Anatomie des Verdauungsapparates
(für Veterinärmediziner/innen)
(für Veterinärmediziner/innen)
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Lernkarten
Zahnbein (lat.?)
Farbe?
Bildung?
Mengenmässiger Anteil (Hartsubstanzen)?
Härte?
Nachbildung?
(eine der 4 Hartsubstanzen des Zahnes)
(Dentin, Dentinum, Substantia eburnea = Elfenbein)
* von gelblicher Farbe
* wird von den an die Pulpahöhle angrenzenden Odontoblasten gebildet.
* hat mengenmässig den grössten Anteil unter den Hartsubstanzen des Zahnes
* härter als Knochen, aber weicher als Schmelz
* im Unterschied zum Schmelz kann Dentin zeitlebens auch im Bereich der Krone nachgebildet werden, um zu verhindern, dass z.B. die Pulpahöhle durch Abrieb des Zahnes von der Kaufläche her eröffnet wird
--> so wird kronenseitig das Ersatzdentin gebildet, das die Pulpahöhle unter der Reibefläche verschlossen hält
--> das Ersatzdentin ist meist dunkler als das Dentin
Zahnschmelz (lat.?)
Farbe?
Lage?
Besteht aus?
Härte?
Bildung?
Kontakt mit Säuren?
(eine der 4 Hartsubstanzen des Zahnes)
(Enamelum, Email, Substantia adamantina)
* von weisser Farbe
* liegt aussen auf dem Dentin
* besteht fast nur aus anorganischer Substanz (vorwiegend Calciumphosphat als Hydroxylapatit)
* die härteste Substanz des Körpers
* wird von Zellen des Ektoderms, den Enameloblasten (= Ameloblasten = Adamantoblasten) in Richtung auf das innen angrenzende Dentin produziert
* kann nur gebildet werden, solange der Zahn oder der betreffende Teil des Zahnes im Zahnfach steckt
--> im Bereich der Krone kann deshalb kein Schmelz mehr gebildet werden, weshalb Schmelzdefekte nur mit Ersatzstoffen künstlich repariert werden können
* da der Schmelz fast keine organische Substanz enthält, löst er sich bei Kontakt mit Säuren auf
Zahnzement (lat.?)
Farbe?
Lage?
Nachbildung?
Pfd.&Wdk.?
(eine der 4 Hartsubstanzen des Zahnes)
(Cementum, Substantia ossea)
* Knochensubstanz (Geflechtknochen) von gelblicher Farbe
* im Bereich der Wurzel liegt der Zement aussen dem Dentin an
* Am intraalveolären Teil des Zahnes kann Zement auch nachgebildet werden
* An den Zähnen des Pferdes und an den Backenzähnen des Rindes überzieht der Zement auch den Schmelz im Bereich des ganzen Zahnkörpers
--> d.h. dass auch die Zahnkronen dieser Teile von aussen gelblich aussehen.
Periodontium des Zahnes
(3 Punkte)
(eine der 4 Hartsubstanzen des Zahnes)
* hat eine wichtige Funktion bei der Verankerung des Zahnes im Zahnfach
* es bildet den Zement und die Alveolarknochen
* verbindet beide Strukturen über Kollagenfaserbündel = Sharpey'sche Fasern
--> diese Fasern werden beim Kauen angespannt und fangen so den Druck auf, dem die Zähne während des Kauens ausgesetzt sind
--> die Sharpey'schen Fasern halten den Zahn im Zahnfach fest
Terminologie der Zahnoberflächen
Weshalb ist sie wichtig?
