HS2015


D. A.
Diese Lernkarten behandeln auf Universitätsniveau die komplexen Dynamiken internationaler Beziehungen, mit Fokus auf Staaten, Konflikte und globale Institutionen wie die UN. Sie beleuchten Themen wie Migration, Handel und Machtverhältnisse, insbesondere im Kontext von Kriegen und humanitären Interventionen. Die Karteikarten sind besonders nützlich für Studierende und Fachleute in Politikwissenschaft, die ein tiefes Verständnis der internationalen Beziehungen und deren Akteure erlangen möchten.
Flashcards
204
Students
27
Language
German
Category
Politics
Level
University
Created / Updated
19.12.2015 / 30.12.2018

Flashcards

Realismus (zusammengefasst)

Hauptakteure:  Staaten
Dominante Motivation des Menschen:    Angst, Verlangen nach Herrschaft
Hauptziele der Akteure:    Alle Staaten erstreben Macht oder Sicherheit (relativ)
Dominantes Instrument der Akteure:    Militärische Macht
Dominanter Prozess der Interaktion:    Wettbewerb
Dominante strukturelle Eigenschaft des internationalen Systems :   Anarchie
Kernaussagen:    Gleichgewichtspolitik, Problem des Machtwechsels

 

Die Denkschule des Liberalismus

• Denkschule mit langer Vorgeschichte (Immanuel Kant, Adam Smith) aus der sich mehrere „liberale“ Theorien gebildet haben
-    Handel und Ökonomische Integration
-    Demokratische Institutionen (innerhalb Staaten)
-    Internationales Recht und Institutionen
• Trotz Anarchie ist Kooperation und Friede möglich

 

Annahmen des Liberalismus

• Modernisierung: Die Welt verbessert sich durch Erfindungen, Innovationen und Verbesserungen.
-    Wissenschaft und Technologie verbessern die Kommunikation, Kooperation, wirtschaftliche Möglichkeiten und politische Beziehungen
• Individuen und Gruppen, die sich zu Staaten vereinen, sind die Hauptakteure in den internationalen Beziehungen.
-    Durch die Verbreitung der liberalen Demokratie könne Individuen und Gruppen Nationalismus überwinden und Rechtsstaatlichkeit und Kooperation zwischen Staaten stärken
• Es gibt Anarchie aber auch Interdependenz (Beziehungen zwischen Staaten)
• Individuen haben den Anreiz Handel zu treiben, zu verhandeln und Kooperationen für gemeinsame Vorteile zu suchen ( Es geht nicht nur um die relativen Gewinne sondern auch um die absoluten)
-    Individuen können über relative Gewinne hinausgehen und nach gemeinsamen Vorteilen streben
-    Die internationalen Beziehungen sind zwar nicht von Natur aus friedlich, aber es gibt viel Spielraum, gemeinsame Interessen durch Handel und Kooperation zu verfolgen.
• Gesellschaften befinden sich auf einem gemeinsamen Weg  der Demokratie und des Kapitalismus
-    Durch Handel, Austausch, Innovation und Lernen gibt es eine generelle Bewegung zu liberaler Demokratie & Kapitalismus
• Fortschritt
-    Individuen und Gruppen lernen und sie reagieren auf Menschenrechte und die moralische Richtigkeit der Rechstaatlichkeit
-    Z.B. Abschaffung der Sklaverei, Verringerung tyrannischer Herrschaft

Verschiedene Ausprägungen und wichtige Aussagen des Liberalismus

- Wirtschaftlicher Liberalismus

- Demokratischer Friede

- Liberaler Institiutionalismus

- Transnationalismus

- Kosmopolitismus

Wirtschaftlicher Liberalismus

-    Marktwirtschaft und wirtschaftliche Interdependenz (wirtschaftliche Verflechtungen) wirken sich friedensfördernd aus
o    Wenn wirtschaftliche Beziehungen zwischen Staaten zunehmen, vergrössert sich das Interesse an stabilen und andauernden Beziehungen (kann auch täuschen → 1. Weltkrieg)

 

Demokratischer Friede

-    Demokratien neigen dazu, nicht gegeneinander Krieg zu führen
-    Mögliche Gründe:
o    Demokratien haben gemeinsame Werte und erkenn sich als legitime Staaten an, deren Interessen und Souveränität geachtet werden muss
o    Die Bürger tragen die Kosten des Krieges und sie könne diese Kosten vermeiden, wenn sie eine friedfertige Regierung wählen
o    Regierungen von Demokratien könne sich eher vertrauen, da sie sich gegenüber ihrer Bevölkerung verantworten müssen
o    Aber: Demokratien sind nicht notwendigerweise friedfertiger gegenüber Nicht-Demokratien

