Mikro II

Jehlifisch Universität, Herbstsemester 2013

Jehlifisch Universität, Herbstsemester 2013


Manuel Ging
Diese Lernkarten behandeln fortgeschrittene mikroökonomische Konzepte auf Universitätsniveau, mit Fokus auf Gleichgewichte, Marktmechanismen und Verhaltensökonomie. Sie erklären zentrale Begriffe wie Pareto-Effizienz, Marktgleichgewicht und asymmetrische Informationen sowie deren Auswirkungen auf Konsumenten, Firmen und Individuen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende der Volkswirtschaftslehre, die sich auf Prüfungen vorbereiten und ein tieferes Verständnis für mikroökonomische Prinzipien und deren praktische Anwendung erlangen möchten.
Cartes-fiches
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Utilisateurs
2
Langue
Allemand
Catégorie
Economie politique
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
03.01.2014 / 02.01.2021

Cartes-fiches

Zähle Gründe für Monopole auf.

  • Die exklusive Kontrolle eines wesentlichen Rohstoffs
  • Technologieführerschaft
  • Staatliche Regulierung des Marktzutritts (Patent)
  • Mit der Produktionsmenge sinkende Durchschnittskosten (natürliches Monopol)

Zähle die zentralen Eigenschaften eines Oligopolmarktes auf.

Zentrale Eigenschaften des Oligopols:

  • Es gibt nur wenige Anbieter (n ≥ 1).
  • Der Marktzu- und -austritt ist kostspielig.
  • Firmen mit Marktmacht verkaufen homogene oder differenzierte Produkte.

Beispiele
Autos, Medikamente, Uhren, etc. (WEKO-F¨alle: BMW, Hors-Liste, Swatch, ...)

Wie lautet der Lernder-Index im Oligopol (Allgemein)?

Der Markup von Firma i ist umso grösser,

  • (i) je grösser der Marktanteil αi ist.
  • (ii) je geringer die Elastizität der Nachfrage η ist.

Die Konzentration wird mit dem Herfindahl-Hirschmann-Index HHI gemessen: α2i

Wie lautet der Herfindahl-Hirschmann-Index HHI?

α = Marktanteil

Cournot: Wie lautet das Kochrezept zur Berechnung der Menge einer Unternehmung?

.

Was ist eine Kollusion?

Idee
Der Wettbewerb kann auch ohne explizite Absprachen wirksam beschränkt werden.

“Definition”
Kollusion ist ein Zustand, in dem die Preise höher sind als bei “wirksamem Wettbewerb”, obwohl keine expliziten Absprachen existieren (juristisch: “Parallelverhalten”).

Beachte
Kollusion kann alle relevanten Wettbewerbsparameter (Preis, Mengen, Qualität, Investitionen, Werbung, etc.) betreffen.

Welche Stabilitätsbedingung (Gleichung) müssen bei einer Kollusion erfüllt sein?

Für stabile Kollusion muss der Diskontfaktor genügend gross sein (d.h. die Firmen müssen stark an zukünftigen Gewinnen interessiert sein).

Nenne kollusionsbestimmende Faktoren.

  • Diskontfaktor
  • Konzentration und Symmetrie
  • Markttransparenz
  • Produktdifferenzierung
  • Multimarkt-Kontakt
  • Marktzutrittsschranken
  • Marktwachstum
  • Institutionelle Rahmenbedingungen

Kochrezept für Cournot:

Wie komme ich von P(Q) = A - B(q 1  + q2) direkt auf die MR der Unternehm ungen?

MR1 = A - Bq2 - 2Bq1

MR2 = A - Bq1 - 2Bq2

Wan gilt das Bertrand Paradoxon?

MC = p gilt nur wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • MC beider Firmen konstant und identisch
  • Produkte sind vollkommen homogen
  • Beide Firmen können unbegrenzt produzieren (damit auch eine den ganzen Markt bedienen kann)
  • Preissetzungsentscheidung der Firmen erfolgt simultan.

Was ist eine gemischte Strategie? Mache ein Beispiel dazu.

  • Es gibt Spiele, in denen kein Nash-Gleichgewicht in reinen Strategien existiert (die mit Sicherheit gewählt werden).
  • In solchen Spielen ist es möglich, dass die Spieler ihre Aktionen zufällig aus der Menge der reinen Strategien auswählen.
  • Ein solches Verhalten wird als Spielen einer gemischten Strategie bezeichnet.

Wie wird ein unendlich wiederholendes Spiel gespielt?

