Molekulare Zellbiologie I (Schuler)
Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH
Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH
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Cartes-fiches
Stärke
· Energiereserve der Pflanzen
· mengenmässig wichtigster Nahrungsbestandteil
· besteht aus zwei Glucosepolymeren:
· Amylose (langes, unverzweigtes, schraubenförmiges Polymer aus D-Glucoseeinheiten / 103 - 106 Da)
· Amylopektin (stark verzweigt, ähnlich wie Glykogen / ca. 106 Da)
Strukturhomoglykane
· Homoglykane, die in biologischen Strukturen vorkommen
· Hauptbestandteil der Biomasse
· Beispiele:
· Cellulose (wichtigste organische Verbindung)
· Chitin
Cellulose
· macht 50% des totalen organisch gebundenen Kohlenstoffs aus (ohne fossile Kohlenwasserstoffe)
· faserige, feste, wasserunlösliche Substanz
· lineares Homoglykan (Homopolysaccharid) mit β-Konfiguration
· stabile Netzwerke über H-Brücken
· höhere tierische Organismen können Cellulose nicht verwerten (Ausnahme: Wiederkäuer und symb. mit ~µOrg.)
· kommt fast ausschliesslich extrazellulär in den Zellwänden von Pflanzen und holz. Teilen der Pflanzengewebe vor
· macht ca. 50 % des organischen Materials des Holzes aus
Chitin
· Strukturhomoglykan, das Exoskelett von Insekten und Schalentieren bildet
· unverzweigte Ketten mit β-Konfiguration
Heteroglykane
· enthalten mindestens zwei verschiene Monosaccharideinheiten
· oft mit Proteinen / Peptiden / Lipiden verknüpft → Einteilung der Heteroglykane
· grosse Vielfalt weil Heterozucker und Verknüpfungsmöglichkeit mit anderen Biomolekülen
Einteilung der Heteroglykane
· Glykoproteine: Oligosaccharide + verschiedene Proteine
· Proteoglykane: Glykosaminoglykane + einfache Proteinskelette (core protein) / Bildung der ECM
· Peptidoglykane: Disacch. aus N-Acetyl-glucosamin und -muraminsäure + Peptide / Bildung der bakt. Zellwand
· Glykolipide: Oligosaccharide + Ceramid oder Diacylglycerin / Bauteile zellulärer Membranen
Glykoproteine
· Kohlenhydratanteil ist klein ( < 20 Gew.% )
· entweder über O-Atom von Serin oder Threonin (O-glykosidische Verbindung)
· oder über N-Atom von Asparagin* (N-glykosidische Verbindung)
* stets mit einem Oligosaccharid verknüpft / Teil der Sequenz Asn-X-Ser bzw. Asn-X-Thr
· bekannte Funktionen sind:
· Proteinorientierung in der Membran
· Qualitätskontrolle in der Proteinfaltung
· Sortierung von Proteinen in der Zelle (Targeting)
· Interzelluläre Erkennung / Wechselwirkungen
· Beispiele:
· Immunoglobuline / Proteine der Blutgerinnung / Blutgruppensubstanzen
· einige Enzyme / Strukturproteine / Transportproteine / Hormone
Glykosaminoglykane
· bestehen aus langen Ketten von Disaccharidbausteinen
· die Zuckerbausteine enthalten saure Gruppen, weshalb die GAG auch Mucopolysaccharide genannt werden
· werden durch Glykosidasen abgebaut
Glykolipide (Zusammenfassung)
· polare Lipide (Bestandteil der Lipiddoppelschicht)
· polare Kopfgruppe enthält einen (Cerebroside) oder mehrere (Ganglioside) Zucker
Peptidoglykane
· Peptid + kurze Polysaccharide
