KJL

Kinder und Jugendliteratur

Kinder und Jugendliteratur


L. M.
Diese Lernkarten behandeln die Kinder- und Jugendliteratur (KJL) auf universitärem Niveau. Sie konzentrieren sich auf die Analyse von Texten, Erzählstrukturen und Adaptionen, die speziell für junge Leser konzipiert sind. Die Karteikarten beleuchten verschiedene Aspekte wie die Entwicklung von Lesern, die Bedeutung von Erzählsituationen und die Funktionen der KJL. Sie richtet sich an Studierende der Pädagogik, die sich mit der Vermittlung und Rezeption von Literatur für Kinder und Jugendliche auseinandersetzen.
Cartes-fiches
32
Utilisateurs
6
Langue
Allemand
Catégorie
Pédagogie
Niveau
Université
Créé / Mis à jour
20.06.2015 / 04.06.2016

Cartes-fiches

Stufenfolge der KJL:  

  1. Kindervers/Kinderlied (unterste Stufe, begrenzte Zahl von Regeln: Rhythmus, Reim, Wiederholungen, Reihungen, Reduplikationen oder: rituelle Monotonie (Hoppe hoppe Reiter)

  2. Vorlesegeschichten (Geschichten von Hanna Hanisch ("Mein blauer Esel Pim", "Kopfkissen-Geschichten", "Drei-Minuten-Geschichten") oder die von Heinrich Hannover ("Das Pferd Hupp die Wupp ")

 

Orale Stilistik der Anfängerliteratur: 

  • Kindererzählungen an mündlicher Erzählsprache (oraler Stilistik) erkennbar (schriftliche Folklore. Konkrete Gebrauchssituation/auf Vorlesen und Nacherzählen bezogen. Text ist sprechbar, vorlesbar, nacherzählbar und erleichtert Aufnahme

Anfängerliteratur als Sozialisationsliteratur:

  • Literatur als Mittel für das Hineinwachsen in literarische Kultur / lit. Sozialisation

  • Ausstattung mit Bildern verliert an Bedeutung (mediale Adaption nimmt ab)

  • Für Familiengebrauch bleiben Medienerfahrungen unabdingbar. Texte bleiben zum Vorlesen, Angucken usw → Gebrauchsliteratur

 

Jenseits d. Anfängerlit: 

  • die Regelhaftigkeit tritt zurück, und die Komplexität der literarischen Struktur (das WAS und WIE) wächst.

  • Je mehr sich die Erzählung für Kinder der realistischen Prosa annähert, um so weniger sind die Regeln wahrnehmbar

  • Bsp Carlo Calotti: "Es war einmal... 'Ein König!' werden sofort meine kleinen Leser rufen. Nein Kinder, da habt ihr euch geirrt! Es war einmal - ein Stück Holz." (Collodi 1966, 5) Durch den Textanfang spricht der Autor im Bewusstsein der Leser die Struktur an, die zu zerstören er vorhat und lenkt die Aufmerksamkeit auf etwas Neues (Vgl. Lypp 1989, 73). 

Fassetten der KJL:

  • die Gesamtheit der für Kinder und Jugendliche als geeignet empfundenen Literatur (= intentionale KJL)

  • die Gesamtheit der für Kinder und Jugendliche geschriebenen fiktionalen und nichtfiktionalen Texte (= spezifische KJL).

  • die Gesamtheit der von Kindern und Jugendlichen rezipierten fiktionalen und nichtfiktionalen Texte (= Kinder- und Jugendlektüre).

  • ein Teilsystem des gesellschaftlichen Handlung- bzw. Sozialsystems „Literatur“ (= „Subsystem KJL“)

Handlungssystem Literatur: 

  • verfügt über innere Struktur und über Merkmale und Funktionen, die Abgrenzung von anderen Systemen ermöglicht

  • Hat innere Struktur - > lit. Produktion (Autor, Herausgeber usw.), Vermittlung (Verleger, Buchhändler usw) und Rezeption/Verarbeitung (Normalleser usw.)

 

Außen-Innen-Differenzierung:

 

  • ästhetisch-literarische Konvention (ÄLK) → Text kein Wahrheitsgehalt oder praktischen Nutzen

  • Polyvalenzkonventionen (PK) → Vieldeutigkeit der lit. Texte

Funktionen der KJL:

  • Mittel zur Erziehung (Sozialisationsmittel)

  • Kindgemäße Literatur (Anpassung an Leser(Kind) → Adaption)

  • Wiedergeburt der Volkspoesie (breite Gattungspalette sorgt für Wiedergeburt der Poesie)

  • Richtige/Vollwertige Literatur

  • KJL ist das Gegenteil von autonomer Literatur

Symbolsystem:

  • Menge der Texte zu einem historischen Zeitpunkt bilden Symbolsystem (Themen, Darstellungsweisen, Gattungen usw.)

 

Adaption: 

  • Adaption im Subsystem KJL bezeichnet alle Handlungen, Methoden, Formen, einen Text so zu gestalten, zu verändern, zu bewerben, anzupreisen, zu bewerten, auszuwählen, dass er den kognitivpsychischen Dispositionen, den Bedürfnissen, dem Erwartungshorizont des anvisierten Adressatenkreises entspricht.

  • Auf Ebene der a) literarische Produktion; b) der Vermittlung, c) der Rezeption/Verarbeitung

Formen der Adaption:

  • stoffliche A.

  • Formale A.

  • Sprachlich-stilistische A.

  • Mediale A.

