Humanmedizin 5.Semester

Humangenetik: Definitionen und wichtige Krankheitsbilder

Humangenetik: Definitionen und wichtige Krankheitsbilder


Youdid Fisch
Diese Karteikarten behandeln genetische Störungen und Chromosomenanomalien auf Universitätsniveau. Sie decken Themen wie Trisomien, Syndrome, Mutationen und deren Auswirkungen auf Kinder ab, wobei auch pränatale Diagnostik und Risikofaktoren behandelt werden. Medizinstudierende und Ärzte profitieren von diesem Set, um ihr Verständnis für genetische Erkrankungen und deren Diagnose zu vertiefen.
Flashcards
62
Students
4
Language
German
Category
Medical
Level
University
Created / Updated
22.05.2013 / 20.08.2018

Flashcards

Verteilung angeborener Erkrankungen/Fehlbildung

25% monogen

10% chromosomal

5% teratogen

45% unbekannt/ polygen/multifaktoriell

Thalidomid-Embroypathie

-Contergan-Schäden

-Transkriptionsfaktor geschädigt, der Extremitätenwachstum steuert

-80% haben Herzrhythmusstörungen

Phänokopie

Merkmale bei Personen, die durch exogene
Faktoren (nicht erbliche) verursacht werden, aber phänotypisch Merkmalen bei genetisch bedingten Erkrankungen gleichen

Wirkungsweise von Teratogenen

-Dosis: je höher die Dosis und je länger die Einwirkungszeit,desto größer der Effekt


- Spezifität: jedes Teratogen hat einen spezifischen
Wirkmechanismus auf zellulärer Ebene, dieser führt zu spezifischen, von der Organanlage abhängigen Fehlbildungen


•-Genetische Konstitution: Empfindlichkeit gegenüber
Teratogenen ist von der genetischen Konstitution des
Organismus abhängig. Mütter, die bereits ein Kind mit
Alkoholembryopathie geboren haben, haben ein höheres Wiederholungsrisiko bei weiteren Schwangerschaften.


-Sensible Phase: Empfindlichste Phase ist die der Organogenese:
zwischen der 3. und 8. Gestationswoche

Teratogen: Alkohol

--> Fetales Alkohol Syndrom

-Intrauterine Wachstumsverzögerung, typische Gesichtsform (schmale Lidspalten, verstrichenes Philtrum, schmales Oberlippenrot), psychomotorische Retardierung

Teratogen: Nikotin

-Geburtsgewicht im Schnitt um 200g verringert
(dosisabhängig)
-Frühgeburtlichkeit (RR 30% erhöht)
-Perinatale Sterblichkeit (RR 30% erhöht)
-Kein oder unwesentlich erhöhtes Krebsrisiko

Röteln-Embryopathie

-Fehlbildungsrisiko:
50% im 1. Schwangerschaftsmonat
20% im 2. Schwangerschaftsmonat
6% im 3. Schwangerschaftsmonat

--> angeborener Herzfehler, Myokarditis, Katarakt, Mikophtalmie, Innenohrtaubheit

Teratogen: Toxoplasmose

-Nur bei Erstinfektion der Schwangeren
-Höheres Infektionsrisiko in späteren SSwochen
1. Trimenon: 15%
2. Trimenon: 45%
3. Trimenon: 70%
-Intrauterine Wachstumsverzögerung
Hydrops
Hydrocephalus
Microcephaly
Intrazerebrale Verkalkungen

-Spiramycin (bis 15.SSW) bzw. Sulfazidin (ab 16. SSW)
reduziert Risiko des Kindes um 50%

Häufigkeit von Chromosomenstörungen

• Spontanaborte im 1. Trimenon 50 %
• Totgeburten 5 %
• Neugeborene 0,5 %
• Menschen mit MR ca. 12 %
Untersuchung aneuploider Feten:
In der Mehrzahl (> 90%) maternale Meiosestörung
(vom mütterlichen Alter abhängig)

