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Cartes-fiches
Welche typischen Arten von Randbedingungen gibt es in der Strömungssimulation und wie werden die Lösungsgrößen dort behandelt?
1. Einstromrand:
Zweck: Definiert wo und wie das Fluid in das Gebiet einströmt
Behandlung:
- „Velocity Inlet“: Strömungsgeschwindigkeit, Temperatur und Turbulenzgrößen werden fest vorgegeben (Randbedingung 1. Art, Dirichlet)
- „Pressure Inlet“: Druck wird fest vorgegeben (1. Art). Geschwindigkeit ist Ergebnis von Druckunterschied
Ausströmrand:
Zweck: Definiert, wo das Fluid das Gebiet verlässt
Behandlung:
- „Pressure Outlet“: statische Druck wird vorgegeben (1. Art)
- In der Regel alle Ableitungen von Lösungsgrößen (Ausnahme der Druck) zu Null gesetzt (2. Art, Neumann)
- Wichtig, es darf keine Rückströmungen geben
Wand:
Zweck: Feste, undurchdringliche Begrenzung
Behandlung:
- Geschwindigkeit wird Null gesetzt (1. Art), konvektive Flüsse damit auch Null
- Temperatur kann fester Wert (1. Art) oder Wärmestrom sein (2. Art) oder 3. Art
- Bei groben Netzen wird eine Wandfunktion benötigt
Symmetrie:
Zweck: Reduziert den Rechenaufwand, indem nur ein Teil berechnet wird
Behandlung:
- Geschwindigkeit normal zur Symmetrieebene = Null (1. Art)
- Alle anderen Gradienten normale zur Ebene = 0 (2. Art)
- Flüsse: alle konvektiven und diffusiven Flüsse durch Eben sind Null
Worauf muss man bei Ausstromrändern achten?
- Keine Rückströmung: Strömung muss über gesamten Querschnitt tatsächlich nach außen gerichtet sein
- Durch eine Rückströmung werden numerische Fehler zurück in das Lösungsgebiet transportiert, was die Lösung verfälscht
- Um zu vermeiden, muss der Ausströmrand außreichend weit stromabwärts positioniert werden
- Oft wird am Auslass ein fester Druck vorgegeben. Für die anderen Variablen wird angenommen, dass der Gradient Null ist
Wie sieht der Ablauf einer „äußeren“ Iteration aus?
Die äußere Iteration ist der Haupt-Rechenzyklus, der notwendig ist, weil alle Erhaltungsgleichungen (Impuls, Masse und Energie) miteinander gekoppelt sind. Eine Iteration löst alle Gleichungen nacheinander:
- Impulsgleichungen lösen (U, V, W) (mit Druckfeld aus vorherigem Schritt)
- Druckkorrekturgleichung lösen (dient als Ersatz für die Masseerhaltung bei inkompressibler Strömung)
- Zusätzliche Gleichungen lösen (z.B. Turbulenzgrößen wie k und epsilon)
- Energiegleichungen lösen (für z.B. Temperatur)
- Stoffwerte (z.B. turbulente Viskosität) aktualisieren
Der gesamte Zyklus wird so oft wiederholt, bis die Lösung aller Gleichungen konvergiert ist
Was ist eine Druckkorrektur? Warum braucht man das und wie ist die Vorgehensweise?
Die Druckkorrektur ermöglicht das Lösen inkompressibler Strömungen im Finite-Volumen-Verfahren. Der Druck wird dabei nicht direkt aus einer eigenen Gleichung berechnet, sondern so eingestellt, dass die Massenerhaltung in jedem Kontrollvolumen erfüllt ist. 5 Unbekannte und Druck kann nicht aus separater Gleichung berechnet werden.
Warum?
Wenn man ausgehend vom aktuellen Druckfeld die Impulsgleichungen löst, erhält man vorläufige Geschwindigkeiten. Diese erfüllen meist noch nicht die Massenerhaltung. Eine Korrektur ist deshalb notwendig, um Fehlmengen auszugleichen und das Feld physikalisch konsistent zu machen.