· Bestandteile von Bakterienzellwänden (verleihen mechanische Festigkeit)
· Beispiel: Murein (in Zellwänden der Prokaryoten / Synthese wird durch Penicillin gehemmt)
Lernziele "Thermodynamische Grundlagen"
Lernziele "Thermodynamische Grundlagen"
freie Enthalpieänderung
· Gibbs-Enthalpie ΔG (Zustandsfunktion)
· ΔG ist das thermodynamische Potential eines Systems bei konstanter Temperatur und konstantem Druck
· auch Unterschiede von Wechselwirkungen beeinflussen ΔG
· ΔG < 0: spontane / exergone Reaktion (Betrag sagt jedoch nichts über die Geschwindigkeit aus)
· ΔG = 0: Reaktion befindet sich im Gleichgewicht
· ΔG > 0: endergone Reaktion / für spontanen Ablauf wird Kopplung mit einer stark exergonen Reaktion benötigt
1. Hauptsatz der Thermodynamik
· in einem geschlossenem System bleibt die Energie erhalten
2. Hauptsatz der Thermodynamik
· ein isoliertes System strebt einem Zustand maximaler Entropie zu
Standardbedingungen
Chemie vs Biochemie:
· pH = 0 / 7
· T = 25° / 25°
· p = 1 bar / 1 bar
· [Edukte] = [Produkte] = 1 mol / L
Speziell für Biochemie (ΔG' und ΔG°'):
· wässrige Lösung
· nimmt Wasser an Reaktion teil, wird c(H2O) auf 1 nominiert
· nimmt H+ oder OH- an Reaktion teil, wird [H+] auf 1 nominiert
Beispiel auf Seiten 112 / 113 im Skript
· ΔG für A + B ⇋ C + D
· \(ΔG = ΔG° + R · T ·ln{[C][D]\over [A][B]}\)
· R: universelle Gaskonstante
· T: absolute Temperatur
· im Gleichgewicht gilt: \(\Delta G° = -R·T·ln(K)\)
· eine Änderung von K um den Faktor 10 bewirkt eine Änderung von ΔG° um ±5.7 kJ/mol
Glykolyse
· Abbau von Glucose zu 2 Molekülen Pyruvat
Zusammenhang zwischen freier Enthalpie und Redoxpotential
· viele Reaktionen des Stoffwechsels sind Redoxreaktionen
· \(\Delta G' = -n·F·\Delta E'\)
· n = Anzahl an der Redoxreaktion beteiligter Elektronen
· F = Faraday Konstante
· ΔE' = Potentialdifferenz ( E(Red) - E(Ox) )
energieliefernde Reaktion
· Kopplung einer Reaktion mit stark negativen ΔG mit einer Reaktion mit ΔG > 0
· Substrat der energieliefernden Reaktion nennt man eine energiereiche Verbindung
· Beispiel:
ATP (wird intrazellulär gebildet und verbraucht / kann nicht gespeichert noch via Blutbahn transportiert werden)
\(ATP \rightarrow ADP + P_a\) (-30.5 kJ/mol)
Kinase
· Enzym, das eine Phosphatgruppe von einem NTP (Nukleosidtriphosphat) auf einen Akzeptor überträgt
Fliessgleichgewicht
· das thermodynamische Gleichgewicht bezieht sich auf ein abgeschlossenes System
→ weil man in vivo nicht das ganze Universum, sondern nur den Organismus betrachtet, liegt kein abgeschlossenes System vor
· lebende Systeme befinden sich in einer Art Gleichgewicht (Fliessgleichgewicht / steady state)
→ der Fluss von Energie und Materie durch das System ist konstant (Zufluss = Abfluss)
· Gemeinsamkeiten mit thermodynamischem GG:
· stabiler Zustand
· Richtung der Reaktion aus ΔG ersichtlich
· Unterschiede:
· Bei Fliessgleichgewichten sind alle ΔGs negativ
· Bei thermodynamischen GG muss nur die Summe der ΔGs negativ sein
→ Beispiel Glykolyse: ΔG°' = -43.4 kJ/mol vs ΔGFliessgleichgewicht = -83 kJ/mol
Lernziele "Enzymologie"
Lernziele "Enzymologie"