Lösungsmethode:

  • Rückwärtsinduktion scheitert, weil es keine letzte Periode gibt.
  • Analysiere stattdessen die Anreize, von einem bestimmten Verhalten abzuweichen.
  • Beispiel: Stabilitätsbedingung f¨ur Kollusion im Oligopol (vgl. Vorlesung 6):
    (siehe Bild)
     
  • Achtung: Wichtiges aktuelles Forschungsgebiet (vgl. PEF-Kurs “Repeated Games”)!

 

Was sind Side Payments?

Ich bringe den anderen Spieler dazu, einen anderen Ausgang zu wählen der für beide besser ist. Damit er dies tut, gebe ich ihm von meine Payoff etwas ab damit er sicher diesen Ausgang wählt.

Side Payments kann auch als Strafe dienen, wenn der andere Spieler die schlechtere Strategie wählt, muss er mir von seinem Payoff etwas abgeben damit er schlächter mit diesem Ausgang fährt als wenn er die andere Strategie, die für beide besser gewesen wäre, gewählt hätte. Siehe Bild als Beispiel.

Wie funktioniert der Commitment-Mechanismus?

  • Side Payments funktionieren oft nicht: Sie können ex post nicht durchgesetzt werden, sind möglicherweise illegal, etc.
  • In solchen Fällen ist es notwendig, durch andere strategische Aktionen bessere Spielausgänge zu erreichen.
  • Strategische Aktionen, die garantieren, dass ein Spieler in der Zukunft bestimmte Aktionen unternehmen wird, wenn spezifische Bedingungen eintreten, führen zu einem “Credible Commitment”.
  • Ein klassisches Beispiel für solche Aktionen sind kostspielige irreversible Investitionen.
     
  • Die Logik des Commitment-Mechanismus wird illustriert durch die “Doomsday Machine” im Stanley Kubrik Klassiker (1964): “Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb”.

Wie ist ein Nash-Gleichgewicht definiert?

Spieler spielen wechselseitig ihre besten Antworten womit sie sich optimal verhalten. Das Gleichgewicht ist stabil (self-reinforcing) da keine Anreize zu Abweichungen bestehen.

Nach wie vielen Jahren hat sich bei Aufzinzund das Kapital verdopplet?

Mache ein Beispiel mit 4%.

 

Rule of 72: Dividiere 72 durch den Zinssatz pro Zeitperiode, um die Dauer bis zur Verdoppelung zu berechnen.

Bsp.: 72/4% = 18 Jahre bis zur Verdoppelung.

Erklärung: Der Wert eines Assets mit konstantem Wachstum r über die Zeitperiode t beträgt X = Aert . Mit X = 2A (wegen Verdoppelung) und Logarithmieren erhält man ln 2 = rt. Weil ln 2 = 0.70, erhält man durch Auflösen t = 0.70/r . (Die Faustregel verwendet 72, weil diese Zahl besser teilbar ist.)

Wie lautet der Diskontfaktor?

0 < δ < 1

Wie lautet die Formel für den Barwert eines konstanten unendlichen Zahlungsstroms?

.

Wie lautet die Definition des erwarteten Nutzen von Neumann-Morgenstern?

Der erwartete Nutzen ist gegeben durch:

Definiere Risikoaversion

Ein Individuum ist risikoavers, wenn der Nutzen des erwarteten Konsums grösser ist als der erwartete Nutzen des Konsums, d.h. u(px1 + (1 − p)x2) > pu(x1) + (1 − p)u(x2).

Beachte
Risikoaversion: Konkave Nutzenfunktion (u''(w) < 0).
Risikoneutralit¨at: Lineare Nutzenfunktion (u''(w) = 0).
Risikofreude: konvexe Nutzenfunktion (u''(w) > 0).

Was misst das Arrow-Pratt Mass der Risikoaversion (absolute Grad der Risikoaversion)?

  • r > 0 risikoaversion
  • r = 0 risikoneutral
  • r < 0 risikofreudig
  • umso grösser r, umso höher der Grad

Was ist die Tauschkurve (Offer Curve)?

Intuition

  • Wenn sich die relativen Preise verändern, dreht sich die Budgetlinie um die Ausstattung w.
  • Die Veränderung der nachgefragten Konsumbündel trägt eine Kurve ab, die Tauschkurve bzw. “Offer Curve”
    (OCi , i = 1, 2) genannt wird (wieso?).

Beachte

  • Die Offer Curve geht durch die Ausstattung w = (w1, w2).
  • Weil sich Konsument i die Ausstattung wi bei allen Preisen p leisten kann, muss er jedes Bündel auf der Offer Curve OCi der Ausstattung wi schwach vorziehen.