Druckkorrektur nach SIMPLE:
- Anfangsdruck schätzen: Startwert für den Druck
- Impulsgleichungen lösen: mit vorläufigem Druck löst man die Impulsgleichungen und berechnet Geschwindigkeiten
- Druckkorrekturgleichung aufstellen: Durch das Einsetzen der vorläufigen Geschwindigkeiten in die Konti-Gleichung erkennt man, wo Massenerhaltung verletzt ist.
- Daraus ergeben sich Forderungen an den erforderlichen Druck/Geschwindigkeit, die erfüllt werden müssen
- Durch Subtraktion der des vorherigen Drucks/Geschwindigkeit mit dem gewünschten Druck/Geschwindigkeit ergeben sie die Korrekturen. Daraus ergibt sich eine Gleichung für die Druckkorrektur (Poisson-Gleichung)
- Korrektur anwenden: Druckkorrektur wird auf das Druckfeld und die Geschwindigkeiten angewendet, sodass Massenerhaltung erfüllt
- Iterieren: Die Schritte werden wiederholt, bis das Residuum im gewünschten Maß liegt.
Wie kann die zeitliche Diskretisierung erfolgen? Welche Vor- und Nachteile haben die beiden besprochenen Methoden?
Explizite Zeitdiskretisierung:
- Werte eines neuen Zeitschritts werden direkt nur aus bekannten Größen des vorherigen Zeitschritts berechnet
- Vorteile: Einfache Formulierung und Implementierung
Geringer Speicherbedarf pro Zeitschritt
- Nachteile:
Stabilität eingeschränkt: Der Zeitschritt muss durch das sogenannte CFL-Kriterium sehr klein gewählt werden, abhängig von Geschwindigkeit und Gitterweite.
Besonders bei feinmaschigen Gittern und schnellen Strömungen können dadurch sehr viele Zeitschritte nötig werden
Implizite Zeitdiskretisierung:
- Der neue Zeitschritt bezieht die Unbekannten des aktuellen Zeitschritts mit ein. Dafür entstehen gekoppelte LGS, die numerisch zu lösen sind
- Vorteile: bedingungslos stabil, auch für große Zeitschrittweiten
Besonders geeignet für stationäre oder langsame Probleme
- Nachteile:
Aufwändiger in der Programmierung und beim Lösen, da pro Zeitschritt ein Gleichungssystem bearbeitet werden muss.
Pro Zeitintervall meistens längere Rechenzeit und höherer Speicherbedarf als explizit
Was bedeuten die Eigenschaften Konsistenz, Stabilität, Konvergenz, Konservativität und Beschränktheit einer numerischen Lösungsmethode?
Konsistenz:
Eine Methode ist konsistent, wenn der Abbruchfehler der Diskretisierung gegen Null geht, sobald die Gitterabstände gegen Null gehen. Formal: Die diskretisierte Gleichung nähert sich bei Verkleinerung der Schritte immer besser der exakten Differentialgleichung an. Die Ordnung der Konsistenz gibt an, wie schnell dieser Fehler abnimmt
Stabilität:
Eine Diskretisierung ist stabil, wenn sich Fehler (z.B. Rundungs- oder Iterationsfehler) während der gesamten Rechnung nicht mit jedem Zeitschritt oder Iteration unkontrolliert verstärken und die Lösung selbst konvergiert. Ob die Methode stabil ist, hängt oft von der Wahl der Zeitschrittweite und evtl. von Unterrelaxation ab.
Konvergenz:
Eine Lösungsmethode ist konvergent, wenn die numerische Lösung bei immer engerem Gitter und kleinerem Zeitschritt tatsächlich gegen die exakte Lösung der Grundgleichung strebt. Voraussetzung dafür sind Konsistenz und Stabilität. Man prüft das typischerweise durch eine Gitterverfeinerungsstudie (gitterunabhängige Lösung)
Konservativität:
Das Verfahren ist konservativ, wenn die Erhaltung der physikalischen Größen (z. B. Masse, Impuls, Energie) auch auf dem numerischen Gitter gewährleistet ist. Bei der Finite-Volumen-Methode ist das durch die Bilanz über die Kontrollvolumengrenzen automatisch gegeben, sofern die Differenzialgleichung in konservativer Form verwendet wird. Sie ist eine wichtige Eigenschaft, da sie zur Einschränkung des Lösungsfehlers führt. Wenn Erhaltung gegeben ist, dann können Fehler nur durch falsche Verteilung der Größen entstehen.
