Einf. in die Religionsgeschichte des Judentums

Einführung in die Religionsgeschichte des Judentums

Einführung in die Religionsgeschichte des Judentums


V. B.
Diese Lernkarten bieten eine umfassende Einführung in die Religionsgeschichte des Judentums auf Universitätsniveau. Sie beleuchten zentrale Aspekte wie den Chassidismus, die Orthodoxie und zeitgenössische Strömungen, wobei Begriffe wie "jude", "gott" und "judentum" häufig vorkommen. Die Karteikarten eignen sich besonders für Theologiestudenten, die sich mit den historischen Entwicklungen und praktischen Aspekten des Judentums vertraut machen möchten.
Karten
70
Lernende
6
Sprache
Deutsch
Kategorie
Theologie
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
28.01.2014 / 25.02.2021

Lernkarten

Lebenszyklus: Schulinitiationsritual

 

  • 5-/6-jähriger Knabe wird von Vater bei Sonnenaufgang am Schawuot-Fest (Erinnerung an Gesetzgebung)

  • Sohn wird eingehüllt in einen Gebetsmantel (Symbol für Übergänge) vom Vater durch die Stadt zu seinem ersten Lernen mit dem Religionslehrer getragen (-> Reinheit des Knaben)

  • Dort angekommen, erhält er ein mit Honig bedecktes Täfelchen mit Buchstaben des Alphabets. Er wird vom Lehrer aufgefordert, jeden Buchstaben nachzusprechen & dann den Honig zu lecken.

  • Abschluss des Rituals: Der Lehrer führt den Knaben, der nun selbst geht, zum Flussufer. -> Symbolischer Übergang von beschütztem Raum eines Kindes zur offenen Sphäre eines erwachsenen Mannes, von beschützter Kindheit zu bedrohlichem Raum der Öffentlichkeit, von Unschuld des Nichtwissens zur Schuld des Wissens...

  • Höhepunkt ist der erste Kontakt mit der hebräischen Sprache. -> Versinnbildlichung der bibl. Methapher: Gott legt sein Wort in den Mund der Propheten. Bsp. Ezechiel: Prophet isst Schriftrolle, deren Geschmack süss ist.

Bar/Bat Mizwa

 

  • In 15./16. Jh. begann die Bar Mizwa diese Rolle der Initiation ins Erwachsensein zu übernehmen. Erst seit der Neuzeit gibt es neben der Bar Mizwa (wörtl. Sohn des Gebotes) auch die Bat Mizwa (wörtl. Tochter des Gebotes).

Bar Mizwa mit 13-jährig; Bad Mizwa mit 12-jährig.

  • Ab dem Segensspruch der Eltern (symbolische Trennung von Familie) ist Knabe / Mädchen religiös volljährig, gehört zur Gemeinde.

-> Gewisse Gebete kann man nur in Gemeinschaft beten; im orthodoxen Bereich ab 10 Männer, bei neun wird der Gottesdienst abgebrochen. Ab Bar / Bad Mizwa werden die religiös Volljährig mitgezählt.

-> Ritual des Betens mit Gebetsriemen am Kopf und am Arm nach der Bar / Bat Mizwa meist täglich im privaten Rahmen, kann aber auch öffentlich in Synagoge sein.

  • Bad Mizwa wird auch in orthodoxen Bereichen gefeiert, nicht nur in liberalen

Hochzeit

 

  • Normalerweise, wenn der Mann 18-jährig ist; die Frau kann ab Geschlechtsreife verheiratet werden.

  • 2 Stufen: Verlobung & Hochzeit, die Verlobung ist bereits bindend, nur Scheidung hebt sie auf.

  • Hochzeit: Ritus in orthodoxen Kreisen: Frau umschreitet den Mann 7x, bindet den Mann symbolisch an sich und umgekehrt.

  • Ehevertrag: Ketuba (von hebr. Kataf = das Geschriebene) Damit die Frau im Falle des Todesfalles ihres Mannes ist sozial abgesichert ist. In liberalen Gemeinden wird der Ehevertrag individuell formuliert, in Orthodoxen wird ein fixer übernommen.

  • Nach Eheringsübergabe zerschlägt der Bräutigam ein Glas.

