Anatomie des Nervensystems

(für Veterinärmediziner/innen) (+ einige Karten zur Histologie des NS)

(für Veterinärmediziner/innen) (+ einige Karten zur Histologie des NS)


R. L.
Diese Lernkarten bieten einen umfassenden Überblick über die Anatomie des Nervensystems auf Universitätsniveau. Sie behandeln Strukturen wie das Gehirn, das Rückenmark und den Hirnstamm, sowie Zellen, Fasern und Nerven. Die Karteikarten erklären die Unterschiede zwischen dem zentralen und peripheren Nervensystem, die Funktion von Neuronen und Synapsen, sowie die Organisation des vegetativen Nervensystems. Medizinstudenten und Fachleute profitieren von diesen detaillierten Erklärungen, um ein tiefes Verständnis der komplexen Anatomie und Physiologie des Nervensystems zu erlangen.
Karten
111
Lernende
14
Sprache
Deutsch
Kategorie
Medizin
Stufe
Universität
Erstellt / Aktualisiert
20.02.2015 / 02.06.2020

Lernkarten

Radix dorsalis und Spinalganglion

Fila radicularia der Dorsalwurzel führen afferente (sensible) Fasern (Peripherie --> RM)
--> Dorsalwurzel enthält das Spinalganglion (Ggl.spinale) mit den Perikaryen der afferenten Fasern

Als Peripherie bezeichnet man in der Medizin die vom Körperstamm weg orientierten oder entfernten Strukturen.

Radix ventralis

Fila radicularia der Ventralwurzel führen efferente Fasern (RM --> Peripherie).

Als Peripherie bezeichnet man in der Medizin die vom Körperstamm weg orientierten oder entfernten Strukturen.

Spinalnervenstamm (lat.?)

(Truncus nervi spinalis)
Dorsal- und Ventralwurzel vereinigen sich beim Foramen intervertebrale zum gemischten Spinalnervenstamm
--> Aufteilung nach Austritt aus dem Wirbelkanal in einen Dorsal- und einen stärkeren Ventralast

Lendennerv

- Ramus dorsalis (Dorsalast)
- Ramus ventralis
--> Innervation der Bauchwand

Bau des Rückenmarks

Schmetterlingsförmige graue Substanz im Querschnitt umgeben von weisser Substanz als Markmantel.

Graue Substanz (lat.?)

(Substantia grisea)
Gliederung beidseits in Dorsalhorn, Pars intermedia und das meist dickere Ventralhorn

--> Pars intermedia im Brust- und Lendenmark zum Seitenhorn ausgebuchtet --> sympathische Wurzelzellen (im Seitenhorn hat's meist rel.grosse Motorneuronen)

--> besteht aus verschieden grossen Perikaryen und dem Neuropil --> Geflecht aus Dendriten, kurzen Axonen und Gliazellen mit ihren Fortsätzen

--> Nervenzellen können wie im gesamten ZNS grob in Wurzel- und Binnenzellen eingeteilt werden

Weisse Substanz (lat.?)

(Substantia alba)

--> bildet den Markmantel aus markhaltigen Axonen von sehr variablem Durchmesser (myelinisierte "Nervenfasern")

--> Perikaryen der Axone liegen in der grauen Substanz von RM und Gehirn sowie in den Spinalganglien (ausserhalb des ZNS im PNS !)

--> weisse Substanz nimmt nach kaudal kontinuierlich ab (während die graue Substanz zunimmt)

Markmantel

Verbinden?

Besteht aus Axonbündeln (Fasciculi oder Tractus), die eine funktionelle Einheit bilden.
--> verbinden als kurze Faserzüge RM-Abschnitte (Segmente) miteinander
--> verbinden als lange aszendierende (RM --> Gehirn) oder deszendierende (Gehirn --> RM) Bahnen Rückenmark und Gehirnzentren miteinander

Wurzelsysteme des Rückenmarks

Bestehen aus afferent und efferent leitenden Neuronen

Afferente Wurzelsysteme

Leiten Erregungen von Rezeptoren über die Dorsalwurzel zum RM --> Perikaryen in den Spinalganglien!
<-- aus der äusseren Haut (GSA, exterozeptiv)
<-- aus dem Bewegungsapparat (GSA, propriozeptiv)
<-- aus den Eingeweiden (GVA, interozeptiv, viszeroaff.)

