Medizinische Bildgebung

Ultraschall, Röntgen, Computertomographie und MRT mit physikalischen Hintergründen

Ultraschall, Röntgen, Computertomographie und MRT mit physikalischen Hintergründen


Lina Schad
Diese Lernkarten vermitteln grundlegende und fortgeschrittene Konzepte der medizinischen Bildgebung, insbesondere der Magnetresonanztomographie (MRT). Sie decken physikalische Grundlagen wie Magnetfelder, Energieübertragung und Signalverarbeitung ab, erklären Verfahren wie Ultraschall und Röntgenstrahlung sowie deren Anwendungen in der Diagnostik. Studierende und Fachkräfte profitieren von diesem Überblick, da er technische Details mit klinischer Relevanz verbindet und Sicherheitsaspekte sowie Bildgebungssequenzen praxisnah erläutert.
Karten
288
Lernende
18
Sprache
Deutsch
Kategorie
Technik
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
30.03.2014 / 02.04.2026

Lernkarten

Magnetresonanztomographie:

Überblick:

Kernspinresonanz

  • keine ionisierende Strahlung
  • elektromagnetische Wellen
    • radiofrequency window
    • \(\lambda \approx 1m\)
  • Begrenzung der Auflösung nicht durch Wellenlänge
  • Auflösung klinisch ähnlich wie bei CT (1mm)
    • möglich \(15 \mu m\)
    • zeitl. Auflösung schlechter
  • Weichteilkontrast
    • vielfältige Parameter messbar

Magnetresonanztomographie:

Spin

  • Eigendrehimpuls
  • Teilcheneigenschaft
  • verknüpft mit einem magnetischen Moment in der gleichen Richtung

Magnetresonanztomographie:

Spin:

Kernspin:

allg. Drehimpuls

\(\mathbf{L} = \mathbf{r}\times \mathbf{p} = m\mathbf{r}\times \mathbf{v}\)

Magnetresonanztomographie:

Spin:

Kernspin:

allg. magnetisches Moment

\(\boldsymbol{\mu} = I \mathbf{A}\)

Magnetresonanztomographie:

Spin:

Kernspin:

Gesamtdrehimpuls des Kerns

\(\mathbf{J}\)

Magnetresonanztomographie:

Spin:

Kernspin:

verknüpft mit magnet. Moment

\(\boldsymbol{\mu} = \gamma \mathbf{J}\)

\(\gamma\): kernabhängig

Magnetresonanztomographie:

Spin:

Richtungsquantelung

  • QM: Drehimpulse können im Magnetfeld nicht in jede Richtung zeigen
  • Genauer: eine Messung der Drehimpulskomponente entlang des Feldes kann nur ganz bestimmte Werte ergeben

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung:

Gleichgewichtsmagnetisierung

  • magnetisches Moment \(\boldsymbol{\mu}\) hängt zusammen mit dem "Spin"
    • eine Art von Drehimpuls
  • Zustände verschiedener Energie
    • etwas mehr Spins \(\uparrow\) als \(\downarrow\)
    • resultierende kleine Probenmagnetisierung \(\mathbf{M}\) parallel zu \(\mathbf{B}_0\)

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung

Formel

\(\mathbf{M} =\frac{1}{V}\sum_{i=1}^N \mu_i\)

\(N\): Anzahl der Kerne

\(V\): Probenvolumen

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung:

in ausgedehnten Körpern

Formel

\(\mathbf{B} = \mu_0(\mathbf{H}+\mathbf{M})\)

\(\mu_0 = 4\pi\cdot 10^{-7} \frac{Vs}{Am} \): Induktionskonstante

\(\mathbf{H}\): magnetisches Feld

\(\mathbf{B}\): magnetische Flussdichte

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung:

Gleichgewichtsmagnetisierung:

Formel

\(E_{\text{pot}} = -\boldsymbol{\mu}\cdot \mathbf{B}_0 = -\mu_zB_0 = -\gamma\hbar mB_0\)

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung:

Gleichgewichtsmagnetisierung

  • Besetzungszahlunterschied und damit \(M\) ist sehr klein
  • \(\mathbf{M}\) erzeugt MR-Signal
    • deshalb Signal-Rausch-Verhältnis notorisch klein
  • Signalerhöhung durch großes \(B_0\) oder kleine Temperatur \(T\)

