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Sprache Deutsch
Stufe Grundschule
Erstellt / Aktualisiert 19.01.2015 / 15.08.2017
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Welche Gemeinsamkeiten weisen die europäischen Länder nach Hradil/Immerfall auf?

  • ähnliche Industrialisierungs- und Automatisierungsphänomene
  • Durchsetzung v. Markt- und Geldwirtschaft
  • zunehmende Arbeitsteilung
  • Dominanz unselbständiger Erwerbsarbeit mit standardisierten Anstellungsverhältnissen
  • wachsende Produktivität
  • Durchsetzung des Nationalstaates
  • Urbanisierung
  • Einrichtung demokratischer Institutionen und wohlfahrtstaatlicher Organisationen
  • Errichtung des Massenbildungssystems
  • Verbreitung der Kleinfamilie als Standardlebensform
  • räumliche Trennung von Familie und Erwerbsarbeit
  • weitgehende Durchsetzung geschlechtsspezifischer Rollenverteilung mit der Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes und der Reproduktionstätigkeit der Frau
  • demographischer Übergang hin zu einer „sparsamen“ Bevölkerungsweise mit langer Lebenserwartung und geringen Geburtenzahlen
  • Durchsetzung eines Schichtungssystems, das an der Berufshierarchie ausgerichtet ist
  • mehr räumliche und soziale Mobilität
  • Standardisierung des Lebenslaufs in den vier Phasen: Kindheit (Familie), Jugend (Ausbildung), Erwachsensein (Erwerbstätigkeit) bzw. Hausarbeit, Alter (Rente)
  • Ausdehnung von Bürokratie und formeller Organisation in Wirtschaft, Staat und Politik
  • wohlfahrtsstaatliche Absicherung der Standardrisiken Krankheit, Unfall und Alter
  • Mehrung von Wohlstand, Bildung und Gesundheit
  • Durchsetzung von Rechtsgleichheit u.v.m.
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Welche sechs Gründe nennt Kaelble als entscheidend für die wachsende Integration Europas?

1. Seit dem 2.Wk. ist die Internationalisierung der europäischen Wirtschaft begründet auf der europäischen Integration sowie der neuen weltwirtschaftlichen Ordnung (Pax Americana), die die internationalen wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Verflechtungen erheblich weiter getrieben. Als Folge werden internationale wirtschaftliche und gesellschaftliche Verflechtungen verstärkt.

2. Einmalige Zunahme der Realeinkommen: vor allem während des Wirtschaftsbooms zw. den späten 50er und frühen 70er Jahre. Daraus folgend werden gesellschaftlichen Verflechtungen, Ferienreisen ins Ausland, Kauf ausländischer Konsumgüter, Sprachkurse im Ausland etc. erleichtert.

3. Wandel der Ausbildungsqualifikationen: Es kommt zu einer Wandlung von Volksschülergesellschaften mit schmalen akademisch gebildeten Eliten hin zu Gesellschaften mit mehrheitlich mittleren und höheren Ausbildungsqualifikationen, was zur Zunahme der Sprachkenntnisse, Interesse für Ausland (Konsumgüter, Lebensstile...) dient.

Eher europäische Gründe:

4. Transport- und Kommunikationsrevolution erleichtert den Austausch mit anderen, vor allem europäischer Gesellschaften; z.B. Auto als Massentransportmittel seit dem 2. Wk., Preiswerte Flugreisen, Telefon und Fax. Daraus folgend nimmt der Reiseverkehr in das europäische Ausland zu, Kontaktaufnahme werden kostengünstiger und erleichtert.

5. Durchsetzung der Demokratie und der liberalen Wirtschaft (seit 1945): Erleichtert Austauschbeziehungen wie z.B. politische Austauschprogramme (Schüleraustausch, Städtepartnerschaft u.ä.), führen dazu, engerer Beziehungen zw. Europäern und Meinungsträgern (Hochschullehrer, Intellektuelle,...) sowie viele enge Beziehungen zwischen Europäern zu schaffen.

6. Europäische Gemeinschaft: Nationalen Arbeitsmärkte werden geöffnet. Die Mobilität hoher Beamten, Politiker, Experten ermöglichen zwischen den europäischen Hauptstädten bzw. Brüssel unkomplizierte Aufenthaltsmöglichkeiten der Bürger innerhalb der EU sowie auch Austauschprogramme für Studenten. Folge: Verstärkung der Tendenzen von Verflechtung und Austausch.

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Welche Stationen der wirtschaftlichen Entwicklung Europas (in Bezug auf Konvergenz/Divergenz) lassen sich unterscheiden?

