Molekulare Zellbiologie II (Histologie)

Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH

Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH


F. M.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die molekulare Zellbiologie und Histologie auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Struktur und Funktion von Zellen, insbesondere auf Zelltypen wie Epithelien, Bindegewebe, Knorpel und Knochen. Die Karteikarten behandeln auch die Bildung und Eigenschaften von Fasern, die Rolle der extrazellulären Matrix (ECM) und die Interaktionen zwischen Zelladhäsionsmolekülen. Sie sind besonders nützlich für Medizinstudenten, die ein tiefes Verständnis der zellulären und histologischen Grundlagen benötigen, um die komplexen Prozesse im menschlichen Körper zu verstehen.
Karten
191
Lernende
8
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
19.03.2016 / 01.06.2024

Cartes-fiches

Drüsen(epithelien)

· eine oder mehrere Zellen, die ein bestimmtes Produkt bilden und nach extrazellulär abgeben (sezernieren)

· alle Drüsen leiten sich von Epithelien ab

 

Einteilung der Drüsen

· nach Sekretionsrichtung:

  · endokrin (nach innen / in die ECM / = Hormondrüsen)

  · exokrin (nach aussen / an die Oberfläche)

 

· nach Sektretionsart:

  · Merokrin / Ekkrin

  · Apokrin

  · Holokrin

 

· nach Lokalisation:

  · endoepitheliale Drüsen (einzellige / mehrzellige intraepitheliale Drüsen)

  · exoepitheliale Drüsen (mehrzellige extraepitheliale Drüsen)

 

· nach Art des Sekrets:

  · seröse Drüse (wässriges Sekret)

  · muköse Drüse (schleimiges Sekret)

  · gemischte Drüse

 

· nach Form des Drüsenendstückes:

  · tubulös

  · azinös

  · alveolär

 

· nach Art des Drüsenausführungsganges:

  · einfach tubulös

  · verzweigt tubulös

  · einfach tubulös gewunden

  · verzweigt tubulös gewunden

  · gemischt alveolär

 

· nach Zahl der Zellen:

  · unizellulär (z.B. Becherzellen)

  · multizellulär (z.B. Speicheldrüsen / Bronchialdrüsen)

Sektretionsvorgang

· Aufnahme → Synthese → Modifikaiton → Sortierung → Speicherung → Abgabe

merokrine Sekretion

· häufigste Sekretionsart (v.a. proteinhaltige Sekrete)

· minimaler Verlust von Zellbestandteilen

· Sekretabgabe über Exozytose (Membran der Sekretgranula verschmilzt mit der apikalen Plasmamebran / wird über Endozytose wieder in das Zytoplasma aufgenommen)

· Vorkommen: Schweissdrüsen / Speicheldrüsen / Brustdrüsen (Kasein) / exokrines Pankreas (Zymogen)

ekkrine Sekretion

· Sekretion einzelner Moleküle bzw. Ionen, denen Wasser aus osmotischen Gründen folgt

  → kein Verlust von Zellbestandteilen

· Vorkommen: Schweissdrüsen

apokrine Sekretion

· das am apikalen Pol angesammelte Sekretionsprodukt wird durch Apozytose abgegeben

  → die apikale Membran löst sich während der Abschnürung und umhüllt das Sekretionsprodukt

· Drüsenzelle kann einen neuen Sekretionszyklus durchgehen, weil Zellkern und Organellen erhalten bleiben

· Vorkommen: Duftdrüsen / Brustdrüse (Fette) / Prostata

holokrine Sekretion

· Zytoplasma füllt sich mit Sekretionsprodukt

  → Zelle degeneriert und zerfällt (Apoptose)

· Vorkommen: Talgdrüsen

Einteilung der Drüsen nach Lokalisation

s. Bild

seröse Drüse

· Abgabe eines wässrigen Sekrets

· Zellen der Endstücke sind pyramidenförmig und grenzen ein kaum erkennbares Lumen ein

