Proteine können als Membranproteine fungieren
Proteinsortierung (mitochondriale Proteine)
· mitochondriale Signal-Sequenz
· Ablauf des Proteinimports:
· Sekundärstruktur des Proteins wird durch Hitzeschockprotein (Hsc70 / ähnlich wie Chaperone) geschützt
→ Proteine werden ungefaltet importiert
· Importrezeptor bindet an Importpore (Tom 40 / Translocase of the Outer Mitochondrial membrane)
· Importpore bindet an Pore der inneren Membran (Tim 23 / Translocase of the Inner Mitochondrial membrane)
· Protein (ohne cytosolisches Hsc70) wird importiert und mit Hsc70 der mitochondrialen Matrix geschützt
· Signal-Sequenz wird abgeschnitten
Proteinsortierung (peroxisomale Proteine)
· peroxisomale Signal-Sequenz
· Ablauf des Proteinimports:
· Protein bindet an cytosolischen Rezeptor (→ Unterschied zum mitochondrialen Import)
· Rezeptor bindet mit Protein an ein peroxisomales Membranprotein
· Protein wird über ein Translokationskomplex in das Peroxisom eingeschleust
→ bei einer Fehlfunktion kommt es zum "Zellweger Syndrom" → Fettsäuren werden nicht mehr abgebaut
→ Multi-Organ-Versagen
Proteinsortierung (nukleäre Proteine)
· nukleäre Signal-Sequenz
· Ablauf des Proteinimports:
1. Protein bindet an Rezeptor
2. aktiver Transport von Protein + Rezeptor durch die Kernporen
3. Ran-GTP bindet an Rezeptor → Protein dissoziiert vom Rezeptor
4. Rezeptor-GTP-Komplex verlässt Zellkern
5. GTP wird hydrolisiert und GDP dissoziiert vom Rezeptor