(exterozeptiv: Reize wahrnehmend, die von außerhalb des Organismus kommen
propriozeptiv: Wahrnehmungen aus dem eigenen Körper vermittelnd
interozeptiv: innerhalb des Körpers
)

Efferente Wurzelsysteme

Leiten Erregungen über die Ventralwurzel aus dem RM zu den Erfolgsorganen (Effektoren)
--> motorische Fasern zur Skelettmuskulatur [ (G)SE, somatoefferent ]
--> sympathische Fasern nur aus Brust- und Lendenmark (GVE, viszeroefferent) a glatte Muskulatur von Organen
und Gefässen sowie Drüsen
--> parasympathische Fasern "nur" aus Kreuzmark (GVE, viszeroefferent) a glatte Muskulatur und Drüsen

Hüllen des Rückenmarks

• Pia mater (spinalis)
Dünne gefässreiche innerste Hülle und untrennbar mit dem RM verbunden
• Arachnoidea (Spinnwebenhaut; arachne =>gr. Spinne,)
Liegt der Dura mater unmittelbar innen an
--> bildet mit Pia mater das Cavum leptomeningicum (subarachnoideale) --> enthält Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis)
--> Ablösung der Arachnoidea von der Dura mater nach dem Tod => Subduralraum

• Dura mater (Harte Hirn- und RM-Haut) (dura=> lat. die harte)
Umgibt das Rückenmark als derbe äusserste Hülle
--> zwischen Dura mater und dem Periost des Wirbelkanals (Endorhachis) existiert der Epiduralraum
--> Epiduralraum (Spinalnervwurzeln ziehen hier durch) enthält v.a. Binde- und Fettgewebe sowie grössere Venen --> Epiduralanästhesie

Cisterna cerebellomedullaris

Die Cisterna cerebellomedullaris ist eine mit Liquor gefüllte Erweiterung des Subarachnoidalraums im ZNS.

(Liquorentnahme z.B.für Entzündungsdiagnose)

Gehirn (lat.?)

(ENCEPHALON, CEREBRUM)
Übergeordnetes Koordinations-, Integrations- und Regulationsorgan für die Lebens- und Körperfunktionen.

Lage und Hüllen des Gehirns

Das Gehirn liegt mit seinen Hüllen in der Schädelhöhle (Cavum cranii)
--> Hüllen aus Pia mater, Arachnoidea und Dura mater (encephali) --> Epiduralraum fehlt
-->  Duraduplikaturen(eine Art Falte) (Falx cerebri, Tentorium cerebelli) unterteilen die Schädelhöhle

Kleinhirnzellt (Tentorium cerebelli) teilt die grossen Hemisphäre von den Kleinen

Gestalt des Gehirns

Variiert je nach Tierart und ist beim Hund auch rasseabhängig
• Dorsalansicht
Beide Hemisphären des Grosshirns, das Kleinhirn und das Hinterende des Hirnstammes erkennbar
• Ventralansicht (Gehirnbasis)
Grossteil des Hirnstammes mit den Ursprungsabschnitten der Gehirnnerven sichtbar

Gyrencephales Gehirn

Gehirn der Haussäugetiere durch Windungen (Gyri) und Furchen (Sulci) geprägt
--> Windungsmuster zeigt beim Flfr die einfachsten Verhältnisse

Gyros => gr. Krümmung, Windung

(--> leistungsfähigere Gehirne mehr Windungen)

Lissencephales Gehirn

Windungsarmes Gehirn bei niederen Vertebraten, Vögeln und kleinen Sgt (Nagetiere, Insektivoren)

lissos => gr. glatt

Gliederung des Gehirns

Grobe Einteilung in Gross- oder Endhirn ohne seinen Hirnstammanteil, Kleinhirn und Hirnstamm
--> Hirnstamm besteht aus anatomischer Sicht aus allen basalen Teilen des Gehirns (inkl. Hirnstammteil des Grosshirns)
--> dem Hirnstamm muss somit der Grosshirnmantel und das Kleinhirn gegenübergestellt werden

• Grosshirnmantel (Pallium)
• Hirnstamm (Truncus encephali)
- Stammanteil (Basalganglien) des Grosshirns
- Zwischenhirn (Diencephalon)
- Mittelhirn (Mesencephalon)
Rautenhirn (Rhombencephalon) ohne Kleinhirn
- Hinterhirn (Metencephalon) ohne Kleinhirn
- Nachhirn (Myelencephalon, Medulla oblongata)
• Kleinhirn (Cerebellum)