Naratologie in der KJL:

  • keine Prinzipielle unterscheidung KJL und Erwachsenen Li. (nurnoch graduell) → in KJL auch morderne Formen des Erzählens

  • Das „was und wie“ des Erzählens sind vergleichbar

  • Frage nach Art und Weise des Erzählens („Wie“) muss diskutiert werden, nicht mehr nur der Inhalt („Was“)

  • deshalb narratologische Fragen entscheidend, um KJL zu erkennen

Moderne Formen des Erzählens:

  • innerer Monolog

  • Bewusstseinsstrom

  • Multiperspektivischen Erzählen

  • Wechsel der Zeiteben

2-Ebenen Modell des Erzähltextes:

  1. Ebene → Wie (discours/lit. Vermittlung) → Zeit, Modus, Stimme (Erzähler) → Zeit: Ordnung, Dauer, Frequenz; Modus: Distanz, Fokalisierung; Stimme: Erzählzeitpunkt, Erzählebene, Involviertheit

     

  2. Ebene → Was (histoire/Geschichte) → Räumliche Konstituenten, Handlung → räuml. Konstituente: Raum, Figuren; Handlung: Geschehnisse, Ereignisse

Erzählanfange:

  • Anfang durch Einführung (Beginn ab ovo)

    • Es wird eine Einführung in die Geschichte gegeben

  • Unmittelbares hineinführen (in medias res)

    • mitten ins Geschehen eingeführt

  • Anfang mit Rückschau (in ultimas res)

    • Beginn mit Ende der Geschichte

  • Einleitung mit Begründung der Geschichte (Invocatio)

 

 

 

Checkliste Figuren:

  • 1. Besonderheiten (Vorgeschichte; wann, wo und in welchem soz. Milieu; äußere Erscheinung; soziale Stellung im Figurenensebmle)

  • 2. äußeres Verhalten (Verhaltensweisen, Eltern, Großeltern usw; Anteil am sozialen Umfeld; Verhalten zur Arbeit, Schule, Wort und Tat; Verhältnis zur Umwelt, Tiere, Natur; ) Inneres Verhalten (wie sieht sie sich?)

  • 3. Grundlagen für das Verhalten ( Weltanschauung, persönliche Motive, warum handelt sie so?)

Auktoriale Erzählsituation: 

  • allwissender Erzähler

  • berichtende Erzählweise

  • Erzähler gehört nicht zur Geschichte

  • vermittelt zwischen fiktiver und realer Welt 

Ich-Erzählsituation:

  • Erzähler mit Figur identisch

  • erzählende Ich und erlebende Ich

 

Personale Erzählsituation:

  • Anwesenheit des Erzählers wird dem Leser nicht bewusst. Der Leser nimmt die Erzählung aus Sicht einer bestimmten Figur

 

Modernisierung: 

  • "technologischen Rationalisierungsschübe und die Veränderung von Arbeit und Organisation, umfaßt darüber hinaus aber auch sehr viel mehr: den Wandel der Sozialcharaktere und Normalbiographien, der Lebensstile und Liebesformen, der Einfluß- und Machtstrukturen, der politischen Unterdrückungs- und Beteiligungsformen, der Wirklichkeitsauffassungen und Erkenntnisnormen."

 

Adoleszenz-Begriff: 

  • Mit der Frage nach dem Adoleszenz-Begriff ist ein Bezug zu den Disziplinen hergestellt, die sich mit jenen Phasen beschäftigen, die das Ende der Kindheit und den Übergang zum Erwachsenenalter anzeigen. Aufgerufen sind mindestens Medizin, Anthropologie, Jugendforschung, Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Psychoanalytische Entwicklungstheorie, Empirische Sozialforschung, Gender- und Generationenforschung. lebensgeschichtliche Phase, in der es zu einem Mit- und Gegeneinander von körperlichen, psychischen und sozialen Prozessen kommt. Insofern geht es um die ‚Neuprogrammierung’ der physiologischen, psychologischen und psychosozialen Systeme. 

3 Ebenen der Adoleszenz:

  • 1. Physiologisch = A. umfasst Gesamtheit der somatischen Veränderungen (körperliche Entwicklung u. sexuelle Reifung von besonderer Bedeutung).

  • 2. Psychologisch = A. meint den Komplex individueller Vorgänge, die das Erfahren, die Auseinandersetzung und Bewältigung somatischer und sozialer Veränderungen betreffen (psychosoziale Faktoren besondere Rolle).

  • 3. Soziologisch = A. ist eine Art Zwischenstadium, in dem Jugendliche zu einer verantwortungsvollen, aktiven Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen motiviert werden, aber eine institutionelle Absicherung noch nicht besteht. 

Merkmale Adoleszenzromans:

  • jugendliche Helden, Darstellung in Jugendphase

  • klassisch männliche Protagonisten, moderne o. Postmoderne auch weiblich

  • nicht auf Pubertät beschränkt sonder 11 bis 30er (Identitätssuche)

  • Die jugendliche Hauptfigur wird nicht nur in einer "existentiellen Erschütterung" und "tiefgreifenden Identitätskrise" (Ewers) angetroffen, sondern sie kann die lebensgeschichtliche Phase ebenso als lustvoll und offen erleben, als Möglichkeit, sich Auszuprobieren, als Spielchance, als Gewinn bei der Sinn- und Identitätssuche. 

Handlungsmuster Adoleszenzromane:

  • Ablösung von Eltern

  • Ausbildung eigener Wertvorstellungen (Ethik, Politik, Kultur usw.)

  • erster sex. Kontakt

  • hineinwachsen oder Ablehnen in soziale Rolle

  • A. zumeist ein ‘offenes Ende’, die Protagonisten bleiben auf der Suche, eine Identitätsfindung im Sinne eines festen Wesenskerns muß nicht erfolgen und auch nicht angestrebt sein. 

Étudier