Hierbei lassen sich 3 Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung unterscheiden: Vorindustrielle und industrielle Phase mit Wohlstand als Fortschrittsziel. Die daurffolgende Postindustrielle Phase mit Lebensqualität als Fortschrittsziel. Nach 1970 setzte eine Modernisierungsphase mit ein, die eine Sektorverschiebung weg von der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft zeigt. Die Altindustrien (Kohle, Stahl, Schiffsbau) gerieten in eine Krise. Der Reformprozess ist noch nicht abgeschlossen und findet speziell im Osten Europas zeitversetzt statt.

Konvergenz zeigt sich in Europa durch die Modernisierung tendenziell bezüglich: der Agrarsektor schrumpft,  Säuglingssterblichkeitsrate sinkt, Lebenserwartung steigt, soziale Sicherung durch wohlfahrtsstaatliche Leistungen und Regierungen steigt, Dienstleistungssektor expandiert, Haushaltsgrößen schrumpfen, Frauenerwerbsquote steigt.

Divergenz ist nur bezüglich der nationalen Wirtschaftsleistungen (BIP) einiger Länder gegeben.

In der EU zeigt sich diese in der Konzentration der Wirtschaftskraft in der sogenannten "blue banana" und dem "sunbelt". Das sind Entwicklungszonen über Staatsgrenzen hinweg, welche entlang der Achse London - Brüssel - Mailand und Barcelona - Lyon - Mailand liegen.

Der östliche und südöstliche Raum der heutigen EU bilden einen Kreis relativ unterentwickelter Wirtschaftskraft.

  • Vor 1950: Agrarwirtschaftlich geprägt
  • 1950-1973: Beträchtliche Verringerung der Unterschiede im BIP pro Kopf zwischen den westeuropäischen Ländern (Konvergenz):

◦50er: Nachkriegszeit: De-Agrarisierung, Industrialisierung.

◦60er: Zeitpunkt der größten Konvergenz und raschestes Wachstum.

◦70er: Verlangsamung des Konvergenzprozesses, Stillstand mit Rezession.

  • Nach 70er Jahren: Umbau der Industriegesellschaften in Dienstleistungsgesellschaften. Gemischte Tendenzen, s.u.:

◦Zwischen 1985 und 1995: Erneute Abnahme des Wohlstandsgefälles zwischen den EG-Ländern (Indikator BIP) = Konvergente Tendenz

◦Seit 1989: Reagrarisierung und Rückkehr zu vormoderner Subsistenzwirtschaft in einigen Teilen Russlands und der Balkanländer = Divergente Tendenz

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Welche Länder innerhalb Europas weisen die höchsten regionalen Disparitäten auf?

1995 sind die Länder mit den höchsten Disparitäten (regionale Spreizung des BIP):

Deutschland (140 Pkt.), Österreich (92 Pkt.), Belgien (89 Pkt.) und Frankreich (84 Pkt.).

Bei der Betrachtung der Entwicklung von 1985 bis 1995 hinsichtlich des regionalen BIP und dessen Spreizung weisen Deutschland und Großbritannien die größten Veränderungen auf (D:+33 Punkte, GB:+31 Punkte).

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Wie hat sich die Mitgliedschaft in der EU für die ärmeren Länder Europas ausgewirkt?

Gesamt gesehen, eher positiv: seit den 60er Jahren nahm das Wohlstandsgefälle ab, es kam Anfang der 80er Jahre zum Stillstand, danach wieder leichter Anstieg. Es ist jedoch eien große Schwankungsbreite des BIP in den einzelnen EG-Ländern erkennbar.

Östlicher und südlicher Rand der heutigen EU (Osten Finnlands u. Deutschlands, Griechenland, Süditalien, weite Teile Spaniens und Portugals) ist jener Ring, dessen Wirtschaftskraft eher unterentwickelter ist.

Bürger der EU leben in einem Zentrum- Peripherie-Gefälle und in einem in den letzten Jahren gestiegenen Regionalgefälle.