 

Liberaler Institutionalismus

-    Staaten neigen dazu, internationale Beziehungen an Völkerrecht und internationalen Organisationen auszurichten
o    Liberale Staaten erkennen die Rechte einzelner & Bürger andere Staaten an. Wenn liberale Staaten die internationalen Beziehungen bestimmen, sollte  auch internationales Recht die Beziehungen zwischen Staaten mitbestimmen
o    Bei Unsicherheit können internationale Institutionen Vertrauen zwischen Staaten aufbauen und Kooperation (im gemeinsamen Interesse) fördern

 

Transnationalismus

-    Die Neigung von Individuen und innerstaatlichen Gruppen, Verbindungen zu Gruppen und Individuen anderer Staaten aufzubauen
o    Transnationale Gruppen beeinflussen die internationalen Beziehungen beispielsweise indem sie als Interessengruppen Druck auf Regierungen ausüben, als Expertengruppen agieren oder als Governance Institutionen Regulierungen bzw. gemeinsame Standards festlegen
o    Bsp.: NGO: Verbot für Landminen, Finanzwesen → gemeinsame Standards vereinbaren

 

Kosmopolitismus (Gegenteil von Rationalismus)

-    Die Neigung der Menschen in unterschiedlichen Ländern sich gegenseitig als globaler Mitbürger anzuerkennen
o    Der Liberalismus legt nahe, dass Menschen nicht in ihrer nationalen Identität gefangen sind, sondern sich mit Menschen anderer Länder identifizieren können und eine Gemeinschaft zwischen ihnen aufbauen können

 

Liberalismus (zusammegefasst)

Hauptakteure:    Staaten und innerstaatliche Akteure


Dominante Motivation des Menschen:    Angst, Verlangen gut zu leben, nicht negatives, pessimistisches Bild wie bei Rationalismus


Hauptziele der Akteure:   Alle Staaten erstreben Wohlfahrt zusätzlich zu Sicherheit


Dominantes Instrument der Akteure:    Militärische Macht, Handel, Investitionen, Verhandlungen, Überzeugung


Dominanter Prozess der Interaktion:    Wettbewerb und Kooperation


Dominante strukturelle Eigenschaft des internationalen Systems:    Anarchie plus internationale Interdependenz und Regime → internationale Verflechtung


Kernaussagen:    Demokratischer Friede, Liberaler Institutionalismus

 

Denkschule des Marxismus

• Marxistische Theorien der Internationalen Beziehungen gehen auf die sozioökonomische Theorie (Gesellschafts- & Wirtschaftstheorie) von Karl Marx zurück
• Die materielle und ökonomische Basis bestimmen die Gesellschaft und ihre internationalen Beziehungen

 

Annahmen des Marxismus

• Die Produktionsweise bestimmt die Produktionsverhältnisse, also die sozialen und politischen Beziehungen zwischen Arbeitern und Eigentümern des Kapitals, also Geschäfte.
→ so wie produziert wird, so sind auch die Beziehungen innerhalb der Wirtschaft
-    Politik (politics) betrifft die Oberfläche von Gesellschaften; bestimmend sind die treibenden Kräfte des Kapitalismus und der industriellen Entwicklung (Arbeiter & Banker haben gleiches Mitspracherecht, dem Banker geht es aber viel besser)
• Die wichtigen Akteure sind ökonomische Klassen
-    Im Kapitalismus sind dies Arbeiter (Lohnempfänger) und Kapitalisten (Eigentümer von Geschäften und Banken)
• Der moderne Staat ist so gestaltet, dass er der kapitalistischen Klasse dient und deren Interessen stützen will
-    Dies gilt auch für alle modernen Staaten, auch Demokratien (nur weil es Wahlen gibt, heisst das nicht, dass das Volk zufrieden ist)
-    Staaten beschützen und fördern die engeren Interessen der kapitalistischen Klasse, indem sie Eigentum und Profit zu schützen
-    Und strukturell, indem sie die Regeln, Institutionen, Überzeugungen und Privilegien der politischen Ordnung erhalten
• Der Klassenkonflikt (Arbeiter – Kapitalisten) bestimmt immer mehr die Beziehungen zwischen Arbeitern und Kapitalisten
-    Entgegenwirkenden ökonomische Interessen treiben den Klassenkonflikt voran:
-    Arbeiter müssen Arbeitslosigkeit und Armut fürchten. Sie organisieren sich in Gewerkschaften
-    Eigentümer erhöhen ihren Gewinn durch Druck auf Löhne. Sie profitieren von internationalem Handel und Finanzströmen
• Revolutionen sind die grosse Quelle von politischen Veränderungen
-    Wenn sich der Klassenkonflikt zu weit zuspitzt überwältigt die Mehrheit (Arbeiter) die Wenigen (Kapitalisten).