Nennen Sie die Flächen, die man an der Zahnkrone unterscheiden kann (6)
(wichtig, um Lokalisation von Veränderungen zu dokumentieren)
1. die Reibe- oder Kaufläche (Facies occlusialis)
2. die Berührungs- oder Kontaktflächen mit anderen Zähnen = (Facies contactus)
--> bei denen man folgende 2 Flächen unterscheidet:
* Facies mesialis (Fläche zur Medianen bzw. zum ersten Schneidezahn hin)
* Facies distalis (der Facies mesialis gegenüberliegende Fläche, die lateral oder kaudal liegt)
3. die Zungenfläche (Facies lingualis)
4. die Lippen - oder Backenfläche (Facies labialis oder buccalis)
--> wird allgemein auch Facies vestibularis genannt da sie den Vorhof der Mundhöhle begrenzt.
Die unter den Punkten 2-4 genannten Begriffe gelten auch für die im Zahnfach gelegenen Teile der Zähne.
5. Weiter versteht man unter den Begriffen „apikal“ in Richtung auf die Zahnwurzel und
6. unter der Bezeichnung „coronal“ in Richtung auf die Krone.
Zahnarten (4)
Das Gebiss der Haussäugetiere setzt sich aus verschiedenen Zahnarten zusammen, deren Benennung nach ihrer Funktion oder nach ihrer Stellung im Kiefer erfolgt.
1. Die Schneidezähne = Dentes incisivi (J)
--> Incisivi bei Wdk nur im Unterkiefer vorhanden.
2. Die Eckzähne = Dentes canini (C)
--> Canini, weisen charakteristische Eigenheiten auf:
* beim Hd (Canis) als Fangzähne besonders gross, daher der Name "caninus" = "dem Hunde zugehörig".
* beim Pfd und Schw werden die Canini wegen ihrer Form auch ''Hakenzähne" genannt.
* beim Eber sind die Eckzähne gross, werden "Hauer" oder "Gewehre" genannt und wachsen zeitlebens.
* bei den Pflanzenfressern Pfd und Wdk bleiben die Canini klein. (Der bei den Wdk nur im Unterkiefer vorhandene Caninus hat die Form eines Schneidezahns und wird daher "Eckschneidezahn" genannt.)
* fehlen bei Cun & Cav
3. Die vorderen Backenzähne = Dentes praemolares (P)
--> Praemolaren werden auch vordere Mahlzähne genannt. Sie sind, wie die Schneide- und Eckzähne* schon als Milchzähne angelegt.
* P1 bei Pfd, inkonstant (sog. Wolfszahn); muss gelegentlich entfernt werden; (zerbricht dabei leicht!)
4. Die hinteren Backenzähne = Dentes molares (M)
--> Molaren werden auch hintere Mahlzähne genannt. Sie erscheinen nicht im Milchgebiss, sondern werden nur als bleibende Zähne angelegt.
Zahnzahl und Zahnformel
Die Zahl der Zähne kann tierartlich verschieden sein.
Daher stellt man für die einzelnen Tierarten Zahnformeln für eine Gebisshälfte auf. Dabei betrachtet man die linke Gebisshälfte von vorn (= von rostral s. oral) und notiert dann nacheinander die Zahlen für Schneidezähne, Eckzähne, Praemolaren und Molaren.
allgemein für unsere Hsgt gültige Zahnformel
fehlen Wdk.
- 3P (Wdk, Pfd) - 2M (Hd)
3J 1 C* - 4P (Hd, Schw) - 3M
3J 1 C* - 4P (Hd, Schw) - 3M
- 3P (Wdk, Pfd) -
Sie weicht bei Kan, Mer und Ktz stark ab. Diese haben weniger Zähne:
Kan 2I 0C 3P 3M
1I 0C 2P 3M
Mer 1I 0C 1P 3M
1I 0C 1P 3M
(Beim Aufstellen der Zahnformel können die Buchstabensymbole auch weggelassen werden.)
Zahngenerationen
Unsere Hsgt haben wie der Mensch zwei Zahngenerationen.
Die Zähne der 1. Generation heissen Milchzähne = Dentes decidui (deciduus = hinfällig).
