Molekulare Zellbiologie I (Schuler)

Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH

Molekulare Zellbiologie für 2. Semester Medizin UZH


F. M.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Grundlagen der molekularen Zellbiologie auf Universitätsniveau. Sie konzentrieren sich auf die Struktur und Funktion von Proteinen, Enzymkinetik, sowie verschiedene Mechanismen der Enzymregulation, einschließlich allosterischer Regulation, Kooperativität und chemischer Modifikationen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende der Biologie, die sich auf Prüfungen vorbereiten oder ihr Verständnis der molekularen Prozesse in Zellen vertiefen möchten.
Karten
186
Lernende
23
Sprache
Deutsch
Kategorie
Biologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
08.02.2016 / 13.10.2025

Cartes-fiches

pI-Werte von Proteinen

· pI liegt meistens im Bereich 5 bis 7

· Pepsin (im Magen bei pH 1.5):            2.9

· Histone (im Zellkern, binden DNA):  >10

Einfluss der Nettoladung auf ein Protein

· zu hohe Nettoladung eines Proteins führt zur Denaturierung

· kleine Ladung führt zur Stabilisation der Proteinkonformation

Bestimmung des isoelektrischen Punktes eines Proteins

· Elektrophorese (v.a. für Auftrennung von Proteingemische nach pI)

· Sobald das Protein im E-Feld nicht mehr wandert, hat der pH-Wert der Pufferlösung den isoelektrischen Punkt erreicht

· Protein wird mit Farbstoff sichtbar gemacht

Sequenzierung von Proteinen

· Edman-Abbau: chemische Methode / schrittweiser Abbau der AS / oft nur Teilsequenz analysierbar

· Massenspektrometrie: zufällige Segmentierung und Bestimmung der Molukularmassen erlauben Rekonstruktion

posttranslationale Modifikationen

· spezifische Veränderung von Seitenketten einiger AS

· Beispiele (Skript S. 39):

  · AS + Zucker

  · AS + Phosphat

  · AS + Acetylgruppe

  · AS + Methylgruppe

  · AS + Ubiquitin

  · AS + Selen

Primärstruktur

· Synonyme: Aminosäurensequenz / kovalente Struktur

· Struktur ist nur abhängig von der AS-Sequenz

· kovalente Bindungen (Peptidbindungen)

· vollständig bestimmt durch Konformation der Polypeptidkette

 

· Aminosäurensequenz wird vom N- Terminus zum C-Terminus geschrieben (Konvention)

  → Merkhilfe: Wie beim NC (Numerus Clausus)

Sekundärstruktur

· Abschnitte regelmässiger Faltung (z.B. α-Helix und β-Faltblatt)

· Stabilisation durch H-Brücken zwischen Amid- und Carbonylgruppen der Hauptkette / Hydrophober Effekt / evt. Disulfidbrücken

 

· zu 80% aus der AS-Sequenz vorhersagbar (Schwierigkeiten durch AS, die sterische Konflikte verursachen)

Tertiärstruktur

· Räumliche Gesamtstruktur einer einzelnen Peptidkette

· Stabilisation durch H-Brücken / Hydrophober Effekt / andere elektrostatische WW / evt. Disulfidbrücken (v.a. in extrazellulären Proteinen)

· Faltung ist meistens aperiodisch → keine Symmetrie

· Globuläre Proteine sind im Innern meistens apolar und aussen polar

· sehr lange Polypeptidketten bilden oft Domänen (kompakte Bereiche der Tertiärstruktur, die über "Linker" verbunden sind / enthalten typischerweise 100-150 AS / Gliederung in Domänen ist oft schon im Intron-Exon-Muster der DNA enthalten)

Quartärstruktur

· Spontane Assoziation von zwei oder mehr gefalteten Polypeptidketten zu einer oligomeren Struktur

· Stabilisation v.a. durch hydrophoben Effekt (aber auch H-Brücken, andere elektrostatische WW / Disulfidbrücken)

· Zwei Arten:

  · Globuläre Proteine (meist wasserlöslich / oligomere oder "geschlossene" Aggregate / wenige Untereinheiten)

  · Fibrilläre Proteine (oft wasserunlöslich / polymere oder "offene" Aggregate → dynamische Längenänderung durch Binden und Dissoziieren von neuen Untereinheiten)

Peptidbindung und Sekundärstruktur

Sekundärstruktur wird beeinflusst durch die drei Eigenschaften der Peptidbindung

· planare Bindung

· Mesomerie-stabilisiert → O-Atom wird zum Protonenakzeptor / N-Atom wird zum Protonen-Donator

  → H-Brücken zwischen Peptidbindungen

· Dihedralwinkel Φ und ψ werden optimiert

 

