Hygienic Processing
Teil 1 - 10
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Lernkarten
Food Process Engineering/Technology: Fields of Research
- Inactivation/Removal of microorganisms/Aseptic technology
- Food Microstructure Engineering
- Protein technology and Separation Technologies
- Bioprocess Engineering
- Processing Technologies for Biofunctional Ingredients
Wege zum Erreichen des Zustands „aseptisch und steril“
- Hierarchie der Zusammenhänge -
- Reinigbare und sterilisierbare Anlage gemäß der Prinzipien des `Hygienic Design´
- Erfolgreiche Reinigung (d.h. Entfernung von Produktresten und echtem Schmutz vor Produktionsbeginn)
- Erfolgreiche Inaktivierung der Mikroorganismen durch Sterilisation/Desinfektion bei der Behandlung der Anlage bzw. des Produkts
- Aufrechterhalten des theoretisch erreichten Zustands der Aseptik durch Mittel der Sterilprozesstechnik, (d.h. Verhinderung einer Rekontamination im laufenden Prozess)
- Sichere Produktion „keimfreier“, aseptischer Produkte (sofern dies angestrebt wird)
Haltbarkeitslimitierende Ursachen bei biotischen Rohstoffen
• Mikrobiell kontaminierte Rohstoffe
• Mikrobielle Kontamination im Prozess bzw. aus der Umgebung (Luft, Wasser, Menschen) mit vegetativen und/oder sporenbildenden Mikroorganismen
• Rekontamination nach der eigentlichen Behandlung (Luft, Wasser, Packstoff) Typische Mikrobiota erlauben oft eine Zuordnung der in Frage kommenden Re-Kontaminationsquelle.
• Enzymatische Stoffumsätze (Endogene bzw. mikrobiell erzeugte Enzyme)
• Chemische Stoffumsätze (z.B. Oxidation)
• Physikalische Vorgänge (z.B. Phasentrennung)
frühere Möglichkeiten zur Haltbarmachung von Lebensmitteln
• Trocknen im Schatten
• Dörren in der Sonne
• Einsalzen
• Räuchern
• Einlegen in Salzlake
• Eindicken in Zuckerwasser
• Spontane alkoholische Fermentation
• Spontane Milchsäure- oder Essigsäurefermentation
• Versiegeln von Früchten mit heißem Pech ( Kandieren)
Ziele moderner Lebensmittel- und Pharmatechnologie
• Sicher (nicht pathogen, toxinfrei, nicht unbedingt keimfrei)
• Haltbar, lagerfähig
• Wertstoffe erhalten und physiologisch verfügbar
• (Biotische) Wirkstoffe trotz Einwirkung von Prozessstress wirksam erhalten (viele Therapeutika sind heute biogenen Ursprungs und somit z.B. thermisch labil)
• LM: Sensorisch ansprechend gestaltet (Geschmack, Aroma, Mundgefühl, Struktur, Aussehen)
• Bedarfsgerecht (Verabreichungs- bzw. Dosierform)
• Umweltverträglich
Hurdle Technology Rationale
- Basic Concept
--> To use different antimicrobial factors together (multi hurdle preservation) instead
of a single antimicrobial factor (single hurdle preservation).
- Consequence of Concept
--> Product stabilisation with a lower overall impact on product quality. The
products are more "Natural“ and "Fresh", thus minimally processed.
Verfahren zur Herstellung von haltbaren Produkten
- Autoklavensterilisation (Konservenherstellung)
• Füllgut wird unsteril verpackt und verschlossen
• Verschlossene Verpackung wird autoklaviert
(z.B. bei 121 °C; 12 D Konzept)
• Häufig Produktschädigung durch starke thermische Belastung
• Finale Autoklavensterilisation ist der Normalfall in der Pharmatechnik
gemäß DAB
- Aseptische Lebensmittel- bzw. Pharmaproduktion
• Füllgut und Verpackung werden getrennt voneinander sterilisiert
• Rekontaminationsfreie Verpackung unter aseptischen Bedingungen
(über längere Produktionsphasen hinweg)
• Hohe mikrobiologische Anforderungen an die Verpackung bei extrem
hohem Anlagendurchsatz (5 log-Abtötung des jeweiligen Testkeims)
• Verschiedenste Arten von Verpackungen (Folien, Form- bzw.