Die Milchzähne werden durch den kleinen Buchstaben ''d" hinter dem jeweiligen Symbol gekennzeichnet z.B. Jd1; Pd3.
---> Als Milchzahngeneration erscheinen nur die Incisivi, Canini und die Praemolaren. Die Milchzähne sind meist kleiner und bei den Flfr auch spitzer als die Ersatzzähne.
Die Zähne der 2. Generation sind die Ersatzzähne = Dauerzähne, Dentes permanentes.
Sie werden lingual von den Milchzähnen angelegt.
---> Die Molaren sowie die Nagezähne von Nagetieren erscheinen als bleibende Zähne und werden nicht gewechselt.
oberer und unterer Zahnbogen
Diastema
Die Zähne des Oberkiefers bilden in ihrer Gesamtheit den oberen Zahnbogen --> Arcus dentalis superior
Die Zähne des Unterkiefers bilden zusammen den unteren Zahnbogen --> Arcus dentalis inferior
Der Zahnbogen ist bei den meisten Hsgt unterbrochen und zwar zwischen den Schneidezähnen und den ersten Backenzähnen.
Der zahnfreie Zwischenraum wird als Diastema bezeichnet.
Okklusion
zentrale Okklusion (+ 2 zugehörige Begriffe)
Beim Kieferschluss, der Okklusion (occludere = verschliessen) kann der Unterkiefer mit oder ohne Seitwärtsverschiebung gegen den Oberkiefer gepresst werden.
zentrale Okklusion: Unterkiefer wird ohne Seitwärtsverschiebung gegen den Oberkiefer gepresst
--> bei zentraler Okklusion wird beurteilt ob die Kauflächen der Zahnbögen vom Unterkiefer und Oberkiefer aufeinander passen und sich decken oder nicht.
Anisognathie: da der Oberkieferzahnbogen meist weiter als der Unterkieferzahnbogen ist, decken
sich die Kauflächen von Oberkiefer und Unterkiefer nicht.
--> bei Anisognathie der Backenzähne stehen die Backenzähne des Oberkiefers immer weiter lateral als die des Unterkiefers
Isognathie: Zahnreihen decken sich bei zentraler Okklusion
Okklusion beim Flfr., Wdk., Pfd. & allg. Pflfr.
Bei den Flfr gleiten die hinteren Backenzähne wie die Schenkel einer Schere aneinander vorbei und haben so eine schneidende Wirkung.
Bei den Wdk decken sich bei zentraler Okklusion nur ein schmaler Saum,
beim Pferd etwa ein Drittel der Kauflächen von Ober- und Unterkieferbackenzähnen.
Durch starke Seitwärtsverschiebungen des Unterkiefers kommen die Kauflächen der Backenzähne aufeinander zu liegen und zerreiben dabei die vorher auf die Kauflächen gebrachte Nahrung.
Die hochgradige Anisognathie der beiden Backenzahnbögen der Pflfr ist eine wichtige Voraussetzung, um die starken seitlichen Kaubewegungen und ein optimales Zermahlen des Raufutters zu ermöglichen.
Was passiert bei zu geringer Abnutzung der Backenzähne?
Bei zu geringer Abnutzung der Backenzähne entstehen medial an den Unterkieferbackenzähnen und lateral an den Oberkieferbackenzähnen Zahnspitzen die vorwiegend aus Schmelz (der härtesten Zahnsubstanz) bestehen.