Graue und weisse Substanz im Gehirn

Keine so strikte Trennung zwischen grauer und weisser Substanz wie im Rückenmark
• Graue Substanz
Als Gross- und Kleinhirnrinde und als rundliche oder säulenförmige Kerne (Nuclei) im Hirnstamm
• Weisse Substanz
Myelinisierte Axone verbinden Rinden- und Kerngebiete mit- und untereinander

Hirnstamm Bedeckung

Der Hirnstamm wird rostral vom Grosshirnmantel und kaudal vom Kleinhirn bedeckt.

Rautenhirn (lat.?)

(2 Anteile)

(Rhombencephalon)

- Nachhirn (Medulla oblongata)
- Hinterhirn (Metencephalon)(Klein- und Brückenhirn)
--> Hirnstammteil (Nach- und Brückenhirn) enthält die Ursprungs- und Endkerne der Gehirnnerven V-XII

Nachhirn (lat.?)

(Myelencephalon, Medulla oblongata)
Geht als kaudaler Teil des Rautenhirns auf Höhe 1. Halsnerv rostral aus dem Rückenmark hervor
--> enthält Atmungs- und Kreislaufzentrum und lässt ventral die Pyramiden erkennen
• Atmungs- und Kreislaufzentrum
Nicht präzise lokalisierbare Kerngebiete, welche die Atmung und den Kreislauf steuern
• Pyramiden (Pyramides)
Teil der langen Pyramidenbahn: motorische Grosshirnrinde --> motorische RM-Wurzelzellen
--> Pyramidenbahn als Hauptkomponente des pyramidalmotorischen Systems für willkürliche und feinmotorische Bewegungen (Msch) (--> b.Tieren weniger ausgebildet)

Hinterhirn (lat.?)

(Metencephalon)
Bildet den vorderen Teil des Rautenhirns und besteht aus dem Brückenhirn und dem Kleinhirn.

Brückenhirn

 

(Hirnstammanteil des Hinterhirns)
- Endkerne des Gleichgewichts- und Gehörnerven
Verarbeiten mit anderen Gehirnzentren die Gleichgewichts- und Hörempfindungen

- Endkern des N. trigeminus (V)
Wichtigster sensibler Trigeminus-Endkern für die Sensibilität des Kopfes

- Motorischer Ursprungskern des N. trigeminus (V)
--> Innervation der Kaumuskulatur

- Brücke (Pons)
Wölbt sich ventral als mächtiger und phylogenetisch junger Querwulst aus weisser Substanz vor.

Kleinhirn (lat.?)

(Cerebellum)
Gliedert sich grob in den zentralen Wurm (Vermis) sowie die beiden Hemisphären
--> beidseits durch 3 Kleinhirnstiele mit dem Hirnstamm verbunden
--> Koordination der Motorik sowie Regulation von Gleichgewicht und Skelettmuskeltonus
--> Erkrankungen äussern sich in Gleichgewichtsstörungen sowie unkoordinierten Bewegungen --> zerebelläre Ataxie

Mittelhirn (lat.?)

(Mesencephalon)
Kürzester Hirnstammabschnitt besteht aus Mittelhirndach, Mittelhirnhaube und Grosshirnschenkel

• Mittelhirndach (Tectum mesenc. s. Vierhügelplatte)
Vermittlung und Koordination von optischen und akustischen Reflexen

• Mittelhirnhaube (Tegmentum mesencephali)
Wichtige Kerngebiete (Ncl. ruber) des extrapyramidalmotorischen Systems für unwillkürliche automatisierte Bewegungsabläufe

• Grosshirnschenkel (Crura cerebri)
Enthalten efferente Bahnen des pyramidal-motorischen Systems für willkürliche, gezielte und feinmotorische Bewegungen

Zwischenhirn (lat.?)