Lernziele "Enzymologie"
Lernziele "Enzymologie"
Enzyme
· bestehen aus Proteinen (sehr selten auch aus Ribonukleinsäuren)
· wichtige Merkmale: Spezifität (Substrat- und Reaktionsspezifität) und Regulierbarkeit
· wirken als Katalysatoren (beschleunigen und regulieren Stoffwechselreaktionen, die unter physiologischen Bedingungen zu langsam ablaufen)
· jede Einzelreaktion des Stoffwechsels wird durch ein spezifisches Enzym katalysiert
Substratbindungsstelle
· zum Substrat komplementäre Struktur des Enzyms
· Bindung des Substrats über nicht-kovalente Kräfte ( VdW / H-Brücken / ... )
aktive Stelle / aktives Zentrum
· Ort der Katalyse des Enzymsubstratkomplexes
· oft fast identisch oder überlappend mit Substratbindungsstelle
Bedeutung von Enzymen als Indikatoren für Krankheiten
· jedes Gewebe besitzt ein mehr oder weniger spezifisches Enzymmuster
→ bei Schädigung der Zellen können die entsprechenden Enzyme im Blut bestimmt werden
→ Hinweis auf die Art des geschädigten Gewebes (Beispiel: Herzinfarkt und Kreatinkinase)
Bild: Herzinfarkt (oben) und Hepatitis (unten / Leberentzündung, Gelbsucht)
Enzyme als Werkzeuge der Biotechnologie
Beispiele (Auswahl):
· Nahrungsmittelherstellung: Käseherstellung / Klären von Fruchtsäften
· Chemische Synthesen: stereospezifische Hydroxilierung von Steroiden
· Klinische Chemie: Färbung von Zellen und Gewebestrukturen in der Mikroskopie
· Gentechnologie: Schneiden von DNA
· Haushalt: bioaktive Waschmittel
Enzymklassen
· Oxidoreduktasen: Redoxreaktion (z.B. Alkoholydrogenase)
· Transferasen: Gruppenübertragung (z.B. Aspartat-Aminotransferase)
· Hydroxylasen: Hydrolysereaktion (Reaktion mit Wasser / z.B. Acetylcholinesterase)
· Lyasen: Hinzufügen / Entfernen von Gruppen zur Bildung von Doppelbindungen
· Isomerasen: Isomerisierung (intramolekulare Gruppenübertragung)
· Ligasen: Ligation (Verknüpfung) zweier Substrate auf Kosten von ATP-Hydrolyse
· Merkhilfe: Otto trifft heute Lydia in Liverpool / Over the HILL
· Enzyme mit unterschiedlicher AS-Sequenz, aber gleicher Funktion
· wichtig für individuelle, ortsunabhängige, gezielte Regulation
· Entstehungsmöglichkeiten:
· Homologie: nur geringe Unterschiede / Abstammung von gemeinsamen Vorfahren
· Oligomere Enzyme aus verschiedenen genetischen Varianten von Untereinheiten
· genetisch voneinander unabhängige Enzyme
Cofaktoren
· viele Enzyme benötigen ein Nichtprotein-Molekül (Cofaktor), um aktiv zu sein
· Apoenzym + Cofaktor = Holoenzym
· Einteilung der Cofaktoren:
· Metallionen (werden über Nahrung aufgenommen)
· kleine organische Moleküle (Coenzyme + Vitamine*)
* Vitamine sind Vorläufer für viele Coenzyme
Cosubstrate
· Cofaktoren, die für jede Enzymreaktion neu gebunden werden
· werden während der Katalyse verändert (verhalten sich wie Substrate und Produkte)
· Beispiel: NADH + NAD+
Prosthetische Gruppen
· Coenzyme / Cofaktoren, die sehr stark oder kovalent an ein Enzym / Protein gebunden sind
k vs K
· k: Geschwindigkeitskonstante
· K: Gleichgewichtskonstante
Geschwindigkeit in Abhängigkeit der freien Aktivierungsenthalpie und Temperatur