Magnetresonanztomographie:

Magnetisierung:

Bewegungsgleichungen für \(\mathbf{M}\)

\(\frac{d\mathbf{M}}{dt} = \mathbf{M} \times \gamma \mathbf{B}\)

Magnetresonanztomographie:

Anregung

  • nach Hochfrequenzpuls präzediert \(\mathbf{M}\) um die Richtung von \(\mathbf{B}_0\)
    • Kegelöffnungswinkel nicht fest
  • In einer Leiterschleife neben der Probe induziert die zeiliche Veränderung von \(\mathbf{M}\)eine kleine elek. Spannung

Magnetresonanztomographie:

Anregung:

Lamorfrequenz:

Formel

\(\omega = \gamma B\)

\(\omega\): Winkelgeschwindigkeit der Präzession

\(\gamma\): gyromagnetishces Verhältnis (kernabhängig)

\(B\): Magnetfeldstärke

Magnetresonanztomographie:

Anregung

  • \(\mathbf{M}\) aus der Gleichgewichtslage parallel zu \(\mathbf{B}_0\)herausbringen
  • ausgelenkter Vektor \(\mathbf{M}\) präzediert um \(\mathbf{B}_0\)
  • in einem mit \(\omega_0 = \gamma B_0\) rotierenden KS' steht der Vektor still

Magnetresonanztomographie:

Anregung:

HF-Puls

  • HF-Puls verändert Besetzungen der Eigenzustände
  • Glgew. \(\to 90°\)-Puls \(\to\) Gleichbesetzung, \(\mathbf{M}\) transversal

Magnetresonanztomographie:

Anregung:

Lamorfrequenz

"Herunterklappen" funktioniert nur, wenn der Hochfrequenzpuls die Larmorfrequenz hat

\(\to\) Resonanz

Magnetresonanztomographie:

Relaxation:

Longitudinale und transversale Relaxation

Die Rückkehr ins Gleichgewicht besteht aus zwei Prozessen:

  • longitudinale Relaxation
  • transversale Relaxation

Magnetresonanztomographie:

Relaxation:

Longitudinale Relaxation

  • \(T_1\)-Relaxation
  • Spins "klappen um in z-Richtung"
  • Spin-Gitter-Relaxation

Magnetresonanztomographie:

Relaxation:

transversale Relaxation

  • \(T_2\)-Relaxation
  • gegenseitige Dephasierung der Spins
  • Spin-Spin-Relaxation

Magnetresonanztomographie:

Relaxation:

Gradientenecho

  • macht man das Magnetfeld künstlich inhomogen durch einen Feldgradienten und macht den Effekt dann rückgängig durch Umkehrung des Feldgradienten entsteht Echo
    • Gradientenecho
  • nützlich um die Signalaufnahme nach dem Anregungspuls verzögern zu können

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Gradienten

  • zur Ortsauflösung werden Feldgradienten benutzt
  • \(\mathbf{B}_0(\mathbf{r}) = \begin{pmatrix}0\\0\\B_{00}+\mathbf{r}\cdot \mathbf{G}\end{pmatrix}\)
  • \(\mathbf{G} = \text{grad} B_0(\mathbf{r}) = \nabla B_0(\mathbf{r})\)

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Schichselektion

  • \(\omega_0 = \gamma B_0\)
  • mache das Magnetfeld während der Anregung inhomogen
    • \(\omega_0 = \gamma(B_{00}+zG_z)\)
  • beschränke die Frequenzen im HF-Anregungspuls auf einen schmalen Bereich \(\Delta\omega_0\) von Frequenzen
    • nur Kerne in einer Schicht werden angeregt

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Frequenzkodierung

  • Readout
  • mache das Magnetfeld während der Datenaufnahme inhomogen
  • verschiedene im Signal enthaltene Frequenzen können durch Fourier-Transformation getrennt werden

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Schichtselektion:

wann Magnetfeld inhomogen machen?

während der Anregung

 

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Frequenzkodierung:

wann Magnetfeld inhomogen machen?

während der Datenaufnahme

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Phasenkodierung:

wann Magnetfeld inhomogen machen?

zwischen Anregung und Datenaufnahme

Magnetresonanztomographie:

Ortsauflösung:

Phasenkodierung

  • mache das Magnetfeld zwischen Anregung und Datenaufnahme für eine kurze Zeit inhomogen
    • Millisekunde
  • wiederholen mit versch. Stärken des Feldgradienten
    • zeitintensiv
  • Fourier-transformiere das Signal bezüglich der Variablen Gradientenstärke \(G_y\)

Magnetresonanztomographie:

Hardware

  • supraleitender Hauptmagnet
  • HF:
    • Sende- und Empfangsspulen
    • phasensensitive Detektion
  • 3 normalleitende Gradientenspulen
    • für \(x,y,z\)

Magnetresonanztomographie:

Hardware:

Magnet

  • supraleitender Magnet
    • \(B_0 = 1{,}5T, 3T, \text{ bis }7T\)
  • Energie im Feld bis 10 MJ
  • Masse bis 100t
  • großer Kostenanteil für MR-Systeme

Magnetresonanztomographie:

Hardware:

Magnet:

Quench

  • plötzlicher Abbau des Magnetfelds
    • Verlust der Supraleitung
    • Wärmeentwicklung durch Normalleitung
    • explosionsartige Ausdehnung des fl. He
      • muss durch Quench-Rohr abgeführt werden
  • spontan oder im Notfall künstlich ausgelöst

Magnetresonanztomographie:

Hardware:

HF-System:

Sende- und Empfangsverstärker

  • Empfangssystem
    • Digitalisierung nach dem Mischen mit der Trägerfrequenz
  • Phasensensitive Detektion
    • Quadraturdetektion
      • Signal \(\in \mathbb{C}\)
  • Sendersystem erzeugt amplituden- und frequenzmodulierte HF-Pulse

Magnetresonanztomographie:

Hardware:

HF-System:

HF-Spulen

  • oft Tx/Rx
    • zum Senden und Empfangen verwendet
  • meist 1 Ganzkp.-Spule eingebaut direkt innerhalb der Gradienten
    • andere Spulen ansteckbar
  • \(||\mathbf{B}_1|| \approx 10^{-4}T\)
  • Empfang
    • \(U_{ind} \approx \mu V\)
  • rel. neu
    • paralele Bg. Teil der Ortsauflösung durch viele Spulen mit unterschiedlichen räumlichen Empfangsbereichen realisiert

Magnetresonanztomographie:

Hardware:

Gradientenspulen

  • 3 Spulen die Feldgradienten in \(x,y,z\) erzeugen
    • Nulldurchgang des Zusatzfeldes in Magnetenmitte
  • typisch
    • 40 mT/m (Ganzkp.)
    • \(I \approx 600A\)
  • normalleitend
  • wassergekühlt
  • schnell schaltbar
    • \(200 \mu s\)
  • Schalten soll wenig Wirbelströme im Kryostaten erzeugen
  • Linearität der Gradientenfelder
  • Geräuschentwicklung

Magnetresonanztomographie:

Nyquist-Theorem

Abttasttheorem

  • Abtastfrequenz muss mindestens doppelt so hoch wie die höchste im Signal vorkommende Frequenz sein
  • \(f_{\text{Abtast}} \ge 2\cdot f_{\max}\)

Magnetresonanztomographie:

Nyquist-Theorem:

in Readout-Richtung

Bandbreite

  • \(BW = \frac{1}{t_{dw}}\)
    • \(t_{dw}\): Zeit zwischen 2 Abtastpunkten
      • Dwell Time

Magnetresonanztomographie:

Nyquist-Theorem:

in Readout-Richtung

  • Tiefpassfilter zur Rauschunterdrückung
  • kl. \(t_{dw}\) 
    • gut wegen Nyquist
    • schlecht wegen Rauschen
      • breiter Filter nötig lässt Rauschen durch
    • Abwägung SNR/Messzeit

Magnetresonanztomographie:

Bildgebungssequenzen:

SE, Spin-wrap:

Nachteil

Phasenkodierung zeitaufwendig

\(\to\) bewegungsempfindlich

Magnetresonanztomographie:

Bildgebungssequenzen:

SE, Spin-wrap:

Vorteile

  • hohe räuml. Auflösung erreichbar
  • Point spread function in PE-Richtung ideal 
    • \(\delta\)-Funktion

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