Kleben KT4

Kunststofftechnik 4

Kunststofftechnik 4


L. B.
Diese Lernkarten behandeln das Kleben im universitären Kontext, mit Fokus auf Klebstoffe, Oberflächenvorbehandlung und Verklebungstechniken. Sie decken Themen wie die Bindung von Werkstoffen, die Festigkeit von Klebverbindungen und die Anwendung im Automobilbau ab. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende und Ingenieure, die sich mit strukturellem Kleben, Oberflächenstruktur und Haftmechanismen auseinandersetzen, um robuste und effiziente Klebelösungen zu entwickeln.
Karten
42
Lernende
12
Sprache
Deutsch
Kategorie
Technik
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
14.08.2014 / 01.07.2023

Lernkarten

Definition Klebstoff:

nichtmetallischer Werkstoff verbindet Körper durch Oberflächenhaftung (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion)

Definition Kleben:

Herstellung einer festen Verbindung zweier Teile durch synthetischen Werkstoff:

- physikalisches Abbinden oder chemische Reaktion (Aushärten)

- Oberflächenhaftung (Adhäsion) und zwischenmolekulare Kräfte (Kohäsion)

Definition Klebverbindung:

feste, meist unlösbare, stoffschlüssige Verbindung (homogene und heterogene Werkstoffpaarung).

Auf alle Kunststoffgruppen anwendbar!

3 Brucharten:

- Adhäsionsbruch: Kleber haftet schlecht

- Kohäsionsbruch: Kleber bricht mittig auf

- Fügeteilbruch: Bauteil bricht

4 Einflussparameter auf Klebefestigkeit:

- Werkstoff

- Klebstoff

- Fertigung

- Beanspruchung

5 Alterungsprozesse: 

- mech. Einflüsse 

- chem. Einflüsse (Öle, Fette, Reinigungsmittel..)

- therm. Einflüsse 

- Strahlung (Sonneneinstrahlung..)

- Wanderung der Additive (Additive im Kunststoff wandern in Klebstoff oder sammeln sich zwischen Klebstoff und Kunststoff)

3 Haftmechanismen:

- Mechanische Haftung (Verklammerung, Formschluss)

- Gegenseitige Durchdringung der Polymerketten (-molekülen)

- Bindung der Klebstoffmolekülen an der Fügeoberfläche (Van der Waals Kräfte, Kovalente Bindungen (Atombindung), Wasserstoffbrücken, Ionische Bindung)

3 Haftmechanismen:

- Mechanische Haftung (Verklammerung, Formschluss)

- Gegenseitige Durchdringung der Polymerketten (-molekülen)

- Bindung der Klebstoffmolekülen an der Fügeoberfläche (Van der Waals Kräfte, Kovalente Bindungen (Atombindung), Wasserstoffbrücken, Ionische Bindung)

Benetzung und Haftung:

Oberflächenspannung des Klebstoffs muss kleiner sein als die des Bauteils!

- glatte und unpolare Oberflächen verringern die Benetzbarkeit der Klebstoffe auf dem Bauteil

Oberflächenspannung:

Reihe folgende Werkstoffe richtig ein (kleinste Oberflächenenergie zuerst):

ABS, PA, PC, PE, PET, PMMA, PP, PBT, PTFE, LCP, Kupfer, Eisen

PTFE (18.5 mN/m)

PP

PE

LCP, PC

PMMA, PBT, ABS

PET

PA (49...57 mN/m)

Kupfer (1300)

Eisen (1650)

Bestimmung Oberflächenspannung:

2 Verfahren

- Schnelltest mit Tinte verschiedener bekannter Oberflächenspannungen

- Liegender Tropfen  -> Messen des Winkels der Tangente am Tropfenrand

  - statisch: ruhender Tropfen

  - dynamisch: mit Kanüle, Messung beim Austreten/ Absaugen

Wahre Kleb-Oberfläche abhängig von: (2)

- Wirksame Oberfläche (Viskosität und Oberflächenspannung des Klebstoffs hat Einfluss auf Eindringtiefe in Oberfläche)

- Oberflächenstruktur (Abhängig von Oberflächenbehandlung: spanende, spanlose Formgebung)

+ Anpressen erhöht die wirksame Oberfläche

Oberflächen Vorbehandlung: (7)

- Reinigung

- Mechanisch

- Primer, Haftvermittler

- Chemikalien

- Beflammen

- Plasma

- Corona

Aufgabe Reinigung:

- Entfetten

- Entfernen von Schmutzpartikel

- Reinigungsmittel darf Bauteil nicht angreifen!

Aufgabe Mechanisch:

- hartnäckiger Schmutz entfernen

- Oberfläche vergrössern

- Oberflächenstruktur ändern

Aufgabe Primer, Haftvermittler:

- Durch Zwischenschicht gute Haftung zwischen Bauteil-Primer-Klebstoff

Aufgabe flüssiger/ gasförmiger Chemikalien:

- chemische Zusammensetzung der Oberfläche wird verändert

- Oberflächenstruktur gegebenfalls auch

Aufgabe Beflammen:

- hohe Temperatur beseitigt Schmutz und verflüssigt oberste Oberflächenschicht

--> chemische Zusammensetzung der Oberfläche und Oberflächenstruktur wird verändert

Aufgabe Plasma:

- durch hochfrequenten Wechselstrom entsteht Plasma (Wechselfeld zwischen Elektroden)

--> Oberflächenzusammensetzung wird verändert

Aufgabe Corona:

- gerichtete elektrische Entladung (Elektroden) werden auf Oberfläche geschossen

--> Polymerketten werden aufgebrochen --> Radikale --> Radikale reagieren mit Umgebung --> neue Oberfläche