AS sind meistens "trans" verknüpft / Ausnahme: Prolin

α-Helix

· schraubenartig (helical) rechtshändig

· Stabilisiert durch H-Brücken

· AS-Reste bilden im Innern der Helix je zwei H-Brücken (parallel zur Helixachse / zwischen CO der AS n und NH der AS n+4)

· starre Ebene der Peptidbindung sind parallel zur Helixachse → Eckige Struktur mit Cα-Atomen in den Ecken

· 3.6 AS-Reste pro Umdrehung / Ganghöhe 5.4 Å

· Seitenketten sind radial nach aussen orientiert → amphiphile Helix hat hydrophile und hydrophobe Seite

 

· Prolin und Glycin sind typische "Helixbrecher" und liegen häufig am Ende eines helikalen Abschnitts

β-Faltblatt

· gebildet durch parallel- oder antiparallel-verlaufende Abschnitte der Peptidkette

· H-Brücken zwischen CO der AS n und NH der AS n+x (x ist variabel) / jeder AS-Rest im Innern bildet 2 H-Brücken

· H-Brücken stehen senkrecht zur Kettenrichtung / H-Brücken bestimmen den Abstand von 4.7 Å

· Amidgruppen (Peptidbindungen) bilden das Faltblatt (Abstand zwischen zwei AS beträgt 3.5 Å)

· Seitenketten befinden sich alternierend über und unter der Faltblattebene

· Das Faltblatt ist in der Regel etwas verdreht und bildet eine gekrümmte Ebene

β-Schlaufe

· verbinden oft Stränge des β-Faltblatts

· H-Brücke zwischen CO der AS n und NH der AS n+3

· Prolin (starrer, günstiger Winkel) und Glycin (sehr beweglich) erleichtern die Richtungsumkehr

Supersekundärstrukturen

· Zusammenlagern von α-Helices und β-Faltblättern

· Beispiel: Tripelhelix (kommt nur im Kollagen vor)

· Beispiel: Coiled Coil («Doppelwendel» aus zwei Helices / Vorkommen in Keratin / Muskelproteinen und DNA-bindende Proteine)

Myoglobin

· Sauerstoff-Speicherprotein

· besteht zu 75% aus α-Helices

Keratin

· Fibrilläres Strukturprotein

· Vorkommen als Intermediärfilamente im Zytoskelett / Bestandteile von Haaren und Horn

· Grundeinheit ist ein kleines Coiled-Coil-Dimer mit globulärer Kopfdomäne

· Es gibt keine Kristallstruktur von Keratin

Was ermöglicht die Funktion der Proteine?

· Flexibilität und Fähigkeit zur Formveränderung

· Komplementarität ↔︎ Spezifität:

  · Kooperativität vieler schwacher WW ermöglichen starke Bindung

· Flexibilität ↔︎ Funktion:

  · Moleküldynamik = permanente Fluktuationen um Durchschnittsstruktur (~Kristallstruktur)

  · Konformationsänderung = Übergang von einer definierten (aber dynamischen!) Raumstruktur in eine andere

Denaturierung von Proteinen

· drastische Formänderungen durch äussere Einflüsse führen zum Verlust der biologischen Aktivität

· Primärstruktur bleibt aber erhalten

 

· Denaturierung kann bewirkt werden durch:

  · Hohe Temperatur

  · Detergentien (z.B. Seifen, Dodecylsulfat)

  · Organische Lösungsmittel (z.B. Ethanol, Aceton)

  · Starke Säuren und Basen (z.B. Perchloressigsäure)

  · Harnstoff oder Guanidiniumsalze in hoher Konzentration

Unterschiede von denaturierten Formen und nativer Form

· viele Konformationen, wenig geordnete Strukturen vs. klar definierte räumliche Struktur

· biologisch inaktiv vs. biologisch aktiv

· schlecht wasserlöslich (exponierte hydrophobe Gruppen führen zu Aggregaten) vs. gut wasserlöslich

· leicht spaltbar durch Proteasen vs. oft resistent gegen die Einwirkung von Proteasen

reversible Denaturierung

· ist möglich, v. a. bei kleinen Proteinen

· nur unter bestimmten Bedingungen (z.B. mit Harnstoff / Guanidiumsalzen / langsamem Erwärmen)

· die native Struktur bildet sich unter geeigneten Bedingungen spontan zurück

Faltung der Proteine

· spontan

· neu synthetisierte Proteine müssen noch am Ribosom gefaltet werden, da sie sonst zu unlöslichen, inaktiven Aggregaten verklumpen können → molekulare Chaperone dienen als "Faltungshelfer"