· Zellkern ist rundlich und liegt parabasal

· Sekretgranula befinden sich am apikalen Pol

· basales Drittel ist durch ein stark entwickeltes Ergastoplasma (rER) basophil

muköse Drüse

· Abgabe eines schleimigen Sekrets

· Zellen der Endstücke sind gross und grenzen ein gut erkennbares Lumen ein

· Zellkern ist oval und liegt (wie die Organellen) basal

· Zelle besteht an der apikalen Seite zu 4/5 aus muzigenen Kugeln (Vorläufer des Mukus) → helles Zytoplasma

· basales Drittel ist durch ein stark entwickeltes Ergastoplasma (rER) basophil

gemischte Drüsen

· seromukös: v.a. serös

· mukoserös: v.a. mukös

· nur bei exokrinen Drüsen

· Vorkommen: v.a. bei Speicheldrüsen / Ohrspeicheldrüse

 

· seröse Drüsen bilden oft eine Kappe (Ebner'scher Halbmond) um muköse Drüsen

  → Mukus wird verdünnt und muköse Kanäle werden gespült

Myoepithelzellen

· kontraktile Zelle (erleichtert Drüsensekretion in den Ausführungsgang)

· um Drüsenendstücke gelegen / zwischen Basalmembran und Drüsenzellen

· Vorkommen: Speicheldrüsen / Schweissdrüsen

Einteilung der Drüsen nach Art des Drüsenausführungsganges

A:  einfach tubulös (Magen)

B:  verzweigt tubulös (Magen)

C:  einfach tubulös gewunden (ekkrine Schweissdrüse)

D:  verzweigt tubulös gewunden (Meibom'sche Drüse)

E:  gemischt alveolär (Parotis = Ohrspeicheldrüse)

Einteilung der Drüsen nach Art des Drüsenendstückes

A:  tubulös (Magendrüsen)

B:  azinös (Parotis / Pankreas)

C:  alveolär (apokrine Schweissdrüsen / Brustdrüse)

Zusammengesetzte Drüse

s. Bild

Lernziele "Bindegewebe"

Bindegewebe vs. Stützgewebe

· Gemeinsamkeiten:

  · ECM ist quantitativ die dominierende Komponente

  · ECM trägt wesentlich zu den funktionellen Eigenschaften des Gewebes bei

 

· nur Bindegewebe:

  · mechanische Belastbarkeit von Organen

  · verbindendes Gewebe (Sehnen und Bänder)

  · "Füllstoff" und Diffusionsmedium

Zellen des Bindegewebes

· klassische Bindegewebszellen:

  · fixe Zellen (ortsgebunden / Fibroblasten und Fettzellen)

  · freie Zellen (beweglich, mobil / Makrophagen und Mastzellen)

 

· Zellen anderer Systeme, die aber im Bindegewebe ihre Funktion ausüben:

  · Zellen des Immunsystems

  · Blutzellen

Fibroblasten

· langlebige Zellen, welche die Komponenten der ECM bilden

 

· ruhend: Fibrozyt (kleiner, dunkler, länglich, eckiger Kern / wenig Zytoplasma / Zell-Zell-Kontakte zu anderen Fibrozyten)

· aktiv: Fibroblast (heller Kern = aktiv / viel Zytoplasma / grosses rER und Golgi-Apparat)

Mastzellen

· helfen Immunzellen an den richtigen Ort zu führen

· stark basophile Granula (können ausgeschüttet werden → Entzündungsmediator)

Makrophagen

· entstehen aus den Monozyten des Blutes (Stammzellen im Knochenmark / wandern in die Bindegewebe)

· grosse Zellen / grosser, heller Zellkern

· phagozytierende Zellen (→ viele Lysosomen / ausgeprägter Golgi-Apparat)

· besitzen Pseudopodien (Scheinfüsschen / Filo- und Lamellipodien) zur Fortbewegung und Detektion

· interagieren mit dem Immunsystem / können Signal-Proteine (Wachstumsfaktoren) abgeben

Kollagen-Synthese (unvollständig!)