Die Spitzzähne können die normalen Kaubewegungen behindern und Verletzungen der Mundhöhlenschleimhaut verursachen
--> daher müssen die Zahnspitzen - vor allem beim Pferd - regelmässig abgeraspelt werden
heterodontes & homodontes Gebiss
Unsere Hsgt haben ein Gebiss, das sich aus verschieden geformten Zähnen zusammensetzt --> ein heterodontes Gebiss
Ein Gebiss, das nur aus gleich gebauten Zähnen besteht (z.B. beim Hai, Delphin) --> ein homodontes Gebiss
Einfach gebaute & nicht einfach gebaute Zähne
einfach gebaute Zähne: Schneide- und Eckzähne, ein Höcker an Krone und eine Wurzel
Pfd zusätzlich Schmelzbecher in Krone
Nicht einfach gebaute Zähne:
- Kurze Backenzähne: i.d.R. mehrere Wurzeln und mehrere Höcker und Vertiefungen an ihrer Krone; vorderste Backenzähne können einhöckrig & -wurzlig sein
* wirken beim Flfr schneidend und beim Schw quetschend
- lange Backenzähne: besitzen Schmelzfalten sowie eventuell Schmelzbecher (--> effiziente mahlenden Kaufläche)
* beim Wdk mässig lang, haben im Ober- und im Unterkiefer noch halbmondförmige Schmelzbecher
* sehr lange bei Kan, Mer & Pfd --> um durch viel Kauarbeit auch harte Steppengräser zu zermahlen
* beim Pfd nur im OK Schmelzfalten & -becher, im UK nur Schmelzfalten, auf Kaufläche erscheinen nach Abrieb meist mehrere Marken von Ersatzdentin --> erscheinen meist als bräunliche Streifen
Altersbestimmung anhand von Zähnen
(Hd, Ktz, Schw, Wdk, Pfd)
Die Zeiten des Erscheinens und des Wechsels der Zähne sowie der Abrieb ihrer Kauflächen können bei den verschiedenen Tierarten zur Altersbestimmung benutzt werden.
Die Altersschätzung ist bei Hund und Katze nur schwierig möglich;
beim Schwein wird sie nur selten gebraucht;
beim Wdk und beim Pfd häufig angewendet --> erlaubt dem erfahrenen Untersucher in vielen Fällen eine genügend genaue Schätzung des Alters der Tiere
Veränderungen an den Zähnen sind besonders beim Pfd und den Flfr häufig und es ist sehr wichtig, dass sich Tierärzte auch mit der Tierzahnmedizin befassen.
Besonderheiten des Flfr.-Gebisses
(5 Punkte)
1. Zahnlos bei Geburt
2. Milchzähne in ersten Lebenswochen
3. Zahnwechsel v.a. zwischen 4 und 5 Monaten --> mit 6 Monaten schon vollzogen
4. Caninus = Fangzahn (stark gebogenen, langen Wurzel)
5. Reisszahn (3-Letzter Backenzahn beim Hund: - P4 oben - M1 unten)
Besonderheiten des Wdk.-Gebisses
(7 Punkte)
1. Incisivi bei Geburt vorhanden, nur locker im Kiefer befestigt
2. Prämolaren meist bei Geburt vorhanden
3. Zahnwechsel mit 1,5 bis 4 Jahren (beim kl. Wdk. 1-3 Jahren)
4. Canini im UK = Eckschneidezähne
5. Dentalplatte im OK (anstelle von Incisivi & Canini)
6. „Reibefläche“ = vom Schmelz befreite Lingualfläche (an Dentalplatte wird allmählich Schmelz der Lingualfläche der Unterkieferschneidezähne abgerieben --> Dentin und später auch Ersatzdentin erscheinen)
7. Zementüberzug auf Backenzähnen; über dem Zahnschmelz
Besonderheiten des Schw.-Gebisses
(6 Punkte)
1. Vor Geburt Incisivus3 und Caninus schon durchgebrochen (können evtl. Gesäuge des Muttertieres verletzen)
2. übrigen Milchzähne erscheinen in den ersten Lebenswochen
3. Zahnwechsel zwischen 1 und knapp 1 1/2 Jahren
4. Canini des Ebers = „Hauer“ --> mit weiter Pulpahöhle wachsen lebenslang, bei Sau Wachstum zw. 3-4 Jahren
