Klebtechnik
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Was versteht man unter Haftklebstoffen?
Haftklebstoffe:
Zustand: Fertiges Polymer, permanent flüssig (hochviskos) „dauerklebrig“
Klebevorgang: einseitiges aufbringen des Klebebandes
Abbindemechanismus: Haftkräfte ausschließlich durch eine entsprechende Benetzung, sehr selten eingesetzt, zusätzlich reaktive Bestandteil
Eigenschaften:
Einfache Handhabung
Hohe Anfangsfestigkeiten
Lösbarkeit kann eingestellt werden
Wärmebeständig bis 120°C
Beispiel: Klebeband
Was wissen Sie über Schmelzklebstoffe?
Grundstoff: fertiges Polymer im festen Zustand
Flüssigauftrag: Aufschmelzen des Polymers (Temp. 100-250°C) Auftrag auf einen Fügepartner (walzen, spritzen)
Feststoffauftrag: Ein-/Auflegen von Folien, Netzen, etc. Aufschmelzen durch Wärmezufuhr
Fügen direkt nach dem Klebstoffauftrag unter Druck oder Heißverpressen
Abbindemechanismus: Schnelle Verfestigung durch Wärmeentzug
Eig.:
- Wärmeentzug erfolgt i.d.R. schnell (im Sekundenbereich)
hohe Produktionsgeschwindigkeiten, hohe Anfangsfestigkeiten, schnelles Fügen notwendig, wenig geeignet für Flächen
- Abbindungsprozess thermisch reversibel
Thermoplast, geringe Wärmebeständigkeit, Kriechneigung
- Herstellung der Benetzungsfähigkeit erfordert Wärmezufuhr
Gerätetechnik, Anpassung der Viskosität möglich, automatisierbar, energieintensiv, Wärmebelastung Fügeteil
- Klebstoff liegt als Polymer vor
kein Gefahrstoff, einfache Handhabung, gute Lagerungsfähigkeit
Beispiel: Heißklebepistole
Wann sind Schmelzklebstoffe besonders gut geeignet?
kurze Abbindezeiten => hohe Produktionsgeschwindigkeiten
gute Spaltüberbrückbarkeit => hohe Toleranz ggü. ungleichmäßiger Klebschichtdicke
Klebstoff leicht verarbeitbar, Auftragsprozess gut automatisierbar
Was ist das Besondere bei der Oberflächenbehandlung von Aluminium?
Probleme mit der Eigenstabilität – Oxidschicht erst abtragen und dann neu aufbauen
Langzeitbeständige Klebungen aus AL-Legierungen lassen sich mit Konstruktionsklebstoffen ohne spezielle Oberflächenbehandlung bis heute nicht herstellen
Was wissen Sie über reaktive Schmelzklebstoffe?
Grundstoffe: Einkomponentiges reaktives Prepolymersystem in festem Zustand mit langen Topfzeiten; Reaktive Systeme: Epoxidbasiert, PUR oder Polyester
Verarbeitung:
1. Aufschmelzen bei 60-80°C und Applikation auf die Fügeteile
2. Nachhärtung durch Feuchtigkeit oder Temperatur
Wirkungsweise:
Physikalischer Abbindemechanismus zur Fixierung von Fügeteilen
durch Wärmeentzug.
Eig.:
Nach thermischer Aushärtung Duroplast
Applikationstemperatur < Dauereinsatztemperatur < 120° C
Eigene Systeme mit der Fähigkeit zur Ölaufnahme
Nutzung des 2-Stufigen Aushärtemechanismus möglich
Wie wird die Oberfläche von Al vorbehandelt?
Beizen: runterholen der Oxidschicht
Anodisieren: definierte Oxidschicht wird aufgebaut
Nachteil: sehr teuer
Was wissen Sie über Lösungsmittelklebstoffe?
Grundstoff: Polymer in flüssiger, gelöster Form, Teilweises Abdampfen des Lösungsmittels, Fügen unter Druck.
Die Verarbeitung erfolgt nach den Verfahrensvarianten:
Nasskleben, Kontaktkleben, Haftkleben
Eig.:
Gute Benetzung und Adhäsion auf vielen Untergründen
Einfache, preisgünstige Verarbeitung
o manuell und automatisiert
o einfache Einstellung der Verarbietungseigenschaften
Löslicher Thermoplast
o Begrenzte Temperatur- und Lösungsmittelbeständigkeit
Verdunstende Lösungsmittel
o Gesundheitsschädlich
o Brennbar,
o erhöhter Arbeitsschutzaufwand
Beispiel: Schuhsohle
Welche positive Effekte bringt die Laservorbehandlung mit sich?
- Makroskopisch: gleichmäßige Strukturen
- gezielte Strukturbildung, z.B. "Näpfchen" möglich
- Umschmelzbereich nur oberflächennah 1-5μm
- Hohe Korrosionsbeständigkeit durch amorphe/ mikrokristalline Struktur/ Grenzschicht
- Mikroskopisch: Oxidschichtzunahme
Was wissen Sie über Dispersionsklebstoffe?
Dispersionsklebstoffe (phys. abbindend)
Zustand: Polymer fein verteilt in Dispergiermittel (z.B. Wasser)
Klebevorgang: Flüssigauftrag + Druck
Guter Umweltschutz großflächige Anwendung möglich
Filmbildung i.d.R. nicht reversibel
Abdampfen von Wasser dauert länger als Lösungsmittel
Geringe Beständigkeit gegen Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüsse
ggf. fixieren bis zur Handhabungsfestigkeit
Was sollte man Grundsätzlich bei AL-Klebungen anstreben?