Was ist das Walrasianisches Gleichgewicht?

Ein Walrasianisches (kompetitives) Gleichgewicht für eine Edgeworth-Box-Tauschwirtschaft ist ein Preisvektor p und eine Allokation x = (x1, x2), so dass xi* ≥ x'i für alle x'i Element von Bi(p3*).

  • Im Gleichgewicht schneiden sich die Offer Curves der beiden Konsumenten (jeder Schnittpunkt der Offer Curves konstituiert ein Gleichgewicht).
  • Nur die relativen Preise p1*/p2* werden im Gleichgewicht bestimmt.

Was heisst Pareto-Verbesserung?

bzw. was heisst Pareto-Effizienz/Parteo-Optimalität?

Pareto-Verbesserung: Ist eine Allokation, in der alle Individuen schwach besser gestellt werden als in der Ausgangssituation und es einem Individuum strikt besser geht als zuvor (das Andere mind. gleich). --> graua Fläche

Pareto-Effizienz/Parteo-Optimalität: Diese Allokation liegt dann vor, wenn es nicht möglich ist, von dieser Allokation eine Pareto-Verbesserung herbeizuführen. --> Punkt im Bild

Was ist die Kontraktkurve?

Die Menge aller Pareto-optimale Allokationen (Verbindung aller Tangentialpunkte) bildet die sogenannte Kontraktkurve auf welcher immer gilt, dass GRSA = GRSB ist.

Was besagt das Gesetzt von Walras?

Wenn n-1 Märkte im Gleichgewicht sind, dann sich auch n Märkte im Gleichgewicht (es kann also niemals ein einzelner Markt nicht geräumt sein). Wenn ein Markt mit einem Preis geräumt ist, dass muss der andere ebenfalls geräumt sein.

Wie lautet die Schnellformel für die relativen Preise in einem Walrasianischen Gleichgewicht?

.

Wie lautet der erste Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie und was besagt er?

Jedes Walras-Gleichgewicht ist eine Pareto-Effizienz (liegt auf der Kontraktkurve). Das Pareto-Optmimum als auch das allgemeine Gleichgewicht ist gekennzeichnet dadurch, dass sich die Indifferenzkurven der Haushalte tangieren (GRS ist gleich!).

Politik-Implikationen: Märkte sich selber überlassen da sie im allgemeinen Gleichgewicht effizient sind.

Der 1. Hauptsatz der Wohlfahrts¨okonomik ist die formale Repräsentation von Adam Smith’s “invisible hand”.

Wie lautet der zweite Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie und was besagt er?

Unter der Annahme konvexer Präferenzen lässt sich jede effiziente Allokation durch ein Marktgleichgewicht dezentralisieren. Wenn wir eine effiziente Allokation gefunden haben, ist es immer möglich, einen Preisvektor zu finden, der diese effiziente Allokation zu einem Gleichgewicht macht. Dafür ist allerdings eine geeignete Umverteilung der Erstausstattungen nötig.

Politik-Implikationen: Jeder Punkt auf der Kontraktkurve kann erreicht werden, wenn man die Erstausstattungen entsprechend zuteilt, beispielsweise indem man Transfers zwischen den beiden Individuen stattfinden lässt.

  • Vermöogenstransfers können durch das Steuersystem organisiert werden.
  • Vermögenstransfers können aber auch direkt durch Transfers von Ausstattungen erfolgen.
  • Beachte: Falls die Güter leicht transferierbar sind, kann der Ausstattungsvektor w direkt nach x verschoben werden (Handel ist dann nicht mehr nötig!).

Was für asymmetrische Informationen gibt es und was sind deren Problem? Wie können diese Probleme gelöst werden?

.

Was für Marktlösungen gibt es bei Problem mit Lemons (Adverse Selektion)?

  • Garantien: Sie erhöhen die Kosten, ein minderwertiges Produkt zu verkaufen.
  • Reputation: Wiederholte Käufe erlauben es, die Qualität über die Zeit zu überprüfen.
  • Signaling: Verkäufer nehmen Kosten auf sich, um glaubwürdig hohe Qualität zu signalisieren (vgl. weiter unten).

Welche Regulierungen könnten getroffen werden um das Problem mit Lemons zu lösen (Adverse Selektion)?

  • Qualitätskontrollen: Restaurants, Glac´e-Verkäufer, etc.
  • Qualitätsstandards: Kinderspielzeug, Motorfahrzeuge, etc.
  • Lizenzierung und Zertifizierung: Anwälte, Ärzte, etc.

Wie kann das Problem bei Erfahrungsgüter gelöst werden (Moral Hazard)?