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Welche Unterschiede bzw. welche Gemeinsamkeiten weisen die europäischen Länder in Bezug auf ihre kulturellen Grundlagen auf? TEIL 1 von 3

Kultur ist hierbei als spezifische Ordnungsmuster gemeint, die als Werte, Normen, Grund Überzeugungen handlungsorientierende Funktion, haben und sich als Routinen, Gewohnheiten, teils bewusst und unbewusst im Alltagsleben zeigen. In Europa bildete sich dieser Kulturraum aus verschiedensten kulturellen Systemen, darunter besonders Sprache, Recht, Religion, audio-visuelle Kommunikation, historische Ereignisse

Geschichte als Kulturfundus:

Noch heute für die europäische Geschichte bedeutsam: athenische Demokratie, erstmals Herrschaft des Volkes mittels Wahlen, welche kollektive Organisation schuf, und diese über die römische Republik, die Kirche + die mittelalterlichen Stände bis in die Moderne fortwirkte

Römisches Reich: Grenzziehungen nach Osten + Norden blieben bis ins Mittelalter erhalten,

Wikingergesellschaften des Nordens: freie + bewaffnete Bauern, blieben autonom und bestimmten die Politik der nordischen Länder bis ins 20JH.

Überreste der arabischen Kultur in Spanien (Architektur, Zahlensystem)

Herrschaft der Mongolen + Tartaren im Osten schnitt Russland vom Hochmittelalter + Renaissance ab, wirkte weiter in Zaren-herrschaft; und die Verpflichtung zum allgemeinen Dienst für den Staat wurde ins sowjetische + russische Recht übernommen (Staatszentriertheit)

Gemeinsame Grenze von Österreich- Ungarn und Osmanischen Reich: bis zum Jugoslawienkrieg : lebendiger Multikulturismus

Popularisierung der Demokratie durch Französische Revolution: Beginn grundlegender gesellschaftlicher Reformen in Europa

Weltkriege I + II: bilden Markierungspunkte für europäische Integration / Trennung zwischen kommunistischen + nicht-kommunistischen Staaten (Kalter Krieg, der bis heute Wirkung entfaltet)Holocaust: bewirkte politische Ziele wie Demo-kratisierung + Gemeinschaft europäischer Staaten zu Ordnung und Wohlstand zu führen

 

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Welche Unterschiede bzw. welche Gemeinsamkeiten weisen die europäischen Länder in Bezug auf ihre kulturellen Grundlagen auf? TEIL 2

Religion:

Christentum ist als erster kultureller Zusammenschluss mit struktureller Insitutionalisierung in Europa zu bezeichnen, es enthielt die Vorstellung von Europa als Kontinent des Christentums und war der Welt des Islam gegenübergestellt, in einigen Ländern wurde die  Religionsgrenze ein bestimmender Aspekt der Nationalkultur, war dann bestimmend auch für die Teilung des Kontinents (Ost und West seit 1045 / Nord + Süd seit 1517)Heute : damalige sozial-karitative Nichtregierungsorganisationen in Unabhängigkeit von säkularen Machthabern sind als Grundmuster für heutige wohlfahrtsstaatlicher Vergesellschaftung zu sehen

Intoleranz des Christentums gegenüber dem Islam + des Judentums zieht sich durch alle Jahrhunderte / Auslöschung der Juden durch Holocaust , damit auch Auslöschung des vorwiegend jüdische intellektuellen Milieus, was u.a. einen nachhaltigen kulturellen Verlust für Deutschland darstellt

Sprache:

Trotz Vereinheitlichungstendenzen im 19.+ 20. JH.  ist Sprachen-karte Europas vielfältig geblieben und ist Resultat historischer Prozesse (Röm Reich, Völkerwanderungen, Reformation), es existieren 3 Sprachgruppen: romanische, germanische + slaw-ische Sprachen mit zahlreichen Dialekten + Minderheitensprachen.

Die verschiedenen Sprachräume entsprechen allerdings nicht den tatsächlichen nationalen Grenzen, dienten allerdings als Abgrenz-ungsmedium + Begründung nationalistischer Ansprüche im 19.JH.  Sprache wurde als konstitutives Element von Nation und Kultur betrachtet und diente als Indentitätselement in Nationalstaaten.

Diese Sprachauffassung widerspricht dem Integrationsprozess in Europa, da damit eine Hierarchisierung von Sprachen vorge-nommen wird und der Vorstellung eines vielfältigen, komplexen Kulturraums  Europa widerspricht.

 

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Welche Unterschiede bzw. welche Gemeinsamkeiten weisen die europäischen Länder in Bezug auf ihre kulturellen Grundlagen auf? TEIL 3

Recht:

Verschiedene Rechtsfamilien spiegeln kulturelle Überzeugungen, z.B. die Vorstellungen von Gerechtigkeit oder des Verhältnisses des Bürgers zum Staat. Jede Rechtsordnung ist in die Gesell-schaftsordnung eingebettet und spielt somit eine bedeutsame Rolle.