-> Klassische Erklärung dafür: Auch an diesem Moment grösster Freude soll an die Zerstörung des 2. Tempels im Jahre 70 durch Römer erinnert werden. Doch sicherlich soll das Ritual auch Übel vertreiben

  • An 7 Abenden nach Hochzeit wird Brautpaar von Verwandten und Freunden eingeladen. An jedem Abend werden die sieben Benediktionen, die schon unter dem Traubaldachin gesprochen werden, gesprochen.

Tod

  • Stoffliche Verbindung zwischen Hochzeit und Tod: Gebetsmantel & Kittel (lang & weiss) des Bräutigams soll in der Orthodoxie auch sein Leichentuch sein.
  • Der Tod ist ein rite de passage par excellence: Trennung zentral, Umgang mit Tod ist in Judentum strikt geregelt

  • Erste Reaktion auf Bericht des Todes: Akzeptieren des Todes

  • Verhängen der Spiegel im Haus mit Tüchern als Symbol der Eitelkeit

  • Leichnam wird aufgebahrt aber nur kurz und für die allerengsten Verwandten

  • Begräbnis innerhalb von 4 Tagen, häufig am nächsten Tag, ausser es sei Sabbat/Feiertag

  • Es wird Totenwache gehalten, Leiche soll nicht allein sein -> geht sicher auf Grabschänderei in Antike zurück

  • Waschung des Leichnahms / Totenwache wird von Begräbnisgenossenschaft geregelt. Begräbnisse für Männer und Frauen getrennt

  • Kurzes Begräbnis: kurze Trauerrede, keine Blumen, keine Musik (Schlichtheit als Leitmotiv, da Reiche nicht von Armen unterschieden werden sollten)

  • Erstgeborener Sohn/nächster Verwandter spricht an Grab das sog. Trauergebet (Kaddisch -> Wurzel kadosch = heilig). Am Todestag wird es immer wieder gesprochen. -> Bemerkenswert: In Trauergebet kommt Tod nicht vor, nur Lobpreis, Verherrlichung Gottes -> Wie beim Bekanntwerden eines Todesfalles die Reaktion: Gott ist der gerechte Richter.

2. und 3. Phase nach Begräbnis

 

  • Trauerwoche (Schiwar = hebr. Sitzen)

  • Die nächsten Verwandten sitzen während einer Woche sehr tief, fast am Boden. Man macht sich ganz klein. Verwandte und Freunde besuchen Familie in dieser Schiwarwoche. Man spricht nur sehr wenig,  Unterlassung der Körperpflege und Vernachlässigung der Kleidung.

3. Trauerphase:

  • 30 Tage lang: Schloschin (hebr. 30)

  • Auf die Teilnahme von Feierlichkeiten und öffentlichen Veranstaltungen sollen die Trauernden verzichten

  • Trauernde Männer rasieren sich während einem Monat nicht

4. Phase nach Begräbnis

  • 11 Monate nach Schloschin (insgesamt endet Trauerphase nach einem Jahr)
  • 2x täglich wird (zumindest in der Orthodoxie) das Kaddisch-Gebete gesprochen.

  • Wenn jemand Jahrzeit hat, versammeln sich die nächsten Verwandten am Grab und der Erstgeborene / nächste Verwandte rezitiert das Trauergebet.

  • Erst nach diesem Trauerjahr wird der Grabstein gelegt. Erneut in einer sehr schlichten Zeremonie mit wenigen Bekannten & Verwandten. Ein Kieselsteinchen wird von jedem Besucher auf Grabstein gelegt als Zeichen, dass an Toten gedacht und für ihn gebetet wird.

  • Gräber werden nie aufgelöst! -> Im Judentum gibt es keine Kremierung, nur Ganzkörperberäbnisse

  • Jeder Jude hat auch einen hebräischen Namen, beide Namen stehen auf dem Grabstein. Als Appendix: Sohn/Tochter des (Vater&/Mutter) + weiterer Satz 1.Sam 25.29: „Seine Seele sei eingeschnürt im Bündel des Lebens.“

Midrasch

Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum

Intentionalismus (Goldhagen)

 

Holocaust wird vom Intentionalismus im Extremfall als logische Folge eines Jahrhunderte alten Antisemitismus in Deutschland gesehen.