 

Wichtige Aussage des Marxismus

• Staaten und Sicherung des Kapitalismus
-    Der Staat dient den Interessen der kapitalistischen Klasse und sichert daher den Kapitalismus. Er erhält Eigentumsrechte und die Institutionen, die dem Kapitalismus zu Grunde liegen.
-    Unterschiedliche Mechanismen:
o    Strukturelle Macht – automatischer Einfluss von Firmen: Politiker wollen wirtschaftliches Wachstum, weshalb sie ein gutes „Investitionsklima“ schaffen → niedrige Steuern, wenig Regulierung
o    Instrumentelle Macht – Einfluss durch gezielte Aktionen: Firmen haben viele Ressourcen, d.h. sie haben einen Vorteil bei Lobbying, Kampagnen, Wahlkampffinanzierung
• Dependenztheorie (versucht zu erklären warum die armen Länder immer noch arm sind und die reichen immer noch reich)
-    Abhängigkeit der Staaten des globalen Südens (Dritte Welt) vom globalen Norden (reiche Staaten)
o    Ausrichtung der armen Staaten auf die Bedürfnisse der reichen Staaten durch die Kolonialisierung → reiche Staaten haben die armen so gemacht, wie sie sie haben wollten
o    Eingliederung der armen Staaten in das vom globalen Norden dominierte globale Wirtschaftssystem begünstigt den globalen Norden und die kleine, reiche Elite in den armen Ländern
• Transnationale Unternehmen
-    Transnationale Unternehmen sind wichtig für die internationale Politik
o    Durch die Verbreitung des Kapitalismus richten sich Unternehmen auf internationale Märkte aus
o    Dabei gewinnen die multinationalen Unternehmen (weil sie Standorte wechseln könne) und die Arbeiter verlieren (weil sie weniger mobil sind).

 

Marxismus (zusammengefasst)

Hauptakteure:    Wirtschaftliche Klassen


Dominante Motivation des Menschen:    Gier


Hauptziele der Akteure:   Kapitalisten: Profitmaximierung
Arbeiterklasse: faire Löhne und Arbeitsverhältnisse


Dominantes Instrument der Akteure:    Vermögen (Kapitalisten)
Arbeit (Arbeiterklasse)


Dominanter Prozess der Interaktion:    Ausbeutung des Kapitals und der Arbeiter


Dominante strukturelle Eigenschaft des internationalen Systems:    Ökonomische Ungleichheit


Kernaussagen:    Dependenztheorie

 

Spielarten der Theorien

• Realismus:
-    klassischer Realismus
-    Neorealismus, struktureller Realismus
• Liberalismus:
-    Liberalismus
-    Neoliberalismus
-    Transnationalismus

 

Sind Kriege häufig oder selten?

• Kriege spiele eine zentrale Rolle in internationalen Beziehungen/Politk
• 2014: 11 Kriege → 193 Staaten (UN-Mitglieder) 5,7% → 18'528 Staaten-Paare (Annahme dass nur 2 Länder im Krieg involviert sind)  0.06 %

 

Kriege sind folgenschwer: verheerend

• Kriegsopfer
-    Soldaten und Zivilisten → die Leute die im Krieg umkommen
-    Waffengewalt, Misshandlungen, Krankheiten, Hunger, Erfrieren → nicht direkt im Krieg umgekommen
-    Physische und Psychische Schäden → Soldaten & Zivilisten die Krieg erfahren haben
-    Flüchtlingselend
• Schäden in Wirtschaft und Politk
-    Beschädigung oder Vernichtung des Staates (des öffentlichen Systems) und Gemeinwesens
-    Einschränkung bürgerlicher Freiheiten (Meinungsfreiheit etc.)
-    Wirtschaftliche Schäden, wie Zerstörung der Infrastruktur, Inflation
• Umweltzerstörung
-    Verseuchung von Wasser, Luft und Böden
-    Bsp.: Atombomben, agent orange

 