Beschränktheit:
Beschränktheit bedeutet, dass die berechneten Werte physikalisch plausible Grenzen nicht überschreiten (z.B. keine negativen Dichten oder Temperaturen, Temperaturwerte liegen stets zwischen den Randwerten). Fehlen diese Schranken, kann es zu unphysikalischen Oszillationen oder starken Rechenfehlern kommen, insbesondere bei Verfahren höherer Ordnung und grobem Gitter
Welche Fehlerquellen können bei der Durchführung einer CFD-Analyse auftreten?
1. Programmier- und Bedienfehler
- Falsche Eingaben oder Implementierungsfehler in der Software.
- Schlecht quantifizierbar
2. Modellierungsfehler (Differenz zur Realität - Idealisierung)
- Physikalische Modelle sind oft nur Näherungen (z.B. einfache Turbulenzmodellierung statt direkter physikalischer Beschreibung).
- Ungenaue oder unpassende Stoffdaten (Temperatur-, Druck-, Mischungs-Abhängigkeiten).
- Vereinfachte Geometrie oder Randbedingungen (z.B. 2D statt 3D, falsches Einströmrandsprofil).
- Schwierig abzuschätzen, oft nur durch Vergleich mit Experiment oder Literatur möglich (Stichwort: Validierung und Verifikation).
3. Diskretisierungsfehler
- Entstehen durch die Abbildung der Differenzialgleichungen auf ein diskretes netz/zeitintervall (z.B. grobes Gitter, falsches Schema für konvektive Flüsse).
- Approximationen durch Mittelwerthypothese, Flussschemata (UDS, CDS), und Gradientenberechnungen.
- Fehler nehmen mit Gitterverfeinerung typischerweise ab (Gitterkonvergenzstudie empfiehlt sich).
4. Iterationsfehler/Konvergenzfehler
- Fehler zwischen der numerisch-iterativ gelösten Gleichung und der exakten Lösung bei gegebenem Gitter.
- Entstehen, wenn das Abbruchkriterium (z.B. Residuumsschranke) zu großzügig gewählt wird.
- Auch Rundungsfehler durch begrenzte Rechnergenauigkeit fallen darunter.
Fehlerabschätzung:
- Die Einflussbewertung und Fehleranalyse (Gitterstudie, Validierung, Sensitivitätsanalyse) ist dann entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Nutzbarkeit der Simulationsergebnisse.
- Jeder der untersuchten Fehler sollte eine Größenordnung kleiner als der nachfolgende sein, sonst Abschätzung des Fehlers nicht ausreichend genau
Wie können die einzelnen Fehlereinflüsse abgeschätzt bzw. verringert werden?
1. Iterationsfehler (Konvergenzfehler)
Abschätzung: Überwache das Residuum jeder Erhaltungsgleichung während der Iterationen. Der Iterationsfehler ist hinreichend klein, wenn das (normierte) Residuum um 3–4 Größenordnungen abgenommen hat und sich bei weiteren Iterationen nicht mehr deutlich verändert.
Verringerung: Wähle strengere Abbruchkriterien (kleineres zulässiges Residuum). Nutze ggf. doppelte Genauigkeit ("double precision"), falls Rundungsfehler eine Rolle spielen.
2. Diskretisierungsfehler
Abschätzung: Führe eine Gitterverfeinerungsstudie durch: Berechne auf mindestens zwei unterschiedlich feinen Netzen und vergleiche die Ergebnisse für Zielgrößen (z.B. Auftriebs- oder Widerstandsbeiwerte). Wenn die Lösung netzunabhängig wird, ist der Diskretisierungsfehler ausreichend klein.
Verringerung: Verwende ein feineres Gitter und prüfe dabei besonders relevante Strömungsbereiche (z.B. Grenzschicht, Aufwirbelungen). Wähle möglichst hochordentliche, geeignete Diskretisierungsschemata für Flüsse und Gradienten.
3. Modellfehler
Abschätzung: Vergleiche die Simulationsergebnisse mit verlässlichen Experimenten oder Literaturdaten (Validierung). Prüfe in Sensitivitätsanalysen den Einfluss von Materialdaten, Turbulenzmodellen, Rand- und Anfangsbedingungen auf die Zielgrößen.