5. Incisivi des Unterkiefers dienen beim Wühlen als „Baggerschaufeln“
6. Isognath übereinander stehenden Backenzahnreihen ermöglichen gutes Zerquetschen der Nahrung
Besonderheiten des Pfd.-Gebisses
(7 Punkte)
1. Incisivi1 bricht kurz nach Geburt durch, übrige erscheinen innert einem halben Jahr
2. Prämolaren zur Zeit der Geburt oder in den ersten Wochen
3. Zahnwechsel mit 2,5 bis 4,5 Jahren
4. Zementüberzug auf allen Zahnkronen (Längswachstum bis 8-14J möglich)
5. Zwischen Schneide- & Backenzähnen ein langer zahnfreier Rand (hier liegt Gebissstück des Zaumes)
6. Canini nur bei Hengst = Hengstzahn/Wolfszahn
7. P1 (einwurzlig) und letzte 4 Backenzähne problematisch
Gebiss von Kaninchen & Meerschweinchen
(7 Punkte)
1. Zähne wachsen zeitlebens --> werden nachgeschoben
2. Ungenügender Abrieb und Fehlstellungen können zu Problemen führen (Malokklusion)
3. Inneren Schneidezähne (nur I1) zu Nagezähnen ausgebildet (nur an labialen Fläche mit Schmelz versehen; nutzen sich lingual stärker ab --> immer scharf)
4. Kan im OK - direkt hinter Nagezähnen - kleine mittlere Schneidezähne (I2) --> im UK fehlen diese
5. Äussere Schneidezähne (I3) und Eckzähne (C) fehlen vollständig
6. Diastema nach Incisivi deutlich
7. Prämolaren & Molaren hinter Diastema sind zu einem sogn. "Kaublock" gleichförmiger Zähne zusammengefasst
Gaumensegel (lat.?)
(9 Punkte)
(Velum palatinum = weicher Gaumen [Palatum molle])
• Dach des Maulrachens = Rachenenge
• beginnt am Ende des harten Gaumens (= kaudale Fortsetzung)
• entspringt am - v. Os palatinum gebildeten - Choanenrand und reicht kaudal bis vor den Kehlkopf
• besitzt muskulöse Grundlage --> Spanner und Heber des Gaumensegels
• besitzt Mandel (Tonsilla veli palatini) = lymphatisches Gewebe (b.Schw. besonders mächtig)
• trennt als weicher Gaumen Nasenrachen von Maulrachen
• liegt in Atmungsstellung dem Zungenrand unmittelbar auf --> Rachenenge nur ein spaltförmiger Raum
• kaudaler Rand des GS befindet sich in Atemstellung ventral der Epiglottis
• ist tierartlich unterschiedlich lang:
--> Pfd. & Kan sehr lang --> kann nicht genügend angehoben werden --> Erbrechen wenn dann durch Nase (selten!)
Schlundkopf = Rachen (lat.?)
(Pharynx)
• Kreuzung zwischen Atmungs- und Verdauungswegen
--> samt den zur Kreuzung gehörigen Zu- und Abfahrts“strassen“
• besteht aus einer Wand und einem Hohlraum
--> er ist eigentlich ein Schlauch mit Etagenunterteilung, wobei in seiner Mitte eine Verbindung zwischen beiden Etagen besteht
• der Hohlraum des Pharynx (Cavum pharyngis) wird unterteilt in:
* Atmungsrachen = Pharynx respiratorius = Pars nasalis pharyngis
* Schlingrachen = Pharynx digestorius
Wo beginnt der Pharynx (=Rachen) und wo endet er?
Rostraler Anfang des Rachens: am Ursprung des Gaumensegels; von der Mundhöhle kommend hinter dem letzten Backenzahn
Kaudales Ende des Rachens: am Kehlkopfeingang (Pharynx respiratorius) am Übergang des Oesophagusvorhofes in den Oesophagus, das ist über dem Kaudalrand des Ringknorpels (Pharynx digestorius)
Pharynx respiratorius
Ostium intrapharyngeum
Der Pharynx respiratorius (Atmungsrachen) besitzt an seiner dorsolateralen Wand die Mündung der Tuba auditiva.