Definitionen von Gewaltkonflikten (Grafiken siehe Zusammenfassung)

Krieg:
• Quantitative Definition (Correlates of War Projekt):
-    Organisierter Konflikt mit über 1000 Kriegstoten
o    Warum sollte Konflikt mit 900 Toten kein Krieg sein? Wieso genau 1000? → reicht nicht aus!
• Qualitative Definition:
-    Gewaltsamer Massenkonflikt mit Beteiligung von zwei oder mehr bewaffneten Streitkräften, davon mindestens eine einer Regierung
-    Mindestmass an zentral gelenkter Organisation (wenn in einem Land einzelne Leute Aufstand machen ist es kein Krieg)
-    Kontinuierliche militärische Operationen
• Ausführliche qualitative Definition von Krieg:
Krieg ist ein gewaltsamer Massenkonflikt, der alle folgenden Merkmale aufweist:
-    an den Kämpfen sind zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt, bei dene es sich mindestens auf einer Seite um reguläre Streitkräfte (Militär, paramilitärische Verbände, Polizeieinheiten) der Regierung handelt;
-    auf beiden Seiten muss ein Mindestmass an zentralgelenkter Organisation der Kriegsführenden und des Kampfes gegeben sein, selbst wenn dies nicht mehr bedeutet as organisierte bewaffnete Verteidigung oder planmässige Überfälle (Guerillaoperationen, Partisanenkrieg, …);
-    die bewaffneten Operationen ereignen sich mit einer gewissen Kontinuierlichkeit und nicht nur alsa gelegentliche, spontane Zusammenstösse, d.h. beide Seiten operieren nach einer planmässigen Strategie, gleichgültig ob die Kämpfe auf dem Gebiet einer oder mehrere Gesellschaften stattfinden und wie lange sie dauern.
Als bewaffnete Konflikte werden gewaltsame Auseinandersetzungen bezeichnet, bei denen die Kriterien der Kriegsdefinition nicht in vollem Umfang erfüllt sind. In der Regel handelt es sich dabei um Fälle, in denen eine hinreichende Kontinuität der Kampfhandlungen nicht mehr oder auch noch nicht gegeben ist.

Militarisierte zwischenstaatliche Konflikte( militarized interstate disputes, MID, Correlates of War Projekt):
• Androhung von Gewalt gegen einen Staat → kommt nicht zu effektiver Gewalt

• Mobilisierung oder Bewegung von Streitrkäften/Truppen

• gewaltsame Konflikte unterhalb der Kriegsschwelle

Aktuelle Kriege

• Die Wissenschaft ist schlecht darin, Prognosen zu machen: Kriege im Jahr 2030:
-    Realismus: Staaten streben nach Macht → Vergrösserung der Gebiete, andere Staaten angreifen → tendenziell mehr Kriege. Wenn sich gewisse Staaten ehre etablieren --> Unterdrückung der Bevölkerung. Klimawandel --> noch mehr Konflikte --> Ressourcenknappheit. Ressourcen sind relativ --> Nullsummenspiel vs. Negativsummenspiel Staaten als rationale Akteure --> Krieg kostet --> verzichten
Macht --> mehr Konflikte

-    Liberalismus: Austausch & Wohlfahrt sehr wichtig --> Kriege vernichten Wohlfahrt --> tendenziell weniger Kriege. Ressourcenknappheit durch Klimawandel --> Staaten müssen sich kriegerische verhalten um ihren Wohlstand zu halten, Sind Schäden durch Klimawandel grösser als Ertrag durch zusätzlichen Handel und Erfindungen? Liberalist sagt ja wir haben Lösungen um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen
-    Marxismus:
Durch Flüchtlingsströme mehr Klassenkampf --> in Ländern entsteht grössere Ungleichheit, grösseres Angebot an Arbeit /Wettbewerb
Brennpunkt Afrika: weil meistbenachteiligter Kontinent, momentan, gibt Vereinigungen --> zwischenstaatliche Konflikte Südamerika: hohe Ungleichheit
• Kriege (1000+ Tote): Syrien, Irak Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Ukraine, Südsudan, Israel/Gaza, Somalia, Jemen
• Kriegerische Konflikte (200-999 Tote): Indien, Uganda, Libyen, Sudan, Ägypten

 