Zweigert und Kötz unterscheiden für Westeuropa 2 Abstammungslinien und 3 Rechtsfamilien:

  1. Linie des angelsächsischen „Common Law“ –fallbezogene Recht-sprechung
  2. Linie des kodifizierten römischen Rechts „Cicil Law“
    • Diese „Cicil Law“ lässt sich wiederum in die napoleonische, die germanische  sowie die nordische Rechtsfamilie unterteilen
  3. Das sowjetische Recht (+ postsowjetische) ist ein Cicil Law, hat aber Einflüsse vorsowjetischer + mongolischer Art aufgenommen.

Gestützt auf die nationalen Rechtssysteme entwarf der Europä-ische Gerichtshof bestimmte allgemeine Rechtsprinzipien, wobei vor allem deutsches + französisches Recht einflussreich waren; insgesamt bestimmt  diese rechtliche Integration auch u.a. über Ausmaß und Gegenstände der sozialen Dimension mit (insbesondere bedeutsam in Bezug auf das Gemeinschaftsrecht wie z.B. Gleichstellung der Geschlechter oder in Zusammenhang stehend mit wichtigen Rechten wie Subsidiaritätsprinzip).

Medien als Kulturfundus:

Mit der Verbreitung audiovisueller Medien nach dem II. Weltkrieg ist eine Situation entstanden, die für Wirtschaft, Politik sowie die Kultur von großer Bedeutung sind.

Fernsehen: mit diesem Massenmedium können miteinander in Konflikt stehende politische Organisationen, die durch Parteien und Kandidaturen verkörpert werden, auf die "Köpfe der Menschen" eingewirken; es kann zum Beeinflussen und Überreden genutzt werden. Fernsehen kann man als politische Massenkultur verstehen.

Die identifikatorische Kraft der Medien bleibt zwar einerseits stark an die Nationalgesellschaften gebunden, andererseits wird sie globalisiert, insbesondere aber amerikanisiert (amerikanische Filme: "Hollywood")

Allerdings wird festgehalten, dass alle Kulturen von den Herausforderungen anderer Kulturen leben und sich an ihnen und durch sie hindurch Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität herausbilden.

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Welches sind die Kennzeichen des sogenannten ‚Europäischen Sozialmodells’?

Das Europäische Sozialmodell (ESM) ist vor allem gekennzeichnet durch den untrennbaren Zusammenhang von wirtschaftlicher Leistung und sozialem Fortschritt (SB S. 63). Zudem umfasst es mehrere Dimensionen von Wohlfahrt, inklusive subjektiver Elemente: Sozialer Fortschritt, Demokratie, persönliche Freiheitsrechte, Tariffreiheit, Chancengleichheit, Solidarität und soziale Sicherheit, vor allem gegenüber der USA

1. Wohlfahrtsstaat: Die umfassende Absicherung von sozialen Risiken erfolgt durch wohlfahrtsstaatliche Institutionen, z.B. durch Sozialversicherungen und/oder steuerfinanzierte Einkommenstransfersysteme

2. Arbeitsbeziehungen: Die institutionalisierten Arbeitsbeziehungen sind durch einen umfangreichen Bestand an kodifiziertem (kodifizieren = in Gesetzform bringen) Arbeitsrecht, starken Interessenverbänden und geregelten Verhandlungsprozessen zur Beilegung sozialer Konflikte gekennzeichnet.

3. Kapitalismustyp: Das ESM ist durch eine spezifisch europäische Form des Kapitalismus (rheinischer, koordinierter oder institutionalisierter Kapitalismus genannt) charakterisiert, welcher sich von anderen (außereuropäischen) Kapitalismustypen unterscheidet.

Im Zuge der Entwicklung der EU-Sozialpolitik wird auch eine "europäische Dimension" als kennzeichnendes Merkmal des Europäischen Sozialmodells genannt. Seit 1992 zeichnete sich innerhalb der EU auch ein verstärktes Bekenntnis zum Sozialstaat ab. Die EU, die sich vorher hauptsächlich als Binnenmarktprojekt verstand, nahm den Begriff in ihr Selbstverständnis auf.

Das "Europäisches Sozialmodell" ist der Versuch, Gemeinsamkeiten der (kontinental‑)europäischen Wohlfahrtsstaaten zu erfassen und diese zugleich von den Wirtschafts- und Sozialsystemen anderer Staaten, insbesondere der USA, abzugrenzen.

 

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Europa als moderne Industriegesellschaft und sich entfaltende Dienstleistungsgesellschaft

Durch welche Merkmale zeichnet sich die Moderne nach der Modernisierungstheorie von Zapf aus?