Verringerung: Setze bessere (physikalisch passendere) Modelle ein, passe die Rand- und Anfangsbedingungen realitätsnah an und nutze aktuelle Stoffdaten. Wähle die Simulation so, dass Vereinfachungen (z.B. 2D statt 3D) möglichst wenig Einfluss auf die Ergebnisqualität haben.
Merke:
Die Fehleranalyse erfolgt von innen nach außen – erst die numerisch einfach abzuschätzenden, dann die grundsätzlichen Problemannahmen.
Die Fehlerquellen sollen in ihrer Reihenfolge jeweils eine Größenordnung kleiner werden, um saubere Rückschlüsse auf die Lösungsgüte zuzulassen.
Wie ist der konvektive und der diffusive Transport definiert?
Konvektiver Transport: Dies ist der Transport einer physikalischen Größe (z. B. Energie oder Masse), indem sie von einer gerichteten Strömung einfach „mitgenommen“ wird.
Diffusiver Transport: Dies ist der Transport einer Größe, der durch die ungerichtete Zufallsbewegung der Teilchen (aufgrund ihrer thermischen Energie) entsteht. Er sorgt für einen Ausgleich, z. B. wandert Energie von warm zu kalt (Wärmeleitung) oder Stoff von hoher zu niedriger Konzentration
Was ist das Stoke’sche Gesetz und wo findet es Anwendung?
Das Stoke’sche Gesetz ist ein Ansatz für sogenannte Newtonsche Fluide. Es setzt die viskosen Spannungen (Reibungskräfte im Fluid) proportional zu den Deformationsraten (wie stark sich das Fluid verformt/schert).
Anwendung: Es wird benötigt, um die Impulsgleichungen in die Navier-Stokes-Gleichungen zu überführen, indem es die unbekannten Spannungen durch bekannte Geschwindigkeitsgradienten ausdrückt.
Was dient als Grundlage zur Herleitung der Energiegleichung?
Die physikalische Basis ist der 1. Hauptsatz der Thermodynamik für offene Systeme. Dieser besagt, dass die Änderung der Energie im System gleich der Summe aus dem Wärmestrom und der zugeführten Arbeit ist
Was ist eine konservative Darstellung einer Erhaltungsgleichung?
Eine konservative Darstellung (meist in Vektorschreibweise mit dem Divergenz-Operator) bilanziert direkt die Flüsse durch die Ränder eines ortsfesten Kontrollvolumens. Mathematisch erkennst du sie daran, dass der Divergenzterm auf die Größe angewendet wird:
Was ist das Kronecker Symbol? Wie sieht es aus und für was wird es benutzt?
Das Kronecker-Symbol ist ein mathematisches Hilfsmittel in der Indexschreibweise (Tensorrechnung).
Aussehen/Definition: Es ist 1, wenn die Indizes gleich sind, und 0, wenn sie ungleich sind.
Nutzen: Es wird verwendet, um die Einheitsmatrix darzustellen oder um gezielt Komponenten auszuwählen (z. B. Elemente der Hauptdiagonalen einer Matrix).
Wie groß und schnell sind die größten Wirbel von einem turbulenten Strömungsproblem?
Größe: Die größten Wirbel haben Abmessungen, die in der Größenordnung der Strömungsgeometrie liegen (z. B. dem Rohrdurchmesser oder der Grenzschichtdicke).
Geschwindigkeit: Ihre Drehgeschwindigkeit (Umfangsgeschwindigkeit) liegt in der Größenordnung der mittleren Strömungsgeschwindigkeit des Problems.
Wie unterscheiden sich laminare und turbulente Strömungen hinsichtlich ihrer Tonalität?
Turbulente Strömungen sind im Gegensatz zu laminaren Strömungen durch starke Schwankungen gekennzeichnet, was zu einer erhöhten Geräuschemission führt. Laminare Strömungen verlaufen geordnet und sind daher akustisch unauffälliger („leiser“), während Turbulenz Lärm erzeugt. Laminare Strömungen höheren sich wie ein einzelner Ton an, turbulente Strömungen hingegen wie ein Rauschen.
Was kannst du über die Wirbelkaskaden und das derartige Energiespektrum sagen?
