Geografie-PHZH | 4: Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
Geomorphologie, Gletscher und Eiszeiten
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Lernkarten
Felshindernisse werden vom Gletscher zu stromlinienförmigen Rundhöckern geformt.
An der dem Eisstrom zugewandten Seite des Felshindernisses führt der zunehmende Druck des Eises zum Schmelzen und damit zur Entstehung eines Gleitfilms zwischen Gletscher und Fels. Die Erosion erzeugt hier eine stromlinienförmige und glatte Oberfläche.
Auf der dem Eisstrom abgewandten Seite friert bei nachlassendem Druck das Gestein an der Gletscherunterseite fest, wodurch einzelne Gesteinsbruchstücke losgerissen werden. Dies führt zu einer rauen, meist stufenförmigen Oberfläche der Rückseite eines Rundhöckers.
Die Form des Rundhöckers gibt damit auch Hinweise auf die ehemalige Fliessrichtung des Gletschers.
Unter den Gipfelpartien im Ursprungsgebiet des Gletschers führt die Erosion durch die grosse Eismasse zu einer steilwandigen, sesselförmigen Hohlform, einem Kar.
Nach dem Gletscherrückzug kann sich in der Mulde des Kars durch Schmelz- und Niederschlagswasser ein Karsee bilden, oder die Mulde wird mit niedergehendem Felsschutt allmählich zugeschüttet.
Wenn sich ein Gletscher von seinem Kar aus bergab bewegt, schürft er entweder das Lockermaterial aus einem Tal aus, oder er vertieft und überformt ein bereits vorhandenes V-Tal eines Flusses zu einem Trog- oder U-Tal mit einem muldenförmigen Talboden.
Dieser wird später meist durch Flussablagerungen ausgeebnet (z. B. Wallis). Die steilen bis senkrechten Talwände enden an der Trogkante, an die sich die ziemlich flach verlaufende Trogschulter anschliesst, die bis zur Schliffgrenze reicht.
Die Schliffgrenze markiert den ehemaligen Gletscherhöchststand als Grenzlinie zwischen kantigem, stark frostverwittertem Fels und den durch die Eisüberfahrung glattgeschliffenen, tieferen Felspartien.
Mündet ein Seitengletscher mit geringerer Erosionskraft in den Hauptgletscher, entsteht aufgrund seiner geringeren Erosionskraft ein höher gelegenes Seitental, das nach dem Gletscherrückzug durch eine steile Stufe vom Haupttal getrennt bleibt und daher als Hängetal bezeichnet wird.
Die Einmündung eines Hängetals in ein Haupttal ist meistens mit einem Wasserfall gekennzeichnet.
Wird ein Trogtal nach dem Abschmelzen des Eises vom Meer überflutet, bezeichnet man diese weit ins Land eingreifende, schmale Meeresbucht als Fjord (z. B. in Norwegen).
Moränen
Der Gletscher transportiert kantiges Gesteinsmaterial, das er selber am Untergrund und an den Talhängen erodiert hat oder das durch Frost- und Temperaturverwitterung abgesprengt wurde und von den Talflanken auf den Gletscher gefallen ist.
Sämtliche Gesteinstrümmer, die im und auf dem Gletscher transportiert und später wallförmig beim Schmelzen des Eises abgelagert werden, bezeichnet man als Moränen.
Weil im Gletschereis ein Sandkorn und ein Felsbrocken gleich schnell transportiert und ihre Form dabei nicht verändert wird, sind die Ablagerungen in einer Moräne unsortiert und kantig.
Gletscherzunge
Bleibt die Gletscherzunge über längere Zeit ortsfest, wird durch das ständig bergabwärts fliessende Eis sehr viel Material zur Gletscherzunge transportiert und dort zu einer markanten Endmoräne abgelagert.
Sie kennzeichnet demzufolge die ehemalige Ausdehnung eines über längere Zeit stationären Gletschers.
Seitenmoräne
In der Seitenmoräne wird auf den Gletscher gefallenes und an den Talseiten abgetragenes Gesteinsmaterial transportiert und später seitlich, meist wallförmig abgelagert.
Mittelmoräne
Fliessen zwei Gletscher zusammen, vereinigen sich die beiden Seitenmoränen zu einer Mittelmoräne.
Grundmoräne
Im Eis abgesunkenes und am Gletschergrund abgeschürftes Gesteinsmaterial wird an der Sohle transportiert und unter dem Eis zu einer Grundmoräne abgelagert.