Nach der Modernisierungstheorie von Zapf ist die Moderne durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

- Konkurrenzdemokratie

- Soziale Marktwirtschaft

- Wohlstandsgesellschaft mit Wohlfahrtsstaat und Massenkonsum

Merkmale in den einzelnen Nationalstaaten sehr unterschiedlich ausgeprägt

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Welche Merkmale nennt Immerfall als konstitutiv für die Industriegesellschaft?

Immerfall (1995) nennt als konstitutiv für die Industriegesellschaft folgende Merkmale:

- hoher Grad an Arbeitsteilung und Automatisierung

- räumliche Trennung von Familie und Betrieb

- Vordringen städtischer Lebensweise

- verstärkte Staatstätigkeit

- räumliche und soziale Mobilität

- Ausdehnung von Bürokratie und zweckrationalem Handeln

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Anhand welcher Indikatoren lässt sich der Übergang von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft beschreiben? Welche Unterschiede bestehen in dieser Hinsicht zwischen den Ländern der EU?

Indikatoren für den Übergang:

- Der Dienstleistungsbereich weitet sich aus und dominiert.

- wachsende Bedeutung der Wissens-Arbeit vor dem Hintergrund neuer Technologien

- Forcierung neuer Wissenschaftszweige

- zunehmende internationale Ausweitung und Vernetzung ökonomischer Aktivität

Unterschiede zwischen den Ländern:

- Dienstleistungssektor charakterisiert die EU insgesamt sowie ihre Mitgliedsstaaten und ist zum Beschäftigungsmotor geworden

- die Bruttowertschöpfung durch den Dienstleistungssektor beträgt in keinem Land der EU-15 unter 60% mit Ausnahme von Irland und Finnland, im Westen gibt es kein Land mehr, dessen Beschäftigung in der Landwirtschaft höher als in einem anderen Sektor ist

- Entwicklung in Ost- und Mitteleuropa ist ähnlich: Abbau der landwirtschaftlichen Tätigkeit, Industriesektor ist dominant, Dienstleistungssektor weitet sich zunehmend aus.

Bei dem Indikator Beschäftigtenzahlen ist der Übergang von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft gut dadurch ersichtlicht, dass im Jahr 2001 die Beschäftigungsquote in der Industrie in den Ländern mit Spitzenquoten noch um die 30% betrug (Deutschland, Italien, Irland, Spanien, Portugal, Österreich). In einigen Ländern scheint sich die Beschäftigungsquote in der Industrie aber schon der 20%-Marke anzunähern.

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Welche Elemente der Industriegesellschaft bleiben auch innerhalb der Dienstleistungsgesellschaft bestehen?

  • Arbeitszentrierung (z.B. Beruf als Teil des Lebensstils): diese besteht seit der Moderne 18./19. Jahrhundert fort:
  • Früher im großbetrieblichem Arbeitsregime (Arbeit galt als Pflicht und Mittel zum Geldverdienen)
  • Heute ist Arbeit ein Mittel der Selbstverwirklichung.
  • Modernisierung und Rationalisierung, z.B. Beherrschung der Natur.
  • Auch in der Risikogesellschaft herrscht weiterhin jener Optimismus, der die Bewältigung der großen Menschheitsaufgaben als durch Wirtschaft, Technik, Wissen und Organisation bestimmt, betrachtet.
  • Wirtschaftliche Arbeitsteilung umfasst heute den gesamten Globus
  • Trennung von Familie/Arbeit, Beruf
  • Trend zur Verstädterung
  • räumliche und soziale Mobilität
  • starke Staatstätigkeit (Bürokratie und zweckrationales Handeln)
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Wie verläuft der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg in den unterschiedlichen Regionen Europas und anhand welcher Indikatoren kommt er zum Ausdruck?

  • beispielloses Wirtschaftswachstum in Westeuropa nach 1950-1990
  • lässt neue Grenzen entstehen: Wirtschaftskraftschere (gemessen am BSP) geht weiter auf, gerade Richtung Süden zu Mittelmeerstaaten à im Mittelmeer entsteht Wohlstandsgrenze
  • Wirtschaftswachstum auch in Osteuropa zw. 1950 u. 1989
  • bezogen auf BIP: Wohlstandsgefälle v. West nach Ost erkennbar, Osteuropa konnte wirtschaftliche Lage zwar nach Krieg im Vergleich zu Westeuropa verbessern doch Aufholprozess stoppte jedoch nach 1965 u. Differenz stieg wieder
  • Indikatoren für wirtschaftl. Aufschwung: steigendes Bruttosozialprodukt u. Entstehung u. Entwicklung v. Massenkonsum; beinhaltet auch massenhafte Urlaubsreisen