--> Diese besitzt beim Pferd eine klinisch wichtige Erweiterung, den Luftsack. Bei entzündlichen Erkrankungen kann sich darin Sekret ansammeln. Mit dem Endoskop ist der Luftsack via Nasenhöhle und Nasenrachen zugänglich.
Ostium intrapharyngeum: Öffnung zwischen Atmungs- & Schlingrachen
--> ist von einer ringförmigen Schleimhautfalte (Arcus palatopharyngeus) umgeben
Pharynx digestorius - Gliederung
Der Pharynx digestorius (Schlingrachen) gliedert sich von rostral nach kaudal in folgende Abschnitte:
1. die Pars oralis pharyngis = Mundrachen = Rachenenge = Isthmus faucium
2. die Pars laryngea pharyngis = Kehlrachen
3. die Pars oesophagea pharyngis = Vestibulum oesophagi = Speiseröhrenvorhof = Schlundrachen
Von wo bis wo reichen die 3 Schlingrachen-Abschnitte?
Rachenenge = P. oralis pharyngis:
reicht vom Kaudalrand des letzten Backenzahnes
nach kaudal bis an die Basis der Epiglottis.
Kehlrachen = Pars laryngea pharyngis:
reicht von der Basis der Epiglottis
bis zu einer Querebene durch die Hörner der Aryknorpel, umfasst Recessus piriformis (durch diese wird v.a. flüssige Nahrung dem Oesophaguseingang zugeführt)
Speiseröhrevorhof/Schlundrachen = Pars oesophagea pharyngis:
reicht von den Hörnern der Aryknorpel
bis zu einer Querebene in Höhe des Kaudalrandes des Ringknorpels (=Kaudalrand der Schlundkopfschnürer) Die
--> Pars oesophagea ist also der Anfangsteil des Oesophagus, der über dem Kehlkopf gelegen ist.
Nur beim Flfr ist innen am Übergang der Pars oesophagea pharyngis in den eigentlichen Oesophagus eine Schleimhautfalte (Limen pharyngooesophageum) vorhanden.
Wandbau des Rachens
Von Innen nach Aussen:
1. Schleimhaut: Atmungs- bzw. kutane Schleimhaut
2. Muskelschicht (Skelettmuskulatur)
--> 6 Schnürer (kran., mittlere und kaudale) sowie ein Erweiterer vom Stylohyoid
3. Bindegewebeschicht
Schluckakt
Ablauf
• willentlicher Beginn
• anschliessende reflektorische Phase
• Zunge, Gaumensegel und Kehlkopf einbezogen
Ablauf:
1. Zungenrücken presst Bissen/Flüssigkeit gegen hartenGaumen
2. Mit Gaumensegel beginnt reflektorische Phase
3. Zungenrücken wandert nach kaudal, befördert Bissen nach kaudal
4. Bissen wälzt sich über Kehldeckel, verschliesst diesen; Flüssigkeit geht durch Recessus piriformis, beide gelangen in P. oesophagea pharyngis
5. Kehlkopf und Zungenbein müssen nach vorne können, Kehlkopf gelangt in Schutzstellung unter Zungenrücken, ansonsten gelangt Nahrung im Kehlkopf
Kehlkopf & Zungenbein beim Schluckakt
Bei der Kippbewegung am Zungengrund ist entscheidend wichtig, dass das Basihyoid sich nach rostral bewegen kann.
Durch seine Verbindungen zum Kehlkopf wird damit der Kehlkopf nach vorn genommen, so dass er sich unter den emporgewölbten Zungengrund in „Schutzstellung“ begeben kann.