Die Wirbelkaskade beschreibt den Energietransfer in einer turbulenten Strömung:
- Energie-Injektion: Große Wirbel entziehen der Hauptströmung Energie. Sie sind anisotrop (richtungsabhängig) und langlebig.
- Energietransport (Kaskade): Durch Wirbelstreckung zerfallen große Wirbel in immer kleinere Wirbel und geben ihre kinetische Energie weiter.
- Dissipation: Bei den kleinsten Wirbeln (Kolmogorov-Skala, isotrop) wird die kinetische Energie durch Reibung (Viskosität) schließlich in Wärme umgewandelt (dissipiert)
Wie ist die turbulente kinetische Energie definiert?
Die turbulente kinetische Energie (Einheit J/kg) ist ein Maß für die Energie, die in den turbulenten Schwankungsbewegungen steckt. Sie ist definiert als die halbe Summe der Varianzen der Geschwindigkeitskomponenten in alle drei Raumrichtungen.
Was ist das Peclet Zahl und für was wird sie benötigt?
Die Peclet-Zahl ist eine dimensionslose Kennzahl.
Definition: Sie beschreibt das Verhältnis von konvektivem Transport zu diffusivem Transport.
Nutzen: Sie zeigt an, welcher Transportmechanismus dominiert. Bei Pe=0 liegt reine Diffusion (z. B. Wärmeleitung im ruhenden Fluid) vor. Bei hohen Pe-Werten dominiert die Strömung (Konvektion), was Einfluss auf die Stabilität numerischer Verfahren (z. B. Zentraldifferenzen vs. Rückwärtsdifferenzen) hat.
Was ist der Unterschied zwischen Validierung und Verifikation?
Verifikation: „Lösen wir die Gleichungen richtig?“ (Mathematik, Gitterkonvergenz, Bug-Freiheit).
Validierung: „Lösen wir die richtigen Gleichungen?“ (Physik, Vergleich mit Experiment, passt das Turbulenzmodell?)
Was ist der Unterschied zwischen Newtonschen und Nicht-Newtonschen Fluiden?
Bei Newtonschen Fluiden (Wasser, Luft) ist die Schubspannung linear proportional zur Schergeschwindigkeit (konstante Viskosität). Das Stokes'sche Gesetz gilt nur hier.
Was bedeutet „Isotropie“ bei Turbulenzmodellen und warum ist das ein Problem?
Isotropie bedeutet, dass die Turbulenz in alle Richtungen gleich stark ist (keine Vorzugsrichtung). Einfache Modelle (wie k-Epsilon) nehmen das an. In Wandnähe oder bei starker Rotation ist Turbulenz aber anisotrop (ungleichmäßig). Deshalb sind einfache Modelle dort oft ungenau.
Was ist die physikalische Bedeutung von y+?
Es ist ein dimensionsloser Wandabstand. Er entscheidet, ob der erste Gitterknoten in der viskosen Unterschicht liegt (dort wo Reibung dominiert, y+ < 1) oder im logarithmischen Bereich (wo Turbulenz dominiert, y+ > 30). Das bestimmt, ob man ein Low-Re-Modell (feines Gitter) oder Wandfunktionen (grobes Gitter) nutzen muss.
Woher kommt die Energie für die Turbulenz und wo geht sie hin?
Energie kommt aus der Hauptströmung in die großen Wirbel (Produktion). Sie wird an immer kleinere Wirbel weitergegeben (Kaskade), bis sie bei den kleinsten Wirbeln (Kolmogorov-Skala) durch Reibung in Wärme umgewandelt wird (Dissipation)
Warum führt das Zentraldifferenzen-Schema (CDS) bei starker Strömung (hohe Peclet-Zahl) zu Problemen?
Weil es Informationen von „stromabwärts“ (gegen die Strömungsrichtung) genauso stark gewichtet wie von „stromaufwärts“. Das widerspricht der Physik bei starker Konvektion und führt zu Oszillationen (Wackeln der Lösung). Das Upwind-Schema (UDS) verhindert das, ist aber ungenauer.