Trisomie 21-Epidemiologie

-Häufigste Chromosomenstörung bei Neugeborenen
(ca. 2/3 aller Fälle) und häufigste Ursache für geistige
Behinderung

-Inzidenz etwa 1:650

-Risiko für die Geburt eines Kindes mit
Trisomie 21 steigt mit dem Alter der Mutter

-Wiederholungsrisiko nach Kind /SS mit
Down-Syndrom ca. 1 %

-Pränatal versterben 75% aller Zygoten mit Trisomie 21

-Diagnose Trisomie 21 nach einer Chorionzottenbiopsie (11.-13. SSW): Wahrscheinlichkeit von 35% für einen
Spontanabort

 

Trisomie 21 Merkmale

Beim Neugeborenen typische Fazies
und ausgeprägte Muskelhypotonie
– Flaches Profil mit flachem Nasenrücken
und Mittelgesichtshypoplasie
– Nach außen oben ansteigende Lidachsen
– Epikanthus (doppelte Lidfalte)
– Kleine dysplastische Ohren
– Hypoplasie der Mittelphalangen der 5. Finger
– Klinodaktylie der 5. Finger
– Vierfingerfurche
– Sandalenlücke
– Hypermobilität der Gelenke

-Deutliche motorische und sprachliche EV

-40-75% entwickeln einen ein- oder beidseitigen
Hörverlust (meist aufgrund rezidivierender Otitiden)

-Deutlich erhöhtes Risiko für die Ausbildung eines frühen
Morbus Alzheimer
– bei 10% der 50-Jährigen
– bei 75% der 60-Jährigen

-Frauen können fertil sein, Männer meist infertil

 

 

Trisomie 18-Epidemiologie

-Zweit-häufigste Chromosomenstörung bei
Neugeborenen

-Inzidenz etwa 1:6.000 Lebendgeborene

-Risiko für die Geburt eines Kindes mit
Trisomie 18 steigt mit dem Alter der Mutter

-Pränatal versterben 95% aller Zygoten mit Trisomie 18

-Mädchen-zu-Knaben-Verhältnis unter Neugeborenen 4 : 1

-Durchschnittliche Lebenserwartung
– 15 Tage
– ca. 10% der Kinder erleben ihren 1. Geburtstag
– ca. 1% der Kinder erreichen das 10. Lebensjahr

-Genetik:• freie Triso mie 18 80 %
• Mosaiktrisomie ca. 1-2 %
• Translokations-Trisomie ca. 20 %

Trisomie 18 ( Edwards-Syndrom)

-Merkmale

Vorgeburtlich:
– Meist deutliche intrauterine
Wachstumsretardierung (GG ca. 2000g)
– Verminderte Kindsbewegungen
– Verdickte Nackenfalte
– Fehlbildungen des Gehirns
– Herzfehler
– Hypotrophe Placenta
– Polyhydramnion
– Singuläre Nabelschnurarterie

-Mikrocephalie, nach hintenrotierte tiefsitzende Ohren

-"Tintenlöscher-“ oder „Wiegenkufenfüsse“, initial stark erhöhter Muskeltonus

Fehlbildungen innerer Organe
– Herzfehler (meist VSD)
– Malrotation, Ösophgusatresie
– Inguinal- oder Nabelhernie
– Cryptorchismus
– Nierenauffälligkeiten

Penetranz

gibt an, bei wie viel Prozent der Genträger es zum Krankheitsausbruch kommt

Pleiotropie

Ein Gen kann unterschiedlich voneinander unabhängige Symptome verursachen, mehrere Organge betreffen. Beispielsweise Marfan-Syndrom

 

Trisomie 13-Epidemiologie

-Inzidenz etwa 1:10.000 Lebendgeborene

-Risiko für die Geburt eines Kindes mit Trisomie 13 steigt mit dem Alter der Mutter

-Nur ca. jede 40. Konzeption mit Trisomie 13 überlebt bis zur Geburt

-Durchschnittliche Lebenserwartung ca. 7 Tage
– > 90% der Kinder versterben im 1. Lebensjahr

 

 