(Diencephalon)
--> wird vom Mantel (Pallium) der beiden Grosshirnhemisphären lateral und dorsal bogenförmig überlagert
--> grobe Gliederung in den Thalamus dorsal und den Hypothalamus ventral

Thalamus

"das Tor zum Bewusstsein"
--> letzte Umschaltung der zur Grosshirnrinde aufsteigenden Sinnesbahnen vor der "bewussten" Wahrnehmung der Sinneseindrücke in der Rinde
--> wichtiges Integrations- und Koordinationszentrum, über welches den Sinneserregungen auch Gefühle und  Stimmungen vermittelt werden

Hypothalamus

--> übergeordnetes vegetatives Kontroll- und Regulationszentrum --> Anpassung des Organismus an die wechselnden Umwelteinflüsse
--> beeinflusst durch Verbindungen zum limbischen System auch Motivation und Antrieb sowie das emotionale Verhalten

Sehnervenkreuzung (lat.?)

(Chiasma opticum)
Liegt ventral an der Oberfläche des Hypothalamus bzw. Zwischenhirns. Anteil der kreuzenden Fasern hängt vom Umfang des binokulären Gesichtsfeldes ab.

z.B. b. Pfd./Rd. kreuzen sich fast alle Fasern, da die Augen seitlich

Hypophyse (lat.?)

(Gld. pituitaria)
Liegt kaudal der Sehnervenkreuzung und ist über den Hypophysenstiel mit dem Hypothalamus verbunden
--> enge Beziehungen zwischen Hypophyse und Hypothalamus --> u.a. Steuerung der Fortpflanzung und des Sexualzyklus

Grosshirn (Endhirn, lat.?)

Cerebrum
Besteht aus den beiden Grosshirn-Hemisphären:
Grosshirn-Hemisphären
• Basalganglien (Hirnstammanteil)
• Grosshirnmantel (Pallium)
- Grosshirnrinde (Cortex cerebri)    --> graue Substanz
- Markkörper (Corpus medullare, Leitungsapparat)   --> weisse Substanz

Basalganglien

Liegen als vorderster Hirnstammabschnitt und Teil des Grosshirns beidseits basal in den Hemisphären
--> wichtiges Regulations- und Schaltzentrum der gesamten Motorik
--> Integration und Modulation (hemmend und fördernd) von Bewegungsimpulsen sowie Aktionen ohne Beteiligung der Grosshirnrinde

Leitungsapparat (Markkörper)

--> Verbindungen zwischen Grosshirnrinde und Hirnstamm bzw. Rückenmark (Projektionsfasern)
--> Verbindungen zwischen den beiden Hemisphären (Kommissurfasern) bilden den Hirnbalken (Corpus callosum)

(Kommissurfasern = Verbindungen von links nach rechts)

Grosshirnmantel (lat.?)

Gliederung?

(Pallium)
Grobe Gliederung in phylogenetisch jungen Neuhirnmantel (Neopallium) und Althirnmantel (Archi- und Palaeopallium)

(Als Phylogenese bezeichnet man die stammesgeschichtliche Entwicklung aller Lebewesen und ihrer Verwandtschaftsgruppen)

Neuhirnmantel (lat.?)

(Neopallium)
--> weitaus grösster Teil des Grosshirnmantels
--> schiebt sich zwischen das basale Palaeopallium und das nach medial verdrängte Archipallium
--> artspezifisches Windungs- und Furchungsmuster mit nur wenigen konstanten Furchen

Brodmann-Areale

Die Brodmann-Areale sind eine Einteilung der Großhirnrinde in Felder, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionen in Aufbau und Zytoarchitektur ihrer Schichten unterscheiden.

Es gibt mehr als 50 davon.

Konstante Furchen (lat.?)

(4)

(Fissurae, Sulci)
Dienen der willkürlichen Einteilung des Neuhirn bzw. Grosshirnmantels in Lappen und damit der groben Orientierung
--> Fissura longitudinalis cerebri
--> Fissura lateralis cerebri
--> Sulcus rhinalis lateralis
--> Sulcus cruciatus deutlich beim Flfr

Gehirnnerven

Ursprung?
Einteilung?

Die 12 paarigen Gehirnnerven I-XII entspringen an der Gehirnbasis (Basis cerebri) aus dem Hirnstamm (exkl. I)

--> "reine" Sinnesnerven (I,II,VIII; sensibel)
--> "rein" (proximal) motorische Nerven (IV, VI, XI,XII)
--> Gemischte Nerven (übrige), die motorische, sensible und parasympathische Fasern enthalten können

Sympathische Fasern aus dem Brustmark über das Ggl. cervicale craniale als postganglionäre Fasern zugeführt.

Lernen