Numerische Diffusion vs. Physikalische Diffusion:
Physikalische Diffusion ist echt (z.B. Wärmeleitung). Numerische Diffusion ist ein Rechenfehler (Verschmierung), der durch ungenaue Verfahren (wie UDS, 1. Ordnung) entsteht. Sie sieht aus wie echte Diffusion, ist aber "falsch".
Strukturiertes vs. Unstrukturiertes Gitter:
Strukturiert: Regelmäßige Anordnung (Schachbrett), Indizierung, effizient zu rechnen, aber schwer für komplexe Geometrien.
Unstrukturiert: Beliebige Anordnung (Dreiecke/Tetraeder), flexibel für jede Geometrie, aber aufwändiger zu rechnen/speichern.
Welche Rolle spielt der Satz von Gauß (Gaußscher Integralsatz) beim Finite-Volumen Verfahren?
Er ist der mathematische Kernschritt der Diskretisierung. Er wandelt das Volumenintegral der Divergenz (Quelldichte) in ein Oberflächenintegral der Flüsse um.
Verständnis: Dadurch muss man nicht mehr wissen, was im Inneren des Volumens passiert, sondern nur noch bilanzieren, was über die Ränder (Oberflächen) hinein- und hinausfließt. Das macht die Methode physikalisch so anschaulich und konservativ.
Was ist die Courant-Zahl (CFL-Zahl) und welche physikalische Bedeutung hat sie?
Sie ist definiert als C = u * deltat / deltax (Verhältnis von Strömungsweg pro Zeitschritt zur Zellgröße).
Verständnis: Sie ist das Stabilitätskriterium für explizite Zeitverfahren (dort muss C < 1 sein).
Physikalisch: Ein Fluidteilchen (bzw. eine Information) darf sich innerhalb eines Zeitschritts nicht weiter bewegen als über eine einzelne Gitterzelle hinweg. Wenn es Zellen "überspringt", verliert das explizite Verfahren die Information und wird instabil
Vergleiche das k-epsilon Modell mit dem k-omega Modell. Wo liegen die Stärken und Schwächen?
k-epsilon Modell:
Stärke: Sehr robust, gut für freie Strömungen (fern der Wand), weit verbreitet.
Schwäche: Versagt oft bei starken Druckgradienten (Ablösungen) und direkt an der Wand (benötigt Wandfunktionen oder Dämpfung).
k-omega Modell (Wilcox):
Stärke: Sehr gut direkt an der Wand (in der viskosen Unterschicht) und bei Druckgradienten/Ablösungen integrierbar (Low-Re tauglich ohne Dämpfungsfunktionen).
Schwäche: Sehr empfindlich gegenüber den Randbedingungen im freien Anstrom (Freestream-Sensitivity).
Lösung: Das SST-Modell (Shear Stress Transport) kombiniert beide: k-omega an der Wand und k-epsilon im freien Strom.
Welche Qualitätskriterien gelten für numerische Gitter bezüglich Expansionsrate und Seitenverhältnis?
Expansionsrate (Growth Rate): Das Größenverhältnis benachbarter Zellen. Sollte idealerweise kleiner als 1,3 (besser < 1,2) sein, um Diskretisierungsfehler gering zu halten. Sprunghafte Änderungen der Zellgröße führen zu Fehlern. Äquivaltent 0,7 bei Schrumpfung
Seitenverhältnis (Aspect Ratio): Verhältnis von Länge zu Breite einer Zelle.
Ideal: 1 (kubisch/quadratisch).
In Grenzschichten sind hohe Aspect Ratios (flache Zellen) oft notwendig und erlaubt, solange die Strömung parallel zur langen Seite fließt.
In Bereichen komplexer Strömung oder Ablösung sollte das Aspect Ratio klein (nahe 1) sein, um Konvergenzprobleme zu vermeiden.
Erlaubter Bereich Lambda 0,1 bis 10
Wie beurteilt man die Konvergenz einer Simulation? (Nicht nur Residuen)
Residuen: Müssen um mehrere Größenordnungen fallen (z.B. 10^-3 bis 10^-4) und sich auf niedrigem Niveau stabilisieren.
Monitor-Points/Zielgrößen: Physikalische Zielgrößen (z.B. Luftwiderstandswert cw, Druckverlust, Massenstrom am Auslass) müssen sich auf einen konstanten Wert einpendeln und dürfen nicht mehr driften.