Heterogenie

gleicher Phänotyp kann von unterschiedlichen Genen hervorgerufen werden

Trisomie 13 (Pätau-Syndrom)

Vorgeburtlich:
– Meist deutliche intrauterine
Wachstumsretardierung
– Hirnfehlbildung
– Lippenkiefergaumenspalte
(meist doppelseitig)
– Polydaktylie

• Mehr als 80% der betroffenen Kinder versterben
im 1. Lebensmonat
• 5-10% erleben ihren 1. Geburtstag
• Schwerste mentale Retardierung
• Kinder mit Trisomie 13 sind häufig blind und
taub

-Herzfehler


 

Mosaik-Trisomie 8-Epidemiologie

-Inzidenz etwa 1:30.000 Lebendgeborene
– Verhältnis Jungen zu Mädchen 5 : 1
– nahezu normale Lebenserwartung

-Komplette Trisomie 8 nicht lebensfähig (wird gelegentlich
in Abortmaterial gefunden, hier Meiosefehler)

-Mosaik-Trisomie 8 resultiert meist aus euploidem
Konzeptus und anschließendem mitotischen Non-
Disjunction

-unabhängig vom mütterlichen Alter

-Wiederholungsrisiko nahezu Null

Mosaik-Trisomie 8

-Merkmale

-mentale Retardierung

-Dysmorphe Facies mit hoher prominenter Stirn und Skaphocephalie

-Kontrakturen von Fingern und Zehen
(70%)
• Tiefe Furchen an Handflächen und
Fußsohlen
• Wirbelsäulendeformitäten (65%), z.B.
Skoliose, Hemivertebrae
• Herzfehler (25%)
• Nierenanomalien

Achondroplasie

  • autosomal dominant
  • 80-90% Neumutation
  • 1 : 20.000
  • bei Homozygotie letal
  • Mutationsrate steigt mit Alter des Vaters
  • dysproportionierter Minderwuchs
  • Intelligenz & Lebenserwartung normal

Triploidie

-In ca. 80% Digynie (2 mütterliche haploide Sätze)
Inkorporation des Polkörperchens der 1. Meiose häufiger als Inkorporation des Polkörperchens der 2.
Meiose

-->häufig, kleiner Fet, kleine Placenta


-In ca. 20% Diandrie
(meist Dispermie – Befruchtung der Eizelle durch 2 Spermien)

-->selten, großer Fet, große Placenta

-Merkmale:

-Syndaktylie zw. 3. und 4. Finger
und 2. und 3. Zeh, Herzfehler, Hirnfehlbildungen

 

Chorea Huntington

  • autosomal dominant, vollst. Penetranz
  • 1 : 10.000, Manifestationsalter: 30-50J
  • Verlängerung des Trinukleotidrepeats (CAG=Glut) -> Polyglutamin-Krankheit >38 Wiederholungen
  • Auskristallistation von Huntingtin in Neuronen -> Apoptose!
  • PCR-Diagnostik
  • keine Therapie

Genomisches Imprinting

-Prägung eines speziellen elterlichen Allels eines Genes in einer Gamete oder Zygote führt zu unterschiedlicher Expression der zwei Allele des Genes in den somatischen Zellen der Nachkommen

-Form epigenetischer Vererbung

-Nukleosomale Kondensation durch Deacetylierung und Methylierung; Chromatinlockerung durch
Acetylierung und Demethylierung

FAP = Familiäre adenomatöse Polyposis

  • autosomal dominant, fast vollst. Penetranz
  • 1 : 10.000, 10-25% Neumutation
  • Mutation des Adenomatosis-Polyposis-Coli-Gens auf Chromosom 5 -> Polypenausbildung im Colon
  • Risiken: 100% Darmkrebs, 80% Osteome
  • unbehandelt letal bis 40. Lj

Uniparentale Disomie (UPD)

-Herkunft beider Homologen eines Chromosoms von nur einem Elternteil

 

Prader-Willi-Syndrom

-Häufigkeit ca. 1:10.000

-Ursache: UPD15mat (30%), Deletion 15q11-13 pat (60%)