Auf den 2. WK folgt ein Wirtschaftsboom in allen Ländern Westeuropas zw. 1948 und 1973, das sogenannte „golden age of capitalism“. Staaten, in welchen die Industrialisierung später eingesetzt hatte, holten bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen der Kernländer auf (Spanien, Portugal, Irland und Griechenland (Peripherie Westeuropas). Sie werden als Integrationsgewinner des EU-Vereinigungsprozesses angegeben. Ebenso holten die nordischen Länder auf. Das Wirtschaftswachstum der europäischen Volkswirtschaften betrug bis 1990 durchschnittlich jährlich 3,6%. Nach dem Boom verschärften sich die Disparitäten (= Nebeneinander von Ungleichem) zwischen den westeuropäischen Staaten wieder, im Mittelmeer entsteht eine Wohlstandsgrenze. Die Differenzen zwischen Türkei und Griechenland, Italien und Ägypten und Spanien und Marokko wachsen (s. Tab. S. 96).

Das osteuropäische BIP nahm bis 1965 zu (Tab. S. 99). Danach stieg die Differenz zu Westeuropa wieder. Damit existiert ein deutliches Wohlstandsgefälle von West nach Ost.

Indikatoren für wirtschaftlichen Aufschwung:

- wird am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gemessen

- Entstehung und Entwicklung von industriellem Massenkonsum

- Ausstattung der Haushalte mit langlebigen Konsumgütern (TV-Gerät, Radio, Waschmaschine, Waschtrockner, Geschirrspüler, PC, Auto...)

- Urlaubsreisen durch die Masse

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Wie hat sich die Verteilung des Einkommens in den letzten Jahrzehnten in den verschiedenen europäischen Ländern entwickelt?

Trotzdem der Lebensstandard in allen Ländern der EU gestiegen ist und man somit von einem „Fahrstuhleffekt“ sprechen kann, ist in den letzten 40 Jahren die Schere in der Einkommensverteilung weiter aufgegangen. Laut Tab. S. 107 ist die Ungleichverteilung der Einkommen zwischen 1985 und 1995 in Belgien, Finnland, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Schweden deutlich angestiegen. So beträgt der Gini-Koeffizient für Italien ca. 34. Insgesamt ist die wachsende Ungleichverteilung moderat verglichen mit der polarisierten Einkommensverteilung in Osteuropa und den lateinamerikanischen Staaten. Verantwortlich dafür sind die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Westeuropa.

In Italien mit dem von den europäischen Vergleichsländern höchsten Gini-Koeffizient von (bei Faktorisierung mit 100) 34 bei einer Zunahme von 12,7% (1984-1993) ist eine rasante Polarisierung innerhalb weniger Jahre allerdings offenbar geschehen. Der Trend zu einer wachsenden Ungleichverteilung der Einkommen ist in vier weiteren Staaten, nämlich Finnland (9,1%), Deutschland (6,4%), den Niederlanden (8,2%) und Schweden (6,5%) im beobachteten Zeitraum doch deutlich zu erkennen.

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Welche Ziele verfolgt der ESF (Europäischer Sozial Fond) in erster Linie; welche Intention wurde mit seiner Schaffung verbunden und auf welcher Ebene greift der ESF?

Der ESF wurde 1957 gegründet und soll die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unterstützen. Er fördert Maßnahmen

  • zur Vermeidung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit,
  • zur sozialen Integration,
  • der Gleichstellung,
  • der nachhaltigen Entwicklung sowie
  • des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts.

Dabei werden besonders drei Ziele verfolgt:

  1. Förderung von Regionen mit Entwicklungsrückstand
  2. Unterstützung von Gebieten mit Strukturproblemen bei wirtschaftlicher und sozialer Umstellung
  3. Unterstützung bei der Modernisierung von Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungssystem

Im Vordergrund steht die Anpassung der Arbeitskräfte an sozio-ökonomische Wandlungsprozesse und die Förderung deren örtlicher und beruflicher Mobilität.  

Der ESF arbeitet nach dem Subsidaritätsprinzip und unterstützt regionale und nationale Projekte als Co-Finanzierungsinstrument der einzelnen Staaten.

Die zur Verfügung gestellten Mittel sollen 4% des BIP des jeweiligen Staates nicht überschreiten, besonders gefördert werden Regionen mit Entwicklungsrückstand (BIP < 75% des EU-Durchschnitts).

"Ebene auf der der ESF greift" ist überwiegend die wirtschaftliche Unterstützung für die Mitgliedsstaaten.
 