Massenbilanz: Die Summe der Massenströme rein muss gleich der Summe raus sein (Globaler Fehler < 1% oder weniger).
Energiebilanz, wenn eine Quelle im Inneren ist
Beispiele verschiedener Arten von Rechennetzen
Strukturierte (regelmäßige) Gitter
Blockstrukturierte Gitter
Unstrukturierte Gitter
Sonderformen (z. B. Verbund- oder Chimära-Gitter
Unterschied von strukturiertem und unstrukturiertem Netz
Strukturierte Gitter:
Bestehen aus separat angeordneten Gitterlinien für jede Raumrichtung, die sich nicht innerhalb einer Raumrichtung kreuzen
Dies erlaubt eine strukturierte Durchnummerierung (Indizierung) der Gitterlinien und Knotenpunkte in Zeilen und Spalten (z. B. kartesisches Indexsystem i, j, k)
Vorteil: Die Matrix des algebraischen Gleichungssystems hat eine reguläre Struktur, was sehr effiziente Lösungsverfahren ermöglicht
Nachteil: Sie sind nur für geometrisch einfache Lösungsgebiete gut einsetzbar
Unstrukturierte Gitter:
Bestehen aus einem Netz von Rechenzellen (z. B. Tetraeder, Hexaeder, Polyeder) ohne regelmäßige Reihen- oder Spaltenstruktur
Die Verknüpfung erfolgt über Nachbarschaftslisten, nicht über ein geometrisches Schema
Vorteil: Sie passen sich bestens an sehr komplizierte Geometrien an und erlauben lokale Verfeinerungen
Nachteil: Die Erstellung und die Datenstruktur sind aufwändiger (irregular), und die Löser sind in der Regel langsamer als bei strukturierten Gittern
Was bedeuten die Eigenschaften Orthogonalität, Expansionsrate und Seitenverhältnis in Bezug auf ein Rechennetz? Wie sollten diese jeweils optimalerweise gewählt werden?
Orthogonalität:
- Bezieht sich auf den Winkel zwischen der Verbindungslinie zweier Zellzentren (P-E) und der Zellwand (e). Wenn diese orthogonal sind, ist die Berechnung des Gradienten einfach. Bei Nicht-Orthogonalität wird die Berechnung komplizierter und fehleranfälliger
- Das Gitter sollte möglichst orthogonal sein (Linie P-E senkrecht zur Seite e)
- Hauptsächlich nur für strukturierte Gitter relevant, bei heutigen Lösungsmethoden nicht mehr so relevant
- Je regelmäßiger und orthogonaler in Strömungsrichtung, desto besser
Expansionsrate:
- Beschreibt das Größenverhältnis benachbarter Zellen. Abweichungen von der Äquidistanz erhöhen den Abbruchfehler
- Der Faktor sollte idealerweise im Bereich zwischen 0,7 und 1,3 liegen (in Star-CCM+ oft 0,5 bis 1,5).
Seitenverhältnis:
- Das Verhältnis von Länge zu Breite eines Kontrollvolumens. Ein ungünstiges Verhältnis führt dazu, dass Punkte in einer Richtung viel stärker gekoppelt sind als in der anderen, was die Konvergenz verlangsamt
- Das Seitenverhältnis sollte im Bereich von 0,1 bis 10 gewählt werden.
Auf welche Qualitätskriterien ist bei der Erstellung von Rechennetzen generell zu achten?
Regelmäßigkeit vs. Flexibilität: Je regelmäßiger ein Gitter ist, desto effizienter sind die Lösungsalgorithmen, aber desto unflexibler ist es bei komplexen Geometrien
Einhaltung der Grenzwerte: Die oben genannten Parameter (Orthogonalität, Expansionsrate, Seitenverhältnis) sollten in den empfohlenen Bereichen liegen, um numerische Fehler und Konvergenzprobleme zu minimieren
Auflösung der Grenzschicht: In wandnahen Bereichen (Grenzschichten) sollten bei unstrukturierten Gittern Prismenschichten verwendet werden, um in wandnormaler Richtung eine strukturierte und feine Diskretisierung zu ermöglichen
Wandabstand (y+):
Bei Verwendung von Wandfunktionen (High-Re-Ansatz) sollte der dimensionslose Wandabstand des ersten Knotens im Bereich 30 < y+ < 30 liegen
Bei Auflösung der viskosen Unterschicht (Low-Re-Ansatz) sollte der erste Knoten bei y+ < 1 liegen
Was ist ein Blockstrukturiertes Gitter und was ist ein Chimära-Gitter (Overset Grid)?