· Aggregate werden normalerweise vom Proteasom erkannt und abgebaut

Proteinfaltungskrankheiten

· Amyloidosen

· Denaturierung oder Fehlfaltung führt zu Aggregaten

· Krankheiten wie Alzheimer / Parkinson / Rinderwahnsinn

· Es gibt noch keine effektive Therapie

Proteinstruktur und Evolution

· Proteine mit ähnlicher Funktion haben auch ähnliche AS-Sequenz (Bsp: Myoglobin und Hämoglobin)

  → Sequenzhomologie

· Proteine sollen gemeinsamen Ursprung haben und durch zufällige Mutationen* entstanden sein

 

* Arten von Mutationen:

  · Insertion (Einfügung)

  · Deletion (Eliminierung)

  · Punktmutation

  · Frameshift

molekulare Krankheiten

· verursacht durch Mutationen

· Beispiele: Sichelzellanämie (Hämoglobin verklumpt) / Brustkrebs

Lernziele "Lipide"

Eigenschaften von Lipiden

· wasserunlösliche, organische Verbindungen

· Hauptbestandteil von biologischen Membranen

· bilden grösste Energiereserve / sind eine Transportform für chemische Energie

· können als Hormone oder Vitamine wirken

· bilden einen wasserabstossenden Schutzmantel an Oberflächen

Klassifizierung von Lipiden

· es gibt keine verbindliche Klassifizierung von Lipiden

· mögliche Einteilung in Triglyceride / polare Lipide / nicht-verseifbare Lipide

Fettsäuren

· Bausteine der Triglyceride und polaren Lipide

· unverzweigte Monocarbonsäuren (oft >12 C-Atome)

· natürliche Fettsäuren:

  · meist eine gerade Anzahl C-Atome, weil sie in der Zelle aus C2-Einheiten aufgebaut werden

  · entweder gesättigt oder max. 4 Doppelbindungen (fast immer Z-Konfiguration / cis)

Transfettsäuren

· Doppelbindungen haben E-Konfiguration

· sind selten

ungesättigte Fettsäuren

· zweifach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essentiell

· erste Doppelbindung liegt meistens zwischen C9 und C10 (Δ9)

· Schmelzpunkt sinkt mit Anzahl Doppelbindungen

· mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind verkürzt

Salze der Fettsäuren

· sind nur scheinbar wasserlöslich (lagern sich in Mizellen zusammen)

· für den Transport im Blut werden freie Fettsäuren an Serumalbumin gebunden

chemische Eigenschaften von Triglyceriden

· Neutralfette (haben keine Ladung)

· sind Ester von Glycerin mit drei Fettsäuremolekülen

· sind Energiespeicher

· es kommen mehr ungesättigte als gesättigte Fettsäuren vor

Triglyceride als Energiespeicher

· bilden das Reservefett (deshalb mengenmässig grösste Gruppe der Lipide)

· werden vorwiegend im Fettgewebe gespeichert

· lassen sich gut in Zellen speichern, da sie praktisch nicht osmotisch aktiv sind

· Energiegehalt ist etwa doppelt so gross wie von Kohlenhydraten (39 kJ/g vs 17 kJ/g) 

Verseifung von Triglyceriden

· lassen sich durch alkalische Hydrolyse (Verseifung) in Glycerin und Salze von Fettsäuren (Seifen) spalten

Wachse

· sind Ester von langkettigen Fettsäuren mit langkettigen, einwertigen Alkoholen

Fette und "fettähnliche Stoffe"

· Fette: Triglyceride und Wachse

· fettähnliche Stoffe: alle anderen Lipide

polare Lipide

· enthalten einen polaren und einen unpolaren Molekülteil

· wirken als Detergentien

· bilden Hauptbestandteil der Lipiddoppelschicht von biologischen Membranen

· Unterteilung in Phospholipide und Glykolipide

Phospholipide

· ähnlicher Bau wie Triglyceride, aber dritte OH-Gruppe des Glycerins ist mit Phosphorsäure (nicht mit Fettsäure) verestert

· die Phosphorsäure ist nochmals mit einem weiteren Alkohol* verestert

 

* Cholin (in Lecithinen) / Ethanolamin (in Kephalinen) / Serin / Glycerin / Inosit

Phosphatidsäure

· Glycerinphosphatid, das keinen zusätzlichen Alkohol enthält

· Zwischenprodukt bei der Biosynthese von Glycerinphosphatiden

Sphingosinphosphatid

· Glycerin ist durch Sphingosin (langkettiger, ungesättigter Aminoalkohol) ersetzt

 

1. Aminogruppe von Sphingosin bildet mit Fettsäure ein Fettsäureamid (Ceramid)

2. entständige OH-Gruppe von Ceramid wird mit Phosphorsäure (+ Alkohol) verestert

 

· Beispiel Sphingomyelin: Phosphorsäure ist mit Cholin verestert / Membranbestandteil

Étudier