Teilweise beobachtbare Qualität

  • Informierte Konsumenten können eine positive Externalität auf die nicht-informierten Konsumenten auslösen (Einheimische vs. Touristen).
  • In einem solchen Rahmen kann ein hoher Preis hohe Qualität signalisieren.
  • Hohe Qualität ist wahrscheinlicher, wenn der Anteil der informierten Konsumenten hoch ist.

Beachte

  • Externalitäten können eine staatliche Intervention begründen (z.B. Subvention von Restaurant-Guides?).

Was ist Separating bzw Pooling Equilibrium?

Das Signaling führt zu einem “separating equilibrium”, in dem die unterschiedlichen Typen separiert werden können.

Es besteht auch die Möglichkeit eines “pooling equilibrium”, in dem die unterschiedlichen Typen dieselbe Wahl treffen und nicht separiert werden können.

Was ist der Unterschied zwischen klassischer Mikroökonomie und der Verhaltensökonomie?

Klassische Mikro:

  • Alle Marktteilnehmer funktionieren streng rational (und “egoistisch”).
    • Individuen maximieren ihren Nutzen (“Homo oeconomicus”);
    • Firmen maximieren ihren Gewinn.
  • Das Marktergebnis wird mit Standardmodellen erklärt.
  • Abweichungen von der Realität sind kein Problem, sofern sie nicht systematisch auftreten.

Verhaltensökonomik

  • Psychologische Faktoren können das ökonomische Verhalten systematisch beeinflussen.
  • Systematische Abweichungen identifizieren und in mikroökonomische Analyse einbauen.

Was ist Overconfidence?

Beispiele? Wie nutzen dies nun Firmen aus?

Die eigenen Fähigkeiten oder die Qualität eines erwarteten Outcome werden systematisch überschätzt.

Beispiele
Der typische Erwachsene ist der Ansicht, dass er ein überdurchschnittlich guter Autofahrer ist.
Kauf von Papieren an der Börse (Relation zu “winner’s curse”?)

“Umsetzung” durch Firmen
Verkauf von teuren Abos für Fitness-Einrichtungen.
Mobilfunk-Abos?

Was besagt die Selbstkontrolle und “Hyperbolic Discounting”?

Mache Beispiele und nenne Umsetzungsmöglichkeiten für Firmen.

Überproportionale Abdiskontierung in den ersten Perioden, danach flacher.

Beispiele
Individuen haben eine “zu starke Präferenz” für sofortige Auszahlungen relativ zu zukünftigen Auszahlungen.
Das Verhalten von Individuen ist “zeitinkonsistent”: Das aus heutiger Sicht optimale Verhalten für morgen ist morgen nicht mehr optimal.

“Umsetzung” durch Firmen
Hypothekenabschluss mit zusätzlicher Barauszahlung für Konsumfinanzierung.
Kreditkarten-Verträge.

 

Was ist Framing?

Mache Beispiele und nenne Umsetzungsmöglichkeiten für Firmen.

Framing: Unterschiedliche Problemdarstellungen verleiten Individuen zu inkompatiblen Entscheidungen.

Beispiele
Endowment Effect: Der Besitz eines Gutes per se macht das Gut wertvoller (der Verkauf eines Gutes ist teurer als der Kauf).
Loss Aversion: Um einen Referenzpunkt herum werden Verluste stärker gewichtet als Gewinne.
Anchoring: Entscheidungen werden auf der Basis (irrelevanter) Informationen getroffen (z.B. Preisempfehlungen).
Mental Accounting: Individuen teilen ihre Assets in nicht-transferierbare Portionen auf.

“Umsetzung” durch Firmen
Vielfältige Marketingmassnahmen ...

Was ist Sunk Cost Fallacy?

Mache Beispiele und nenne Umsetzungsmöglichkeiten für Firmen.

Sunk Costs beeinflussen Entscheidungen.

Beispiele
Besuch von unattraktiven Konzerten mit bereits bezahlen Tickets.
Weigerung des Verkaufs von Häusern zu einem Verlustpreis.

“Umsetzung” durch Firmen
Rationale Verkäufer können andere Verkäufer leichter unterbieten.

Was ist Altruismus?

Mache Beispiele und nenne Umsetzungsmöglichkeiten für Firmen.

Altruismus: Individuen engagieren sich f¨ur andere.

Beispiele
Eltern sparen für Kinder.
Blutspenden.
Freiwilligenarbeit für das “öffentliche Gut”.

“Umsetzung” durch Firmen
Spendenorganisationen betreiben “professionelles” Fund Raising.

Étudier