Blockstrukturiert: Das Gebiet wird in mehrere Blöcke unterteilt. Innerhalb jedes Blocks ist das Gitter strukturiert (i,j,k-Indizierung), aber die Blöcke können unterschiedlich fein sein oder komplex angeordnet werden.
Chimära/Overset: Mehrere Gitter werden einfach übereinandergelegt (z.B. ein Hintergrundgitter und ein Gitter um ein Auto). Die Information wird in den Überlappungsbereichen interpoliert. Vorteil: Sehr einfach für bewegte Teile (z.B. rotierende Räder, abwerfbare Lasten). Nachteil: Interpolationsfehler an den Grenzen.
Wie funktioniert generell eine CFD-Analyse in der Praxis?
- Formulieren der Problemstellung.
- Festlegung / Modellbildung des Strömungsgebietes.
- Festlegung der Randbedingungen (Position, Größe, Art der RB).
- Aufbau des Berechnungsgitters .
- Aufsetzen der Berechnung (Einbau RB, Einbau Modelle, usw.).
- Durchführen der Rechnung.
- Überwachen der Berechnung.
- Auswertung der Berechnungsergebnisse.
- Kritische Begutachtung der Ergebnisse, ev. Vergleich mit Experimenten.
- Durchführung einer Sensitivitätsanalyse (Einfluss Gitter, RB, Stoffwerte).
- Dokumentation der Ergebnisse.
Was beschreibt die substantielle Ableitung physikalisch?
Antwort: Die substantielle Ableitung beschreibt die zeitliche Änderung einer Größe Phi, die ein mit der Strömung mitbewegtes Teilchen erfährt.
Sie setzt sich zusammen aus der lokalen zeitlichen Änderung, (instationär an einem festen Ort) und der konvektiven Änderung (Änderung durch Ortswechsel in ein Gebiet mit anderem Wert)
Was ist der Unterschied zwischen „Residuum“ und „Korrektur“ (Aktualisierung) bei iterativen Verfahren?
Residuum (rho): Ist ein Maß für den Fehler in der Gleichungserfüllung nach einer Iteration. Es ist die Differenz zwischen der linken und rechten Seite des Gleichungssystems (Q - A*Phi). Es sollte gegen Null gehen. In CFD Solvern wird für jede Zelle ein Residuum gebildet und durch verschiedene Verfahren (L1, L2 Lunendlich Norm) ein Gesamtresiduum gebildet. Dieses wird meist noch skaliert um verschiedene Lösungsgrößen gegenüberzustellen. Das Residuum ist der Term, der bei einem Kräftegleichgewicht (bei Impulsgleichung) zu einer Imbilanz führen würde.
Korrektur (delta): Ist ein Maß dafür, wie stark sich die Variable von einer Iteration zur nächsten ändert (Phi{n} - Phi{n-1}).
Wichtig: Eine kleine Korrektur bedeutet nicht zwingend eine genaue Lösung (das Verfahren könnte einfach nur sehr langsam konvergieren oder „steckenbleiben“), weshalb das Residuum das wichtigere Abbruchkriterium ist
Welche Rolle spielt die CFD Simulation im Produktentwicklungsprozess?
Wandel der Methodik: Verschiebung von „Design -> Bauen -> Testen“ hin zu „Design -> Simulieren/Optimieren -> Bauen“. Die virtuelle Absicherung erfolgt vor dem physischen Prototypenbau
Kosten- & Zeitreduktion: Einsparung teurer Hardware-Prototypen und Verkürzung der Entwicklungszyklen
Front-Loading: Verlagerung der Problemlösung in frühe Entwicklungsphasen (Konzept/Design), wo Änderungen noch günstig und einfach möglich sind
Erweiterte Möglichkeiten: Durchführung von Parameterstudien, Optimierungen und Tests, die real zu gefährlich, teuer oder unmöglich wären