Typen kriegerischer Gewalt

• Zwischenstaatliche Gewaltkonflikte (interstate)
-    oder mehr Staaten sind beteiligt.
-    Bsp.: Erster und Zweiter Weltkrieg, Irakkrieg 2003
• Innerstaatliche Gewaltkonflikte (internal, intra-state)
-    zwischen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren innerhalb bestehender Grenzen
-    Bürgerkriege, z.B. Sudan 1955-72, 1983-2005) → heute ist Sudan ein eigener, anerkannter Staat
• Extrastaatliche Gewaltkonflikte (extra-state)
-    zwischen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren jenseits bestehender Grenzen (nicht im eigenen Land) bzw. in fremdem Staatsgebiet
-    z.B. Frankreich – Algerien (Unabhängigkeit einer Kolonie)
-    USA – Al Qaida Ableger im Jemen und in Somalia
• Nicht staatliche Gewaltkonflikte (non-state)
-    zwischen nicht staatlichen Akteuren unabhängig von bestehend Grenzen → können innerhalb des Landes oder über Grenzen hinweg stattfinden
-    beinhaltet Konflikt zwischen Gemeinschaften (inter-communal)
-    z.B. Rebellengruppen in Kolumbien: FRAC (links) – AUC (rechts) 1997-2005

 

Ursachen für Krieg - Individuum

• Fehleinschätzungen
-    Stress in Krisensituationen (Finanzkrise 2008: Verantwortliche mussten innerhalb kurzer Zeit wichtige Entscheidungen treffen. Man hat nicht alle Informationen auf die Schnelle, kann im Krieg genauso passieren
-    „Bias“ (Voreingenommenheit): Frühe Entscheidung für Lösung, wenn dann neue Informationen kommen, die zur Meinungsänderung bewegen sollen, bleibt man bei seiner Entscheidung obwohl man sich um entscheiden sollte.
• Sozialpsychologie kleiner Gruppen: Gruppendenker
-    z.B. USA: Irak, Vietnam (What does the president need to know) → Beraterstab um Entscheidungsträger: kritisch vs. Loyal
•Übermässiger Optimismus
-    Führungsqualitäten von Politiker/innen
-    Stärkung des Militärs → mehr Truppen, bessere Technologien
-    Geschlecht

 

Ursachen für Krieg - Staatsebene

• Unterschiedliche Wirtschaftssysteme: Kapitalismus:
-    viel Austausch, Firmen haben Interesse, weiter Handeln zu können → kein Krieg
-    Kapitalistische Staaten tendenziell friedlicher
• Institutionen: Demokratischer Frieden (gegeneinander kein Krieg)
-    Institutionelle Einschränkungen:
o    Wähler müssen Kriegskosten tragen
o    Wenn Zivilbevölkerung realisiert, dass Söhne & Töchter sterben sind sie eher kontrovers eingestellt
-    Normative Einschränkungen
o    Menschenrechte

 

Ursachen für Krieg - internationales System

• Anarchie kann Krieg ermöglichen
-    keine Ordnungsmacht
-    UNO & Sicherheitsrat: haben nicht genügend Macht um kriegerische Konflikte zu unterbinden
• Anarchie kann Krieg verursachen
-    Private Informationen: Akteure haben Informationen über eigenen Zustand und Verhalten und andere Akteure können diese nicht einsehen. Es können nur Vermutungen angestellt werden
-    Gefangenendilemma

 

Gefangenendilemma

• Zwei Akteure, Nicht-Nullsummenspiel (2 verschieden grosse Kuchen & je nach dem wenn sich die Akteure gut verhalten gibt’s einen grösseren und sonst einen kleineren)
• Individuell rationale Entscheidungen führen zu kollektiv schlechtem Ergebnis
• Zwei Optionen:
-    Kooperieren
-    Nicht kooperieren – betrügen
• Dilemma:
-    Betrügen ist individuell rational
-    Aber: bestes Ergebnis nur durch Kooperation möglich
• Situation:
-    Polizei schnappt 2 Verbrecher (Einbruch & Totschlag)
-    Polizei kann Einbruch beweisen, aber nicht Totschlag
o    Würde 2 Jahre Gefängnis bedeuten
-    Polizei macht jedem Gefangenen das gleiche Angebot
o    Geständnis (alleine): Freilassung (Kronzeugenregelung)
o    Geständnis (beide): 10 Jahre Gefängnis
o    Leugnen (anderer gesteht): 25 Jahre Gefängnis

 