Findling
Grössere Felsblöcke, die der Gletscher oft Hunderte von Kilometern vom Ursprungsort wegtransportiert hat, bezeichnet man als erratischen Block oder Findling.
Überfährt der Gletscher bei einem Vorstoss seine eigene Moräne, so formt er dieses lockere Moränenmaterial zu länglichen, in Richtung der Eisbewegung ausgerichteten Hügeln, den Drumlins.
Ein Drumlin kann bis zu 50 m hoch und einige Hundert Meter lang sein. Die steile Seite zeigt normalerweise die Richtung an, aus der das Eis gekommen ist.
Zungenbeckensee
Im Bereich der Gletscherzunge bildet sich durch die Erosion des Eises ein Zungenbecken, welches oft durch End- und Seitenmoränen wallartig umgeben ist. Nach dem Rückzug der Gletscherzunge bildet sich ein Zungenbeckensee aus Schmelzwasser, der später auch durch Zuflüsse und Niederschlagswasser gespiesen wird.
Die meisten grösseren Alpenvorlandseen (z.B. Genfer-, Zürcher-, Boden-, Sempacher-, Hallwilersee u.a.l sind typische Zungenbeckenseen.
Toteissee
Beim Gletscherrückzug können sich grössere Eisblöcke vom fliessenden Gletscher trennen und in der Moräne einlagern. Schmilzt dieses Toteis, so sackt das darüber befindliche Moränenmaterial ein und bildet eine Vertiefung, die sich durch Niederschlags- und Grundwasser zu einem Toteissee füllt.
Toteisseen sind meist zu- und abflusslos.
Formenbildung durch Wind
Der Wind kann Material bis zur Grösse von grobkörnigem Sand abtragen, über weite Strecken transportieren und schliesslich wieder ablagern.
In ariden und polaren Gebieten, die kaum oder gar nicht mit Vegetation bedeckt sind, ist die formende Kraft des Windes besonders wirksam. So transportieren südliche Höhenwinde den Saharastaub mehrmals jährlich bis in den Alpenraum, wo er als rötliche Verfärbung auf dem Schnee sichtbar wird.
äolisch
Äolisch (nach Aiolos, dem griechischen Gott des Windes, benannt) bedeutet «vom Wind geschaffen», vom Wind bewirkt, abgetragen, transportiert und abgelagert.
Deflation
Wind kann Sand aufwirbeln und abtransportieren, was als Deflation (Ausblasung) bezeichnet wird.
Hammada / Serir
Dadurch kann in Trockengebieten eine Hammada (Felswüste, Felsschuttwüste) oder eine Serir (Kies- oder Geröllwüste) entstehen, die wegen der starken Deflation keinen Sand mehr an der Oberfläche aufweisen.
Winderosion
Wind allein kann einen Felsen nicht abtragen. Mit Flugsand erreicht er aber eine abschleifende Wirkung, die der eines Sandstrahlgebläses entspricht.
Da die meisten Sandkörner unmittelbar über dem Boden transportiert werden, führt die Winderosion hauptsächlich hier zur Rundung und Abtragung der anstehenden Felsen und der losen Steine.
Ausgeblasener Sand aus einer Hammada oder einer Serir werden oft bei nachlassender Windströmung oder auf der Leeseite eines Hindernisses zu einzelnen Dünen oder sogar zu Dünenfeldern, einem Erg (Sandwüste), abgelagert.
Der Sandtransport auf der Luvseite einer Düne erfolgt oberflächennah durch Saltation und Schieben der Sandkörner. Beim Überschreiten des Dünenkamms bildet sich auf der Leeseite eine instabile Sandanhäufung, die von Zeit zu Zeit abrutscht und abgelagert wird. Infolge ständiger Abtragung auf der Luvseite und Ablagerung auf der Leeseite können Dünen als Ganzes in Windrichtung wandern und Höhen von einigen Dutzend Metern erreichen.
Windrippel
Die Oberfläche einer Düne ist durch wellenartige, wenige Zentimeter grosse Windrippel gegliedert, die quer zur Windrichtung angeordnet sind und sich in gleicher Art und Weise wie die Dünen vorwärtsbewegen können.
Sedimentation
Im Unterlauf eines Flusses ist die Fliessgeschwindigkeit klein, die Transportkapazität und die Erosion nehmen ab, sodass die Ablagerung (Sedimentation, Akkumulation) dominiert:
Zuerst wird das gröbere Material, bei abnehmender Geschwindigkeit das feinere Material akkumuliert. Die gerundeten und meist sortierten Ablagerungen von Flüssen im Ober-, Mittel- und Unterlauf werden als Schotter bezeichnet.