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Wie haben sich die Sozialausgaben zwischen 1960 und 1980 entwickelt? Wie hoch liegen sie in Europa im Vergleich zu anderen Teilen der Welt und welche Unterschiede zeichnen sich zwischen den Ländern Europas ab?

In den Ländern Westeuropas gab es bis auf Jugoslawien eine Steigerung der Sozialausgaben (1960 und 1980 um 11,3%). Während 1960 Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich die Spitzenreiter waren, holten 1980/81 neben Irland, Belgien, Niederlande und Dänemark auch die nordischen Länder deutlich auf. Osteuropa weist eher niedrige Zunahmen auf.

Vielleicht sollte noch ein kleiner Vergleich mit außereuropäischen Ländern ergänzend hinzu geführt werden, da diese (z.B. USA, Kanada, Australien, ...) ein viel niedrigeres Niveau an Sozialausgaben aufweisen als die europäischen Ländern.

1960 waren die Sozialausgaben in beiden europäischen Teilen deutlich höher als in den anderen Ländern der Welt. Selbst reiche Länder der neuen Welt konnten nicht mithalten, die ärmeren Länder wie Argentinien  und Mexiko erst recht nicht. Und auch Japan hatte deutlich niedrigere Sozialausgaben.

Doch 1980 hat sich das Bild gewandelt. Westeuropa ist ein Hort sozialer Sicherung im Weltmaßstab, denn die Zunahme der Sozialausgaben ist enorm. Zwar bestehen innerhalb Westeuropas erhebliche Unterschiede, doch die reicheren Länder federn das geringere Maß der Sozialabgaben der ärmeren Länder ab.

Osteuropa hingegen hatte keinen so hohen Anstieg der Sozialabgaben. seine Einzelländer erweisen sich als relativ homogen, so dass es  keine starken Länder gibt, welche die niedrigeren Sozialabgaben der schwächeren Länder abfedern könnten.

So ist die Differenz zwischen den reicheren Ländern der neuen Welt und Osteuropa auf ein Minimum abgesunken.

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Welche Aufgaben erfüllt der Wohlfahrtsstaat? Welche wohlfahrtsstaatlichen Typen unterscheidet Esping-Andersen. Wodurch zeichnen sie sich aus? Teil 1

der Wohlfahrtsstaat soll folgende sozialen Funktionen erfüllen:

Schutzfunktion: durch kollektive Sicherung gegen die Risiken der Industriegesellschaft (De-Kommodifizierung)

Da er ein Wohlfahrtsstaat ist, schützt er über die sozialen Sicherungssysteme seine Bürger vor den Armutsrisiken:

Krankheit, Alter, Unfall, Arbeitslosigkeit.

Das bedeutet, dass Menschen, die in die Situation kommen aus den oben genannten Gründen nicht mehr selbständig ihren Lebensunterhalt erwirtschaften zu können, durch Transferzahlungen des Staates aufgefangen werden. Hierunter fallen z.B. das Arbeitslosengeld, die Sozialhilfe, eine verpflichtende Krankenkassenzugehörigkeit, die im Falle einer Erkrankung eine Ausgleichszahlung tätigt, Rente ect.
Speziell zum Schutz der Familien wird das Kindergeld gezahlt um die Benachteiligung von Familien gegenüber kinderlosen Erwerbstätigen auszugleichen.

Verteilungs- und Umverteilungsfunktion: durch Eingriffe etwa in die Primäreinkommen (Stratifizierung)

In Bezug auf die Verteilungs- und Umverteilungsfunktion haben wir als staatliche Maßnahmen natürlich die verschiedenen Steuern.

Über diese sollen Ungleichheiten ebenfalls abgemildert werden.
Auch Renten gehören zu den Verteilungsfunktionen, wenngleich sie auch als Schutzfunktion dienen.

Produktionsfunktion: durch Erhaltung und Förderung des Faktors Arbeit

Gesellschaftliche Funktionen: durch Integration und Legitimation

Merken sollten Sie sich, dass Steuersatz sowie auch Transfehrleistungen für den Staat mächtige Werkzeuge sind um die Verhältnisse sozialer Ungleichheit zu beeinflussen.

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Welche Aufgaben erfüllt der Wohlfahrtsstaat? Welche wohlfahrtsstaatlichen Typen unterscheidet Esping-Andersen. Wodurch zeichnen sie sich aus? Teil 2

Esping-Andersen unterscheidet folgende Typen des Wohlfahrtsstaates:

- liberale Wohlfahrtsstaaten, wie z.B. Großbritannien

- konservative Wohlfahrtsstaaten, wie z.B. Deutschland

- sozialdemokratische Wohlfahrtsstaaten, wie z.B. Schweden

Liberale Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen sowohl der Anteil der Fürsorgeleistungen hoch ist, als auch der Anteil der privaten Ausgaben für Alter bzw. Gesundheit einen hohen Stellenwert hat.