-Symptome:
– im Säuglingsalter massive Muskelhypotonie,
Trinkschwäche,
– später zunehmende Adipositas bei Hyperphagie,  Minderwuchs

 

Angelman-Syndrom

-Häufigkeit ca. 1:16.000

-Ursache: UPD15pat (5%), Deletion 15q11-13 mat (60-80%)

-Symptome:
– zunächst unauffällig
– später „happy-puppet“
– Mikrocephalie, Lachsalven, SEV,
MR, ataktischer Gang
– EEG-Veränderungen, Epilepsie

 

Silver-Russell-Syndrom

-Maternale UPD von Chromosom 7

-Symptome: prä- und postnataler graziler Minderwuchs bei relativ großem Hirnschädel,
dreieckiges Gesicht, Körperasymmetrien,                  nur ausnahmsweise verzögerte mentale Entwicklung

HNPCC = Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer

oder Lynch-Syndrom

  • autosomal dominat, 80% Penetranz
  • 1 : 1.000, Manifestationsalter: 30-40 Lj
  • Mikrosatelliteninstabilität
  • keine Polyposis
  • Risiken: 70-80% Darmkrebs, 45-60% Endometrium-Ca
  • Diagnose anhand Amsterdam Kriterien

45,X (Ullrich-Turner-S.)

-die Monosomie X ist die einzige lebensfähige Monosomie des Menschen

-98% der Feten mit 45,X sterben intrauterin ab

-Jeder 10. Spontanabort im 1. Trimenon beruht auf dieser Chromosomenstörung

-Merkmale:

proportionierter Kleinwuchs, Hand- und Fußrückenödeme,  Pterygium colli (=„Flügelfell“), weiter Mamillenabstand, breiter Thorax, Verkürzung des Metakarpale 4, Herzfehler, Primäre Amenorrhoe, Gonadendysgenesie (97%)

 

Marfan-Syndrom

  • autosomal dominant, starke Penetranz
  • 1 : 3.000 bis 25.000, variable Expressivität
  • Mutation im Fibrillin-Gen, BGW-Schwäche
  • Pleiotropie
  • Symptome: Arachnodyktylie, Hochwuchs, Aneurysmen, Herzklappenfehler, Kurzsichtigkeit, usw.

47,XXY (Klinefelter-S.)

-Häufigkeit 1:1.000 Jungen

-präpubertär meist unauffällig

-Infertilität bei Azoospermie, Gynäkomastie, verminderte Gesichts- und Körperbehaarung 30-60%, eher großwüchsig

Triple-X (47,XXX)

-1:1.000 Mädchen

-Körperlich unauffällig, eher großwüchsig

-fertil, aber: vorzeitige Wechseljahre

-KEIN erhöhtes Risiko für Chromosomenstörungen bei Nachkommen

Polysomien (48,XXXX/XXXY; 49,XXXXX/XXXXY)


• deutliche geistige Retardierung
• Infertilität
• variable Dysmorphiezeichen,
DD: Downsyndrom
• 1:50.000

Syndrome die auf Mikrodeletion basieren

-DiGeorge: Mikrodeletion 22q11

-Prader-Willy-Syndrom

-Angelman-Syndrom

-Williams-Breuer- Syndrom

Konkordanz

Prozentsatz untersuchter Zwillingspaare, bei denen beide Zwillinge den gleichen Phänotyp für ein Merkmal exprimieren.

polygen

Merkmal, welches durch das Zusammenwirken mehrerer Gene mit jeweils kleinerem Einfluss bedingt ist. Polygenie kann für viele Merkmale/Erkrankungen als Regelfall angesehen werden.

multifaktoriell

Viele Faktoren bedingen ein Merkmal, z.B. ein oder mehrere Gene PLUS Umweltfaktoren

Expressivität

Grad der Ausprägung eines Merkmals (z.B. Mutation) zwischen zwei verschiedenen Individuen.

Zum Beispiel bei Neurofibromatose 1: Café-au-lait-Flecken, Neurofibrome, epilept. Anfälle

 

Étudier