Tiefziehverfahren, Blasverfahren, vorgefertigte Packungen)
Die Säulen der aseptischen Prozesstechnik
- Dazu muss die Anlage reinigbar, d.h. nach hygienischen Kriterien konstruiert sein (CIP: Cleaning in Place) („Don´t try to sterilise dirt“).
- Der aseptische Bereich einer Füllanlage und dessen Peripherie müssen durch Sterilisation vor Produktionsstart keimfrei gemacht werden (SIP: Sterilisation in Place)
- Das Produkt muss vor der Zufuhr in den aseptischen Bereich einer Abfüllanlage frei sein
von jeglichen während der Lagerung unter Normal-bedingungen („ambient“)
vermehrungsfähigen Mikroorganismen. - Das Packmittel muss keimfrei sein bzw. gemacht werden.
- Reinfektionen müssen grundsätzlich ausgeschlossen werden
Spezielle Umstände und Arten steriler Arzneiformen
- Viele Wirkstoffe können nicht oral dargereicht werden, da die Wirkstoffe im Verdauungstrakt zerstört würden bzw. die Resorptionseigenschaften schlecht wären.
- Alternative Darreichungsarten sind:
– Intravenöse Injektionen oder Infusionen
– Intramuskuläre Injektionen
– Inhalation
- Probleme mit Injektionen/Inhalationen
– Mikroorganismen können Infektionen hervorrufen, da die natürlichen
Schutzmechanismen des Körpers umgangen werden (Magensäure, kontrollierte
Resorption im Darmtrakt)
– Partikel in Injektionslösungen können die feinen Kapillaren blockieren und zur
Mikronekrose führen
- Konsequenzen:
– Darreichungsformen zur Injektion müssen partikelfrei und steril sein.
Voraussetzungen für Aseptik und Steriltechnik
- Hygienic Design, Reinigbarkeit der Anlagen
- Erfolgreiche Reinigung vor einer Desinfektion
- Bewusstsein beim Personal um Gesetze der Wahrscheinlichkeit (der Inaktivierung von MO)
- Gebäudliche Voraussetzungen
- Einhaltung der Grundsätze von GMP
Grenzen der UV-C-Entkeimung
• Schutz der Zellen vor der Strahlung durch:
– Verklumpung
– Staub und Schmutz
– „Schattenbildung“
• Abstand Oberfläche-Strahler hat großen Einfluss
– Je größer die Distanz, desto schlechter ist die Abtötung
• Winkel der einfallenden Strahlung
– Bei parallel einfallenden Strahlen nimmt die Strahlungsintensität auf
geneigten Flächen ab.
• Einfluss der Luftfeuchtigkeit
– Mit steigender Luftfeuchtigkeit nimmt die Wirkung von UV-C-Strahlung ab.
• Keine Entkeimung an Hinterschneidungen in der Verpackung
Physikalische Methoden zur Oberflächenentkeimung
Inaktivierung von Mikroorganismen mit UV-C-Strahlung
Wellenlängenbereich: 10 bis 280 nm
250-260 nm => Absorptionsmaxium
Wirkmechanismus:
Veränderungen in der DNA. Es können nicht alle Zellen abgetötet werden: Sind alle pathogenen Keime
abgetötet?
CHemische Verfahren zur Entkeimung von Verpackungen: Entkeimung mit Plasma
- Zur Oberflächenentkeimung als neues Verfahren zu werten
- Vierte Zustandsform der Materie
- Atmosphärendruckplasma mit kaskadierter dielektrischer Barriereentladung kostengünstiger als Niederdruckplasma
- großflächig anwendbar
Peressigsäure
Nachteile
• Hohe Geruchsbelästigung
• Starke korrosive Wirkung
• Dampf sehr leicht flüchtig
• Flammpunkt bei 56 °C (im Vergleich: H2O2 bei 107 °C)
• Instabil
--> hohe Unfallgefahr
Peressigsäure
Allgemeines
- H2O2 + Essigsäure => Gleichgewichtsmischung
- Farblose, beißend riechende und stark hautverätzende Flüssigkeit
- Starkes Oxidationsmittel
- Bei Raumtemperatur effektiver als H2O2
- Zerfällt in Bestandteile Sauerstoff, Essigsäure, Wasser, Wasserstoffperoxid;
Wasserstoffperoxiddampf (HPV) und vernebeltes Wasserstoffperoxid (aHP) im Vergleich
Was ist warum besser?