Große wirksame Oberfläche,
- Ausbildung eines Mikrocomposites
- Möglichst geringe Medien-/Feuchtediffusion in Klebung und Grenzschicht
- Möglichst stabile Oxidschichten
Was wissen Sie über Cyanacrylate?
Klebstofflagerung
Möglichst feuchtigkeitsfrei
Klebstoffauftrag (i.d.R. auf ein Fügeteil)
Dosierung erfolgt idealerweise aus sauer passivierten Düsenoberflächen
Fügen der Fügepartner
Fügen unmittelbar nach dem Klebstoffauftrag, i.d.R. nur geringer Anpressdruck beim Fügen
Aushärtung
Unter Umständen Aktivatoreinsatz bei:
o niedrigen Luftfeuchtigkeiten
o sauren Oberflächen
Thixotropierte Formulierungen bei
o porösen Oberflächen
o größeren Spalten, Zwangslagen
Was sind die Eigenschaften von Cyanacrylatklebstoffen?
Gute Haftungseigenschaften, auch auf den meisten Kunststoff- und Gummioberflächen
Gute Festigkeit bis ca. 20 N/mm²
Sprödes Verhalten (Vorsicht bei Glasklebungen!)
Temperaturbereich (-30°C bis 80°C, kurzzeitig bis 110°C)
Geringe Spaltüberbrückbarkeit
Gute Hautverträglichkeit
Anwendungsbeispiel: Kleben von Dichtungen an Luftfilter
Wie stehen Cyanacrylate im ambivalenten Verhältnis zu Wasser?
Cyanacrylat benötigt zwar geringe Mengen von Wasser zur Aushärtung, eine zu hohe Feuchtigkeit führt aber zur Auflösung der Klebung.
49. Wie kann man anaerobe Klebstoffe lagern und welche Eigenschaften besitzen Sie?
Kriterien einer ordnungsgemäßen Lagerung
ausreichendes Sauerstoffangebot
UV-undurchlässig
keine hohen Temperaturen
Typische Eigenschaften der Klebschicht
gute Lösungsmittel- und Chemikalienbeständigkeit
gute Temperaturbeständigkeit (Temperatureinsatzbereich –55°C bis +150°C)
hohe mechanische Festigkeit (funktionelle Sicherheit nach ca. 5-10h )
hohe Beständigkeit gegen dynamische Dauerlast und Vibrationsbeanspruchung
neuartige Formulierungen ermöglichen den reaktionsneutralen Einbau geringer Mengen ölartiger Verunreinigungen in die Polymermatrix
Welche Gründe sprechen für den Einsatz von anaeroben Klebstoffen?
hohe dynamische Festigkeit und gute Vibrationsbeständigkeit
verbesserte Kraftübertragung, Erhaltung der Vorspannung
gute Lösungsmittel- und Chemikalien- und Temperaturbeständigkeit
einkomponentig, gut automatisierbar einfache, kostengünstige Verarbeitung
überschüssiger Klebstoff lässt sich leicht entfernen, da in Kontakt mit Sauerstoff
Dichtfunktion, Korrosionsschutz
Wiederlösbarkeit, Losbrechmoment durch polymeres System einstellbar
Anwendungsbeispiel: Schrauben
Was wissen Sie über strahlungshärtende Klebstoffe?
Reaktionsmechanismus
polymere Basis häufig Acrylate, Methacrylate; andere z.B. EP möglich
Reaktionsmechanismus: „Radikalkettenpolymerisation“ Aktivierung erfolgt durch Strahlung
Voraussetzung:
Strahlungsdurchlässigkeit eines Fügepartners, i.d.R. Einsatz von UV-Licht, sichtbares Licht und Elektronenstrahlung möglich
Eigenschaften hängen von polymerer Basis ab, grundsätzlich:
geringe Wärmeentwicklung
schnelle Aushärtung
kurze Taktzeiten, „bonding on demand“
gut automatisierbar
Welche Gründe sprechen für den Einsatz von Strahlungshärtenden Klebstoffen?
transparente Klebstelle, kein vergilben
kurze Taktzeiten, geringer Vorrichtungsaufwand
hohe Schälfestigkeiten
hohe Prozesssicherheit, Ausschluss von Mischfehlern
Was wissen Sie über Polyurethanklebstoff?
Temperaturbereich
1K: -40°C bis +100°C
2K: -40°C bis +120°C
Reaktionsmechanismus: Polymerstruktur (linear, vernetzt) abhängig von der Anzahl funktioneller Gruppen
Preisgünstige Systeme
Festigkeits-, Applikations- und Verarbeitungseigenschaften in weiten Grenzen einstellbar, universelle Einsatzgebiete
Gute Dämpfungseigenschaften
guter Spannungsausgleich
hohe Beständigkeit gegenüber korrosiven Medien
großer Temperatureinsatzbereich
einfache Verarbeitung
schnelle Anfangsfestigkeit
gute Alterungsbeständigkeit
Was wissen Sie über Epoxidharzklebstoffe kalthärtend?
Chemisch härtend, 2K „wenn`s besonders fest sein muss“
Temperaturbereich
1K -55°C bis +180°C
Mischen von Harz und Härter im stöchiometrischen Mischungsverhältnis (Polyaddition)
innerhalb der Topfzeit vereinigen
Eig.:
Gute Haftungs- und Festigkeitseigenschaften
Anfangszugscherfestigkeiten bis 35 MPa
Bruchdehnung bis 10%
Gute Alterungseigenschaften
Beispiel: z.B. Schienenfahrzeugbau