Neoorthodoxie

 

(19.Jh.): Samson Raffael Hirsch

-> Freund von Geiger mit ähnlichen Ansichten, doch Fokus im Gegensatz zu Reformjudentum auf Geboten.

  • Gebote als Kern der Offenbahrung.

  • Unterscheidung von 3 Prinzipien: Liebe zu Gott, Gerechtigkeit & Erziehung. Diese Gebote wurden gemäss Hirsch den Juden vor dem Exdus gegeben, deshalb verbinde die Juden nicht nur das Land, sondern auch die Tora.

  • Rabbiner in Frankfurt; sein Schlagwort: Tora mit dem Weg des Landes -> gemeint ist „mit der weltlichen Lebensweise & Bildung“ -> Einhalten der Gebote & modernes Leben sollten sich nicht widersprechen.

Orthodoxes / Konservatives Judentum 

 

(19.Jh.): Zacharias Frankel

  • Reaktion auf Vorschläge des Reformjudentums, die Frankel & anderen zu weit gingen.

  • Wie im Orthodoxen Judentum Einhalten aller Gebote. & wie das Reformjudentum ist das Konservative Judentum egalitär (dh. Frauen haben dieselben Rechte wie Männer, können Rabbinen werden etc.)

-> In der Schweiz hat sich das Kons. Judentum nie durchgesetzt. In den USA seit langem.

 

Zeitgenössische Strömungen des Judentums

 

3 Hauptströmungen: Orthodoxie & Reformjudentum, beides Bewegungen des 19.Jh., beide in D (Zentrum Berlin) entstanden.

Konservatives Judentum: in D entstanden, hat sich in Europa nicht durchsetzen können, obwohl es ein Kompromiss zw. Orthodoxie und Reformjudentum ist.

Chassidismus

 

eine Untergruppe der Orthodoxie, im 17.Jh. in Polen entstanden.

Wortherkunft: von hebr. Cheset = Gnade (kann auch Liebenswürdigkeit bedeuten)

Gründer: Israël ben Eliezer (bekannt unter dem Namen Baal Shen Tov) reiste durch Polen & propagierte -> unüblich für Juden! ein einfaches, antiintelektuelles Judentum.
-> Aufgrund der Unterdrückung suchten die poln. Juden Trost in messianischer Hoffnung.

  • Charakteristika:

  • Anschauungen: Omnipräsenz Gottes, Fokus auf gutem Handeln

  • Ziel: Verbindung mit Gott, gerecht (hebr. zadik) sein

  • Verehrung der grossen Rabbinen -> unüblich für das Judentum
    -> Die Aufklärer, Moses Mendelssohn & co. hielten nichts vom Chassidismus, denn er stehe im Widerspruch zur Aufklärung, mache einen Rückschritt (da antiinktellektuell)
    -> Chassidische Bewegungen gibt es heute noch...

 

Chabat

 

  • Untergruppe der Chassidisten

  • Wortherkunft: Akronym aus chochma = Weisheit, bina = Einsicht & daat = Wissen

-> Erstaunliches Akronym für eine antiintellektuelle Bewegung

  • Stark missionarische Ausrichtung (nur innerjüdisch): Animieren zur Einhaltung der Tora etc.

Einheitsgemeinden

 

  • Umfassen Mitglieder jeglicher rel. Strömungen.
  • Haben einen wesentlich orthodoxen Gottesdienst; die Frauen werden nicht zur Tora aufgerufen, sitzen in Synagoge nicht mit den Männern zusammen.

  • Schwierigkeiten: Ein Grossteil der liberalen Juden hat Mühe mit dem orthodoxen Gottesdienst und führt teilweise ihren eigenen Gottesdienst durch... -> Neue Ausbildung von konservativen Rabbinen könnte daran was ändern...

  • In CH gibt es viele kleinere Gemeinden neben den grossen in Zürich, Basel & Genf

-> 18000 Juden in CH, 0,2 % der Bevölkerung

-> repräsentative (?) Umfrage: relativ verbreitete Ablehnung der Juden in CH

 

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