· Synthese durch Fibroblasten in Form von Prokollagen

Kollagen

· dominierender Bindegewebstyp im Körper (> 20 Typen)

· zugbelastbare Fasern / Bindung von Wachstumsfaktoren und Zytokinen

· Unterschied zu Keratinen: Tripelhelixstruktur / Bestandteil der ECM / kaum Disulfidbrücken, aber Quervernetzung

· Typ I:    häufigstes Kollagen (im Knochen / kollagenem Bindegewebe) / dicke Fibrillen

· Typ II:   extrem feine Fasern (im Knorpel / Glaskörper des Auges)

· Typ III:  bildet retikuläre (netzartige) Fasern (in der Lamina fibroreticularis)

· Typ IV:  bildet komplexe 2D-Netzwerke (in der Lamina densa der Basalmembran)

 

· Typ V:    bildet Heterofibrillen mit Typ I (in der Lunge / Fibroblasten / Knochen)

· Typ VI :  über viele Disulfid-Brücken verknüpft (Hauptbestandteil der Mikrofibrillen / ubiquitär)

· Typ VII:  längstes Kollagenmolekül (~400nm / in der Haut / verbindet Basalmembran der Epidermis mit Dermis)

· Typ VIII: bildet hexagonale Netzwerke (in Endothelzellen)

· Typ IX:   bildet Hereofibrillen mit Typ II (im Knorpel / Glaskörper)

Kollagenfasern

· Kollagen-Fibrillen (verschiedener Kollagentypen) assoziieren zu Fasern (Verbindung durch FACIT*-Kollagene / Glycoproteine / Glycosaminoglykane)

· zugfest (mehrere kg / mm2) aber nicht dehnbar (5%)

· 1 - 10µm ø

 

* Fibril Associated Collagens with Interrupted Triple helices

Elastin

· Strukturprotein / elastisches Faserprotein

· besteht aus vernetzten Tropoelastin-Einheiten

· wegen dem hydrophoben Effekt ist der relaxierte Zustand energetisch günstiger (da viele hydrophobe AS)

elastische Fasern

· bestehen aus Elastin (elastische Komponente) und Fibrillin (strukturelle Komponente)

· dehnbar auf 150 %

· 1 - 4µm ø

· strukturelle Vielfalt / hat Anteil an vielen Geweben

Grundsubstanz

· Grundsubstanz = Glykosaminoglykane (GAG) + Proteoglykane (PG)     (+ Adhäsionsproteine)

  · bis auf die Hyaluronsäure sind GAGs an Proteine gebunden → Proteoglykane

  · Hyaluronan bindet über Linker-Proteine an Proteoglykane → vernetzte Hyaluronan-Proteoglykan-Domänen (3D-Struktur)

· ungeformter Teil der ECM (ECM = Fasern + Grundsubstanz)

· erscheint im LM hell

Einteilung der Bindegewebe

· nach Fasertyp:

  · elastisches / retikuläres / kollagenes Bindegewebe (letzteres oft mit retikulärem oder elastischem Anteil)

 

· nach Dichte der kollagenen Fasern:

  · lockeres (fein-fibrilläres) kollagenes Bindegewebe / straffes kollagenes Bindegewebe

 

· nach Orientierung der Kollagenfasern:

  · geflechtartiges kollagenes Bindegewebe / parallelfaseriges kollagenes Bindegewebe

 

· Sonderformen: mesenchymales und spinozelluläres Bindegewebe

elastisches Bindegewebe

· selten

· Vorkommen: 

  · Lig. nuchae / Nackenband

  · Lig. flava (gelbe Bänder) 