Vorbehandlung, Kriterien zum Erfolg: (2)

- Nach Vorbehandlung direkt weiterverarbeiten !Nicht Lagern! (Wirkung nimmt mit der Zeit ab)

- kein Kontakt mit unerwünschten Stoffen (Fett, Dreck, Staub...) - Nicht anfassen

Ablauf Kleben: (4)

1. Entfetten

2. Oberflächen Vorbehandlung

3. Fügen und Pressen

4. Aushärten, Abbinden

Abbindmechanismen: (2)

- Physikalisch

- Chemisch (Reaktionsklebstoffe)

Physikalisch abbindende Klebstoffe: (4 Klebstoffarten)

- Lösungsmittelklebstoffe (in organischen Mitteln gelöst) --> Verdunsten

- Dispersionsklebstoffe (in Wasser dispergiert) --> Verdunsten

- Schmelzklebstoffe (plastifizierte Masse) --> Erstarren

- Kontaktklebstoffe (mit oder ohne Lösungsmittel)

Chemisch abbindende Klebstoffe: (2 Klebstoffarten)

- 1-Komponentenklebstoffe

   Wärme- oder Feuchtigkeitsreagierend

- 2-Komponentenklebstoffe

    Reaktionsmittel und Binder (Härter & Harz)

    Härtung durch: Polymerisation, -addition, oder -kondensation

Reaktionsverlauf 2-K Klebstoffe:

abhängig von: (4)

- Temperatur

- Mischverhältnis

- Ansatzmenge

- Qualität der Durchmischung

Hinweise für die Verklebung von PE, PP:

- Ungünstige Klebeeigenschaften (mit Sekundenkleber (1-K) oder Epoxydkleber (2-K) möglich)

- ansonsten nur klebbar wenn intensive Oberflächenbehandlung erfolgte

Hinweise für Verklebung von PA:

- gut klebbar, auch ohne Vorbehandlung

- Übliche Kleber: Epoxid (2-K), Sekundenkleber (1-K), PUR-basierte (1-K)

Vorteile Klebverbindungen: (8)

- fast alle Werkstoffe miteinander klebbar

- grossflächige Kraftverteilung in Wirkfläche --> Ausnutzung Werkstoffeigenschaften, gleichmässige Kraftverteilung

- kleine, dünne, komplizierte Geometrien klebbar

- Zusatznutzen: el./ therm./Korosoions- Isolation, schwingungsdämpfend, abdichtend, 

- leicht zu erlernen

- flexible Anpassung beim Fertigungsablauf, bei geringen Stückzahlen keine besonderen Geräte erforderlich

- materialschonende Verarbeitungstemperaturen

- Möglichkeiten für Konstruktionselemente im Leichtbau (Sandwichbauweise)

Nachteile Klebverbindungen: (4)

- Aushärtezeit

- begrenzte therm. Belastbarkeit

- Festigkeit der Verklebung hauptsächlich von Oberflächengüte der zu verklebenden Teile abhängig (Zum Teil aufwendige Vorbehandlung nötig)

- Festigkeit der Verklebung nimmt über Zeit ab

Aufbau von Klebverbindungen:

 

siehe Bild

Klebepraktikum: Wieso hält die einfache Überlappung besser, als die einfache Lasche?

Faustformel: Mehrfache, einseitige Richtungsänderung des Kraftverlaufes wirkt sich negativ auf die Festigkeit aus.

Hinweise für die Konstruktion:

- Vermeidung der linienförmigen Krafteinwirkung

- gut: Zugscher-, Druck- und Zugbeanspruchung --> Kraft wirkt auf grosse Klebefläche

- schlecht: Schäl- und Spaltbeanspruchung --> nur linienförmige Verklebung (geringe Festigkeit)

Berechnung:

Belastung von Kunststoffpaarung:

Spannungsspitzen an den Überlappungsenden der Klebung mindern die Tragfähigkeit einer Klebverbindung.

- Kunststoffpaarung: Belastbar nur 10 - 60 %

Abminderungsfaktoren für unterschiedliche Belastungsfälle:

- ungefähre Berechnung der zulässigen Spannung

.

Prüfmethoden zum Ermitteln von Kunststoffklebungen: (5)

+ Belastungsart der Klebung

+ für welche Klebungen geeignet

- Zugscherversuch (Flächenbelastung - steife Bauteile)

- Rollschälversuch (Linienbelastung - flexible und steife Bauteile)

- T-Peel Test (Linienbelastung - flexible Bauteile)

- Druckscherprüfung (Flächenbelastung - steife Kunststoffklebungen)

- Stirnabreissversuch (Flächenbelastung)

Strukturelles Kleben:

- gleichmässige Spannungsverteilung von Klebungen --> möglichst steifes Bauteil

- verwendet im Leichtbau

- spannungsgerechte Verbindungen zwischen verschiedenen Werkstoffen

Kombination von Dichten und Kleben:

 

- Spalten geringer statischer Belastung --> plastisch verformbare Klebstoffe

- Spalten mit grossen Bewegungen --> elastisch verformbare Kunststoffe

Funktion: Dichten, Kleben, Korrosionsschutz

Verfahrenskombination:

- Durchsetzfügen und Kleben

- Durch zusätzliche Fixierung (Niete) --> Aushärtung zeitunabhängiger

- Abdichtung --> reduzierung Korrosionsanfälligkeit

- Erhöhung dynamischer Stabilität und Schalldämmung

Kleben on Demand:

- Integration der Klebstoffschicht in das Bauteil (Mehrkomponentenspritzgiessen)

- Thermische Aktivierung des Haftvermittlers/ Schmelzklebers (elektrisches Wechselfeld)

- Fügen mit dem Substrat (Kunststoff, Alu, Edelstahl)

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