Verschiedene Arten von Konflikten

- Ideelle Konflikte

- Interessenkonflikte

Ideelle Konflikte

-    Ethnische Konflikte:
o    Ethnische Gruppen: Gemeinsame Identität z.B. durch Abstammung, Sprache, Kultur, Religion
o    Ethnische Gruppe (kann aber muss sich nicht mit einer Nation identifizieren) oft Basis für Nationalismus. Identifizierung als Nation und Wunsch nach eigenem Staat → Nationalstaatsbildung
o    Oft verbunden mit Territorialkonflikten – Grenzen entsprechen nicht dem Standort der Gruppe
•    Mehrheit mit Staat und Minderheit in einem anderen Staat (russische Minderheiten in Estland)
•    Minderheit (Kurden in Syrien, Türkei, Irak, Iran)
o    Oft mit langer Vorgeschichte mit Konflikten über Territorium, Ressourcen oder Dominanz einer Gruppe, oft weiss man auch nicht genau, wann es begonnen hat


-    Religiöse Konflikte
o    Religion schafft nicht per-se Konflikt – viele Religionen leben friedlich miteinander
o    Religion ist oft der Kern des Wertesystems und der Identität von Gruppen → wenn man einen bestimmten Glauben hat, geht man keine Kompromisse ein (Potential für besonders hartnäckige Konflikte)
o    Religion ist oft das sichtbarste Element eines Konfliktes
o    Globale Zunahme fundamentalistischer Gruppen (klammern sich an Werte)
o    Aktuell: Bewaffnete Islamistische Gruppen (Al Qaida & IS → Sunniten, Hisbollah → Schiiten)


-    Ideologische Konflikte
o    Ideologie: Weltanschauung und Interessen
o    Ideologie bestimmt die Werte einer Gruppe aber weniger stark als Religion
o    Grosser ideologischer Konflikt: Kapitalismus – Kommunismus (Kalter Krieg)
o    Stärke der Ideologien nehmen nach Revolutionen oft ab (China, Iran, Kuba)

 

Interessenkonflikte

-    Territorialkonflikte
o    Gebiet ist essentiell für Staaten: Bedeutung geht über materiellen Nutzen hinaus. Staaten geben Territorien selten ab, auch nicht gegen Entschädigung. Staaten vergessen Gebietsverluste nicht leicht
o    Gebiete können wirtschaftlich oder militärisch wichtig sein, z.B. Öl, Wasser oder günstige militärische Lage
o    Gegensätzliche Interessen – Nullsummenspiel
→ Potential für besonders hartnäckige, gewaltsame Konflikte
o    Besondere Art von Territorialkonflikten: Sezession (Abspaltungskriege). Souveränität und Abspaltung eines Landesteils. Führt oft zu Kriegen (Kosovo) aber nicht immer (Tschechische Republik & Slowakei). Zurückhaltung der internationalen Gemeinschaft → Wird oft als interne Angelegenheit gesehen
o    Andauernde Territorialkonflikte: Israel – Nachbarstaaten (Gaza, Golanhöhen, Westjordanland), Indien – Pakistan – China (Kaschmir). China – Taiwan, Vietnam, Malaysia, Philippinen (Spratly-Inseln)


-    Herrschaftskonflikte
o    Konflikte über die Herrschaft eines anderen Staates: leichter Eingriff (Einflussbei Wahlen), starker Eingriff (Gewaltsamer Regimewechsel)
o    Herrschaftskonflikte sind Konflikte über Souveränität: Souveränität ist essentiell für Staaten. Gegensätzliche Interessen (Eingriff oder Souveränität)→ hohes Potential für Gewalt


-    Wirtschaftliche Konflikte (nicht so tragisch → positive Summenspiele, beide Seiten können gewinnen → gewaltfreie Lösungen
o    Wirtschaftliche Beziehungen und Konflikte sind häufig
o    Sie führen aber (heutzutage) selten zu Krieg
o    Gründe: Beidseitige Gewinne durch Handel (kein Nullsummenspiel). Hohe Kosten (Schäden) militärischer Gewalt
• Früher hat es mehr Kriege mit wirtschaftlichen Gründen gegeben, da es sich mehr gelohnt hat, für wirtschaftliche Ziele militärisch einzugreifen.
• Zunahme der Kriege wegen Ideologie → Kalter Krieg
• Ethnie & Religion: wenig Kriege jedoch sehr hartnäckige

 

Irakkrieg 2003 - Vorgeschichte

• Erster Irakkrieg 1990/1
-    Irak marschiert in Kuweit ein
-    UN Resolution (Kämpfe gegen Irak): Intervention, internationale Koalition
-    Irak verliert, Saddam Hussein bleibt an der Macht
-    UN Resolution (687) Vernichtung von Massenvernichtungswaffen (WMD), Langstreckenraketen (>150 km), internationale Kontrolle