Der Kehlkopf und das Zungenbein müssen sich beim Schlucken nach rostral bewegen können, sonst steht der Kehlkopf ungeschützt zu weit kaudal und wird unweigerlich Flüssigkeit oder Nahrungspartikel aufnehmen und unter Umständen bis in die unteren Atemwege weiterleiten.
lymphatischer Rachenring
Unter dem lymphatischen Rachenring versteht man die Einlagerung von lymphoretikulärem Gewebe im Rachenbereich in Form von Mandeln.
* am häufigsten vorkommende Typ einer Mandel: Beetmandel mit Bälgen (Bälge = Schleimhautvertiefungen)
--> wie sie besonders schön die Tonsilla palatina des Pferdes zeigt
--> bei einer Beetmandel Schleimhautoberfläche gegenüber der Umgebung leicht erhöht (ähnlich wie ein Blumenbeet)
* wo Mandeln sind, sieht man von den Schleimhautbälgen meist die Löcher an der Mandeloberfläche
* Mandeln haben jeweils nur abführende Lymphgefässe --> da Schadstoffe übers Oberflächenepithel zugeführt w.
* Mandelgewebe ist oft gegen Umgebung durch verdichtetes Bindegewebe/Bindegewebskapsel abgegrenzt
Mandeln im Rachenbereich
1. Tonsilla lingualis - am Zungengrund --> auf Zungenrücken
2. Tonsilla palatina - im Schleimhautbogen zwischen Zunge und Gaumensegel (Arcus palatoglossus);
2x-vorhanden als Grubenmandel bei Flfr, Rd, Kan.;
die wichtigste Mandel bei allen Tieren ausser beim Schw --> fehlt hier
3. Tonsilla veli palatini - im Gaumensegel --> praktisch auf der Dorsalwand des Gaumens;
wichtigste Mandel beim Schwein
4. Plus weitere Mandeln
Lymphknoten von Mundhöhle, Nasenhöhle und Rachen
An Kopf und Hals können folgende Lymphknoten erkannt und teilweise getastet werden:
Ln. mandibularis im Kehlgang
Ln. retropharyngeus medialis liegt medial der Rachenwand an ---> Rachenlymphknoten
Ln. retropharyngeus lateralis, liegte weiter lateral ---> Rachenlymphknoten
Ln. Parotideus rostral der Parotis gelegen
Die Kopflymphe wird über paarige Lymphsammelgänge - die entlang der Trachea verlaufen - zu den grossen Venen am Brusteingang gebracht.
Die Lymphsammelgänge sind nur nach Füllung mit Farblösung sichtbar.
Rumpfdarm
Von wo bis wo reicht er?
Wandaufbau?
Beeinflussung der Motorik?
* von der Speiseröhre bis zum After reichend
* zeigt als Schlauch mit stellenweisen Erweiterungen den typischen Wandaufbau aller Hohlorgane aus drei Schichten:
Schleimhaut, Muskelhaut und Bindegewebshaut bzw. Serosa, mit regionalen Besonderheiten
* zur Beeinflussung der Motorik kommen in der Wand des Verdauungsschlauches noch Geflechte aus Nervenzellen und Nervenfasern vor
--> diese liegen einmal in der Tela submucosa (Plexus Meissner) und zum andern zwischen der Zirkulär- und der Längslage der Muskelschicht (Plexus Auerbach
--> diese Plexus koordinieren selbständig die lokalen, umschriebenen Kontraktionen
Stimmulierung & Hemmung des Rumpfdarmes
Für Transportbewegungen und Stimulierung der Sekretion ist der Parasympathikus, überwiegend der N. vagus, und im hinteren Bauch- und Beckenbereich der sakrale Parasympathikus verantwortlich.
Die Hemmung der Motorik und der Sekretion wird durch den N. sympathicus gesteuert.
Diese vegetativen Fasern gelangen zusammen mit den die Blutgefässen im Gekröse zur Wand des Verdauungsschlauches.