  · Lig. vocale (hoher Anteil elastischer Fasern)

retikuläres Bindegewebe

· aus Kollagen Typ III (→ kollagenes Bindegewebe)

· Fibroblasten ≈ Retikulumzellen / fibroblastische Retikulumzellen

· lockeres 3D-Geflecht

· Vorkommen: Knochenmark / Leber / Lymphknoten / Milz

geflechtartiges Bindegewebe

· v.a. Kollagen Typ I

· lockeres oder straffes Bindegewebe

· mikroskopisch keine klar dominante Faser-Orientierung

  · bei straffen Geweben ist makroskopisch eine überwiegende Orientierung erkennbar (»lines of greatest tension«)

 

· lockeres, geflechtartiges Bindegewebe bildet meistens

  · das Interstitium der Organe

  · eine Verschiebeschicht zwischen Organen und anderen Geweben

parallelfaseriges Bindegewebe

· Kollagen Typ I

· fast immer straffes Bindegewebe

· mechanische Belastung entlang des Faserverlaufes 

Struktur der Sehnen

· Tendinozyten / Flügelzellen = Fibroblasten der Sehnen

· gewellter Verlauf der Fasern im entspannten Zustand (→ Dehnungsreserve)

 

Aufbau (Peritendinea bestehen aus kollagenem Bindegewebe):

· Peritendineum internum: schliesst Sehnenfasern zu einem Bündel zusammen / enthält Nerven und kleine Gefässe

· Peritendineum externum: schliesst mehrere Faserbündel zusammen / enthält Nerven und grössere Gefässe

· Paratendineum: umgibt die Sehne und grenzt sie gegen die Sehnenscheide ab

Mesenchymales Bindegewebe

· typisch: keine Fasern / v.a. Grundsubstanz → Grundsubstanz bildet den dominanten Anteil der ECM

· Mesenchymzellen sind oft pluripotent ( Differenzierung zu z.B. Bindegewebe / Muskeln / ... )

· in adulten Individuen als Gewebe nur in der Pulpahöhle der Zähne

Spinozelluläres Bindegewebe

· sehr wenig ECM (ECM besteht v.a. aus Kollagen Typ III)

· parallel angeordnete, längliche Fibroblasten

· Vorkommen: in der Rinde des Ovars

Lernziele "Knorpelgewebe"

Knorpelgewebe

· gehört mit dem Knochen zum Stützgewebe (spezialisiertes Bindegewebe)

· ist fest aber druckelastisch

· hat keine freien Zellen wie Bindegewebe (nur fixe Zellen)

· hat keine Blut- oder Lymphgefässe / keine Innervation

· ist während der Entwicklung schnellwachsend

Zellen des Knorpelgewebes

· Chondrozyten / Chondroblasten

· haben keine Kontakte zu anderen Chondrozyten (vollständig von Matrix umgeben / liegen in Lakunen)

· niedriger / v.a. anaerober Stoffwechsel

ECM des Knorpelgewebes

· 40% der Trockensubstanz besteht aus kollagenen Fasern (und elastischen, im elastischen Knorpel) 

· v.a. Kollagen Typ II (gleicher Brechungsindex wie Grundsubstanz → im LM nicht sichtbar)

· stark hydrierte Proteoglykane (v.a. Aggrecan) fangen Druck auf (→ Druckelastizität)

Chondrone

· Chondron = Gruppe von Chondrozyten + umgebende Matrix

· alle Zellen eines Chondrons bilden eine isogene Gruppe (sind aus einer Folge von Zellteilungen entstanden)

 

· Perizelluläre Matrix (Knorpelkapsel): Kollagenfibrillen-arme Zone in unmittelbarer Nähe der Chondrozyten

· Territoriale Matrix (Knorpelhof): fibrillenreicher als perizelluläre Matrix / mehr GAGs

· Interterritoriale Matrix: fibrillenreicher als territoriale Matrix / Raum zwischen den Chondronen

Study