• 90er Jahre
-    Doppelte Eindämmung (containment Strategie): UN Inspektionen, Flugverbotszonen (konnte Nachbarn nicht angreifen)
-    Angriffe nach Beschwerden der UN Inspektoren, 1998
-    Ausweisung der UN Inspektoren

 

Ausgangslage Irakkrieg

•Unsicherheit über das irakische Waffenarsenal (Insb. WMD)
• Terroranschläge 9.11.2001: Neubewertung der Sicherheitslage (Furcht: WMD in Hände der Terroristen?)
• Unterschiedliche Strategievorschläge in den USA (G.W. Bush)
-    „Realpolitik“ Colin Powell (Aussenministerium): Eindämmung und internationale Koalitionen
-    D. Cheney, P. Wolfowitz: Militärische Interventionen und unilaterales Vorgehen
-    Anfang 2002 – Bush: Achse des Bösen (Irak darin aufgenommen → Hauptfeind)
• Vermutungen über Massenvernichtungswaffen (CIA)

 

Welche Art von Konflik war der Irakkrieg

• interstaatlicher Konflikt: USA – Irak v.a. weil es nicht nur die USA waren, sondern auch eine Koalition welche gegen Irak war
• extrastaatlicher Konflikt: wegen Al Qaida, jedoch keine offensichtliche Verbindung von Hussein zur Al Qaida
→ klassischer Krieg zwischen 2 Staaten

 

Um was ging es beim Irakkrieg?

• Gründe: Die Familiensache Bush, Lobbyverbindungen, 9/11
• Gegenstand des Konflkts:
-    Öl → wirtschaftlicher Konflikt (USA hätte andere Möglichkeiten gehabt, als eine militärische Intervention?
-    Herrschaftskonflikt: gegenseitige Interessen bezüglich Massenvernichtungswaffen, Irak → Stürzen des Regimes
-    Eingriffe in die Souveränität der USA

 

Der Weg zum Krieg (Irakkrieg)

• Versuch zur Bildung einer internationalen Koalition (man hat versucht, ein Mandat zu kriegen)
-    UN Resolution 1441: „schwierige Konsequenzen“ bei Weigerung der „vollständigen Deklaration“ der Massenvernichtungswaffen (WMD) und Rakete
→ Sanktionen, aber noch kein Krieg
• Irak akzeptiert UN Inspektionen
-    Resultat: Keine WMD, Unstimmigkeiten der irakischen Angaben, Raketen mit Reichweiten über 150 km
• Amerikanischer Entwurf einer UN Resolution zur Intervention
-    → keine Mehrheit im UN Sicherheitsrat
• USA bildet die „Koalition der Willigen“
• Invasion nach einem US Ultimatum (Hussein und seine Söhne sollen den Irak innerhalb 48 Stunden verlassen
-    ohne (explizite) UN Resolution
-    Ultimatum wurde nicht erfüllt

 

Gründe für den Irakkrieg

• Internationales System:
-    Vorherrschaft der USA (Realismus) → kann nicht zulassen, dass feindliches Regime so viel Öl besitzt
-    Anarchie – fehlende zentrale Ordnungsmacht
o    Zunächst: Kooperation im UN System (Liberalismus) → 1. Irakkrieg
o    Schwäche des UN Systems (Realismus) → USA ist über Sicherheitsrat hinweggegangen
-    Öl als strategische Ressource (Realismus)
-    Regionale Machtrivalitäten
o    WMD Aufklärung schwächt Irak gegenüber Iran (Realismus) → Wenn Inspektoren kommen & wissen ob/wo es WMD hat, dann wissen das auch die Iraner & können sie vernichten
-    Externer Schock: 09.11.2001


• Staatenebene
-    Bürokratie: Verteidigungs- /Aussenministerium (Liberalismus)
-    Interessen des Militär-Industrie-Komplexes (Liberalismus)
-    Keine Einschränkung durch den Kongress (Realismus, nicht Liberalismus) → keine Kontrolle


• Individualebene
-    Fehleinschätzungen über WMD, Gruppendenken. Kritiker sagen, dass man schon wusste, dass es keine Massenvernichtungswaffen gab
-    Übermässiger Optimismus: Stärkung des Militärs (Technologien) → Konflikt schnell gewinnen.
Geschlecht → Hypothese: Entscheidungsträger waren nur Männer
-    Saddam Hussein: Überleben zweier Kriege (1. Golfkrieg & 1. Irakkrieg)
-    George W. Bush: Analogien (Achseln des Bösen, 2. WK), Lehre aus dem ersten Irakkrieg (Hussein war immer noch Problem nach dem 1. Irakkrieg)