Die 3 Schichten der Rumpfdarm-Wand
Schleimhaut = Tunica mucosa: ist in der Speiseröhre und in den Vormagenzonen des Magens sowie im After eine kutane Schleimhaut, die unterschiedlich stark verhornt oder sogar nicht verhornt sein kann
--> übrigen Abschnitte des Verdauungsschlauches sind von einer Drüsenschleimhaut ausgekleidet
Muskelschicht = Tunica muscularis: besteht im Wesentlichen aus einer inneren zirkulären Lage und einer äusseren Längslage --> im Wesentlichen glatte Muskulatur
--> die quergestreifte Muskulatur reicht an der Speiseröhre nur bis in Nähe des Mageneingangs; erst am After erscheint wieder quergestreifte Muskulatur
Bindegewebshaut: ist ausserhalb der Körperhöhlen ein lockeres Bindegewebe --> eine Tunica adventitia
in den Körperhöhlen ist an ihrer Stelle --> eine Tunica serosa --> von einem einfachen Plattenepithel bedeckt, ist glatt, glänzend, feucht und durchscheinend
Speiseröhre (lat.?)
(= Schlund = Oesophagus)
* ein sehr erweiterungsfähiger Schlauch
* reicht Oesophagusvorhof bis zum Mageneingang
--> Grenze zwischen Oesophagusvorhof und dem eigentlichen Oesophagus liegt in Höhe einer Querebene durch den Kaudalrand des letzten Knorpels des Kehlkopfes
* in der Wand des Oesophagus befindet sich bis in die Nähe des Mageneingangs quergestreifte Muskulatur
--> nur bei Ktz, Schw, Cav und Pfd geht diese im in Richtung auf den Magen hin in die blasse, glatte Muskulatur über
--> Muskelschicht verdickt sich vor dem Mageneingang bei Pfd und Cun zu einem Schliessmuskel, der ein Erbrechen bei beiden Spezies praktisch verunmöglicht
Oesophagus - Gliederung & Verlauf
Am Oesophagus unterscheidet man drei Abschnitte:
1. Halsteil --> Pars cervicalis
2. Brustteil --> Pars thoracica
3. (sehr kurzer) Bauchteil --> Pars abdominalis
Vorne am Hals: liegt zunächst dorsal der Trachea an, verläuft dann aber ab dem 3. Halswirbel links der Trachea
In der Brusthöhle: liegt er im Mediastinum und befindet sich bis zu deren Aufteilung wieder dorsal der Trachea
Im postcardialen Mediastinum: verläuft ventral der Aorta und wird dort von den grossen Ästen des N. vagus begleitet.
Ist der Oesophagus fühlbar?
NEIN.
Im Unterschied zur Trachea ist der leere Oesophagus im Halsteil nicht zu fühlen. Man sieht aber häufig die Erweiterung, wenn die Bissen im Halsteil hinunter gleiten oder beim Wiederkäuer auch herauf gleiten.
Oesophagus - Engpässe & Schlundverstopfung
Drei enge Stellen, an denen es bei Rind und Pferd leicht zu Verstopfungen kommen kann:
1. der Oesophagusvorhof
2. der enge Brusteingang (Apertura thoracis cranialis)
3. die Durchtrittsstelle durch das Zwerchfell (Hiatus oesophageus)
Beim Rind führt eine Schlundverstopfung zu einer Pansenblähung, da die bei der Verdauung in den Vormägen entstehenden Gase nicht mehr ausgestossen werden können.
Beim Pferd werden in den Rachen gelangende Futterbestandteile dabei häufig in den Kehlkopf und in die Trachea aspiriert (Ansaugen einer Substanz durch einen Sog), da das Gaumensegel nur unvollständig angehoben werden kann.
Gründe für Schlundverstopfungen:
Pfd: Trocken-Futtermittel
Rd: Einzelfremd-Körper --> Tympaniegefahr (Ruktus!)
Hd: Knochenstücke