Konservative Wohlfahrtsstatten leisten ebenfalls einen hohen Anteil zu den Fürsorgeleistungen. Anders als aber die liberalen und auch die sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten bieten sie ihren Bürgern ein starkes Netz on, nach Berufsgruppen differenzierten Sicherungssystemen und einen hohen Anteil der Ausgaben für Beamtenversorgung. Weil dies so ist, müssen die Menschen in solchen konservativen Wohlfahrtsstaaten sich nicht so viele Sorgen um ihre Altersabsicherung oder die Absicherung im Krankheitsfall machen. So ist der Anteil privater Vorsorge in diesen Bereichen auch niedriger als im liberalen Wohlfahrtsstaat.. 

Der Schutz gegen Marktkräfte und Einkommensausfälle ist im konservativen Wohlfahrtsstaat zwar in höherem Maße gegeben als im liberalen System, bewegt sich aber eher auf mittlerem Niveau, da er  mit dem demokratischem System in diesem Punkt nicht mithalten kann.

Auch eine Vollbeschäftigungsgarantie kann der konservative Wohlfahrtsstaat, anders als der sozialdemokratische, nur bedingt leisten.

Sozialdemokratische Wohlfahrtsstaaten leisten einen großen Schutz gegen Marktkräfte und Einkommensausfälle und in hohem Maße auch eine Vollbeschäftigungsgarantie, die sie dadurch erreichen, dass sie hohe Investitionen in die aktive Arbeitsmarktpolitik leisten und auch vielfach selbst als Arbeitgeber fungieren.

Außerdem sorgen sie für eine starke Umverteilungskapazität.

Andere Bereiche wie der Schutz gegen Marktkräfte und Einkommensausfälle, der Anteil der Fürsorgeleistungen und  nach Berufsgruppen differenzierte Sicherungssysteme sind in sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten hingegen eher schwach ausgeprägt.

Jedes dieser wohlfahrtsstaatlichen Systeme hat also seine starken, wie auch seine schwachen Seiten.

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Welche strukturellen Kriterien führen zu einer Gefährdung des Wohlfahrtsstaates?

Die europäischen Staaten - Ost wie West - altern deutlich, was zu höheren Lasten bei Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung führt, während gleichzeitig die Lebensarbeitszeit abnimmt. Zu den schon genannten demographischen Kriterien kommen noch ökonomische Kriterien wie hohe Staatsverschuldung, Massenarbeitslosigkeit und mangelndes Wirtschaftswachstum, die den Wohlfahrtsstaat gefährden.

Außerdem ist der sozio-strukturelle Wandel (Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen, was zu einem Wandel der Haushaltstrukturen führt) zu beachten, der zu einem vermehrten Bedarf an Betreuung für Kinder und Alte durch Externe geführt hat sowie zu einem Bedarf an hauswirtschaftlichen Dienstleistungen.

Daneben wird noch der kulturelle Aspekt genannt: nach der Wende von 1989 kamen neue Gesellschaften hinzu, deren Mitglieder keine Erfahrungen, Routinen und Normen in Bezug auf die Sozialsysteme hatten.

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Mit welchen Verlusten im Hinblick auf die Lebensqualität der Bevölkerung ging der Umbruch in den osteuropäischen Staaten einher?

1) Die teilweise dramatisch gesunkene Lebenserwartung

2) Gestiegene Morbidität (Todesrate einer Population an einer bestimmten Krankheit), charakterisiert durch das höhere Aufkommen von Krankheiten

3) Außergewöhnlicher Anstieg der Armut - sowohl im Einkommen, als auch in der menschlichen Armut

4) Gestiegene Einkommens- und Reichtumsungleichheit, die neben sinkenden Einkommen und gestiegener Inflation zu gestiegener Armut beigetragen haben

5) Anstieg der Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Informalisierung der Beschäftigung

6) Der sechste Punkt der Kosten des Übergangs ist der beträchtliche Verfall der Ausbildung gewesen

7) siehe 4)

Mehrere mittel- und osteuropäische Länder haben Verschlechterungen in den Punkten Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard hinnehmen müssen.

Im Durchschnitt lag die Lebenserwartung 1989 in den EG-Ländern um rund 4 Jahre über der in den osteuropäischen Ländern.

Dies war 2000 noch genauso.