 

Frieden und globale Machtverteilung

• Mächtegleichgewicht
-    Frieden durch ausgeglichene Machtverhältnisse → kein Staat kann den/die Gegner bezwingen
-    Multipolares Gleichgewicht (z.B. Wiener System) → Reihe von Grossmächten
-    Bipolares Gleichgewicht (z.B. Kalter Krieg) → beide Mächte können nicht gewinnen
• Hegemonie
-    Frieden durch die Dominanz eines Staates – ein übermächtiger Staat setzt Frieden durch (z.B. Römisches Reich
• Entsprechende Strategien von Staaten
-    Gleichgewichtspolitik: intern (Aufrüsten), extern (Allianzen)
-    Bandwagoning (Mitläufereffekt): Allianz mit einem starken Staat (wenn es diesen einen grossen Staat gibt, kann man sich dort anschliessen & er sorgt für Frieden)

 

Internationale Institutioenen, Recht & Organisationen als Ursachen des Friedens. Unterschiedliche Arten der internatioalen Kooperation

• Genfer Konvention
• Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
• Abrüstungsinitiative PSI

 

Völkerrecht

• Gefüge von Normen, Praktiken und Regeln, die von Staaten als verbindlich anerkannt werden
→ verbindliche Regeln
• z.B. Genfer Konvention, Charta der Vereinten Nationen, Europäische Menschenrechtskonvention
• Völkerrecht regelt das Verhältnis von Staaten untereinander (mit Ausnahmen: Internationaler Strafgerichtshof verfolgt Individuen)
• Quellen des Völkerrechts
-    Völkergewohnheitsrecht, z.B. Souveränität, Seevölkerrecht (Mare Liberum) → Staaten haben sich schon immer daran gehalten
-    Völkerrechtliche Verträge, z.B. Seerechtsübereinkommen der UN → wenn Staaten sich zusammensetzen und etwas beschliessen

 

Internationale Institiutionen

• Ein Gefüge von Regeln, die festsetzen wie Staaten kooperieren und wie sie gegeneinander konkurrieren. → Regeln für Staaten, nicht verbindlich
• z.B. Handelsabkommen, Abrüstungsinitiativen (PSI), Basler Ausschluss für Bankenaufsicht, Ottawa-Konvention zu Personenminen
• Völkerrecht ist eine Kategorie von internationalen Institutionen (aber es gibt auch noch andere Arten von Regeln)
• Internationale Institutionen ist heute ein gebräuchlicherer Begriff für das ähnliche Konzept der „internationalen Regime“

 

Internationale Organisationen

• Zusammenschlüsse von Akteuren, meistens Staaten, die mit eigenen Organen und eigenen Zuständigkeitsbereichen ausgestattet sind → Körperschaft (haben eine fixe Adresse)
• z.B. Vereinte Nationen, Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Union (EU)
• Gegründet durch völkerrechtliche Verträge

 

Der Völkerbund

• Vorgeschlagen von US Präsident Woodrow Wilson
• Gründung durch die Siegermächte des 1. Weltkrieges 1919, im Versailler Friedensvertrag
• Ziel: Verhinderung von Krieg durch Schlichtung, Abrüstung und Androhung kollektiver Sanktionen → Kernidee: Kollektive Sicherheit
• Vermittlungen bei einzelnen (eher unbedeutenden) Konflikten
-    Spitzbergen (1920), Äland-Inseln (1921), Korfu (1933)
 Misserfolge – Staaten können sich nicht auf Sanktionen einigen
-    Einmarsch Japans in die Mandschurei, 1993
-    Einmarsch Italiens in Äthiopien, 1935
• Auflösung 1946 nach der Gründung der UN

 

Kollektie Sicherheit

• Einer für alle – alle für einen: Alle Staaten verpflichten sich, einem angegriffenen Land zu helfen
• Nach innen gerichtet – nicht nach aussen (wie Allianzen)
• Motivation: Abschreckung von Gewalt wegen Übermacht der Gemeinschaft
• Voraussetzungen
-    Universale Mitgliedschaft
-    Glaubwürdigkeit der Drohung → Keine Blockade durch fehlende Truppen oder Veto von betroffenen Staaten

 

Study