Anne Frank
L6 Anne Frank ein Familiendrama?
L6 Anne Frank ein Familiendrama?
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Lernkarten
Wann war die 2. Phase der Rezeptionsgeschichte?
Die 2. Phase der Rezeptionsgeschichte beginnt mit der Uraufführung als Theaterstück und endet mit dem Erscheinen des Films von George Stevens in Deutschland im Jahr 1959.
Welche Veränderungen findet man in der 2. Rezeptionsphase?
Welche Interpretationsmuster?
Diese Phase war geprägt von der Änderung des politischen Klimas in der BRD Ende der 50er Jahre. Es fand eine umfassenderer Diskurs über die nationalsozialistische Vergangenheit statt., zumindest in politischen Kreisen.
Eine Analyse der Presseberichte der 2. Phase verdeutlicht, dass die humanisierende Interpretationsweise auch in dieser Zeit eine vorrangige Stellung einnahm.
Dieser Deutungsansatz wurde trotz des politischen Wandels (bspw. Rede von Theodor Heuss) noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Man sah sich als Deutscher weiterhin als Opfer, das Schicksal der Anne Frank erinnerte sie an ihr eigenes, denn „wir haben ja auch so viel verloren“.
Wie steht man zum Leid der Juden in dieser 2. Phase?
Das Verbrechen an den europäischen Juden bzw. das Leid der 8 Versteckten im Hinterhaus wurde geradezu verharmlost. Die Untaten der Deutschen wurden mit den Untaten anderer Völker gleichgesetzt und jeder einzelne seiner Verantwortung und einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen NS Vergangenheit enthoben.
Der Nationalsozialismus wird als Irrtum begriffen oder als menschliches Versagen verstanden.
Wie wird Anne in der 2. Phase dargestellt?
Anne wird in der 2. Phase aus einer sehr einseitigen Perspektive betrachtet.
Die Rezipienten beschreiben sie in ihrer Art als ein mitteilungsbedürftiges und ausstrahlungsbereites Herz sie diene dazu, der Welt eine Botschaft der Tapferkeit und Toleranz zu verkünden. Diese Phase kann also als überhöht menschlich und sentimental angesehen werden.
Was macht die 3. Phase aus? Wann war sie?
Die 3. Phase steht im Zeichen der Eichmann- und Auschwitz- Prozesse von 1963, sowie Brandts Ostpolitik und seiner sozialliberalen Koalition . Diese Phase kann als Phase der Vergangenheitsbewältigung angesehen werden.
Welche Rolle spielt das Theaterstück und das Tagebuch in dieser Phase?
Das Tagebuch, sowie das Theaterstück fanden kaum noch Bedeutung. Erst mit der Ausstrahlung der TV- Serie Holocaust im Januar 79 und dem Gedenken an ihren 50. Geburtstag, schien sich die deutsche Gesellschaft wieder an das Tagebuch zu erinnern.
Welche Auswirkungen auf die Interpretation hatte die Phase der Vergangenheitsbewältigung?
In der 3. Rezeptionsphase wird nur noch selten über die Person Anne Frank berichtet bzw. wird sie selten umschrieben. Wenn dann erscheint sie weder als Heldin noch als Opfer, sondern als Mensch.
Diese Phase der politischen Vergangenheitsbewältigung hatte keinerlei Auswirkungen auf eine neue Interpretation des Tagebuchs. Es blieb ein Bekenntnis gegen alle Unmenschlichkeit. Auch hier geriet der historisch- politische Kontext in dem das Tagebuch eingebettet ist aus dem Blickfeld.
Wann war die 4. Rezeptionsphase und durch was war diese geprägt?
Die 4. Phase beginnt mit dem Jahr 1979, das die Phase der Vergangenheitsbewahrung und eine Erinnerungskultur einläutete. Den Höhepunkt markiert die Serie Holocaust und der sog. Historikerstreit von 1986.
Was versteht man unter dem Historikerstreit?
Der Historikerstreit von 1986/87 war eine zeitgeschichtliche Debatte in der Bundesrepublik Deutschland um die Singularität des Holocaust und die Frage, welche Rolle dieser für ein identitätsstiftendes Geschichtsbild Deutschlands spielen soll.
Auslöser war ein Artikel Ernst Noltes vom Juli 1980, der den Holocaust in Form rhetorischer Fragen als Reaktion der Nationalsozialisten auf vorausgegangene Massenverbrechen und das Gulag-System in der Sowjetunion darstellte. Diese und andere Aussagen von drei weiteren bundesdeutschen Historikern kritisierte der Philosoph Jürgen Habermas als „Revisionismus“, der ein deutsches Nationalbewusstsein durch das Abschütteln einer „entmoralisierten Vergangenheit“ erneuern solle.
Was läutete diese Phase ein?
Der Nationalsozialismus wurde vielmehr stärker in Kontext der europäischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts gesehen. Man hat sich gegen das Interpretationsmuster der Anne Frank aus den 70er Jahren gewendet .
Die Generation der 68er bot sich eine Möglichkeit die notwendige kritische Rezeption des Tagebuchs einzuleiten. Die „unbequemen und weniger beachteten Bereiche der Thematik des Nationalsozialismus“ werden beachtet. Erst ab dieser Zeit werden die Werke der Anne Frank als historisches Dokument gesehen, als ein Dokument der Judenverfolgung.
Mit der 4.Phase kam es also auch zur Abkehr des Glaubens an das Gute im Menschen. Was passierte dennoch?
Diese neuen Deutungsmuster wurden immer aber von alten, in den 50er Jahren entstandenen Interpretationen des Tagebuchs überlagert und erreichten nicht die gesamte deutsche Bevölkerung.
Neben diesen unterschiedlichen Interpretationsansätzen, kam es auch seit den 50er Jahren zu Fälschungsthesen.
Von wem gingen diese aus?
Seit der Veröffentlichung des Tagebuchs entstand eine Tradition, mit ständig wiederholten Zweifeln an seiner Echtheit seinen Wahrheitsgehalt als Zeitdokument des Holocausts zu diskreditieren und zu bestreiten. Diese Versuche stehen im Zusammenhang des Geschichtsrevisionismus, insbesondere der Holocaustleugnung, und gehen meist von Rechtsextremisten aus.