Höhere Effektivität des Wasserstoffperoxiddampfes durch höhere Konzentration während der Behandlung
Einsatz von Wasserstoffperoxid zur Raumdesinfektion
- Wasserstoffperoxiddampf (VHP = vaporized hydrogen peroxide)
- 30 %iges H2O2 wird verdampft
- Kondensatbildung an Oberflächen ist zu vermeiden!
- Wasserstoffperoxidaerosol
- - Vernebelung 5%iger H2O2 Lösung mit Silberionen- Kleine elektrisch geladene Partikel (8 – 12 µm) haften an Partikel in der Luft und an Oberflächen
- Bei beiden Verfahren muss das Wasserstoffperoxid nach der Behandlung
entfernt werden
Während der Behandlungszeit darf der Raum nicht betreten werden
Einflussfaktoren des verkeimten Materials auf die Inaktivierungswirkung von gasförmigen H2O2
- Rauigkeit
- Hydrophobizität
Variabilität der Packstoffentkeimung bedingt durch präferierte Kondensation an hydrophilen Partikeln
- Hydrophile Sporen werden bevorzugt vom Kondensat benetzt, bevor die hydrophobe Packstoffoberfläche benetzt wird
- Die H2O2-Konzentration im Kondensat ist aufgrund der höheren Siedetemperatur höher als im Gas oder der verdampften Lösung
Einfluss der Packstofftemperatur auf die Keiminaktivierung
Verbesserung der Inaktivierungswirkung, wenn die Taupunkt-Temperatur des Entkeimungsgases unterschritten wird. Es kommt dann zur Kondensation des H2O2-Gases
- Packstofftemperatur oberhalb der Taupunkttemperatur: Keine Kondensation
- Packstofftemperatur unterhalb der Taupunkttemperatur: Kondensation
verschiedene EInfluss auf das Inaktivieren von Bacillus-Sporen mit dampfförmigem H2O2
- Einfluss des Wasserstoffperoxidgehalts
- Mit steigendem Wasserstoffperoxidgehalt im Gas findet eine schnellere Inaktivierung statt
- Einfluss der Temperatur
- Mit steigender Behandlungstemperatur findet eine schnellere Inaktivierung statt
- Einfluss des Wassergehalts
- Je feuchter das H2O2/Luft-Gemisch bei gleicher H2O2-Konzentration, desto unwirksamer ist das Entkeimen!
Inaktivierung von Mikroorganismen durch H2O2
- Inaktivierung vegetativer Mikroorganismen:
• Radikalbildung, Strangbrüche in der DNA
- Inaktivierung bakterieller Sporen mit flüssigem H2O2 :
• Erste Auskeimphase und Abbau der Sporenrinde
• Keine zweite Auskeimphase, kein Beginn des metabolischen Stoffwechsels
• Schädigung der inneren Sporenmembran in der Diskussion
- Inaktivierung bakterieller Sporen mit gasförmigem H2O2 :
• Gasförmiges H2O2 dringt tiefer in Proteinstruktur ein
• Keine Oxidation von Aminosäuren
• Zersetzung von bestimmten Proteinen
--> Keine vollständige Klärung des Inaktivierungsmechanismus bakterieller Sporen durch flüssiges und gasförmiges H2O2
Aufsprühen von Wasserstoffperoxid auf Packmitteloberfläche
Trotz unvollständiger Benetzung vollständige Entkeimung der Oberfläche
---> Hypothese: verdampftes H2O2 wirkt aus Gasphase heraus ebenso effektiv
---> Plan: Neues Verfahren durch Einsatz von H2O2 in Form feuchter Gasatmosphäre ohne Kondensation bei höherer Temperatur und vorgewärmten Packmitteln
CHemische Verfahren zur Entkeimung von Verpackungen: Wasserstoffperoxid
- Häufiger Einsatz zur Packstoffentkeimung:
- Hohe Aktivität gegen alle Mikroorganismen, keine Resistenzbildung
- Einsatz von Lösungen bis 35 % in der Lebensmittelindustrie
- Aktivität steigt mit höheren Temperaturen
-->Flüssig
- Tauchbad
- Aufsprühen, Verdüsen
-->Bei beiden Verfahren muss das H2O2 wieder entfernt werden (maximal erlaubter Rückstand im Gebinde: 0,5 ppm)
-->Dampfförmiges Wasserstoffperoxid
- Kondensationsverfahren
- H2O2 muss entfernt werden
- Wasserstoffperoxiddampf, H2O2–haltige Heißluft
Testkeime / Testverfahren
Es wird jeweils der für das eingesetzte Entkeimungsverfahren resistenteste Vertreter als
Testkeim eingesetzt.
Trockene Hitze: Sporen von Geobacillus stearotheromphilus (früher: subtilis)
Feuchte Hitze: Sporen von Geobacillus stearothermophilus o. Clostridium sporogenes
UV-Bestrahlung: Konidiosporen von Aspergillus niger
Wasserstoffperoxid: Sporen von Bacillus subtilis
Peressigsäure: Sporen von Bacillus subtilis
Gamma-Strahlung: Sporen von Bacillus pumilis
Testverfahren:
Verpackungen werden künstlich verkeimt (etwa 106 KBE/Gebinde)
Behandlung der Verpackungen in einer Testanlage (bei unbekannter
Reaktionskinetik) oder direkt in der Abfüllanlage
Überlebende Keime werden detektiert
Inaktivierungserfolg kann berechnet werden
Indikatormikroorganismen
Pasteurisierte Produkte: Vegetative Bakterien
Saure Produkte: Schimmelpilze / Hefen
Haltbare Produkte: Bakterielle Sporen
- Verkeimungslevel und erzielbare Sterilitätsquote (SAL: Sterility Assurance Level)
- Nachweisverfahren
• 1 kbE / Becher --> jede Verpackung ist unsteril
• 0,1 kbE / Becher --> jede 10te Verpackung ist unsteril
• 10-4 kbE / Becher --> jede 10.000ste Verpackung ist unsteril
--> DIe Keimzahl muss um 5 log reduziert werden, wenn es bei einer AUsgangsverkeimung von 1 Keim/Volumeneinheit das Ziel ist, eine Insterilitätsquote von 1
pro 10.000 Packungen zu erzielen.
Nachweisverfahren
- Direkter Nachweis: Um mit 95 %iger Sicherheit eine Defektrate von 1:10.000 zu untersuchen, sind 30.000 Verpackungen zu untersuchen
- Indirekter Nachweis: Untersuchung der Entkeimungswirkung des eingesetzten Verfahrens (Reaktionskinetik und daraus ableitbare Berechnung)
Verfahren zur Verpackung von haltbaren Lebensmitteln
- • Konservenherstellung
– Lebensmittel wird unsteril verpackt und verschlossen
– Verschlossene Verpackung wird autoklaviert (121 °C; 12 D Konzept)
– Häufig Produktschädigung durch starke thermische Belastung
- • Aseptische Lebensmittelproduktion
– Lebensmittel und Verpackung werden getrennt voneinander sterilisiert
– Rekontaminationsfreie Verpackung unter aseptischen Bedingungen
– Hohe mikrobiologische Anforderungen an die Verpackung bei extrem hohem Anlagendurchsatz
– Schonenderes Erhitzungsverfahren des LM möglich
– Geringerer Energieverbrauch
– Verschiedenste Arten von Verpackungen
Aspekte und Kriterien zur Auswahl eines Entkeimungsverfahrens
- Lebensmittel
pH-Wert
pasteurisiert
UHT-erhitzt
Geforderte Haltbarkeit
Transport- und Lagerbedingungen
- Verpackung
pH-Wert
pasteurisiert
UHT-erhitzt
Geforderte Haltbarkeit
Transport- und Lagerbedingungen
- Entkeimungsverfahren
Gesetzliche Anforderungen
Leistungsfähigkeit
Grenzen in der Wirksamkeit
Rückstände?
Log-lineare Inaktivierung von Geobacillus stearothermophilus
Probleme
1. Extrapolation: Hoher Einsatz an Testkeimen in Labor
2. Auswertemodell bei nicht-log-linearem Verlauf:
- Berücksichtigung von Mischpopulationen
- Analytische Genauigkeit der mikrobiologischen Analytik (Kolonienbildung auf Agar; Exaktheit bei mehrstufigen Verdünnungsreihen)
3. Qualität der Datenbasis bei nicht-idealem Aufheizverhalten im Experiment